Freitag den 27 April
Erstes Blatt.
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Die „Stbln. Ztg." meldet aus Oporto, am Oper, montag seien in Beira, von Queensland kommend, fünf englische Transportdampfer mit 1100 Reitern, sowie 12 Maultieren, Karren und anderem Material für den Eisenbahnbau, sowie einer großen Anzahl Buscharbeiter eingetroffen. Für den Monat Mai wird das Einlaufen weiterer 22 englischer Transportdampfer mit Schlachtvieh, sowie Lebensrnitteln und weiteren Mann- schäften erwartet. In den Zollhäusern von Lourenzo Marqucz befehlen die englischen Beamten mehr als die por-
Ldrrffr für Depeschen: Anzeiger H letze*.
Fernsprecher Nr. 51.
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Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Der Krieg in Südafrika.
Nach Meldungen aus Bloemfontein sind die von Ro- itcils unternommenen Operationen im größten Stil ent- vor.'fen und bezwecken nichts weniger als den Fang Oliviers int der gesamten Burenarmee im Süden des Freistaates, ^ganzen sind zu diesem Zweck mindestens 40 000 Mann ■mit 150 Geschützen auf dem Marsche Olivier soll etwa 11)000 Mann im Süden bei sich haben. Zwischen Thabanchu ürb Ladybrand rechnet man 10- bis 15lX)0 Buren, der kesk ihrer Armee steht südlich von Brandfort
Die Notwendigkeit, fast die Halste des britischen Haupt- ftcnes nunmehr zur Durchführung einer Nebenaktion, wie Oie Klärung seiner Flanke sein sollte, emzusetzen zeigt, kfo die Buren die britische Oberleitung gezwungen haben ichzezu einen gänzlichen Frontwechsel thatsächlich steht Ke Front Roberts' jetzt nach Osten statt nach Norden - vor- M.chmen. Andererseits verringert sich die Aussicht die ki Wepener eingeschlossene englische Besatzung zur Ueber- zu zwingen, für die Buren in demselben Maße, wie f-h! die dorthin unterwegs befindlichen Entsatzkolonnen
Die Gerichtsverhandlungen gegen die Kolonisten, I die sich den Buren angeschlossen hatten und mit den Waffen in der Hand gefangen genommen wurden, haben in Kapstadt stattgefunden. Die Anklage lautete auf Hochverrat, und die Verhandlungen wurden vor dem obersten Gerichtshof in Kapstadt gepflogen. Die erste Gruppe von Angeklagten waren 37 Buren aus der Kapkolonie, die von den Canadiern unter Oberst Pilcher in Sunnyside, auf der Seite der Buren kämpfend, gefangen genommen worden waren. Der Verteidiger der Angeklagten, Burton, beantragte Vertagung, da bei dem neuentfachten Rassenhasse die Angeklagten in Kapstadt auf eine unparteiische Untersuchung und gerechte Beurteilung m ihrer Sache nicht rechnen könnten und da sie auch die wichtigen, von ihnen namhaft gemachten Entlastungszeugen jetzt nicht vorrufen könnten. Der Gerichtshof lehnte den Antrag ab. Burton verwahrte sich gegen diese Berge- waltigung, legte die Verteidigung nieder und entfernte sich aus dem Gerichtssaale. Der Schluß war ein Schuldigbefund. Der Richter tadelte bei Fällung des Strafurteils die Haltung des Verteidigers und sagte dann zu den Angeklagten: „Eure Schuld ist klar erwiesen. Ihr lebtet als Unterthanen der Königin unter ihrem Schutze und im Genüsse der größten politischen Freiheiten, deren sich ein Volk auf der ganzen Erde nur immer erstellen kann; trotzdem habt ihr die Feinde dieses Landes zum Einbruch in dieses Land gezwungen und trotz der ergangenen Mahnung, sich ihnen nicht anzizschließen, habt ihr die Waffen nicht für eure Herrscherin, sondern für deren Feinde ergriffen." Der Richter verurteilte dann 10 Buren von 16 bis 21 Jahren i zu 6 bis 12 Monaten Haft, die drei Rädelsführer zu je 5 Jahren und den Rest zu je 3 Jahren Gefängnis. Die Zeitung „OnS Land" in Kapstadt ist ob dieser barbarischen Strafe entrüstet und erklärt es für ein zweites Slagters-Nek (wo vor 70 Jahren fünf aufrührerische Buren hingerichtet wurden), das den Buren Südafrikas gleich unvergeßlich bleiben möge. Eine Zirkulation des Blattes wurde vom Gouverneur in den Distrikten, wo der Kriegszustand proklamiert worden ist, verboten. Verschiedene Boudsmeetings beschloffen die sofortige Ein-
I berufung des BondskougreffeS.
