Ausgabe 
24.6.1900 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

versehenen Thronsessel in antiker Form, und da gegenüber eine kleine Polisanderholzwiege mit Bronzeadlern und grüner Sammetdecke einst hat ein zartes, blondlockiges Kind darin geschlummert, nut dessen Geburt die kühnsten Hoffnungen verknüpft waren: es ist die Wiege des Königs von Rom, des späteren Herzogs von Reichstadt, der, halb verschollen, plötzlich auf der Bühne und im Roman zu neuem Leben erweckt ward und dem nun Pläne und Ge^ danken angedichtet werden, die im Gegensatz stehen zu seiner eingeschüchterten, bescheidenen Persönlichkeit.

Weiter wandernd, gelangen wir zu den Bronzen, und ein Meer von Schönheit und Grazie thut sich damit vor uns' auf. Alle Amoretten und Nymphen scheinen losgelassen zu fein und sich hier vereinigt zu haben, aber so groß auch die Fülle der entblößten Figuren ist, so kühn oft die Stell- ungen und Formen gewählt sind, nirgends trifft das Auge auf häßliches und verletzendes die wahre Kunst weiß auch das gewagteste zu adeln. Neben der Renaissance macht sich die Antike wieder geltend in Gestaltung der Vasen, Leuch­ter, Säulen 2C., in häufiger Verbindung sieht man Bronze mit Marmor, sowie mit Gold, Silber und anderen Edel­metallen. Als Bildhauerin lernen wir hier Sarah Bern­hardt kennen, die einen Schrank gefüllt hat mit in Bronze ausgeführten Meerungetümen, mit barocken Schüsseln und Schalen und zwei recht guten Büsten, von benen die eine sie im Studium einer Rolle darstellt.

Nun blitzt und gleißt und glänzt es vor uns auf wir sind zu den Goldschmieden gelangt. Auch hier, welcher Luxus, welcher Prunk, der das, was wir bisher gesehen, noch übertrifft. Aber es ist keine unangenehme, keine ver­letzende Pracht, trotz der vielen goldenen und silbernen Waschgeräte, der vollständigen Tafelaufbauten, der Thee- geschirre, der Schalen und Schüsseln, Teller und Vasen» aus schwerstem Silber, bezügl. auch Gold mit reicher figür­licher Zier. Etwas ganz apartes sucht man freilich ver­geblich, wohl trifft man verstreut auf sehr hübsche moderns Sachen, so auf graziöse Silbergeräte in farbigen Abtön­ungen, aber im allgemeinen wandelt die französische Gold­schmiedekunst altgewohnte Bahnen, wie man ans dem in Schränken enthaltenenJahrhundert-Museum" erfährt, mit kostbaren Stücken aus fürstlichem, staatlichem und pri­vatem Besitz, darunter prächtige Tafelaufsätze, Kaffee-Ser­vice, Bestecke, die einst die Tische in den Tuilerien wäh­rend der Regierung des dritten Napoleon geschmückt. Be-- sonderes Interesse erweckt eine aus Christoffle-Silber be­stehende, etwa einen Meter hohe und drei Meter langes große Gruppe von Göttinnen mit Kriegs- und Friedens­wagen, beschirmt von dem auf einer Weltkugel thronen­den französischen Geniusgefunden im Schutte des! Schlosses von St. Cloud", steht darunter. Sic transitj gloria mundi!

Anfangs der Plauderei hatte ich erwähnt, welchen be­deutenden Kaufmarkt das französische Kunstgewerbe besitzt, in dieser Gruppe nun erhält man einen kleinen Beweis! davon: über einem mäßig großen Glasschranke liest man: Sammlung eines Liebhabers der modernen französischen Kunst"', und in den Gestellen findet man die mannigfachsten Gegenstände, meist mäßigen Umfangs, in Gold, Silber, Bronze, Elfenbein, Marmor, Holz, Email, edlen Steinen, und zwar Figuren, Geräte, Vasen, Dosen, Schüsseln, Kan­nen, Ringe, aber auch Messer, Gabeln, Notizbück)er (in Gold), Zigarettenbehälter (in Silber), Kruzifixe ?c. jedes äst ein Kunstwerk, manches auf die Anregung des

Sammlers entstanden, bei dem nicht der Gegenstand an sich entschied, sondern die Schönheit desselben.

