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Ohm Krüger.
Paris, 25. November.
Präsident Krüger traf um 10 Uhr 40 Min. auf dem Lyoner Bahnhofe ein. Es war ein mit Blattpflanzen ge-
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Dienstag den 27. November 150. Jahrgang 1OOO
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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schmückter Pavillon hergestellt worden, aber der Zug fuhr darüber hinaus und der Empfang fand aus dem Bahnsteige selbst statt. Der Salonwagen des Präsidenten war mit Blumen ungefüllt. Als er am Wagenfenster erschien, erschallten brausende Hochruse aus Krüger, der durch Abnehmen des Hutes dankte. Er hatte gleich fernen Refte- gefährten große Mühe, feine Bewegung zu bemerMn. Biele Anwesende, darunter viele Eisenbahnbeamte brachen in Thränen <rus. Sofort begannen die Reden. Der Präsident antwortete vom geöffneten Wagensenfter aus. Rach jeder Rede erschollen die Rufe: „Hoch Krüger! Es leben die Buren". Der Ehes des Protokolls Crozrer hreß den Präsidenten im Namen der französischen Regierung \m\V kommen. Krüger dankte mit einigen Worten. Dann sprach der Senator und ehemalige Justizminister Guerin rm Namen des Komitees und im Marne» des französischen Volkes überhaupt, das stets für die Gerechtigkeit, Freiheit und das Recht eingetreten sei. Er gab seinem Wunsche Msdruck, daß die tapferen Buren, die m ihrem Lande für die Unabhängigkeit kämpfen, schließlich den Sieg davontragen möchten. Krüger erinnerte m seiner Antwort daran, daß er stets eine schiedsgerichtliche Entscheidung verlangt habe und au-d) jetzt noch verlange. Ter Präsident des Pariser Stadtrates Gr e b au v al hielt daraus eine zündende Rede. Am meisten gesiel die »stelle, in der er sagte, daß die Stadt Paris alle Unterdrücker ohne jeden Unterschied verabscheue und hasse. Kruger, : dessen Bewegung während dieser Rede noch gestiegen war, dankte der „Lichtstadt" für den ihm bereiteten Empfang. Er fügt hinzu, die alte Temse der Stadt Varis: „Fluctuat nec mergitur“ sei künftighin auch die von Transvaal, und niemals würden die 'öuren ^ifc Waffen inederlegen. Zum Schlüsse gab der Praftdent des Generalrats des Seine-Departements dem Wunsche Ausdruck, die von Krüger unternommene Europa-Reise möchte zur Erreichung des angesttebten Zieles fuhren. Kwüqer erwiderte, er habe die feste Ueberzeugung, daß die gute Sache der Buren schließlich doch siegen werde. Unter Hochrufen aus tausend und abertausend Kehlen verließ Krüger den Bahnzug und bestieg einen Wagen, der
I ihn nach dem Hotel Scribe in der Nähe der großen I Oper verbrachte, wo "sich eine'ungeheure Mensck)enmenge I angesammelt hatte, die Krüger bei seiner Ankunft mit I jubelnden Zurufen begrüßten. Krüger erschien mehrere- I male auf dem Balkon, wobei man bemerkte, daß eck I seinen alten, legendenhaften Zylinderhut mit einem durch- I aus neuen vertauscht hatte. Sein Enkel Elosf trat an I seine Seite und schwenkte unter ungeheurem Jubel der I Menge eine Tricolore.
Eine Schar Studenten mit Fahnen an der Spitze I durchzog die Straßen in der Nähe des Absteige-Quartiers I Krügers unter den Rufen: Nieder mit England. Es I wurden 30 Verhaftungen vorgenommen.
