Ausgabe 
26.7.1900 Erstes Blatt
 
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T)ie Vertikalachse die Spitze des Fahrzeugs in den See wies, die Luftschraube mit voller Kraft angehen, uni ein Fahren in den See, d. h. ein Linksschwenken des Kurses zu erreichen. -Die geodötisch bestimmte Fahrbahn weist deutlich die Wirkung dieser Manöver nach. Nach Versagen der Steuervorrichtung hat das Luftfahrzeug nicht einen Kurs in der Windrichtung beschrieben, sondern seine Fahr linie ist um nahezu 30 Grad gegen die obere Windströmung gedreht, und zwar wurde, wie die Zickzacklinie der Bahn erweist, die Ablenkung jedesmal durch die Wirkung der Propeller hervorgebracht. Auch hierdurch wird der Beweis ekbracht, daß das Zeppelinsche Luftschiff in Bezug auf seine Bewegungssätzigkeit den Anforderungen entsprochen hat, die er selbst an dasselbe gestellt hat. Ich komme zum Schluß noch aus die Experimente, die bestimmt waren, die Sta­bilität des Fahrzeugs und seine Fähigkeit zu prüfen, die Stellung seiner Horizontalachse uni beliebig kleine Winkel zu verändern. Die ursprünglich geplante Einrichtung, diese Beweglichkeit durch Verschiebung des Laufgewichts zu er­zielen, hat versagt, da der Mechanismus wiederum ge­spannte Drahtseile aus ähnlichen Gründen wie die Steuervorrichtung nicht funktionierte. Die Kurbel, welche das Laufgewicht in Bewegung setzen sollte, brach gleiche bei Beginn des Aufstiegs, sodaß das Laufgewicht nicht mehr verschoben werden konnte. Es gelang jedoch auf andere Weise, nämlich durch Ziehen der verschiedenen Ven­tile, die Lage der Horizontalachse beliebig zu ändern. Das Luftschiff kann ferner durch geeignete aeronautische Vor­nahmen leicht und ohne Gefahr zum Erdboden gebracht werden. Allerdings gebietet zunächst die Vorsicht, die Landung auf einer Wasseroberfläche zu vollziehen. Dann aber ist sie sowohl für die Fahrer als für das Material ohne jede Gefahr. Die Wiederholung einer neuen Fahrt ist auf diese Weise gewährleistet. Die Motoren des Schiffes und die Luftschraube haben sich im allgemeinen als zweck­entsprechend erwiesen. Die Verbindung zwischen Motor und Luftschrauben ist sicher und gefahrlos. Die Motoren sowohl wie die Schrauben scheinen bei nicht zu großer Windstärke von genügender Leistungsfähigkeit zu sein. Ein direktes Fahren gegen Wind erfolgte nur in den ersten Minuten; für das spätere Abtreiben ist mehr die mangelnde Steuerfähigkeit als eine nicht hinreichende Leistungsfähig­keit der Motoren die Ursache gewesen. Die Wirkungen der Motoren, als das Luftschiff an das Floß gefesselt war und als es nach der Landung auf dem Wasser schwamm, weisen sogar mit großer Wahrscheinlichkeit darauf hin, daß nur das Versagen der Steuervorrichtung die Ursache für das Abtreiben des Luftschiffes gewesen ist. Daß die Propeller die nötige Leistungsfähigkeit besessen haben, dafür spricht endlich die Thatsache, daß es dem Führer lediglich durch den Gebrauch der Schirauben gelungen ist, ein erhebliches Abweichen seines Fahrkurses von der all­gemeinen Windrichtung zu erzielen.

Die Steuervorrichtungen des Ballons haben sich nicht bewährt, sie müssen geändert werden. Sowohl der Mecha- nismus ihrer Bewegung muß eine Aenderung erfahren, als auch ist die Größe und Stellung der Steuerflächen abzuändern. Das letztere erscheint besonders deshalb not­wendig, damit Sicherheit gewonnen wird, daß die sekun­dären Steuerwirkungen, die der Ballonkörper selbst in­folge leichter Deformationen immer entwickeln wird, voll­ständig gegen die Wirklingen der eigentlichen Steuervor­richtungen in den Hintergrund treten. Es sind somit nur kleine technische Aenderungen, die vor einem neuen Fluge des LuftschiffsDeutschland" zu treffen sind. Ihr erster Flug war sicher ein Erfolg deutscher Beharrlichkeit und deutschen Wagemutes. Daß die weiteren Auffahrten auch neue Fortschritte bedeuten werden, können wir mit Sicher­heit erwarten.

