Ausgabe 
27.7.1900 Erstes Blatt
 
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Herr zu Eisenbach, Rittmeister Hans Riedesel Freiherr zu Eisenbach und Albrecht Riedesel Freiherr zu Eisen­bach, der Freiherrliche VerwaltungSches, Forstmeister Eulefeld, sowie KreiSrat Dr. Wallau einsanden. Letzterer überreichte vor dem versammelten Ziegeleipersonal dem Jubilar die Verdienstmedaillefür treue Arbeit".

-z. Geilshausen, 24. Juli. Schöne Steuerblüten treibt die Vermögenssteuer schon. Vor uns liegt das Schreiben eines Vorsitzenden einer Steuer-Veranlagungs- kommission, worin es heißt:Zu Ziffer 1, 5 wäre anzu­geben, in welcher Weise die hier aufzunehmenden Kapital­ansprüche bewertet wurden. Hierfür ist in erster Linie der Rückkausswert, d. h. der volle Betrag, zu dem die Ver­sicherungsanstalt die Police zurückkaufen, würde maßgebend, dessen Nachweis dann noch zu erbringen wäre. Eine An­rechnung mit 2/3 der Summe der seit Beginn der Ver­sicherung eingezahlten Prämien oder Kapitalbeiträge tritt nur ein, soweit sich ein Rückkaufswert nicht feststellen läßt.

diesem Falle wäre noch anzugeben, seit wann, mit welchem Kapitalbetrag, gegen welche jährliche Prämien und aus welchen Zeitpunkt versichert wurde." Fehlt also bloß noch: die Police ist aus dem Steuerkommiffariat zu deponieren, das Geld wird ev. durch das Steuerkommiffariat nach Abzug der gesetzlichen Ver­waltungskosten vermittelt. Das ist wirklich eine nette Vor­mundschaft! Da die Angaben aber ganz richtig angegeben waren, so wurde dies dem betr. Steuerkommiffariat per Postkarte kurz mitgeteilt, worauf ein unfrankiertes Schreiben des Inhalts eintraf:Da das Schreiben der dienstlichen Form entbehre, werde es hierdurch zurückgegeben". Stehen die Steuerzahler in dienstlichem Verhältnis zum Steuer- ^ommiffariat?

-m Vom höheren Vogelsberg, 25. Juli. Bei der nun schon geraume Zeit andauernden, fast tropischen Wärme können die Bewohner des höheren Vogelsbergs mit ihrer Heuernte endlich zu Ende kommen. Der Schnitt fällt im Vergleich zum Vorjahre spärlich aus. Die Kartoffel­felder zeigen durchweg ein sehr gutes Aussehen, sodaß eine reichliche Ernte dieses namentlich für die gering be­mittelten Klaffen so bedeutenden Nahrungsmittels, zu er­hoffen ist.

Darmstadt, 24. Juli. Unter herzlicher Anteilnahme seiner Freundes- und Bekanntenkreise wurde gestern abend aus dem Bessunger Friedhöfe der am Samstag nach längerem Leiden verstorbene Profeffor Dr. Karl Landmann zu Grabe getragen. Zahlreich vertreten waren besonders das Lehrerkollegium des hiesigen Realgymnasiums, an dem der Verblichene zuletzt gewirkt, und die Vorstände des hie­sigen Litterarischen Vereins und des Richard Wagner-Ver­eins Darmstadt. Profeffor Landmann, der am 8. Febrnar l. Js. seinen 70. Geburtstag feiern durfte, hat als Lehrer, bezw. Direktor in den Städten Offenbach, Worms, Gießen, Groß Umstadt und Darmstadt lange Jahre in reichem Segen gearbeitet. Nach seiner Ruheftandsversetzung ent­faltete er eine ausgedehnte litterarische Thätigkeit in zahl­reichen wissenschaftlichen und musikalischen Zeitschriften, die seinem Namen über die Grenzen unseres engeren Vater­landes hinaus einen guten Klang verschafften. Sein Lieb- lingsgebiet war die altgermanische Sagenwelt, und die ein­gehende Beschäftigung mit ihr machte ihn früh zum warmen Verehrer Wilhelm Jordans, für den er wiederholt in Wort und Schrift eingetreten ist.

