Dienstag den 27. Februar
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nördlichen Teil des Kastlandes, West-Griqua- und Bet- schuanaland okkupiert und sie haben dort die Umschließung aufgehoben und hier das Gelände preisgegeben, weil es ihnen an Kraft zur Offensive gebrach. Dreimal, wie es scheint, sogar zum vierten Male wurde Buller geschlagen, den der Londoner Börsenwitz als Charon bezeichnet, weil er so oft, wie der Fährmann der Unterwelt den Styx, den Totenfluß Tugela befuhr; aber der entscheidende Angriff blieb aus, der zur völligen Vernichtung führen mußte, wie er am Modder-River ausblieb, wo Lord Methuen geknebelt war, wie er vergebens vor Ladysmith erwartet wurde, vor der Falle, in der General White sich fing. Roch vor kurzem hatten die Buren die Möglichkeit des Angriffs in der Hand, heute sind sie nicht nur zur taktischen, sondern auch zur strategischen Defensive verurteilt, heute schieben sie nicht mehr, sondern werden geschoben. Und selbst der glänzende Rückzug des alten Cronje am Modderfluß, den vielleicht dereinst die Geschichte neben den Rückzug des großen Friedrich nach der Schlacht'von Hochkirch stellen wird, hat bis jetzt nichts an der Lage geändert. Noch steht er fest eingekeilt am Paardeberge und er wird von einer furchtbaren Geschützmacht so lange bedroht bleiben, bis es ihm und seinen Buren nicht gelungen ist, in furchtbarem Anstiirm die englischen Heeresmassen zu zertrümmern. Darin aber liegt der Angelpunkt, um den sich Sieg oder Niederlage dreht. . ,
Die letzten Gründe der jüngsten Ereignisse hat ein Artikel des' „Militär-Wochenbl." dargelegt. Sie liegen in der Unfähigkeit der Buren zur taktischen Offensive. Trotz Ihrer Siege lassen sie darum ihre eigenen, Kräfte auch durch den geschlagenen Feind fesseln, weil sie dem Angriff nicht den entscheidenden Gegenangriff folgen lassen und weder Bullers Truppen vernichteten, noch White zur Kapitulation zwangen. Die strategische Offensive, die den Erfolg erzwingt, hat versagt, vielleicht, weil es unmöglich ist, auch das beste Milizheer zum Sturmangriff zu bewegen.
Aber so wenig hoffnungsvoll auch jetzt das Bild des Kriegsschauplatzes sich vor den Augen ausbreitet, so ist doch sicherlich der Jubel, der in ganz England herrscht, völlig unberechtigt, und gar wenig will es sich schicken, schon jetzt das Fell des Bären zu zerlege:: und Bestimmungen zu treffen über das Schicksal der beiden südafrikanischen Republiken. Wenn heute schon die „Times" davon*.er- zählen, wie man die Buren umformen wird in loyale britische Staatsbürger, wenn gar der Vergleich gezogen wird mit der Einverleibung der Reichslande, dann drängt sich doch gar zu leicht der Gedanke auf an,das Wort vom Hochmut, der früh zu Falle kommt. Es ist ja in hohem Maße zu bedauern, daß bisher die politische Lage die Möglichkeit einer europäischen Intervention ausschloß, aber sicherlich sehnt die öffentliche Meinung in der ganzen gebildeten Welt die Stunde herbei, in der auch den Engländern, wie einst am deutschen Strome dem Drusus, die Mahnung ent-
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Bekanntmachung.
Belr.: ^LehrkursuS für Anlage und Prüfung von Blitzableitern.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß tot elektrotechnische Lehranstalt des Physikalischen Vereins su Frankfurt a. M. auch in diesem Jahre einen Kursus Iber Anlage und Prüfung von Blitzableitern veranstaltet. Ler Unterricht findet in der Woche vom 12.—17. März
Js., vormittags von 10—12 Uhr und nachmittags von $-5 Uhr statt.
DaS Honorar, welches bei Beginn des Kursus zu entrichte» ist, beträgt Mk. 30.—.
