Sonntag den ‘25. März
Zweites Blatt
r. 71
1900
2210
Aintr- unb Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren.
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für das Rechnungsjahr 1900/1901.
A. Betriebs-Rechnung.
Rest aui vorderen Jahren Gebäude Grundstücke Waldungen Gaswerk Wasserwerk Schlachthaus Jagden Märkte Aichanstalt Waaganstalten Kirchen Friedhöfe Volksschule und Fortbildungsschule Höhere und erweiterte Mädchenschule Realgymnasium und Realschule Handwerkerschule Vorschule des Gymnasiums Aliceschule Oeffentliche Feierlichkeiten Denkmäler SemeinnützigeZwecke außerhalb derstädtischen
Verwaltung Straßenunterhaltung Straßenreinigung junb Kehrichtabfuhr Straßenbeleuchtung Oeffentliche Anlagen Brunnen
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* Politische Wochenschau.
Gießen, den 24. März 1900.
Nach der ganz unerwartet gekommenen Unterbrechung der Beratung des Gesetzes Heinze ist der Reichstag in die Lesung des Etat- übergetreten, und damit hat sich die Physiognomie des „Hohen Hauses" vollständig geändert. 66 ist recht traurig, daß die Reichstagsmitglieder ihrem vornehmsten Berufe, den Reichsetat festzusetzen, so wenig Interesse entgegenbringen, und so zeigte denn auch im Lause der jetzt abgelaufenen Woche der Reichspalast am KönigSplatze eine unheimliche Leere, trotzdem so manche wichtige Punkte zur Debatte standen. Daß die Verhandlungen über die lex Heinze noch immer nachklingen, ist erklärlich; aller Wahrscheinlichkeit nach macht sich in den Anschauungen der maßgebenden Kreise ein Umschwung bemerkbar, und es steht deshalb zu erwarten, daß die ganze Sache im Sande verläuft. Dasselbe dürfte mit den geplanten Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes der Fall werden, soweit sie den internationalen Handelsaustausch berühren. Der Reichstag wird übrigens schon Mitte nächster Woche in die Ferien gehen, nachdem er den Etat erledigt haben wird, überhaupt dürfte in der inneren Politik bis nach Ostern eine Pause gemacht werden, die man mit großer Berechtigung als die Stille vor dem Sturm bezeichnen kann.
Der Krieg in Südafrika hat fn letzter Woche keine neuen Phasen zu verzeichnen gehabt: während die Engländer von der Kampfesmüdigkeit der Oranjestaat — Buren erzählen und von deren Bereitwilligkeit, sich zu unterwerfen, trägt man auf der andern Seite große Zuversicht zur Schau, in welcher die Buren durch die mancherlei kleineren Erfolge, welche sie in den letzten Tagen über die Engländer er» tun gen haben, nur bestärkt werden können. Die Friedens- bcslrebungen haben anscheinend noch keinerlei Aussicht; es bleibt abzuwarten, welchen Erfolg die von Transvaal ausgesandte Deputation, die um Intervention der Mächte nachsuchen soll, in Petersburg haben wird. Jedenfalls dürfte sie dort eine sehr sympathische Aufnahme finden. Ob die kühnen Hoffnungen der Engländer, bald in Pretoria einziehen zu können, berechtigt sind, ist sehr fraglich, da zur völligen Vernichtung der Buren-Streitmacht noch viel Arbeit zu leisten ist. Und wer will behaupten, daß sich das Kriegs- glilck nicht wieder von den Engländern abwenden kann?
Im italienischen Parlamente geht es zurzeit lebhaft her; man spricht bereits von einer Kammerauflösung. Daß auch wieder von Ministerkrisen die Rede ist, wollen wir nur nebenher bemerken. Auch von dem englischen Parül- ment behauptet man, daß seine Auflösung beschlossene Sache sci und daß die verschiedenen politischen Parteien ihre Vorbereitungen für eine im Juli vorzunehmende Neuwahl treffen.
Die sonst noch vom Auslande vorliegenden Meldungen find recht unwesentlicher Natur und tragen meist nur einen Malen Charakter. Wenn auch die politische Situation gegenwärtig eine sehr unklare ist, so scheint die Klärung vorläufig überall hinausgeschoben zu werden. Aber der Zündstoff bleibt aufbewahrt, und cs ist kaum anzunehmen, baß er sich angesichts der Weiterentwickelung der Dinge in Südafrika vermindern wird.
Summarische Zusammenstellung
aus dem Entwurf des Voranschlags der Stadt Gießen
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Wehemr Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Lokales und Provinzielles.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, 24. März 1900.
** Ruhestandsversetzung und Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 13. März Ben Kreisschulinspektor bei der Kreisschulkommission Dieburg, Schulrat Johann Ludwig Hirsch auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50 jährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. April ds. Js. an, in den Ruhestand zu versetzen, und demselben aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterfteuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.
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Sitzung der Stadtverordneten
am 22. März 1900.
Fortsetzung.