Deutsches Keich- _ ..
Schlitz. 26. April. (Privattel-gramm^"Vortrag deS Der Kaiser hbrte gestern vormtt g h ß tjon6rat von
Vertreters des Auswärtigen «mres, b
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SaS Zentrum und die Reichsministerieu.l I
£inen höchst merkwürdigen Artikel bringt das leitendel I Mit der rheinischen Zentrumspartei, dessen Einfluß weit I SM die Grenzen seiner Heimat hinausreicht und that-^ I Wich in der ganzen Zentrumspresse tonangebend ist- I S Köln. Volksztg." konstatiert, daß der früher so leb» At "von liberaler Seite angestimmte Ruf nach I
i ch s m i n i st e r n jetzt völlig verstummt sei, und knüpft I «an di-ese Thatsache Ausführungen, die darin gipseln,. daß I Rimrehr von Seite der Zentrumspartei diese Institution I Mio v.-r Logik der Dinge entsprechend gefordert wird. In I ‘jhnem wesentlichsten Teilen lautet der Artikel folgender- I
* 'Die Verhältnisse hätten sich praktisch wesentlich ge- | . chrdert, ohne daß die „Klinke der Gesetzgebung" dazu m I Veioegung gesetzt worden sei: „Indem der Kaiser die I Züuttssekretäre zum Vortrag empfing, mit ihnen beriet I unb ihnen Direktiven gab, wuchsen sie faktisch zu Mi- I ‘ niittern aus. Der Reichskanzler, obwohl formell allein I verantwortlich, hat sich thatsächlich in einen Ministerpräsidenten im Reiche verwandelt." .... Abgesehen I öon Formalitäten verwalteten die Staatssekretäre ihr I Amt wie wirkliche Minister, und der Kanzler sei mehr I primus inter Pares als allein gebietender und die Di- I reltion gebender Vorgesetzter.... Die Reichsgeschäfte I hätten allmählich einen Umfang angenommen, daß ein sie unmöglich übersehen könne; zumal von einem
81 jährigen Mann wie dem Fürsten Hohenlohe könne man tag nicht verlangen.... Die einzigen Nachteile des j^igen Systems beständen darin, daß dem Reichskanzler sammelt eine Verantwortlichkeit aufgeladen sei, die über
l feinte Kräfte gehe, und daß das Kollegialsystem wenig nu t dem förderativen Charakter des Reiches harmoniere. „Gern Reichsministerium, das allein von der Krone Preußen ernannt wird, stärkt natürlich den überwiegen- beni Einfluß des führenden Staates zu Ungunsten der Di ittel- und Einzelstaaten, außerdem überschattet es tairen Ministerien in einer Weise, daß bieferben für die öffentliche Meinung kaum mehr in Betracht kommen. ; Dennoch dürfte aber die Logik der Thatsachen schließlich dazu führen, daß der effektiv bestehende Zustand auch durch die Reichsverfassung sanktioniert wird, daß mit aiuberen Worten bie thatsächlich als Reichsminister fun- irieerenben Staatssekretäre auch strmell zu Mi- Klistern avancieren. In ben Einzelstaaten mag dies mit Recht beklagt werben, aber in her Welt, in ber mir leben, sinb einmal bie Dinge mächtiger als bte Menschen." . ,
Die „Köln. Volksztg." hat hiermit gewiß recht mso- |em, als bie Position einzelner Staatssekretäre heute viel Jitter, unabhängiger, selbstänbiger ist als unter bem liwsten Bismarck. Ob aber biefer thatsächlichen Wanbelung auch» bie formale Bestätigung folgen wirb, bafür scheint uns tUr Zeit kein Anzeichen vorzuliegen. „Es geht auch so", Nnn auch nicht immer ohne Reibungen und Differenzen.
