Ausgabe 
25.11.1900 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Kand.

Gießen, 24. November 1900.

** Zum Totenfeste. Gedenket eurer Toten! So ruft uns der letzte Sonntag des Kirchenjahres zu. Wir wollen den Lärm des Kampfes, der bedauerlicherweise rn diesem Jahre über diesen stillen Gedenktag entbrannt rst, heute hinter uns zurücklassen, den ernsten Mahnungen, die er an uns richtet, unser Herz öffnen. Die Lieben alle, die vor uns von dieser Erde geschieden sind, stehen vor unseren Augen, grüßend und mahnend. Und die Er­innerung an all den Segen, den wir von ihnen bei ihren Lebzeiten empfangen haben, der Dank für alles Gute, das uns durch sie beschert ward, tvacht mit dem Schmerze darüber wieder auf, daß sie uns entrissen sind und wir ihnen nichts Liebes mehr erzeigen, keinen Beweis unserer Dankbarkeit mehr geben können. Das ist es, was uns hinaustreibt zu ihren Gräbern und uns die Hügel schmücken läßt, unter denen ihre Gebeine ruhen. Aber was solcher Feier ihren tiefen Sinn giebt, das ist die unausrottbar im Menschenherzen lebende Gewißheit, daß die Liebe nimmer aufhört. Gedenket eures Todes! So ruft uns das Totenfest zweitens zu. Der Weg, den eure Verstorbenen gegangen sind, steht auch euch bevor. Was ihr hier auf Erden treibt und unternehmt, erlebt und erleidet, das kommt alles zum Schluß, wenn es heißt: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben! Wohl dem, der auf diesen Schluß bereitet ist, wenn die Summe seines Lebens gezogen wird. Wohl uns, wenn wir den Frieden haben, der nicht von dieser Welt ist, und das Leben, das kein Tod uns rauben kann!

** Geschäftspapiere. Obwohl Geschäftspapiere nunmehr auch im inneren Verkehr Deutschlands zu er­mäßigtem Portosatze zulässig sind, herrscht doch vielfach noch bezüglich der Frankierung und Verpackung der Ge­schäftspapiere Unklarheit. Die Folge davon ist, daß nicht selten zum Verdruß der Absender unvorschriftsmäßige Sendungen mit Strafporto belastet oder überhaupt als unzulässig zurückgegeben werden. Zur Vermeidung solcher Fälle beachte man nachstehendes: Geschäftspapie.re sind zulässig im inneren Verkebr Deutschlands, im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten, im Verkehr mit den fremden Ländern des Weltpostvereins, ausschließlich Oesterreich-Ungarns. Geschäftspapiere nach Oesterreich- Ungarn müssen entweder af? Brief oder als Paket zur Versendung gelangen. Das Meistgewicht der Geschästs- papicre beträgt im inneren Verkehr 1 Kilogramm, im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten und dem Aus­land 2 Kg. Geschäftspapiere müssen frankiert sein. An Porto ist zu entrichten: a' im Ortsverkehr: bis 250 Gr. 5 Pf., über 250 bis 500 Gr. 10 Pf., über 500 bis 1000 Gr. 15 Pf.; b) im Verkehr mit anderen Orten des deutschen Reiches, sowie im Verkehr mit den deutschen Schutz­gebieten: bis 250 Gr. 10 Pf., über 250 bis 500 Gr. 20 Pf., über 500 Gr. bis 1 Kg. 30 Pf., über 1 Kg. bis 2 Kg 60 Pf. (über 1 bis 2 Kg. nur zulässig im Verkehr mit den Schutzgebieten und im Verkehr mit dem Auslande.) c) im Verkehr mit dem Ausland: für je 50 Gr. 5 Pf., mindestens jedoch 20 Pf. für eine Sendung. Geschäfts­papiere können auch unter Einschreibung versendet wer­den. In diesem Falle ist außer dem gewöhnlichen Porto eine Einschreibegebühr von 20 Pf. zu entrichten. Wird eine Bescheinigung des Empfängers über die Zu­stellung der Sendung (Rückschein) gewünscht, dann sind außerdem noch 20 Pf. Rückscheingebühr zu zahlen. Als Geschäftspapiere, auf die die ermäßigte Taxe An­wendung findet, sind anzusehen alle Schriftstücke und Urkunden, die ganz oder teilweise mit der Hand ge­schrieben oder -gezeichnet sind, die nicht die Eigenschaft einer eigentlichen oder persönlichen Korrespondenz haben, wie von öffentlichen Beamten aufgenommene Urkunden, Prozeßakten, Frachtbriefe, Ladescheine, Rechnungen, Dienst­papiere der Versicherungsgesellschaften, Abschriften, Aus­züge, handschriftliche Partituren oder Notenblätter, Manu­skripte von Werken oder Zeitungen, korrigierte Schüler­arbeiten, Militärpässe, Ueberweisungsnationale militär­pflichtiger Personen, Lohn-, Dienst- oder Arbeitsbücher, sowie Quittungen auf gestempeltem oder ungestempeltem Papier. Sendungen mit Geschäftspapieren unterliegen in Bezug auf Form und äußere Beschaffenheit den für Drucksachen geltenden Vorschriften. Geschäftspapiere müssen daher derart verschlossen sein, daß der Inhalt leicht ge­prüft werden kann. Zu diesem Zweck müssen Geschäfts­papiere entweder unter Band, auf eine Rolle, zwischen Pappstücke, oder in einem offenen Umschlag gelegt oder derart einfach zusammengefaltet sein, daß die Natur der Sendung nicht verhehlt wird: sie können sich auch unter einer leicht zu lösenden Verschnürung befinden. Geschäfts­papiere, die den bestehenden Bestimmungen nicht ent­sprechen, werden von der Beförderung ausgeschlossen. Unzureichend frankierte Geschäftspapiere werden mit dem doppelten Betrag des fehlenden Portoteils belastet.

