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Aeichshauptstadt entbrannt war um die Große Straßenbahn, in deren Geheimnisse wir schlichten Provinzler allerdings nicht genügend blicken können. Von den Existenzen, die dabei zum Vorschein kamen, kann man auch sagen, wie er in dem schönen Kouplet heißt:
„Das find Spezialitäten Unsrer Refidenzstadt Berlin, Raritäten, Varietäten, Wie sie nirgends anders erblüh«.
Mancherlei trübe Dinge, häßliche Dinge sind's, die wir hier und da um uns erblicken. Wie gut ift es doch, daß da das Himmelfahrtsfest kommt und uns unsere Blicke aufwärts richten läßt, himmelan, wo hoch über allem wüsten Erdentreiben das herrscht, nach dem die strebende, ringende Seele sich sehnt: Reinheit, Klarheit und Wahrheit! _________
4- Viehmarkt. Der gestrige Viehmarkt hatte einen Austrieb von ca. 1000 Stück Rindvieh. Gegen alles Erwarten entwickelte sich der Handel sehr rege, trotzdem die Futteraussichten bei dem trockenen Wetter sehr schlechte fmb. Der Markt wurde überaus günstig beeinflußt durch den Bedarf an guten Milchkühen für die Badeorte. Das Geschäft in Jung- und Zuchtvieh litt allerdings sehr unter der ungünstigen Witterung. Wieder hatte der Vorhandel dem Markt das schönste Vieh entzogen. Die sehr gesuchten Oststiesen waren von den Händlern vor dem Markt zu guten Preisen abgesetzt. Einzelne Exemplare wurden dabei bis nahe an 500 Mk. bezahlt. — 1. Qualität Milchkühe wurden am Markt mit 400^ 450 Mk. bezahlt, Mittelware, die ebenfalls stark begehrt war, mit 300—350 Mk. gehandelt. Heitere Tiere, die bei unseren Märkten im allgemeinen nur schwer unterzubringen sind, erzielten bessere Preise als sonst. V-—'/»'jähriges Jungvieh zur Zucht kostete 70 bis 80 Mk. per Stück. Die Preise für Schlachtkälber hielten sich auf der alten Höhe.
Turnerisches. Am Himmelfahrtsmorgen findet auf drm DünSberg eine Zusammenkunft von Vertretern der Turnvereine aus Gießen, Marburg und Wetzlar statt.
** Deutscher Flottenverein. Gestern abend hielt der Provinzialausschuß Oberhessen des deutschen Flottenvereins Unter dem Vorsitz des Geh. Hofrats Prof.
Oncken im Cafee Ebel seine satzungsgemäße Jahresversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht geht her^ m, daß der Ausschuß auf ein über Erwarten günstiges Vereinsjahr zurückblickcn kann. Durch die Einzelagitation des Schriftführers, Eisenbahnsekretärs Blum, waren schon vor Gründung des Provinzialausschusses rund 750 Mitglieder gewonnen worden. Zur Propagandaspende gingen 1406 Mark ein, wovon 1000 Mark nach Berlin ab- gesührt wurden, während 406 Mark zur Deckung eigener Nrikosten der Sektion verblieben. Im ganzen wurden bis jetzt nach Berlin 2500 Mark abaeliefert. Dem Verein verbleibt noch ein Bestand von runo 821 Mark, ohne die neuen Mitgliederbeiträge für 1900, die nächstens hinzukommen werden, Bon 20 000 Exemplaren Druckschriften wurden vsm Schriftführer 18 500 verteilt; der Rest soll für neu- eirrtretende Mitglieder verbleiben. An Petitionen sind von brr Sektion Oberhessen allein 90 mit 1600 Unterschriften nach Berlin abgeliefert worden, abgesehen von den vielen Petitionen, die von den Ortsgruppen und Vertrauensmän- txeni direkt nach Berlin oder München gesandt sind. Mgenblicklich zählt der Verein 2471 Einzelmitglieder und eine große Anzahl von Vereinen mit ca. 1200 Köpfen. — Außer dem Agitationsvortrag des Marinepfarrers Heims iir Gießen selbst wurden vom