Und wie wird uns erst dieser Kaufmarkt vor Augen geführt, wenn wir in die benachbarte Abteilung der Dia- tnanten, der Edelsteine, der Schmucksack)en gelangen das funkelt und flimmert und schillert tausendfach um uns herum wie in einem Feenreiche, und die Augen wissen nicht, was sie zuerst bewundern sollen. Bewundern und wundern sind hier eins, wundern, daß der Reichtum in derartiger, geradezu unerhörter Fülle vertreten ist, wo das alte Wort Wahrheit gewinnt:wer's nicht gesehen, glaubt's nicht!" Da ist beispielsweise der am meisten umlagerte Pavillon eines der ersten Bijoutiers (Boncheron), der Wertsachen für fünf Millionen Franks birgt; und der Wert machts ja nicht allein, sondern die meisterhafte Ausführung in eigenartigster und gefälligster Stilisierung, die Seltenheit der Steine (neben großen gelben Diamanten ein kostbar gefaßter blauer Diamant von 22 einhalb Karat), ihre kunst­fertige Behandlung und in letzter Beziehung erregen das höchste Aufsehen die gravierten Diamanten, schöne Steine, die in Vertiefung die zierlichsten Köpfchen von allerhand Göttinnen und ähnlichen reizvollen Damen auf- jveisen. Als einer unserer geschätztesten Berliner Gold­schmiede, der in der deutschen Abteilung Schmucksachen von nur" 100 000 Franks ausgestellt, diesen Pavillon sah äußerte er:Am liebsten möchte ich mleinen ganzen Kram wieder einpacken und nach Hause fahren."

Dabei dürfen unsere Juweliere durchaus nicht den Wettkampf mit den französischen scheuen, der Unterschied' besteht nur darin, daß das, was bei den Deutschen als Ausnahme, als große Kostbarkeit gilt, hier in Paris gleich in umfassendster Auswahl vorliegt, als ob die Millionäre stets schockweise umherliefen. In Berlin versteht man ja auch, zu leben und das Geld spielt häufig keine Rolle, aber mit Respekt zu sagen brillantenbesetzte Strumpfbänder für 12 000 Franks und von Juwelen übersäete Fächer für 30 000 Franks sind für den Berliner Ben Akiba doch wohl etwas neues, der Pariser dagegen lächelt blos verschmitzt und flüstert verständnisvoll:Alles schon dagewesen!"

Aber selbst für diesen an Vieles gewöhnten Pariser Weisen ist doch neu der in einem Glaskasten (der nachts in einen unterirdischen stählernen Behälter gelassen wird) aufbewahrte Jubilee-Diamant, der, im Besitz des Diaman- ten-Syndikats von Jagersfontein, als der größte Diamant der Welt gilt er wiegt 239 Karat und sein Wert wird auf 7 Millionen Franks geschätzt. Dafür wird sich selbst in Paris nicht so leicht ein Käufer finden ja, wenn etwa Mr. Vanderbilt König wäre und eine Krone tragen dürfte, dann würde sich die Sache schon leichter machen!

Wohl kein kunstgewerblicher Zweig wird so von dem modernen jGeschmacke beeinflußt, wie jener der Gold­schmiede- und Juwelierkunst, unter enger Verwendung pflanzlicher Formen und starker Hervorhebung mannig­facher Farbenwirkungen, die man früher direkt alsver­rückt" bezeichnet hätte. Das lehrt ein Vergleich mit der auch in dieser Gruppe enthaltenen rücksck>auenden Ausstel­lung von Schmucksachen man denke nur an die unge­fügen Brachen, die goldenen Ohrbommeln unserer Groß­mütter? Und wer weiß, wie in siebzig, achtzig Jahren, das Urteil über die heutigen von uns freudig angestaunten Zierrate lautet?

