Ausgabe 
27.5.1900 Viertes Blatt
 
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bung, die Opernsängern so oft anhaftet, wenn sie im Konzertsaal auf­treten, war die Wiedergabe der Loewe'schen BalladenEdward",Archi­bald Douglas" und anderer eine Leistung, die uns unvergeßlich bleiben wird, und die wir allen jungen Sängern zum Studium und zur Nach­ahmung empfehlen. Das Publikum wurde zu einem Enthusiasmus hingerissen, der weit über die Grenzen dessen hinausging, den man sonst einem alten Liebling entgegenzubringen pflegt."

DieDaily News" schreibt:

In Bezug auf Abschattierung der Tonfarbe, Ausdruck und dra- mattsche Kraft vermögen nur wenige deutsche Sänger der Gegenwart sich mit Herrn Gura zu messen. Ihn die Lieder von Schubert und C. Loewe singen zu hören, ist thatsächlich ein Hochgenuß für den Kenner. Im Prometheus" kam die dramattsche Kraft Guras wunderbar zur Geltung. Das Konzert war geradezu eine geistige Erquickung."

* Die Manöver des 18. Armeekorps werden in diesem Jahre im Gelände südlich der Lahn des Regierungs­bezirks Wiesbaden abgehalten. Die 21. Division speziell übt im Gelände westlich der Linie Okriftel, Hofheim, Niedernheim, Kirberg, Limburg. Letzter Manövertag ist der 22. September. An diesem Tage findet Korpsmanöoer statt, und zwar operiert das gesamte Korps gegen einen mar fierten Feind. An den beiden vorhergehenden Tagen (20. und 21. Sept.) werden die beiden Divisionen 21 und 25 gegeneinander manövrieren, vorher werden 4tägige Divi fions- und 3tägiqe Brigademanöver abgehalten.

Jagdschloß Wolfsgarten, 25. Mai. Prinz Heinrich von Preußen begab sich gestern früh, der Großherzog und Prinzessin Heinrich von Preußen bald nach 12 Uhr zum Besuche der Kaiserin Friedrich nach Friedrichshof und kehrten im Laufe des Mittags zurück.

Mainz, 25. Mai. Der Großherzog hat nunmehr seine Einwilligung gegeben, daß die hiesige Schutzmann­schaft zur Sommerszeit die Litewken tragen darf. Die Bürgermeisterei hat die sofortige Inangriffnahme der Li­tewken angeordnet.

Mainz, 23. Mai. Die heute abend abgehaltene, von der demokratischen, deutsch-freisinnigen, nationallibercücn und sozialdemokratischen Partei einberufene Volksver­sammlung in der Stadthalle zum Zwecke der Stell­ungnahme gegen die Lex Heinze war sehr zahlreich aus allen Kreisen der Bevölkerung besucht. Alle Redner fanden lebhaften Beifall. Zum Schluffe wurde eine Reso­lution angenommen, in der die liberalen Parteien des Reichstags zu ihrem Erfolg beglückwünscht wurden. Auch wurde die Gründung eines Goethebundes be­schlossen; die zirkulierende Liste erhielt zahlreiche Unter­schriften.

Krrmisthtrs.

* Zum Könitz er Morde. Aus Könitz wird ge­meldet: Den hiesigen Gymnasiasten wurde bei Straf der Relegation der Besuch eines Zigarrengeschäfts, in dem Winter zuletzt gesehen wurde, untersagt. Bon dem ge­nannten Geschäft aus haben sich nach der Beobachtung des Gymnasialdirektors die Gymnasiasten an den abendlichen Unruhen beteiligt. Der Antrag des Rechtsanwalts Maschke

auf Haftentlasiung des früheren Fleischers JSraelski wurde von der Kammer abgelehnt. Der Rechtsanwalt hat eine Beschwerde an daS Kammergericht eingelegt. Die Kriminal­polizei recherchiert neuerdings unter anderen nach dem Ver­bleib eines früheren Gesellen des Fl-ischermeisterS Hofsmann.

* Eine Studentenmensur mit tätlichem Ausgange beschäftigte das Schwurgericht des Berliner Landgerichts I. Der Student der Rechte Georg Francke war beschuldigt, seinen Gegner, den Studenten der Phi­losophie Wilhelm Riemann, im Zweikampfe getötet zu haben. Infolge einer Anrempelei, die von dem Ver­storbenen verursacht wurde, kam es zu einer Mensur auf geschliffene Schläger mit Bandagen. Beide Duellanten erhielten mehrere Verwundungen und wurden regelrecht verbunden. Riemann erhielt einen sogenannten Wickelkopf als Verband. Er konnte sich ohne Hilfe nach seiner Wohnung begeben. Anstatt sich mehrere Tage ruhig zu verwalten, ging Riemann noch an demselben Abend nach der Kneipe, wo er, wie ein Zeuge bekundete, sechs Schoppen Lichtenhainer zu sich genommen hat. Auch an den folgen­den Tagen nahm der Verwundete größere Mengen Bier und Alkohol zu sich. In der Nacht zum Sonntage das Duell hatte am Freitag stattgefunden kam Riemanfn. stark angetrunken nach Hause. Am Dienstag trat eine er­hebliche Verschlimmerung seines Zustandes ein, er mußte nach dem Krankenhause gebracht werden, wo er am Mitt­woch verstarb. Die medizinischen Gutachter erklärten, daß die hinzugetretene Blutvergiftung die unmittelbare Ursache des Todes gewesen sei. Gerichtsphysikus Dr. Stör- mer wies Daraus hin, daß die Blutvergiftung alle möglichM vom Angeklagten unabhängigen Ursachen gehabt haben könne. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten nur schuldig des einfachen Zweikampfes, worauf der Staats­anwalt gegen ihn eine Festungshaft von einem Jahre und sechs Monaten beantragte. Das Urteil lautete auf sechs Monate Festungshaft.

