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27.6.1900 Zweites Blatt
 
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Kr. 147 Zweites Blatt

Mittwoch den 27. Juni

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General-Anzeiger

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S Gießener Anzeiger

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 4. Juli l. Js., vormittags

MNVi Uhv, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffent­liche Sitzung deS ProviuzialtagS der Provinz Oberheffes mit folgender Tagesordnung statt:

Die Errichtung einer Provinzial-Siechenanstalt." Gießen, 23. Juni 1900.

Der Vorfitzende des ProvinzialtageS.

v. Bechtold.

Die Wirren in China.

Die jüngsten Ereignisse in Ostasien, die deshalb vom ßoirser befohlene Mobilmachung der beiden Seebataillone, dir letzten amtlichen Depeschen über die Vorgänge im fckhoflusse und bei Tientsin und das Gefecht unseres Ka- «t ienbootesIltis" mit den Takuforts halten jedermann in Spannung und Erregung. Man mutz von Glück sagen, dag: derIltis" selbst und seine vitalen Teile gar nicht, vdt r doch gewiß nicht nennenswert beschädigt sind. Nur bei Aufbau, also die Brücke (vielleicht sind auch die Kam­pagne und die Back auf dem Oberdeck, unter denen die ll^hnräume der Offiziere und Mannschaften liegen, ge­meint) ist stark beschädigt. Desgleichen sind die 8,8 Ctm.- Achchütze unbeschädigt. Letztere stehen zu je zweien frei «tltern auf der Kampagne und vorn auf der Back, sind aljo sehr ausgesetzt und haben keinen weiteren Schutz, als bi( dünnen, jtrichterförmigen Stahlschilde. DerIltis" isc >aus Stahl gebaut und für den Tropendienst besonders eir^erichtet. Der Schiffskörper entbehrt jedes Panzer- schntzes. Die beiden kleinen vertikalstehenden Maschinen vom 1300 Pferdekräften geben dem Schiffe eine Geschwindig- keii von 13 Knoten. Die Besatzung zäHlt 120 Köpfe. Kor- »t Ittenkapitän La ns, dessen hervorragende Eigenschaften als Seeoffizier in Marinekreisen hochgeschätzt werden, ge- höi t der Marine seit April 1878 an und wurde am 12. De­zember 1898 zum Korvettenkapitän befördert. Ein Lon- bowier Telegramm besagt, Lans sei bei der Erstürmung der laVuforts durch Schüsse in die Beine verwundet worden; ttoltzdem habe er sein Schiff mit großer Schneidigkeit in lernt, Gefechte geleitet. Uebrigens betrage die Zahl der chinesischen Verluste bei Taku 2000 Mann.

Dem gefallenen Oberleutnant z. S. Hellmann schien einte glänzende Laufbahn bevorzustehen. Er trat im April 1892 ein und wurde am 11. November 1898 zum Oberleut­nant z. S. befördert. Der übrige Stab des Iltis setzt sich zuscammen aus: 1. Offizier Kapitänleutnant .Kühne, Ober- knttnant Hoffmann-Lamatsch, welcher zuletzt das Kom- maiado führte, v. Hippel (Wilhelm), Nerger, Stabsarzt ir. Schober, Ober-Zahlmeister Koslick, Ober-Maschinist Wunsch

