ist wiederum ein neuer K r i st a l l i s a t i o n s p u n k t (einer von denen, die das Konzert der Mächte zu zersprengen drohen) geschaffen^ um den sich die Mächte gruppieren tonnen, ein neues Bindemittel für ein ge- nieinsames (??) Vorgehen in China. Ausdrücklich werden die übrigen Mächte eingeladen, sich den Erklärungen Englands und Deutschlands anzuschließen. Sie werden kaum umhin können, den obigen Grundsätzen auch ihrerseits zuzustimmen; denn sie sagen nur das, wozu sich alle bisher offen bekannten". (Dann war aber das Proklamieren dieser Grundsätze vollkommen überflüssig.)
Die „Post" schreibt:
„Der Schwerpunkt der vorstehenden deutsch-englischen Vereinbarung liegt Wohl in der Bestimmung, daß die Häfen an den Küsten und Flüssen Chinas dem Handel der Angehörigen jeder Nation geöffnet sein sollen. Damit'wird namentlich die diplomatische Sicherheit geboten, daß der Aufschwung, den der deutsche Handel und die deutsche Schiffahrt im Yangtsegebiet genommen hat, in Zukunft nicht gefährdet wird'durch ausschließliche Rechte, die dort von anderer Seite hätten in Anspruch genommen werden können. Daß aber die eine oder andere Macht den Wunsch hegen sollte, in China territoriale Erwerbungen zu erstreben, ist umsoweniger anzunehmen, als sämtliche Kabinette wiederholt und auf das nachdrücklichste versichert haben, daß sie keineswegs auf Gebietserweiterungen in China ausgingen. Die in Absatz 3 der deutsch-englichen Vereinbarung enthaltenen Abmachungen enthalten daher mehr die Bedeutung einer Kautel für fern kieaende M ö g l i ch k e i t e n".
Weniger harmlos sieht der „Reichsbote" die Sache an:
„Diese Vereinbarung zerstreut alle Gerüchte und Verdächtigungen, die alle Augenblicke zum Vorschein kamen, daß Deutschland und England in China Eroberungen machen wollten. Wenn irgend etwas im stände ist, auch bei der chinesischen Regierung solche Meinungen zu zerstören, die sich an die Pachtung von Ki- autschou anschließen, so ist es diese Vereinbarung gerade der Staaten, gegen welche solche Verdächtigungen gerichtet waren. Nachdem man in Petersburg wiederholt versichert hat, daß auch Rußland nicht an Eroberungen denke, wird man hoffentlich auch dort diese Vereinbarung gut ausnehmen und sie nicht als gegen Rußland gerichtet ansehen. Ob der im 8 3 ausgesprochenen Drohung etwas Thatsächliches, d. h. die Absicht einer andern Regierung, Annexionen vorzunehmen, zu Grunde liegt, läßt sich noch nicht beurteilen. Bekanntlich hat man in dieser Beziehung Rußland im Norden und Japan Formosa gegenüber nicht recht getraut; aber Rußland hat, wie gesagt, solche Tendenzen abgeleugnet. — Bisher haben alle Staaten die Integrität Chinas betont, und so wollen wir hoffen, daß sie auch alle diese Vereinbarungen gut aufnehmen und ihnen beitreten. Das würde für die Lösung der Ehinafrage von größter Bedeutung sein. Ob aber die Drohung in, § 3, wenn irgend eine Macht Annexionen vornehmen wollte, dann Deutschland und England zur Sicherung ihrer Interessen sich verständigen werden, bedeutet, daß sie dann auch ihrerseits Annexionen vornehmen würden, obgleich sie solche eigentlich nicht wollen, das müssen wir dahingestellt sein lassen; denn das wäre der Anfang der Aufteilung Chinas und von Konflikten zwischen den Mächte n".
