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Sonntag den 27. Mai
Zlints- und AarZeigsblutt für den Nesis Giesisn
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Grfchetul täglich mit Ausnahme deS
Montags.
Die Gießener KamikienVtLtter »ftbrn dem Anzeiger hn Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter sLr heft. BolkSfunde" wrchtt. 4 mal beigelegt.
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Kchntstraße Ar. 7.
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Fernsprecher Nr. 51.
Nr. ISS Drittes Blatt
das einer leider nicht gerade kleinen Minderheit angeborene große Maul trat überall rege in Aktion. Die Fahrer und Schaffner, die sich dem Gros ihrer Kollegen nicht angeschlossen hatten, und versuchten, auf einigen Strecken den Verkehr unter polizeilicher Bedeckung aufrecht zu erhalten, wurden mit Pfeifen und Johlen von den Zehn- und Zwölfjährigen begrüßt und Ehrentitel wie „Streikbrecher", „Wagenknechte", „Judasseelen", „Sechsersklaven" re. schallten aus diesen jungen Kehlen wie die harmlosesten Selbstverständlichkeiten. „Wie die Alten sungen re.", das kommt hier zehnmal schärfer wie in der kleinen Stadt zur Geltung. Heute, wo die Wogen sich gelegt haben, bemächtigen sich die Kleineren der daheim und anderswo aufgeschnappten Thatsachen und spielen Straßenbahnstreik. Einer ist Direktor, ein anderer Schutzmann: es figurieren feiernde Fahrer und Schaffner und natürlich auch Streikbrecher. Die letztere Rolle ist sehr bedenklich und stellt hohe Anforderungen an das — Fell des damit Betrauten. Denn, die Streikbrecher werden zuletzt, wenn alles beigelegt ist, von den Geeinigten als Sündenböcke benutzt und mit vieler Ueberzeugung und größter Hingebung durchgeprügelt!
So in Anspruch genommen war die Berliner Jugend, daß selbst der große amerikanische Hummelschwarm von Kunstreitern, Seiltänzern, Trapezturnern, Tierbändigern, Rossen und Wagen, Löwen, Tigern und Elephanten, nicht zu vergessen Mißgeburten aller Sorten: ohne Hände, ohne Beine, vielleicht sogar auch ohne Köpfe, aber alles lebend, lärmend und allerlei Wunder verrichtend, der im Beich- bilde Charlottenburgs seine Riesenzelte aufgeschlEN hat
alle?Warnen des Erdballs ®arnum! < $■
Aus Stadt und Land.
•• Souderzüge zu Pfingsten. G i e ß e n - K ö l n am 2. Juni.
1) Gießen ab 535, Köln an 10«; 2) Gießen ab 830, Köln ui H2; Köln-Gießen am 2., 5. und 6. Juni. Köln ab 12is,""Gießen an 445, am 2. und 5. Juni Köln ab 254, Gießen an 717. — Gieß en-Fulda. 1) 2. Juni Gießen ab 1128, Fulda an 236, 2) Juni Gießen-Alsfeld ab 500, in 6<3; Fulda-Gießen 5. Juni, Fulda ab 212, Gießen an 431. — Gießen-Gelnhausen, 2. Juni, Gießen ab 1150, 429, 819, Gelnhausen an 212, 633,1038. — Gießen- Fr ank für t. Am 3. Juni Gießen ab 243, Frankfurt an iso, am 2. und 3. Juni (Schnellzug) Gießen ab 453, Frankfurt an 607, am 2. und 5. Juni Gießen ab H50, Frankfurt an 203, am 2., 5. und 6. Juni Gießen ab 454, Frankfurt an 650, am 2. und 5. Gießen ab 645, Frankfurt an 840, am 2., 4. und 5. Juni Gießen ab 808, Frankfurt an 1012; Frankfurt-Gießen. Am 2. und 5. Juni Frankfurt ab 950, Gießen an 11« (nach Cassel weiter 1156), am 2. und 5. Juni Frankfurt 245, Gießen an 447 (weiter nach Cassel 455), am 1. und 6. Juni Frankfurt ab 530, Gießen an 738 (nur am 6. Juni weiter nach Cassel 749), am 1., 2. und 6. Juni (Schnellzug) Frankfurt ab 1105, Gießen an 1220 (weiter nach Cassel und Berlin 1226), am 1., 2. und 3. Juni Frankfurt ab 1125, Gießen an 127 (nach Cassel weiter 1«). Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst diese Vorzüge zu benutzen, weil diese auf den Abzweigungsstationen die Anschlüsse an andere Stationen sicherer erreichen, als die nachfolgenden Haupt- znge. Die Beförderung der Reisenden erfolgt zu gewöhnlichen Fahrpreisen.
