Ausgabe 
24.4.1900 Zweites Blatt
 
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In der belgischen Kammer hat, wie wir bereits gestern mitteilten, der Abg. L o r a n d die Regierung über die Greuel im Mongallabezirk interpelliert. Er hat seine Ausführungen durch Schriftstücke gehörig belegt. An den Thatsachen ist somit nicht zu zweifeln. Nur in einem Punkte müssen wir ihm widersprechen, nämlich, wenn er behauptet, in den französischen, deutschen und eng­lischen Kolonien sei das Verfahren gegenüber den Ein­geborenen ebenso grausam wie bei den Belgiern. Lorand hat weder den Kongostaat noch sonst einen Fleck Westafrikas besucht. Doch zur Sache. Die Anklagen richten sich teils gegen die Antwerpener Handelsgesellschaft, teils gegen die Beamten und Offiziere des Kongostaates. Der unmittelbare Anlaß zur Anklage sind die in jüngster Zeit aus dem Gebiet des Mongallaflufses (der 19 Grad 35, ö. L. in den Kongo mündet) eingetroffenen Nachrichten über eine Erhebung der Bundjabevölkerung infolge von Vergewaltigungen durch die Agenten der Antwerpener Gesellschaft. Es han­delt sich immer wieder um die leidige Frage der Kautschuk­gewinnung: man zwingt die Eingeborenen, gewisse Mengen! Gummi abzuliefern und quält, martert und tötet sie, wenn sie nicht genug abliefern. Ein Beamter des Kongostaates, der sich vor einem Richter des Binnenlandes wegen der Hinrichtung eines Eingeborenen, des Angriffs gegen ein Dorf und der Niedermetzelung zahlreicher Schwarzen zu verantworten hatte, schrieb unterm 31. Januar d. I. an den Staatsanwalt, der Befehlshaber des Bezirkes Matima, M., habe ihn im November v. I. angewiesen, die ganze Bevölkerung des Dorfes Monbia niederzuschießen. Zwei­undzwanzig Weiber und zwei Kinder seien darauf nieder­gemetzelt worden, ebenso seien drei Weiber erschossen wor­den, die sich auf einem Kanu durch die Flucht retten wollten. Der Agent, Namens Louis Lacroix, hielt M. vom Schießen ab, als dieser auf ein Kind, das sich in dem Kanu befand, Feuer gab. Die Ursache der Gewaltthat war das verspätete Eintreffen der Kanus, die Gummi auf verschiedenen Sta­tionen einliefern sollten. Lacroix giebt die Namen von Zeugen dieses Vorfalles an. Sodann wurde im November ein Soldat erschossen, weil er M.'s bevorstehende Ankunft nach einem Dorf gemeldet hatte. Das Weib des Soldaten wurde in Ketten gelegt. Sechs Weiße und zahlreiche Ein- . geborene sind Zeugen. Der dritte Fall betrifft ebenfalls M., der einem frisch angelangten Weißen zeigen wollte, wie man mit den Eingeborenen umgehen soll. Im Oktober war ein Soldat von seiner Station entflohen, um ander­wärts als Arbeiter einzutreten. Der Beamte, an den er sich wandte, sandte ihn nach der Station mit einem Briefe zurück. M. ließ den Mann peitschen und verzaubern, dann durch zwei Soldaten bewachen. Andern Tags fand man den Mann tot. (Sechs Zeugen.) Lacroix schildert dann das Verfahren bei der Kautschjukgewinnung an fol­gendem Beispiel: Im November v. I. nahm M. etwa 60 Weiber gefangen, die Lebensmittel nach Monbia brachten. Sie wurden in Ketten gelegt und mußten bis auf fünf verhungern, obschon die Häuptlinge sie los­kaufen wollten. Die Ursache des Verbrechens war natürlich das Unterbleiben der Kautschuklieferungen. (Fünf Zeugen.) Von Lacroix' Mitangeklagten ist einer beschuldigt, 150 Leute getötet, und 60 Hände ab g e sch n i t te n zu haben, ein anderer:Weiber und Kinder gekreuzigt, Männer verstümmelt und die Körperteile und Köpfe der Männer an einen Zaun angenagelt zu habender dritte und vierte Angeklagte haben sich einzelner Morde zu ver­antworten, M. und Lacroix wegen der vorerwähnten That­sachen. Ein in Antwerpen ansässiger frühererAfrikaner" bestätigt Lacroix' Angaben und fügt u. a. hinzu, die Ein­geborenen erhielten für 1 Kilogramm Kautschuk für 20 c (nach europäischem Wert für 2 c) Tauschwaren. Zeigen die Bundja sich nachlässig, so werden sie gezüchtigt oder mit un­erschwinglichen Strafen an Mitakos (Kupferdraht als Geld) belegt. Der frühere Hauptmann Lothaire, von dem es heißt, er sei auch bloßgestellt, war nach den letzten Meldungen mit Soldaten unterwegs nach der Mongalla, um die Bundja wegen der Ermordung dreier Weißer zu züchtigen. Lorand fragt, wie es möglich sei, daß nicht bloß die Beamten, sondern auch die Kaufleute ermächtigt sind, Kautschuk auf dem Wege der Besteuerung zu erheben. Wie könne man ferner dulden, daß der übel berufene Lothaire als Agent einer Handels-Gesellschaft beschäftigt werde. In Boma sollen 20 Weiße in Untersuchungshaft sitzen, um sich wegen Grausamkeiten zu verantworten. Eine Kommission soll die Zustände untersucht haben; deren Bericht steht noch aus oder wird geheim gehalten.

