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27.2.1900 Zweites Blatt
 
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Für dar Grohh. ^blgenben, für die Zeit

** Zm närrischen Monat. Daß die übermütigen Karne­valsbelustigungen ebenso wie die mannigfachen Fastnachts­gebräuche auf alte, religiöse Feste zurückgehen wer dächte wohl noch daran? Bei den Römern war der Februar der Sühn- und NeinigungSmonat; in ihm, als dem. letzten Monat des Jahres im altrömischen Kalender, wurden namentlich am Feste der Luperkalien, Sühnungen und Reinigungen vorgenommen. Einen gleichen Grundcharakter hatten bei den alten Germanen die Februarfeste, welche durch die Vorgänge in der Natur veranlaßt wurden. Sie

gegenklingt:Bis hierher und nicht weMr." Denn ein unheimliches Schauspiel wäre es, ern Volk, das tapfer für sein Recht und seine Freiheit dampft, untergehen hu sehen, und ein Schein tragischer Lacherlichkert wurde rn aller Zukunft auf jenem merkwürdig hilflosen Gebilde ruhen, das man als das Konzert der europäischen Machte bezeichnet.Alles, was Gold kaufen kann, vermag Eng­land in den Kampf gegen die Buren zu schicken" so schreibt dasMil.-Wochenbl."Aber gegenüber der unverfälschten Volkskraft des kleinen, für seine staatliche und nationale Existenz ringenden Burenvolkes vermag es kein auch nur annähernd gleiches Gewicht in die Wagschale des Sieges zu werfen." Und dennoch scheint es nicht ausgeschlossen, daß schließlich die Macht des Goldes die Ueberhand behält; dann ist das Heldentum für immer zum Tode verurteilt, das Eisen mag ruhen bleiben im bergenden Schoße der Erde, und nur noch das Gold mag man herauswühlen mit gierig zitternden Händen. Unseren Kindern aber wollen wir dann nicht mehr erzählen von Leonidas und seinen Helden, sondern von Rhodes und Chamberlain und von der ewigen Macht der Aktie.

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Friedberg. Sch. 14674. Wagevorrichtung für Lokomotiven, Zus. z. Pat. 88885, Karl Schenk, Eisengießerei und Rkaschinenfabrik Darmstadt (G. m. b. H.), Darmstadt, Land­wehrstr. 55. M. 16755. Luftdruck - Tintenfaß, Heinrich Müller, Groß-Gerau. H. 21087. Maschine zum (£hv schneiden von Fischbandmuthen in Fensterflügel und Thüren, Louis Hauff in Darmstadt. R. 12535. Elektrischer Tourenzähler, Siegwart Ruppel, Darmstadt, Garten­straße 26.__

(!) BomLande, 25. Februar. Nachdem der Februar abwechselnd mit Frost, Schnee und Regen aufgewartet, be­scherte er uns heute einen prachtvollen Frühlingstag. Die Sonne schien hell und freundlich vom klarblauen Himmel; dabei war die Luft so mild, wie im Mai, sodaß man tags­über das Ofenfeuer ausgehen lassen konnte. Jung und alt strömte denn auch hinaus ins Freie, um durch »inen Gang in Gottes freier Natur sich zu erholen und zu erquicken. Hoffentlich ist die milde Witterung von günstigem Einfluß auf den Gesundheitszustand der Bewohner, der bis­her viel zu wünschen übrig ließ. In den meisten Ortschaften hat die gefürchtete Influenza wieder ihren Einzug ge­halten und viele Leute aufs Krankenlager geworfen; glück­licherweise tritt die Krankheit diesmal nicht so bösartig auf, wie vor einigen Jahren. Immerhin macht sie den von ihr Befallenen viel zu schaffen, und die Aerzte sind sehr stark in.Anspruch genommen.

x Queckboru, 25. Februar. Der Ortsgewerbe- verein Grün berg unternahm heute nachmittag einen Ausflug nach unserem Orte zwecks Besichtigung des hie­sigen Wasserwerks der Stadt Gießen und Abhaltung einer Versammlung.