Haben wir in diesen unteren Räumen viel Zeit nicht

etwa versäumt (denn wer nur über etwas längeren Urlaub verfügt, der richtet seine Schritte häufiger hierher und ec wird stets Neues entdecken), sondern zugebrackit, so fönnei* wir die Wanderung durch die oberen Galerien destoniLlw beschleunigen, denn sie enthalten Gruppen, für bie füfa nur bestimmte Besucher näher interessieren: Uhrmächerei Necessaire- und Reiseartikel, Papeterie, Lederwaren, schließ­lich, wie schon erwähnt, noch Wohnungseinrichtungen und Gobelins. In den ersteren Gruppen fesseln die geschäht lichen Ausstellungen von Spezial-Sammlern, die beson ders zahlreich auf dem Uhren-Gebiet sind, darunter Samm lungen von hundert und mehr Stück, mit den Uhren Hein­richs III., aus dem Jahre 1580 stammend, Ludwigs XVI und Marats, des von Charlotte Corday ermordeten Re volutionsmannes; des letzteren silberne Taschenuhr, die man in feiner Badezelle fand, trägt die Aufschrift:Nur dem Gesetz gehorchen, nur das Vaterland lieben!"

Auf welche Sachen Sammler verfallen, zeigt die merb würdigste aller Bibliotheken, die in der Papierausstellung ihren Platz, nein, ihr Plätzchen gefunden, denn obgleich sie tausend Bändchen umfaßt, ist sie in einem Schrank untergebracht, der kaum einen Meter im Geviert hat besteht sie doch nur aus Miniatur-Büchlein, deren winzigste etwas über einen Zentimeter (vier von ihnen bedecken tzerade eine Briefmarke), deren größte fünf Zentimeter hoch sind. Die ältesten dieser Merkchen, unter denen eine Zahl deutscher sind, stammen aus hem Anfang des 17. Jahr­hunderts, viele enthalten trefflichen Bilderschmuck.

Den Schluß Öer oberen Galerien macht die umfang­reiche Ausstellung der National-Gobelin-Manufaktur, und in' dtzr That ist's ein würdiger Schluß nach all dem Blendenden und Verwirrenden vorher können sich in den Sälen die Augen ausruhen an diesen herrlichen Wand­dekorationen, die meist Nachbildungen älterer Werke sind, vom Mittelalter an bis zum Beginn der Revolution, an voller, harmonischer Wirkung den farbenfrohesten Gemäl­den gleichkommend. Zu den schönsten Stücken zählt jene*, welches uns Marie Antoinette mit ihren drei ältesten Kindern im vollsten Mutterglück zeigt es ist eine Wieder gäbe des bekannten zeitgenössischen Gemäldes der Madame Lebrun im Versailler Museum und ward vom Präsidenten Faure als Geschenk für die Kaiserin von Rußland bestelle

Hinaus wieder ins Freie diesmal aber nicht in die menschengefüllte Jnvaliden-Esplanade, sondern in die sich, an der Rückseite der eben durchwanderten Palastteide hinziehende Allee, in der man zwei Bretonische und Ar lesische Dörfchen erbaut hat, mit kleinen Kapellen, Giebe Häuschen, Denksäulen, von Madonnenbildern beschirmten Ziehbrunnen und traulichen Schänken, in denen zum Klang der Fiedel und Trompete kühler Wein, schäumender Cidei, goldglänzendes Bier von schmucken Dirnen in ihren fest­lichen heimatlichen Trachten kredenzt wird. Unter breit* schattigen Bäumen, in denen Vögelscharen lustig konzer­tieren, nimmt man Platz ach, wie thut die Ruhe wohl, wie mundet der frische Trunk, wie freut man sich, daß man dem Menschengewim?mel entronnen, denn diese aller­liebsten provinzialen Niederlassungen sind wenig bekannt und werden hauptsächlich von den in Paris weilenden Kindern der Bretagne und Provence aufgesucht. Und daß es so idyllische Punkte in dieser gewaltigen Ansstellungö- stadt giebt, das gehört mit zu ihren liebenswürdigstes Vorzügen.

Vereinigt

sind die Vorzüge des Kakaopalvers und der Chokolade in Moser-Roths Portlonen-Kakao mit Zucker

der Vereinigten Chokolade-Fabriken

Moser-Roth, kgl. Hoff., Stuttgart.

Der Portionen-Kakao, in runde, feste Tabletten gepresst, ist nur aus den edelsten Kakao - Bohnen hergesteüt, sehr schmackhaft, schnell löslich und, da entölt, leicht verdaulich und von höchstem Nährwert.

