150. Jahrgang
1900
M. L77 Fünftes Blatt
Keßener Anzeiger
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Heneral-Anzeiger
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-chnkstrnße Nr. 7.
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brachten den Buren große Verluste bei. Die Burenj verloren 180Tote undVerwundete. Eisenbahn: und Telegraph wurden von ihnen zerstört, beide wurden: aber rasch wiederhergestellt.
L o n d o n , 24. November. „Daily Mail" berichtet aus Pretoria, daß General Broadwood vorgestern irr einem Gefecht den Tod gefunden hat. — Aus Lou- renzo Marquez wird gemeldet: Ein Franzose namens Dupont ist verhaftet worden, weil er versucht hatte, beit Buren Munition zuzuführen. .
verloren worden:
1 Portemonnaie mit Inhalt.
D<r Eigentümer des Hundes wird aufgefordert, seine Mgsprüche alsbald hier geltend zu machen.
fliegen, den 24. November 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen
Hechler.
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Adresse für Depeschen: Anzeiger HietzSN.
Fernsprecher Nr. 5L
Buren und Engländer.
Ohm Paul befindet sich nun auf europäischem Boden. Der Verlauf deS Marseiller Empfangs (wir berichten an anderer Stelle) hat gezeigt, daß dieses Ereignis wohl ge- eignet war, den Engländern einige Sorge zu bereiten. In der That werden auch Nichtfranzosen den Eindruck haben, daß der Tag von Marseille, abgesehen von einigen Zwischenfällen, würdevoll und wirkungsvoll verlaufen ist. Den würdigsten Eindruck hat der alte Präsident selbst hinter- laffen. Er konnte nicht umhin, auf die Ansprachen der Ausschußvorfitzenden zu antworten und man würde es ihm auch kaum verdacht haben, wenn er ohne solchen Anlaß gesprochen hätte. Seine Bemerkungen über die barbarische Kriegführung der Engländer werden jenseits des Kanals angesichts der Lobspenden, die Lord Roberts vor einiger Zeit über den Empfang der zurückkehrenden Truppen und Sir RedverS Buller in (Steter dem englischen Heere erteilten, lebhaften Widerspruch finden. Aber die Art, wie er sprach, ries den Eindruck hervor, daß er aus vollster Ueberzeugung spreche, einer Ueberzeugung, die von dem Glauben an die heilige Sache des eigenen Volkes einge« geben ist. Auch diplomatisch geschickt ist die Rede gehalten. Die französische Regierung wird dann auch nicht umhin können, ihn als Staatsoberhaupt >nzuer- kennen und zu behandeln. Schon hat ihn der Präfekt von Marseille auf französischen Boden willkommen geheißen, und das Amtsblatt hat erklärt, daß Krüger als inkognito reisender Staatsleiter betrachtet und auf Wunsch auch von Loubet werde empfangen werden, da eine staatsrechtliche Anzeige der Einverleibung Transvaals noch nicht erfolgt ist. Das ist ein Standpunkt, gegen den selbst der eingefleischteste Engländer nichts wird einwenden können, wenn auch eine besondere Freundlichkeit gegen England gewiß nicht darin zu erkennen ist. Die Einverleibung der Republiken ist zwar von England ausgesprochen worden, aber die Anerkennung dirses Aktes durch die Mächte wird, wenn überhaupt, nicht eher erfolgen, als bis er regelrecht notifiziert ist. Ob die Reise Krügers nach Europa irgendwelche politische Bedeutung erlangen wird, darf bezweifelt werden. Er selbst erklärte bisher immer, daß er nur als Privatmann und zur Erholung reise und keinerlei Versuch machen werde, für sein Volk Hülfe bei den Mächten zu erbitten. Er selbst hat sich ja übrigens jedes amtlichen Charakters entkleidet, indem er einen sechsmonatigen Urlaub nachsuchte. Die Sym- pathieen weiter Volkskreise werden ihm und seinem Volke entgegengebracht werden. Die praktische Bedeutung dieser Erscheinung dürfte zunächst die sein, daß die Buren selbst abermals neuen Mut schöpfen, indem sie den begeisterten Empfang ihres Präsidenten als eine Unterstützung ihrer
einer größeren Milde gegenüber China und zu einer Herabsetzung der Indemnitäts-Forderungen zu bewegen. Einige Antworten sollen bereits günstig lauten.
