Mainz, 24. Juni.
doch entschieden eine „geschmackvolle" Bethätigung lokal-- patriotischen Geschäftssinnes, welche sich gewiß in den Kaffees der besonderen Vorliebe der Damenwelt erfreuen wird.
Die Beherbergungsfrage war, um nur ein kleines Beispiel anzufüheen, nicht befriedigend gelöst; jedes Hotelzimmer bis herab zur „dritten Güte" vorausbelegt — oft schon seit Monaten! Dabei fehlte jede Organisation der Nachweisung geeigneter Privat-LogiS. Die Hotel- Hausknechte spielen vielfach in dieser Beziehung die natürlich nicht sehr uneigennützigen Vermittler, und ein halbwegs erträgliches Privatlogis stellt sich schon heute auf 6, 7 und 8 Mk. pro Tag. Doch sind diese kleinen Unzuträglichkeiten nicht geeignet, die Festlaune dauernd zu verstimmen, ebenso wenig wie die Laune des Wettergottes, der uns täglich, nein, stündlich, die ganze Skala seiner Unzuverlässigkeit vor Augen führte: Sturm, Gewitter, Hitze, Regengüffe, Sonnenschein, empfindliche Kühle — das wechselt im bnnten Reigen in diesen den Manen Gutenbergs geweihten Tagen im schönen Mainz vergnüglich ab!
Viel Glück hatte der Festausschuß des Pressetages gestern abend mit dem Gartenfest in der „Neuen. Anlage", mit dem das unvermeidliche Feuerwerk ver-- Kunden war. 9Loch um 3 Uhr nachmittags konnte keine Bürgschaft für die Möglichkeit dieses Arrangements übernommen werden. Da brach ein köstlicher Sommerabend an; eine weiche, linde Luft weht über den breiten Strom. Die Rosen duftend berauschend und im Blätterdach der Bäume singen die Vögel ihr vielstimmiges Llbendlied. Der Strom liegt voll von Schiffen. Im Gold der Abendsonne glänzen die Zinnen der burgturmartigen Brücken-Befestigungen. Dampfschnaubend rasseln die Züge vorüber. Langsam
Loupe gern in die Westentasche zurück, trotzdem es ihm in Einzelfällen recht schwer ankommt.
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Kesttage im „goldenen Mainz".
I.
Der Journalisten, und Schriftstellertag. — Wohnungsnot. — Die Ausschmückung der Stadt. — „Gutenberg" allenthalben! — Etwas von den schönen Mainzerinnen.
(Bon unserem Spezial-Berichterstatter.)
Politische Tagesschau.
Der halbamtliche „Generalanzeiger für Oldenburg und OstfrieSland" („Oldenb. Ztg.") veröffentlicht unter der Ueberschrift „Der Berliner und der Oldenburger Hof" das folgende, vom Kaiser sofort nach Empfang der Nachricht vom Tode des Großherzogs Peter an den Großherzog Friedrich August abgesendete Telegramm:
Homburg, H., Schloß 1900. 13. Juni 4 Uhr 58 Nachm.
Großherzog von Oldenburg an Bord Yacht „2en< sahn Juel.
Auf den -7 wird h Mit bie (an fff °<ne r «Wttieb ®e[,
be« be J * Herrn L.
von fr<5Rbentm c,”al9et noch
D-r Au ®Srin
Die Mainzer Frauen? Ich wüßte meiner Plauderei keinen besseren Abschluß zu geben, als zu ihrem Lobe noch einige stVorte zu sagen. Soviel natürliche Grazie, soviel kostümlicher Chik, der an die Pariser Boulevards! erinnert, soviel jeder ungesunden Prüderie abholde urwüchsige Lebensfreude sieht man bei deutschen Frauen nicht oft in so harmonischem Vereine. Wo käme aud) sonst das alte Volkslied her, das ausklingt in die Mahnung: zieh nicht an den Rhein, ich rate Dir gut . . . K.