O Burkhards, 25. Februar. Am verflosienen Donners- tag und Freitag wurde die letzte Brennholz-Ver­steigerung in den Waldungen hiesiger Forstwartei ab­gehalten. Die Preise waren ungemein hoch, sodaß viele Teilnehmer unverrichteter Sache wieder abziehen mußten. Für Prügelholz (Buche) 2. Klasse wurden im Durchschnitt 6, 7 bis 8 Mk. bezahlt. Scheitholz 1. Klasse kostete per Raummeter im Durchschnitt 10 Mk. Der gestrige Abend war ein reiner Sommerabend. Mehrere Kranichscharen sah man gestern nach Norden ziehen. Ob es nicht zu frühe ist? In den GraSgärten sieht man schon hie und da wilde Schneeglöckchen blühen.

-a- Herchenhaiu, 25. Februar. Um die Industrie I in unserer Gegend zu heben, wurde her hiesigen I Papierfabrik ein namhaftes Kapital unverzinslich aus der Kaffe für öffentliche und gemeinnützige Zwecke vorgestreckt, welches nach und nach zurückgezahlt werden muh. Da diese Fabrik in den Besitz des Herrn Weidner übergegangen ist, hat er auch den Rest des unverzinslichen Kapitals er­halten, welches noch 3000 bis 4000 Mk. betragt, und in Summen von 500 Mk., zahlbar im Frühjahre und im Herbste, abgezahlt wird. Für unsere Gegend, die wenig Gelegenheit zum Verdienst bietet, ist eine solche Fabrik eine große Wohlkhat, darum wünscht auch die Bevölkerung, daß sie blühen und gedeihen möchte.

Darmstadt, 20. Februar. Nach den den Großh. Kreis- I ämtern mitgeteilten Erläuterungen zum Stempelgesetz sind I als Luxuswagen alle zum persönlichen Gebrauch de- Besitzers oder seiner Angehörigen bestimmten Wagen, welche nicht zu einer beruflichen ober gewerblichen Thätigkeit be­nötigt werden, zu betrachten. Außerdem ist bestimmt worden, daß die nicht auf Federn ruhenden Wagen der Stempel­abgabe nicht unterliegen. Da gleichwohl noch Zweifel darüber entstanden waren, welche Wagen als Luxuswagen zu besteuern sind, hat Großh. Ministerium des Innern I unterm 2. Februar folgendes AuS schreib en an die Großh. Kreisämter erlassen: Auf mehrfache Anfragen da- I rüber, in welchen Fällen Wagen als Luxuswagen zu be« I trachten sind, ober nicht, bemerken wir, daß zunächst jeder I einzelne Fall auf Grund der festzustellenden thalsächlichen I Verhältnisse nach Maßgabe der Anlage II der Ihnen mit» I geteilten Erläuterungen zu dem Stempelgesetz von Ihnen I zu entscheiden ist, vorbehaltlich etwaiger nach Art. 27 deS I Stempelgesetzes zu erhebender, an uns zu richtender Be- I schwerde. Insoweit nach den ftattgehabten Ermittelungen I ein Zweifel bestehen kann, empfehlen wir Ihnen, bei Wagen, I deren erster Anschaffungspreis 1000 Mk. nicht übersteigt, I anzunehmen, daß sie keine Luxuswagen sind, bei Wagen mit höherem Anschaffungspreise bis zum Beweise des Gegen-

I teils anzunehmen, daß sie Luxuswagen sind.

