Ausgabe 
25.3.1900 Zweites Blatt
 
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Abonnements - Einladung.

Der erfreulicherweise andauernde

Abonnentenzuwachs

"Ars als sprechender Beweis dafür gelten, daß der

Gießener Anzeiger" tat Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen ersteht.

Er wird auch weiter ebensowenig Kosten als Mühe scheuen, seinen Beruf als größte Tageszeitung chöerhessens zu erfüllen und jede Gelegenheit ergreifen, die In­teressen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahr- Mehmen. *

DieGießener Familienblätter" wahr­haft unterhaltend und belehrend zu gestalten, den Hessischen Landwirt" zum zuverlässigen Be­rater zu befähigen, und durch dieBlätter für Hessische Volkskunde" den Sinn für hessische Eigenart zu erhalten, gilt uns daneben als vor- Ukhmstes Ziel. Daß mit der MUktzmeudell Kttbreitling Ire Gießner Anzeigers seine Wirkung als

Infertionsorgan

immer nachhaltiger wird, werden die ihn benutzenden Jnsercntenkreise mit Genugthuung erfahren haben.

Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen baldgefl. ausgeben zu vollen. Nkllhinjlltrettnde hikstge Ätlmeute« erhallen vom Sage der Bestellung bis 31. Mar^ itn Anzeiger kostenfrei ^gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe-Ammern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und iien Abonnements betrag durch Quittung erheben lasten, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger"

Brühl'sche Univ.-Buch u. Steindruckerei (Pietsch Erben).

Vermischtes.

* Frankfurt a. M., 22. März. DieFrkf. Ztg." meldet aus New York: Jn San Francisco sind neue Fälle von Vubonenpest vorqekommen. Die Behörden suchen sie zu vertuschen.

* Meiningen, 21. März. Die Erörterungen über die lex Heinze lassen es angebracht erscheinen, an eine Verfügung zu erinnern, die vor bald 100 Jahren hier erschien und also lautete:

Unter dem milden Himmel Italiens bedurfte der päpstliche Großvikar jüngst, im strengen Eifer für die Sittlichkeit der Damenkleidung, keiner moralischen Dekla­mationen, um sie den Schönen Roms zur Pflicht zu machen. Bei unserem rauheren Himmel werden einige unserer hiesigen jungen Damen, welche ihre römischen Schwestern allzu treu zu kopieren sich bemühen, wohl nicht zur Uuzeit erinnert, wenn sie, nach den Erfahr­ungen, deren Zeugen sie gewesen sind, von den phvsisch- schadlichen Folgen und dem die Gesundheit zerstörenden Einfluß eines allzu leichten Anzuges noch immer sich nicht überzeugt haben von ihrem Arzt sich deshalb belehren zu lassen.

Aus Freundschaft für sie selbst aber und aus Achtung für Sittsamkeit, ohne darüber ebenfalls deklamieren zu wollen, bitte ich dieselben, künftig weder allzu hüllenlos noch allzu fesselnlos erscheinen zu wollen und, wenn sie den Hof besuchen, über die Grenzlinie der Dezenz und Indezenz im Anzug die Frau Lberhofmeisterin von Neube entscheiden zu lassen, um mir die Verlegenheit zu ersparen, ihre Gegenwart verbitten zu müssen.

Meinigen, 3. Februar 1801. Georg, H. z. S."