Meine Herren Journalisten und Schriftstellor! Ich war längere Zeit Staatsanwalt. Erschrecken Sie nicht! Ich habe nur zwei grSßere Preßprozeffe gehabt; in dem einen Fall wurde der Angeklagte steigesprochen, in dem anderen erfolgte Verurteilung zu einer Geldstrafe. Der betreffende wurde später dekoriert Wenn ich auch als junger Anfänger in der Behandlung des damaligen französischen Rechts das Prinzip der Oeffentlichkett des Verfahrens kennen gelernt, in der Staatsanwaltschaft trat mir diese wohlthätige Institution noch näher. Ich lernte sie stets mehr ließen, wurde ihr enragiertester Freund! Bor aller Augen und Ohren spielen sich die Verhandlungen ab. Es eifert das an, man lernt auf sich acht geben. Der Formalismus und der Bureaukratismus gehen kläglich zu Grunde. Oeffeniltchkeit aber und Presse gehören logischerweise zusammen Das eine ist be« anderen Juno. . .. Und als ich später in die städtische Verwaltung eintrat, da blieb ich derselbe m meinen Gesinnungen für die Oefferttlichkeit und die Presse. Ich stelle beide noch ebenso hoch, beachte und berücksichtige sie, brn und bleibe ihr Freund....
Sehr frisch „von der Leber herunter" äußerte sich beim Freitags-Festbanket auch der Vertreter der Großh. Staatsregierung, Provinzialdirektor Geheimerat Freiherr v. Gagern. Aber so ein kleines Stück Mißtrauen bringt er doch dem Stande der Vertreter der „siebenten Großmacht" entgegen, wenn er sagt:
Haben aber, wie ich argwöhne, gewohnheitsgemäß auch Ihre Federn gespitzt, und der Gedanke, daß Sie neben jener.ernsten Hu'-digung (GutenbcrgS) auch Allotria treiben könnten (/ ?), und daß Hunderte berufsmäßiger Kritiker versucht find, die sozialen, kommunalm und politischen Verhältnisse dieser Feststadt par excellence unter die Loupe zu nehmen, — dieser Gedanke könnte für uns Einheimische etwas Beängstigendes haben. Nun, wir müsien daS eintretenden Falles über uns ergehen lasten, und können uns nur bestreben, unseren Gästen unS ungezwungen und natürlich und daher möglichst vorteilhaft zu zeigen; aus unserer Haut können und wollen wir nicht fahren!" . . .
Das kann denn schließlich auch kein Vernünftiger verlangen, und der „gewohnheitsmäßige" Kritiker steckt die
I (Unsere ständigen und gelegentlichen Herren Mitarbeiter roetben ge- I beten, bei vinsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts n I beschreiben und die Rückseite frei zu lasten im Interests der schnelleren Druckherstellung.)
Gieße«, 25. Juni 1900.
** Vo» der Universität. Das Jahres fest der Uni- I versität wird in diesem Jahr am Samstag dem 30. J»m I begangen werden. Der Festakt in der Aula beginnt pünkt. lich II1/4 Uhr. An das Festmahl in Steins Saalbau schließt sich nachmittags wie üblich ein Konzert im Garten an, während ebenso ein Kommers stattfindet.
** Personalnachrichte«. Dem Geschäftsführer der Kranz, bühler'schen Buchdruckerei Wilhelm Müssig mann wurde das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; die Gerichtsaccesfisten Karl Hemm erde | und Karl Draudtzu Darmstadt wurden zu GerichtSaffefforen
i ernannt; dem Pfarrer Ludwig Schuster zu Höchst au der Nidder wurde die evangelische Pfarrstelle zu Dudenhofen, Dekanat Offenbach, dem Pfarrer August Wolf zu Offcn-- thal die evangelische Psarrstelle zu Rumpenheim, Dekanat Offenbach, übertragen.
•• Au» de» Militärwochenblatt. Berg, Jntend.-Rat von der Jntend. des 18. Armeekorps, wurde auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt.
*• Theater. Auf den, die Aufführung von „Wohl- thätigenFrau en", am Dienstag ankündigendeu Theater- zetteln, find aus Versehen die im hiesigen Stadttheater ein* geführten Plätze — Loge 2 Mk. und Estrade 1 Mk. — vergessen worden. Für die kurze Spielzeit des Friedrich' scheu Ensembles find eine Reihe hervorragender Novitäten in Aussicht genommen. Auf den, DonnStag in Szem gehenden Schwank „Cacao" von Fritz Verend, der fit Gießen Novität ist, machen wir besonders aufmerksam. Dn Billetverkauf ist in der Musikalienhandlung des Herr» Challier.