bm. Mainz, 25. Juli. Der frühere hessische Notar, Justizrat Dr. Lipp old, eine weit über die Grenzen von Mainz bekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit, begeht morgen in voller Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. Dr. Lippold, der in früheren Jahren Notar in Oppenheim war, gehörte zu der Deputation, die im Kriegsjahre 1871 dem General v. Werder einen Ehrensäbel überreichte, weil durch dessen thatkräftiges Eingreifen verhütet wurde, daß sch l[aniÖ^e @cneraI Bourbacki die deutsche Grenze über-

Mainz, 24. Juli. Als kürzlich aus China die Nach­richt emtraf, daß in Peking sämtliche Mitglieder der deut- scheu Gesandtschaft und die zu ihrem Schutze in Peking be­findlichen Mannschaften der deutschen Marine ermordet worden seien, wurden auch die Namen jener Mannschaften

veröffentlicht, unter welchen sich auch die Söhne zweier Mainzer Familien befanden. Der Vater eines dieser jungen Leute, der um das Schicksal seines Sohnes sehr besorgt war, hat sich nun bald nach Bekanntwerdung dieser Schreckens­nachricht an das kaiserliche Marineamt gewendet und unter Zugrundelegung der gemeldeten Mitteilungen die Anfrage an dasselbe gerichtet, ob auch sein Sohn sich unter den Opfern von Peking befände. Dem Vater des jungen Mannes wurde darauf von dem Kaiserlichen Marineamt die Mit­teilung, daß eine offizielle Bestätigung derRieder- metzelung der Schutztruppen der Gesandtschaft bis jetzt nicht eingelausen sei.

Frankfurt a. M, 24. Juli. Gestern vormittag wurde die zur Feier des 25jährigen Bestehens desVereins zur Pflege der Photographie und verwandter Künste" ver- anstaltete und unter dem Protektorat des Prinzen Fried- rtch Karl von Hessen stehende Photographische Ausstellung in Frankfurt eröffnet. Ueber dreihundert Aussteller find in den einzelnen Gruppen vertreten, die in eine Abteilung für Berufs- und eine für Amateur-Photo­graphen, eine für wissenschaftliche und Fachphotographen, photographisches NnterrichtSwesen, historische Entwickelung der Photographie und photographische Bedarfsartikel zer­fallen. Die Ausstellung gewährt einen erschöpfenden Ueber- blick über den derzeitigen Stand der Photographie und weist eine Fülle brillanter unv origineller Aufnahmen, Bilder, Reproduktionen und sonstiger Erzeugnisse auf, die zum größten Teil die künstlerische Vollendung des Photo- graphischen Berufes demonstrieren. Das Arrangement ver­dient Anerkennung; ein elegant ausgestatteter, mit zahl­reichen Photographien, darunter einem ausgezeichneten Bilde des Protektors, versehener Katalog erleichtert das Verständnis.