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Telegramm deS Gießener Anzeigers.
Paris, 24. November. „New-York Herald" meldet aus Kanton, daß der Auf stand am Ostflusse int Abnehmen begriffen ist, daß jedoch die Einwohner des flachen Landes die Autorität der Mandarinen nicht anerkennen und keine Steuern zahlen wollen.
Sonntag den 25 November
Amtlicher Heil.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 17. November bis 24. November
I sind in hiesiger Stadt: zugelaufen:
1 Hund (Foxterrier)
Rest
‘""«‘"•Noen
8 d°s Stet,
ff&Co,
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Telegramme deS Gietzeuer Anzeigers.
Berlin 24. November. Ein Telegramm aus Middelburg vom Mittwoch meldet: Hier sind Einzelheiten über ein e r n st e s G e f e ch t eingetroffen. Am Montag machten die B u r e n gleichzeitig Angriffe auf die Statwnen B almoral und W i l g e R i v e r. Das Gefecht bet Balmoral dauerte sechs Stunden. Der Platz wurde von vier Korn- paguien verteidigt. Die Buren besetzten in der Dunkel- heil ehemalige Schanzen und stellten einen 14 Psunder auf einem Kopse aus. Tas Feuer des Geschützes ibefchadigte die Station. Die Garnison brachte eine Haubitze ins Feuer und beschoß die Buren mit Lyddit. Zwet Kompagnien rückten in die Umgebung vor, worauf die Buren sich zurückzogen und das Geschütz aus der Schußlinie brachten. Um 10 Uhr abends verschwanden sie schließlich, nachdem sie 60 Tote und Verwundete verloren hatten. Die Engländer hatten 6 Tote und 9 Verwundete. Zwet Offiziere und 30 Mann wurden gefangen genommen aber wieder frei gelassen. Bei Wilge River leistete die Garnison ebenfalls energischen Widerstand. Eine halbe Batterie Artillerie wurde von Bronkhorst Spruit zur Verstärkung gesandt. Die Geschütze kamen gerade an, als die Buren dabei waren, den Rückzug anzutreten. Sie
Jamburg-
Heoen,
Ohm Krüger.
Infolge der Zwischenfälle, die sich vor dem Hotek de Louvre in Marseille abgespielt haben, wurden etnxr 50 Engländer, die mit dem Postdampfer „Roma nach Sidney abfahren wollten, in dem genannten Hotel bis abends 10 Uhr blockiert. Sie mußten sich einzeln durch eine Hinterthür des Hotels flüchten. Der Dampfer, der bereits abends 8 Uhr in See gehen sollte, konnte infolgedessen erst nach Mitternacht abfahren. Die anti-eng- lischen Zwischenfälle werden indeß keinerlei weitere Folgen haben, denn es ist, wie uns aus Marseille gemeldet wird, festgestellt, daß sie lediglich durch die provozierende HaltungderEngländer herbeigeführt worden sind. Der Korrespondent der „Paris-Nouvelles" hat den englischen Konsul in Marseille über den Zwischenfall interviewt. Der Konsul bestreitet, daß die Engländer beim Herannahen des Wagens des Präsidenten Krüger gepfiffen hätten, giebt aber zu, daß die Engländer Sou-Stucke unter die Menge geworfen haben und entschuldigt dies mit dem Hinweis darauf, daß es in England Sitte sei, bei besonderen Anlässen Kupfermünzen unter die Menge, zu werfen, wie man in Frankreich Bonbons unter die Kinder werfe.
In Marseille wollten Freunde Julius Guerms ein Bouquet in dessen Namen überreichen, wobei sie Gnenu als das Opfer einer tyrannischen Regierung mit den gefangenen Buren auf St. Helena verglichen. Kruger lehnte jedoch das Bouquet ab.