** Ruhestöreuden Lärm verübten am Sonntag früh Vjö Uhr eine Anzahl junger Leute in rücksichtslosester Weise aus dem Markt. Durch in kräftigsten Tönen andauernd aus. gestoßene Ruse „Feuer", „Feuerwehr" rc. geweckt, eilten dir Anwohner auss höchste erschreckt, an die Fenster, um zr sehen, wie betrunkene Burschen sich einen rohen Scherz leisteten. Obgleich der Lärm sich noch längere Zeit fortpflanzte, war von einem Eingreifen oder überhaupt derr Erscheinen der Polizei an diesem verkehrsreichsten Punkte der Stadt nichts zu bemerken.
X Hebet die Züchtigung in Schulen. Nach einer gesetz lichen Bestimmung sollen Kinder in den beiden ersten Schul jähren nicht mit dem Stock in der Schule gezüchtigt werden Das ist human gedacht und zweifellos durchaus zu billigen Nun kam aber dieser Tage in einem oberhesfischen Ortl folgendes vor: Zwei Jungen in diesem Alter nahmen eir junges Hühnchen, zerschmetterten ihm mit einen Stein den Kopf und warfen es in den Pfuhl; nachher holten sie den Kadaver wieder heraus, trieb'en ihm einer Stock vom Schnabel durch den ganzen Körper und Hatter ihr Kurzweil damit. Daß bei diesen Rangen die häuslich« Zucht gleich Null ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden Wabs aber soll der Lehrer machen? Wird bei so verrohter Naturen Belehrung viel helfen? In solchen Ausnahme fällen wäre doch wohl der Stock am Platz, und wäre et bloS zum Abschrecken. Am selben Tage sah unser Her« Gewährsmannn zwei größere Jungen zum Zeitvertreib mit dicken Steinen wider den Stamm eines Apfelbaums werfen, daß die Rinde in Fetzen flog. Am liebsten hätte er ihnen gleich eine derbe Lektion erteilt, allein sicherlich hätten die Leute, die das Treiben, ohne ein Wort zu sagen, mit an schauten, sich gern zum Zeugen wider den Züchtiger an geboten. So blieb es bei einer gründlichen Zurechtweisung — Nach unserer Ansicht dürfte sich in Fällen wie dern letzteren eine angemessene Strafe durch den Lehrer empfehlen Im übrigen dürfte aber der von der preußischen Regierung leider schnell wieder aufgegebene sog. „Prügelerlaß" de5
Der Großherzog traf, wie gemeldet, Freitag abend 10 Uhr 22 Min. im Zentral-Bahnhof ein und begab sich! per Wagen ins Schloß. Mit dem Großherzog trafen ein der Obersthofmarschall General der Infanterie von Westerweller, General von Senarclens-Grancy, Major Frhr. Röder zu Diersburg und Rittmeister Krämer. Gestern vormittag um halb zwölf Uhr begab sich der Großherzog in die typographische Ausstellung im Museum und machte unter Führung des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner einen Rundgang durch dieselbe. Die Ausstellung fand den ungeteilten Beifall d!es Großherzogs. Um 12 Uhr fand man sich jn der Maschinenhalle zum eigentlichen Eröffnungs« akt zusammen. In diesem Raum steht das Modell des Gutenberg-Denkmals von Thorwaldsen. Der Vorsitzende der Ausstellungskommission, Dr. Rautert, hielt eine Ansprache an den Großherzog, dem er die hauptsächlichsten Mtarbeiter der Kommission vorstellte und auch. Ober- bürgenneister Dr. Gaßner für die stetige Unterstützung der Ausstellung dankte. Dr. Gaßner begrüßte den Großherzog, dankte ihm für sein Interesse an der Stadt Mainz und dankte ferner der Kommission und den Ausstellern; sodann erklärte der Großherzog die Ausstellung für eröffnet und ersnchte die Anwesenden, sie in Augenschein zu nehmen. Es begann der allgemeine Rundgang. Außer den militärischen Begleitern des Großherzogs wohnten die Vertreter der Stadt, der Provimial-Direktor Freiherr von Gagern, die höheren Offiziere der Mainzer Garnison, bet preußisch-hessische Eisenbahndirektionspräsident Breidenbach, der Domdechant Reich und der Domkapitular Schneider als Vertreter des Bischofs und zahlreiche andere Würdenträger der Eröffnungsfeier bei. Bon Ausländern bemerkten wir aus Paris die Direktoren Omond von der Nationalbibliothek und Christian von der Nationaldruckerei,
I ferner drei Delegierte aus Budapest. Auch Baron v Mo * berg, ein Nachkomme Gutenbergs, war mit seiner Gati'-» zu, dem Akte erschienen. Die hessischen Minister tra^ nachmittags aus Darmstadt ein. An die Eröffnung schl sich! ein fideles rheinisches Sektfest in den Kupserberg''^ Kellereien. — Am Nachmittag empfing der Großher^, den bekannten Wiener Schriftsteller Hermann Bahr als Teilnehmer auf dem VII. Allgemeinen Deutschen nalisten- und Schriftstellertag hier anwesend ist.
