Landwirtschaftliches.
Gießen, 21. Oktober. Nach der von den Feldgeschworenen vorgenommenen Erhebung über den Ernteertrag in der Gemarkung Gießen für 1900 waren bestellt: 105 Hektar mit Weizen, 214 mit Roggen, 54 mit Gerste, 320 mit Hafer, 15 mit Erbsen, V, mit Linsen, 25 mit Wicken, 10 mit Mischfrucht, 215 mit Kartoffeln, 125 mit Runkelrüben, 18 mit Zuckerrüben, 15 mit Kraut und Feldkohl, 12 mit Raps, 1 z mit Senf, 85 mit Klee, 8 mit Luzerne, Vs mit Mais, 40 mit Grassaat; an Wiesen waren 424,2 Hektar vorhanden. An Obst wurden geerntet von 4969 Apfelbäumen 130 Doppelzentner, von 2923 Birnbäumen 220 Doppelzentner, von 8994 Pflaumen-(Zwetschen)Bäumen 850 Doppelzentner, von 1479 Kirschbäumen 5 Doppelzentner, von 52 Wallnußbäumen 2i/i Doppelzentner; der Obstertrag wurde auf 9335 Mark
Oktober. Saaten st and in Preußen um Mitte Oktober: Winterweizen 2,6, Winterspelz 1,8, Winterroggen 2,7, junger Klee 3,1, Luzerne 2,7. Anhaltende Trockenheit hemmte ungemein die Bestellung der Felder zur Wintereinsaat. Erst anfangs O tober traten Niederschläge ein, die für die westlichen Provinzen ausreichend
Meratur.
- Das Gießener UniverfitätS-Taschenbuch,herausgegeben von August FreeS, Großh. Hess. Hof- und Univ.-Buchhandlung, Gießen, präsentiert sich auch in seiner soeben erschienenen (16.) Ausgabe in ansprechender Form. Die Ratschläge und Berichtigungen, die dem Herausgeber von Interessenten und Gönnern zugingen, haben in dieser neuen Ausgabe Berücksichtigung gefunden und dm Wert deS Buches erhöht. Inhaltlich läßt das Taschenbuch nichts vermissen, was in Beziehung zu unserer Universität und den Sitz derselben gebracht werden kann. Wertvolle Beigaben sind eine kurze, aber hinreichend orientierende Geschichte der Stadt und Universität Gießen, ein Verzeichnis der akademischen Vereinigungen, eine Ueber- sicht der Universitäten Deutschlands mit Angabe ihrer GründungSjahre, ein Verzeichnis der von hiesigen Professoren und Dozenten herausgegebenen Schriften rc. Der übrige, gewiffermaßen als „amtlich zu bezeichnende Teil des Taschenbuchs bietet allen, die mit unserer Hochschule in nähere Beziehung treten, zuverlässige Auskunft. Der Bilder- schmuck (u. a das Porträt des derzeitigen Rektors) ist ergänzt durch Beigabe zweier schön ausgeführter Postkarten. Der Herausgeber versendet an jeden immatrikulierten Hörer ein Exemplar des Taschenbuchs; dasselbe kann auch in der Buchhandlung, Seltersweg 53, in Empfang genommen werden.
Vermischtes.
* Frankfurt a. M., 22. Oktober. Aus dem Bahn- uberaanae zwischen Buseudorf und Brotnuch wurde heute ein dicht mit Ausflügler» besetzter Bauernwagen von einem Güterzuge überfahren Zwei Personen wurden getötet, sechs schcher verletzt.
» Berlin 22. Oktober. Die Akten m der Gönczischen Dache gehen nunmehr mit dem Bericht der StaakSanwalt- schast an den Justizminister ab. Wie wir erfahren, soll diese Behörde Vollstreckung des Todesurteils an dem überführten Mörder empsohlen haben, wohingegen, tote bereits berichtet wurde, der Osfizialoerteidiger es für seme Psttch erachtet hat, in einer Immediateingabe an den Kaiser aus die Bedenken hinzuweisen, welche gegen die Thater- oder Mitthäterschast Gönczis an der Ermordung der beiden grauen zu sprechen scheinen. Es verdient bemerkt zu werden, daß die freigesprochene Ehefrau Gönczis, als sie von dem Schritte des Verteidigers für ihren Mann Kenntnis erhielt, sich mit demselben in Verbindung setzte, um sich dem Gesuch um Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus anzuschließen. Frau Gönczi hat übrigens ihre Gesundheit nahezu wiedererlangt.