/X Darmstadt, 25. Februar. Rabenmutter. Sm Kahlertstraße 5 dahier in Stellung befindliches Dienstmädchen aus Gernsbach i. B. wurde seit einigen Tagen von der I Herrschaft vermißt und fand man dasselbe gestern beige« I neuer Nachforschung in einer Bodenkammer fast dem Tode I nahe. Sie hatte einem Kinde heimlich bad Leben geschenkt, I das aus einem Verhältnis mit einem hiesigen Burschen I entstanden war, bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, I daß das Kind jedenfalls lebend geboren war und von der I in Verzweiflung befindlichen Mutter erwürgt worden war. I Die unnatürliche Mutter wurde nach dem städtischen Kranken- I hauS verbracht. Untersuchung ist im Gange. Der I 67jährige Arbeiter und Kutscher Georg Fritz aus Kuscy- I Hausen, welcher auch schon eine Zeit lang im ArbeitShaust I war, hat am Freitagabend in der Nähe des Botanischen I Gartens nächst dem Waldrand seinem Leben durch «r- I hängen ein Ende gemacht. Derselbe hat eine bewegte I Vergangenheit hinter sich und war früher gut situiert« I Seine närrische Hoheit Prinz CarnevalFriedrich 1

heute vormittag 11.33 Uhr mittelst Extrazug hier ange- I kommen und am Bahnhof von dem närrischen Ministerium und der Prinzengarde nebst der Musik und einer nach Tau

I senden zählenden Menschenmenge feierlichst empfange» worden. Der närrische Minister-PräsidentMax" von uno zu Anspach begrüßte Se. Hoheit in feierlicher An praq

I und ließ denselben wie Se. hohe Gemahlin dreimal hoch 1 leben Der Prinz dankte in huldvoller Weise und VttU» I hierauf in einer äußerst originell verfaßten Thronrede, na<g

gaben der Freude darüber Ausdruck, daß die Natur begann, I sich von der Herrschaft der Winterriesen zu befreien und I die sichtbaren Zeichen ihres Waltens zu beseitigen. Das I Christentum gab auch diesen Festen einen kirchlichen Charakter, I indem es dieselben zum Teil in das Fest der Reinigung I Mariä umwandelte. Aus diesen altgermanischen Festen ist I nun unser Carnevalsfest hervorgegangen. Man hat das I Wort Carneval aus den lateinischen Wortei: Garne vale I herleiten wollen und sie mit Bezug auf die Fastenzeit übersetzt I mitFleisch, lebe wohl!" Diese Deutung steht aber mit dem ursprünglichen Charakter der Feste nicht im Einklänge. Die I alten Germanen enthielten sich bei keinem Feste der Fleisch- I speise; wie auch bei jedem Feste der gefeierten Gottheit Tiere I geopfert wurden. Der bekannte Germanist Wackernagel leitet I daher auch, und zwar wohl mit Recht das Wort Carneval | von Kar naval, Schiffswagen, ab. Die heidnische Göttin I Berchta verwandelte sich Anfang Februar aus der Winter- I göttin und Spinnerin in die Göttin der Fruchtbarkeit um und zog als solche über Land und Meer. Bei den Um- zügen zu Ehren der fruchtbringenden Götter und Göttinnen I des Frühlings bildete dann ein Schiff auf Rädern den I Mittelpunkt. Das altdeutsche Karnevalsfest war also, wie I oben bereits hervorgehoben, ursprünglich ein Frühlingsfest, I an dessen Stelle das Christentum eine Episode^ aus dem I Leben der Jungfrau Maria setzte. Aus der Sitte, nach I Abschluß der Opferhandlung die Häute der geopferten Tiere I anzulegen, in dem Glauben an eine wohlthätige Wirkung I derselben auf den Körper, sind die Vermummungen und I Verkleidungen bei Festumzügen hervorgegangen, die sich I namentlich bei denen im Februar erhalten haben. Daß das I Wort Fastnacht ebenfalls nicht mit Fasten zusammenhängt, I ist schon aus dem Angeführten erkennbar. Die richtige I Form ist nach WackernagelFassnacht" oder altdeutsch: I Fasennacht", das dieselbe Wurzel wie unserfaseln,, hat I und zu jener Zeit, da die Februarfeste zu auSgelaffenen I Lustbarkeiten ausarteten, in Gebrauch gekommen ist. Einzelne der mannigfachen Faschingsbräuche lassen noch heute den I alten Charakter des Festes als eines Reinigungsfestes er- I kennen; so das in den Alpengegenden hier und da übliche I Reinigen der Straßen beim Faftnachtsrennnn, wobei unter I allerlei Possen der Führer des Festzuges Straßen und I Häuser fegt. Der Fastnachtsbär, der häufig aus einem I Strohmann gemacht und hingerichtet und begraben wird, | ist das Sinnbild des Winters, der dem FrühjahrSgotte Platz machen muß. Als Bär zog nach der Vorstellung der alten Germanen der Gott Thor umher, bis die Macht der erstarkten Sonne die guten Gottheiten aus dem Banne der winterlichen Mächte befreit. Auf den Uebermut der Fast­nacht folgt der Ernst des Aschermittwochs, eine Mahnung, wie schnell im Menschenleben Leid auf Freude folgt! Der Aschermittwoch, der die Fastenzeit vor Ostern einleitet, hat seinen Namen von dem in der katholischen Kirche üblichen Brauche, den Gläubigen ein Kreuz aus Asche von ver-

