versehenen Thronsessel in antiker Form, und da gegenüber eine kleine Polisanderholzwiege mit Bronzeadlern und grüner Sammetdecke — einst hat ein zartes, blondlockiges Kind darin geschlummert, nut dessen Geburt die kühnsten Hoffnungen verknüpft waren: es ist die Wiege des Königs von Rom, des späteren Herzogs von Reichstadt, der, halb verschollen, plötzlich auf der Bühne und im Roman zu neuem Leben erweckt ward und dem nun Pläne und Ge^ danken angedichtet werden, die im Gegensatz stehen zu seiner eingeschüchterten, bescheidenen Persönlichkeit.
Weiter wandernd, gelangen wir zu den Bronzen, und ein Meer von Schönheit und Grazie thut sich damit vor uns' auf. Alle Amoretten und Nymphen scheinen losgelassen zu fein und sich hier vereinigt zu haben, aber so groß auch die Fülle der entblößten Figuren ist, so kühn oft die Stell- ungen und Formen gewählt sind, nirgends trifft das Auge auf häßliches und verletzendes — die wahre Kunst weiß auch das gewagteste zu adeln. Neben der Renaissance macht sich die Antike wieder geltend in Gestaltung der Vasen, Leuchter, Säulen 2C., in häufiger Verbindung sieht man Bronze mit Marmor, sowie mit Gold, Silber und anderen Edelmetallen. Als Bildhauerin lernen wir hier Sarah Bernhardt kennen, die einen Schrank gefüllt hat mit in Bronze ausgeführten Meerungetümen, mit barocken Schüsseln und Schalen und zwei recht guten Büsten, von benen die eine sie im Studium einer Rolle darstellt.
Nun blitzt und gleißt und glänzt es vor uns auf — wir sind zu den Goldschmieden gelangt. Auch hier, welcher Luxus, welcher Prunk, der das, was wir bisher gesehen, noch übertrifft. Aber es ist keine unangenehme, keine verletzende Pracht, trotz der vielen goldenen und silbernen Waschgeräte, der vollständigen Tafelaufbauten, der Thee- geschirre, der Schalen und Schüsseln, Teller und Vasen» aus schwerstem Silber, bezügl. auch Gold mit reicher figürlicher Zier. Etwas ganz apartes sucht man freilich vergeblich, wohl trifft man verstreut auf sehr hübsche moderns Sachen, so auf graziöse Silbergeräte in farbigen Abtönungen, aber im allgemeinen wandelt die französische Goldschmiedekunst altgewohnte Bahnen, wie man ans dem in Schränken enthaltenen „Jahrhundert-Museum" erfährt, mit kostbaren Stücken aus fürstlichem, staatlichem und privatem Besitz, darunter prächtige Tafelaufsätze, Kaffee-Service, Bestecke, die einst die Tische in den Tuilerien während der Regierung des dritten Napoleon geschmückt. Be-- sonderes Interesse erweckt eine aus Christoffle-Silber bestehende, etwa einen Meter hohe und drei Meter langes große Gruppe von Göttinnen mit Kriegs- und Friedenswagen, beschirmt von dem auf einer Weltkugel thronenden französischen Genius — „gefunden im Schutte des! Schlosses von St. Cloud", steht darunter. Sic transitj gloria mundi!
Anfangs der Plauderei hatte ich erwähnt, welchen bedeutenden Kaufmarkt das französische Kunstgewerbe besitzt, in dieser Gruppe nun erhält man einen kleinen Beweis! davon: über einem mäßig großen Glasschranke liest man: „Sammlung eines Liebhabers der modernen französischen Kunst"', und in den Gestellen findet man die mannigfachsten Gegenstände, meist mäßigen Umfangs, in Gold, Silber, Bronze, Elfenbein, Marmor, Holz, Email, edlen Steinen, und zwar Figuren, Geräte, Vasen, Dosen, Schüsseln, Kannen, Ringe, aber auch Messer, Gabeln, Notizbück)er (in Gold), Zigarettenbehälter (in Silber), Kruzifixe ?c. — jedes äst ein Kunstwerk, manches auf die Anregung des
Sammlers entstanden, bei dem nicht der Gegenstand an sich entschied, sondern die Schönheit desselben.
