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Zweites Blatt.
Sonntag den25. November
15V. Jahrgang
Kießener Anzeiger
Heimat-Anzeiger
ß^fchelnl itgNch Hit Ausnahme des
AontagS.
Die Gießener -«mittrn-lülter »erlen dem Anzeiger ta Wechsel mit „Hefl. Lindwirt" u. „Blätter für hefl. Volkskunde" »Schtl. 4 mal beigelegt.
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Amts« unb Anzeigeblatt für den Kreis (Niefzen.
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Amtlicher Ml.
Gießen, 20. November. Netr.: Die Gemeinde-Boranschläge pro 1901/1902.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
av die Großh. Bürgermeistereien deS KreiseS.
Wir erinnern die mit der Einsendung rubrizierter Semeinde Boranschläge noch rückständigen Großh. Bürgermeistereien an die baldigste Vorlage derselben.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Aet r.: Gesuch der „Augusta-, Allg. Deutschen Invaliden- und Lebensversicherungs-Aktien Gesellschaft in Berlin um Zulassung zum Geschäftsbetrieb im Großherzog, tum Hessen.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß Acotzh. Ministerium deS Innern der „Augusta", Allg. Deuischen Invaliden- und Lebensverstcherungs-Aktien-Gesell- schast in Berlin, die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Vroßherzogtum unter den üblichen Bedingungen auf Wider- m| «erteilt hat.
Gießen, den 21. November 1900.
Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. Bechtold.
Gießen, 20. November.
Set r.: DaS Formular zu den Anträgen auf Versicherung der Gebäude.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Der Antrag auf Versicherung von Gebäuden ist von kn Eigentümer oder Nutznießer schriftlich bei der Großh. Lürgermeisterei des belegenen Gebäudes einzureichen oder ins dem Bürgermeisterei Bureau zu protokollieren. Nur .trr schriftlich gestellte Antrag hat die Folge, daß das Ge- dlude von dem gestellten Antrag ab, als versichert erachtet trieb. Es erscheint daher notwendig, daß Sie stets mit itui nötigen Antragsformular versehen sind, und ist ins- tksondere die Lieferung deS Formulars durch die Bau- Wtzer, wegen zu Tag getretener Unzuträglichkeilen, für Üit Folge untersagt.
Sie wollen daher Ihren Bedarf an Formularien — in größeren Gemeinden für etwa ein Jahr, in kleineren frli mehrere Jahre — alsbald bei der Großh. Brandver- scherungskammer anmelden und immer vor gänzlichem Ver- lktuch auf Nachbestellung von Formularpapier bedacht sein.
Insbesondere weisen wir darauf hin, daß die Einigung mündlicher Anträge in das Verzeichnis der gestellten
Versicherungs-Anträge unzulässig ist, und die erwähnte gesetzliche Wirkung der begonnene« Versicherung nicht haben kann.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Bor Weihnachten wird der Verein nachfolgende Vorträge halten lassen:
1. zu Beltershain am Sonntag, dem 25. November, nachmittags 4 Uhr in der Wirtschaft von Max Becker über „Jungviehaufzucht-.
2. zu Grüningen am Sonntag, dem 2. Dezember, nachmittags 4 Uhr im Rathaussaal über „Viehzucht insbesondere Schweinezucht undSchweine- mästung" von Herrn Oekonomierat Leithiger.
3. zu Annerod am Sonntag, dem 9. Dezember, nachmittags y34 Uhr in der Wirtschaft von PH. Mohr VIII. über „Züchtungsgrundsätze- von Herrn Oekonomirat Leithiger.
4. zu Utphe am Sonntag, dem 9. Dezember, nachmittags Va4 Uhr im Lokale von August Neunobel über „rationelle Boden-Bewirtschaftung" von Herrn Direktor Dr. v. Peter in Friedberg.
5. zu Treis a. d. Lda. am Samstag, dem 15. Dezember, abends 7 Uhr in der Wirtschaft von Wilhelm Benner über „Düngung der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen" von Herrn Landwirtschaftslehrer Neichelt in Alsfeld.
6. zu Staufenberg am Sonntag, dem 16. Dezember, nachmittags 4 Uhr im Burgsaale über „Frucht- Folge, Viehfütterung und anderes" von Herr» Oekonomierat Leithiger.
