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24.5.1900 Zweites Blatt
 
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Nr. 120 Zweites Blatt. Donnerstag den 24. Mai

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Politische Tagesschau.

Endlich äußert sich die G r ä s i n M a r t e l (G y p) selbst zu ihrem jüngsten nächtlichen Abenteuer. Sie findet es empörend, daß man ihr ihren Roman nicht glauben will, und nimmt einige Aenderungen an ihren bisherigen Aussagen vor, von denen sie behauptet, sie seien nicht richtig in der Presse wiedergeaeben worden. Das ernsthafte Einschreiten der Polizei und der Gerichte, die in der Sache auch ohne eine Klage Gyp's, ja gegen den aus­drücklichen Wunsch der Gräfin vorgegangen sind, hat mithin bereits Erfolg gehabt. Nach ihren jetzt revidierten und korrigierten Behauptungen will die Gräfin Märtel in kein schloß", sondern in, ein einfaches Landhaus verschleppt worden sein. Das erschwert natürlich das Auffinden ihres nächtlichen Gefängnisses sehr; auch das anfänglich mehrere Meter hohe Äsengitter schrumpft jetzt zu einem gewöhn­lichen Gartenzaun zusammen. Der Umstand, daß sich der Kutscher, der sie zu dem Ort, an dem sie aufgehoben wurde, gefahren hat, trotz dringender polizeilicher Auf­forderungen nicht meldet, erklärt Gyp damit, daß der Kutscher sich begreiflicherweise scheue, einen oder mehrere Ausstellungsnachmittage im Justizpalast zuzubringen und dort anstatt eines Louisdor, den er auf seinem Kutscherbock verdienen könne, zwei Francs Zeugengebühr zu erhalten. Die Gräfin giebt auch noch einige andere Auf- und Erklär­ungen, die ihr Abenteuer glaubwürdig machen sollen . . . aber der Kutscher, der sie zur Volksversammlung gefahren, die Leute, die sie entführt haben, der Wagen, in dem sie entführt wurde, das Landhaus, in das man sie gebrracht, und aus dem,' fie unter Zurücklassung der improvisierten Strickleiter geflüchtet, sowie! der Weg, den sie gegangen, und endlich das Karottenfeld, von dem sie ihren Hunger gestillt hat, das alles ist unauffindbar. Eine Zeitungsnotiz, die aus der Polizeipräfektur stammt, macht jedoch Andeut­ungen dahingehend, daß; man den den Ghp'schen Erzähl­ungen zu Grunde liegenden wirklichen Vorgängen auf der Spur sei und in den nächsten Tagen konstatieren zu können hoffe, was in der geheimnisvollen Nacht geschehen ist. Wenn da nur nicht gute Freunde der Gyp und sie hat deren viele und angesehene in der letzten Stunde da- ztvischenfahren?

Der Krieg in Südafrika.

lieber den Entsatz von Mafeking ist noch fol­gende Depesche Lord Roberts' aus Kroonstad nachzu- t rag en: Mahon meldet, er habe sich mit Plumer bei " Jamassibi am 15. Mai vereinigt. Er wurde von einem Burenkommando von Maatfani Siding aus verfolgt und wandte sich westwärts, um ihm zu entkommen. Am 13. wurde er im dchten Busch angegriffen, wobei er 5 Tote, 2 Vermißte und 24 Verwundete verlor. Tre Buren ver­loren mehr Leute an -Toten und Verwundeten als Mahon. (£tn anderer Bericht, vom 13. Mai datiert, ist von Baden- Powell eingelaufen. Darin wird die wichtige Meldung gemacht, daß aim 13. vor Tagesanbruch eine stürmende Abteilung in Stärke von 250 Mann unter persönlicher Führung Eloffs die Feldwachen überfiel und in die Stadt nnd das geschützte Feld von Westen aus das Malopothal entlang eindrang, während gleichzeitig mit heftigem Ge­wehrfeuer an der östlichen Front der englischen Stellung demonstriert wurde. Äe westliche Abteilung wurde mit -en nachfolgenden Burenunterstützungen handgemein und hielt sie auf, dadurch Eloff den Rückzug abschneidend, wäh­rend die die Stadt verteidigenden Truppen ihn am wei­teren Vordringen hinderten. Seine Streitmacht wurde in -er Finsternis getrennt; eine starke Abteilung wurde ;wischen sie geschoben, die sie vollständig einschloß. DaH Gefecht dauerte den ganzen Tag. Bei Anbruch, der Nacht ergaben sich zwei Teile und der dritte wurde unter heftigem sseuer aus der Stadt getrieben. 10 Tote und 19 Verwun- -ete ließ der Feind zurück und 108 Mann wurden zu Ge- " fang eiten gemacht, Eloff und 9 Offiziere eingeschlossen. 17 Franzosen und einige Deutsche befinden sich unter Den Gefangenen. Unsere Verluste betragen 6 Tote und etwa 11 Verwundete.