Zustimmend, aber sehr ernst faßt die „K r e u z z e i t - u n g" das Abkommen auf:
„Wer den ermüdenden und beunruhigenden Gang der Ereignisse verfolgt hat, die während der politischen und militärischen Aktion der Mächte in China sich abgespielt haben, wird die hier zutage tretende kühne Initiative mit ungeteiltem Beifall begrüßen. Wir standen bereits mit beiden Füßen in einer Verwickelung, die lebhaft an die unbequeme Lage erinnerte, in der sich das europäische Konzert in der kretischen Angelegenheit befand. Wie wir uns damals durch rechtzeitiges Ausscheiden von einer Aktion lossagten, die einen ersprießlichen Ausgang nicht haben konnte, so haben wir jetzt die drohende Gefahr einer Isolierung in exponierter Stellung rechtzeitig pariert (?) und durch bindende Verpflichtung auf Grundsätze, zu welchen alle Mächte sich durch gelegentliche, nicht bindende Erklärungen bekannt hatten, ein Fundament zu gesunder Weiterentwickelung des chinesischen Problems geschaffen. Integrität Chinas auf dem Boden der bestehenden Verträge und Politik der offenen Thür an den Küsten Chinas: in diese Schlagworte läßt sich das deutsch-englische Programm zusammenfassen. Seine Bedeutung liegt, wir wiederholen es nochmals, darin, ,e? bin beide (??) Teile bindendes ist, und es laßt sich mit voller Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die anderen Mächte durch die Kraft dieser Jnitia- tlve zu gleicher Stellungnahme veranlaßt sein werden. Von den Machten des Dreibundes kann das als sicher xlten, aber auch die Vereinigten Staaten, Rußland, A^.lreich und Japan dürften schwerlich andere Wege ^ Vereinigten Staaten haben in praxi »fLipÄLÄ8/.^geschlagen. Rußland hat sich Ä erklärt, daß es nicht annektieren
P°?e' ^n?anfreiCl? allein können nicht be-
sonderc Wege gehen., Wir glauben daher nicht, daß die rm Punkt 3 ins Auge gefaßte Eventualität überhaupt chntreten wird; sollte sie aber eintreteil, so ist es Immerhin von großerBedeiituna daß De ntifh Janb nicht alle in steht, sond ern En gl ^d «inen Genossen findet (aber einen total umuhrr täffißen), ber sich ans bie,eiben Grundsätze gebuüden hat. Es folgt daraus, dass unter allen (?) Umständen unser wohlverstandenes Interesse Berücksichtigung sinden wird Tatz aber diese Verständigung aerabe mit England getroffen worden ist, erklärt sich wohl durch die (nut großer Emphase von! der russischen Presse wiederholte Erklärung, daß Rußlands Interessen mit denen Europasnichtidentischseieii. Da bleibt eben nichts übrig, als daß diejenigen, die gleiche Interessen haben, sich zusammenthun; für unsere Stellung in China aber ist n i ch t s lv i ch t i g e r,
als die bisher nie garlz vorhandene Ueber- einstimmuiig iinserer Politik mit der Englands. Endlich liegt auf der Hand, daß diese Vereinbarung den Chinesen in ihrer jetzigen Not wie ein Rettungsanker erscheinen muß, und die Stimmung und Gesinnung Chinas ist doch auch ein Faktor, der mitzählt".
Eine ähnliche Anschauung der Lage finden wir in der „Voss. Ztg":
„Es ist seit dem Ausbruch der chinesischen Wirren das erste Mal, daß ein Abkommen zwischen zwei oder mehreren Mächten geschlossen wird. Bisher galt der Grundsatz, daß die Gemeinschaft aller Mächte die Voraussetzung bilden müsse für alle Schritte, die Erfolg versprechen sollen. Nachdem aber ffiußland und Amerika das Konzert der Mächte verlassen haben und anscheinend bemüht sind, zu Souder- abkommen mit China zu gelangen, in denen nur die eigenen, nicht die gemeinsamen Interessen der an China beteiligten Mächte gewahrt werden, lag allerdings die Frage nahe, ob nicht durch Vereinbarungen zwischen e i ii z e l n e n Mächten die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse besser gefördert werden könne, als es durch das Konzert der Mächte möglich war. Indem Deutschland mit Großbritannien ein Abkommen schloß, beabsichtigten die beiden Regierungen aber sicher nicht, nunmehr eine Sonderaktion in China zu eröffnen. Sie sind vermutlich von dem Gedanken geleitet gewesen, eine Grundlage für die Politik in China zu schaffen, auf der sich sämtliche Mächte mit ihnen vereinigen können. In der That enthält das Abkommen auch die Bestimmung, von seinem Inhalt die anderen Mächte zu verständigen und diese einzuladen, den in der Ueber- einkunft niedergelegten Grundsätzen beizutreten. Die Bestimmungen des deutsch-englischen Abkommens enthalten keine Ueberraschung und keinen Gedanken, der nicht schon im Laufe der letzten Monate geäußert worden wäre. Zu diesen Grundsätzen haben sich seit Ausbruch der Wirren gelegentlich alle beteiligten Mächte bekannt, und es liegt deshelb nahe, zu glauben, daß alle sich dem deutsche-englischen Abkommen anschließen werden. Das Abkommen kann ein Akt der Vorsicht sein, aber auch eine Mahnung an den, den es angeht. Es ist schon bemerkenswert, daß es gerade in dein Augenblick geschlossen wird, wo die Frage der Frie- densnnterhandlungen und die Bedingungen zur Sicherung des Friedens im Vordergrund der Erörterungen stehen. Von besonderem Interesse wird unter Umständen die S t e ll u n g Rn ß l a n d s diesem Abkommen gegenüber sein, das unter Umständen durch, sein feierliches Versprechen der beiden Mächte, keine Gebietserweiterungen in China anzustreben, auch auf die chinesischen Machthaber günstig wirken kann."
