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24.6.1900 Viertes Blatt
 
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m. 145

Sonntag den 24. Ami

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der

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üb Jalkrvikw beim jopumfdjtn «tfonMra in Strlia. ?

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Uparst^

Alle Lnzrigen-BermittlungSstellm btf I«- snb «uÜaAel nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgtge*. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., «mSwLrlS 90 Pfg.

pebitum «nd Drucker«:

-ch»tstr«tze Mr. 7.

Einem Berliner Journalisten gewährte dieser Tage «»«japanische Gesandte in Berlin eine Unterredung, die

Gratisbeilage«: Gießener FamiUenblätter, Der hessische Landwirt _________Matter für hessische Volkskunde.

beme|ee »« Lnzeig,« zu der nachmittags für bm Ml®*® *N «rf<heinender. Rümmer bis vor». 10 üh». ®*«MMn8fn fpättstenS abends vorher.

Srfcheint tSgNch Mir Ausnahme deS RoniagS.

Die Gießener

derben dem Anzeiger [8kW »ttHess, k-dwtrt" *. glätter he«. VvttSkunde- **L 4 «al beigelrgt.

Adrefse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Der erftculicherweise andauernde

Aöonnentenzuwachs

d«rf als sprechender Beweis dafür gelten, dah

Gießener Anzeiger"

«Ichti tefebuben it. »sMfrt. lüft« «UM ' Vorstand.

len Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen »ersteht.

Er wird auch weiter ebensowenig Kosten als Nühe scheuen, seinen Beruf als

größte Tageszeitung chöerhessens z« erfüllen und jede Gelegenheit ergreifen, die Jn- Lrrchen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahr- Mchmen.

DieGießener Familieublätter" wahr­haft unterhaltend und belehrend zu gestalten, den "Hrsstschen Landwirt" zum zuverlässigen Be­rater zu befähigen, und durch dieBlätter für Hessische Volkskunde" den Sinn für hessische Eigmart zu erhalten, gilt uns daneben als vor- vrhui stes Ziel. Daß mit der runrhmrAdeu Kerkrettmy Ar Girhtuer Avzeigers seine Wirkung als

Inserüonsorgan

i unter nachhaltiger wird, werden die ihn benutzenden , Jnserentenkreise mit Genugthuung erfahren haben.

Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre : Weissung bei der Post bezw. den Zweigstellen tzaldgefl. aufgeben zu wollen. Nkuhmrutretevde tzttßge Kmielltev erhalten vo« Sage der Krsteüaug bis 30. Zasi lui All-eiger bosteustel zugestrüt, wie wir auch gerne Itet sind, Probe-Nummern nach auswärts postfrei ? i» versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden m, wie seither, den Anzeiger weitersenden und tta Abonnements betrag durch Quittung erheben falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

«erlag desGießener Anzeiger" Brüh lösche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben).

Kießmer Anzeiger

Heneral-'Un^iger

2lmt$e uttb IlttjdgeWott für ben Ureis Gieren

tm.

^ühkouzerf; ^vuzert und euervnk.

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Viertes Blatt.

Juni: W sehen

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18t U. 8. W.).

und von 8 bis 9361 Mark.

oniert im grosser Pause statt.

, Mark.

Terrasse gelösten i ;r enden.____

NM. ____________________

W." veröffentlicht.

(Jet . Der Journalist eröffnete die Unterhaltung mit der

.l.oßeai>^FWge. ob wohl die in China vorhandenen InTE"" 'EZieitkräfte der Bewegung gegenüber genügend rfüflimg. ttütn Nach der verneinenden Antwort und einem'

wLLhU. LsiWeis darauf, daß es für die westeuropäischen Staaten K,y|e« «Jia;':! sehr schwierig sein würde, eine so große Macht IN V zu entfalten, daß günstiger gestellte Machte Nicht

v«niucht sein würden, einen überwiegenden Einfluß zu er- 'lßbmen, entgegnete der Staatsmann rasch:

^apan wird stets im Einvernehmen mit den übrigen M»übtLN handeln; wir wollen Vorteile für alle Kultur- MOn en in China erkämpfen, und immer mit den übrigen M»NtLN zusammen, nicht für uns «Nein. Wenn wir darum rLMp.en in China landen sollten die Sendung von Mann ist schon gemeldet, und weitere Sendungen <Ä!Mein folgen, wie auch die Entsendung vmi weiteren bester ^«fichen Kriegsschiffen an die chinesische Küste, so -- das nach vorheriger Verständigung mit den

r geschehen. Ein Stück Land werden wir auch

® Tr b e r n, wenn es an die Aufteilung Chinas

-Äi wir werden aber keine Ansprüche stellen, welche die «betnsi :Äeni Machte nicht gewahren könnten Unsere Stellung lllV um for:ea ist sebr sicher. Japan fühlt sich durch Rußland ' nicht beunruhigt. s^ll^.an<

w /TflljflW 3^ling- unb Korea haben sollte, ist nicht glaubhaft, später tl - aber jetzt hat es so. viel mit der ttan^

J .fflh ttlWittüiÄen Bahn nock> zu thun, daß ich Nicht an die 80 000 ' Si'-jgßaiin Russen im fernen Osten glmwe. Deshalb giebt flT Ai zur keinen Gegensatz zwischen -^opanund

-.i^ßl.rnd; dieser Gegensatz ist nur für die oberflach-

> L3eurteilung, besteht in der That aber nicht.

Eine Abmachung mit England besteht nicht, und was eine eventuelle Gebietsforderung seilens meiner Regier­ung betrifft, kann jetzt noch nid# gesagt werden, wo wir uns dieses Gebiet denken.

Wir hören in Deutschland, daß Japan gegenwärtig in einer finanziellen Krise steckt; die großen .Aufwendungen der letzten Jahre haben den Geldmarkt etwas erschöpft. Sollte nicht Es diesem Grunde die japanische Regierung auf ein Vorgeben in größerem Stile verzichten?

Das Geld läuft etwas langsam ein, das gebe ich zu ; aber wenn wir vorläufig auch nicht die Mittel haben möchten, etwaige Erwerbungen sofort gehörig auszubauen, zu kolonisieren, so werden wir doch an die Zukunft denken

An Eisen haben wir in Japan Mangel; wir müssen, sogar Roheisen aus China beziehen. Deshalb wird die Meldung von beabsichtigten japanischen Bahnunternehm- ungen in China wohl auf einem Irrtum beruhen. Wir wollen mit allen Handelsnationen in Beziehung bleiben, auch von etwaigen Erwerbungen niemand ausschließen.

Mit den Boxern wird die chinesische Regierung wohl! im geheimen gemeinsame Sache machen; sie und die Auf­ständischen eint der Fremdenhaß. Doch darf man nicht sp weit gehen, wie es einige Blätter thun, daß nach der Ein­nahme der Forts von Taku es gleich zum Kriege mit China kommen werde. Die Truppen der ftemden Mächte sind lediglich Dolizeitruppen. An die Ermordung des deutschen Gesandten, die Zerstörung der Gesandtschaften glaube ich nicht. Wie sollten die Chinesen in Peking so alle Besonnenheit verloren haben, daß sie das gethan hätten?! Bis jetzt lag ja noch kein Grund vor für ein solches Ueberschäumen der Volkswut, daß die chinesisches Behörden dagegen machtlos gewesen wären; aber jetzt, nach den Vorgängen bei Taku, könnten Ereignisse wie di« gemeldeten schon eintreten. Die Deutlichkeit ist einer Ver­teidigung nicht günstig, und da über 1000 Mann europäi­scher Truppen in Peking stehen, können dieselben sich wohl eine zeitlang halten. Uebrigens, fuhr der Diplomat ganz Unvermittelt fort, meine ich, daß die Unruhen in' China nicht von langer Dauer sein werden. Zehntausend Japaner nach China zu den Truppen dev übrigen Mächte, und der Aufstand ist bald beendet.

Schwurgericht.

Gießen, 23. Juni. Gestern wurde gegen den Land­briefträger Johannes S e m m l e r III. zu Groß-Felda wegen Verbrechens im Amt verhandelt. Der Gerichtshof ist gebildet vom Landgerichtsrat Holzapfel, Vorsitzen­der, und den Landgerichtsräten Dr. Dornseiff und Seeger, Beisitzer. Die Anklagebehörde wird durch Ge-, richtsassessor Pfeiffer vertreten. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Geh. Justizrat Batst. Als Geschworene werden ausgelost 1) Kaufmann Friedrich Heimer -Meßen, 2) Kaufmann Philipp Frey-Lang-Göns, 3) Landwirt Hein­rich Winter-Glauberg, 4) Professor Dr. Friedrich Eichbaum- Gießen, 5) Landwirt Georg.bs-Gettenau, 6) Landwirt Conrad Blei II. - Burkhardsfelden, 7) Kanrmerrat Louis Dern-Assenheim, 8) Landwirt Philipp Mengel-Großkarben, 9) Drechsler Jakob Neidel-Wieseck, 10) Professor Dr. Karl Fromme-Gießen, 11) Landwirt Heinrich Riehm II. - Lollar, 12) Privatier Conrad Jakob Rupp-Dortelweil.