Ich bitte die Herren Bürgermeister der Vortragsorte und der Nachbarorte um Bekanntmachung im Orte und lade jedermann, der sich für die Vorträge interessiert, dazu ein.
Gießen, den 19. November 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 28. November ds. Js. in Wetzlar anstehenden Diehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine, den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 168 des diesjährigen Kreisblattes veröffentlicht worden sind.
Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags.
Aus der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen und den preußischen Kreisen Marburg, Biedenkopf, Usingen und Weilburg und den Orten Allendorf der
Bürgermeisterei Greifenstein uud Hörnsheim der Bürger« meifterei Rechtenbach dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.
Ferner ist das Durchtreiben von Tieren dieser Arten durch Allendorf der Bürgermeisterei Greifenstein und HörvS- heim der Bürgermeisterei Rechtenbach diesseitigen KreiseS verboten.
Wetzlar, den 19. November 1900.
Der LandratSamtsverwalter.
Gießen, den 24. November 1900.
Betr.: Die Vertilgung deS Frostnachtspanners.
Das Großherzogliche Kreisamt Gieße«
se feie Großh. Bürgermeistereien des KreiseS.
Soweit Sie unserer Verfügung vom 8. Oktober l. I. — Gießener Anzeiger Nr. 238 — noch nicht nachgekockme» sind, erinnern wir Sie an deren alsbaldige Erledigung.
v. Bechtold.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 23. November.
Die Beratung des NachtragsetatS für die China-Expedition wird vor ziemlich leerem Haufe fortgesetzt.
Abg. Dr. 5)ässe (natl.) sieht durch die Regierungszusage in Bezug auf die Jndemnitätssorderung die Ver- sassungsbedenten in per Hauptsache als beseitigt an. Der Redner bekennt sich als entschiedener Anhänger der Weltpolitik, die er auch ans den Schutz des kleinen Mannes angewendet wissen will, an dem es bei den aus Trans- vaalAusgewiesenen gefehlt zu haben scheine. Gegenüber Singer behauptet er, daß die großen Steigerungen im Erwerbsleben wesentlich dem Arbeiter durch Steigerung der Arbeitslöhne zu Gute gekommen seien. Dr. Hasse wirft den Sozialdemokraten weiterhin vor, daß sie immer die Anwälte der Feinde des deutschen Landes, diesmal der Boxer, sind. Er ist Anhänger einer besonderen Kolonialarmee.
Staatssekretär Frhr. v. R i ch t h o f e n bestreitet, daß die aus Transvaal Ausgewiesenen schutzlos geblieben seien; das Auswärtige Amt und das Konsulat in Kapstadt seien in vollstem Maße für die Leute eingetreten. Man könne aber nicht völkerrechtlich alle Ausweisungen als ungerechtfertigt ansehen, sondern müsse die Entfernung solcher Ausländer vom Kriegsschauplatz als gerechtfertigt anerkennen, bei denen die näheren Umstünde dazu drängen. Dagegen sei man gegen grundlose und mit. übergroßer Härte erfolgte Ausweisungen nachdrücklich in London eingetreten und habe besonders entsprechende Entschädigung gefordert. Zu dieser habe sich die englische Regierung auch bereit erklärt und über bm Modus । der Entschädigung werde zur Zeit verhandelt, wobei.
Gießener Stadttßeatcr.
Wathan der Weise.
Dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen von G. 6. Lessing.
„Golt sei ewig Dank, daß Ihr doch endlich einmal uiieberfommt!" Das find die Worte, mit denen Lessings „Nathan der Weise" anhebt und mit denen das ganze ge- Lllnkenschöne dramatische Ged!cht auf der Bühne vom Mimen sinlneich genug begrüßt wird. Und Nathan darauf in der iug wägenden, Wort und Gedanken wendenden Redeweise Lessings: „Warum endlich? Hab' ich denn eher kommen wollen? iina kommen können?" Nun genug, er ist gekommen, und es freut uns besonders, daß man ihn dem Volke gab. Das leuchtende Vorbild aller dramaturgischen Kunst ist uns heute voch Lessing, und bei Aufführung seiner Dramen, namentlich aber seines „Nathan", ist man berechtigt, schon aus tzitsem Grunde höhere Anforderungen an dte Darstellungs- mb die Regiekunst zu stellen als gewöhnlich; dem größten Muster deutscher Dramaturgie gebührt dte höchste Pietät, Lit 'höchste Anspannung aller mitwirkenden Faktoren. Und A man nicht dem Volke das Beste bieten, was man zu hat? r . . _ .
