Ausgabe 
25.7.1900 Erstes Blatt
 
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Gießen, Uirchenplatz u-

Markus Bauer

Spezial-SeschSst in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Ma^ in eigener lverkstätte.

Politische Tagesschau.

Aus idem Großherzogtum Hessen wird einem Berliner Blatte geschrieben: Der in letzter Zeit in unserem P.arla-

Veraleichen an, wenn man eine andere Erhöhung von Gehältern in Betracht zieht, die die hessische Regierung insceniert hat, als die für die Lehrer: wir meinen die kürzlich erlassene Gebührenordnung für d i e Bür­ge r m c i st e r der Landgemeinden. Dadurch sollte beispielsweise nach einer Festsetzung des Kreisamts Offenbach das Gehalt des Bürgermeisters von Neu- I s e n b u r g auf 4 5 0 0 M a r k erhöht werden, was gegen früher eine Erhöhung von über 2000 Mark be­deutet. Hierzu kommen aber noch verschiedene Nebenein­nahmen, die weiter bestehen bleiben, so daß, sich das ge­samte Gehalt nach einer Angabe der FrankfurterKleinen! Presse" auf über 7 000 Mark belaufen dürfte. (Die so vicleii Staub aufwirbeknde Besoldungsvorlage für Lehrer hat eine Skala von 1100 bis 2800 Mark in etwa dreißig Dienstjahren vorgesehen.) Der dortige Gemeinderat setzte das feste Gehalt des Bürgermeisters nach gütlicher Ver- einbarung auf 4000 Mark fest, hätte er das nicht gethan, dann wäre die Gehaltseinstellung von 4500 Mark durch das Meisamt erfolgt. Das Schönste an der Sacl)e ist aber, daß diesem Posten auch feruerhin uoch der Charakter als Ehrenamt gewahrt bleibt. In dieser Gemeinde spielte sich kürzlich ue,ch ein anderer Vorfall ab, der schon mehr an die Lehrerbesoldungsdebatten erinnert. Letzthin hatte eine Festsetzung der Wohnungsvergütung für Lehrer und Schulverwalter durch den Schulvorstcrnb stattgefunden, bei dem lerstere 350 Mk. und letztere 175 Mk. erhalten sollten. Hierbei bewiesen nun die Gemeinderäte, daß sie sparen können, denn sie ermäßigten diese Sätze auf 325 Mk. (früher 300 Mk.) bezw. 162 Mk. (früher 150 Mk.) und erübrigten dadurch insgesamt 440 Mk. gegen den Voranschlag. Die abgelehnte Mehrforderung, die 20 Personen zugute ge kommen wäre, hätte 875 Mark betragen; die vorerwähnte Gehalt erhöhung eines einzigen Gemeindcbeamten be­trug p^igegeu fast das D o p p e l t e dergesparten" Summe.

Aus Stadt und Land.

Gieheu, den 24. Juli 1900.

** Das Regierungsblatt Nr. 54, vom 21. Juli, hat zum Inhalt das Gesetz, die Fortführung der Grundbuch­karten und der bisherigen Grundbücher betreffend.

^Gesellschaft für Erd -und Völkerkunde. I Am Samstag beschloß die H a u p t v e r s a m m l u n g nach I Genehmigung der Rechnung für die Zeit vom l.Oktober I 1899 bis 30. Juni 1900 die Gründung einer Zeit-I s ch r i s t, die in zwanglosen Heften nach Maßgabe der vor- I handenen Mittel undl des einlaufenden Materials erscheinen I und im wesentlichen der Förderung der Geographie des I Großherzogtunis dienen soll. Sie wird Einzelabhandlungeu I und Karten über Hessen und einzelne Teile des Großher- I zogtums, vielleicht auch der benachbarten Landschaften I bringen und die über Hessen erschienene geographische und I verwandte Litteratur besprechen. Am Sonntag fand I sodann der Sommer ausflug der Gesellschaft statt, I der trotz der vorhergegangenen heißen Tage und des am I Morgen eingetretenen Regens verhältnismäßig recht gut I besucht war und zur Befriedigung der Teilnehmer verlief, I zumal da sich von 2 Uhr an das Wetter aufklärte. Die I Mitglieder der Gesellschaft begaben sich um 12 Uhr 8 Mm. I mit dem Zuge nach Zell-Romrod, besichtigten das Jagd schloß Romrod, nahmen den Kaffee in dem Saale der I Wwe. Hofmann und hörten dann einen Vortrag des Lehr I amtsassessors G. Krausm üller aus Homberg a. d. O., I be^ Leiters der dortigen Bürgerschule, über dieVolks- I dichte der Provinz Ob e r he s f e n", insbesondere über den hohen Vogelsberg und das nördliche daran an- I schließende Gehänge um Alsfeld, Lauterbach und Schlitz. I Da die diesem Vortrage zu Grunde liegende Arbeit vor- I aussichtlich in dem Organ der Gesellschaft erscheinen und bei dieser Gelegenheit hier ausführlich erörtert werden soll, so beschränkt sich die heutige Berichterstattung auf diesen Hinweis. Nach dem mit lebhaftem Beifalle auf- genommcuen Vortrage begaben sich die Teilnehmer teils I zu Wagen, teils zu Fuße nach Alsfeld und besichtigten dort unter/Führung von Dr. Karl Ebel und mit gütiger I Erlaubnis des Oberbürgermeisters von Alsfeld das Rat­haus und das Museuni, die mit Recht geschätzten Häuser der Stadt, sowie die alten und modernen Inschriften aii der Hauptkirche. Um halb sieben Uhr vereinigte ein gemein­sames Essen die Ausflügler imDeutschen Haus", und um 8 Uhr 20 Min. führte sie der Zug m das an diesem Abend aus Anlaß des Radrennens und des Schützenfestes