Um 1 Uhr 20 Min. fuhr Präsident Krüger, geleitet I von einer Eskadron der trassiere in dem Wagen des I Präsidenten d e*r französischen Republik n ach dem Elysee. Im Hose des Elysee-Palastes wurden ihm I wie einem Souverän eines unabhängigen Staates I militärische Ehren von einer Infanterie-Abteilung mit I Fahne und Musik erwiesen. Der Besuch dauerte 10 Mi- I nuten, worauf Krüger unter denselben Ehrenbezeugungen I nach dem Hotel zurückfuhr. Um 4 dreiviertel Uhr erschien I der Ches des Protokolls Crozier in großer Uniform bei I Krüger, um ihm den Besuch des Präsidenten I Loubet anzuzeigen und die Aeußerlichkeiten zu regeln. I Kurz darauf kam Loubet angefahren. Der Besuch dauerte I eine Viertelstunde. Die auf den Straßen versammelte I Menge brachte lebhafte Hochrufe auf Loubet aus. Obschon I ein großes Gedränge herrschte, ist keinerlei besonderer I Zwischenfall zu verzeichnen.
Krüger sandte dem Polizei-Agenten, der ver- I letzt worden war, als die Pferde des Präsidentenwagens! I vor dem Hotel scheu wurden, 100 Francs und ließ gleich,- I zeitig den Polizei-Präfekten bitten, ihn über das Befinden I des Betreffenden zu unterrichten. Er empfing Sympathie- | adressen aus Valencia, Cartagena, Sevilla sowie eine I solche von dem Fürsten von Monaco, worin dieser seine I Bewunderung für das Beispiel von Energie und von I Humanität, das die Buren der gesitteten Welt gegeben, I Ausdruck verleiht. Es ist unwahrscheinlich, daß Krüger I der Einladung der Nationalisten, dem Rathause einen I Besuch abzustatten, folgen wird.
Tr. Leyds wohnte dem amtlichen Diner bei, das I der Minister des Aeußern dem diplomatischen Corps ge- I geben hat.
Dem „Echo de Paris" zufolge, sollte Präsident Krüger I heute (Montag) nach Brüssel abreisen und tut) nach! I zweitägigem Aufenthalt dort nach dem Haag und von I dort nach Berlin begeben.
Sämtliche Pariser Blätter stellen mit Genugthuung I fest, daß auch nid)t der geringste ungeziemende Vorfall
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Der Krieg in China.
Auch „Daily Mail" meldet den Ausbruch von Meinst» asversch ieden Heiken zwischen den Vertretern der M a ch t e in Peking. Japan, Amerika, Rußland und Frankreich sollen die Forderung der Hinrichtung des Prinzen luaii und der übrigen Schuldigen fallen gelassen haben, während Deutschland, Oesterreich und Italien darauf be- stehen. , ...
Die amerikanische Regierung hat an die in Mna Krieg führenden Mächte eine Note gerichtet, worin sie ihrer Absicht Ausdruck giebt, mit allen ihr zu Gebote führenden Mitteln eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zu verhindern, die ihrem Dafürhalten nach sich dann über ganz China erstrecken würden. Die amerikanische Regierung ist der Meinung, tofe diese Gefahr nicht beschworen werden kann, wenn die Unterhandlungen immer wieder ins Stocken geraten. Die Regierung hat sich zu dieser Maßregel erst entschlossen, nachdem sie die Gewißheit erlangt hatte, daß Rußland, Krlinkreich und vielleicht auch Japan mit ihr Hand in Hand zehen werden. — Nach einer anderen Meldung sandte die amerikanische Regierung eine neue identische «Ute an die M ächte über die China-Angelegenheit. Die Vereiniget» Staaten weigern sich darin entschiede», be« Maßregel», die vo» de» Vertreter» der Mächte auf- gcsstellt sind, ihre Zustimmung zu gebeii. In Betreff der Peßtrafung der Schuldigen und der Zahlung einer Geldentschädigung schlägt die Regierung vor, da zwischen den Mrtreter» der Mächte hierüber ernste Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen sind, neue Grundlagen zur Lößung dieser Frage in Erwägung zu ziehen. Mehrere Michte, darunter England, sollen bereits ihre Zustimmung in diesem neuen Vorschläge gegeben haben.
Nach einer Kabelmeldung der „Paris-4Louvelles" gestaltet sich die Lage mit jeder Woche mißlicher, besonders fim die chinesischen Kommissäre, deren zögernde Haltung vom Hofe sehr übel bemerkt wird. Jede» Tag erhalten sie eine» neue» Befehl, Unterhandlungen anzuknupfei» Sw formen aber immer nur antworten, daß die verbündeten Mchte eine Einigung unter sich nicht erzielen könne».
