Ausgabe 
26.6.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

russischen Truppen durchaus keine China feindlichen Ziele verfolgen, im Gegenteil, die Anwesenheit der Truppen in dem befreundeten Staate kann in Anbetracht der gegen­wärtigen aufregenden Ereignisse der Pekinger Regierung nur wesentliche Dienste im Kampfe mit den Aufrührern erwarten, und die Herstellung der gesetzlichen Zustände im eigenen Interesse Chinas nur beschleunigen lassen."

* * *

Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 25. Juni. Das Marineamt hat gestern abend ein Telegramm des KontreadmiralS Bruce vom 23. Juni erhalten, worin er bestätigt, daß zwischen den internationalen Truppen vollständiges Einvernehmen herrscht, und mitteilt, daß 200 Mann des ersten chinesischen Regiments aus Wei- Hai Wei in Shanghai eingetroffen sind. Nachrichten aus Tientsin fehlen noch immer, nur wird bestätigt, daß die fremden Konsulate eingeäschert sind. Der Versuch, am Freitag Tientsin zu entsetzen, ist gescheitert.

London, 25. Juni.Daily Mail" berichtet aus S h a n g a i, Prinz Tuang habe seine Armee in acht Kolonnen geteilt. Seine Truppen seien vorzüglich bewaffnet. Daily Telegraph" meldet aus Hongkong, daß Lihung- tschang morgen nach Peking abreisen wird.

London, 25. Juni. Wie aus Shanghai gemeldet wird, hielten die fremden Konsuln eine engere Konferenz ab, in der die Lage besprochen wurde. Das Resultat der Kon­ferenz ist noch nicht bekannt. Gerüchtweise verlautet, daß Prinz Ching, Vorsitzender des Tsung-Li-Aamen ermordet worden sei. Die Unruhen, in den zentralen Provinzen nehmen immer mehr zu. Die Beschießung von Tientsin ist wieder ausgenommen worden. Frauen und Kinder haben schwer gelitten, da sie nur schlecht geschützt werden konnten. Zwei Offiziere des französischen KreuzersBarfleur" find am Freitag getötet worden.

Paris, 25. Juni. Die Regierung mobilifierte zwei Regimenter Marine-Infanterie, die nach China abgehen sollen.

Paris, 25. Jnui. Nach einer Depesche desFigaro" ließ Lihung-Tschang die Mächte bitten, die Affaire in Taku nicht als casns belli zu betrachten. Die englische Regierung soll eine dahingehende Erklärung ge­geben haben, falls der Beweis geführt werden sollte, daß der Angriff vor Taku nicht auf Befehl der chine­sischen Regierung erfolgte, vorbehaltlich aller Ent- schädigungs - Ansprüche. Die gleiche Haltung habe auch DelcaffL eingenommen.

Paris, 25. Juni. Wie derFigaro" meldet, hat fich Großfürst Alexis, der fich zum Besuche der Welt­ausstellung hier aufhielt, nach China eingeschifft, wo er den Oberbefehl über die russische Flotte inPort Arthur übernehmen wird.

New dort, 25. Juni. Eine Bestätigung der Blätter­meldung, daß 50 amerikanische Soldaten in Tientfin ge­tötet und verwundet seien, ist bisher nicht eingetroffen.

Rew-Pork, 25. Juni. Die Methodisten erhielten aus Shanghai die Mitteilnng von der Ermordung zweier Missionare und ihrer Frauen. Die Regierung hat dem General Mac Arthur Befehl gegeben, die ameri­kanischen Truppen, die heute von Manila nach China ab­gehen sollen, auf 4500 Mann zu erhöhen.

Der Krieg in Südafrika.

Bom südafrikanischen Kriegsschauplätze sind keine be­sonders interessanten Nachrichten eingelaufen. Soweit be­kannt wird, wird Lord Roberts seine Operationen gegen den _ Kommandanten Botha auf einige Tage verschieben müssen, um seine berittene Infanterie nach Süden zu senden und frische Remontepserde zu erlangen, da die meisten Pferde unbrauchb ar geworden oder e i n - gegangen sind. Die Vereinigung des Generals Bullex mit der Kolonne Hamilton wird ebenfalls erst in acht bis zehn Tagen stattfinden können, da Buller bei seinem Vor­dringen auf zahlreiche zerstörte Brücken und Straßen stößt.

DasReuter'sche Bureau" meldet aus Pretoria vom 19. Juni: Ein vollständiges Netz wird nach und nach! um diie Stellung De Wets durch die Streitkräfte der Generale Buller, Brabant, Rundle und Methuen ge­zogen. General Botha erklärte, er sei geneigt, die Uebergabe zu vollziehen, doch stelle sich dem der Präsident Krüger entgegen, der darauf bestehe, daß! man ihm gestatte, im Lande zu bleiben; auch bilden die Operationen des Generals De Wei einen Grund für das Widerstteben Bothas, zu einem Abschlüsse zu kommen.

A m st e r d a m. Große Bestürzung ruft hier die Nach­richt hervor, daß Lord Roberts im Begriff steht, 1400 Angestellte der südafrikanischen Eisenbah­nen nach Europa zu schaffen, weil diese sich geweigert! haben sollen, in englische Dienste zu treten. Diese Aus­weisung wird für ein neues Vergehen der Engländer gegen das internationale Recht und das Privatrecht angesehen, 9a die Bahnangestellten freie Bürger sind. Eine diesbe­zügliche Interpellation im holländischen Volksraad wird wahrscheinlich stattfinden, da sich unter den Ausaewiesenen zahlreiche .Holländer befinden.

... Die angeblichen Giftgeschosse der Buren sind mrzuch ini Laboratorium der großen Londoner Zeitschrift Lancet" untersucht und als g ä n z l ich u n s ch ä d l i ch be- funden worden. Die von den Buren benutzten Mauserge- sollten mit einer Schicht von giftigem Kupfersalz, öwor von essigsaurem Kupfer, überzogen sein, der auf .B.eiVgcftcrit ro,erben könnte, daß die Geschosse mit Essig in Berührung gebracht worden wären. Die Untersu­chung hat eine völlig harmlose Aufklärung ergeben. Die Buren haben ihre Geschosse i» «eschmolzenos Parassin ge- steckt, um den Nickelmantel gegen Rost zu schützen. Die grüne Farbe findet dieselbe Aufklärung, wie an einem Messingleuchter die grünen Tropfen einer Kerze.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Juni. Aus Kiel wird vom 23. Juni gemeldet: Zur gesttigen Abendtasel bei dem Kaiser war

der Vorstand des Norddeutschen Regatta-Vereins geladen. Heute besuchte der Kaiser das neue Klubhaus des kaiserlichen Nachtklubs und die kaiserliche Werft. Die heutigen Wett­fahrten des Norddeutschen NegattavereinS waren von gutem Wetter und kräftigem Westwind begünstigt. Bei der Sinnen* regatta starteten 22, bei der Wettfahrt der Sonderklasse 16 Yachten, unter denen sich dieSamoa" des Kaisers, der diesem Rennen mit dem VerkehrsbootHulda" folgte, befand. Prinz Kanin von Japan traf heute abend hier ein, und wurde von dem Prinzen Heinrich und einer Ehrenkompagnie empfangen. Beide Prinzen fuhren zum Schlosse, wo die Prinzessin Heinrich den Prinzen Kanin empfing. Später begaben sich beide Prinzen an Bord der Hohenzollern".

Der Kaiser sandte auf das Danktelegramm des Großherzogs vo «Oldenburg an den Kaiser für die Teilnahme an der Beisetzung des Großherzogs Peter aus Kiel folgendes Telegramm:

In wahrer Freundschaft mit dir verbunden, ist es mir ein Herzensbedürfnis gewesen, deinem geliebten Vater die letzte Ehre zu er­weisen. Sein Hinscheiden hat mich tiefbewegt; denn ich weiß, daß dein edler hochgesinnter Vater, dessen ganzes Leben seinem Lande und dem großen Deutschland gewidmet gewesen, auch mir von Herzen zugethan war. Sei versichert, daß ich seiner nie vergessen werbe/

Die Kaiserin wird am 20. Juli mit den jüngeren kaiserlichen Kindern auf Schloß Wilhelmshöhe zu längerem Aufenthalte eintreffen.