Zu dieser auf zwei Tage anberaumten Verhandlung sind 43 Zeugen geladen. Semmler wird beschuldigt, tn den Jahren 1898, 1899 und im Januar 1900 in einer Reihe selbständiger Handlungen als Beamter Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen, unterschlagen zu haben und die zur Eintragung oder Kontrolle der Ein­oder Ausgaben bestimmten Register oder Bücher unrichtig geführt, gefälscht oder unrichtige Beläge zu denselben er­bracht zu haben, und durch ein und dieselbe Handlung als Postbeamter Briefe in anderer als in den vom Gesetz vorgesehenen Fällen eröffnet oder unterdrückt zu haben. Ein weiterer Anklagepunkt bezieht sich darauf, daß Semm- ler eine Urkunde, die ihm amtlich zugänglich war, vor­sätzlich beiseite geschafft habe. Zum Schluß sind noch drei Fälle wegen Betruges, darunter einer in amtlicher Eigen­schaft begangen, unter Anklage gestellt. Semmler er­klärt, er sei bisher unbestraft, 1868 zu Groß-Felda als Sohn eines Polizeidieners geboren, habe das Korbmacher- Handwerk erlernt, habe drei Jahre in Metz als Soldat gedient, sei verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er besitze ein Haus und etwas Acker. Nach seiner Militär­zeit sei er zur Post als Hilfsbriefträger gegangen und habe pro! Tag 1.80 Mark verdient. Seit einigen Jahren sei er als Landbriefträger mit 63 Mark Monatsgehalt beim Postamt Groß-Felda für den Bestellbezirk Köstrich-Stum- pertenrod-Windhausen fest angestellt. Er sei täglich etwa 10 eine halbe Stunde beschäftigt gewesen und mit dem Gehalt gut ausgekommen, wenn er auch unterwegs auf seinen Botengängen für Beköstigung Ausgaben ge­habt habe. Der Angeklagte erklärt, er wolle die Straf- thaten, die er verübt, eingestehen, wie er dies bereits in der Voruntersuchung gethan. Er gestehe zu, daß er

in Geldsachen dienstlich sehr nachlässig verfahren fei. Anfang 1898 habe ihm ein Geldbetrag von etwa 100 Mk. gefehlt; um diesen zu decken, habe er die ersten unred-, lichen Handlungen begangen. Wieviel einzelne Unter­schlagungen er seit der Zeit verübt, könne er nicht an* beben, doch gestehe er die in der Anklage angeführte^ einzelnen 15 Fälle zu. Der Angeklagte erzählt nun, wie er Postanweisungen, die er auszuzahlen gehabt, erst ver­spätet an die Adressaten abgeliefert, und wie er umpe-i kehrt Posteinzahlungen auf seinen Bestellgängen zuruck­gehalten habe, um mit diesen Beträaen die Auszahlungen vorzunehmen. Die Quittungen für die Auszahlungen, die seitens der Empfänger für empfangene Postauszahlungen zu geben waren, sind vom Angeklagten selbst geschrieben. Semmler hat so stets mit den später unterschlagenen Be­trägen früher hinterzogene Summen gedeckt. Er hat, unt die Manipulationen dem Postamt gegenüber zu verdecken, die Kontrollbücher, in denen er die Ablieferung zu be­scheinigen hatte, unrichtig geführt. Der Angeklagte ge­steht auch zu, erhaltene Porto- und Geldbeträge für ver­kaufte Postwertzeichen in feinem Nutzen verwendet zu haben. Doch habe er stets am Samstag mit dem Vorsteher des Postamtes in Groß-Felda diese Eingänge ausgerech­net und das Ergebnis dann sofort glatt berichtigt. 5m1 Januar hatte der Angeklagte eine Postanweisung im Be­trage von 600 Mark auszuzahlen, die er jedoch unterschlug. Nach einigen Ta^en fand Semmler im Briefkasten einen Brief vom Empfänger der unterschlagenen Summe an den Absender derselben gerichtet; statt nun diesen Brief zur Weiterbeförderung abzugeben, ließ er denselben bis zum andern Tage im Briefkasten liegen, unterschlug einen Geld­brief, entnahm den Inhalt und zahlte die früher sich zu- geeigneten 600 Mark ans. Der Empfänger des Betrages teilte bei dieser Gelegenheit dem Semmler mit, daß er auf das Geld gewartet hat und bereits wegen desselben den Absender gemahnt hat. Der Angeklagte erklärte, weil das! Schloß des Briefkastens nicht schlösse, in den der Mahnbrief vorher geworfen wäre, habe er die Post nicht entleert. Der Schreiber des Briefes war froh, daß ihm Semmler den­selben, der ja Idurchkven Empfang, Les Betrages gegenstands­los geworden war, wieder zurückgeben konnte. In dieser Handlung erblickt die Staatsbehörde Vergehen der wider­rechtlichen Unterdrückung eines Briefes, die als Einzelfall unter .Anklage steht. Dem Postamt in Groß-Felda waren einzelne Unregelmäßigkeiten, besonders geänderte Daten im Geld-Annahmebuch der Postagentur Stumperten­rod auffällig geworden. Man stellte Semmler darüber zur Rede; dieser schob die Schuld auf den Agentur-In­haber. Das Postamt Groß-Felda rügte in einem Brief an diese Agentur die Unregelmäßigkeiten als unzulässig. Dieser Bmef wurde verschlossen dem Angeklagten zur Aus­händigung mitgegeben. Er gesteht zu, den Brief geöffnet und gelesen zu haben und ihn offen an den Agentur- Inhaber ausgeliefert zu haben, der dabei nichts gefunden und ihn, nachdem er ihn gelesen, achtlos auf den Tisch gelegt hat.