Nach dem Empfange des Telegrammes, welches Präsident Krüger nach seiner Ankunft in Frankreich dem Präsidenten Loubet gesandt hat, ersuchte dieser den Präfekten Grimanelli, Krüger seinen Dank zu übermitteln und ihn gleichzeitig persönlich und tnt Namen As Präsidenten der Republik willkommen zu heißen. Ta Krüger sich zu abgespannt fühlte, um: den Präfekten empfangen zu können, hat Dr. Leyds dem Präsidenten Krüger diese Mitteilung gemacht.
Die Abreise des Präsidenten Krüger aus M a r f e i l l e mit dem Schnellzuge um 9 Uhr gcch zu neuen Ovationen Anlaß. Auf der ganzen Fahrt vom Hotel bis,zum Bahnhofe wurde der Präsident mit jubelnden Zurufen begrußt. Besonders herzlich war der Empfang, der dem Präsidenten von der auf dem Bahnsteig versammelten zahlreiche» Menge bereitet wurde. Der Präsident bestieg einen naton-, wagen und trat alsbald an das Wagenfenster, von wo auS er eine Ansprache hielt, die von Herrn van Hamel übersetzt wurde. Die Rede lautet:
Bürger von Marseille und Frankreich Ich danke Euch für den herzlichen Empfang, den Ihr mir bet meiner Ankunft bereitet habt. Ich rechne feft darauf, datz ich dieselben Sympathien und dieselbe Begeisterung, die ich hier angetroffen habe, in allen Städten wtederflnde» werde, die zu besuchen ich mir zum Ziele gesteckt habe! und ich hoffe, daß auf diese moralische Unterstützung eine Aktion zu unseren Gunsten erfolgen wird, die zum schließlichen Siege unserer gerechten Sache fuhrt.
Hierauf setzte sich der Zug in Bewegung. In demselben befanden sich ferner noch Dr. Leyds, Eloff, die Buren-Delegierten, das Pariser Buren-Komitee usw.
In den Bahnhöfen von Tarascon, Avignon und Valence stürmte die Menge die Bahnsteige, um Krüger zuzujubeln. In Lyon hielt der Bürgermeister eine Ansprache und überreichte Namens der Stadt eine Medaille zur Erinnerung an die heldenmütige Verteidigung der beiden südafrikanischen Republiken. In Dijon, brachte Krüger mit Gefolge die Nacht zu und h e u tev or- mittag elf Uhr sollte er in Paris am Lyoner Bahnhof eintreffen, wo ihn das Burenkomitee empfangen und über die großen Boulevards zum Hotel Scribe geleiten wollte. Krüger wird vom Präsidenten Loubet, sowie Delcasse in Audienz empfangen werden.
Die Königin von Holland richtete an Kruger folgendes Telegramm: , m „
Haag, 23. November. Herrn Paul Kruger, Präsidenten der südafrikanischen Republik. Es ist rnrr angenehm gewesen, Ew. Exzellenz meinen Kreuzer „Gelderland" anzubieten. Ich bin glücklich, crfa^e”' Sie die Reise bei guter Gesundheit zuruckgelegt haben.
K^r ü g er wird im Haag im Hotel des Indes absteige». Aus weiteren kurzen Unterhaltungen mit seiner Umgebung schließt man, daß per Präsident den strengen Befehl gegeben hat, man solle sich über alle politischen Fragen vorläufig z«
Der Krieg irr China.
Die „Times" meldet aus Peking 21. November: Die fsTtrnbcn Gesandten haben beschlossen, in der Ein- hiituna des Vorvertrages über die Forderungen an China aalfDie Böswilligkeit der Chinesen hinzuweisen, die falsche wnti tendenziöse Nachrichten verbreitet haben. Die Ein- rBid)umg der Kollektivnote wurde aufgeschoben infolge oietZmteressestreitigkeiten, die zwischen den M egitrun g e u vorherrschen.