Ein Telegramm des Feldmarschalls Roberts meldet: Oberst Mahon zog am 18. Mai um 4 Uhr morgens in Mafeking ein, nachdem er am 17. neun Meilen von Nafeking einen heftigen Kampf mit einer 1500 Mann star- len Buren-Abteilung zu bestehen hatte. Die letztere wurde nach fünfstündigem Kampfe und hartnäckigem Widerstande (ins ihrer starken Stellung vertrieben. Am Morgen des Kampfes war eine Abteilung kanadischer Artillerie nach tiiter Reihe von Eilmärschen zu Mahon gestoßen und leistete diesem wertvolle Hilfe. Der englische Verlust beträgt etwa' 30 Mann, die Verluste der Buren sind schwer. ,

Unter den in Mafeking am 12. d. M. eingefangenen Fremden befindet sich ein Franzose, Graf Bremont, und ein v. Weiß, angeblich ein Deutscher. Die schwere Ver- vundung des sesw beliebten und talentvollenMail"- Ko-crespondeuten, Eharles Hands, der mit der Avant­garde gegen Mctfeking vorging, wird von allen Seiten aufs

schmerzlichste beklagt. DieDaily Mail" verlor im Laufe des Krieges bereits durch Tod, Verwundung, Krankheit und Gefangennahme 15 Korrespondenten.

DieMorning Post" meldet aus Kroonstad vom 20. d. Mts.: Der Van Reenens-Paß ist offen. Der Botha-Paß wird nur leicht vom Vrede-Kommando gehal­ten. Marschall Roberts weiteres Vorgehen ist bis jetzt dadurch verhindert, daß in Smaldeel oer Verkehr durch Ueberbürdung stockt. DerTelegraph" meldet dagegen, die berittene Infanterie sei bereits vorgegangen. Nach einer weiteren Meldung sind die Engländer jetzt nur noch vierzig englische Meilen von Johannesburg entfernt, das sich zum Widerstand rüstet, sechs neue Geschütze sind dort in Position gebracht. Für die Belagerung Johannes­burgs )md Pretorias wurde befohlen, in Aldeshot sechs Panzerzüge bereitzustellen, jeden aus einer Maschine und vier Panzerwagen bestehend. Ein Zug ist zur Verschiffung bereit. Lord Methuen marschiert das linke Voralufer hinauf, um mit Marschall Roberts gemeinsam zu operieren und die linke Flanke zu decken. Geineral Hunter und Bar ton sind beauftragt, die Bahn zwischen Fourten- streams und Ootsi herzustelleu und zu schützen. Es dürfte Wochen dauern, ehe der erste Eisenbahnzug mit Lebens­mitteln Mafeking erreicht.

Die Nachricht, daß Präsident Krüger demütigum Frieden nachgesucht habe, wird amtlich demen­tiert. Nach einem Telegramm desExpreß" aus Lorenzo, Marquez hatte der Auszug der Buren aus Pretoria be­gonnen die Frauen und Kinder werden nach Machadadisp gesandt, das auf dem Wege nach Lydenburg gelegen ist.