P e t e r s b u r g, 22. Oktober. Die „Nowoze Wremja" meldet aus Wladiwostok, 19. Oktober: In Japan nimmt die Cholera zu. Die aus Japan kommenden Dampfer müssen eine Quarantäne innehalten. Auf Dampfern, die aus Nagasaki in der Poßjetbucht ein- trafen, find Todesfälle an der Cholera vorgetommen.
waren, im großen Teile des Ostens nicht genügten. Ueber bas Auftreten von Schädlingen werden häufig Klagen laut. Von Winterweizen ging erst ein kleiner Teil in den östlichen Provinzen auf. Im Westen ist man noch mit der Einsaat beschäftigt. Die Roggensaaten auf den rechtselbischen Gebieten zeigen zuweilen einen befriedigenden Stand. Im Westen entwickelten sich die Saaten kräftig. ____________
Kirchliche Nachrichten.
«vkAgelifche Gemeinde.
Mittwoch den 24. Oktober wird im Konfirmandensaal der Johanneskirche die diesjährige Dekanatsspnade gehalten werden. Vormittags 9 Uhr: Eröffnungsgottesdienst. Pfarrer Gußmann aus Kirchberg. Die Gemeinde wird zur Teilnahme herzlich eingeladen.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Sieker», 28. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.90-1.00, Hühnereier per St. 7-8 3, 2 St. 00—00 Enteneier 2 St. 00—16 4, Gänse- eiet per St. 00—00 H, Käse 1 St. 5—7 H, Käsematte 2 St. 5-aB Erbsen per Ltter 24 Linsen per Liter 34 Tauben per Paa,
JL 0.50—0.80, Hühner per St. JL 0.90—1.20, Hahnen per Stück 0.50—1.00, Enten per St. ** 1.80—2.20, Gänse per Pfun
A 0.50—0.60 Ochsenfieisch per Pfd. 68—74 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Kalbfleisch per Pfd.64-66 £ HammeMeisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.50 bii 6.00 vH, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. M 4.50—5.00, Mich per Liter 18 H. Zwetschen Jt 2.60-4.00.
Gründerg, 20. Oktober. Fruchtmarkt. Weizen 15,92—16,25 Mark, Korn 15,68—16,00 Mark, Gerste 14,10—14,50 Mark, Hafer 12,10—13,00 Mark, Erbsen 00,00—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 Mark, Samen 00,00—00 Mark, Kartoffeln 0,00—0,00 Mark.
Wie der Verkehr jede Erleichterung mit steigenden Einnahmen vergilt, dafür bietet die Statistik der Rundreiseheste wieder ein Beispiel. Gegen 1898 stieg die Gesamtzahl der ausgegebenen Fahrscheinhefte 'von 840378 auf 905 616 Stück, die Zahl der Fahrscheine von 10 992 348 auf 11564142 Stück. Bemerkenswert ist die Steigerung gerade der Hefte für weitere Entfernungen (1000 bis 2000 Kilometer). Die Einnahme ist von 41.7 auf 45.0 Millionen gestiegen. Hiervon entsällt aus die deutschen Verwaltungen ein Betrag von 33 986181 Mark, auf die österreichisch-ungarischen Verwaltungen 4 849 366 Mark,. auf die niederländischen, luxemburgischen und rumänischen Bahnen 761377 Mk., endlich aus die vereinsfremden Bahnen 5 450 546 Mk. Die höchsten Einnahmen wurden erzielt im Bereiche der bayerischen Staatsbahnen mit 5 611585 Mk., dann im Direktionsbezirk Berlin 5 066 518 Mk., Direktionsbezirk Köln 3 968 797 Mark, Direktionsbezirk Hannover 2 558 738 Mk. und Direktionsbezirk Erfurt 2 200 700 Mk. Die geringsten Einnahmen sind bei der Breslau-Warschauer Eisenbahn mit 1020 Mk., Liegnitz-Rawitscher Eisenbahn mit 1008 Mk., mecklenburgischen Friedrich Wilhelm-Bahn mit 824 Mk. und westfälischen Landeseisenbahn mit 229 Mk. zu verzeichnen. Im Durchschnitt entfäHt auf jedes Kilometer der einbezogenen deutschen Strecken eine Einnahme von 803.6 Mk. Die Steigerung ist jedenfalls um so beachtenswerter, als verschiedentlich schon Zurichtungen bestehen, die für die Reisenden vorteilhafter als die Rundreise- Hefte sind.