Aus Stadt und Land.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhaltes, werde« grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 23. April 1900.

Gefchicht-kalender. (N«Ldruck verboten.) Bor 81 Jehrev, am 22. April 1819, wurde zu Peine in Hannover Friedrich Badenstedt geboren, der Dichter derLieder des Mirza Schaffy", die in mehr als 100 Auflagen erschienen sind. Der Dichter starb zu Wiesbaden am 18. April 1892.

Vor 284 Jahren, am 23. April 1616, starb zu Stratford William Shakesspeare. Er wurde am 23. April 1664 zu Stratford geboren.

** Dünsbergvereio. Vor kurzem fand die Gründung des Dünsbergvereins statt. Es hatten sich etwa 50 Personen aus allen Schichten der Bevölkerung, zum Teil auch aus Wetzlar, imHotel Großherzog" eingefunden. Der Bor- sitzende des Baukomitees, Architekt Meyer, eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er die Ent stehungSgeschichte und den Verlauf des Turmbaues schil- derte. Nach Klarlegung der Finanzverhältniffe besprach Kommerzienrat Georgi den Zweck und die Ziele des Dünsbergvereins, worauf sämtliche Anwesende dem Verein beitraten. Die Vorstandswahl ergab nachstehende Herren: 1. Vorsitzende: Kommerzienrat Georgi, Schriftführer: Kaufmann Fritz Kühn, Kassier: Fabrikant Adolph Z u r b u ch, Turmwart: Architekt Hans Meyer. Zu Bei- sitzern wurden gewählt: Professor Dr. Sievers, Amts­richter Neu en ha gen, Zahnarzt Jäger, Weinhändler Helm, sämtlich von hier, sowie die Herren G. und W. Wald sch midt aus Wetzlar. Hierauf wurden die Statuten beraten. Demnächst sollen Mitgliedskarten in Umlauf gesetzt werden. Wir möchten nicht verfehlen, noch mals auf den schönen Zweck des Vereins aufmerksam zu machen; wer wahre Freude an der Natur und deren Schön-

| Heiken empfindet, möge dem Dünsbergverein beitreteu. An« Meldungen zum Beitritt nehmen auch die Vorstandsmitglieder entgegen.

O Ehrender Auftrag. Der Magistrat von Weimar hat beschlossen, den Architekten Stein u. Meyer in Gießen die Erbauung eines städtischen Schwimmbades für Weimar zu übertragen. Die Anlage soll ähnlich der des Gießener Volksbades und der des Sophienbades in Eisenach, die ebenfalls nach Plänen der genannten Architekten erbaut worden ist, hergeftellt werden. Die heimische Firma H. Schaffstaedt wird wie bei den beiden vorbenannten Bädern auch für die Anstalt in Weimar die JnstallationS- arbeiten nach ihrem patentierten System ausführeu.