I fast großstädtisch belebte Gießen zurück.

Klein-Linden, 23. Juli. Wie wir bereits mel- deten, feierten die Philipp Weigel IX. Eheleute gestern ihre goldene Hochzeit in voller Rüstigkeit. Der Orts- | geistliche überreichte als ein Geschenk vom Großherzog dessen Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Auch ein Gluck- lvilnschschreiben, daS im Auftrag des Großherzogs verfaßt worben war, würbe vom Geistlichen verlesen. Der Krrchen- vorstand übergab eine prächtige Bibel, der Geistliche em Ehristusbild und im Namen des Dekans em Erbauungs- schatzküstlein. Auch von Verwandten und Freuiiden wurde das Ehepaar reich beschenkt, und es traf eine ganze Anzahl Glückwunschbriefe ein. ,

Fellingshausen, 21. Juli. Die Firma Rinn und Eloos-Heuchelheim, die Eigarrenfabriken in Heuchelheim, Wißmar und Waldgirmes besitzt, vor einigen Wochen die Eigarrenfabrik Ehr. Bischoff in Hausen bei Gießen erwarb, kaufte dieser Tage die Hofraite der Lehrerwitwe Kling i)ur und beabsichtigt, auch in diesem Anwesen eine Cigarren- I fabrik zu errichten. , r wf.

0 Schotten, 23. Juli. Gestern wurde auf dem Alte- I burgSkopf ein Volksfest abgehalten, wozu Gäste aus der I Nähe und Ferne erschienen waren. Auch ein Gesangverein I aus Grünberg war anwesend und trug verschiedene recht I ansprechende Lieder vor. Der AlteburgSkopf liegt etwa I 20 Minuten von hier, und es besindet sich dort eine schone I Felsenpartie, in deren Mitte ein nettes SchwetzerhauSchen I steht, Hundert Meter davon an der Straße besindet sich I das Lehrerheim.

I r Bad Salzhausen, 22. Juli. Der Zudrang zu I den Bädern war in diesen Tagen ein ganz außerordent- I kicher. Während in sonstigen Jahren täglich biS zu 1-0 I Bäder 'verabreicht wurden, betrug die Zahl mancher Tage | in diesem Monat 160. Bei der geringen Anzahl der Bade-

sein bassen, geben aber zu, daß durch ine Art ihres Tor> geheus, besonders durch die Verquickung von Politik und Religion (Thätigkeit des Bischof Anzer) Verstimmung m gewissen chinesischen Meisen entstanden sein kann. So wurde bekanntlich nach der Ermordung katholischer Mlssi-o- nore die Besetzung von Kiautschou herbeigefuhrt und.mit chiiichMu Sühncgcldern dcs öfteren Suh gebaut. Doch ist auch das nicht ine direkte Ursache der

Mission in China jemals gebeten, bafs die Politik ihr zn Hilft käme oder hal ste sich in politische Tinge selbst eingelassen ? N"mals. Immer hat sie, vertrauend auf die Macht des göttlichen Wortes, auf weltliche Hilfe verzichtet. Wie oft wurde w früherer. Zeit ihrer Thätigkeit von Staats wegen sopar Mißtrauisch begegnet. Das ist ja nun anders geworden. In den maß­gebenden Kreisen (die Reden des Kaisers bezeugen es) ist das wärmste Interesse für die christliche Mission vorhan­den, und seit den letzten Jahrzehnten und Jahren hat sich, die Erkenntnis in immer größerem Maße Bahn gebrochen, wie unentbehrlich die Arbeit der Missionare, als der Pio­niere der Kultur, für die heidnischen Völker, besonders

zellen es sind ihrer nur 17 mußte deshalb von srüH morgens bis spät abends gebadet werden. Der für diesen Herbst projektierte Bau eines neuen Badehauses ist nick-r mehr aufzuschieben. Im ganzen wurden in diesem Jahre bis jetzt ca. 3600 Bäder verabreicht.