Die Mainzer Liedertafel und der Dame: Gesangverein führten zur Feier des Gutenbestqfest?« Händels grandioses Oratvriumwerk „Judas M a k k c bäus" nach der Bearbeitung Crysanders auf. Ein a\a». zendes Festpublikum füllte den Saal des Konzerthauses Der Meister schrieb das aufgeführte Oratorium im Sahn- 1746, Mo in feinem 61. Lebensjahr, 13 Jahr vor feinem Tode. Bwundernswert ist der heroische Zug, der buicb das ganze Werk geht und namentlich in den Chören sich zu einer Erhabenheit und Größe emporschwingt, die modernere Meister auch mit ihrer raffinierten Technik meift nicht zu erreichen vermögen. Auch der Großherzog wohnk dem Konzert bei. — Darauf verteilte der Großherzoq folgende Orden und Auszeichnungen: Oberbürgermeister Gaßner erhielt das Komthurkreuz zweiter Klasse des Philippsorden; das Ritterkreuz erster Kl. erhielten dü Stadtverordneten Ring und Rautert, der Beigeord 1 nete Baurat Kuhn, Oberbibliotbekar Welke, Laband- Paris und M a r c i - Florenz, beide Mitarbeiter der wissen schastlichen Festschrift. Der Dirigent der „Liedertafel" Tr Bold ach erhielt den Professortitel, der Vorsitzende der „Liedertafel", Strecker, wurde Geh. Kommerzienrat und Stadtrat Mayer Kommerzienrat. — Wie uns ein Privat, telegramm heute meldet, nahmen die Akademische Feier und der Huldigungsakt heute in Anwesenheit des Grotz- herzogs und einer sehr illustren Gesellschaft einen glän. zenden Verlauf. Die Festrede hielt Professor Köster. Leipzig. Eine überwältigende Wirkung erzielte das T« deum vor dem Gutenberg-Denkmal.
taenig, wie es wegen der hohen südafiikanischen Kriegskosten der Hungersnot in Indien abhelfen kann.
Die politische Krisis in Italien ist noch nicht erledigt. Ob es Saracco gelingen wird, ist noch nicht sicher. Noch schwieriger als in Italien ist die Lage in Spanien. Die verfassungsmäßigen Garantien mußten aufgehoben werden, und es ist höchst wahrscheinlich daß das Kabinett Silvela seine Entlassung geben wird.
Victoria und ich find tief ergriffen von dem so jähen und überraschenden Tode Deines von uns so hochverehrten BaterS. Der Himmel sei Dir mit seinem Tröste nahe. Wilhelm.
An diese Veröffentlichung knüpft daS halbamtliche Blatt folgende Auslaffung:
^Wir freuen uns, die vorst-hende Depesche, welche uns leider erst letzt mitgeteilt worden ist, zur öffentlichen Kenntnis bringen zu können, und zwar umsomehr, nachdem in einem Artikel des „Leipziger Tageblatts" zu dem Tode des hochseligen GroßherzogS über die Stellungnahme des Berliner Hofes zu diesem Ereignis, sowie über das Verhältnis des Berliner und Oldenburger Hofes vor und nach diesem Trauerfall völlig unzutreffende Behauptungen aufgestellt find. Es ist notorisch, daß Se. Maj. der Kaiser Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog . .... ,, v --------- ----Ol„„
wie stets vorher so auch besonders bei diesem schmerzlichen Anlaß die I gleiten die schweren Lastkähne zu Thal. Frohes Stimmen- ®ät.* Sympathie entgegengebracht hat, und trotz der Schwierigkeit, I gewirr festlich geschmückter Leute. Dahinein tönen die elek-- Neyedtspofitionen, welche wette Kreise berührten, im letzten Augenblick I trifierenben Klänge des Souza'schen 5kadetten-Marsches Seleb?^' füiCt Um (ä ^r-l'chsten Weise höchstseme I Dann zischen bie Raketen unb furchen sich ihren Weg durch
aufoS" f Welxytx Großherzog zu bezeugen und aus- I die klare Abendstille über dem in die Schalten der NarZ
1 sich einhüllenden Strom. Die Feuerräder fauchen und der Goldregen sprüht seine Funkengarbeu beinahe auf die in üppigem Prangen stehenden Rasenbeete. Und kräftige Männerstimmen singen dabei, altvertraute Weisen von Liebes* leid und Trinkerfreude---0, R h e i n f r 0 h s i n n
w i e beseeligend wirkt doch dein Zauber! . . .