Nach einer Meldung aus Erfurt ist als Präsi­dent des Reichsmilitärgerichts Frecherr v. Gem­mingen, Kommandeur der 38. Division, in Aussicht ge­nommen. Von anderer Seite wird mitgeteilt, der Ches des MilitäKabinetts, v. Hahnte, sei für diese Stelle auS- ersehen.

Wie in politischen Kreisen erzählt wird, war Kaiser Wilhelm einer der ersten, der dem Z'aren anläßlich des Todes des Grafen Murawiew eine in besonders herz­lichen Ausdrücken abgefaßte Depesche sandte. Der Kaiser soll darin nicht nur sein Bedauern über den herben Verlust, den der Zar durch das plötzliche Hinscheiden seines Mini­sters erlitten, Ausdruck gegeben, sondern auch der Thatsache mit Genugthuung gedacht haben, daß russische und deutsche Soldaten in dem Kampfe bei Taku Schulter an Schulter ihre gemeinsame Feuertaufe er­halten hätten.

Die gestern unter dem Vorsitz des Fürsten Hohen­lohe abgehaltene Sitzung des Staatsministeriums dauerte fünf Stunden. Außer den Ressortministern nahmen die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Nieberding und Frhr. v. Thielmann teil. Wie verlautet, standen die Reform der Eisenbahnpersonentarife, die Tarife für Kohlentransporte und das Gesetz über den Schutz des Urheberrechtes zur Beratung.

Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe ist gestern nach Ragaz in der Schweiz abgereist.

Anläßlich feines 10jährigen Ministerjubi­läums nahm gestern Finanzminister Dr. v. Miquel die Glückwünsche seines Ressorts entgegen. Der Unterstaats­sekretär und die Direktoren statteten dem Finanzminister in den Morgenstunden ihre Gratulationen ab; die Unterbeamten seiner nächsten Umgebung hatten den Arbeitstisch ihres obersten Chefs mit einem hübschen Blumenstrauß geschmückt. Dr. v. Miquel gedenkt noch etwa vierzehn Tage in Berlin zu bleiben und alsdann seinen Sommerurlaub anzutreten.

Wie derPost" mitgeteilt wird, ist zum Unterstaats­sekretär im Kultusministerium Ministerialdirektor Dr. Kügler ausersehen. An dessen Stelle soll der Geh. OberregierungS- rat v. Bremen aufrücken.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerordeus an den Generalinspekteur der Kavallerie, General Edler v. d. Planitz.

Der preußische Landwirtschaftsminister Frecherr v. Hammerstein hat die Landwirtschaftskammern ausgefordert, je einen hervorragenden Sachverständigen nach Paris, bezw. Frankreich zu senden, um die landwirt­schaftlichen Teile der Weltausstellung und weiterhin die landwirtschaftlichen Verhältnisse Frankreichs eingehend zu studieren. Der Minister erwartrt dann später über diese Beobachtungen ausführliche Berichte zu erhalten.

Zum Präsidenten der Zentralgenoffenschaftskasse als Nachfolger des verstorbenen Freiherrn v. Huene ist Dr. Karl Heiligenstadt ernannt worden, der dem Direktorium dieses Instituts bereits seit dem 1. Oktober 1895 ange- )ört hatte.

Bremen, 23. Juni. Abg. Broemel-Stettin eröffnete heute )ie Generalversammlung des Vereins zur Förderung >er Handelsfreiheit. In warmen Worten gedachte Broemel Bambergers. Gothein - Breslau entwickelte in anger Rede des Vorteil des Nationalwohlstaudes am Außenhandel. Els Millionen Menschen bezügeu ihr Ein- bmmen aus diesem. Don dem Ausfuhrwert bestehen drei Milliarden aus Arbeitslohn. Der zweite Redner, Alexander Meyer, sprach in gleichem Sinne. Die einstimmig ange­nommene Resolution lautet: Deutschland sei ohne den Außenhandel unfähig, die zunehmende Bevölkerung zu ernähren. Die Sicherung diese- Außenhandels sei die wichtigste Aufgabe der deutschen Handelspolitik. Langsich- tige Handelsverträge feien unerläßlich. Der zweite Gegenstand, betr. Minimal- und Maximaltarife, wurde von der Tagesordnung abgesetzt.