-w. Kohden, 22. Juli. Gestern erhängte sich hier ein 70jähriger Mann. Er bezog Altersrente, die er aber stets vor Empfang schon in Alkohol umsetzte. Von den Seinen ihm gemachter Vorhalt und Unwillen über den Mangel weiterer Mittel, seinem Hang fröhnen zu können, ließen ähu Hand an sich selbst legen.

-e- Nidda, 22. Juli. Unsere Bevölkerung hat seit Eröffnung der Bahnstrecke Friedberg-Nidda und der Ein- führuiig der Eisenbahngemeinschaft sich so vermehrt, daß die Räume der 4. Schulklasse zu kleiii geworden sind. Nun steht die Stadt vor der Frage, ob sie neue Räume fduffen ober dem im Schulhause wohnenden Lehrer für die ihm rechtlich im Schulhause zustehende Wohnung andere ge­nügende Räume mieten soll. Die ganze Unannchmlichf- keit wäre vermieden worden, wenn man vor einigen Jahren statt des einen aufgebauten Zimmers für die höhere Bürgerschule einen ganzen Stock auf das Schülhaus gesetzt hätte.

§ Romrod, 23. Juli. Unter starker Beteiligung der hiesigen Einwohner und zahlreicher Gäste konnte der Als­felder Zweigverein der Gustav-Adolf-Stistung in dem mit Triumphbogen, Fichtenbäumen und Flaggenschmuck reich ausgestatteten Romrod sein JahreSsest feiern. Schnell war die geräumige Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt, sodaß manche stehen mußten, um dem Festgottesdienst, der um 2 Uhr seinen Anfang nahm, beiwohnen zu können. Nach der von dem Ortsgeistlichen, Pfarrer Klingenschmidt, ge­haltenen Liturgie begrüßte der Vorsitzende des Zweigvereins, Dekan Wörißhofser-Groß-Felda, die Festversammlung, die der folgenden, von echt evangelischem Geiste getragenen Fest­rede des Pfarrers Volz-Schwarz andächtig lauschte, der aus Grund von 1. Kor. 13, 13 von Glaube, Hoffnung und Liebe sprach. Aus dem von Pfarrer Jäger-AlSseld vor­getragen n Jahresbericht war zu ersehen, daß die Opfer­freudigkeit der Evangelischen für die Diasporagemeinden, wie im allgemeinen, so auch besonders im Alsfelder Zweig­verein in stetem Wachsen sei. Der Gottesdienst wurde durch das von dem Kirchengesangverein exakt ausgeführte Lied: Wie schön leuchtet der Morgenstern verschönert. Gegen 5 Uhr versammelte man sich in dem von dem Großherzog- persönlich zur Verfügung gestellten, von alten, mit prächtigem Grün umrankteit Mauern umgebenen Schloßhofe. Darum galt die erste Ansprache, die des OrtSgeistlichen, dem Landes fürsten, ans den ein dreifaches Hoch ausgebracht wurde. Pfarrverw. Wagner-Billertshausen, ein Sohn des früheren Romröder Pfarrers, versetzte die den ganzen Schloßhof art. füllende Versammlung im Geiste hinein nach Oesterreich, wo mächtig der RusLos von Rom" erklingt und bereicherte seine Ansprache durch verschiedene Bilder aus der oster-- reichischen Uebertrittsbewegung. Gegen Schluß dieser Rede war der von einer in der Nähe stattgehabten Kirchen­visitationsreise herbeigeeilte Prälat D. Habicht-Darmstain erschienen. Dekan Wörißhosfer begrüßte und feierte ihn so­fort in einer längeren Ansprache, woraus der Prälat selber das Wort ergriff und sich als den einzig Ueberlebenden beit im Jahre 1843 in Frankfurt zusammen gekommenen Gründer der Gustav-Adolf-Stiftung vorstellte. Von der westfälischen Diaspora entwarf Ps rrer Diesenbach-Eudorf verschiedene Bilder. Auch in dieser Nachversammlung trug der im Grün des Laubes fast völlig versteckte Kirchengesangverein ver­schiedene geistliche und weltliche Weisen vor. Mit dem Ge­sang der ganzen Versammlung: Ach bleib mit deiner Gnade wurde das Fest geschlossen. ,