Hanau, 24. Januar. In einer Eingabe an den Land­wirtschaftsminister erörtert die Handelskammer zu Hanau die seit nicht weniger denn 28 Jahren andauernde Liquidation der deutschen Viehversicherungs-Gesellschaft Pan", die s. Z. auf Gegenseitigkeit b gründet war. Die Mitglieder der Gesellschaft und ihre Rechtsnachfolger, die seit 1872 von der Gesellschaft nichts mehr gehört halten, wurden und zwar zum Teil erst 1895 mit einer Aufforderung des Liquidators zur Einzahlung eines Nach­schusses von 7 Prozent der Versicherungssumme überrascht. Das Verlangen gründete sich auf einen Erlaß des Land­wirtschaftsministers vom 29. April 1893, in dem konstatiert wurde, daß die bedauerliche Höhe dieses Nachschuffes die Folge der früheren langjährigen Verschleppung des Liquidations­verfahrens sei und diese wieder damit Zusammenhänge, daß infolge derjetzt" (also 1893, nach 21 Jahren!) auf­gegebenen Ausfassung, als ob die Staatsaufsicht über Ver­sicherungsgesellschaften aus Gegenseitigkeit durch den Liqui­dationsbeschluß ohne weiteres erlösche, die Geschäftsführung des früheren Liquidators lange Zeit hindurch jeder staat­lichen Einwirkung und Kontrolle entzogen gewesen sei. Nachdem dann durch das Eingreifen der Aufsichts­behörde eingeordneter Zustand" herbeigeführt sei, lasse sich erwarten, daß die Mitglieder der Gesellschaft die in ihrem eigenen Interesse liegende Beschleunigung des Liquidationsverfahrens durch prompte Einzahlung der von ihnen erforderten nach Lage der Sache nicht zu vermeidenden Nachschüsse zu fördern geneigt sein würden. Was bedeutete nun die Zusicherung, daß durch das Eingreifen der Auf­sichtsbehörde ein geordneter Zustand herbeigeführt sei? Die Liquidation konnte bis heute nicht abge­schlossen werden, nach wiederum 7 Jahren! Zwar blieben Klagen wegen der Einzahlung nicht aus, zumal der frühere Liquidator vielen Versicherten s. Zt. erklärt hatte, sie seien aus der Versicherung endgiltig aus­geschlossen und brauchten in Zukunft keine Zahlungen mehr zu leisten, eine Erklärung, die natürlich nicht rechtsgiltig war, aber bei den beteiligten doch zum Rechtsirrtume führen mußte. Auch der neue Liquidator gab bei den Quittungen über den siebenprozentigen Nachschuß eine gleiche rechts- ungiltigc Erklärung ab. Abgesehen davon wird die heutige Geschäftsführung dadurch gekennzeichnet, daß einigen Mit­gliedern der Nachschuß nach drei Jahren wiederholt ab- gesordert wurde und die Reklamation bei einem, der die

Zahlung geleistet hatte, nach einem Jahre der Fall mußte erst der Aufsichtsbehörde vorgetragen werden de« Erfolg hatte, daß zunächst eine Rate zurückgezahlt wurde, der Rest wieder erst nach einigen Monaten. Ein weiteres Beispiel: in dem Rechenschaftsberichte vom 1. Mai 1899 sind 975,75 Mk. an Tantieme verzeichnet und die Aufsichts­behörde hat die Verteilung dieser Tantieme als berechtigt anerkannt, während Tantiemen sonst nur zu gewähren sind, wenn eine Gesellschaft Ueberschüsse verzeichnen kann. Die Verwaltungskosten betrugen bei 31504,68 Mk. Passiven und 29582,47 Mk. Aktiven, die der Rechenschaftsbericht vom 1. Mai 1899 ergab, in dem letzten Jahre bis dahin 15199,90 Mk. und wurden für ein weiteres halbes Jahr mit 6800,45 Mk. eingestellt, so daß sich heute die Passiven gegenüber den Aktiven gewiß schon wieder dermaßen erhöht haben, daß eines TageS ein zweites Verfahren für die Erhebung von Nachschüssen einzuleiten ist. Gegen eine Kritik schützte sich der Liquidator dadurch, daß er seit dem 1. Mai 1899 die Abschrift der Rechen­schaftsberichte verweigerte, was die Aufsichts­behörde guthieß. Das Verfahren wird iu beteiligten Kreisen mit berechtigter Empörung erörtert; es handelt sich um zahlreiche Gewerbetreibende und Landwirte im Stadtgebiete, für die das Opfer auch kleinster Beträge äußerst empfindlich ist. Von einem Verschulden ist die Staatsregierung nicht freizusprechen, weil fie in irriger Auffassung die Aufsicht über die Gesellschaft und über das Liquidationsverfahren 21 Jahre unterlassen hat. Die Handelskammer beantragt daher, die Staatsregierung möge in dem Etat für das nächste Jahr den erforderlichen Betrag für die endgiltige Abwickelung des Liqnidationsver- fahrens in Höhe von ca. 11000 Mk. vorsehen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Vor einigen Monaten wurden einem Metzgermeister in Mainz 1500 Mk. durch Einbruch gestohlen. Der eigene Sohn des Metzgers hat jetzt der Polizei angezeigt, daß er den Diebstahl ausgeführt habe. Der junge Mann soll nicht ganz zurechnungsfähig sein.