Die „Költt. Ztg." schreibt zu dem gegenwärtige» Sitanbc der Chmawirren bezüglich des Artikels 2, die Io bestrafe betreffend, seien Frankreich, England und Deutschland sowie die übrigen weniger beteiligten Staaten qrundsätzlich einig, während Amerika und Rußland |ur mildernde Umstände plaidieren. Gegenwärtig spiele in be» Erwägungerk, ob die Todesstrafe zu verhängen sei, die zrage eine Rolle, ob die Entfaltung ganz besonderer Machtmittel notwendig sei, um die Vollstreckung der Todesstrafe zu erzwingen oder aber ob man nicht mit später Erreichbarem sich begnügen soll. Die Frage sei ernst genug, mn einen Aufschub in ihrer Beantwortung zu rechtfertigen.
Gegenüber Befürchtungen einer bevorstehenden Z f o- lierung des Dreibundes in der Chinafrage kann ein Berliner Blatt konstatiere», daß die jungst von Amerika her verbreiteten Gerüchte über ein bevorstehendes klbschwenke» des Washingtoner Kabinetts aus dem Konzert der Mächte in Berlin nicht ernst genommen worden smd und thatsächlich auch unbegründet waren. Der Berliner amerikanische Botschafter White hatte eine; lange Unterredung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Richthofen über die Bestrafung der Radelv- lührer»d er Boxer sowie über die von China von den -dächten zu verlangende Entschädigung. Die Unterredung hatte ein beide Teile befriedigendes Ergebnis.
Man meldet aus Peking vom 23. November abends, zwischen Sunuh n und Hua in an erreichte die deutsche Kavallerie den Nachtrab der Chinesen; die unter den Generalen Ma und Ho zurückginge». Sie attackierte zweimal Infanterie und Kavallerie. Es wurden dreißig Chinesen getötet und fünf Akunitionswagen erbeutet. Tie Deut- icften setzten die Verfolgung fort, konnten aber bir feindliche Hauptmacht nicht mehr erreichen, da diese sich in Auflösung zurückgezogen hatte Die Deutsche» hatten keine Verluste.
Üeber das in Petschili verbleibende russische Kon- nnaent verlautet, es werde 2000 Mann (vier Bataillone) stark sein vo» denen eins oder zwei in Peking und Tientsin, ba-s vierte in Taku verbleiben sollen. Von den nissisch- chinesischeii Abkommen wird erzählt, es regele die zu- fLftiaen Verhältnisse i» der Mandschurei und sichere Rug- lamd eine Anzahl wirtschaftlicher Vorteile. Einzelheiten trüber rn erfahre», wird schwer halten, da sowohl russische °mMch° Stellen ftr-ngstes Schweigen be- Md)ten. Der Petersburger
3ttg." meldet, Rußland wollte anfänglich seine ^ppen stmffelweise aus Petschili zuruckziehen; mbenen fei bie »te ,i.,rnng nunmehr aus nicht näher angegebenen Gründen »utschlossen, dem Obcrbeschlshaber der rufjtfd)<n ^and- W, General Lenewitsch, Befehl zu erterlen, letzt beretts sämrrtliche Landtruppen bis auf vier
Mli zurückzuziehen. Diese Abteilung soll den Schutz der Sts-rsandtschaft übernehmen, und ihre Belassung foll der
Ausdruck des weiteren Zusammengehens mit den übrigen I Mächten sein. Die „Köln. Ztg." versichert, diese, sowie I anderweitige amerikanische Meldungen lassen voraussehen, I daß Amerika und Rußland an weiteren Zwangsmaßregeln I gegen China zwecks Bestrafung der Rädelsführer sich nicht I beteiligen.