Schriftführer 14 auswärtige Vorträge gehalten, und zwar zwei in Klein-Lmden, zwei in Großen-Linden, je einer in Allendorf a. d. Layn, Lang- vöns, Holzheim, Rödgen, Lauterbach, Schlitz, Brauer- tchwend, Zett, Grünberg, Londorf. Diese Vortrage haben sich als außerordentlich wirksam gezeigt und zur Erwer- bima neuer Mitglieder erheblich beigetragen. Nach Ablegung des Rechenschaftsberichts wurde dem Schriftführer einstimmig Entlastung erteilt und ihm der Dank des Provinzialausschusses für seine überaus mühevolle, aber auch dementsprechend erfolgreiche Thätigkeit ausgesprochen. —I Der letzte Punkt der Tagesordnung, die Neuwahl des Vorstandes, ergab die einstimmige Wiederwahl des bisherigen, die aus Antrag des Geh. Rats Pros. Dr. Gasfky durch 3wnif ausgesprochen wurde.
Darmstadt, 22. Mai. Der Großherzog traf heute früh 9 Uhr, begleitet von Rittmeister Kraemer, auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim ein, um der Besichtigung von zwei Bataillonen des 5. Großh. Infanterie- Regiments Nr. 168 und zwei EskadronS des 1. Großh. Dcaq.-RegtS. (Garde-Drag.-RgtS.) Nr. 23 durch den Inspekteur der 3. Armee-Inspektion, General Feldmarschall Graf v. Waldersee beizuwohnen, und kehrte um 12 Uhr uach Wolfsgarten zurück. — Gestern trafen Graf und Gräfin zu Erbach-Schönberg auf Jagdschloß Wolfsgarten ein, nahmen an dem Lunch teil und reiften im Laufe des Nachmittags wieder nach Schönberg zurück.
Mainz, 22. Mai. Die Militärbehörde will den Schießplatz der Mainzer Schützengesellschaft rur Vergrößerung eines benachbarten Exerzierplatzes verwenden. Zur Einigung über den Erwerb des Schießplatzes kam es nicht, die Militärbehörde drohte mit dem Cnteig- lungsverfahren, die Schützengesellschaft rief die Vermute, lang des Provinzialdirektors Frhrn. v. Gagern an. Dieser riet, der Verein möge der Militärbehörde Vorschlägen, daß sie der Schützengesellschaft ein gleichwertiges Gelände wie den Schießplatz überweife. Dies Anerbieten vurde von der Militärbehörde abgelehnt mit der Erklärung, das Enteignungsverfahren nehme seinen Gang.
Krafdorf, 22. Mai. Der am Sonntag von Dr. Per- secke-Wetzlar abgehaltene Vortrag über landwirtschaftliche T aqessraaen, wobei besonders die zweckmäßige Verwendung von Kunstdünger und Saatgut behandelt wurde, erntete eichen Beifall. Eine lebhafte Besprechung fand sodann die Frage über die zweckmäßige Verwertung der Milch, was ben allgemeinen Wunsch zur Folge hatte, der Gründung einer Genossenschafts-Molkerei baldigst näher zu traten.
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** Kleine Mitteilungen aus Hefleu und den Nachbarstaaten. Am Freitag findel Ersatzwahl für den verstorbenen Landtagsabgeordneten Breimer tn Beerfelden statt. Als Kandidaten sind die Herren Schneidmühlbesitzer L. Schubart von hier und Hartmeier von Neckarsteinach vorge- chlagen. Ersterer dürfte voraussichtlich den Sieg davontrageu. — In Nieder-Wiesen bei Alzey fand am letzten Sams■ tag ein Familienstreit mit rötlichem Ausgange statt. Der Landwirt Geyer spaltete bei einem Wortwechsel seinem Schwiegersöhne Meyer mit der Holzaxt den Kopf, sodaß Meyer noch am selben Tage verstarb. Der Thäter wurde tn das Untersuchungsgefängnis nach Mainz gebracht. — Bon feinem Truppenteil der 3. Kompagnie vom Leibregiment Nr. 115 in Darmstadt hat sich der Gardist Bollhardt eit vier Tagen heimlich entfernt und wird von den Militär- und Zivilbehörden gesucht.
Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemessen am 23. Mal, zwischen 11 und 12 Uhr mittags Wassir 14», Luft 17°.
Rüosamen'lch^Badeanstal 1-
Vermischtes.
• Ein Zusammenstoß zwischen einem Torpedoboot und einer Dampfpinasse hat im Kieler kriegshafen stattgefunden. Cs wird darüber berichtet: Arn Montag erfolgte auf dem Kriegshasen eine Kollision zwischen dem Torpedoboot >9 44 und der ersten Dampfpinasse des großen Kreuzers „Vineta", wobei die Pinaffe durchschnitten wurde, und binnen 3 Minuten sank. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Besatzung der Pinaffe wurde vom Torpedoboot aufgenommen. Die gesunkene Pinasse der „Bineta" befand sich auf der Fahrt vorn Kreuzer zur Reventlowbrücke, als das Torpedoboot 8 44 aus dem Schutzhafen am Düsternbrook herauskam. In der Dunkelheit wurde die Annäherung erst bemerkt, als ein Ausweichen unmöglich war. Nach der Pinasse, die zu den Dampfbeibooten 1. Klasse gehörte, wird von Tauche n gesucht. Der Unfall hat eine weitere Verzögerung in der Abreise des Kreuzers zur Folge.
* Dresden, 22. Mai. Eine große Feuersbrunst hat in der vergangenen Nacht einen bedeutenden Teil der Fabrik der Gebrüder Barnewitz zerstört. Außer den Gebäuden sind auch bedeutende Warenvorräte und Modelle vernichtet. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Ein Feuerwehrmann ist bei den Löfchungsarbeiten verunglückt.
Wo Kinder find,
sollte der aufregende Bohnenkaffee verpönt sein, zum mindesten aber sollte der Kaffee mit einem Zusatz von Kathreiners Malzkaffee bereitet werden, weil das Malz die Wirkung des Coffeins wenn nicht ganz aufhebt, so doch wesentlich abschwächt. Wegen seines hohen Wohlgeschmackes gewinnt Kathreiners Malzkaffee auch als vollständiger Kaffee-Ersatz immer mehr Verbreitung.
Jagd und Sport.
Mainz, 20. Mai. Begünstigt vom schönsten Sportwetter, fand heute auf dem Sportplatz ein internationales Radrennen statt. Die einzelnen Felder des Rennens wiesen eine recht gute Besetzung auf. Der Verlauf derselben war folgenbet: I Hauptfahren fürHerren- fahrer, 2000 Mtr., 3 Ehrenpreise. Nach 4 Vorläufen und 1 Be- fähiaungslauf: 1.1. Bettinger-Ludwigshafen, 2. G. Möder-Frankfurt a M., 3. A. Gottron-Mainz. II. Hauptfahren für Berufsfahrer, 2G00 Mtr , 3 Geldpreise: 200 Mk., 100 Mk., 50 Mk. Nach 3 Vorläufen 1 Befähigungslauf: 1. W. Arend, 2. Dirheimer-Straßburg, 3. O. Meyer- Ludwiqshasen. III. Vorgabefahren für Herrenfahrer, 2000Mtr., 3 Ehrenpreise. 1. C. Duill-Gießen (16 Mtr4, 2. Gottron-Mainz (0 Mtr.), 3. Möder-Frankfurt a. M. (10 Mtr.) IV. Vorgabefahren für Berufsfahrer, 2000 Mtr., 3 Geldpreise: 80 Mk., 40 Mk., 20 Mk. 1. Schilling-Amsterdam, 2. Meyer-Ludwigshafen, 3. Dirheimer-Straßburg. V. Tandemhauptfahrer für Herrenfahrer, 2000 Mtr., 3 Ehrenpreise. 1. Gottron-Fries, Mainz, 2. Duill- Görtz, Gießen, 3. Höflinger Bettinger, Ludwigshafen. VI. Tandemhauptfahren für Berufsfahrer, 2000 Mtr., 3 Geldpreise: 120 Mk., 80 Mk., 40 Mk. 1. Meyer-Ludwigshafen—Kirchert-Mannheim, 2. Arend- Hannover—Dirheimer-Straßburg, 3. Schilling-Amsterdam—Porte-Berlin. Arend protestiert bei diesem Rennen gegen Meyer wegen Schneidens. Der Protest wird als begründet anerkannt und sollte zwischen den zwei ersten Paaren nochmals ein Laus auf 1000 Mtr. flattfinben. Da Meyer-Ludwigshafen darauf nicht eingeht, wird dem Paar Arend- Dirheimer der 1. Preis zugesprochen.___________