Die Mobilmachung der beiden See-Ba­la iillo ne ist in außerordentlich rascher Zeit vor sich |itf) gegangen. Schon am zweiten Mobilmachungstage »tuen sämtliche Dispositionsurlauber in Wilhelms- lawen, wie von dort geschrieben wird, eingetroffen, und kctritS am 23. stand das 2. Bataillon in feldmarschmäßigem SiiMge vor seinem Kommandeur, Major v. Kronhelm. Die vifäinglich geplante Ausreise per Marinetruppe am morgen- kn Mittwoch ist auf Wunsch des Kaisers bis auf den 3. Juli verschoben worden. Der Kaiser will sich persönlich ton den hinausgehenden Offizieren und Mannschaften ver- tbschiieden, wie er es bei jedem nach Kiautschou im Frühjahr «begangenen Ablösungstransport gethan hat. Durch die Mderten Bestimmungen ist für die Ausrüstung dieses sc»ßten aller Transporte, den unsere Marine nach dem luSlande entsandt hat, jedenfalls sehr viel kostbare Zeit jMonnen, die namentlich im Interesse der Verpflegung afs beste ausgenutzt wird. Die Frankfurt nimmt das Seebataillon, die 8,8 Zentimeter-Feldbatterie und das Lif besonderen Befehl des Kaisers kommandierte Pionier- ktachement an Bord. Die Entsendung dieses Truppenteils :tirfte auf Anraten des Prinzen Heinrich erfolgen, :icr auf Grund seiner gründlichen Kenntnisse der Verhält- nri|fr in Ostasien die Beigabe von Pionieren für unerläßlich .Lteilten hat, schon um unfern ebenfalls im Pionierdienst ^gebildeten Seesoldaten als Lehrer und Mitarbeiter im Mn zu dienen. Das 1. Seebataillon schifft sich in Wil- Hlmshaven auf dem Wittekind ein und wird mittels Son- SvMgs am Tage der Ausreise nach China von Kiel nach tkr befördert. Der Inspekteur der Marine-Infanterie, ^naeralmajor v. Höpsner, wird den etwa 2500 Mann Memden Transport selbst leiten und sich an Bord des Nlürkinb einschiffen. Auch für Musik ist gesorgt. Jedes Manllon nimmt eine Kapelle von 18 Mann, unter Leitung Mess Oberhoboisten, mit. Die zur Herstellung der Kriegs- ssLM des 2. Seebataillons gewählten Freiwilligen sind wi Mnzen etwa 600 Mann. Die Mannschaften empfangen

außer ihrer gewöhnlichen Uniform, zu der noch die Litewka tritt (diese bildet die Winter-Ausrüstung), auch eine voll­ständige Tropen - Ausrüstung, Khaki - Anzug , Mütze und Tropenhelm. Die Verpflegung der Truppe vom Tage der Einschffung bis zum Tage der Landung in China ist An­gelegenheit des Norddeutschen Lloyd; dagegen hat das Verpflegungsamt der Nordseestation eine vollständige Ver­pflegungsausrüstung für zunächst drei Monate für den ganzen Transport zu stellen. Im kaiserlichen Verpfleg­ungsamt herrscht daher Tag und Nacht eine angestrengte Thätigkeit. Um sich nur einen annähernden Begriff zu machen von dem, was hier zu leisten ist, mag nur erwähnt werden, daß über 6000 Stiften in der sogenannten Marine­verpackung für Seetransport und Tropen zur Verladung kommen, "außer den Fässern mit Rinderpökel-, Salzfleisch, Hammelfleisch und Kohl, Präserven und Konserven, Dürr­gemüse, Hartbrot und Getränken. Alles, was es auch nur sei, Hülsenfrüchste, Mehl, Zucker, Kaffe, Thee, Butter usw. wird zunächst in eine Zinkkiste von etwa 50 Kilo Inhalt mit aufgelötetem Deckel verpackt; die Zinkkiste mit einer starken Holzkiste mit aufgeschraubtem Deckel umgeben. Diese wird mit Bandeisen umschlagen und zum Schluß mit einer Signatur versehen. Der mit dem Transport zum Versand kommende Proviant nimmt allein einen Schiffs­raum von 700 Kubikmeter in Anspruch und würde min­destens zwei volle Güterzüge befrachten. Hierzu kommt noch die sehr bedeutende Ausrüstung an Kriegsmunition, Laza­rett- und Feldlagereinrichtungen. Der inzwischen in Taku mit der Köln eingetroffene 1200 Mann starke Ablösungs­transport ist zur Verfügung des Chefs des Kreuzerge- schwabexs gestellt, so daß sich die Stärke unserer in Ostasien weilenden Truppen auf rund 4 800 Mann beläuft.

In Kiel findet am Donnerstag die Besichtigung des zur Abfahrt fertigen PanzerkreuzersFürst Bismarck" statt. Am Freitag wird das Schiff die Fahrt nach China antreten.

