Ausgabe 
25.3.1900 Zweites Blatt
 
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Sonntag den25. März

Zweites Blatt

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Aintr- unb Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren.

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Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljähat mit Bestellgeld.

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Alle Anzngen-BermittltmgSstellm deS In- und AuSlaab«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

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2500

100.

Adreß« für Depeschen: Anzeiger chisßs».

Fernsprecher Nr. 61.

für das Rechnungsjahr 1900/1901.

A. Betriebs-Rechnung.

Rest aui vorderen Jahren Gebäude Grundstücke Waldungen Gaswerk Wasserwerk Schlachthaus Jagden Märkte Aichanstalt Waaganstalten Kirchen Friedhöfe Volksschule und Fortbildungsschule Höhere und erweiterte Mädchenschule Realgymnasium und Realschule Handwerkerschule Vorschule des Gymnasiums Aliceschule Oeffentliche Feierlichkeiten Denkmäler SemeinnützigeZwecke außerhalb derstädtischen

Verwaltung Straßenunterhaltung Straßenreinigung junb Kehrichtabfuhr Straßenbeleuchtung Oeffentliche Anlagen Brunnen

Ausgabe. xM, e) 42244.46 3345. 10563.58 36885.10

Einnahme.

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164200.39

15359.

27678.94

100500.

111683.

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30805.50

4055

2600.

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4500.

69042.76

2217.22

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32842.29

280

50.

5400.

60.

*Be|ee »m Anzeigen zu der nachmittags für bee llbiwilm Be| erscheinenden Nummer M vor«. 10 vtzr. Mlestelimgen spätestens abends vorher.

IMaNra, Wgpedition und Druckerei: Ar. 7.

Gratisbeilage«: Gießener Zamitienblätter, Der heWchr Landwirt, Klätter für hessische UMsimn-e.

* Politische Wochenschau.

Gießen, den 24. März 1900.

Nach der ganz unerwartet gekommenen Unterbrechung der Beratung des Gesetzes Heinze ist der Reichstag in die Lesung des Etat- übergetreten, und damit hat sich die Physiognomie desHohen Hauses" vollständig geändert. 66 ist recht traurig, daß die Reichstagsmitglieder ihrem vornehmsten Berufe, den Reichsetat festzusetzen, so wenig Interesse entgegenbringen, und so zeigte denn auch im Lause der jetzt abgelaufenen Woche der Reichspalast am KönigSplatze eine unheimliche Leere, trotzdem so manche wichtige Punkte zur Debatte standen. Daß die Verhand­lungen über die lex Heinze noch immer nachklingen, ist erklärlich; aller Wahrscheinlichkeit nach macht sich in den Anschauungen der maßgebenden Kreise ein Umschwung be­merkbar, und es steht deshalb zu erwarten, daß die ganze Sache im Sande verläuft. Dasselbe dürfte mit den ge­planten Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes der Fall werden, soweit sie den internationalen Handelsaustausch berühren. Der Reichstag wird übrigens schon Mitte nächster Woche in die Ferien gehen, nachdem er den Etat erledigt haben wird, überhaupt dürfte in der inneren Politik bis nach Ostern eine Pause gemacht werden, die man mit großer Berechtigung als die Stille vor dem Sturm bezeichnen kann.

Der Krieg in Südafrika hat fn letzter Woche keine neuen Phasen zu verzeichnen gehabt: während die Engländer von der Kampfesmüdigkeit der Oranjestaat Buren er­zählen und von deren Bereitwilligkeit, sich zu unterwerfen, trägt man auf der andern Seite große Zuversicht zur Schau, in welcher die Buren durch die mancherlei kleineren Erfolge, welche sie in den letzten Tagen über die Engländer er» tun gen haben, nur bestärkt werden können. Die Friedens- bcslrebungen haben anscheinend noch keinerlei Aussicht; es bleibt abzuwarten, welchen Erfolg die von Transvaal aus­gesandte Deputation, die um Intervention der Mächte nach­suchen soll, in Petersburg haben wird. Jedenfalls dürfte sie dort eine sehr sympathische Aufnahme finden. Ob die kühnen Hoffnungen der Engländer, bald in Pretoria ein­ziehen zu können, berechtigt sind, ist sehr fraglich, da zur völligen Vernichtung der Buren-Streitmacht noch viel Arbeit zu leisten ist. Und wer will behaupten, daß sich das Kriegs- glilck nicht wieder von den Engländern abwenden kann?

