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24.7.1900 Zweites Blatt
 
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Rr. 170 Zweites Blatt

Dienstag den 24. Juli

ießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigablntt ffi» den Kreis Gieren

0.20. -

eine

lieber die deutsche« Maßnahmen

dem

station S tary-Suru ts chaitu von den Chinesen

haften Angriff, der jedoch zurückgeschlagen wurde.

schen Truppen, die südlich von Mukden stehen, vernimmt man nur wenig, weil die Telegraphenverbindung in der Mandschurei unterbrochen ist. Die Chinesen hatten v e r-

(Ussurimündung) räumen mußten. Die geflüchteten Inge­nieure und Arbeiter treffen allmählich in Transbaikalien ein. Ingenieur Ryshow, der 600 Mann dorthin zu sühren hatte, und nach Dono an der Hauptstrecke der sibirischen

Kampf währte lange, die Chinesen vermochten indes der Tapferkeit der russischen Truppen nicht standzuhaiten, und zogen sich schließlich in wilder Flucht nach Süden

Ä*d*e, Expedition und Druckerei: Dr. 7.

Nach einem Telegramm aus Petersburg hat der neu ernannte Kommandeur des Stillen Ozean-Geschwaders, Ad-

»mi Snzeige« zu der »achmMagS für ixe «scheinenden Nummer bi» norm. 10 Uhr. LbbefteLungku spärestenS vorher.

verhalten sich ruhig und benehmen sich gut gegen die Russen. Auf der russischen Seite ist die gesamte Kosaken-Bevölkerung mobil. Cs sind Verstärkungen aus PetropawlowSk und Babikow in Blagowi'eschtschensk eingetroffen. In letzterer Stadt ist seit dem 19. wieder alles ruhig. Von den russi-

verwüstet worden ist; die sechs Stationsgebäude sind größtenteils verbrannt und geplündert. Die Mongolen

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miral Skrydlow den Befehl erhalten, wenn sich bis zu seinem Eintreffen in China die Dinge nicht geklärt haben sollten, nötigenfalls sämtliche Küstenstädte Chinas zu bombardieren. Die russische Regierung ist fest ent­schlossen, sobald sich bewahrheitet, daß die Mitglieder

wieschtschensk ist ferner die Nachricht eingetroffen, daß die Chinesen ihre Stellungen längs dem Amur bis Khabarowsk

sucht, Niutschwang, wo die Russen sich festgesetzt haben, in Brand zu stecken; sie unternahmen einen leb-

Gratisbeilage»: Gießener Familienblätter, Der hexische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde.

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jätet MM ijf. an die Exp.

Die russischen Truppen am Amur verrichten rasche Arbeit. Die am 15. beabsichtigte, durch die Beschießung von Blagowieschtschensk unterbrochene Säuberung des rechten chinesischen Stromusers bis Aigun ist nun eine vollendete Thalsache, und Aigun selbst befindet sich seit dem 18. in den Händen der Russen, die damit eine wichtige, den Amur beherrschende Stellung gewonnen haben. Es war eine schwierige Aufgabe. Die Russen er­öffneten am genannten Tage ein lebhaftes Feuer. Der

Alle Anzeigen-BermlttlungSstellen deS In- und Au»l«m»«k nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeft». Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

war. Immerhin hält man den Beschluß, heute (Montag) für die ermordeten Engländer einen feierlichen Trauer­gottesdienst abzuhallen, für übereilt, und die Regierung weist in einem Eommuniquee an die Presse darauf hin, daß der Gedanke nicht von ihr ausgegangen sei. Die meisten Botschaften haben ihre Teilnahme an der Trauer­feier zugesagt, darunter auch die Deutschen.

Ein Telegramm aus London besagt, daß die B e s o r g - ' nisse wegen der möglichen Konsequenzen von Lihung- tschangs Abreise aus dem Süden nicht unbegründet waren, beweist die Thatsache, daß, sobald er den Rücken gedreht hat, die Seeräubergefahr in Hongkon g eine Verschärfung erfahren hat. Am Dienstag überfiel eine Bande von 20 Flußpiraten mitten im tgafen von, . _ , , - . .

Hongkong ein Fährboot, bedrohte die Besatzung mit dem | «^tyn gebracht hat,^berichtet,daß die russische Grenz- Tode, nahm einem reichen chinesischen Kaufmann 4000 Dollars und anderen Passagieren geringere Summen ab und kaperte gleich darauf noch zwei'Dschunken.