Aus Stadt und Land.

Giehen, den 25. Juli 1900.

Die Generalversammlung des Theater-Vereins war sehr schwach besucht. Das kann ja unter Umständen sogar ein großes Kompliment für den Vorstand sein, dem man da­durch vollkommenes Vertrauen entgegenbringt. Wir haben, wie uns geschrieben wird, es auch so ausgefaßt; denn alles, waS der Jahresbericht brachte, war im höchsten Grade vertrauenerweckend. In gleicher Weise, wie bisher, wird darum weitergearbeitet werden, der altbewährte Vorstand ist wieder gewählt, die Heranziehung einer Reihe her-, vorragender Künstler bereits in Aussicht genommen, und so können wir unbedingt aus eine genußreiche Theatersaison mit aller Bestimmtheit zählen.

Q Besihwechsel. DaS Haus des Bauunternehmers Abermann, Stephan- und BiSmarckstraße-Ecke, wurde an den Kaufmann Fr. Kopp für 45,000 Mk. verkauft. Der Oelhändler Philipp Ganß kaufte von Bauunter­nehmer Abermann dessen Hosraite Bismarckstraße 30 für 35,500 Mk.

O Von unserem Bahnhof. Seit beinahe einem halben Jahre ist, wie man uns mitteilt, der Automat für Bahnsteigkarten in der Vorhalle unsere- Bahnhofes entfernt, wie wir hören, weil er reparaturbedürftig? ge­wesen ist. Wer nun den Perron betreten will, muß mit feinen 10 Psg. an den Billetschalter treten, was bei dem Andrang, der dort vor Ankunft der Züge herrscht, seine großen Schwierigkeiten hat. Nicht nur kommt es vor, daß infolge der Versäumnis am Schalter, wenn endlich eine Bahnsteigkarte erlangt ist, die Benutzung derselben zwecklos geworden ist, weil der erwartete Besuch inzwischen mit dem Zuge angekommen ist und auch bereits die Sperre passiert hat, auch die Personen, die Fahrkarten zu den Zügen lösen wollen, müssen dadurch, weil die Bahnsteigkarten^Ausgabe am Billetschalter erfolgt, unverhältnismäßig lange warten. Man sollte meinen, daß die preußische Eisenbahn-Behörde doch nicht so mittellos ist, daß sie, wenn einmal die Repa­ratur eines Bahnsteig-Automaten sich nötig macht, nicht einen Ersatz schaffen kann. Jedenfalls bedeutet bei den ganz unzulänglichen Einrichtungen unseres Bahnhofes das Fehlen der automatischen Karten-Aus- gabe auch eine Neberlastung der Billetausgabe, was im Interesse der sicheren und schnellen Abfertigung

des Publikums unter allen Umständen vermieden werden muß. Es dürfte sich sogar empfehlen, daß auf der Station Gießen zwei den Verkauf von Bahnsteigkarten vermittelnde, ordentlich funktionierende Automaten aufgestellt werden. Voll berechtigt ist das Verlangen, daß nach dieser Richtung schleunigst Wandel geschaffen wird.

E. Klein-Linden, 24. Juli. Gestern abend um 10 Uhr wurde die noch sehr rüstige Witwe Mai auf der Straße von plötzlichem Unwohlsein befallen und mußte in die Wohnung des ihr befreundeten Herrn Weiß gebracht werden, wo sie nach wenigen Minuten starb. Der herbeigerufene Arzt konstatierte, daß ein Schlag an fall ihrem Leben ejn jähes Ende gemacht hatte. Sie hinterläßt vier un­versorgte Kinder, von denen ein Sohn gegenwärtig in Hanau seiner Militärpflicht genügt.