* Veni, vidi, vici! Durch dieses kurzeTele gramm" gab Julius Cäsar vor fast 2000 Jahren dem römischen Senate Kenntnis von seinem entscheidenden Siege über König PharNaces. Einem unverbürgten Gerücht zu­folge soll aber der große Feldherr, als er sich nach der Schlacht vor seinem Feldspiegel einen neuen Lorbeerkranz aufsetzte er trug bekanntlich zur Jnterimsuniform diese leichte Kopfbedeckung, keine besonders heitere Miene zur Schau getragen haben. Der Lorbeer verdeckte eben nur unvollkommen einen Mangel, der dem stolzen Römer seit Jahren Verdruß bereitet und dessenthalben er erst kürzlich von Cleopatra geneckt worden den Mangel üppigen Haarwuchses. Was würde Cäsar darum gegeben haben, wenn ihm das Mittel bekannt gewesen, das 2 Jahrtausende später seinen Siegeszug antreten sollte. Wie würde sein Auge geleuchtet haben, wenn ihm ein würdiger Reiseonkel Javol" offeriert hätte, ein kosmetisches Mittel von all­seitig anerkanntem Erfolg. Bon Javol kann man mit einer Variante sagen: Es kam, wurde in Gebrauch genommen und errang den Sieg über alle Vorurteile. Wer sich über dieses vortreffliche Kopfwasser näher unterrichten will, möge nicht versäumen, selbst einen Versuch zu machen. Er wird dann gern in den allgemeinen Lobgesang über das wirklich gute Haarwasser mit einstimmen.

Ts muß sich alles wenden. Der bekannte sächsische- Mundartdichter Georg Zimmermann, dem wir schon mancherlei launige Beiträge verdanken, sendet derTägl. Rdsch." in Anbetracht des nahenden Frühlings, von dem er übrigens eine bessere Meinung hat, als wir, folgendes Gedicht:

Friehlingksgloowe.

(Frei nach Uhland.)

Der Friehlingk, der hat iewer Nachd

Uf eenmal de Oogen ufgemachd

Un zeigd sich an allen Enden.

Nu, sei willgommen, du FriehlingkSgind!

Nu last' Dich umärmeln geschwind, geschwind

Nu muß sich alles, alles wenden.

Nu freid sich und juwelt de ganze Meld,

Es regt sich in Wald, uf Wiese un Feld

Das Blichen will nich enden.

Jn Busche draußen, diheidibum,

Da dreht ä Schlawake sein Hemde um

Es dhut sich alles, alles wenden.

Wetterbericht. Die südwestliche Hälfte des Erd­teils wird von einer umfangreichen Depression bedeckt, welche neben mehreren anderen Unregelmäßigkeiten zwei ausgesprochene aber nicht sehr tiefe Zentren aufweist. DaS eine derselben liegt über Westfrankreich, das andere über dem südlichen Deutschland. Letzteres verursacht auf unse­rem Gebiete vornehmlich trübes, regnerisches Wetter. Die Temperaturen lagen namentlich unter Tags erheblich tiefer als gestern. An den Hochstationen, wo es nachts neuer­dings geschneit hat, ist wieder leichter Frost aufgetreten. Das barometrische Maximum besteht über dem Nordosten Europas fort. Voraussichtliche Witterung: Zunächst meist nock) trübes kühles Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.

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Bekanntmachung.

Es liegen mehrfache Beschwerden darüber vor, daß die mit den beiden Mittags 8.-Zügen (von Frankfurt a. M. 1 Uhr 20 Min. und Coblenz 1 Uhr 6 Min.) eintreffenden Postsachen eist mit dem vierten Bestellgang, somit kurz vor oder nach Schluß der Geschäftszeit an die Adreffaten gelangen.

Wir beabsichtigen, bei Kaiserlichem Postamt eine Späterlegung der dritten Austragung kn befürworten, damit durch diese schon jene Korrespondenz bestellt werde. Dieser Späterlegung sicht um so weniger ein Bedenken entgegen, als diejenigen Postsachen, welche früher der vor- mttags 9 Uhr 56 Min. von Frankfurt a. M. eintreffende 8.-Zug mitbrachte, jetzt hauptsächlich j-djon mit dem früheren 8 -Zug 7 Uhr 20 Min. eingehen.

Dem von uns beabsichtigten Anträge entgegenstehende Ansichten wolle man alsbald innerem Sekretariat mitteilen.

Gießen, den 24. März 1900.

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