Der „Times" wird ferner aus Peking vom 20. tele- Maphiiert, Li-Hung-Tschang habe geäußert, die Ernennung •’Mjchangs zum Gouverneur von Hupe sei infolge ^.entschiedenen Widerspruchs des englischen. Gesandten ./liigäiigig gemacht worden, an seiner Stelle sei Tschi- .ritii)|iin g, der Schatzbeamte von Honan, ernannt worden. Dche Ernennung, besagt die Meldung der „Times" weite?, M ebenso unerwünscht, wie die Yütschangs.
Das Oberkommando in Peking meldet: Die Kolonne YZ tt'k erreichte am 17. ds. Hsüenhwa, 25 Kilometer sisiSösiliich von Kalgan. Die dort zurückgebliebene schwache Ächbulng legte die Waffen nieder. Die Kolonne> Mühlen- f ft U Letzte am 20. ds. den Marsch von Sankiatien auf 'Miliokschwan fort. Der Gesundheitszustand des Expe- LMi'rkorps ist gut; Typhus und Ruhr haben abge- nDonnen. — Eine spätere Nachricht lautet: Das Detache- nreüt Mühlenfels vertrieb am 20. ds. stärkere Boxerbanden „uv timem Gefecht aus Ankiatschwang. Tie Boxer öiücloren'50 Zote und 8 Geschütze. Eine Eskadron der Ko- loiM York (Rittmeister Rusche) griff die Nachhut der von H-mihwa auf Kwaian zurückgehenden Truppen an und e .kutete 8 Gepäckwagen mit Geld, Munition und Aus- ri.stmg. Die Chinesen hatten 30 Tote und scheinen k'M General Majuekem und Hochentai in der Auf- l ij |u n g begriffen, nach der Provinz Schansi zu fliehen. — „Morning Post" verzeichnet dagegen aus Peking das G-eiücht, daß die deutsche Expedition, die nach Kalgan a-Mbrochen ist, auf starken Widerstand gestoßen und z u r ü ck g e s ch l a g e u worden sei. Diese englische Nückicht ist nach den vorstehenden Meldungen zweifellos emtoacn. — Dasselbe Blatt berichtet aus Paris, daß der V?Äauf der Friedensverhandlungen in Peking a.li befriedigend sei. Eine vollständige Erschütterung des internationalen Konzerts svill nicht unmöglich sein. Auch das scheint leeres Gerede 111 fein. _
Der „Reichsanz." bringt die Verlustliste Nr. 3 Heim 31. August. Danach sind bei den Verstärkungen für dctis pstasiatische Expeditionskorps während der Zeit der U .Msahrt vom 31. August bis 31. Oktober bei der 6. Kom- pcuguie des 6. ostasiatischen Infanterieregiments und bei Batterie des ostasiatischen Bataillons schwerer Feld- !tuiiiit>en je 1 Soldat ums Leben gekommen, außerdem uim »stasiatischen Pionierbataillon ein Oberleutnant herzlähmung gestorben.
Wie die „Wiener Abendpost" meldet, trifft das j lerreichisch - ungarische Eskadre-Kommando in $ jinn Vorbereitungen zur Ueberwinterung der Schiffe und ™i<mbeten Detachements. Das in Peking befindliche, 190 fhnn starke Detachement wird dort länger dauernden «chnthalt nehmen. , . .
Die sRegterung.ber 58er einig ten ©t aalenbrudte te e-iaphisch Langer ihre Mißbilligung wegen dessen ch°i»-s en sei üblich er Haltung aus Sie hegt die leb- (Wirte Besorgnis, daß die Lage in China futy infolge einer Wiederaufnahme der Feind,eligkeücn noch we iter o fluid ein werde. Sie ist der Ansicht, ba^ ba.yqt- hoclfm der Mächte an der Forderung der Enthauptung Oarfiolen Würdenträger verhängnisvoll werden m lmal üm Würdenträger, wenn sie zusammenhalten, die Macht
Kaisers und der Kaiserin vernichten und das Land ar tütardjie stürzen können, was notwendigerwene die «Uit-eilung Chinas zur Folge haben wurde^te fWfiivcnng versandte daher eine identische No t e an die tjuäfrc, in der der Versuch gemacht wird, die Machte zu
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