-a. Lollar, 24. Juli. Am Sonntag machte der hiesige GesangvereinLiedertafel" einen Ausflug nach dem Windhof" bei Gießen, wozu der Gesangverein aus Wismar sowie der GesangvereinHeiterkeit" aus Gießen ein­geladen und recht zahlreich vertreten waren. Unter anderen hatte auch zu diesem Feste der berühmte Piston-Virtuose Hofmusiker L. Kümmel aus Darmstadt, der aus Lollar gebürtig ist und seine Jugendzeit hier verlebte, seine Unter­stützung zum glücklichen Gelingen des Festes zugesagt. Herrn Kümmel, der zurzeit einer der hervorragendsten Pistonbläser und soeben von einer Gastspielreise aus Norddeutschland zurückgekehrt ist, wurde schon bei dem ersten Liede reicher Beifall gezollt, und es war ihm ein leichtes, im Nu die Herzen sämtlicher Anwesenden für sich zu gewinnen, sodaß das Fest für jedeu SangeSbruder äußerst genußreich verlief.

*N ßidj, 24. Juli. Die Kohlenpreise haben bereits eine außergewöhnliche Höhe erreicht und sind noch im An­ziehen begriffen, die Brennholzpreise folgen ihnen sicher nach. Trotzdem liegen in der Nähe von Lich aus letztem Winter noch unverkaufte Hölzer. Wenn nun auch die Absicht bestanden hat, diese Eichenstämmchen als Nutz­holz zu verwerten, so ist doch damit nicht ausgesprochen, daß sie sich nicht auch zu Brennholz eigneten, ja, sie sind hierzu sehr gut. Durch Aussortieren der besseren Werk- :c. Hölzer und Verwertung des übrigen Holzes als Brennholz wäre hier ein gutes Geschäft zu machen, sodaß Käufer und Verkäufer zufriedengestellt würden.

)( Langsdorf, 24. Juli. Heute morgen wurden vom Poli­zeidiener Bausch zwei Zigeunermädchen verhaftet, die hier bei Philipp Wirth Schuhe gestohlen hatten, und durch Gensdarm Holland nach Lich ins Amtsgerichts­gefängnis gebracht. Die Zigeunerplage nimmt überhand. Es bleibt nichts anderes mehr übrig, als jedesmal die Feuerwehr zu alarmieren, sobald sich eine neue Bande zeigt.

0 Vom südwestlichen Vogelsberg, 24. Juli. An den Weinreben, die die Häuser zieren und bisher ganz schöne Erträge lieferten, tritt schon zwei bis drei Jahre ein Beeren­pilz auf, der die Ernten oft ganz vernichtet. Vornehmlich bei anhaltend südlicher Windrichtung entsteht bald nach der Blüte an den Blättern ein mehlartiger Ueberzug; auch die Haut der kaum erbsengroßen Beeren wird braun, vertrocknet, die Beere platzt auf und fault. Wind und Regen verbreiten den Pilz. Ein Mittel zur Bekämpfung dieses Pilzes ist der Schwefel. Schon vor der Traubenblüte empfiehlt es sich, die Blätter mit gemahlenem, reinem Schwefel zu be­stäuben. Die Arbeit darf nur bei Sonnenschein vorge­nommen werden, weil sich nur bei diesem die schwefelige Säure, die den Pilz tötet, bildet.

§ Büdingen, 24. Juli. Nächsten Samstag und Sonn­tag feiert der hiesige GesangvereinLiederkranz" sein 60jährigeS Stiftungsfest. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges. Die Manenkapelle und der Gesangverein Sumser" aus Hanau helfen den musikalischen Teil des Festes bereichern.

Mainz, 23. Juli. Der 5. Kongreß der Führer und Aerzte vomRoten Kreuz", der Ende dieser Woche in unserer Vaterstadt zu tagen beginnt, wird voraus­sichtlich alle gleichartigen früheren Versammlungen an Teil­nehmerzahl weit überragen. Der erste, 1896 in Hof ab­gehaltene Kongreß der Führer und Aerzte der freiwilligen Sanitätskolonnen wurde von 150 Teilnehmern besucht. Zum zweiten Kongreß in Koblenz, 1897, kamen 298, zum dritten, 1898 nach Berlin berufenen Kongreß kamen 400 Besucher. Auf der im vergangenen Jahr zu München tagenden Ver­sammlung wurden 600 Aerzte und Führer gezählt. Der diesjährige fünfte Kongreß wird weitaus die stärkste Be­sucherzahl aufweisen. Bis heute sind bereits schon über 750 Teilnehmer angemeldet, sodaß sich mit Sicherheit die Ankunft von 9001000 Interessenten erwarten läßt. In der chirurgischen Privatklinik von Dr. Hahn wurde gestern eine Patientin operiert, bei der sich die erfreulicher­weise ziemlich seltene Echinokockenkr ankheit der Leber vorfand. In vier von einander getrennten Hohl­räumen der Leber, von denen der größte etwa kindskopf­groß war, befanden sich tausende von sogen. EchinokokkuS- blasen (Blasenwürmern) von Linsen- bis Faustgröße, in deren Innern sich unzählige Köpfe des Hundebandwurms (Echinokockus) entwickeln. Die Operation verlief glatt und es geht der Patientin jetzt den Umständen nach recht gut, sodaß die beste Aussicht zu ihrer Wiederherstellung vor Händen ist. M. A.

Mainz, 22. Juli. Kaum sind die Gutenbergtage verrauscht, da rüstet sich Mainz schon von neuem zu einer größeren Feier, der weite Kreise Deutschlands mit Spann­ung und Interesse entgegensehen. In der Zeit vom 28. bis 31. Juli wird in den Mauern unserer Vaterstadt die 5. Führer- und Aerz t eve rsa m in l u n g der deutschen freiwilligen Sanitäts-Kolonnen vom Roten Kreuz abgehalten werden. Abgesehen von den 'n ehr geselligen Festlichkeiten und der eigentlichen Tagung der Kongreßmitglieder ist vor allem für den Vormittag des 29. Juli eine größere Hebung der einzelnen Kolonnen geplant. Dabei soll die umfassende Thätigkeit des Roten Kreuzes, wie sie sich im Felde gestaltet, erprobt und ver­

anschaulicht werden. Man darf der Uebung mit um so größerem Interesse entgegensetzen, als das deutsche Rote Kreuz seine Sanitätseinrichtungen nicht nur während deA südasrikanischen Feldzuges den Parteien zur Verfügung stellte, sondern demnächst auch den deutschen Kämpfen in Ostasien seine Fürsorge zuwenden wird.

Marburg, 24. Juli. In den letzten Tagen feierte hier die zum V.-C. gehörende Turnerschaft Philippina ihr 20jähriges Stiftungsfest unter reger Beteiligung der »Alten Herren", die in großer Zahl z. T. mit ihren Damen aus allen deutschen Gauen sich eingestellt hatten. Auch eine stattliche Corona von jungen und älteren Mitgliedern auswärtiger Turnerschaften waren erschienen, um der Philippina Glückwünsche zu ihrem Wiegenfeste zu über­bringen. Das Fest verlief in ungezwungener und heiterer Weise, und der Wunsch, den der Vertreter der Philippina in seiner offiziellen Rede äußerte, daß die Gäste der Turner­schaft eine angenehme Erinnerung an die Festtage behalten möchten, wird sicherlich in weitgehender Weise erfüllt werden.

Biedenkopf, 24. Juli. Hier wird vom 16. bis 18. August ein echtes und rechtes Volksfest, das alle sieben Jahre stattfindet, gefeiert. Es ist dies der berühmte dreitägige Grenzgang. Bei diesem Fest begeht thatsächlich die ge­samte Einwohnerschaft Biedenkopfs die Stadtgrenze, die vorzugsweise durch die der Stadt erb- und eigentümlich ge­hörenden prächtigen Waldungen läuft. Hier giebt es auch noch lebende Zeugen aus altgermsnischer Zeit, wie diegroße Linde" bei Frohnhausen a. d. L.; sie hat in Mannshöhe den vielleicht in Deutschland beispiellosen Umfang von 980 Mir., ist innen hohl und ganz durchwachsen. Der Baum, der über 1000 Jahre alt fein soll, zeigt noch keinen dürren Ast. Die sogen.Weibereiche" in dem Gemeinde- wald von Horbach (Kreis Unterwesterwald), die einen Um­sang von 8,95 Mtr. hat, wird über 700 Jahre alt sein. Den BeinamenWeibereiche" hat sie im Jahre 1848 er­halten, da eines Tages die Frauen von Horbach, mit Aexten ausgerüstet, in den Wald zogen, um sie zu fällen, jedoch wegen des ungeheuren Umfanges davon abließen.