Freudig ist festzustellen, daß der Gesamteindruck, den man. von der gestrigen Vorstellung erhielt, recht günstig war, M er unsere Erwartungen weit übertraf. Man empfand ■ti- !hier war von den verschiedenen Seilen fieißig gearbeitet »ofben. Man bemühte sich, der würdigen Aufgabe so sehr lvii möglich gerecht zu werden, und der schöne Erfolg blieb
nicht aus, wenn sich auch die Regie von den G- silden deS Frohsinns eines erhabenen Geistes in Einzelheiten bis an die Grenze des Reiches lächerlichen Scherzes ableiten ließ und der an sich schon in einem Teile des Publikums vorhandenen Stimmung, als befände cs sich einem Lustspiel gegenüber, vielleicht nicht immer ganz gewollt, stellenweise einen kleinen Schritt entgegenkam.
Herr Liebscher besitzt viel Gutes für den Nathan. Er bot uns eine markante Greisengestalt, einen würdigen Träger der Lessing'schen Toleranzidee. Er war nicht, wie mancher anerkannte Virtuose, ein nur kluger, oder gar nur ein geistreicher Nathan, sondern in Wahrheit ein „Nathan^ der Weise" in feiner schlichten, ruhigen, aber doch eindringlichen, wohl Überlegten und w-hl pointierten Sprechart, — dabei ein kluger Kaufmann und dennoch wandelnd auf der Menschheit Höhen. Die unendlich große Menschenliebe von Lessings Nathan weckt unser tiefstes Empfinden. Darum bemühte sich auch Herr Liebscher- er hat den zahlreichen feinen Schattierungen des Charakters dieses großen Juden mit Verstand und respektabler Treffsicherheit nachgespürt. Vielleicht hätte er eine kleine Dosis mehr an Milde und Güte, an Wohlwollen und Freundlichkeit, auch seiner Dienerin gegenüber, seiner Charakterisierung beimischen und etwas mehr von der Weltgewandtheit des vielgereisten Kaufmanns zeigen können. Aber er vermied vor allem einen sehr beliebten Fehler: er wurde nicht pathetischer als es die Rolle nun einmal erfordert, wurde aber dabei auch dem erhabenen rednerischen Schwünge der Dichtung gerecht, ebenso wie er diesen, wo es erwünscht war, zu einfacher Schlichtheit in
der Sprache abzudampfen wußte, sodaß er verschiedene schöne Wirkungen erzielte, die des großen Beifalls, der gespendet wurde, wert waren. An der antithetisch zugespitzten Sprache des Dichters zeigte er weniger Freude als an ruhigem, würdigem Redefluß. Die berühmte Erzählung von den drei Ringen, dieses über alle Kritik erhabene Evangelium, war in Herrn Liebschers Darstellung wirklich schön, er trug es in einfacher Schlichtheit vor und darum gerade erzielte es die rechte Wirkung. Allerdings verdienen die besonders schönen Schlußverse größere Hervorhebung. Und da, wo Nathans Wesen sich am herrlichsten uns erklärt, indem wir ihn im 4. Akte das Leid seines Lebens klagen hören, vermochte er jenes tragische Mitleid einzuflößen, das uns erst ganz nahe rückt dieses Ideal edlen Menschentums, das nicht im Sonnenschein des Glücks, sondern in den Gewitterschauern schwerer Schicksale reift. Bon der Kongenialität großartigen Humors, durch den ein hoher, in sich selbst beruhigter Geist die Welt anzuschauen und „in der Erscheinungen Flucht- das Ewige vom Wandelbaren zu sondern pflegt, mußten wir freilich absehen. Aber diese besitzt selbst nicht Lewinsky, noch weniger Possart oder Pohl; Sonnenthal kommt ihr wohl am nächsten. — Herrn Liebscher, der sich bemühen möge, seine dialektischen Eigenheiten los zu werden, gebührt für feinen achtunggebietenden Nathan lebhafter Dank.
Die rauhe Jugend und Tugend des Tempelherrn, da» unliebenswürdige, scheinbar vorurteilslose und doch so vorurteilsvolle Selbstbewußtsein des christlichen Ordensritters und die gewinnende Geradheit des Menschen traf Herr bi Balthyni verschiedentlich. In seinen Ton des