Kunst und Wissenschaft.
Die 30. Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung der Volksbildung ist in Heidelberg am 19. d. M. von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, dem Reichs- und Landtagsabgeordneten Rickert, eröffnet. Cs waren etwa 180 Personen erschienen, darunter Vertreter der Stadt, der Universität, des Bezirksamtes, ferner des hessischen Ministeriums des Innern, einer Reihe auswärtiger Behörden, Korporationen und Verbände. Die badische Regierung hatte eine Beschickung der Versammlung abgelehnt. Oberbürgermeister Dr. Wilckens begrüßte die Versammlung namens der Stadt Heidelberg, Prof. Dr. Osthoff namens des Ortsausschusses und des Ausschusses der Volkshochschulkurse und Oberlehrer Backes-Darmstadt namens des geschäftsfahrenden Ausschusses des Deutschen Lehrervereins. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft. Prof. Dr. Rem- Jena referierte über die Volkshochschulkurse, dem sich Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt a. 3Jl. als Korreferent anschloß. In der Mitgliederversammlung sprach Abg. Rickert über „Volksbildung und Kriminalistik^, das den Anteil der Volksbildung an der sittlichen Entwickelung des Volkes behandelte, sodann Prof. Dr. Kühn-Wiesbaden über den Verkauf guter und billiger Volksschriften, und Landwirt Georg Grünewald-Lengfeld über die Bildungsarbeit auf dem Lande. Das hessische Ministerium des Jnuern hat sich als Mitglied der Gesellschaft angemeldet. , .
Professor Gustav Graben-Hoffmann, der Komponist deS allbekannten Liedes „500 000 Teufel", ist in Potsdam gestorben. Graben-Hoffmann war 1820 geboren.
Aus New-York wird gemeldet: Prof. Roentgen erhielt die Barnardsche Goldmedaille.
Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Stadttirche,
Am 2. PfinMeierlag findet Beichte und Herl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde im Vormittagsgottesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
In der Joharm-Sttrche.
Am 2. Pfingftfeiertag findet Beichte und Herl. Abendmahl für die LukaS- und die Johannesgemeinde im Vormrttagsgottesdrenft statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Ärmste Meldungen.
Berlin, 23. Mai. Der Seniorenkonvent des Reichstages wird heute zusammentreten, um über die nächsten Geschäfts-Anordnungen bis zum Eintritt der Pfingstferien zu beraten. Man neigt dahin, noch die Unfall - V e r s i ch e r u n g s g e s e tz e durchberaten zu wollen und würde, wenn diese Absicht durchdränge, bis zum 30. d. M. Plenarsitzungen abhalten. Die zweite Beratung der Flotten-Vorlage und der 'Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des R eichs st e m p e l g e s e tz e s würde erst nach Pfingsten im Plenum stattfinden, wenn auch der Bericht über den,' letzteren vor den Ferien fertig gestellt sein würde.