)( Werdorf, Kr. Wetzlar, 25. Mar. Das hiesige Anna-Eleonoren-Heim", Haushaltungspensionat für junge ^amen des Adelsstandes, das unter dem Ehrenprotektorate der Prinzessin Albrecht zu SolmS-Braunfels steht, wurde am 15. Mai vorigen Jahres eröffnet. Es befindet sich indem Mengen Schlosse, das die Besitzer, die Fürstlich So lrns- Braunfelsschen Herrschaften, der deutschen Adelsgenossenschaft zu genanntem Zweck in hochherziger $8ei)c frei über« taffen haben. Nach Verlauf von kaum einem Jahr sind alle ^Verfügbaren Plätze für Zöglinge besetzt, fobrt eine Neuaufnahme von Zöglingen erst am la. August d. er- ^^^Mainz,' 26. Mai. Der neugewählte Bischof von Mainz Dr. Brück, der, wie wir berichteten, durch den Erzbischof von Freiburg unter Assistenz der Bischöfe von Rottenburg und Limburg konsekriert wurde, hielt bei dem üblichen Festessen folgende Rede:
Kirchliche und weltliche Gewalten sind göttlichen Ursprungs, beide sind souverän in ihrer Sphäre und müssen sich 9eßen^
sii der Erreichung des höchsten Zieles, die-Ehre. Gottes und das Heil der Menschen zu fördern. Deshalb müssen beide m gutem Einvernehmen bleiben Das gereicht zur Wohlfahrt der Menschen, wie zahlreiche Bei
sucher schnellt von Tag zu Tag in die Höhe, sodaß sie bereits in $er Woche durchschnittlich bis 120000 betragt, sich Sonntags aber noch wesentlich erhöht.
Deutschland steht, was die Fremden anbelangt, obenan, überall hört man die deutschen Laute, trifft man auf frie gewohnten deutschen Erscheinungen, sieht man zumal an jenen Stätten, w> die erquickenden Gaben des, Gambrinus verzapft werden — und es sind ihrer viele in Paris' — Gruppen fröhlich plaudernder Landsleute, die sich hier völlig heimisch zu fühlen scheinen Deutschland, in Paris zu .Hause — es klingt absonderlich und ist doch, völlig wahr. „Man spricht deutsch" und „Bei Einkäufern über soundsoviel Franks werden die Waren nach Deutschland- franko gesand" steht an zahllosen Läden, Zettel mit Empfehlungen von Restaurants und Geschäften mit dem Zusatz: „Deutsche Bedienung" oder „Deutsch sprechens werden einem auf der Straße in die Hand gedrückt, und auch von .eingeborenen'Franzosen, die noch nie die Grenzen , ihres Vaterlandes verlassen, wird man gelegentlich auf den Omnibussen oder in Lokalen deutsch angesprochen, denn in den höheren Schulen wird eifrig unsere Sprache gepflegt. Eine ganze Reihe deutscher Restaurants ist über Paris verstreut, in der Ausstellung selbst fehlt es nicht an solchen, so dem ganz vortrefflichen deutschen Weinrestaurant im Untergeschoß des deutschen Hauses und dem gleich empfehlenswerten Spatenbräu nahe der Maschinenhalle, und häufig, wenn sich der Schwarm verlaufen hat, erschallen deutsche Lieder dort und herrscht gemütliche Fide- litas. , k
Von tiefstem Eindruck war es, als neulich, bei der Eröffnung des deutschen Hauses oder, wie es offiziell genannt wird, des Kaiserlichen Pavillons, ein von amerikanischen Touristen gemietetes Tampfboot auf ferner neme- fahrt vor dem deutschen Hause Halt machte, eine große schwarz-weiß?-rote Fahne am Heck gehißt wurde, und die amerikanische Kapelle die „Wacht am Rhein anstimmte, chn die sich das „Heil Dir im ^legerkrantz schloß, und bei einer wenige Tage später vom Reichskom- missar an nämlicher Stätte veranstalteten Soiree, da wurde nachts mehrfach im vollen Chorus „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen — und die Seine trat nicht über ihre Ufer und verschlang nicht die germanischen Barbaren!