Die Ausschmückung der Stadt unterscheidet sich im Allgemeinen in Nichts von der bei solchen Gelegenheiten maßgebenden Schablone. Manches Originelle, sonst meist! Maiaz, 23. Juni. I Dutzendwerk; freudestrahlend machte mich vorhin ein'
Sei gegrüßt, Vater Rhein! Jahre find dahingefloffen, I Mainzer Weinwirt auf die an feiner Kneipe prangeu- seitdem mich zum letztenmale Deine grünen Fluten durch I ben ^^^^b^sam:
das reb-numsp»nn-n- Gelände trugen. Aber wer vergäße ^traberq e‘nft in das Selb
je die Tage, die er an Demen schönen User» verlebt hat! I SAbert hat er alle Staaten
©ei gegrüßt, altes .goldene» Mainz", Du Stadt der I Lent danket ihm die ganze Welt
frohe», frischsprudelnden Lebenslust, des Weines, der Lieder I Die Idee dieser ersten Strophe ist so hübsch, daß ich ab- und der schönen Frauen! ... I sichtlich die drei folgenden unterschlage, weil sie den origi-
Ja, eS versteht Feste zu feiern, das „goldene Mainz". I Zellen Gedanken wieder zerstören. „Wisse' Se", sagt der Die weithin bekannte harmlose Frohnatur ihrer Bewohner I f^Iaue Weinschänker, „ich hawwe die drei letzte Bersch' läßt diese alte Stadt ganz besonders prädestiniert erscheinen I Fichtereisig e Bische zugedeckt; wer'sch doch lese
in ihren Mauern Gäste zu empfangen und inter pocula I w I' ^r kann )o zu mir hrem komme; do kriecht' ersch
iU J,ein' °us welchem äußeren ft,°1u™aHOen Senvenbu.ig ber
x n wellen hier bie Delegierten der I kunst noch einen Augenblick daran, daß des gefeierten Er- I
cn r e 'c' um mit ihrem „VII. Allgemeinen | finders Nachkommen in der praktischen Nutzanwendung I deutschen Journalisten- und Schriftstellertag" der großen I seiner heroischen Geistesthat würdige Epigonen sind?! I Gutenbergfeier, die heute beginnt, eine würdige Jntro- I „Gutenberg" ist überhaupt in diesen Tagen hier allgegeu- I duktion zu geben. Schon die Begrüßungsfeier, die am I h>ärt’9- Sehen wir von den ofiiziellerr Festesgaben in I Donnerstagabend im riesigen Saale der Stadthalle die | A^r Richtung (wie Büsten, Photographieen, Festschleifen, I Stadt Mainr für ibre Gälte arranaiert batte bewie« in I Anfichten-Postkarten, Busennadeln) vollkommen ab. Die I chrem animierten aXufe dem Feste ihre lohnende Existenz verdankende Kleinindustrie
" J "neut das spezifische Mainzer finbet noch auf ganz andern Feldern ihre Bethätigung.
Talent zu festllchen Arrangements. Aber noch em anderes, I So hat ein erfinderischer Konditor eine Gutenbergfigur I för bie moralische Stärkung der Presse und für die Hebung in vortrefflichem — Vanille-Eis dargestellt. Das ist I des Standesbewußtseius ihrer Vertreter ungleich wichtigeres * 1 1 ‘ ~ - ......
Moment als die festliche Unterhaltung kam während dieses Abends in den offiziellen Trinksprüchen zum Ausdruck: das war die rückhaltlose Anerkennung der hohen sittlichen Ausgaben der Presse und ihrer bedeutungsvollen Macht. Jn dieser Beziehung verdient ein PassuS der Bewillkommnungsansprache des Mainzer Oberbürgermeisters Dr. Gaßner besondere Beachtung. Der Oberbürgermeister, den der Vorsitzende des Mainzer Journalisten- und Schrist- steller-VereinS, Landgerichtsdirektor Dr. Bockenheimer in feinem Willkommensgruß au die Delegierten als einen warmen Freund der Presse gefeiert hatte, sagte u. a. folgendes:


