Ausgabe 
25.9.1900 Zweites Blatt
 
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Nr. 224 Zweites Blatt.

Dienstag de» 25. September ISO. Jahrgang 1900

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....... M. früh mit 30 (Gerittenen Artilleristen südwestlich zum Rekognoszieren vorgeschickt, von wo chinesische Truppen gemeldet waren. Die Pa­trouille ritt am Bahndamm entlang nach der 25 Kilometer entfernten befestigten Stadt Liangh-Sianghsien. Auf halbem Wege trafen sie in einem kleinen Ort eine Be­satzung von 120 Engländern. Diese waren bereits bis 25 Kilometer an die Stadt herangekommen und umgekehrt, da sie Feuer bekamen. Der englische Offizier gab Rembe drei Kavalleristen mit, um ihn zu einem dort bei der Stadt hochgelegenen Pagoden zu führen, von dem aus man die Stadt übersehen konnte. Der Unterleutnant v. Zitzewitz langte als erster dort an und erhielt aus nächster Nähe ein starkes Jnfanteriefeuer. Gleichzeitig verließ eine Kom­pagnie Infanterie mit 50 Reitern und zwei Geschützen die Stadt, um unsere Leute abzusangen. Zwischen den Chinesen'u,nd den Unsrigen entspann sich ein heftiges Feuer­gefecht, in dem mehrere Chinesen fielen. Als aber die chinesischen Geschütze eingriffen und ihre Lanzenreiter ver­suchten, die Deutschen zu umgehen, traten diese feuernd einen langsamen Rückzug an. Nun bekamen die Deutschen aus mehreren Dörfern Feuer, erlitten aber keine Verluste und langten 7 Uhr abends in Peking an. Daraufhin wurde die Expedition unter Generalmajor v. Höpfner nach Langh- Sianghsin unternommen.

Die verbündeten Truppen haben, nach einer Shanghai eingetroffenen Depesche, Peitatschu genommen.

Adresse für Depeschen: Anzeiger GisA«» Fernsprecher Nr. 5L

GrsLsdeilas-R: Meßmer FarrrMeMätter, Der heWhe Landwirts Matter Dr hrUche UMskmedr.

Der Krieg in Südafrika^

Aus Kapstadt wird gemeldet: Christian Dewet hatte bei Vryherd Stellung genommen, um das Vorrücken des Generals .Hildegard zu verhindern Als die Buren aber bemerkten, daß die Engländer einen Umgehungs- Versuch machten, zogen sie sich zurück. Lord M e t h u e n traf am 19. ds. nordöstlick) vom Hartsfluß auf einen Wagenzug der Buren, schlug sie in die Flucht und eroberte einen bei Colenso verlorenen 15-Pfünder wieder. Ferner wurden 26 Wagen, 8000 Haupt Rindvieh, 4000 Schafe, Viele Gewehre und Munition erbeutet.

In Kapstadt werden bereits Vorbereitungen zum Em­pfange Lord Roberts getroffen.

DieCentral News" melden aus Kapstadt: Die Anti- rebellenbill wurde am 21. d. M. vom Parlament mit einer Majorität von neun Stimmen und einer Tagesordnung,

Telegramme des Gießener Anzeigers.

Loudon, 24. September. Aus Peking wird gemeldet: Prinz Tsching sandte ein Telegramm an Li"-Hung- Tschang, in welchem er diesen beschuldigt, unpatrio­tisch zu handeln, indem er sich nach Peking begebe. Große Scharen Boxer ziehen sich in der Umgebung von Peking zusammen. Das Gebäude des Finanzministeriums wurde durch eine Feuersbrunst zerstört.

London, 24. September.Daily Telegraph" meldet aus Shanghai: Die Boxer schöpfen frischen Mut. Die fremdenfeindliche Stimmnng nimmt täglich zu.Central News" melden ebendaher, daß Prinz Tsching in Un­gnade gefallen ist und zur Strafe auf einen entlegenen Posten versetzt wurde.Daily Expreß" berichtet aus Schanghai, Prinz Tu an ist zum Vorsitzenden des großen kaiserlichen Nates ernannt worden. Tung Fu-Siang wurde zum Generalissimus in Ersetzung Dung-Lus befördert. Er erklärte, Waldersee Widerstand leisten zu wollen. Li-Hung. Tschang ist der Ansicht, daß der Krieg unvermeidlich ist, da die Schuldigen niemals bestraft werden können.