Sigmaringen, 23. Juni. Heute sand die Beisetzung der Fürstin-Mutter von Hohenzollern in An­wesenheit des Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen als Vertreter des Kaisers, des Großherzogs und der Groß­herzogin von Baden, des Königs und Prinzen Ferdinand von Rumänien, des Grafen von Flandern, des Prinzen Albert von Belgien, des Herzogs Robert von Württemberg, den Prinzen Albert von Sachsen und anderer Fürstlich« ketten statt. Das Totenamt hielt der Erzabt des Kloster- Benreu ab.

München, 24. Juni. Der Inspekteur der Fußartillerie Generalleutnant v. Keller, wurde in Genehmigung seines ?^1bdsgesuches unter Verleihung de- Michaelordens 1. Klaffe mit Pension zur Disposition gestellt. Die Wieder« Verwendung des Generals im Aktivdienst bleibt Vorbehalten wenn seine Gesundheit sich bessert. - Rege Thätigkei," herrscht derzeit im Komitee für den 6. Internationalen KatholikenKongreß, der im September in München stattfindet. Bisher find nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Oesterreich, Ungarn, Frankreich, Belgien, den Nieder­landen und Italien Anmeldungen zur Beteiligung elnge- troffen. Der Kongreß gruppiert fich in zehn Sektionen Wie man vermutet, wird sich die römische Kurie durch einen außerordentlichen Legaten vertreten lassen.

Ausisud.

London, 23, Juni. W?ie' dieTimes", erfährt, teichtete bie marokkanische Regierung am 9. ds. an die f r an z 0 s i sch e R e g i er u n g die formelle Forderung um Anrufung eines europäischen Schiedsgerichts über die Streitfragen, die durch die französischerseits er­folgte Besetzung der jO a s e n von Tuat Fidikelt und Gurara sowie bie Distrikts von Jgli zwischen beiden Regierungen erwachsen finb. u

Grüssel, 24. Juni. König Leopold wird am 30. b. M. Bab Gastein verlassen unb sich nach Paris begeben, wo er eine Woche verweilen wird.

Paris, 24. Juni. Präfibent Loubet beqab sicü heute anläßlich ber sechsten Wieberkehr bes Todestages des Präsidenten Carnot in bas Pantheon unb legte an ber Grabstätte einen Kranz nieber. Gestern abenb wohnte ber Präsibent Loubet ber Galatafel bei, bie ber Kammev- präsibent Deschanel in seiner Wohnung gab. Circa 2000 Personen hatten hierzu Einladungen eryalten. den Gärten fanb eine Vorstellung, betiteltToute la France", statt, in per von ben besten französischen Künstlern eine Apotheose ber Weltausstellung bargestellt wurde.

Marseille, 24. Juni. In einem gestern ftattge- habten Duell zwischen einem früheren nationalistische Gemeinberatsmitglieb unb bem republikanischen Journa> listen Verby wurde ersterer am Oberarm gefährlich verwunbet.

Wien, 23. Juni. Exkönig Milan hatte heute mittat eine einstünbiae Konferenz mit bem Minister bes Aus­wärtigen, Grafen Goluchpwski Unb wurde nachmittags in offizieller Form vom Kaiser in längerer Privat- Audienz empfangen. Der deutsche Botschafter, Fürst zu Eulenburg, stattete dem Ministerpräsidenten von Koerber heute nachmittag einen längeren Besuch ab.

Wien, 23. Juni. Einer Petersburger Meldung ber Polit. Korr." zufolge wirb ber zum zeitweiligen Verweser bes russischen Ministeriums des Aeußern ernannte Graf Lamboborff dieselbe friedliche Polittk wie Graf Mu- rawjew befolgen.