Aber das bedeutsame ist, daß ein Zentrumsblatt sich für Reichsminister ausspricht. Wir erkennen in dieser tiinidgebung der „Köln. Volksztg." einen weiteren Schritt in der sehr erfreulichen Entwickelung an, bie sich im Zentrum seit 1893 vollzieht. Diese größte Partei bes Reichstes hat bie Hanbelsverträge, das Bürgerliche Gesetzbuch,
Flottenaesetz, die Heeresverstärkungl zu Stande gebracht. Sie wird auch der jetzigen Flottenvorlage zur Annahme i-ihelfen. Es ist ein Seitenstück zu dem Artikel der „Köln, krttsztg." über die Reichsminister, wenn jetzt behauptet daß die Bayern im Zentrum mit am eifrigsten nach fingen und Mitteln suchten, um zu einer günstigen Er- Itbigung der Flottennovelle zu kommen; dieselben Bayern, tie bis auf ben einzigen Abgeordneten Frhrn. v. Hertling loc zwei Jahren gegen bas Flottengesetz stimmten.
lerr eisen de gegen Diebstahl inchener Gesellschaft tü Md tret V« fll MÜlN^dM
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■ircbmt von «njeiflen zu der nachmittags für ben ■Mrilxn Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr. «bbeftellungm spätestens abend» vorher.
ihrem Ziele nähern. Daß diese in den letzten Tagen erheb- I liche Fortschritte zu verzeichmen haben, geht aus den bereits I gestern hier wiedergegebenen Mitteilungen von der Em- I nähme der Wasserwerke von Sannahs Post re. hervor.
Der Kampf um bie Wasserwerke, ber b eiben Setten I nur geringe Verluste brachte, wirb in folgendem Tele- I gramm geschildert: Depesck)en aus Bloemfontein über ben Kampf ber Brigabe Hamilton zufolge rückten bie Engländer nur langsam vor, da bas Terrain keine Deckung bot. Fast I brei Stunben vergingen, ehe man eine Wirkung bes englischen Feuers auf bie Buren bemerkte. Nachmittags brei- I einhalb Uhr konnte bie Infanterie immer noch nicht gegen I bas anhaltenbe Gewehr- und Geschützfeuer ber Buren aufkommen, trotzbem ihr Angriff burch brei F^ldbatterien unb Schiffsgeschütze gedeckt war. Erst bei Eintritt ber Dämmerung, als bie Umgehungsbewegung abgeschlossen toin, erhob sich bie Infanterie vom Boden und stürmte den Hügel. Die Verluste sind auf beiden Seiten gering.
Wie ferner aus London telegraphiert wird, smd bie Wasserwerke nur insofern beschädigt worden, als einzelne Maschinenteile entfernt worden sind. Aus den Bergen im I Südosten von Sannahs sollen 3000 Buren ve^chanzt sein.
Eine telegraphische Meldung von Lord Roberts au» Bloemfontein besagt, daß General Ehermside ohne I auf Widerstand zu stoßen, D e w e t s d v r p besetzt hat. ! Dewet vereitelte die Umgehungsbewegung » V? v' I der Moddersurt und Valsbank besetzte und den Rucken der I Burenstellung bedrohte; er räumte nachts Dewetsdorp, I das Ehermside besetzte sowie die Kopses bei den Wasstr- I werken, als Roberts auch die Hochländer heranbrachte. Die Buren halten die Höhenzüge hinter Kornsprutt bis Pauls- I mitsberg. Brabants und Harts Brigaden wurden wieder I vor Wepener geworfen. r
Dem „Reut. Büreau" wird aus dem Burenlager I bei Fourteen Streams gemeldet: Bei Tagesanbruch er- I öffneten bie Englänber ein heftiges Bombarbement auf I das Burenlager. Für bas Bombarbement würben vier I Schiffs- unb mehrere Armstronggeschütze benutzt; es wurde I mit Lyddttshrapnels und Granaten geschossen, aber bis I jetzt wenig Schaden angerichtet. Vier Buren wurden ver- I wunbet. Die Buren richteten ihr Artilleriefeuer gegen I bie Befestigungen ber Englänber. Später folgte längs bem I Flußufer Gewehrfeuer, bei bem mit großer Genauigkeit I geschossen würbe. Zwei Buren ar tilleristen würben getötet; I die Verluste ber Englänber sinb unbekannt.
i Färberei itz, ,on Milltar" stelle: Baner
Telegramme deS Gießener Anzeigers.