Berlin, 23. Mai. Zum 700 jährigen Bergmannsfest trifft der K a i s e r am 12. Juni inHe11stedt beziehungsweise in Eisfeld ein. .
Berlin, 23. Mai. Wie von verschiedenen Setten gemeldet wird, isls das Zentrum in der Angelegenheit der LexHeinze nur einem starken Druck des Präsidenten Grafen Ballestrem gewichen, der den Führern der Partei die bestimmte Erttärung abgab, daß er bei Ablehnung feines Vorschlages das Präsidium n i e d e r l e g e n werde. ,
Wien, 23. Mai. Kaiser Wilhelm kommt mit dem Kronprinzen im September nach Wien.
Budapest, 23. Mai. In dem Steinkohlenbergwerk der Wiener Dampftchiffahrtsgesellschaft zu V a s a s erfolgte eine Explosion schlagender Wetter. DreiBergleute wurden getötet, mehrere leicht verletzt.
Paris, 23. Mai. Die gestrige Kammersitzung wird als ein erfreulicher Sieg der Republikaner der koalierten Reaktion angesehen. Eine W i e d e r a u f n a h m e der Dreyfus-Affaire wird allgemein, insofern die fetzrge Regierung als Mithelferin an der Rehabttttrerung Dreysus in Betracht kommt als a u s g e sch l o sfn betrachtet
Montreal, 23. Mai. Erne heftige F euer s- b r u n st verstörte Point Claire, das an den Ufern des St.
Flusses lieat und größtenteils von französischen ^nadier/bewohnt ist.' 300 Personen sind obdachlos, iev Schaden wird auf 200 000 Dollar geschätzt.
Gerichtssaal.
^.Gießen, 22. Mai. Strafkammer. Aus der Untersuchungshaft wird der bereits siebenmal, darunter fünfmal wegen Diebstahls beziehungsweise schweren Diebstahls vorbestrafte zweiundreißig jährige Dienstknecht Christian Schmidt aus Frankenbach, zuletzt in Gießen wohnhaft, vorgeführt, um sich wegen eines wetteren Diebstahls zu verantworten. Schm, hatte am 26. März in einer hiesigen Wirtschaft am Riegelpfad die kurze Abwesenheit der Wirtin benutzt, eine angebrochene Cigarrenkiste ihres Inhalts zu entledigen. Da sich außer ihm niemand in der Wirtsstube befand, so wäre der Diebstahl vielleicht unentdeckt geblieben, wenn sich nicht ein neuer Gast eingefunden hätte, der eine von den Cigarren wünschte, die der Angeklagte sich angeeignet hatte. Als die Wirtin in die Cigarrenkiste langte, fand sie diese leer, und erklärte dem Angeklagten ohne jegliche Umschweife, daß er die Cigarren gestohlen habe. Diese Beschuldigung wurde zwar mit aller Be« stimmtheit in Abrede gestellt, doch fühlte sich der Beklagte später bewogen, die gestohlenen 45 Cigarren der rechtmäßigen Eigentümerin zu- rückzugeben. Er erhält trotz des Rückfalles mit Rücksicht auf ben geringen Wert des gestohlenen Gegenstandes eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten.