Darmstadt, 21. November. Das vielgestaltige Leben der Neuzeit bringt immer neue bezw. verschärfte An­forderungen an die Gesamtheit und den Einzelnen mit sich, und auch auf dem Gebiete des Staatsbauwesens unseres Heimatlandes waren in den letzten zwei Jahr­zehnten unseren Technikern mancherlei schwierige Auf­gaben gestellt. Daß in dieser Hinsicht Hervorragendes geleistet wurde, und zwar in Entwürfen und Ausführ­ungen von Staatsbauten für die Zwecke des Unterrichts der Rechtspflege, des Verkehrswesens u. a. m., davon zeugt eine Ausstellung von Plänen und Zeich­nungen bedeutenderer hessischer Staats­bauten, mit welchen sich der hessische Staat an der diesjährigen deutschen Bau-Ausstellung in Dresden be­teiligte und die nunmehr im Sitzungssaale der Großh Zentralstelle für die Gewerbe, Neckarstraße 3, der öffent­lichen Besichtigung zugänglich gemacht worden sind Wir sehen da auf großen Kartons u. s. w. zwei große Verkehrs­werke: die Mainzer und die Wormser Nheinbrücke, und die Pläne der großen Stauanlage bei Offenbach, ferner den großartigen Gebäudekomplex der Technischen Hoch­schule. Ebenfalls sehr wirkungsvoll vräsentiert sich die die umfangreiche Anlage der klinischen Neubauten der Landesuniversität Gießen, nach dem Pavillon-System erstellt. Aehnliches gilt für die Bauten auf dem aus- gedebnten Gelände des Landeshospitals Hofheim. Wie bei diesen hat man bei der baulichen Anlage der Zellen­

strafanstalt Butzbach die neuesten Errungenschaften der Technik und Wissenschaft sich zu nutze gemacht. Eine Reihe von Amtsgerichtsgebäuden zeigt in der Durchführung des Entwurfs, wie man mit verhältnismäßig einfachen Mitteln doch augengefällige, ansprechende Wirkung unter voller Wahrung des Charakters solcher Gebäude erzielen kann. Gleichen Grundsätzen, wie angedeutet, ist bei den neuen Oberförsterwohnungen Rechnung getragen. Die Pläne rc. des Neuen Gymnasiums in Mainz, dessen Mittelpartie sich durch etwas reichere Renaissanceformen wirkungsvoll her­aushebt, und des Neuen Gymnasiums in Darmstadt, sowie der wohlbekannte prächtige Bau der Zentralstelle mögen unseren kurzen Ueberblick über eine sehr interessante Aus­stellung schließen. (Darmst. Ztg.)