Anmeldungen sind möglichst frühzeitig an Herrn Dr. C. Döguisne, Frankfurt a. M., Stiftstraße 32, zu richten.
Gießen, den 24. Februar 1900.
Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Die Gießener
»erben feem Anzeiger ki Wechsel mit „M- kubmirt“ m. „Blätter t hell. Volkskunde» Nchtl. 4 mal bei gelegt.
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von 19 000 fl. jährlich und könnte, mich ruhig ins Privatleben zurückziehen. Aber das paßt mir ntcht. ^ch kann mir nicht helfen - ich kann ohne Theater nicht leben. Mich freuts nicht! ... Diese Leidenschaft fürs Theater sollte in der Folge für Franz Jauner verhängnisvoll werden. Er übernahm das Ringtheater und es kam jene traurige Katastrophe, welche in der ganzen Welt Entsetzen erregte. Jauner war damals Direktor dieser Buhne und man darf es ganz unumwunden aussprechen, daß das Unglück, das ihm in dieser Stellung zustieß, gewiß auch jeden anderen hätte treffen können. In dem mehrwöchigen Prozeß, der vor dem Strafgerichte stattfand, wurde der damals anklagte Polizei-Oberkommissär Landsteiner, von dem das Wort herrührte: „Alles gerettet", freigesprochen, Jauner jedoch zu vier Monaten strengen Arrests verurteilt. Er trug diese harte Prüfung mit bewunderungswürdiger Standhaftigkeit, trat seine Strafe an und wurde durch die Gnade des Kaisers nach zwei Monaten der Freiheit wieder gegeben. Er lebte kurze Zeit als Privatmann, doch die Leidenschaft fürs Theater brach wieder durch; er siedelte nach ycmtburg über, wo ihm sein Freund Pollini an den Hamburger Bühnen eine glänzende Stellung anbot. Doch kaum ein Jahr duldete es ihn dort. Als er die Nachricht erhielt, daß die Eigentümer des „Carl-Theaters" mit Blasel den Pachtvertrag nicht mehr verlängern würden, eilte er nach Wien, schloß hier den Pachtvertrag ab, und ließ in seiner temperamentvollen, energischen Weise das „Carl-Theater" vollständig umgestalten, ohne viel nach den bedeutenden Josten, die er ja selbst tragen mußte, zu fragen. Er eröffnete das Haus mit der Operette „Das Modell" welche einen großen Erfolg fand, und die ersten Monate das Repertoire der Bühne beherrschte. Auch im folgenden Jahre war er noch vom Glücke begünstigt, doch schon im dritten trat ein rapider Umschlag ein. Seine Gastspieltourneen nach Rußland waren allerdings erfolgreich, aber er setzte das, was er dort erworben, im Winter immer in
Cronje's Heldenkampf.
Auf einen einzelnen Punkt sind die Augen der ganzen Leit gerichtet, auf einen Punkt, dessen Namen wir noch l»or wenigen Wochen kaum kannten, dort ferne auf den Loardeberg, an dessen Hängen der „Wolf" Cronje mit feinen Getreuen einen gewaltigen Heldenkampf kämpft gegen die überlegene Steitmacht der Feinde. Unsicher sind die Nachrichten, die zuuns herüberdringen, denn noch Immer schweigt der Bericht des Londoner Kriegsamtes, und selbst dann, wenn amtlich bestätigt wird, was bisher private Meldungen künden, wird der Sorge sich die Hoffnung gesellen, daß dennoch den Helden von Oranje und Zransvaal die Stunde der Vernichtung noch nicht ge- Mlagen hat. ., L ,
Aber schon jetzt sind die Züge, die sich zu dem gewaltigen Bilde dieses Krieges vereinen, wahrhaft grandios. Qic haben einst, als wir Schüler waren, unsere Herzen höher geschlagen, wenn wir von dem Heldenkampfe des Leonidas hörten und seiner dreihundert Spartaner gegen toe unabsehbaren Scharen der Perser! Wie haben wir afauchzt, als des Kimon Sohn vor Marathon, als vor Lalmnis der gewaltige Genius des Themistokles die feind- (idiett Massen zersprengte! Das ist das Wundersame au den Kämpfen, die wir heute klopfenden Herzens verfolgen, toif, sie noch einmal, wenn auch Lanze und Schwert längst vchchwanden, das Bild jener fernen Zeiten heraufbe- schtvören; weil noch einmal trotz aller Massenwirkungen