x Stockhausen bei Lauterbach, 22. April. Unser ver­ehrter Pfarrer, der bereits 46 Jahre dahier amtiert, Kirchen­rat v. Stock feierte vorgestern sein 50jähriges Amts- jubiläum. Das Fest wurde mit einem Gottesdienste eingeleitet. Die Kirche war festlich geschmückt und von zahlreichen Festgästen aus nah und fern dicht besetzt. Ein gemischter Chor eröffnete die Feier mit dem Gesang: Dies ist der Tag des Herrn. Leider war es dem Jubilar wegen Heiserkeit nicht möglich, außer dem Altardienst die beab­sichtigte Predigt zu halten. Statt deffen sprach Prälat v. Habicht in Anlehnung an ein Schriftwort dem Jubilar zu seinem Ehrentage die herzlichsten Glückwünsche aus und überreichte dem Jubilar ein Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs, wodurch der Jubilar zum Geheimen Kirchenrat ernannt wurde. Zugleich übermittelte der Prälat die Glückwünsche Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs und des Ober-KonsistoriumS. Kreisrat Dr. Wallau- Lauterbach überbrachte die Glückwünsche des StaatS- ministeriums und verlas ein Glückwunschschreiben des Schulministeriums, worin der Verdienste des Jubilars um das hessische Volksschulwesen in Ausdrücken der höchsten Anerkennung gedacht wurde. Hierauf überreichte Professor v. Stade-Gießen im Auftrage der theologischen Fakultät, deren Ehrendoktor der Gefeierte ist, eine Ehrentafel; Prof. Weiffenbach-Friedberg übergab im Namen der Pro­fessoren des Predigerseminars gleichfalls eine solchedem einstigen treuen Schüler, dem tüchtigen Pfarrer, dem wohl- bewährten, wegen seiner kirchlichen Verdienste mit dem D. theol. geschmückten, durch wohlwollendes Verhalten gegen seine Geistlichen ausgezeichneten Mann." Dekan Hainer- Hungen brachte sodann die Glückwünsche der Dekane Ober­hessens dar, Pfarrer Schmidt-Schlitz die der Dekanats­geistlichen Verbände mit einem Geschenk, einem Prachtwerk über Palästina. Hieran schloffen sich die Glückwünsche der Kirchenvorstände des Kirchspiels, die gleichfalls Geschenke überreichten, der Dekanatssynode und des Kirchenvorstandes zu Schlitz. Nach einem von dem Jubilar gesprochenen Gebet und einer kurzen Schlußansprache des Prälaten an die Gemeinde schloß die erhebende Feier im Gotteshause, an die sich dann die Gratulationen der zahlreich erschienenen Freunde des Jubilars in deffen Wohnung anschloffen. Gegen 121/z Uhr vereinigten sich in dem Saale der Frau Meiski die erschienenen Festgäste zu einem gemeinsamen Festmahle, an dem auch mehrere Glieder unserer Patronats­herrschaft, Freiherrn Riedesel, teilnahmen. Kreisrat Dr. Wallau toastete auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. Ihm folgte Prälat D. Habicht mit einem Trinkspruch auf den Jubilar. Major Baron Riedesel-Lauterbach überbrachte die Glückwünsche der Freiherrlichen Familie, Professor Stade feierte den Jubilar als D. theol., Dekan Kalbhenn ° Burggräfenrode als treuen Freund. Geheimer Kirchenrat D. Dieffen- bach-Schlitz toastete auf die Patronatsherrschaft, Dekan Hainer auf das Kirchspiel Stockhausen, Baron Hans v. Riedesel auf den Prälaten, Professor Weiffenbach auf das Kleeblatt Stock-Habicht-Dieffenbach, Dekan Kalb Hann auf die Lehrer, Lehrer Gompf-Uetzhausen auf das gute Verhältnis zwischen Kirche und Schule, der Bürgermeister von Stockhausen auf den Jubilar als ihren verehrten Geistlichen. Dem Danke des Jubilars gab Prälat Habicht Ausdruck, indem er die Gäste hochleben ließ. Möge es dem Herrn Geheimen Kirchenrat vergönnt sein, noch recht lange in ungeschwächter körperlicher und geistiger Frische weiter segensreich zu wirken.