Petersburg, 24. September. Wie verlautet, einigten sich die Großmächte über folgende drei Punkte: 1. Züch­tigung des Prinzen Tuan und der übrigen Anstifter der Unruhen. 2. Zahlung einer Entschädigungssumme. 3. Garan­tien für die Zukunft.

Peking, 24. September. (Kabelmeldung derParis NouvelleS".) Die Eingeborenen von Schensi bestätigen die Nachricht von der Niedermetzelnng aller Missio­nare, die in den inneren Provinzen des Reiches geblieben waren. King-IiwKuan, ehemaliger chinesischer Ge­sandter in Washington, wurde ebenfalls getötet. Durch ein neues Edikt ist Prinz Tuan zum Militärgouverneur von Pekmg ernannt worden.

Die Meldung, daß die deutsche Flotte

A a n g t s e hinaufgeht, hat Liukunji veranlaßt, den Kanal

Die Wirren in China.

Das amerikanische Staatsdepartement veröffent- lM die au Deutschland, Rußland und China gerichteten Zroten, hinsichtlich der Stellungnahme der Bereinigten Staaten. Die Antwort an Deutschland besagt, die Bestrafung der Urheber der Gewaltthätigkeiten werde für wesentlich gehalten, um ihre Wiederholung zu verhindern. Man sei jedoch der Ansicht, daß keine Strafmaßregeln so wirksam wären, wie die Bestrafung durch kaiserliche Gewalt selbst, und es erscheine nur billig, daß man China Gelegenheit gebe, sich auf diese Weise zu rehabilitieren. Die amerikanische Regierung möchte die Bestrafung ihrem Wesen nach als eine Bedingung ansehen, die erst bei der schließlichen Regelung zu verhandeln wäre. In der Antwort an China werden Li-Hung-Tschang und Prinz Tsching als Bevollmächtigte ange­nommen und bekannt gegeben, daß Conger autorisiert wird, mit ihnen in Verbindung zu treten. Die Ant- h>ort an Rußland besagt, die Vereinigten Staaten hatten gegenwärtig nicht die Absicht, ihre Gesandtschaft «ns Peking fortzunehmen. Die Noten selbst sind kurz, wenn man die Wichtigkeit der Sache erwägt. Die Antwort »n Deutschland ist sorgfältig im Ausdruck, wie um die Absage zu mildern.

dort versammelten Truppen der verbündeten Mächte ab. Bengalische Lanzenreiter stellten für den Feldmarschall und fein Gefolge Pferde und eskortierten ihn. Die Truppen marschierten (in folgender Reihenfolge vorbei: Deutsche, Franzosen und das aus Engländern, Franzosen, Ameri­kanern, Japanern und Deutschen zusammengesetzte Frei-- willigeukorps, hierauf die bengalischen Lanzenreiter und die indischen Truppen. Im ganzen waren an dem Vorbei­marsch ungefähr 5000 Mann beteiligt.

Der Kaiser verlieh dem Grafen So d e n für die hervor­ragende tapfere Verteidigung der Gesandtschaft in Peking den Orden pour le merite, den Mannschaften das Militär- Ehrenzeichen erfter Klasse und dem Eroberer der Fahne das Militär-Verdienstkreuz. Die Verteidigung der Gesandschaft durch, eine Handvoll Deutscher, die nie ermüdende Wachsam­keit der Truppen und die wiederholten Ausfälle und Ba- jonett-Angriffe gegen einen 50fach überlegenen Feind stellen allerdings eine Verteidigung dar, die würdig ist, in den Annalen der deutschen Kriegsgeschichte aufbewahrt zu werden. Graf Soden ist der zweite Offizier, der nach Kor- vetten-Kapitän Lans den Orden pour le merite erhalten hat, und es ist interessant, daß in beiden Fällen diese hohe Auszeichnung verliehen wurde für Thaten, die nicht nur von hohem persönlichen Mute zeigten, sondern auch erheb­liche militärische Erfolge waren. So wie das Verhalten des Kapitän Lans den Fall der Takuforts entschied, so rettete das des Grafen Soden die Mitglieder der Gesandtschaft und die deutsche Kolonie Pekings vor grausamer Ermord­ung. Ganz besonders freut es uns, daß auch die Soldaten neben ihrem Führer nicht leer ausgingen, und nichL vergessen worden ^sind. Die Verleihung des Militär-Ehren­zeichens erster Klasse an sämtliche Soldaten des Sodenschen Detachements ist eine Auszeichnung, deren nur wenige Soldaten in unfern frühern Kriegen teilhaftig geworden sind. Das dem Eroberer einer chinesischen Fahne verliehene Militär-Verdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die bei Gemeinen und Unteroffizieren überhaupt in Frage kommt.