Bei Pos. 4 des Voranschlags äußert Herr Hanau den Kunsch, daß der vom Justtzgebäude nach dem Philosophen- rtiilbe führende Weg beiderseitig mit Bäumen bepflanzt iierben möge. — Herr Wallenfels unterstützt den K-unsch des Herrn Hanau. — Herr Oberbürgermeister tznanth bemerkt dazu, daß vor Jahren bereits der Ver- iü>önerungsverein in diesem Sinne vorstellig geworden; die Stadtverordneten-Versammlung habe aber den Antrag im Jahre 1896 abgelehnt. Der Bepflanzung des Weges stunden mancherlei Bedenken entgegen; beispielsweise sei MH noch im Unklaren betr. der künftigen Stratzeuführung iln Falle der Einbeziehung des in Betracht kommenden Mändes in den Bebauungsplan. — Herr Löb er bittet bor^iuf, das Gelände zwischen der Marburgerstraße und IM Grünbergerstraße bald als Baugelände zu eröffnen. — «ei Pos. 13, Friedhöfe, fragt Herr Schm all an, ob der neue Friedhof vom kommenden Herbst, an belegt werden könne, da mit diesem Zeitpunkte der alte Friedhof bulE belegt sei. — Herr Oberbürgermeister Gnau t h erklärt, daß an eine Belegung des neuen Friedhofes vor
dem Sommer 1901 nicht gedacht werden könne. Bis dahin müsse man sich mit Wiederbelegung von solchen Grabstätten des alten Friedhofes behelfen, um deren Instandhaltung sich niemand mehr kümmere. — Bei Pos. 14, V o l ks- und Fortbildungsschulen, fragt Herr Krumm, ob schon Anzeigen über Ungehörigkeiten 1?er Fortbildungsschüler seitens der dieselben überwachenden Schutzleute erfolgt seien. — Herr Oberbürgermeister Gn auth erwidert, daß ihm davon nichts bekannt sei; es sei ihm aber mitgeteilt worden, daß schon die Anwesenheit von Schutzleuten vor den Schullokalen genüge, um Ausschreitungen der Schüler zu verhindern. — Zu Pos. 16, Realgymnasium und Realschule, teilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß der Ausbau der Realschule in eine Oberrealschule ins- Au^e gefaßt fei.,—< Zu; Pos. ^öffentliche Feierlichkeiten, bemerkt Herr Krumm, daß er gegen diese stimme. Weiter fragt Herr Krumm an, wer das Programm für die Volksvorstellungen feststelle; es scheine ihm, daß bei Auswahl der Stücke zu sehr im Sinne des Herrn Stadtverordneten Dr. Fuhr (der Sudermann'sche und ähnliche Stücke ausschließen wolle) verfahren werde. — Herr Oberbürgermeister Gnauth-erklärt, die Finanzkommission habe oie Stücke nur für die zwölf Volksvorstellungen, zu denen die Theaterdirektion fick verpflichtet, ausgewählt; was die Stücke betreffe, die in oen übrigen Volksvorstellungen zur Aufführung gelangten, sö glaube man vermuten zu können, daß in der Wahl derselben für die Direktion die Zugkraft der Stücke mit maßgebend sei; er halte es übrigens nicht für gut, daß sich die Stadt allzusehr um die dem Publikum hier gebotene geistige Kost bekümmere. Wenn das Publikum wissen wolle, welche Stücke die städtische Kommission ausgewählt, so könne man immer einen diesbezüglichen Vermerk in den Ankündigungen machen. — Herr Krumm stimmt diesem Vorschläge zu.— Herr Hau b a ch bemerkt, daß sich auch bei den Volksvorstellungen die Erfahrung bestätigt, daß bessere Stücke nicht besonders zugkräftig seien, iund betont, daß die Volksvorstellungen viel von Leuten besucht würden, die für Theater mehr Geld .ausgeben könnten. — Bei Pos. 24, Straßenreinigung, regt Herr Hanau die Indienststellung von Kehrmaschinen an. — Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, daß diesbezügliche Erwägungen bereits stattgefunden; die Kehrmaschinen eigneten sich jedoch nur für gepflasterte Straßen mit regelmäßigem Querprofil, für chauffierte Straßen nicht. — Die zu Pos. 25, Straßenbeleuchtung, von Herrn Hanau vorgebrachte Klage über mangelhafte Beleuchtung in der Marburgerstraße, sowie den Hinweis des Herrn Dr. Gaffky auf die unzureichende Beleuchtung der Fußgängerbrücke an der katholischen Kirche erklärt Herr Oberbürgermeister Gnauth demnächst prüfen zu wollen. — Bei Pos. 29, Kanäle, macht Herr Kirch auf den Mangel an Bedürfnisanstalten an der oberen Frankfurterstraße aufmerksam, während Herr Huhn die Klagen von Bewohnern, dieses Stadtteils über ungenügenden Abfluß der Abwässer, die dort in die Keller bringen, zur Kenntnis der Versammlung bringt. — Der Herr Oberbürgermeister erklärt, entsprechende Vormerkung machen zu wollen. — Auf die Anfrage des Herrn Kirch, ob die seinerzeit von ihm angeregte Vermehrung der Droschkenhalteplätze Aussicht habe, verwirklicht zu werden, erklärt der Herr Oberbürgermeister, daß die Angelegenheit noch im Stadium der Vorbereitung sich befinde. — Bei Pos. 46 stellt Herr Krumm die Wiederholung seines Antrages auf Strich der den hiesigen Zeitungen zu zahlenden Vergütungen für die Aufnahme der von der Stadt erlassenen Bekanntmachungen in Aussicht. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt hierzu, daß die Vergütung nicht nur für die pflichtmäßigen Bekanntmachungen gezahlt werde, sondern auch für die rein geschäftlichen (Gas- und Wasserwerk re.). — Herr Hau buch spricht sich dafür aus, daß die Bekanntmachungen nur den Zeitungen zugewiesen werden sollten, die eine bestimmte Verbreitung nachweisen können. — Bei Pos. 52, O c t r o i, fragt Herr Hanauan, ob die Neuregelung des Octroiwesens im nächsten Etatsjahre zu erwarten sei. — öerr Oberbürgermeister Gnauth hofft, noch in diesem Jahre entsprechende Vorlage machen zu können.— Bei Pos. 54 empfiehlt Herr Leib erhöhte Trottoiranlagen für die Grünbergerstraße, ferner Anlage eines Trottöir- streifens über den Lindenplatz vom Friseur Gerhardt'schen nach dem Retter'schen Hause. Der Verkehr werde an der bezeichneten Stelle durch Wasseransammlungen beeinträchtigt. — Herr Oberbürgermeister Gnauth stellt diesbezügliche Erhebungen in Aussicht. — Von den noch folgenden Rednern betont Herr Helfrich die Notwendigkeit der Erhöhung des Geländers zum Schutze der Anlagen des Ludwigsplatzes gegen tummelnde Hunde; Herr Wallenfels bemerkt, daß sich der Mißstand auch in den übrigen Anlagen bemerkbar mache; er empfiehlt bessere Beaufsichtigung; Herr Sch mall tritt für den Ersatz ausgehauener Bäume an der Grünbergerstraße ein. — Der Voranschlag wird hierauf mit den beantragten Aender- ungen angenommen. Derselbe hat darnach folgende Fassung:
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lsld'Mr
SieMb- u-vbl.
30.—
Bäche
1630.—
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Kanäle
10086 —
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Entwäfferungsanstalten
638.76
2960.—
Filialarbeitshaus
2960 —
500.—
Tonnenanstalt
107.87
180.—
Feuerlöschanstalten
3823.31
—.—
Faselvieh
1100.—
—.—
Gemarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen, Parzellenvermeffung und Grundbuchskosten
1100,—
100.—
Wert- und Schadenersatz von Feldstrafen
100.—
—.—
Vertilgung schädlicher Tiere
200.—
Armenpflege
47350.—
3913.—
Versicherung der Arbeiter
6700.—
—.—
Impfung
500.—
8169.74
(Stiftungen
7370.70
Zwecke des KreiseS und der Provinz
88000.-
1500.—
Milttärzwecke
4000.—
6978.—
Polizei
60732.43
78.—
Oeffentliche Sicherheit
2821.—
8719.—
Allgemeine Verwaltung
106704.05
Pensionen und Wttwengehalte
5470.89
12000.—
Schuldentilgung
95536.-
630.-
Grundzinsen und Anerkennungsgebühr
-.40
56 —
Einzugs- und Etnschretbegeld
—.—
17425.93
Kapllalzinsen
274290.10
113750.—
Oktroi
22831.—
7 420.—
Hundesteuer
487.33
38.—
Anteil an Stemprltaxen für Wanderlager
— —
80.-
Für die LandeSunioersität
924.46
6779.20
Fleischbeschau
4852.26
400.-
Rettungsanstalt, Cholerabaracke, Des-
infrkttonsanstalt
1089.80
466.69
Zusammenlegung von Grundstücken
311.56
—
Ausgeliehene Kapitalien
949.04
Reservefond
2 000 -
—.—
Betriebskapital
53955.24
579921.—
Kommunalsteuern
21870.—
—.—
Rente der Oderhess. Eifenbahngelände-
Entschädigung
5761.74
B. Vermögens-Rechnung.
316411.21
Rest aus vorderen Jahren
316411.21
949.04 '39897.59
Sttftungskapttalien
An- und Verkauf von Gebäuden und
1100.—
Grundstücken
16376.32
—.—
Erbauung gemeinheitltcher Gebäude u. dgl.
39235.63
10920.-
Erbauung von Straßm und Wegen u. dgl.
87975.40
Kanalbauten
303070.63
Erbauung eines Gaswerks
95030.—
—.—
Erbauung eines Elektrizitätswerkes
300000 —
—.—
Erbauung eines Wasserwerks
35665 —
—.—
Anlage eines neuen Friedhofes
96000.-
—.—
Anlage eines neuen VtehmarkteS
6000-
984054.90
Kapitalaufnahme und Rückzahlungen
55578.75