Schöffengericht. Ein hiesiger Fabrikant hatte in einer RekurS- schrift vom 31. Juli v. Jrs. die von polizeilicher Seite gegen ihn getroffenen Maßnahmen einer scharfen Kritik unterzogen, und das Vorgehen seitens des betr. Polizeibeamten, der inzwischen versetzt worden ist, mit dem Ausdruck „skandalös" bezeichnet. Er hatte sich zur Abfassung
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3Cvtcfv<npl<tt* 11 9<t StaStfütcke «Rvictvcwplat* 11.
dieses geharnischten Schriftstücke« hinreißen laffen, weil gegen ihn ein Polizeibefihl erlassen worden war, der die Drohung enthielt, daß das Geschäft polizeilich geschaffen werden müffe, wenn anders der Fabrikant nicht dafür Sorge tragen würde, daß während der Zeit des Geschäftsbetriebes sämtliche Thüren und Fenster geschloffen würden. Dadurch wäre freilich der infolge der Betriebschätigkeit entstehende Lärm auf das geringste Minimum beschränkt worden aber dadurch die Gesundheit bet Fabrikarbeiter schwer ^schädttt worden. Der F-dr kant glaubte fich zu der Annahme berechtigt, dah die g gm ihn getroffenen Mak- nahmrn auf einen rein persönlichen Akt seitens deS Polizetam - manns zurückzuführen seien, der kurz zuvo- eine Wohnung neben der Fabrik bezogen hatte, umsomehr als früher solche Nörgeleien nicht »orgekommeu wären. Durch seine Rekursschri^W. erzielte der Beklagte einerseits zwar einen Beschluß des Kretsausschnsseö, dahin lautend, daß dec Poiizetdefehl als zu unrecht eclaffen, aufgehoben werde, anderersetts aber auch sowohl vom beleidigten Beamter., wie auch vom KrctSamt Strafantrag wegen Beleidiaung, weswegen der Beklagte heute zu einer Geldstrafe von 15 Mk. verurteilt wurde. Trotzdem das Gericht mildernde Umstände im weitgehendsten Matze zubilltgte, mußte es doch der Ansicht beitreten, daß der bctreffrnde Ausdruck als eine formelle Beleidigung aufzufassen sei. — Eine D.enstmagd hatte ihrer hiesigen Herrschaft einen Brillantring im Werte von 50 Mk. entwendet. Sie erhielt eine GefängmSstrafe von 3 Wochen. Von der erlittenen UntersuchungshLst wurden ihr wegen anfänglichen Leugnens nur 2 Wochen in Anrechnung gebracht. — Dem früheren Buchhandlungsreisenden, jetzt Buchhändler, N. von Frankfurt a. M. wird zur List gelegt, am 27. Januar d. Js. ohne ein Verzeichnis der von ihm geführten Bücher zu besitzen, in Gießen Bestellungen auf Bücher angenommen zu haben und trotz polizeilichen Verbots feinem Geschäfte weiter nachgegangen zu sein. N. wird kostenlos freigesprochen, weil der einschlägige 8 563 bestimmt, daß unter „Frildicten" ein wirkliches Verkaufen, nrcht aber eine Bestellung nach Mustern zu verstehen sei. — Außerdem wurde in zwei Pcloetklggesachen vrrhanbttt.
Kandel «ad Uerirrhr. UslKsVittschaft.
Frankfurter Börse vom Ä58. Mai.
Wechsel auf New-York zu 4.201/i~211/i*
Prämien auf Kredit per ult Mai 0.80 ®/q, do. per ult Juni 1.80%, Diekonto-Kommandit per ult. Mai 0.750/», do. per ult. Juni 1,80 %, Lombarden per ult Mai 0.40%, do. per ult, Juni 0.00 o/r, Berliner Handelsges. per ult. Juni —.
Kotierungen: Kreditaktien 225.30-00.000, Diskonto- Kommandit 185 80-60.00, Staatabahn 188.80-139.30-20, Gotthard 141.60, Lombarden 26.00-00.00, Ungar. Goldrente 86.85, Italiener 94 60, I Sproz. Mexikaner 25.35, Oeaterr. Coupons 84, Amerik. Coupon» 4.188/*, Privat-Diekont 4‘/t°/o M
' 1V<-28/i Uhr: Kreditaktien 225-224.80-00, Diakonto-Kom-
mandit 185.60-185, Staatsbahn 139.20-139, Lombarden 26.00, Boohumer 00.00, Harpener 229-228 Casae.