Die Verbündeten in Tientsin haben angeb­lich einen Teil der Schätze des Generals Rieh unb des Vieekönigs erbeutet im Werte von 4 Millionen Mark. Das Chinefenviertel hat Nach der Eroberung einen grauenerregenden Anblick dargeboten; ein Teil steht noch in Flamyien, der Wind trägt einen unerträglichen Pest- Hauch verwesender und verkohlender Leichen nach den Fremdenniederlassungetr hinüber.

Am Golf von Petschili und in Tientsin ist die Lage nach wie vor befriedigend. Wie aus Petersburg vo 21. gemmeldet wird, soll nach Ankunft des Generals Liniewitsch in Tientsin, der den Oberbefehl über die dortigen russischen Truppen erhalten hat, die Frage über den weitern Vormarsch auf Peking entschieden wer­den. 8000 Mann japanischer Truppen sind am 16. aus Taku in Tientsin angekommen; 2100 Japaner nahmenin Tschifu, 1800iniSchanhaikwan Stellung. Ein Teil der japanischen Truppen wurde auf der von Russen und Japanern von Taku nach Tientsin neu errich­teten Bahn befördert: der regelmäßige Verkehr auf dieser

Beginn der 81A Uhr.

Die Chinesen werden in England an Land gesetzt.

In der Armee-Konservenfabrik zu Hasel- horst bei Spandau sind bisher fiir die chinesischen Truppen ca. 50 000 Versandtkisten hergestellt, und zum Weitertransport verladen worden. Da Arbeitskräfte in hinreichender Zahl nicht zu erlangen waren, sind aushilfs­weise Mannschaften von mehreren Regimentern zur Küsten- Fabrikation kommandiert worden. Der Spandauer Bahn­hof ist durch die Transporte au Kriegsmaterial vollkommen in Anspruch genommen. In den Spandauer Militärwerk­stätten werden binnen kurzem Betriebs-Erweiterungen ein­treten. Ein F e l d g o t tes die n st für das ostasiatische Expebitionskorps..fand am Sonntagvormittag in sämtlicl)en augenblicklichen Standorten der einzelnen Truppen-Ver- bände statt.

Wie aus Mailand gemeldet wird, traf am Abend der deutsche Sonderzug, bestehend aus 9 Wagen mit Kriegs­material und der Begleitmannschaft von 120 Mann und 20 Offizieren ein. Nach kurzem Aufenthalt wurde die Reise nach Genua fortgesetzt.

Das italienische PanzerschiffCarlo Alberto" wurde nach China beordert.

Das Borgehen der Russen.

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Bezugspreis

Vierteljahr!. Mk. 2,« monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnr durch die Abholestellcr vierteljährl. Mk. l.Stz monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Bahn sollte am 20. Juli eröffnet werden. Der Fluß Peiho ist unterhalb Tientsins für die Schiffahrt frei, die Ver­wundeten wurden auf Barken nach Taku befördert. In Tschifu wurden Aufrufe des Prinzen Tuan aufgefangen, vorläufig ist aber alles ruhig geblieben, da dort japanische Truppen stehen. Aus Yokohama wird demDaily Te­legraph" unterm 19. Juli gedrahtet, daß Japan jetzt weitere Division nach China einschiffe.

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emgen, Miutc.

Die Wirren in China.