London, 26. April. AuS Lorenzo Marquez wird vom 25. d. M. gemeldet: Der Dampfer ^Gironde" ist heute hier eingetroffen. An Bord desselben befinden sich eine Anzahl Freiwillige verschiedener Nationalitäten. ES scheint jedoch, daß die Zahl der Freiwilligen fett den letzten Wochen sich bedeutend verringert hat. Wetter wird auS Lorenzo Marquez berichtet, baß die Buren die Brücke von Kumassiport in die Luft gefprengt
London, 26. April. „Daily Telegraph" veröffentlicht ein Telegramm, nach dem die Buren BoShof wieder genommen haben.
Loudon, 25. April. Aus Bloemfontein wird gemeldet: Bei einer Verfammlung der Freimaurerloge, der auch Lord Kitchener beiwohnte, wurde eme Glückwunschdepesche an den Prinzen von Wales, den Großmeister der englischen Freimaurerloge, für bie glückliche Errettung bei dem Attentat abgesandt.
L o u d o n, 26. April. Ein Telegramm aus dem Buren- laaer von Dewetsdorp berichtet, daß die englische Kolonne des Generals Rund le hart bedrängt wurde. - General Dewet ist am Donnerstagabend südöstlich von Dewetsdorp vorgedrungen. Die Buren richteten em hes- j tiges Gewehrfeiler auf die heranrückenden englischen I Truppen. Erst nachdem die Engländer einige Granaten auf den Feind abgefeuert litten, hörte deren Gewehrfeuer auf. c , , ...
London, 26. April. Der Handelsminister erklärte gestern abend in einer Ansprache, daß die dauernde Abschaiffung ber Unabhängigkeit ber beiben Buren-Republiken bie erste Vorbebingung zur Feststellung bes Friedens sei. Die auswärtigen Mächte wüßten genau, daß England I feine Intervention annehme. Was die amtlichen Berichte über die Gefechte am Spionkop anbetreffe, so habe die Veröffentlichung im Einverständnis mit Lord Roberts stattgefunden, doch würden dieselben keineswegs die Ruck- berufung General Bullers zur Folge haben.
London, 26. April. Hier liegt die unbestätigte Nach- I richt vor, daß der Buren-General Lukas Meier in I einem Treffen mit den Engländern des Generals French I getötet worden sei. Dieses Gerückt war dem „Daily I Telegraph" aus Durban gemeldet worben. (Das wird wohl I ebenso unwahr fein wie die neuliche Nachricht vom Tode I \
Londo n, 26. April. Lord Roberts depeschiert offiziell: I Die Buren haben sich von Wepener zurückgezogen und I lagern jetzt in der Gegend von Ladybrand. — Kommandant I Olivier soll sich mit 1500 Mann anschicken, den Gene- I täten Hart und Brabant in ben Rücken zu fallen. Die I Buren konzentrieren sich in Thabanchu unb scheinen ent* I schlossen zu sein, bas Distrikt bis Labybranb halten zu I to^Sonbon, 26. April. Lorb Roberts melbet aus I Bloemfontein unterm 25. Die Division Pole-Carew I erreichte Roobekop gestern abenb ohne Verluste. Ihr I Vormarsch würbe burch Kavallerie unb Artillerie gebeckt, I bie bem Feinbe schwere Verluste beibrachte und I ihn zurücktrieb. Die englischen Truppen übernachteten I bei Crootfontein unb passierten bann um siebeneinhalb 1 Uhr morgens den Mobberfluß bei Valsbank.— Berittene I Infanterie unter General Hamilton vertrieb ohne 93er* I lüste ben Feinb von allen Punkten bei ben Wasserwerken. I Die Hochlänber-Brigabe hatte, um Hamilton zu unter» I stützen, etwa 24 Meilen zurückgelegt. — Die Generäle B r a - I bant unb Hart stehen noch immer einige Metten von ! Wepener entfernt. Der Feind hat sich ihm gegen* I über in ben letzten zwei Tagen verstärkt unb man glaubt, I daß es in ber Gegend von Wepener noch viel Widerstand I geben wird. Die Verluste in den letzten Tagen betragen I 1 Offizier tot, 2 Offiziere unb 22 Mann verwundet.
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