Und wie wird uns erst dieser Kaufmarkt vor Augen geführt, wenn wir in die benachbarte Abteilung der Dia- tnanten, der Edelsteine, der Schmucksack)en gelangen — das funkelt und flimmert und schillert tausendfach um uns herum wie in einem Feenreiche, und die Augen wissen nicht, was sie zuerst bewundern sollen. Bewundern und wundern sind hier eins, wundern, daß der Reichtum in derartiger, geradezu unerhörter Fülle vertreten ist, wo das alte Wort Wahrheit gewinnt: „wer's nicht gesehen, glaubt's nicht!" Da ist beispielsweise der am meisten umlagerte Pavillon eines der ersten Bijoutiers (Boncheron), der Wertsachen für fünf Millionen Franks birgt; und der Wert machts ja nicht allein, sondern die meisterhafte Ausführung in eigenartigster und gefälligster Stilisierung, die Seltenheit der Steine (neben großen gelben Diamanten ein kostbar gefaßter blauer Diamant von 22 einhalb Karat), ihre kunstfertige Behandlung — und in letzter Beziehung erregen das höchste Aufsehen die gravierten Diamanten, schöne Steine, die in Vertiefung die zierlichsten Köpfchen von allerhand Göttinnen und ähnlichen reizvollen Damen auf- jveisen. Als einer unserer geschätztesten Berliner Goldschmiede, der in der deutschen Abteilung Schmucksachen von „nur" 100 000 Franks ausgestellt, diesen Pavillon sah äußerte er: „Am liebsten möchte ich mleinen ganzen Kram wieder einpacken und nach Hause fahren."
Dabei dürfen unsere Juweliere durchaus nicht den Wettkampf mit den französischen scheuen, der Unterschied' besteht nur darin, daß das, was bei den Deutschen als Ausnahme, als große Kostbarkeit gilt, hier in Paris gleich in umfassendster Auswahl vorliegt, als ob die Millionäre stets schockweise umherliefen. In Berlin versteht man ja auch, zu leben und das Geld spielt häufig keine Rolle, aber — mit Respekt zu sagen — brillantenbesetzte Strumpfbänder für 12 000 Franks und von Juwelen übersäete Fächer für 30 000 Franks sind für den Berliner Ben Akiba doch wohl etwas neues, der Pariser dagegen lächelt blos verschmitzt und flüstert verständnisvoll: „Alles schon dagewesen!" —
Aber selbst für diesen an Vieles gewöhnten Pariser Weisen ist doch neu der in einem Glaskasten (der nachts in einen unterirdischen stählernen Behälter gelassen wird) aufbewahrte Jubilee-Diamant, der, im Besitz des Diaman- ten-Syndikats von Jagersfontein, als der größte Diamant der Welt gilt — er wiegt 239 Karat und sein Wert wird auf 7 Millionen Franks geschätzt. Dafür wird sich selbst in Paris nicht so leicht ein Käufer finden — ja, wenn etwa Mr. Vanderbilt König wäre und eine Krone tragen dürfte, dann würde sich die Sache schon leichter machen!
Wohl kein kunstgewerblicher Zweig wird so von dem modernen jGeschmacke beeinflußt, wie jener der Goldschmiede- und Juwelierkunst, unter enger Verwendung pflanzlicher Formen und starker Hervorhebung mannigfacher Farbenwirkungen, die man früher direkt als „verrückt" bezeichnet hätte. Das lehrt ein Vergleich mit der auch in dieser Gruppe enthaltenen rücksck>auenden Ausstellung von Schmucksachen — man denke nur an die ungefügen Brachen, die goldenen Ohrbommeln unserer Großmütter? Und wer weiß, wie in siebzig, achtzig Jahren, das Urteil über die heutigen von uns freudig angestaunten Zierrate lautet?