§§ Vom oberen Vogelsberg, 22. Juli. Dieser Tage be­reisten der Fürst zu Birst ein, Ministerialrat Braun aus Darmstadt, Rechtsanwalt Dr. Gut fleisch aus Gießen, Oberbürgermeister Adickes aus Franksurt a. M. u. a. m., verschiedene Orte unseres oberen Gebirges, nämlich Salz, Ober-Moos, Bermuthshain, Hartmannshain usw. Gerücht­weise verlautet, daß ein weiterer Ankauf von Quellen in. hiesiger Gegend für das Tiesbauamt Franksurt a. M. be­absichtigt sein soll. Der Fürst von Birstein kaufte schon. I vor mehreren Jahren Quellen in der Nähe von Salz an..

dm. Mainz, 23. Juli. Wie der allgemeine Verlaus I bes Gutenbergfestes als ein in jeder Beziehung ge» I kungener bezeichnet werden muß, so erweist sich nach bev I Rechnungslegung auch das finanzielle Ergebnis als sehr günstig. Bei sämtlichen Veranstaltungen wurden kleine Ueberschüsse gegen die im Budget vorgesehenen Be­träge erzielt, sodaß bas Fest mit einem finanziellen Ueber- schuß abschließt.. Mit bem Beginn ber kommenden Woche I ist ber Ausschuß, der die finanzielle Leitung des Festes in Händen hatte, bereits in der Lage, sämtliche aus dem Feste erwachsene Verbindlichkeiten zu decken und die gesamten

I Rechnungen abzuschließen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft

Frankfurter Börne vom Ä3. Juli»

Wechsel auf New-York zu 0.00-00. , .

Prämien auf Kredit per ult Juli 1.I0°/o, do. per ult Äug. I 2.600/o, Diskonto-Kommandit per ult. Juli 1.10%, do. per ult. up. 2.60< Lombarden per ult Juli 0.40%, do. per ult. Äug. 0.90%. Douteoho B^por ultB Juli OrOOiÄHen 207 80.207 fr.

I Kommandit 175.30-174-90, Staatebabn 139.90-30, Lombarden 25^60-00, Italiener 92.80, Spanier 71.90-00, Sprm. Meztkanor 25 40 Bochumer 196.30-5.80 bz. Laura 212.80 P, 70 G. Harpenor 186 70-10> bzg.r Gelsenkirchen 193.80-00.00 bz., Ungar. Goldronte 00.00 Oestorr

I Gönnens 00 00 Axnerik. Coupons 0.00, Privat-Diskont 4° o G. Coupons 00.00,g/Amen« ^.^n 207.10-206.70-207.10 bz. Dis-

I konto-Kommandit 174.80-175.50 bz., Staatsbahn 139.40-50 bz., Lom I barden 25.50 bz., Laura 00.00. ________

auch für unsere Kolonien ist.

Das ist ja nun gewiß erfreulich, nur muß die evan- I aeüsche Mission die hier drohende Klippe vermeiden: Sie muß wie seither sich von jeder Beeinflussung durch die I Politik frei halten, muß besonnen und selbständig bleiben I und den unter den Heiden wohl traurigsten Eindruck nicht I aufkoinmen lassen, als ob sie mit.Hilfe des kleinkalibrigen I Gewehres und des Maximgeschützes Missionsanstalten er- I richten und Seelen bekehren wolle. .

Das war seither nicht und darf nicht m Zukunft sein. Und weil e S nicht war, darum sind jene Behaupt­ungen, als ob die evangeliscl)e Mission mit Anteil habe I an den entstandenen Wirren, so unbegreiflich und gegen- I standslos. . , r £ .

Wir verweisen zum Beweis für die besonnene Art der I evangelischen Mission und des Gesagten auf dieSatz­ungen der englischen China-Jnland-Mission". Dort heißt es. I