Offenbach, 21. November. Auf eigenartige Weise kam gestern nachmittag eine in der Kaiserstraße sitzende Obstverkäuferin zu recht erheblichen Brandwunden, die sie vermutlich für einige Tage an das Krankenbett fesseln werden. Die Frau hatte sich den üblichen kleinen, mit glühenden Kohlen frisch gefüllten Topf unter die Füße gestellt und dabei nicht beobachtet, daß ihre Kleider sich alsbald an den Kohlen entzündeten und zu brennen begannen. Ein vorübergehender Schutzmann, den der auf­steigende Qualm aufmerksam gemacht hatte, sprang hinzu und leistete thatkräftige Hilfe. Die Frau wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt verbracht. Die Ver­steigerung der Mainfischerei hat gestern auf dem Stadthaus stattgefundcn. Höchstbietende blieben der Fischereiverein mit 701 Mk., Herr Joseph Jakob mit 702 Mark und Herr Friedrich Koburger rmit 703 Mk. Die beiden letzten Gebote wurden von den Bietern nicht im Auftrage, sondern für sich selbst abgegeben. Da die Stadtverord­neten sich mit der Genehmigung auch die Wahl unter den drei Höchstbietenden Vorbehalten haben, so würde also einem der Vorgenannten der Zuschlag zu erteilen sein. Indessen dürfte es zu einer Emtscheidung darüber zunächst noch nicht kommen, da Herr Adolf Kappus gegen die Ent­scheidung des Kreisausschusses Rekurs beim Provinzial­ausschuß eingelegt und mit Rücksicht darauf auch gegen die Vornahme der Versteigerung protestiert hat. So lange die Entscheidung der angerufenen höheren Instanz nicht erfolgt uni) rechtskräftig geworden ist, kann sonach über die Fischerei nicht anderweit verfügt werden.

Frankfurt a. M., 22. November. Als im Mai d. I. ein Streik der Schreiner hier ausgebrochen war, stand der Schreiner Neuland Streikposten. Ein Schutzmann forderte ihn am.21. Mai gegen mittag auf, sich aus der fraglichen Straße und Gegend zu entfernen. Neuland ging auch fort, kam aber nach einigen Minuten wieder und wurde nun von dem Schutzmann zur Wache gebracht. Nachdem sein Name festgestellt worden war, er­hielt Neuland ein Strafmandat in Höhe von 10 Mark. Das Schöffengericht spracht aber den Angeklagten frei, da das Streikpostenstehen nicht strafbar sei. Die Straf­kammer hingegen hob diese Entscheidung auf und ver­urteilte! den Angeklagten zu einer Geldstrafe aus Grund einer Polizeiverordnung vom 10. August 1872, wonach sich der strafbar macht, der den zur Erhaltung der polizei­lichen Ordnung auf der Straße ergehenden Anordnungen nicht Folge leistet. Die Strafkammer nahm an, daß es gegen mittag zwischen den Streikposten und den Ar­beitern, die weiterarbeiteten, leicht zu Reibereien beim Verlassen der Arbeitsstätte kommen und die öffentliche Ordnung gestört werden könnte. Unter diesen Umständen habe sich der Angeklagte strafbar gemacht, da er sich nur zum Schein entfernt und bald wieder zurückgekehrt sei, um in der fraglichen Straße Streikposten zu stehen. In seiner Revision rügte der Angeklagte, daß er ver­urteilt worden sei, obwohl das Streikpostenstehen nicht bestraft werden könne. Das Berliner Kammergericht wies jedoch die Revision als unbegründet ab und führte aus, das Streikpostenstehen sei an und für sich picht strafbar; strafbar sei es nur dann, wenn dadurch gegen Strafvor­schriften verstoßen werde. Dies sei hier der Fall. .Der Schutzmann habe Reibereien befürchtet und die Auffor-, derung Mr Erhaltung der Ordnung auf der Straße an den Angeklagten gerichtet; dieser hätte der Aufforderung nachkommen müssen.

Für Frauen.

Immer häufiger werden neuerdings Frauen als Waisenpflegerinnen verwandt. Zu Anfang des laufenden Jahres waren z. B. in Berlin 438 Frauen, 41 mehr als im Vorjahr, in diesem Amte thätig. Die weitaus größte Zahl der Waisenräte spricht sich aner­kennend über die Thätigkeit der Frauen aus, nur beklagt man, daß in ärmeren Gegenden, also gerade dort, wo sie am nötigsten wären, sehr schwer Damen zu finden sind, die sich für dieses Ehrenamt eignen und zur Ueber- nahme desselben bereit sind. In einigen Fällen be­schränkt sich die Thätigkeit der Waisenpflegerin nur auf die Beaufsichtigung der sogenannten Haltekinder, d. h. der Kinder unter vier Jahren. In anderen Fällen führen die Damen die Aufsicht auch über die älteren weiblichen Mündel, ja es wird ihnen gelegentlich sogar die Aus­zahlung des von der Stadt gezahlten Kostgeldes über­lassen. Am angemessensten ist es, einer Dame etwa 10 bis 12 Fürsorgen zu übertragen, und es muß darauf ge­halten werden, daß jeder Pflegling monatlich besucht wrrd. Uebrigens hat sich bei diesen Besuchen herausgestellt daß die Haltung der Pflegekinder seitens ihrer Pflegeeltern durchgehends gut ist.In einzelnen Familien erfuhren Pflegekinder eine so liebevolle, fürsorgliche Behandlung, wie sie nur ein gutes Elternhaus zu bieten vermag".