Haben wir in diesen unteren Räumen viel Zeit nicht
etwa versäumt (denn wer nur über etwas längeren Urlaub verfügt, der richtet seine Schritte häufiger hierher und ec wird stets Neues entdecken), sondern zugebrackit, so fönnei* wir die Wanderung durch die oberen Galerien destoniLlw beschleunigen, denn sie enthalten Gruppen, für bie füfa nur bestimmte Besucher näher interessieren: Uhrmächerei Necessaire- und Reiseartikel, Papeterie, Lederwaren, schließlich, wie schon erwähnt, noch Wohnungseinrichtungen und Gobelins. In den ersteren Gruppen fesseln die geschäht lichen Ausstellungen von Spezial-Sammlern, die beson ders zahlreich auf dem Uhren-Gebiet sind, darunter Samm lungen von hundert und mehr Stück, mit den Uhren Heinrichs III., aus dem Jahre 1580 stammend, Ludwigs XVI und Marats, des von Charlotte Corday ermordeten Re volutionsmannes; des letzteren silberne Taschenuhr, die man in feiner Badezelle fand, trägt die Aufschrift: „Nur dem Gesetz gehorchen, nur das Vaterland lieben!" —
Auf welche Sachen Sammler verfallen, zeigt die merb würdigste aller Bibliotheken, die in der Papierausstellung ihren Platz, nein, ihr Plätzchen gefunden, denn obgleich sie tausend Bändchen umfaßt, ist sie in einem Schrank untergebracht, der kaum einen Meter im Geviert hat — besteht sie doch nur aus Miniatur-Büchlein, deren winzigste etwas über einen Zentimeter (vier von ihnen bedecken tzerade eine Briefmarke), deren größte fünf Zentimeter hoch sind. Die ältesten dieser Merkchen, unter denen eine Zahl deutscher sind, stammen aus hem Anfang des 17. Jahrhunderts, viele enthalten trefflichen Bilderschmuck.
Den Schluß Öer oberen Galerien macht die umfangreiche Ausstellung der National-Gobelin-Manufaktur, und in' dtzr That ist's ein würdiger Schluß — nach all dem Blendenden und Verwirrenden vorher können sich in den Sälen die Augen ausruhen an diesen herrlichen Wanddekorationen, die meist Nachbildungen älterer Werke sind, vom Mittelalter an bis zum Beginn der Revolution, an voller, harmonischer Wirkung den farbenfrohesten Gemälden gleichkommend. Zu den schönsten Stücken zählt jene*, welches uns Marie Antoinette mit ihren drei ältesten Kindern im vollsten Mutterglück zeigt — es ist eine Wieder gäbe des bekannten zeitgenössischen Gemäldes der Madame Lebrun im Versailler Museum und ward vom Präsidenten Faure als Geschenk für die Kaiserin von Rußland bestelle
Hinaus wieder ins Freie — diesmal aber nicht in die menschengefüllte Jnvaliden-Esplanade, sondern in die sich, an der Rückseite der eben durchwanderten Palastteide hinziehende Allee, in der man zwei Bretonische und Ar lesische Dörfchen erbaut hat, mit kleinen Kapellen, Giebe Häuschen, Denksäulen, von Madonnenbildern beschirmten Ziehbrunnen und traulichen Schänken, in denen zum Klang der Fiedel und Trompete kühler Wein, schäumender Cidei, goldglänzendes Bier von schmucken Dirnen in ihren festlichen heimatlichen Trachten kredenzt wird. Unter breit* schattigen Bäumen, in denen Vögelscharen lustig konzertieren, nimmt man Platz — ach, wie thut die Ruhe wohl, wie mundet der frische Trunk, wie freut man sich, daß man dem Menschengewim?mel entronnen, denn diese allerliebsten provinzialen Niederlassungen sind wenig bekannt und werden hauptsächlich von den in Paris weilenden Kindern der Bretagne und Provence aufgesucht. Und daß es so idyllische Punkte in dieser gewaltigen Ansstellungö- stadt giebt, das gehört mit zu ihren liebenswürdigstes Vorzügen.
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