Die Beimengung der entsprechenden Quantität Zucker verleiht ihm die Eigenschaft feiner Chokolade, er ist jedoch wegen seiner ausserordent­lichen Ausgiebigkeit wesentlich billiger.

Eine Portion oder Tablette v. ca. 10 Gramm, für 1 Tasse

ausreichend, kostet 3V8 Pfg.

Die Abpassung in Tabletten schliesst jeden Irrtum bei der Zubereitung aus. Die feste Form verhütet einen Verlust durch Zerstäuben und schützt das Aroma gegen widrige Einflüsse.

Die gefällige und bequeme Verpackung, die einfache und schnelle Zubereitung (am besten halb "Wasser, halb Milch, einmal leicht aufgekooht) machen den Portionen-Kakao wertvoll für den Haushalt wie als Reiseproviant für Touristen, Radfahrer u. s. w. 8777

Erhältlich in Kartons von 24 Tabletten zum Preise von Mk..75.

Proberollen mit 6 Tabletten 20 Pfg.

Vorrätig in den meisten

Konditoreien, Delikatessen-, Kolonialwaren- u. Drogen- Geschäften.

gfly Ersichtlich durch Plakate. "MU

Gebr. Dececco

Wad-Mauheim

Aikiake Hießen: An den Bahnhöfen 40

empfehlen sich zur Ausführung von

Terrazzo-Cement-Arbeiten

Da uns lange Jahre die Ausführung von Terrazzo für die Firma Hermann Thiele übertragen war, sind wir imstande, in dieser Richtung jedem Auftrage gerecht zu werden, und empfehlen wir uns verkommenden Falles den Herren Architekten und Bauunternehmern lüftens. 02515

D. Schnall

"! $6* Mil Slirftl ür Arbeiter und Landleute, sowie sein großes Lager in allen feinen und farbigen Schuhwaren sehr preiswert.

Gallseife

empfiehlt 4038

P. Jos. Mobs,

Mäusburg 8, Seifenfabrik.

Einladung.

Die 18. ordentliche Hauptversammlung oes Tierschutz- vereiuS Gießen findet DieuStag den 26. Juni, abevdS 81/2 Uhr, im Hotel Schütz statt.

Alle Mitglieder und Freunde de» Tierschutzverems find hierzu freundlichst eingeladen.

Tages-Ordnung:

1. Rechenschaftsbericht für 1899. - 2. Wahl des Ausschusses.

Der zweite Vorsitzende: 4135 . Kahn, Oberlehrer.

Jean Dem & Cie

Trkepyon 21

unterhallen stets grotzeA Lager in

8947

billig angefertigt.

3144

aller Art und ettl, einfach nnd reich dekoriert mit gewöhnlicher Aegnliernag nnd anreriLanischem Aenernngr-Kyste«.

Spezialität: Altdeutsche Kachel-Oese« uud Kamine

DaS Setzen der Oefe« geschieht durch Fachleute unter Garant»! meisterhafter, kompletter Ausführung. 17

Westanlage 31 Giessen

Hmpmmkli (Damenkopfwafchen) 6SÄer 1 Mark -mpfichtt H. Plank ZpkM-Aamkk-Friskur- Geschäft.

Alle Arten Haararbeiten, wie Zöpfe, Scheitel, Locken u. f. w. werden schön und

gebrannten Kaffee

der Holl. Kaffeebrennerei H. Disque & Co., Mannheim

seit Jahren bekannt und beliebt unter der Marke

Elefanten-Kaffee

sind auserlesene, hochfeine Qualitäts-Kaffee.

nnlli zu haben in verschlossenen l/2, */* und Ve Ko.-Paketen zu Mk. 1. bis Mk. 2. NUTLUI per V3 Ko. mit Firma und SchutzmarkeElefant versehen.

Verkaufsstellen zu billigsten Originalpreisen sind an Plakaten erkenntlich und in den Zeitungen bekannt gegeben.

Ein guter feiner Kaffee

ist ein Hochgenuss und niemals gesundheitsschädlich, wohl aber geringer, schlechter Kaffee. Die nach J. v. Liebigs Vorschrift nicht mit Harz (oder Schellack)