Universität und Hochschule.

Aus Chicago schreibt man derKöln Ztg.": Der Stolz vor Fürstenthronen ist auch in Amerika nicht allzu häufig, wo ore Könige keine Kronen tragen. Die Universität Chicago ist bekanntlich eine Schöpfung Rockefellers, der den Petroleumhandel beherrscht, und Rocke- feller nimmt einen sehr persönlichen Anteil an der Leitung der Anstalt. So suchen bmn die Professoren sich sein Wohlwollen zu verdienen, be­sonders durch Kaihederaussprüche, die hier mit großer Leichtigkeit in die Presse übergehen. Prof. Shepardson z. B. erniedrigte sich, zu ver­kündigen, die Straßenausstände von heutzutage seien ein Ueherreft der barbarischen Triebe der Vorfahren vom Revolutionskrieg Er glaubte, damit der stark ausgeprägten Abneigung Rockefellers gegen alle Art Auf­lehnung sich gefällig zu erw'isen. Roch höher schwang sich Prof Triggs auf, der feierlich verkündigte, Rockefeller stehe auf einer Stufe mit

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Shakespeare. Das war denn dem Standard-Oil Magnaten in New-York zu toll und er verbat sich solche Albernheiten in einem Schreiben, da- allerdings im kräftigsten Stil Shakespeares gehalten gewesen sein'mutz. Der Präsident der Universität berief also das Kollegium zusammen und gab die nötigen Verweise, und als ein Lehrer meinte, man solle den Studenten das Recht, für die Zeitungen zu schreiben, entziehen, erwiderte der Präsident, Dr. Harper, er wünsche Oeffentlichkeit, aber die Lehrer sollten sich so benehmen, daß ihre Aeußerungen und Handlungen der An- stalt Ehre und nicht Schimpf brächten.

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Kunst und Wissenschaft.

«rnst Ecksteins Begräbuis. Aus D r e 8 d e n, 22. No­vember wird geschrieben: Infolge der vornehmen Bescheidenheit deS Dichters und Schriftstellers Dr. Ernst Eckstein war auch fein gestriges Begräbnis sehr einfach. Außer den Angehörigen und nahen Freunden waren nur die Mitglieder des Ortsverbands der Pensionsanstalt deut­scher Schriftsteller und Abordnungen der Litterarischen Gesellschaft und des Symposion erschienen. Die Leichenrede hielt Diakonus Coßmw« über das WortIch weiß wohl, was ich für Gedanken über Euch habe, nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leidens." Zu einer stillen A schiedsfeier sei man zusammengekommen am Sarge eines nach langem schweren Leiden erlösten Mannes, der, auf der Höhe und in der Vollkraft seiner Jahre stehend abberufen worden sei. Gin Trost angesichts der Leiden sei es, daß Ernst Ecksteins Tod für ihn eine Erlösung war, daß er ein sanftes Ende hatte. Eine herrliche Gabe habe Gott dem Verstorbenen gegeben, sodaß er es vorwärts brachte und weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannt geworden fei, durch fas, was er mit seinem Humor und durch die Behandlung an­tiker Stoffe geschaffen habe. Namens des Symposion feierte Professor Dr. Adolf S t e r n die Bedeutung Ecksteins als Mensch und Schrift, steller und legte als Zeichen lobenden, warmen Dankes, treuen Ge­denkens und ehrender Huldigung einen Lorbeerkranz nieder. Für die Litterarische Gesellschaft sprach Major Nicolai die Worte: Mögest - Du auf dem Lorbeer, den Du im Leben in so reichem und ehrendem Maße errangst, nun ausruhen in Frieden. Lorbeersei Dir auch noch im Tode gespendet!