Ueber die bisherige Beteiligung der deutschen Marine­truppen aln den Entsatzversuchen von Peking und Tientsin teilt man folgendes mit: Von den zum Schutze der Bot­schaft resp. nach Tientsin entsandten deutschen Truppen, sind 50 Mann in Peking, 40 Mann in Tientsin (durchweg vom Seebataillon) stationiert. Ein späterer Nachschub von ca. 40 Mann Marineinfanterie verteilte sich auf beide bedrohte Punkte. Wie weit die 450 Mann von Tientsin aus gekommen sind, ist unbekannt. Seit ihrem Abmarsch von Tientsin nach Peking weiß man absolut nichts mehr von lohnen.

Die Ungewißheit über das Schicksal der Europäer in Peking und Tientsin, sowie der zu ihrer Rettung entsandten Hilfstruppen dauert immer noch an. Da zwischen Tschifu nnd Taku neuerdings ein regelmäßiger Depeschenverkehr eingerichtet ist, kann das Ausbleiben aller amtlichen Nachrichten nicht als ein be­ruhigendes Moment gelten. Soweit die privaten Meldungen erkennen lassen, ist eine Besserung der Lage leider nicht zu verzeichnen; im Gegenteil scheint der Auf­stand immer weitere Gebiete zu ergreifen, was um so bedrohlicher ist, als alle verfügbaren militärischen Kräfte der Mächte zunächst am Peiho eingesetzt werden müssen. DieBert. N. N." schreiben: Unseres Wissens ist bis­her von keiner Macht der Gedanke einer Kriegserklärung an China angeregt worden. Die chinesischen Truppenkomman­danten bei Taku und bei Tientsin haben durch die That den Krieg eröffnet, und es bleibt zunächst den Macksten nichts! übrig, aAs sich gegen diese chinesischen Truppen zu wehren, gleichviel, ob sie aus eigenem Antrieb ober auf Befehl der Zentralregierung gehandelt haben. Demgemäß läßt auch keine Macht in ihren Rüstungen nach. Insbesondere verstärken England und Rußland ganz bedeutend ihre ost­asiatische Streitmacht.

DerNowoje Wremja" wird aus Wladiwostock ge­meldet : Die Lage in China verschlimmertsich. Der Aufstand hat bereits größere Gebiete umfaßt und zieht sich nach Süden hin. In Shanghai streiken die Arbeiter. Die Schiffe können nicht auslaufen, da keine Arbeiter vor­handen sind, die Verladungen auszuführen. Man erwartet täglich, oaß auch in Shanghai der Aufstand aus­bricht. Ein anderes Telegramm meldet, daß die fremdenfeindliche Bewegung nördlich nach Niutschwang um sich.gireife. Zur Bewältigung der Unruhen in China seien 100000 fremde Truppen erforderlich.

Die aus China ein getroffenen Telegramme stimmen darin überein, daß sich die dortigen Ausländer, soweit sie sich noch gegen den an Zahl und Ausrüstung übermäch­tigen Feind halten können, in einer furchtbaren Lage befinden. Die Chinesen kämpfen in Tientsin mit großem Fanatismus und in so großer Ueberzahl, daß die Ausländer unterliegen müssen. Bei dem am Freitag wieder ausgenommenen Bombardement der Stadt versuchten die Ausländer, sich gegen die Bomben durch naßgemachte Stück­güter zu schützen; sie leiden aber ungemein unter dem Bombardement und unter dem Mangel an Nahrungsmit­

teln. Bisher sollen 300 Ausländer ums Leben ge­kommen sein. Die Lage der Ueberlebenden in Tientsin ist auch deshalb verzweifelt, weil der Fluß zu flach ist, um in Booten zu entfliehen. Mit 60 schweren Geschützen wird die Stadt beschossen; auch ein furchtbares Gewehr- feuer durchfegt die ausländische Nieoerlassung. Eine kleine weiße Truppe soll mehrere Tage 40 Meilen- westlich von Tientsin mit einer überwältigenden chinesi­schen Truppenmacht gekämpft haben und bann Hiebet« gemacht worden sein. Man befürchtet, daß es die Ko­lonne Seymours gewesen sei.