i brannten geweihten Palmenzweigen auf die Stirn zu malen mit den an die Vergänglichkeit des Lebens erinnernden, zur Buße auffordernben Worten:Gedenke, o Mensch, daß Du Asche bist und wieder zu Asche werden wirst!"

Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Maurerlehrling, zuletzt Schiffsjunge, Rudolf Ab er le aus Calw wegen Diebstahls von Großh. Polizeiverwaltung Kastel; Taglöhner Valentin Eugen Becker aus Crumstadt wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Schlosser Theodor Claus aus Kassel wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Maurergeselle Domenico Dinador aus Barisana in Italien wegen Körperverletzung, und Dienstknecht August Mehnert aus Falkenhain wegen Diebstahls, beide vom Großh. Amts- I anwalt zu Alsfeld; Kaufmann und Schirmmacher Franz Eschweiler aus Köln wegen Betrugs vom Großh. Amts­anwalt zu Gießen; Gesindeverdinger Louis Herbst aus Göttingen wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Fürth i. O,; Dienstknecht Friedrich Heppel aus Ober- Hilbersheim aus gleichem Anlaß vom Großh. Amtsanwalt

I zu Alzey; Franz Anton Höfling aus Groß-Ostheim wegen I Strafvollstreckung v. Gr. Amtsgericht Offenbach; Korbmacher I Hermann Klein aus Wohnbach wegen Betrugs, und Barbier­gehilfe Fidelius S e d e l m e y e r aus Ginsburg wegen Körpcr-

I Verletzung, beide vom Großh. Amtsanw. zu Friedberg; Stein­brecher Philipp Korfmann aus Nack wegen Bedrohung,

I Sachbeschädigung und Unfugs von Großh. Staatsanwalt­schaft Mainz; Schneidergeselle Paul Müller aus Korn-

I westheim wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht I Darmstadt II; Taglöhner Sebastian Karl Neff aus I Unter-Schönmattenwag wegen Betrugs vom Großh. AmtS- | anwalt zu Zwingenberg; Zeugschmied Hermann Braun I aus Pölitz, zuletzt in Mainz; wegen Erpressung von Großh. I Staatsanwaltschaft Mainz; Prostituierte Katharine Christ I aus Oberrod wegen Gewerbsunzucht von Großh. Staats- I anwaltschaft Mainz; Fabrikarbeiter Egidius Stein aus

Hammelbach wegen Beleidigung von Großh. Staatsanwalt- I schäft Darmstadt; Maurer Karl Gustav Ruff and Nohr- I acker wegen Sachbeschädigung. Maurer Karl Emil Patzer I aus Zwickau wegen Sachbeschädigung, Hausbursche Georg I Brand aus Aura wegen Unterschlagung, und Fuhrknecht 4 Fritz Groß (Grop) aus Kreftel wegen Betrugs, sämtlich I vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz. .