Die Brarrn'sche drahtlose Telegraphie. Der ßdkr des physikalische- Instituts an der Straßburger UntoerfiA', Prosisso Dr. Ferdinand Braun, hielt am 16. November not einem großen Publikum im Hörsaal seiner Anstalt einen Vortriz über Verb sserungen der drahilosen Telegraphie, die er gefunden und Mit Erfolg erprobt hat. Der Vortragende gab zunächst die G.- s vichle der ganzen E findung, schilderte die Marconi'schen Versuche, bei denen schon 1897 dis auf etwa 12 Kilometer Depeschen versendet we den konnten, und dob sodann den Hauptmangel des Marconi'schen Apparats hei vor Durch jene erwähnten Versuche nämlich konnte man zu dem Feh schluh gelangen, daß Depeich-n auf weitere Ent­fernungen erzielt werden mußten, wenn man kiästigere Jndukttons- Avp-iiate verwendete. Dies geht aber, wie schon Hertz gefunden batte, nicht. Es gibt eine bestimmte günstigste Fu-ckentänae, da über hinaus hilft alle wettere Eneraiezusuhr nichts m«hr, die Energie der Wellen ft rgt nicht weiter, d-e M hrzufuhr ist vergeudet. Nach Prof. Braun läßt sich nun dieser Uebelstand und zugleich dteGffäh ltchkeil dn staiken Ladungen vermeiden, wenn man den Sender nicht, wie es bish-r pefdab, durch sta'i'che Ladungen, sondern durch Induktion zu elektrischen Schwingungen anregt. Der Sender stellt einen eitijfytn, nicht durch eine Funkrnstrecke unterbrochenen Metalldraht dar. Sein unteres Ende ist zu e ner Spirale gewickelt. Neben dieser, aber von ,hr getrennt befindet sich eine andere, gewöhnlich nur aus ma Windung dicken Drahtes bestehend, die sogen. Primärwmdung. Durtz die letztere entladen sich Leydener Flaschen. Dabei entstehen elektrische Wellen im Primärdraht und diese erregen solche im Senderdraht. - Hier kann man in nützlicher Weise die zugeführte Energie steigern, unv es ist theoretisch keine Grenze für die praktische Energieitelgerung abzu­sehen. Die so im Sander entstehenden Wellen sind ganz ungefähiltch und sehr leicht zu isolieren. Prof. Braun führte diese Anordnung vor. Er zeigte, daß die auS einem Senderdraht gezogenen, langen, Hellen Funken kaum zu spüren waren; er ließ den Geber auf einen benach­barten Empfänger wirken, in dem er Funk-n erzeugte, die eine Glüh' lampe ausleuchten ließen. Er berührte b.n Sender mit einem nassen, zur Erde abgeleiteten Bindfaden. DaS änderte an der Empfänger­wirkung gar nichts, während der Paralleloerfuch mit Marconischaltun- sofort den Sender wirkungslos machte. Die Braun'sche Senderanordnung verlangt soll ihre Wirkung voll zur Geltung kommen, daß Sender- und Primark-els aufeinander abgestimmt sind. Aus dieser Resonanz e>Hält sich, wie der Redner an einem mechanischen Beispiele derlegte, das Ansteigen der S ndeiwellrn bis zu den überaus hohen luden. U d da sich im Sender keine U terbrechungsstclle btftwa, so sind diese Wellen schwach aedämpft, sie ha ten lange an unb ro^tu dadurch gewissermaßen nachhaltig. Sie erfüllen damit v Grundbedingung, die für elektrisches Abstimmen von einem ©ewa auf einen Empfängerapparat notig ist. Aus den Zahlen b folgt, daß dieTra iw.üe" des von ihm benutz-en Senders, unempfindlich-ren Empfängers, die des MMconüS < . Benutzung empfindlicheren Empfängers) nach dem vorl.egendtn 3" hat <adien material etwa um das Zweieinhalb bis Dreifache Ü trifft Prof'ssor D>. Bi nun schloß seinen Vortrag mit den Worten Man hat die brabtlofe Telegraphie wohl als Funkentelegraph e b', leidmet Allerdings ist ein Funke an irgend einer Stelle bisher nicht zu ve-meiden. Er ist aber hier möglichst unschädlich gemacht. Dies ist wichtig; denn der Funke, welcher die Wellen erzeugt, ver­zehrt sie auch wieder, wie Saturn seine eigenen Kinder. Was hier erstrebt wurde, könnte man eher eine funkenlose Telegraph» n n^en