Mehr in unserem Sinne schreibt die „T ä g l. Rundschau":
„Tie in den englisch-deutschen Abmachungen niedergelegten Grundsätze hinsichtlich der Behandlung der chinesischen Frage sind derart, daß ihnen an sich die zum Beitritt aufgeforderten Mächte ohne weiteres zustimmen könnten. Die Politik der „offenen Thür", die hier verkündet wird, wird zweifellos den Beifall der Vereinigten Staaten, Oesterreichs, Italiens und Japans finden, Nach den Versicherungen der russischen und französischen Diplomaten mußte auch der Zweibund damit einverstanden sein. Dadurch aber, daß Deutschland und Großbritannien ohne vorherige Verhandlungen mit den anderen beteiligten Mächten sich plötzlich zu einer Sonderaktion vereinigen und die anderen Regierungen von dieser Vereinbarung erst als etwas bereits Geschehenem in Kenntnis setzen, wird nicht mit Unrecht die Befürchtung wachgerufen, daß D e u t s ch l a n d s Politik eine Schwenkung gemacht hat, die uns mit großer Besorgnis erfüllt. Wir fürchten, daß die ostasiatische Krisis an einen unheilvollen Wendepunkt gekommen ist. Zu einem abschließenden Urteil wird man erst gelangen können, wenn die Vorgeschichte des Vertrages und die Beweggründe der Regierung bekannt geworden sind."
Sehr besorgt sieht auch die „Staatsbürger-Zeitung" in die Zukunft:
„Die obige „Vereinbarung" zwischen Deutschland und England ist ein völlig überraschendes neues Moment in der Chinafrage, überraschend vor allem dadurch, daß ein so enges Zusa m men gehen der deutschen und der e n g l i s ch e n P o l i t i k dokumentiert wird. Denn die „Vereinbarung" läuft auf nichts weniger hinaus, als auf ein absolutes Schutz - und Trutzbündnis beider Mächte in den chinesischen Wirren. Auch kann es nicht einen Augenblick zweifelhaft bleiben, daß dieses Bündnis seine Spitze gegen Rußland richtet und gegen dessen mehr oder minder versteckte Absichten auf Okkupierung der Mandschurei. Die in dem Vertrage stimulierte Politik Deutsch,- lands betreffs der „offenen Thür" in China und die weiterhin ausgesproct)ene Erklärung, daß Deutschland den Territorialbestand des chinesischen Reiches unvermindert erhalten wissen wolle, gehen nicht über den Rahmen des bisherigen Programms der deutschen Regierung hinaus, sodaß sich in den einzelnen Punkten des Vertrages keine neue, besonders keine zu der bisherigen Haltung Deutschlands abweichende Richtung erkennen läßt — auch nicht Rußland gegenüber. Eigenartig u n d neu i st, wie gesagt, nur die F o r m ber polr- tischen Vereinbarung als Schutz - und Trutzbündnis. Welche Aufnahme dieser Vertrag bei den andern Mächten, vor allem bei Rußland finden wird, ist noch nicht abzusehen.' Wenn man auch auf beut^cr Seite gegen die einzelnen Punkte des Vertrages nichts einwenden kann, so erscheint uns doch die förmliche Sanktionierung eines deutsch-englischen Husammengehens nicht unbedenklich, zumal wenn man befürchten muß, daß dadurch die kaum wieder geschaffene Annäherung Deutschlands an Rußland gefährdet werden wird. Dieser Kaufpreis wäre für das neue deutsch-englische Bündnis entschieden zu teuer."
Die Mittelstandsbewegung.