** Patent-Anmeldungen. Z. 2809. Tiegeldruckpresse, I I. Zinkau, Offenbach a. M., Gerberstr. 52. L. 13526. I Dreiteilige Feldflasche, Listmann u. Löwenstein, Offen« I bach a. M. K. 16239. Verfahren zum Einbinden mul- I miger Eisenerze u. dgl., Peter Kleber in Mainz, Taunus- I straße 23. K. 18211. Verfahren zum Einbinden mulmiger I Eisenerze u. dgl., Zusatz zur Anmeldung K. 16239, Peter

Kleber in Mainz. Sch. 14574. Aufzug für Rollläden, I Karl Schließmann, Kastel-Mainz. H. 21498. Fahrrad- I schirm mit scherenartig zusammenlegbarem Gestell, Wilb. I Ab. Heß nnd Fran Alice Peytsch, geb. von Wuibheini,

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®ctterbexu namentlich im Sül .r nt> fat sich daher jchasi über Genua Q -ne Abnahme deS Stationen an der 5 4 nMn vom Ozear nähert. Diese selbst fi ch heute iDi Nord» herrscht oormiegenb Sanierung: ßunädß tMltung.

Deutscher Reichstag.

154. Sitzung vom 24. Februar. 1 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst das Extraordinarium deS I Etats des Reichsamts des Innern. Beim Xitel: Kosten aus Anlaß I der Beteiligung des Reichs an der Pariser Weltausstellung.

Geh. Ob.-Reg.-Rat Richter teilt mit, daß die Ausstellung vor- | aussichtlich am Ostersonntag werde eröffnet werden. Die gesamte Aus- I fiellung werde bis dahin fertig sein, mit Ausnahme des Gebäudes für I Heer und Marine-Wesen und des Ehrenhofks für die Elektrizitätsaus- I stellung. Beide seien durch den neulichen Orkan schwer geschädigt I worden. Der Kommissar gibt sodann eine eingehende Schilderung über I den Stand der Arbeiten bei der deutschen Ausstellung. I

Abg Roeficke - Kaiserslautern (Bd. der Landw.) meint, es sei I für die deutsche Landwirtschaft auf der Weltausstellung zu wenig ge- I schehen. Von den vom deutschen Reich bewilligten 5 Millionen seien I nur 6000 Mk. auf die deutsche Landwirtschaft verwendet worden. I Redner bemängelt es dann, daß gegen die für die Ausstellung be- I stimmten Tiere aus Deutschland eine 10tägige Quarantäne angeordnet I sei, gegen die englischen Ausstellungsobjekte dagegen nicht, angeblich, I weil England seuchenfrei sei.

Geh. Rat Richter konstatiert, daß diese Ausstellung die erste sei, I bei der die deutsche Landwirtschaft kollektiv vertreten sei. Vorredner I irre auch, wenn er sage, die Landwirtschaft sei nur mit 6000 Mk. be- I teiligt Erstens habe die Landwirtschaft doch Anteil an den Gesamt- I aufwendungen des Reichs für Baulichkeiten, sodann betrügen die Auf- I Wendungen des Reiches für die Ausstellung der Landwirtschaft allein in I bar 120,000 Mk. und drittens müsse sich doch die Regierung überhaupt an das Ausstellungsprogramm der französischen Regierung halten, wo­nach die Ausstellung in 16 bezw. 18 Gruppen zerfalle. Was die Quarantäne anlange, so werde Deutschland nicht schlechter behandelt, als andere Staaten. Die deutsche Regierung sei nicht abgeneigt, den deutschen Biehausstellern etwa die Kosten der Quarantäne zu I ersetzen, aber man könne doch nicht verlangen, daß die Regierung das Vieh anlaufe, uw es selber von Reichswegen, auszustellen.