Oberscheld, 20. April. (Eisenbahnausbau im Dill kreis.) Unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Gierlich zu Dillenburg fand die zweite Beratung der Eisenbahnprojekte 1) Nikolausftollen - Wallau (Länge der Strecke zirka 30 Klm.), 2) Oberscheld - Eisemrot durch die Jrrschelde (Länge der Strecke zirka 5,8 Klm.) statt. Das Komittee wählte einen Geschäftsausschuß von 7 Personen aus den Kreisen des Handels, der Industrie, des Berg­baus, der Land' und Forstwirtschaft. Beiden Bahnstrecken, die als Normalstaatsbahnen im Anschluß an die Schelde­thalbahn projektiert sind, gebührt die volle Beachtung und Würdigung seitens des Staates. Bekannt ist, daß die Scheldethalbahn zu einer der bestrentierendsten des Eisen­bahnfiskus zu zählen ist. Diese Rentabilität muß sich der Staat erhalten, womöglich dieselbe erhöhen. Ihre Grund­lage hat die Rentabilität vornehmlich in der Befrachtung seitens der Gruben. Werden die Projekte nicht berück­sichtigt, so ist das für die Zukunft gleichbedeutend mit der Entziehung des Unterhalts für 13 bis 1400 Bergleute aus der hiesigen Gegend, die für 5 bis 6000 Köpfe den Unter­halt aus ihrer Beschäftigung im Grubenrevier ziehen. Die Seßhaftigkeit der Arbeiter zu fördern, ihnen Gelegenheit zu geben, ohne Ermüdung zur Arbeitsstätte zu gelangen, ist ein in der heutigen Zeit besonders anzustrebendes Ziel. Dies wird erreicht durch den Bau dieser Bahnen. Diese» Fragen des engeren VerkehrSgebictes reihen sich bedeutende des weiteren Verkehrsgebietes an. Die Bahnen würden in beiden Fällen den Verkehr des Dillthals, wesentlich der Kreisstadt Dillenburg, mit dem des Hinterlandes in Be- wegung setzen. Was nun schließlich die technische Frage der beiden Strecken angeht, so ist diese nach den vor

I li-S-nd-n Aufnahmen von sachverständiger Seite Schwierigkeiten zu lösen, besonder« gilt die« von r S'r°ck° Oberscheld. Eisemrot, Auch w.rd der Zur. welcher auf der Strecke NikolauSstollen-Wallau nötig D reichlich wieder ausgeglichen durch die besonders l^ Bearbeitung der Strecke Lixfeld-Wallau, ganz abqe £ davon, daß der Tunnel ohne Zweifel eine wichtige Gru)< aufschlußarbett zu gleicher Zeit darstellt. Hierzu tritt 2 auf hiesiger Seite die Unterhaltung der Scheldelabnll,^ ab NtkolauSstollen bis zum Seitenthale nach Unverlo^ Glück hin dem Kommunalverband jährlich enorme Suwn,- für Wegeunterhaltung verschlingt und deshalb seitens'^ Verbandes ein namhafter Zuschuß zu der Bahn Sicherheit zu erwarten steht. Sämtliche Interessenten b- oeioen Bahnen, Gemeinden, Gewerke, insbesondere nfor bte Bergarbeiterschaft der ganzen Gegend begrüßen v druckte mit Freuden und hoffen, daß staatlichersenr Bestreben das gebührende Interesse zugewandt wird.

Die Katastrophe von Bingen.