In der Okiobcr-Vcrsammlung des Mittellheinilcheu Fabrikantenvereins hielt Professor Dr. Biermer- Gießen
einen Vortrag über die MittelftandSbewegung, der etwa folgenden Inhalt hatte:
SD!1*f?yamilbcroc0Un0 bezeichnet der Vortragende «ine h/rn Richtung, die namentlich in neuerer Zeit unter
/ÄJ?" Kaufleuten mir kleinerem und mitt- ® G.schSstsbet'tebe entstanden ist, die Ausmerk- samkett weiter Kreise auf sich gelenkt hat und bereits namhafte Er- SSV» k! < £6cs unb Steuergesetzgebung zu verzeichnen hat $ ; er d^e.oung sind "Notleidende" Krassen, die sich von den kapitalkräftigen Unternehmungen in Handel und Industrie in ihren Existenzbedingungen bedroht sehen. Das Ziel ihrer Reform- vorschläge ist lokalprotektionistischer Art, das heißt sie oerlangm vdn Staat und Gesetzgebung Maßnahmen zu gunsten der Erhaltung der mittleren und kleineren Gewerbebetriebe. Der Staat soll bestimmte Unternehmungsformen, die sonst dem großkapitalistischen Betrieb und der modernen Technik gegenüber zum Erliegen kommen, im Wege einer umfassenden Gesetzreform schützen. Insoweit die großkapitalistische Unternehmungsform im Zustande ber Gewerbefreiheit «iS „höhere Unternehmungsform- über die Klein- und Mittelbetrie. e siegreich bleibt, soll deren Wettbewerb unterbunden, die Gewerbe- steiheit beseitigt und der Handwerker- und Detailiftenstand durch Privilegien, zeitgemäßere Ausbildung und festere Organisation sozial gehoben werden. Alle in dieser Richtung gemachten wirtschaftS- polttischen Vorschläge faßt man unter dem Begriff der MtttelstanbS- politik zusammen.
Die Mittelstandsbewegung fußt in zwei verschiedenen Lagern, die an und für sich in technischer und berufsmäßiger Ausbildung ebensowenig gemein haben, wie in Bezug auf ihre natürlichen politischen Anschauungen. Ist ja doch die Krisis im Handwerk besonders dadurch herbeigeführt worden, daß an Stelle der Kundenarbeit der Verkauf von Jndustrieprodukten in Ladengeschäften nach Auswahl getreten ist. Die B^darfSkonzen- tration schuf Massenproduktionen und zwischen der industriellen Erzeugung und dem Maffenvertrieb ihrer Artikel durch den lokalen Handel, starb das auf Bestellung arbeitende Handwerk ab. Aus diesem Wechselverhältnis ergibt sich ohne weiteres, daß der moderne Kaufmann mit dem zünftlerisch gesinnten Handwerker solange nicht interessenverwandt ist, als beiden noch nicht das Großkapital gleichgefährlich wird. Erst dann, wo riesige Spezialgeschäfte mit einem maschenreichen Netz von Filialen, Warenhäuser, Großbazare und Versandtgeschäfte daS kaufende Publikum dem lokalen Händler abspenstig machen, und daS Publikum selbst durch genossenschaftlichen Zusammenschluß mit Umgebung deS Detailhandels sich mit Waren zu versorgen anschickt, entstehen auch im Detailhandel eine Reihe von eigentümlichen Ausschaltungsprozessen. Die Kleinhändler fehen sich nach Verbündeten um und finden sie in den durch ähnliche Bedrängnis ihnen nahegerückten Handwerkerkreisen.
Der zweite Teil des Vortrags ist der Lage des Detailhandels gewidmet, zuerst einer Betrachtung über die Konkurrenz, die sich der Detailhandel selbst durch die Etablierung zahlloser neuer Geschäfte, deren Zahl der Bevölkerungszunahme weit vorausgeettt ist (in Deutschland von 1882—1895 eine Vermehrung von 78pCt.) schafft. Der Vortragende geht dann über zu den Ausschaltungsprozessen, die vom Publikum selbst in bestimmten Klaffen desselben ausgehen, zu den Konsumvereinen, Beamten- und Offiziervereinen. Die Klagen über deren Konkurrenz hält er zum Teil für antisozial, doch betont er ganz energisch, zum TeU im Gegensatz zur herrschenden Meinung, die Gewerbesteuerpflicht dieser Ge- noffenschaften und Vereine. Aber ebensowenig, wie er ein Steuerprivileg für die Genossenschaften zugestehen will, ebensowenig ist er in der Lage, Sonderbesteuerungen und Verbotsgesetze für diese Konsumenten-Vereinigungen, die großen Segen schaffen können, zu befürworten. Auch die Klagen über das Wandergewerbe finden in den neuesten wiffen- schaftlichen Enqueten keine Bestätigung. Ein radikales Verbot der Haustererei würde die armselige und fleißige Bevölkerung vieler deutscher Gegenden an den Bettelstab bringen und proletarisieren. In dem sogenannten Detailreisen sieht der Vortragende in vielen Fällen eine Belästigung des Publikums. Nicht erwiesen sei aber, daß sie schlechtere und preisunwürdigere Waren lieferten als die Händler auf dem flachen Lande. Bedenklicher schon seien die Wanderlager und Konkurs-Ausverkäufe; gegen sie gäbe aber das GeseL zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs mancherlei kräftige Handhaben.