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von Gewehr und Geschütz das Heldentum des einzelnen Mannes sich leuchtend abhebt von dem dunklen Grund der Geschichte., In seiner Rede über die Freiheit der Rhodier hat der große Athener Demosthenes gesagt: „Denn niemand führt mit gleicher Anstrengung Krieg, um Eroberungen zu machen, wie zur Beschützung seines Besitzes. Aber zur Rettung dessen, was man ihm entreißen will, kämpft jeder aus allen Kräften, so lange es ihm nur möglich ist; aber nicht aus Gewinnsucht." Gewiß, nicht immer hat die Tapferkeit des Einzelnen, die Freiheitsliebe, das Recht gesiegt, und das adelige Geschlecht der Goten erlag der tückischen Politik von Byzanz. Aber wie einst des Cato Herz auch nach der Entscheidung der Götter für den Besiegten schlug, so wird auch dann, wenn der letzte Bure kämpfend an der Pforte seines Hauses niedersank, das Herz der Welt für die Besiegten schlagen und künftigen Geschlechtern wird ein neues hohes Lied erklingen von einem Volke, das starb, weil es in Knechtschaft nicht leben wollte.
Heute freilich steht noch die Burenmacht unerschüttert, die Cronje, Joubert, Schalk Burger, Botha, Lukas Meyer, Erasmus, und wie sie alle heißen, deren Namen unseren Kindern geläufig sind wie die Namtzn der Helden von Troja, haben noch von keiner Niederlage zu berichten, und selbst, wenn ihre Haufen zersprengt werden sollten, so wird jener furchtbare Guerillakrieg entbrennen, vor dessen wilden Schrecken selbst ein Napoleon in Spanien erlag, ein Krieg, in dem haßerfüllt der Mann gegen den Mann kämpft bis zum Erliegen. Aber das ist unleugbar, daß die Ereignisse der letzten Tage, auch wenn ihre Darstellung sich als Ueber- treibung erweist, der Sache der Buren in Südafrika selbst eine moralische Schädigung gebracht haben. Der Entsatz von Kimberley mag taktisch vielleicht nur eine nebengeordnete Bedeutung besitzen, aber er hat zualeich die Flammen, die eben im Kaplande emporzuzüngeln begannen, gedämpft und nur eine vernichtende Katastrophe der Engländer könnte wieder jene Bedingung schaffen, die allein die Möglichkeit eines endgiltigen Sieges gewährt, die Erhebung aller niederdeutschen Elemente im ganzen südlichen Afrika. Solche Katastrophe ist noch möglich, so lange der Wolf Cronje seine scharfen Zähne gebraucht; treffen noch rechtzeitig die Verstärkungen ein, die Joubert ihm gesandt hat- gelingt es der Beweglichkeit der Buren, ihre furchtbarsten Gegner Roberts und Kitchener definitiv zuruck- zuwerfen und von ihrer Operationsbasis abzuschneiden, so kann sich schon in wenigen Tagen die Szene vollständig wandeln. Aber — leider muß es gesagt werden — diese Hoffnung ist nicht groß, mcht nur, loeil die letzten Erfolge für die Engländer einen mächtigen moralischen Faktor bilden, sonderii auch, weil sich immer mehr die Gewißheit erhebt, daß auch die Tugenden zu Fehlern werden können, daß die einseitige Defensiv-Taktik der Buren sie um die Früchte ihrer Siege bringen kann. Sie hatten Mafeking, Kimberley, Ladysmith umschlossen, sie hatten den