In einer Depesche aus Newcastle vom 22. Mai be­richtet Buller, er habe von Oberst Bethune die Nachricht erhalten, daß einer Schwadron seiner berittenen Infanterie, die sich gestern aus dem Marsche nach New' castle befand, von den Buren etwa sechs Meilen süd­westlich von Vryheid ein Hinterhalt gelegt wurde. Sehr wenige entkamen. Die Gesamtverluste betragen etwa 66 Mann. Bethune kehrte nach Nqutu zurück, um Vorräte zu holen, und marschiert heute nach Newcastle. Buller hatte Bethune mit 500 Mann detachiert, um nach Nqutu vorzurücken, das, wie verlautet, vom Feinde ge­räumt war.

*

Einem Briefe des leitenden Arztes der deutschen Ambulanz auf Seilen der Buren, Dr. Hildebrand, über die Beobachtungen, ;die er bei und nach dem Aufenthalte der Ambulanz in Jacobsdaal gemacht hat, entnehmen wir folgende intereffante Stellen:

Es ist etwas Eigentümliches mit den Verlusten der Buren. Wenn Sie die offiziellen Berichte der Regierung lesen, würden Sie dieselben für erlogen halten. Die Buren haben aber thatsächlich stets nur geringe Verluste in sämtlichen Gefechten gehabt. Einmal weiß der Bur sich vorzüglich zu decken, und anderseits reißt er aus, wenn es gefährlich wird. Ueberhaupt ist es mit seiner Tapferkeit ganz eigentümlich bestellt. Weiß er, daß er nicht davonlaufen kann, kämpft er großartig. Meistens hält er sich jedoch ein Loch frei, steigt auss Pferd und reitet davon, sobald er seinerseits in Gefahr kommt. Die Aus­länder haben daher ganz andere Verluste gehabt. Mit Vorliebe werden diese von den Burenführern in ge­fährliche Positionen geführt, dorthin nämlich, wo ein Bur nicht aushält. Dank ernten sie bei den Buren natürlich nicht dafür. Nur bei Paardeberg mußten die Buren stehen, daher ihre großen Verluste. Am 17. März verließen wir Jacobsdal, packten die notwendigsten Sachen in vier Ochsenwagen und zogen mit diesen, sowie einer Karre und zwei sechsspännigen Pferdewagen über Kossy- fontein nach Bloemfontein. Wir wählten diesen Umweg, einmal weil sämtliche Farmen an der direkten Straße von Jacobsdal nach Bloemfontein völlig verlassen und ausge­raubt, andernteils, weil der Weg mit totem Vieh, den Zug­tieren der Engländer, das nicht eben gut roch, gepflastert war. Soweit die Leute auf ihren Farmen geblieben, war wenig gestohlen worden, in den leerstehenden Häusern war jedoch schrecklich gehaust worden. So wars in Jacobsdal, so wars überall, wohin die Engländer gekommen. Auch wir find maßlos in unserer Abwesenheit von Hause in Ja- eobsdal bestohlen worden, Kleider, Uhr, Börse mit Inhalt, ein großer Teil unserer Habe wurde uns entwendet. Die Buren riskieren es nicht, in verschlossene Häuser zu gehen, wie die Engländer, trotzdem Lord Roberts Plündern streng verboten. Am widerlichsten ist mir immer das Ausplündern der Toten gewesen; darin leisten nun Engländer und Buren das Gleiche, ich soll noch den ersten Toten finden, der noch etwas Wertvolles bei sich trägt.

Inzwischen wird in England der Mafekingrummel fort­gesetzt. In Oxford führte die Maseking-Feier zu Tu­multen. Eigentum wurde weggenommen und demoliert, um als Brennstoff zu Freudenfeuern zu dienen, und die Polizei mußte verschiedenemale die Menge mit Knütteln angreifen. Eine Feuerspritze trat auch in Thätigkeit und es gab Schlägereien. In Lurgan in Irland wurden zur Mafeking Feier den katholischen Einwohnern die Fenster ein­geworfen und diese selbst mit Steinen beworfen und be­schimpft. Zuletzt wurde Krüger im Bilde aufgehängt. In Aberdeen wurde der Lehrer des Deutschen an der dortigen Universität, Hein, im Klassenzimmer von den Studenten mißhandelt, und dann wurden an seinem Hause die Fenster eingeworfen, weil er den Buren freundlich gesinnt sein soll. Der Senat der Univer­sität hielt eine besondere Sitzung, um die beteiligten Stu­denten abzustrafen.