Arbeiterbewegung.

Amsterdam, 24. Juli. Das Militär wird aus Rotterdam heute und morgen zurückgezogen. Heute morgen %7 kam es noch­mals zu einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und einem Manne, der während des Streiks bei der Holland-Amerika-Ltnte arbeitete. Der Angegriffene verteidigte sich mit seinem Revolver und ver­letzte einen unbeteiligten Arbeiter lebensgefährlich. Fünf Per­sonen wurden verhaftet.

Wöchentliche Ueberfichl der Todesfälle in Meßen.

29. Woche. Vom 15. bis 21. Juni 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800 (incl. 1600 Mann Militär) SterblichkeitSziffer: 14,67, nach Abzug der Ortsfremdm 10.48 o/«.

Kinder

A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebracht« Krank« kommen.

ES starben an:

Zusammen: Erwachsene:

1.2

im vom

ebenSjahr: 2.1b. Jahri

Altersschwäche

Tuberkulose deS

1 Bauch-

1

fellrS

1 (D

1 (1)

-

Krebs

1 (1)

1 (1)

Hitzschlag

1

1

Diarrhöe

2

2

Bronchitis

1

- 1

Summa: 7 (2)

4 (2)

2 1

Kandel und Verkehr. Uolkswirtschast.

Frankfurter Börne vem 25. Juli.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prämien auf Kredit per ult. Juli 0.800/», do. per ult Äug. 2.50%, Diskonto-Kommandit per ult. Juli 0.75 %, do. per ult. Aug. 2.40%, Lombarden per ult Juli 0.00%, do. per ult Äug. 0.80%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %.

Notierungen: Kreditaktien 208.30-20-50, Diskonto- Kommandit 175.30-49, Staatsbahn 139.80-00, Lombarden 25.50-00, Italiener 92.90, Spanier 71.90-00, Bproz. Mexikaner 25.50, Bochumer 196.50-30-197.30 bz., Laura 214.70-215 bez., Harpener 187.50-90 bz., Gelsenkirchen 193.50-70.00 bz., Ungar. Goldrente 00.00, Gestern Coupons 00.00, Amerik, Coupons [0.00, Privat-Diskont 4 % bz.

1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 208.50-000.00 bz., Dig- konto-Kommandit 175.50-000.00 bz., Staatsbahn 139.50-000,00 bz., Lombarden 25.60, Laura 00.00.

Submission

Die Lieferung von Weißzeug, Bettwerk, Kraukeukleideru, Stoff zu Stores, neuen Roß­haarmatratzen und das Auf­arbeiten von Roßhaar­matratzen für die neuen Kliniken in Gießen soll auf dem öffentlichen Submissionswege für das Rechnungs­jahr 1900/1901 vergeben werden.

Bezüglich der Lieferungsbeding- ungen ist der Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893, das VerdingungSwefen betr., und deffen Anlage A maßgebend.

Die Lieferungsbedingungen und Musterstücke find auf dem Ver­waltungsbureau genannter Anstalt an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 6 Uhr einzusehen.

Offerten mit der Aufschrift «Lieferung von Weißzeug rc." sind verschlossen bis zum Montag deu Sv. Juli 1900, mittags 12 Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Großh. Ver- waltung der neuen Kliniken ein- Hureichen.

Zuschlagsfrist bis zum 11. August 1900.

Die Lieferung kann auch vertellt vergeben werden. 4901

Gießen, den 14. Juli 1900.

Großherzogl. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken.

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Hofgut Friedelhausen.

I. Keifer, SlllrMter.

Gesclligkeitsverein Gleiberg.

Einladung

zur Generalversammlung am 28. Juli d. Js., nachmittags 4 Uhr, auf der Burg Gleiberg.

Tagesordnung: Wahl des Vorstandes.

Feststellung des Etats pro 1900/01.

Rechnungsablage pro 1899/1900.

Geschäftsbericht pro 1899/1900. Bauangelegenheiten.

Der Vorsitzende: von Bechtold. 4867

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