Im italienischen Parlamente geht es zurzeit lebhaft her; man spricht bereits von einer Kammerauflösung. Daß auch wieder von Ministerkrisen die Rede ist, wollen wir nur nebenher bemerken. Auch von dem englischen Parül- ment behauptet man, daß seine Auflösung beschlossene Sache sci und daß die verschiedenen politischen Parteien ihre Vor­bereitungen für eine im Juli vorzunehmende Neuwahl treffen.

Die sonst noch vom Auslande vorliegenden Meldungen find recht unwesentlicher Natur und tragen meist nur einen Malen Charakter. Wenn auch die politische Situation gegenwärtig eine sehr unklare ist, so scheint die Klärung vorläufig überall hinausgeschoben zu werden. Aber der Zündstoff bleibt aufbewahrt, und cs ist kaum anzunehmen, baß er sich angesichts der Weiterentwickelung der Dinge in Südafrika vermindern wird.

Summarische Zusammenstellung

aus dem Entwurf des Voranschlags der Stadt Gießen

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Wehemr Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Lokales und Provinzielles.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 24. März 1900.

** Ruhestandsversetzung und Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 13. März Ben Kreisschulinspektor bei der Kreis­schulkommission Dieburg, Schulrat Johann Ludwig Hirsch auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50 jährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. April ds. Js. an, in den Ruhestand zu versetzen, und demselben aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterfteuz 2. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.

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Sitzung der Stadtverordneten

am 22. März 1900.

Fortsetzung.

Bei Pos. 4 des Voranschlags äußert Herr Hanau den Kunsch, daß der vom Justtzgebäude nach dem Philosophen- rtiilbe führende Weg beiderseitig mit Bäumen bepflanzt iierben möge. Herr Wallenfels unterstützt den K-unsch des Herrn Hanau. Herr Oberbürgermeister tznanth bemerkt dazu, daß vor Jahren bereits der Ver- >önerungsverein in diesem Sinne vorstellig geworden; die Stadtverordneten-Versammlung habe aber den Antrag im Jahre 1896 abgelehnt. Der Bepflanzung des Weges stunden mancherlei Bedenken entgegen; beispielsweise sei MH noch im Unklaren betr. der künftigen Stratzeuführung iln Falle der Einbeziehung des in Betracht kommenden Mändes in den Bebauungsplan. Herr Löb er bittet bor^iuf, das Gelände zwischen der Marburgerstraße und IM Grünbergerstraße bald als Baugelände zu eröffnen. «ei Pos. 13, Friedhöfe, fragt Herr Schm all an, ob der neue Friedhof vom kommenden Herbst, an belegt werden könne, da mit diesem Zeitpunkte der alte Friedhof bulE belegt sei. Herr Oberbürgermeister Gnau t h er­klärt, daß an eine Belegung des neuen Friedhofes vor