Eine Streitmacht, bestehend aus 4000 Russen, 3000 Deutschen, 1000 Franzosen und einer österreichischen See­soldatenabteilung begann am 20. d. M. bei Tagesanbruch den Angriff auf b ie Forts von Peitsang. Die Forts erwiderten das Feuer lebhaft. Die Beschießung wurde bis zum Mittag fortgesetzt, aber schon nach 10 Uhr vormittags hörte das Fenex von den Forts auf. Die Kom­mandeure der Verbündeten sandten mittags Mannschaften, um den Grund des Schweigens der Forts festzustellen. Man fand die Forts verlassen und nur vier tote Chinesen; mehr als 3000 Chinesen, die in den Forts gewesen waren, sind entkommen. Das Artilleriefeuer der Russen war sehr wirk­sam gewesen; die Forts waren stark beschädigt. Die Eng­länder und Italiener hallen den Kampfplatz nicht rechtzeitig erreicht. Der Verlust der Verbündeten bei der Einnahme der Forts wird auf 120 geschätzt, darunter 17 Deutsche. Die Chinesen entflohen auf Booten.

Der frühere amerikanische Konsul Wildmann in New- York telegraphiert aus Tschifu, daß die Deutschen am 14. September bei Tsching kian g 150 chinesische Gefangene machten. Sie ließen dieselben in Reihen aufstellen und dann erschießen.

Reuters Bureau meldet aus Peking vom 17. d. Mts.: Peitatschu wurde heute früh von englischen und ameri­kanischen Truppen genommen.

Feldmarschall Graf Waldersee ist am 21. d. Mts. vormittags 10 Uhr in Wusung eingetroffen. Die im Hafen liegenden internationalen Schiffe gaben Salutschüsse ab. Bei der Ankunft des Grafen bildeten der Shanghai- Bund, französische Marinetruppen, französische Freiwillige, deutsche Infanterie, englische Freiwillige, japanische und indische Truppen Spalier. Der deutsche Gesandte Dr. Mumm von Schwarzenstein, der deutsche Generalkonsul, der englische Generalkonsul, sowie der französische und ja­panische Konsul fanden sich zur Begrüßung des Grafen ein.

In Shanghai hielt am 22. September bei Herr- ' llchem Wetter Graf Waldersee eine Parade über die

Aus Petersburg meldet man, daß auch Rußland auf dre deutsche Note eine im ganzen zu stimmende Antwort nach Berlin gesandt haben soll, in der es aller» au f die langwierigen Schwierigkeiten hinweist, die durch die Auslieferungsverhandlungen einer schnelleren Abwickelung der Dinge in den Weg gelegt würden.. Man rechne in Petersburg noch- auf einen lebhaften Meinungs­austausch in der Frage.

Dalziels Bureau meldet aus Shanghai, Prinz Tsching habe Donnerstag an den Sohn Li-Hung-Tschangs telegra­phiert, Friedensunterhandlungen seien unmög­lich angesichts des deutschen und englischen " langens, die höchsten Persönlichkeiten im Reiche wie brecher zu bestrafen.

unterhalb der Kiangyieforts zu blockieren

Die Uns ich er heil in der Umgebung von Peking ist in der Zunahme begriffen, weshalb Requisitionen ' nur unter starker Truppenbedeckung möglich sind. In dem Shuntah-Distrikt fandenentsetzlicheChristen-Mas- s a c r e § statt.

Li-Hun g-Tschang war anscheinend damit be­schäftigt, 8000 von Ausländern gedrillte und gut bewaffnete Beteranen auszuheben. Sie lagerten bisher in Jangtschou und marschieren nun unter Tschankaoyung, der zurzeit der Besetzung von Kiautschou durch die Deutschen dort befehligte, nach Tientsin.