Telegramme deS Gießener Anzeigers.

Pretoria, 23. Mai. Die Bestimmungen, unter denen die englische Regierung den Frieden annehmen wird, sind der TranSvaal-Regierung mitgeteilt worden. Die Transvaalregierung hat nach reiflicher Ueberlegung diese Bedingungen als unannehmbar bezeichnet. Man weiß nicht, welcher Art diese gewesen sind und fragt sich, auf welche Weise und durch wen diese Note der englischen Regierung an die Transvaal-Regierung gelangt ist. Die Transvaal-Regierung überreichte am 18. Mai den Vertretern der neutralen Mächte eine Note, betreffend die Verteidigung der Goldminen am Rand, in der sie erklärte, diese Minen beschützen zu möllern, soweit es in ihren Kräften liegt. Trotzdem könne aber die Regierung keine Verantwortung für das Leben und Eigentum der fremden Bevölkerung übernehmen.

Pretoria, 23. Mai. Zwischen dem Generalkommissar des Präsidenten Stein und der Transvaal-Regierung wurde ein Übereinkommen getroffen, das in Form einer Zirkularnote an die Ortsvorsteher gesandt wurde. ES heißt darin, daß, wenn der Feind, was nicht zu befürchten sei, einen Teil des Gebietes von Transvaal besetze, eS den Ein­wohnern sreistehe, sich zu entschlie en, ob sie ihr Eigentum verlassen wollen, jedenfalls aber würden die Männer ihre Kommandos nicht verlaßen dürfen.

Deutsches Keich.

Berlin, 22. Mai. Der Kaiser unternahm heute früh, wie man aus Wiesbaden meldet, einen Spazierritt in der Richtung auf das JagdschloßPlatte". In das Schloß zurückgetehrt, hörte der Monarch die Vorträge des Vertreter des Auswärtigen Amts, Gesandten von Tschirschky und Bögendorff, und des Chefs des Militärkabinetts, Ge­nerals v. Hahnke, sowie später im Beisein des Chefs des Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rats v. Lucanus, und des Po­lizei-Präsidenten von Wiesbaden, Prinzen von Ratibor, den Vortrag des Oberbürgermeisters von Wiesbaden Dr. v. Jbell. Zum Frühstück folgte der Kaiser einer Einladung des Oberhofmarschalls a. D. Frhrn. v. Liebenau. Zur Abendtafel beim Kaiser! waren der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Gesandte v. Brandt geladen. Der Kaiser wohnte darauf mit dem Großherzoge der Auf­führung vonOberon" im Hoftheater bei.

Der Kaiser fährt nach den bisherigen Disposi­tionen am Freitag Nachmittag 2 Uhr mit den Torpedo­booten von Mainz bis Bingen-Rüdesheirn und von dort um! 5 Uhr in einem Sonderzug nach Mainz zu­rück, wo ev. der Großherzog von Hessen ein Fest­mahl giebt. Dann erfolgt die Rückkehr nach Wiesbaden und nad) Schluß der Theatervorstellung voraussichtlich die endgiltige Abreise.

Ein Besuch des Kaisers bei dem Geheimrat Krupp auf der Villa Hügel bei Essen ist auch für dieses Jahr vorgesehen. Gelegentlich einer Unterredung mit Herrn Krupp dieser Tage in Wiesbaden hat der Monarch geäußert, daß es ihm bisher auf der Villa so ausgezeichnet gefallen fyabe, daß er noch vor Antritt der Nordlandreife, wahrscheinlich am 26; Juni, einen Besuch dort abstatten werde. Für diesen? Ausflug in das Bergische Land sind zwei Tage in Aussicht genommen. Es ist auch nicht aus­geschlossen, daß dev Kronprinz feinen Vater begleiten wird. Ferner ist ein Besuch des Kaisers in Str a ß b u r g bei dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe für nächsten Samstag vorgesehen. Für die zweite Halste des Oktober hat der Kaiser-' feinen Besuch in Elberfeld, Barmen und Vohwru^ (m wird, wie nunmehr fest­

steht, am 28.i d. M. sein O s fi z i e r s e x a m e n oblegen.