Nach der soeben veröffentlichten Sanitäts-ista - I tisti k ist die Verpflegung der deutschen Truppen I die beste. Das Trinken von ungekochtem Wasser ist ihnen I verboten und doch haben sie die meisten Erkrank-I ungen zu verzeichnen. Im Spital von Tientsin liegen I 332 deutsche Kranke. Davon sind 20 an Ruhr und 31 I an Typhus erkrankt. Die Franzosen, die ungekochtes I Wasser trinken, haben 38 Ruhrkranke und 32 Typhus- I kranke, 40 leiden an Durchfall. Die Japaner, die keinerlei I Vorsichtsmaßregeln gebrauchen und alles mögliche trinken, I haben im ganzen 36 Kranke, ober keinen Fall von Typhus I ober Ruhr. . . I
Ma» meldet aus Peking: Die Expedition des I Obersten York traf bisher ans keinen Widerstand. I Chinesische Truppe» i» Stärke von 180 Mann hatten I Swanhud früh verlassen. Die deutschen Truppen fanden I dort die beste Aufnahme. Auch General Ho Altho, der I geschworen hatte, er werde bis zum letzten Moment I kämpfe», verließ Kalgan, das Oberst York heute besetzt I haben wird. — Eine kleine deutsche Expedition I hatte westwärts von Peking ein Gefecht mit ben Boxern, die zerstreut wurden und 50 Tote verloren. I Ein Telegramm auF Mailand besagt: Dem hiesigen I „(Sortiere della Lena" wird aus Peking gemeldet, em dort eingstroffener, aus Tayenfu geflüc^eter I Missionar, Pater Prosperi, habe berichtet, daß sich in der genannten Stadt seit Beginn der Unruhen zehn italienische Missionare, ferner in Langenf» zahlreiche Europäer und Missionare e i n g e s ch l o s s e n befinden, die eine» Fluchtversuch, da er aussichtslos wäre, nicht wage» können.
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Telegram« des Gießener Anzeigers.
Berlin, 26. November. Der amerikanische Botschafter White erklärte in seiner Unterredung mit dem Staats- | sekretär des Auswärtigen Amtes, Frhrn. von Richthosen, am Samstag namens des Washingtoner Kabinetts, daß die i Vereinigten Staaten von Nordamerika den aufrichtigen Wunsch hegten, in der Chinafrage mit den übrigen Mächten so weit als möglich zusammenzugehen. Amerika wolle aber den Mächten zu bedenken geben, ob es nicht ratsam sei, die auf die Exekution der boxerfreundlichen Prinzen und auf die Ersatzansprüche der Mächte bezüglichen Punkte in den Forderungen an China zu ermäßigen. Die Aufnahme, die diese Unterredung des amerikanischen Botschafters an leitender Berliner Stelle gefunden hat, gestattet den Schluß, daß Deutschland sich einer solchen Modifikation der Forderungen an China nicht widersetzen werde, falls auch die anderen Mächte zuftimmen.
Berlin, 26. November. Ein Telegramm des deutschen Flottenvereins aus Schanghai vom 24. November nachmittags besagt: Angeblich offizielle chinesische Berichte verbreiten die Nachricht, daß die Kaiserin gefährlich er- krankt sei. — Eine offizielle Kabelmeldung des deutschen Oberkommandos an den deutschen Flottenverein, die gestern aus Peking hier eingegangen ist, lautet: Hier finden täglich gemeinsame Beratungen der Gesandten statt. Der Abschluß der Friedensverhandlungen könnte schon in nächster Woche erwartet werden, wenn eine befriedigende Einigung unter den Vertretern der Mächte erzielt wird. Der deutsche Gesandte wird die Vollmachten der chinesischen Unterhändler prüfen und demnächst der chinesischen Regierung mitteilen, unter welchen Bedingungen der Friede geschlossen werden kann. w r .... x
Loudon, 26. November. Aus Shanghai wird gemeldet: Der chinesische Hof befindet sich noch immer in Singanfu. Die Vizekönige des Y a n g t s e t h a l e s und der Prinz T s ch i l i haben es abgelehnt, die Entsendung von Geld und Lebensmitteln nach Singanfu zu verhindern. Sämtliche chinesischen Arsenale und Fabriken find mit Anfertigung von Waffen und Munition beschäftigt.
London, 26. November. Emer Pekinger Meldung zufolge befiehlt ein Edikt der Kaiserin sämtlichen Gouverneuren und Vizekönigen, die Anfertigung unmoderner Waffen ein- zuftellen und nur solche Waffen herzustellen, die allein befriedigende Resultate erzielt haben.
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