Die Kaiserin hat, obwohl sie alle Verantwortung für die Ereignisse ablehnt, geheime Befehle an den Gouverneur von Petschili ergehen lassen, jedem Vordringen der fremden Truppen entgegenzutreten. Ein Shanghaitelegramm derTimes" besagt, daß der dortige Eisenbahndirektor Schleng am Samstag eine Pekinger Depesche erhalten habe, wonach die Ausländer dort am 20. Juni sicher waren, daß aber alle Gesandtschaften außer der bri­tischen, österreichischen und belgischen nieder- gebrannt seien. Die auswärtigen Gesandten hätten vom Tsungliyamen ihre Pässe zurückverlangt.

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Telegramme des Giefieuer Anzeigers.

London, 26. Juni. Ueber die Lage in den vom Auf­stande noch nicht berührten Teilen Chinas meldet ein Tele­gramm: Die Nachrichten aus dem Norden Chinas haben auf alle Eingeborenen einen schlimmen Einfluß ausgeübt. Dte Bewaffnung der Chinesen scheint von den Europäern unterschätzt zu werden. In Shanghai ist zwar alles ruhig, doch ist man nicht ohne Sorge. Im Hafen liegen sechs Schiffe der Mächte. Von dem englischen Kriegsschiffe Daphne" wurden verschiedene Geschütze und drei Maxim- Kanonen zur Verteidigung des britischen Konsulats gelandet. Die Christen in Kanton find bedroht und wurden der Sicherheit halber nach Kaulun gebracht.

Loudon, 26. Juni. Nach einem Telegramm aus N e w- 9)ort wird gemeldet: Folgende wichtige Botschaft ist vom New^Aork Journal" aus Tsinanfu am Montag ver­öffentlicht worden: Der offizielle Bote, der Peking am Dienstag verlaffen hat, ist hier angekommen. Die Ge- sandschaften sind unversehrt, die Gesandten selbst unverletzt. Sie verlangen ihre Pässe von Tsung li Damen.

Loudon, 26. Juni.Dtorning Leader" meldet aus Washington, die amerikanische Regierung habe mit der englischen eine Vereinbarung getroffen, wonach die beiden Mächte darauf bestehen, daß keine Groß­macht sich einen besonderen Einfluß nach Wieder­herstellung der Ruhe in China zusichern wird.

Loudon, 26. Juni.Daily Telegraph" meldet aus Shanghai: Beamte schätzen die Zahl der Aufstänbischen auf 3 Millionen. Sie glauben an ein Gerücht aus chinesischer Quelle, daß ein neuer Kaiser bereits proklamiert sei. Die chinesische Regierung soll sich monatlich 20000 Waffen haben liefern lassen.

Loudon, 26. Juni.Daily Telegraph" berichtet aus Petersburg, die russische Regierung habe die notwen­digen Maßregeln zur Mobilisierung der Reserve getroffen. Aus Hongkong wird von gestern gemeldet, daß der Dampfer Hainong mit einer Million Patronen ab- gedampft ist. Die Truppen von Macao sind mobilisiert.

Loudon, 26. Juni. Eine Autorität in chinesischen An­gelegenheiten erklärte einem Vertreter der Westminister Ga­zette, Sir Robert Hart war, wie er wisse, reichlich mit Kurieren versehen, und wenn die geringste Möglichkeit vor- Händen wäre, würde er eine Meldung durchbekommen haben. ES sei undenkbar, daß die Hand voll Europäer nur einen Tag gegen eine mächtige blutdürstige Rotte von Chinesen Stand halten konnte. Er glaube nicht, daß irgend einer noch am Leben sei.

Loudon, 26. Juni.Daily Expreß" veröffentlicht ein Interview mit dem Bruder des Admirals Seymour, der erklärte, keinerlei Mitteilungen machen zu können. Er sei jedoch der Ansicht, daß die internationalen Truppen in Peking eiugetroffen seien, um die Gesandtschaften zu be­schützen.

Madrid, 26. Juni. Spanien ist entschloßen, ebenfalls in Ostasien vorzugehen. Es wird zum Schutze seiner Landes-Angehörigen in China den besten Kreuzer Carlos Quinto mit 400 Mann absenden.

Wie«, 26. Juni. Wie verlautet, sollen infolge der bedrohlichen Lage in China zwei weitere österreichische Kriegs­schiffe dorthin abgehen.