Und welchen freudigen Anblick bot kürzlich der prächtige Festsaal des Hotel Continental dar, in dem der auf eine Woche nach Paris gekommene Verein Berliner Kaufleute ein fröhlich und angeregt verlaufenes Bankett feierte, zu dem sich 400 deutsche Damen und Herren, an ihrer Spitze der Botschafter Fürst Münster, eingesunken. Erhebende Worte wurden gesprochen, des deutschen Kaisers, und des fernen Vaterlandes wurde treu gedacht, ein großer, vaterländischer Zug ging durch dieses stimmungsvolle ge- mütswarme Fest, das in der an denkwürdigen Blattern reichen Geschichte des Deutschtums in Paris seinen Platz behalten wird.
Nach Deutschland stellen England und Amerika die meisten Besucher, drollig ist es, daß wir Deutsche von
Berliner Brief.
(Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.)
«erlitt obttt Str°b-ttb°htt-tt. - Was di- Beamten wolle». u,d was fie erreicht Haben. - Zanhagelstretche. - 3»«-°d t>on heute. — Bornum tu Berlin.
stoQS her Winter in diesem Jahre fertig gebracht hat mit Lckmee und Eis, hat der Mai auch zuwege gebracht, rüdem » feine treibenden und gärenden Kräfte in die SfiBfe unserer Straßenbahner sandte: Berlin mußte sich 5m ueraanaenen Samstag Sonntag und Montag ohne sein tiauvtverkehrsmittel^die^Straßenbahnen behelfen. Ueber SSn M er Schafftier, Weichensteller und Wagen-
Teilten' ®a8 war eine tolle Ueberraschung für SSeSaufSib !' Der Bater tarn. eine halbe Stunde zu spät ins Geschäft und die Mutter konnte weder nach der Markthalle noch zur Schneiderin, die sie zur Pfingst-An- »robe erwartete, die Kinder versäumten die erfte Unter» Ässtunde und der Backfisch, der ein Vormittagsrendezvous ridlt^runoe in Spittelrnarkt oder bei Vater
Goethe irn^Tiergarten hatte, zählte verzweifelt die Nickel im Verlrnutter-Portemonnaichen zusammen, um sich in 'N werfen die für die anderen all zu teuer «eine eben jedes Opfer! Und wie seltsam
Ml un^feie^lich erschienen Straßenrades kolossalen
satteln ^der ttotten Droschken mit ihren über das ganze S&ÄÄS SS
Grundgewalt fehlte! Indessen fugte sich jeder so gut darein als es nur gehen wollte. Und kam wirklich einmal ein vereinzelter Straßenbahnwagen, von den wenigen Leuten, die nicht mitftreiften gelenkt, so war er leer. Das Publikum stand in imponierender Geschlossenehtt aus Setten der Streikenden. „So lange se fahren, kommen se mch ans Ziel?" sagte ein philosophischer Bierbankpolitiker bei Aschinger. „Einfach usshören, denn fahren je am besten. Drei Tage hat die bahnlose, schreckliche Zeit gewahrt, deren jeder einzelne vergesellschaft einen Ausfall von ca^OOOO Mark verursacht; dann hat durch Vermittelung des Oberbürgermeisters Kirschner, der seine Berliner nicht langer auf den „nächsten Wagen" warten taffen wollte, weil er selber weiß, wie schmerzlich das Warten ift, eine ©migung stattqefunden. Man hat von beiden Seiten nachgegeben.