-nn. Frankfurt a M., 24. Juli. Die unter dem Ehren­präsidium und dem Protektorate des Prinzen Friedrich Karl von Hessen stehende Automobil-Ausstellung in Frankfurt a. M. hat sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen, und es berührt sehr angenehm, auch unserer heimischen Industrie zu begegnen. Die Ausstellung giebt ein außerordentlich interessantes Bild über den riesigen Fortschritt, den dieses neueste Fortbewegungsmittel in unserer raschlebenden vorwärtsstrebenden Zeit gemacht hat. Deutschlands erste Firmen der Antomobilbranche und der mit ihr verwandten Zweige geben sich hier ein Stelldichein, um teilzunehmen an der scharfen Konkurrenz ihrer Fabrikate, die sich aus dem Sport immer mehr in das praktische Leben Übertragen, um sich dem Verkehr und der Geschäfts­welt in kaum geahnter Weise nutzbar zu machen. Vom einfachen Motor bis zum komplicierten Rennwagen zum Preis von dreißigtausend Mark, vom Motortransportrad bis zum Omnibus für 30 Personen und dem Lastwagen von über 100 Zentner Tragkraft finden wir das neue Trans­portmittel hier vertreten. Besondere Aufmerksamkeit erregte aber die Fabrikation für die Herstellung von PhaetonS, Viktorias, Mylords, Breaks, Jagdwagen, VoiturettS 2c. die in großer Auswahl in eleganter und praktischer Aus­führung vertreten sind. Auch finden wir alle in das Auto­mobilwesen einschlagende Gegenstände und Zubehörteile, wie Motore, Axen, Treibriemen, Pneumatiks, Laternen, Werk­zeuge, auch Verbandskasten und Litteratur. Von hessischen Firmen finden wir Opel-Rüsselsheim mit Motorwagen verschiedener Konstruktion, Spicharz Offenbach a. M. mit Ledern aller Art, Widmann-Offenbach, Automobilfußpumpen, P. Schlesinger-Offenbach, Metallwarenfabrikate und Fahr­radzubehörteile, M. Eck-Oberursel, Pneumatikdichtungs- Präparate 2c. und die Firma Unikum-Fahrradwerke und Maschinenfabrik von Jul. Lutz (G. m. b. H.) in Darmstadt u. a. mit zwei Viktorias.

Vermischtes.

* Wien, 23. Juli. Zn m Duellskandal nimmt jetzt Marchese Tacoli selbst das Wort: Zu 1: Der Gegensatz, der in diesem Alinea liegt, basiert auf der sub­jektiven Auffassung des Begriffesehrenrührig". Der Herr O b e r st, sowie die Mitglieder des Ehren- r a t e s fanden eben das nicht alsehrenrüh - ri g", was dem Erzherzog fälschlich vorge- w o r f c n wurde, w a s a b e r s o n st vom christlichen Stand­punkte «und auch in der Gesellschaft als unehrenhaft gilt. Diese Verschiedenheit der Auffassung ist mir bereite im Lause der Verhandlung ausgefallen. Zu 2: Hier be­steht der Gegensatz in der subjektiven Auffassung, daß ich durch die eine Aplanierung der Affaire bezweckende No­minierung zweier Herren bereits eine Duellforderung er­lassen hätte. Der Herr Oberst vergißt aber, daß es pro­tokollarisch festgestellt wurde, daß ich vomFordern" keine Silbe erwähnte, und daß ich das Mandat der beiden Herren; zurückzog, als mich einer derselben versicherte, selbst bei eventueller Bereitwilligkeit meines Gegners zur Versöhn nung müsse ein Duell' stattfinden. Zu 3: Es ist freilich richtig, daß der Offiziersehrenrat nicht offiziell die Maxime aufstellte, eine Lüge mache den Offizier nicht satisfaktions­unfähig wohl aber äußerte diesen Gedanken ein hoher General (den ich eventuell nennen werde) privatim gegen­über einer mir nahestehenden Dame. Der vom Ehrenrate gefällte Freispruch zeigt genügend, daß dieser meritorisch (thatsächlich) derselben Anschauung folgte. Die halbe Maß­regel der Verwarnung, welche derunschuldige" Leutnant thatsächlich erhielt, beweist die Bedenken, welche man gegen das eigene Urteil hegte.

* Neber die Zustande am Hofe von Sofia wird folgendes geschrieben: Fürst Ferdinand von Bulgarien ließ sich bekanntlich durch einen Münchener Hotelier wegen dreitausend Mark verklagen, die diesem vom ehe­maligen Geheimsekretär des Fürsten, Pfannenstiel, entlockt