* Daß in München die Biertrinker noch immer als eine gewisse Klasse von Uebermenschen sich Hervorthun, beweisen die nachstehenden Angaben derAllgemeinen Zeitung" über die Größe des Betriebes, dessen sich in diesem Jahre der Bockausschank im Hofbräuhause zu er­freuen hat. Der Durchschnittsausschank beläuft sich an Wochentagen auf 100, an Sonntagen auf 120 und mehr Hektoliter. Dazu werden täglich verzehrt 12- bis 15 000 Stück Bockwürste, die von 25 eigenen Metzgern täglich von 2 Uhr früh ab im Hofbräuhause selbst hergestellt werden. Außerdem werden noch täglich zu verschiedenen Speiseu zehn bis fünfzehn Kälber verarbeitet. 12 Schänken sind unausgesetzt im Betriebe. Die Zahl der täglich zum Bier verspeisten Rettige wird leider nicht angegeben.

* Feuer. Nach einer Meldung aus Lübeck ist das benachbarte Hassendorf bis auf zwei Bauernhöfe in Flammen aufgegangen. Eingeäschert wurden 28 Ge­bäude, darunter die Meierei, das Schulhaus und acht große Bauernhöfe.

* Eine Schiffskatastrophe hat sich unwett der Stadt Se bastop ol ereignet. Der Personendampfer Paylowskaja" ist bei Sturm auf ein unterseeisches Riff

aufgefahren und untergegangen. Von 63 Passagieren fanden 48 den Tod in den Fluten, die übrigen wurden durch Boote gerettet.

Jagd und Sport

Das Ehrenpreisrichteramt beim internationalen Radwett­fahren des Radfahrer-Vereins, das nächsten Sonntag 27. Mai, in Darmstadt stattfindet, wird gebildet aus Generalleut­nant und Divisionskommandeur Frhr. v. Perbandt, Provinzialdirektor Frhr. d. Grancy, Oberbürgermeister Morneweg, Geheimrat Professor Dr. Kittler, Oberst und funkt Generaladjutant Freiherr von Grancy, Polizeirat Dr. Kratz, Oberst und Brigadekommandeur Charles de Beau.' lieu, Oberst und Regimentskommandeur Conzen, Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel, Haup'mann und Adjutant v. Zangen, Rittmeister Kade, Rittmeister und Flügeladjutant Krämer, Steuerkommisiär Frecherr von Diemar, R Schneider, 1. Vorsitzender des Studentenausschusses.

Meratur.

Die ewige Burg, Roman aus dem Odenwald von Rudolf Stratz, Preis 3 Mk. Hier Huben wir es mit einem trefflich gelungenen Werke zu thnn. Der Grund­gedanke ist, es sei ein Irrtum anzujnehmen, der Mensch hätte nur Pflichten gegen sich selbst. Die Heldin des Buches wird nach kurzem Schwanken durch ihr Muttergefühl dahin belehrt, daß wir Menschen mit unserem Besten im anderen Menschen wurzeln, und daß das Pflichtgefühl dem Nächsten gegenüber das mächtigste Gefühl im edlen, im starken Menschen ist. Dieses Leitmotiv wird erläutert in einer sehr spannenden Handlung, deren Aufbau eine kräftige und geschickte Hand erkennen läßt. Um die Hauptcharaktere schlingt sich ein Kranz von äußerst interessanten Erschein­ungen aus den verschiedensten Lebensgebieten. Fabrik­arbeiter, ansässige Bauern, dörfliches Proletariat und die hochadligen Herren von der Burg greifen in die Handlung mit ein, ohne daß sich deswegen aber das Ganze zu sehr in Genrebildern verzettelt oder die epische Klarheit dar­unter leidet. Stratz ist ein ebenso poetisch begabter wie künstlerisch geschulter Schriftsteller, der es versteht, durch eine glückliche Gruppierung geschickt erdachter Figuren die Hauptgegensätze der Zeit zu veranschaulichen, und sie gleich­zeitig für die folgerechte Entwickelung seiner Grundidee auszunützen. Unter den vielen Schönheiten des Romans sei als besonders gelungen hervorgehoben die Schilderung der bsrei alten Herren von der Burg, der Letzten der alten Generation, die einen so tragischen Gegensatz zu dem blaffen blonden Dutzendmenschen, dem Vertreter des neuen Ge­schlechts, bilden. In dieser fein zusammengetönten Dar­stellung tritt das Können des Verfassers glänzend zu Tage.

Schiffsnachrichteu

Bremen, 23. Mal. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Doppelfchrauben Postdampfer Bremen, Kapt'Sn R. Nierich, vom Norddeutschen Äoyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr abends wohl­behalten in New York angekommen.

Bremen, 23. Mat. sPer transatlantischen Telearaph.s D« Dovpelschrauben Postdampfer Frankfurt, Kapitän H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyt in Bremen, ist heute 12 Uhr mittag- wohl­behalten in Baltimore angekommen.

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