Die bedauerlichen Zusammenrottungen vom Samstag und Sonntag, die mit Steinwürfen, Schimpfer^en und Drohungen begannen, um schließlich durch energisches Vorgehen der Schutzmannschaft beseitigt zu werden, kommen nicht auf das Konto der Straßenbahner. Da war wieder einmal Herr Janhagel in Thätigkett, der allezeit skandal- frohe Berliner Radaubruder mit und ohne Ballonmütze, der das ganze Jahr stteikt, weil ihm die nichtswurdigste und verabscheuungswerteste Einrichtung dieser für den Untergang längst überreifen modernen Kultur - die Arbeit ist' Glücklicherweise haben fick) die durch Extrablatt des Lokalanzeigers" verbreiteten Meldungen von im Straßen- krawall getöteten Personen als falsch erwiesen. Herr Scherl der sich rühmt, in vier Monaten 230000 Mark für redaktionelle Zwecke seines Blattes ausgegeben zu haben, sollte sich- gewissenhaftere Reporter anschaffen. Denn zweifellos hätte diese thörichte Alarmnachricht ganz unberechenbare Folgen nach sich ziehen können!
Natürlich war auch die Berliner fügend an diesem die ganze Hauptstadt durchflutenden Ereignis beteiligt, und
piele der Geschichte uns lehren. Sind Staat und Kirche in Zwietracht, o werden nicht nur die Fundamente der Kirche, sondern auch die des Staates erschüttert und beiden tiefe Wunden geschlagen. Um so erfreulicher ist, zu sehen, daß die Träger beider Gewalten, der Heilige Vater und in unserem engeren Vaterlands Se. Majestät der Kaiser und Se. königliche Hoheit der Groß Herzog, uns die Gewähr bieten, daß der Friede zwischen Staat und Kirche erhalten bleibt. Der Heilige Bater ist zwar ein Greis an Jahren, aber jung an Kraft und geistiger Frische. Der deutsche Kaiser und Großherzog Ernst Ludwig tehen beide im besten Mannesalter und sind ausgezeichnet mit herrlichen Eigenschaften, die zur Hoffnung berechtigen, daß das geistige und materielle Wohl gefördert der Friede und die Einttacht zwilchen Staat und Kirche erhalten bleiben und immer mehr und mehr gefestigt werden. Mögen unsere Hoffnungen und unsere Wünsche für die Träger der höchsten Gewalten sich erfüllen!"
Frankfurt a. M., 25. Mai. Im Zoologischen Garten giebt die Kapelle Samstag einen englisch-amerikanischen Komponisten-Abend. Sonntag ist der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfennig (Kinder 25 Pfennig) ermäßigt. Nachmittags um 2 Uhr beginnt Fräulein Kittchen Paulus mit der Füllung ihres neu konstruierten Fallschirm-Ballons, mit dem sie um 6 Uhr aufsteigen wird. Anstatt der sonst gebräuchlichen Gondel ist ein Trapez angebracht, auf dem sie stehend in die Lüfte fährt. Durch eine besondere Vorrichtung ist es ihr möglich, den Ballon in der Luft soweit zu entleeren, daß er zu einem Fallschirm zusammenklappt, mit dem sie dann langsam wieder zur Erde niedersinkt.
F r a n k f u r t a. M., 24. Mai. Der Entwurf des Vertrages und der Satzungen für die hier zu errichtende Akademie für Sozial- und H a n d e l s w i s s e n s ch a s - t e n hat die Zustimmung des Magistrates und der Gesell-' schäft für Gemeinwohl gefunden; in nächster Zeit wird die Wahl des „Großen Rates" der Akademie stattfinden. Von den drei Mitgliedern dieses Großen Rates muß eines, den Satzungen gemäß, der Stadtverordnetenversammlung angehören. Da der Zollverkehr der an dem hiesigen Hasen eintreffenden Güter mit jedem Tage umfangreicher wird, sieht sich die Stadt veranlaßt, eine neue Wersthalle zu errichten. Die Kosten derselben sind auf 33 500 Mark veranschlagt._______________________________
MiMk durch die Pariser Wkltausfirüuug.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
VIII.
Die Fremden kommen! — Deutschland obenan! — Deutsches Leben in Paris. — Allerhand Ratschläge. — Mit der Ausstellung wird« allmählich. — Bnfiettiger und .Tigerinnen.
„On parle franeais ici" — man wird sich bald wundern, daß man nicht auch auf diese Inschrift stößt, wie man jetzt schon erstaunt ist, wenn man in Paris noch französisch reben hört! Denn der Fremdenandrang ist mit einem Male ganz gewaltig geworden, alle Volker des Erdballs entsenden (täglich dichte Scharen der Wanderlustigen an den Strand der Seine, und die Zahl der Ausstellungsbe-
. Bezugspreis
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