Auch dieser Fall der widerrechtlichen Brieföfsnung steht als gesonderter Punkt unter Anklage. Dieses Schrecheni will nun der Postagentur-Jnhaber von Stumpertenrod in einem dem Angeklagten zugänglichen Schrank aufbewahrt haben, aus dem es verschwunden ist. Die Anklage behaup­tet, Semmler habe sich diese Urkunde aus dem Schrank angeeignet; er bestreitet dies aber mit aller Entschiedene heit und bemerkt, er könne gar nicht einsehen, welchen Sinn es gehabt oder welchen Vorteil er gehabt haben würde, wenn er den betreffenden Brief an sich gebracht hätte. Ebenso entschieden bestreitet der Angeklagte, die ihm weiter zur Last gelegten drei selbständigen Betrugst fälle begangen zu haben, bei denen es sich um Beträge von 3, 5 und 15 Mark handelt. Angesichts der Geständ­nisse des Angeklagten verzichtet der Vertreter der Staats­behörde auf die Vernehmung von 33 der erschienenen Zeu­gen. Der Angeklagte bekundet weiter, wie nun der Stein gegen ihn ins Rollen kam. Der Adressat des von ihm zuletzt unterschlagenen Geldbriefes wartete so dringend auf den Inhalt oesselben. Er hatte für den Absender des Geldes Getreide angekauft und brauchte den Betrag, um die Lieferanten des Getreides zu befriedigen. Semmler hatte den Geldbrief drei Tage vorher zur Ablieferung er­halten und erfuhr in Köstrich, daß der Adressat nach Groß- Felda 'äufs Amt gegangen sei, um zu hören, ob kein Geld angekommen sei. Der Angeklagte merkte Unrat; er borgte; eiligst vom Lehrer und Darlehnskassen^echner in Groß- Feloa den Bettag von 600 Mark und trug den geöffneten Geldbrief dem rechtmäßigen Empfänger zu, den er noch in Groß-Aelda traf. Er bat diesen, auf das Amt zu gehem und zu erklären, er habe den Brief mit Inhalt inzwischen uneröffnet vom Briefträger erhalten. Jener war aber bereits muf dem Postamt gewesen und hatte dort nach dem Gelde Nachftage gehalten. Man erklärte ihm, dcch er vor drei Tagen ja den erwarteten Geldbetrag in einem Briese erhalten hätte, und es hatte sich herausHestellt, daß die Unterschrift der in Händen der Post befindlichen

M,,«zsprets vierleljährl. Mk. 2M monatlich 76 Pfz. mit Oringerlohri; durch die ttb^rlldke »ktteljährl. Mk. 1A4 monatlich 65 Pfg.

Bei Paslbtzug Mk. 2,40 BÜrtdiAfcfl mit «tfielgeto.