Petersburg, 24. Juni. Hier tagte ein Komitee, KU dessen Mitgliedern u. a. ber Justizminister Murawjew, ber Minister bes Innern Ssipjagin und Minister v. Plehws gehörten. Dieses Komitee beriet über die Einführung! des Russischen als Geschäftssprache bei unseren Behörden unb schlug vor, baß bas Oekonomiedeparte- Ment unseres Senats vom 1. Oktober an alle Schreiben an ben Kaiser russisch abfassen soll. Ferner soll bas genannte Departement von 1905 an bie Protokolle russisch führen unb im schriftlichen Verkehr mit bem Senat von 1903 an bis russische Sprache anwenben. Der Kaiser genehmigte diese Vorschläge. An ber hiesigen Universität wer­den von kommenbem Semester an Vorlesungen üben finisches Verwaltungsrecht gehalten werden, um) ben Russen zu ermöglichen, nötigenfalls sich um höhere Aem ter in Finland bewerben zu können.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, den 25. Juni 1900.

** Erstes Dünsbergfest. Das am gestrigen Sonntage stattgehabte Dünsbergfest, hatte sich eines sehn lebhaften Zuspruchs zu erfreuen; infolge ber noch ein­getretenen guten Witterung fanben sich zu Beginn des Nachmittags zahlreiche Teilnehmer ein. Bei ben Klängen ber trefflichen Bauer'schen Kapelle würbe ber Zubrang gegen 3 Uhr schon so groß, daß kaum an ben zahlreichen Tischen ein Plätzchen zu finben war unb nun das Publikum sich im Walbe zu lagern begann, ber infolge des immer schöner geworbenen Wetters ganz abgetrocknet war. Die Mehrzahl ber Besucher stellten bie umliegenden Ortschaften, teilweise in ihren schönen Trachten; doch war der Besuch von Wetzlar, Gießen und Marburg auch ein sehr guter. Gastwirt Ludwig Schlierbach von Bieber hatte für die leib­lichen Genüsse in ausgiebigster Weise gesorgt, und als wir schon spat am Abend ben Berg verließen, herrschte noch bie fröhlichste Feststimmung. Wie wir hören, wirb oben auf ber Spitze bes Dünsberges noch ein größeres Stück Walb abgeholzt unb baburch ber Festplatz wesentlich ver­größert. Wünschen wir, baß alle Festlichkeiten, bie bork tattfinben, einen ebenso schönen unb munteren Verlauf nehmen wie bas erste Dünsbergfest.

** Ortsgewerbeverein. Am Sonntag vormittag 11 Uhr würben int Gewerbeschulgebäube burch ben Bor-i sitzenben ber Kommission für bie Gesellenprüfungen, Kom­merzienrat Heyligenstaebt, in Gegenwart sämtlicher Lehr- unb Prüftmgsmeister, sowie ber Kommissions- und Vorstanbsmitglieber, ben zur Prüfung angemeldeten neun Prüflingen ber Gesellenbrie f auf Grunb ber voraus­gegangenen Prüfungsarbeiten feierlich überreicht. Herr Heyligenstaebt ermahnte in einbringlichen Worten bie Prüflinge unb machte sie besonbers auf die wichtige Bedeutung dieses Abschnittes in ihrem Leben auf- 'merksam; denn wer unterlassen würde, diese Prüfung ab» zulegen, könne nach dem Handwerkergesetz tünftig auch nicht bie Meisterprüfung absolvieren unb nicht bie Berechtigung zur Anlernung von Lehrlingen er­werben. Die Lehrlingszeit ist billig, bie Meisterzeit oft­mals sehr teuer, wenn man in ber Jugend sich nicht prak­tisch und theoretisch so weit ausbilbet, um ben naturge­mäßen Kampf aus nehmen zu können. Möge einem jeden erspart bleiben, zur Erkenntnis erst in ben Jahren der Selbständigkeit zu gelangen; dann ist es zu spät und ba»