Den Schluß des Vortrags bildet die Betrachtung der Warenhäuser, Großbazare und Versandgeschäste, die sich in unserer Zeit in ungeahnter Weise ausgedehnt hatten. Wenn man von einer allgemeinen Entwick« lungstendenz in dieser Richtung hier sprechen könne, so gehöre die Zukunft den großen Spezialgeschäften und nicht dem Sammelsurium der Warenhäuser. Letztere seien zugeschnitten auf einen ganz eigenartigen Unternehmungsgeist, der nicht häufig sei. Sie seien unterstützt von einer kurzlebigen Mode in einer wirtschaftlichen Haussebewegung, sie widersprächen aber den obersten Grundsätzen der Arbeitsteilung, und gang unmöglich sei bet ihnen hinreichende Warenkenntnis der Geschäftsleiter und ein Ueberblicl über die Konjunkturen des Marktes. Ihr Komfort sei ein Übertriebener, ihre Organisation einem Kartenhaus ähnlich und ihre Koulanz eine Talmikoulanz. Immerhin kaufe man dort billiger und besser als in den Detailgeschäften der kleinen Städte, sofern sich ihre Inhaber nicht entschlossen hätten, moderne Geschäftspraktiken einzuführen, um den Bedürfnissen deS Publikums umfassend und rechtzeitig Rechnung zu tragen. Der Detailhändler unserer Tage, der sich mit hmreichendem Betriebskapital etabliere, kaufmännisch hinreichend ausgebildet sei und seine Kundschaft reell und koulant bediene, brauche auch ohne Reklame die Konkurrenz der Warenhäuser nicht zu fürchten.
Die in überaus anziehender und außerordentlich fesselnder Weise zum Vortrag gebrachten Darlegungen sanden den ungeteilten Beifall der Versammlung.
An die Versammlung schloß sich nachmittags eine Besichtigung der ausgedehnten Werke der Firma Dyckerhoff u. Söhne-Amöneburg, wohin sich die Teilnehmer auf einem von der genannten Firma in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellten Boote begaben.
Volttische Tagesschau.
Seinen Amtsantritt hat Reichskanzler Graf Bülow dem Bundesrat durch folgendes Schreiben angezeigt:
Berlin, 19 Oktober 1900. Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König Seine Durchlaucht den Fürsten zu Hohenlohe- SchilltngSfürst von der Stellung al« Reichskanzler, als Präsident deS preußischen StaatsminifteriumS und als Minister der auswärtigen Angelegenheiten entbunden und mich zum Reichskanzler, Präsidenten des StaatsminifteriumS und Minister der auswärtig« Angelegenheiten ernannt hat, beehre ich mich, dem BundeSrate hierneden Abschriften der betreffenden beiden Allerhöchsten OrdreS vom 17. d. M. zu übersenden. — Gleichzeitig bemerke ich ergebenst, daß ich die Geschäfte heute übernommen habe.
Die beiden Allerhöchsten OrdreS lauten wie folgt:
1. Aui Ihren Antrag will Ich St- °°n der Stellung al, Reichskanzler, iowie als Präsident Meines Staatimtnistertum« und -IS Minister der auSwS.tigen «nge-g-nb-Iten unter Se. willigung der g-i-HIichcn Pension ht-rdurchin Gnaden entbinden. Zu Ihrem N-chsalg-r hab- Ich d-n Sia.tSmintster und Staais- fikrelär des Auswärtigen Amtes Grasen m Bülow ernannt.
Homburg d. He t^,O«°b°r
gez. Wilhelm. 1. k.
ggez. Gras von Posadowsky.
An den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinzen zu Ratibor und Corvey
2 Nachdem Ich den Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst seinem'Anträge gemäß von der Stellung als Reichskanzler entbunden habe, will Ich auf G.und der Bestimmung der Verfass«,«.