Der Titel wird genehmigt, desgleichen das gesamte Extraordinarium.

Sodann wird die Beratung des Militäretats fortgesetzt beim KapitelRemontewesen"

Die Kommission beantragt hier eine Resolution, betr. Erhöhung der Remonte-Ankaufspreise im Interesse der Aufrechterhaltung der I Zucht geeigneter Remonten.

Abg. Graf Stolberg (kons.) empfiehlt die Resolution.

Minister von Goßler meint, es würde ihm erwünscht sein, wenn ihm die Züchter einmal genaue Aufstellungen darüber zukommen lassen wollten, wie hoch sich eigentlich die Kosten der Remontezucht stellen. Es würde das für ihn eine Grundlage für die Preisbemessung sein.

An der weiteren Debatte über diesen Gegenstand beteiligen sich noch die Abgg. von Treuenfels (kons), von Kardorfs (Rp.), Halm (Bd. d. L.), Tönnies (nl.), Rickert (frf. Vg.) und Graf Kanitz (kons.).

Damit schließt die Debatte.

Eine Abstimmung über die Resolution erfolgt erst bei der d ritten Lesung.

Beim KapitelReisekosten und Tagegelder" empfiehlt Abg Müller-Sagan (frf. Vg.) eine Resolution, nach welcher jedem Heerespflichtigen mindestens einmal während Ableistung seiner aktiven Dienstzeit Heimatsurlaub mit unentgeltlicher Eisenbahnbeförderung ge­währt werden soll. Redner bätet den Kriegsminister, in diesem Punkte den Widerstand des Kastanienwäldchens zu überwinden.

Beim KapitelArtillerie- und Waffenwesen" entsteht eine Debatte über Gehalts- b-zw. Lohnverhältniffe bei den Gewehrfabriken und anderen technischen Instituten, namentlich in Spandau, in welcher Abg. Zubeil (Soz.) es als Ausbeutung der Arbeiter bezeichnet, daß Arbeiter aus anderen technsschen Instituten an die Spandauer Gewehr­fabrik zurückversetzt worden seien, und zwar unter Reduktion der bisher bezogenen Löhne. Redner schildert außerdem, als Beweis für den Terrorismus der Verwaltung, wie ein bereits 25 Jahre in der Ge­wehrfabrik beschäftigter Arbeiter mit Entlassung bedroht worden sei, falls er seinen Sohn (einen Sozialdemokraten) in der Wohnung behalte.

Gen.'Leutnant v. d. Boeck sucht einzelne Beschwerden des Vor­redners als unbegründet hinzustellen.

Beim KapitelTechnische Institute der Artillerie" bringt Abg. Hoch (Soz.) den Zubeil'schen ähnliche Beschwerden über die Zustände bei der Pulverfabrik in Hanau vor.

Rach weiterer Debatte wird das Ordinarium erledigt.

Dienstag 1 Uhr Extraordinarium, sodann Vorlage betr. Diebstähle an Elektrizität.

Schluß 6 Uhr.

Lokales und Movinsiettes.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 26. Februar 1900.

** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Dor 93 Jahr«, am 27. Februar 1807, wurde zu Portland der englische Dichter Longfeltow geboren. Sein hauptsächlichstes, auch in deutscher Uebersetzung bekanntes Werk:Evangeline", ist eine poetische Er­zählung, worin er die Schicksale französischer Pflanzer in Arkadien und Neuschottland schüdert. Die Sammlung seiner Gedichte ent­hält viel des sittlich und fromm Empfundenen. L. hat sich mehrfach als geschickter Uebersetzer bewährt; er starb am 24. März 1882 zu Cambridge.