Die .Giltigkeitsdauer der Monats-Fahrkarten besteht jetzt nur für die Zeit eines laufenden Monats; infolgedessen kann die Vergünstigung der Fahrpreisermäßigung in vielen Fällen nur teilweise ausgenützt oder gar nicht von ihr Gebrauch gemacht werden. Wie die Zeitschrift „Handel und Gewerbe" mitteilt, hat die Handelskammer zu Minden beantragt, die Monatskarten möchten von dem Datum des Lösungstages bis zum gleichen Datum des folgenden Monats Giltigkeit bekommen; die Handelskammern zu Koblenz, Dortmund,
Lüdenscheid und Lüneburg und der Verein Berliner ftaufä teilte und Industrieller beabsichtigen diesen Antrag zu unterstützen. _________________________________
Neueste Meldungen.
Cronberg, 23. Oktober. Die Krisis, in der sich die Kaiserin Friedrich gegenwärtig noch befindet, nimmt einen zwar langsamen, aber konstanten Verlauf zum Guten. Besonderer Wert wird von der Umgebung der leidenden Kaiserin darauf gelegt, daß die hohe Frau jetzt geraume Zeit außerhalb des Bettes verbringen kann. Auch der Kräftezustanv hat eine erhebliche Besserung erfahren,
Brüffel, 23. Oktober. Auf der Strecke nach Jumet stürzte gestern infolge Entgleisung ein Teil eines Zuges einen etwa 20 Meter tiefen Abhang hinunter, wobei achtzehn Personen verwundet wurden.
Paris, 23. Oktober. In der Ausstellung erfolgte gestern abend in der Gallerie, wo die Gasmotoren aufgestellt sind, eine heftige Explosion, welche 200 Meter weit hörbar war. Ein Gasmotor war explodiert, wodurch 5 Personen verwundet wurden, unter ihnen der frühere belgische Abgeordnete de Somzee. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Katastrophe durch Ansammlung von Gasen unter dem Fußboden erfolgte.___
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auch wirklich etwas Gutes haben will, der nehme von den vielen angepriesenen Kaffee-Zusatzmitteln nur Kathreiners Malzkoffee. Durch seinen hohen Wohlgeschmack und seine Bekömmlichkett ver- beffert er jeden Kaffee. Der echte „Kathreiner" kommt aber niemals lose, sondern nur in plombierten Packeten mtt dem BUd des Prälaten Kneipp zum Verkauf. 6738
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Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . .
Telephonischer Kursbericht
Frankfurt, den 23. Oktober.
. 203.20 . 171.50 . 130.10 . 142.20 . 143.60 . 137.70 . 139.— . 197.— . 177 — . 176 70
. . 86.35
. . 91.70
. . 94.15
Anl. 4180
. . 23.80
. . 25.90
. . 76.20
Tendenz: fest.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
•artenftraSe
Angebot der Arbeitnehmer: 1 Former, 1 Lackierer, 1 Tapezierer, 1 Heizer, 1 Bauschreiner, 1 Schneider, 1 Büreaudiener, 1 Aufseher, 1 Mechamkerlehrlmg, 1 Waschfrau, 1 Schreibgehilfe.
Nachfrage der Arbeitgeber: 4 tücht. Bauschreiner, 4 Rockarbeiter, eine Anzahl Taglöhner, 1 tücht. Pferdeknecht, 1 jüngerer Arbeiter i. A. von 15—16 Jahren, 1 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Waschfrau.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Carl Orbig in Firma Emil Orbig in Gieße» ist zur Ab- nähme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen da» Schluß Verzeichnis und zur Be- schluhfaffung der Gläubiger über d'e nicht verwertbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf Freitag de» 16. November 1900, vormittags 10 Uhr, vor dem Groß- herzogltchen Amtsgericht Hierselbst bestimmt.
Gießen, den 20. Oktober 1900.
Neidhart, Gerichtsschreiber des Großherzoglichen ___________Amtsgerichts. 6979 Mttnroch den 24. d. M., nachmittag» S Uhr,
werden im Bieker'scken Saale Möbel aller Arten, 1 vollst. Bett, 1 großer Ladenschrank mit Glasthüren und Untersatz, 1 Palme mit Ständer, 2 schwere Zugpferde u. v. a. versteigert.
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Gießen, 23. Oktober 1900.
Der Großh. Oberstaatsanwalt.
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