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Der Selb st mord des Direktors Jauner ist M man aus Wien meldet, zweifellos auf finanzielle Schwierigkeiten zurückzuführen. Das „Karl-Theater" wird o<n den Schauspielern allein weitergeführt werden. — Arber das Leben und Wirken Jauners bringen die Wiener Blattet ausführliche Mitteilungen, denen wir folgendes rnrnehmen: Die Erfolge, welche Jauner im „Carl-Theater" Ehrend seiner ersten Direktion erzielt hatte, lenkten die Aii'nierksamkeit aller Kunstkreise auf ihn, und Fürst Kon- jhintin Hohenlohe, der damalige Obersthofmeister des Kaisers und Ches der beiden Hoftheater, berief ihn, kurz nächen:, Herbecks Direktion zu Ende ging, an die Spitze xr Wiener Hofoper. Am 9. April 1875 wurde Franz zamier im Hofoperntheater eingeführt. Die erste That [einer Direktion war die Vorführung des Verdi'schen K^uiems, der sogenannten Manzoni-Messe, die in den Zinst tagen 1875 durch ein ganz vorzügliches italienisches □unctett zu glanzvoller Wiedergabe gelangte. Die zweite that des neuen Direktors war, daß er Richard Wagner, L mit Wien sozusagen schmollte, dem Hofoperntheater üieber näher brachte. Jauner vermochte durch ferne Ueber» redungskunst, daß der Meister von Bayreuth darein willigte, die Tetralogie der Wiener Hofoper zu überlassen. Oer Initiative Jauners ist es auch zuzuschreiben, daß er
eine Reihe hervorragender Künstler an die Wiener Hof- brachte und daß er auch im ersten ^zahre feiner Di- rrktionsführung Bizets „Carmen", die doch spater eine so naße Rolle im Hause spielen sollte, dem Repertoire einver- leibte. Als Jauner bon der Hofoper schied, war er un besitze eines beträchtlichen Vermögens. Am Tage nach feigem Rücktritte von der Hofoper sagte er zu einem Bekannten: „Schien Sie, lieber Freund; jetzt habe ich ein Einkommen
Wien zu. Als Baron Haas, der Jauner finanziell unterstützt hatte, sich zurückzog, trat an seine Stelle ein Herr Russo. Aber das Geschäft ging von Anfang der Saison an sehr schlecht, und die Tageseinnahmen sanken immer mehr.
Zur Wiedervermählung der Kronprinzessin-Witwe Stefanie. Aus Wien wird berichtet< Nachdem bereits die finanzielle Frage der Angelegenheit geordnet schien, nachdem für die Kronprinzessin-Witwe nach ihrer Wiedervermählung eine Jahresapanage von 100 000 fl. festgesetzt worden war, wurden neuestens Forderungen nach einer Erhöhung dieser Summe gestellt, über welche noch die Verhandlungen schweben. Ferner will die Kronprinzessin-Witwe nach ihrer Wiedervermählung, mit welcher der Verlust des Titels „Kaiserliche Hoheit" ^verbunden ist, auf den ihr von Haus aus zukommenden Titel „Königliche Hoheit" nicht verzichten, und auch hierüber finden noch auf diplomatischem Wege die Verhandlungen mit dem König der Belgier statt, der bekanntlich seine Zustimmung zu der Wiedervermählung seiner Tochter nicht gegeben und derselben in diesem Falle den Titel „Königliche Hoheit" entziehen will. — Auch einen recht sonderbaren Streit zwischen zwei Ortschaften hat, wie aus Budapest berichtet wird, die bevorstehende Vermählung zur Folge. Der Ort Bodrog-Olaszi, der 800 Einwohner zählt und in dessen Nähe sich das Schloß des Grafen Elemer Lonyay befindet, erhält gegenwärtig ein neues Stationsgebäude und einen Gendarmerieposten; ebenso wurde an- geordnet, daß der Schnellzug dort anhalten solle. Die Nachbarstadt Tolcsva mit 5000 Einwohnern petitioniert seit Jahren vergebens um diese Begünstigungen und hat sich nun neuerlich mit ihrer Beschwerde an die betreffenden Behörden gewendet.
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