Der französische Gesandte in Peking, Pichvn, hat fol­gendes Telegramm an die französische Regierung gesandt: Die Telegramme, welche Sie mir zuseichen, gehen mir langsam und mit großen Verspätungen zu. Die russischen Genietruppen sind mit der Wiederherstellung der Eisen­bahn zwischen Peking und Tientsin beschäftigt. Ohne diese Bahn ist eine Zuführung von Proviant und Munition für m Peking weilenden Truppen äußerst schwierig. Drei m eJ3l.l. ei1ä9ftiHionare wurden in der Provinz detschill ermordet. Zwei italienische Bischöfe sollen ebenfalls tm nördlichen Teile der Provinz Schänsi er- ^o r d et worden sein. Ein italienischer Missionar, ein I^Zttsrscher Franziskaner und sieben europäische Priester solme mchrere protestantische Pfarrer wurden ebenfalls in derselben Provinz Opfer der Boxer Wie verlautet, Hat die Regierung der betreffenden Provinzen den Schul: dtgen die Köpfe ab schlagen lassen.

Man meldet aus Peking vom 16. September mit« M: .Die deutsche'Gesandtschaft siedett wahr­scheinlich von Pekmg nach Shanghai über. Die Chi- nesen erklären auf das bestimmteste, der Kaiser und die Kaiserin-Witwe würden keinesfalls wieder in ihr durch das Eindringen derBarbaren" (entweihtes Pekinger Palais zurückkehren. Vielleicht würde Nanking die neue Residenz werden. Nach einer. Kabelmeldung derParis-Nou- velles" lehnen der Kaiser und die Kaiserin es ab, sich von dem Prinzen Tuan und den übrigen Führern der Boxer loszusagen. Während die zwei ersten kaiserlichen Edikte sich in sehr scharfen Ausdrücken gegen die Boxer bewegten, verrät das jüngste vom 17. September datierte Edikt einen vollständigen Umschlag der Gesinnungen. Das­selbe lautet:Die Boxer und die Christen legen sich kerne Rechenschaft vorr der Thatsache ab, daß sie alle beide unsere Unterthanen sind. Wir behandeln sie alle auf die- selbe Weise. Wenn die Christen zu ihren gewöhnlichen ^schäftigungen zurückkehren, werden sie von uns be­schützt und haben nichts Mehr zu befürchten. Die Vize­

könige und Gouverneure haben ihre Unterthanen anzu­weisen, die Christen mit Güte zu behandeln und ihnen zu verstehen zu geben, daß dies unser kaiserlicher Wille ist. Wenn die Christen dies berstehen, so werden sie sich gut dabei befinden. Es ist unser Wunsch, daß sie jeden Arg­wohn fallen lassen und zu ihren früheren Beschäftigungen zurückkehren. Gar viele Boxer haben sich empört, man müsse aber einen Unterschied zwischen den Guten und den Schlechten machen. Die Beamten sollen die Boxer ausein- andertreiben und sie auffordern, nach Hause zurückzu­kehren. Wir treffen militärische Maßregeln von der größten Strenge gegen alle diejenigen Boxer, westhe sich weigern, auseinanderzugehen, und sich unserem Befehle nicht unterwerfen".

Das deutsche Expeditionskorps unternahm am 17. ds. gemeinsam mit den Engländern, Amerikanern und Ja­panern eine große Razzia nach Boxern in nordwestlicher Richtung Von Peking. Die Engländer und Amerikaner mar­schierten am 16. d. M. nach Gunglishi-Tich-eng ab und besetzten die Linie bis Thydschungshan. Die Japaner mar­schierten nach dem sogenannten Wildpark und besetzten die Linie bis Shydshing. Die Deutschen marschierten am 16. d. Mt. nach Tientsin und beteiligten sich an dem gemeinj- famen Kesseltreiben. Es sollen sich in den dortigen ehe­maligen fyefertigten Militärlagern und zahlreichen Tem­peln viele Tausend Boxer eingenistet haben. General Groß von Schwarzhoff ist in Peking angekonnnen. Er kehrt Ende der Woche nach Tientsin; zurück.

Ueber das Gefecht der deutschen See­sold aten mit den Chinesen bei Liangh-Shiang- sien liegen jetzt einige Berichte leutnant Rembe wurde ach 9. d.