Von den verschiedensten Seiten kommt jetzt die Be­stätigung der Nachricht, daß die Gesandten in Peking am 18. ds. Mts. noch gelebt hätten. So erhielt der belgische Minister deS Aeußern unter dem 21. folgendes, um 5 Uhr 25 Min. nachmittags nach chinesischer Zeit be­fördertes Telegramm: Eine Depesche des Gouverneurs von Schantung versichert, daß die Gesandten in Peking am 20. ds. wohlbehalten gewesen seien und sich unter dem Schutze der chinesischen Behörden befunden hätten. Und der chinesische Gesandte in Paris hat dem französischen Minister des Auswärtigen einen kaiserlichen Erlaß vom 18. ds. (am 21. vom Vicekönig von Nanking übermittelt) mitgeteilt. In diesem Erlaß heißt es:Seit einem Monat werden alle ftemden Gesandten, mit Ausnahme des vom aufständischen Pöbel ermordeten deutschen Gesandten, dessen Mördern wir ernsthaft nachsorschen lassen, um sie zu bestrafen, von dem Hose sorgsam beschützt. Sie sind glücklicherweise wohl. Ferner wird aus Brüssel depeschiert, daß König Leopold den chinesischen Ge­sandten empfangen und von ihm die Versicherung empfangen habe, daß an der Ermordung der Gesandten, wie der Kaiserin und des Kaisers kein wahres Wort sei. Infolge der Mitteilung Li-Hung-Tschangs sei ein baldiges Ende der Wirren als sicher zu betrachten. Wie aus New York gemeldet wird, theilte ein in Washington lebender Arzt dem Staatsamt mit, er habe eine Kabelnachricht er­halten, wonach der amerikanische Gesandte Conger mit seiner Familie in einem unterirdschen Gewölbe zwischen dem Kaiserpalais und der englischer. Botschaft in Sicherheit ge- wesen sei. Ferner wird aus London berichtet: Der hiesige chinesische Gesandte soll dem Washingtoner chinesischen Vertreter eine aus Peking, 18. Juli, datierte Depesche über­mittelt haben, wonach es der chinesischen Regierung gelungen sei, des bewaffneten Pöbels Herr zu werden. Man glaube, den fremden Gesandten ausreichenden Schutz angedeihen zu lassen, sodaß sie im stände sein würden, sich für unbegrenzte Zeit zu halten. Endlich meldet das österreichische K-iegs- schiffZenta", der Gouverneur Dan habe aus Tschifu tele­graphiert, daß die Gesandten in Peking am 9. d. M. sich noch in einem bombensicheren Lokal befunden hätten. General Rieh habe Selbstmord begangen und Prinz Tuan habe den Thron an sich gerissen.

Leider sind das alles keine Bestätigungen, sondern lediglich andere Formen der auf dem angeblichen Telegramm CongerS fußenden Behauptung des Gouverneurs von Schantung. DieserBeamte leugnet jetzt, jemals die Nach­richt über die Ermordung Der Fremden in die Welt gesetzt zu haben. So telegraphiert der deutsche Konsul in Tschifu, der beauftragt war, bei dem Gouverneur von Schantung wegen der angeblich von diesem gemeldeten Erstürmung der i Gesandtschaften in Peking Erkundigungen einzuziehen, unter dem 20. ds. Mts.: Der Gouverneur von Schantung er­klärt mit Entschiedenheit, über Erstürmung der Gesandt- schaften und Ermordung der Fremden in Peking keinerlei Nachrichten gegeben zu haben, und teilt ferner sämtlichen Konsuln in Tschifu mit, er habe am 20. ds., 10 Uhr abenD«, mit fliegendem Boten durch das Tfungli-Yamen ein

Jet r$ul1 datiertes, in ausländischer Sprache abge- faßtes Telegramm des amerikanischen Gesandten in Washing-

te? es sogleich weitertelegraphiert. Die Nach- I der Ermordung des Gesandten hat Reuter am I übermittelt und Yuanschikai als Quelle ^"r angegeben; andere zuverlässig- Berichterstatter erklärten, daß Scheng die Meldung bestätige. Jetzt leugnen beide, sie gegeben zu haben. Die Wirkung dieser Dovvel- züngigkeit ist selbstverständlich die, daß man nach Maß­gabe des bekannten Volkswortes: .,w?r einmal lügt dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht" nun überhaupt nichts mehr glaubt, was aus chinesischen Quellen fließt. So hat auch der französische Minister des Aeußeren das chine­sische Vermittelungsgesuch kurzer Hand abge­wiesen, und darauf, wie der Ausweis über die Verhand- I Zungen des letzten französischen Ministerrats mitteilt, dem I Kaiser Kuangsy zur Antwort gegeben, daß diese Frage nicht I eher zweckmäßig erörtert werden könnte, bevor man nicht I über folgende Punkte Gewißheit hätte: 1. daß dem Ge­sandten Pichon und seinen diplomatischen Kollegen wirksamer I Schutz und vollste Freiheit in ihrem Verkehr mit ihren I