dem Sommer 1901 nicht gedacht werden könne. Bis dahin müsse man sich mit Wiederbelegung von solchen Grabstätten des alten Friedhofes behelfen, um deren Instandhaltung sich niemand mehr kümmere. Bei Pos. 14, V o l ks- und Fortbildungsschulen, fragt Herr Krumm, ob schon Anzeigen über Ungehörigkeiten 1?er Fortbildungs­schüler seitens der dieselben überwachenden Schutzleute er­folgt seien. Herr Oberbürgermeister Gn auth erwidert, daß ihm davon nichts bekannt sei; es sei ihm aber mit­geteilt worden, daß schon die Anwesenheit von Schutzleuten vor den Schullokalen genüge, um Ausschreitungen der Schüler zu verhindern. Zu Pos. 16, Realgymna­sium und Realschule, teilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß der Ausbau der Realschule in eine Oberrealschule ins- Au^e gefaßt fei.,< Zu; Pos. ^öffent­liche Feierlichkeiten, bemerkt Herr Krumm, daß er gegen diese stimme. Weiter fragt Herr Krumm an, wer das Programm für die Volksvorstellungen feststelle; es scheine ihm, daß bei Auswahl der Stücke zu sehr im Sinne des Herrn Stadtverordneten Dr. Fuhr (der Sudermann'sche und ähnliche Stücke ausschließen wolle) verfahren werde. Herr Oberbürgermeister Gnauth-erklärt, die Finanz­kommission habe oie Stücke nur für die zwölf Volksvorstell­ungen, zu denen die Theaterdirektion fick verpflichtet, aus­gewählt; was die Stücke betreffe, die in oen übrigen Volks­vorstellungen zur Aufführung gelangten, glaube man vermuten zu können, daß in der Wahl derselben für die Direktion die Zugkraft der Stücke mit maßgebend sei; er halte es übrigens nicht für gut, daß sich die Stadt allzusehr um die dem Publikum hier gebotene geistige Kost beküm­mere. Wenn das Publikum wissen wolle, welche Stücke die städtische Kommission ausgewählt, so könne man immer einen diesbezüglichen Vermerk in den Ankündigungen machen. Herr Krumm stimmt diesem Vorschläge zu. Herr Hau b a ch bemerkt, daß sich auch bei den Volksvor­stellungen die Erfahrung bestätigt, daß bessere Stücke nicht besonders zugkräftig seien, iund betont, daß die Volks­vorstellungen viel von Leuten besucht würden, die für Theater mehr Geld .ausgeben könnten. Bei Pos. 24, Straßenreinigung, regt Herr Hanau die In­dienststellung von Kehrmaschinen an. Herr Oberbürger­meister Gnauth erklärt, daß diesbezügliche Erwägungen bereits stattgefunden; die Kehrmaschinen eigneten sich je­doch nur für gepflasterte Straßen mit regelmäßigem Quer­profil, für chauffierte Straßen nicht. Die zu Pos. 25, Straßenbeleuchtung, von Herrn Hanau vorge­brachte Klage über mangelhafte Beleuchtung in der Mar­burgerstraße, sowie den Hinweis des Herrn Dr. Gaffky auf die unzureichende Beleuchtung der Fußgängerbrücke an der katholischen Kirche erklärt Herr Oberbürgermeister Gnauth demnächst prüfen zu wollen. Bei Pos. 29, Kanäle, macht Herr Kirch auf den Mangel an Be­dürfnisanstalten an der oberen Frankfurterstraße aufmerk­sam, während Herr Huhn die Klagen von Bewohnern, dieses Stadtteils über ungenügenden Abfluß der Abwässer, die dort in die Keller bringen, zur Kenntnis der Ver­sammlung bringt. Der Herr Oberbürgermeister erklärt, entsprechende Vormerkung machen zu wollen. Auf die Anfrage des Herrn Kirch, ob die seinerzeit von ihm angeregte Vermehrung der Droschkenhalteplätze Aussicht habe, verwirklicht zu werden, erklärt der Herr Oberbürger­meister, daß die Angelegenheit noch im Stadium der Vor­bereitung sich befinde. Bei Pos. 46 stellt Herr Krumm die Wiederholung seines Antrages auf Strich der den hie­sigen Zeitungen zu zahlenden Vergütungen für die Auf­nahme der von der Stadt erlassenen Bekanntmachungen in Aussicht. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt hierzu, daß die Vergütung nicht nur für die pflichtmäßigen Bekanntmachungen gezahlt werde, sondern auch für die rein geschäftlichen (Gas- und Wasserwerk re.). Herr Hau buch spricht sich dafür aus, daß die Bekanntmach­ungen nur den Zeitungen zugewiesen werden sollten, die eine bestimmte Verbreitung nachweisen können. Bei Pos. 52, O c t r o i, fragt Herr Hanauan, ob die Neurege­lung des Octroiwesens im nächsten Etatsjahre zu erwarten sei. öerr Oberbürgermeister Gnauth hofft, noch in diesem Jahre entsprechende Vorlage machen zu können. Bei Pos. 54 empfiehlt Herr Leib erhöhte Trottoiranlagen für die Grünbergerstraße, ferner Anlage eines Trottöir- streifens über den Lindenplatz vom Friseur Gerhardt'schen nach dem Retter'schen Hause. Der Verkehr werde an der bezeichneten Stelle durch Wasseransammlungen beeinträch­tigt. Herr Oberbürgermeister Gnauth stellt dies­bezügliche Erhebungen in Aussicht. Von den noch fol­genden Rednern betont Herr Helfrich die Notwendig­keit der Erhöhung des Geländers zum Schutze der Anlagen des Ludwigsplatzes gegen tummelnde Hunde; Herr Wallenfels bemerkt, daß sich der Mißstand auch in den übrigen Anlagen bemerkbar mache; er empfiehlt bessere Beaufsichtigung; Herr Sch mall tritt für den Ersatz aus­gehauener Bäume an der Grünbergerstraße ein. Der Voranschlag wird hierauf mit den beantragten Aender- ungen angenommen. Derselbe hat darnach folgende Fassung:

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SieMb- u-vbl.

30.

Bäche

1630.

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Kanäle

10086

Entwäfferungsanstalten

638.76

2960.

Filialarbeitshaus

2960

500.

Tonnenanstalt

107.87

180.

Feuerlöschanstalten

3823.31

.

Faselvieh

1100.

.

Gemarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen, Parzellenvermeffung und Grundbuchskosten

1100,

100.

Wert- und Schadenersatz von Feldstrafen

100.

.

Vertilgung schädlicher Tiere

200.

Armenpflege

47350.

3913.

Versicherung der Arbeiter

6700.

.

Impfung

500.

8169.74

(Stiftungen

7370.70

Zwecke des KreiseS und der Provinz

88000.-

1500.

Milttärzwecke

4000.

6978.

Polizei

60732.43

78.

Oeffentliche Sicherheit

2821.

8719.

Allgemeine Verwaltung

106704.05

Pensionen und Wttwengehalte

5470.89

12000.

Schuldentilgung

95536.-

630.-

Grundzinsen und Anerkennungsgebühr

-.40

56

Einzugs- und Etnschretbegeld

.

17425.93

Kapllalzinsen

274290.10

113750.

Oktroi

22831.

7 420.

Hundesteuer

487.33

38.

Anteil an Stemprltaxen für Wanderlager

80.-

Für die LandeSunioersität

924.46

6779.20

Fleischbeschau

4852.26

400.-

Rettungsanstalt, Cholerabaracke, Des-

infrkttonsanstalt

1089.80

466.69

Zusammenlegung von Grundstücken

311.56

Ausgeliehene Kapitalien

949.04

Reservefond

2 000 -

.

Betriebskapital

53955.24

579921.

Kommunalsteuern

21870.

.

Rente der Oderhess. Eifenbahngelände-

Entschädigung

5761.74

B. Vermögens-Rechnung.

316411.21

Rest aus vorderen Jahren

316411.21

949.04 '39897.59

Sttftungskapttalien

An- und Verkauf von Gebäuden und

1100.

Grundstücken

16376.32

.

Erbauung gemeinheitltcher Gebäude u. dgl.

39235.63

10920.-

Erbauung von Straßm und Wegen u. dgl.

87975.40

Kanalbauten

303070.63

Erbauung eines Gaswerks

95030.

.

Erbauung eines Elektrizitätswerkes

300000

.

Erbauung eines Wasserwerks

35665

.

Anlage eines neuen Friedhofes

96000.-

.

Anlage eines neuen VtehmarkteS

6000-

984054.90

Kapitalaufnahme und Rückzahlungen

55578.75