' ,Der Missionar darf sich aller Vorrechte bedienen, die von feiner I eigenen oder der chinesischen Regierung angeboten werden; aber er darf keinen Anspruch auf Hilfe oder Schutz erheben, obwohl er m Lagen I kommen kann, wo er darum als um eine Vergünstigung bitten muß. I Beschwerden bei den Konsuln oder bei den chinesischen Beamten, um I die Bestrasung von Missethätern zu erreichen oder um die Durch- I fechtung wirklicher ober vermeintlicher Rechte zu erlangen, I find zu vermeiden. Sollten Unruhen oder Verfolgungen entstehen, I so darf eine freundliche Vorstellung an die chinesischen Beamten des I Ortes gerichtet werden. Aber wenn diese nicht helfen, so müßen die I Leidenden die Sache in Gottes Hand stellen. Unter keinen Umständen I darf ein Missionar auf seine eigene Verantwortung eine Beschwerde an I die britische oder irgendwelche andere europäische Behörde richten." I In den vergangenen 35 Jahren sind 125 Stationen in zehn der I Provinzen errichtet und im Laufe dieser Arbeit, die meist weit außer- I halb des unmittelbaren Einfluffes vonKanonenbooten" geschah, hat I nur einer unserer Missionare sein Leben durch Gewaltthat des Volkes I verloren."Da die Mssionare niemals versuchten, sich mit I Gewalt irgendwo aufzudrängen, ist es ihnen gelungen, überall I Freunde zu werben, und indem sie in ihrem besonderen Gebiete als I Diener des Evangeliums arbeiteten, haben sie die Chinesen daran ge- I wöhnt, daß Ausländer unter ihnen wohnten. So ist zum großen TeU I die Furcht vor dem ausländischen Barbaren geschwunden, diese Haupt- I schwierigkeit mit der wir zu kämpsen hatten." (Citiert nach derChrist- I lichrn Welt" Rr. 28, S. 669). , p .

Also in ben letzten 35 Jahren hat diese eine genannte MissionSgesellschast nur einen Arbeiter durch Gewalt­that verloren, während in der letzten Zeit Hunderte, ja I wohl Tausende Christen von fanatischen Horden wie das Gras zusammengemäht werden. Und die Ursache dieser I Revolution? Sie liegt einmal in den faulen sozialen Ver- I hältnissen des Riefenreiches selbst, und sodann vor allem in dem fanatischen Fremdenhaß, der geschürt gerade 1 von den Beamten, Gekehrten und Gebildeten des Volkes, in den letzten Jahren besonders erstarkt durch bie viel­fachen wichtigen politischen Ereignisse, die durch das Vor­gehen der Großmächte hervorgerufen wurden, und schließ^ lich klug benutzt von Gewalthabern, die die Macht an sich au reißen suchten, seinen elementaren Ausbruch gefunden hat. ES sei hier auf das Urteil eines gewiß wohlunterrich­teten Mannes, des ehemaligen Redakteurs desOstasia­tischen Lloyd", Rudolf Zabel, hingewiesen, der u. a. schreibt:

Die Feindseligkeiten der Boxer gegen die chinesischen Christen ; haben weniger in dem Umstande ihren Grund, daß diese ^ute Christen sind, alS vielmehr darin, daß sie mit den Fremden gemeinschaftliche Sache machen. Alsfremde Teufel", nicht als Prediger des Christentums werden die Missionare in erster Linie angesehen, trotzdem sie chinesische Kleider und künstliche oder natürliche Zöpfe tragen. Und da sie die am weitesten vorgeschoben Vorposten der fremden Kultur sind und wehrlos unter Millionen von Feinden sitzen, darum werden sie auch zuerst angegriffen. (Gittert nach derChristlichen Welt Rr. 28, S. 666). t . r

Die europäischen Mächte haben bas Ehiueseurerch wie ein unmündiges Kiub behanbelt, mit bcin man so ziemlich machen kann, was man will, unb nun sinb biesem Kinde über Nacht bie Zähne gewachsen.

Wir wünschen als Deutsche nichts sehnlicher, als baß die blutigen Kämpfe bald ein Ende erreichen mit der ge­rechten Sühne für bie Schmack), die dem deutschen Volke wiberfahreii ist, und daß als der ersten eine die deutsche Flagge auf ben Mauern von Peking ihre stolzen Schwingen entfaltet.

Mer als evangelische Christen wünschen wir, daß man die evangelische Aiission mit unbegründeten Vorwürfen verschone, die sie nicht verdient.

Und wenn die blutige Ernte zu Ende ist, die jetzt dort heimgethau wird im fernen Osten, dann wird die evange­lische Mission sich keine Sühnekircheu bauen lassen. Aber sie wird mit ungebrodienein Mute und neuer Thatkraft und hoffentlich noch größerer Unterstützung wie seither aus der Heimat ihre Friedensarbeit beginnen. Denn wir Evangelische müssen Mission treiben ober wir müssen unseren eigenen, religiösen Bankerott er­klären.

*) Die Redaktion desGieß. Anz." sieht sich veranlaßt, zu be­tonen, daß sie in Obigem nur die Ansichten des Herrn Einsenders wiedergiebt, sich selbst aber gegenüber den evangelischen und den katho­lischen Missionen jedes Urteils enthält.