^gesichert werde; 2. daß der Prinz von Tuan I iino die hohen Beamten, die für die gegenwärtigen Ereig- I «»ffe verantwortlich waren, aus der Regierung entfernt |

zurück, worauf die Russen die Stadt besetzten. Die Ver­luste auf russischer Seite waren unbedeutend. In Blago-

roirb zunächst aus Bremen gemelbet; In bem auf bent hiesigen Weser - Bahnhof vom Reichs-Marineamt ein­gerichteten Sammelmagazin herrscht eine außerorbentlich rege Thätigkeit. Die Zufuhr ber von auswärts hierher ge­sandten Proviantmengen usw. steigert sich von Tag zu Tag. Sämtliche Proviant- und Bekleidungsämter sind an den Lieferungen beteiligt. Es werden insgesamt etwa 900 Tonnen Hafer, 900 Tonnen Gerste, 600 Tonnen Mehl und 750 Zentner Heu zur Verschiffung gelangen. Auf den deutsch e n Schi ff e n, bie &uin Transport ber für' China bestimmten Truppen bienen sollen, sinb teilweise chine­sische Arbeiter beschäftigt. Diese werben auf höheren Wunsch zu ber Reise nach Ostasien nickst verwenbet werben.

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würden, und daß ihre Bestrafung unverzüglich zu erfolgen habe; 3. daß die Behörden und die Truppen in dem ganzen Reiche den Befehl erhielten, die Feindseligkeiten gegen die Fremden einzustellen; 4. daß Maßnahmen getroffen würden zur strengsten Unterdrückung der aufständischen Bewegung der Boxer. So lange diese unerläßlichen Garantieen nicht gegeben worden seien, könne nur vou einer militärischen Aktion die Rede sein. Der Minister DelcassS teilte ferner mit, daß die Mächte auf seinen Vorschlag, sich über die Verhinderung der Waffeneinfuhr in China zu äußern, sämtlich eine günstige Antwort erteilt haben. Ein Beamter des französischen Ministeriums des Aeußeren erklärte einem Mitarbeiter des ..Soir", er halte das angeb­liche Vermittelungsansuchen des Kaisers von China für einen Versuch, das Einverständnis der Mächte zu stören, und um diesen Plan zu vereiteln, habe Minister Delcassö die Depesche unverzüglich veröffentlich^.

Damit wäre dieser sogen. Vermittelungsversuch ab- gethan, und als Merkwürdigkeit dabei bleibt nur festzu­halten, daß er von dem Kaiser Kuangsu selbst aus­gehen soll, den die Tartarennachrichjen schpn längst auf alle möglichen Todesarten ins Jenseits befördert hatten. Er scheint aber in ber Thctt noch am Leben zu fein, benst er hat sich noch int Anfang bi esc s Monats in einer njoch weit seltsameren Kunbgebung an ben Kaiser von Japan gewanbt. Der japanische Kaiser Mutsohito hat ben Brief Kuangsüs und seine Antwort darauf, ebenso loyal wie Minister Deleassee Pas Vermittelungsgesuch, als­bald der Oeffentlichkeit übergeben. Nach einer Reuter- Meldung aus Yokohama vom 20. ist bas Schreiben Kuang­süs vom 3. Juli datiert. Der Kaiser von China bespricht darin die letzten Ereignisse unb weist darauf hin, daß ber Osten unb der Westen einander pegenüberständcn. China sei nicht allein Gegenstand ber ehrgeizigen Bestrebungen« ber Mächte, wenn es China nicht gelingen würde, feine Integrität zu wahren, dann würde auch Japan sich wahr­scheinlich bedroht sehen. Deshalb müsse China sich auf die Unterstützung Japans verlassen. Der Kaiser von Japan betont in seiner Antwort, es sei vor allem not­wendig, daß China den Aufstand unterdrücke, die fremden Vertreter rette unb so ein Unglück verhinbere. Wenn das geschehe, so würben bie Mächte baraus erkennen, baß China wünsche, ben Krieg zu permeiben, und dann würde Japan bereit sein, bei ben Verhandlungen seinen Einfluß zur Wahrung der Interessen Chinas auszu- bieten.

Die Antwort des Kaisers von Japan besteht also nur aus nützlichen Ratsch>lägen, aber nicht unbedingt ablehnend, scheint also nicht unbedenklich

Londoner amtliche Kreise stehen der Conger'schen De­pesche durchaus skeptisch gegenüber. Als eigentliche Fäl­schung wird sie nicht betrachtet, ebensowenig aber gilt sie als Beweis dafür, daß '(Songer am 18. Juli noch am Leben

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Äbreffe für Depeschen: Anjeiger Htrtz«» Fernsprecher Nr. 51.

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