Von der Großherzogl. Bürgermeisterei Bingen erhall- wir folgende Mitteilungen:Unsere Stadt verort neten-Versammlung hat in ihrer gestrigenSchum folgenden Beschluß gefaßt: Die Stadtverordneten-^ sammlung spricht ihr wärmstes Mitgefühl aus Anlaß furchtbaren Ereignisses am 17. ds. Mts. aus. Sie bebaut; auf das Lebhafteste, daß die langjährigen Bemühung der zuständigen Stellen in Bingen auf Herstellung eint: besseren und sicheren Verkehrsverbindung zwischen Binu- und dem jenseitigen Rheinufer seither ohne Erqtl nis geblieben sind. Sie erwartet bestimmt, dck nach dieser Richtung hin so rasch wie irgend nm lich eine durchgreifende Verbesserung eintreten nio>; Gegenüber den vielfach unzutreffenden Darslck lungen über den Unglücksfall dürfte es für weilt: Kreise von Interesse sein, nachdem die eingeleitete Unm- suchung mehr Licht über den Sachverhalt verbreitet V berichtigte Mitteilungen über den Verlauf der Sataftropt. und über deren Ursachen zu erhalten. Nach Beendigung des im HotelEnglischer Hof" hier tagenden Kommerst- des Rheingauer Philisterzirkels katholischer Studenten Verbindungen beabsichtigte eine Anzahl Festteilnehmer, mit ihren Damen den in Rüdesheim um 10 Uhr 14 Minuten abends abgehenden Zug zur Rückkehr nach ihren Heimat, orten zu benutzen. Da das Trajektschisf bereits um 8 Utyi 18 Minuten abenbä die letzte Fahrt von Bingen aus anUiti und bei der nächstfolgenden Fahrt 9 Uhr 2 Minuten ab Bingerbrück in Bingen nicht anlegt, mußte die Ueberfahn über den Rhein mittelst Nachen bewerkstelligt werden. Zur Ueberfahrt waren die hier ansässigen Nachenführer Franz und Karl Hauck vorher schon engagiert. Sie verwendeten, da ihr eigenes Fahrzeug polizeilich nur auf 12 Personen geaicht ist, und sich eine größere Anzahl von Personen, als verabredet, einfand, eigenmächtig einen ihnen nicht gc hörigen größeren Nachen. Dieser war aber nur auf in Personen geaicht und konnte darum für 22 Personen ein sicheres Verkehrsmittel nicht abgeben. Er war überdies seitens des Eigentümers in Reparatur genommen worden Ein Organ der städtischen Polizei, die im übrigen den Nachenverkehr streng überwacht, war zufällig nicht zur Stelle. Der Nachen stieß ab und die für ihn allzuschwern Belastung hat nun offenbar den Unglücksfall verschulbei Aber nicht allein auf diesen Umstand, wenn er auch direkte Ursache des Unfalles war, ist die Katastrophe zurütl zuführen. Die tiefere und eigentliche Ursache bilden die ganz unzureichenden und unzeitgemäßen Einrichtungen der Trajektverbindung Bingen-Rüdesheim. Das ausschließlich? Recht zur Unterhaltung einer Dampferverbindung zwischen Bingen und Rüdesheim ist nämlich seitens der beiden Ufet- staaten zur Zeit der preußisch-hessischen Eisenbahn-Direl tion Mainz übertragen. Die Eisenbahn-Verwaltung b handelte seither das Trajekt in erster Linie als Mittel: ihre eigenen Zwecke Herstellung des Eisenbahn-Äc schlusses zwischen den in Bingerbrück bezw. Rüdeshu'r ankommenden und abgehenden Zügen. Dabei fand lei ungleich größere und wichtigere Personenverkehr yuifdhr Bingen und Rüdesheim eine durchaus ungenügende B- achtung.

Während an sonstigen, viel weniger verkehrsreicher. Plätzen am Rheine einviertel- oder einhalbstündiger Bto I kehr zwischen den beiden Ufern bis über 10 Uhr nackte hinaus aufrecht erhalten wird, muß sich hier der äußert lebhafte geschäftliche Touristen- und Fremdenverkehr einer. Fahrplane unterordnen, der überwiegend den Bahn "r schlüssen Bingerbrück-Rüdesheim Rechnung trägt. Derin Zeit in Kraft befindliche Winterfahrplan sieht z. B. zwisäe' 9 Uhr 37 Min. und 11 Uhr 2 Min. vormittags, Jor abends nach 8 Uhr 18 Min. keine Fahrten von Siny nach Rüdesheim bezw. in umgekehrter Richtung vor. ? langjährigen und wiederholten Bemühungen der Stc> Verwaltung, der Handelskammer, des Detaillistenvere^ und des Vertreters der Stadt Bingen im Landtage, rechtsrheinischer Behörden und Korporationen eine Verbesserung des Winterfahrplanes nicht herbeiM^ Nach dem ersten Entwürfe des neuen SommerfahrM-' bestand sogar die unglaubliche Absicht, die Ueberscchi- gelegenheiten sowohl vormittags von Rüdesheim ns' Bingeir, wie auch abends von Bingen nach Rüdeshak . in der Weise zu verschlechtern, daß zwischen, 8 Uhr 28 W bi% 11 Uhr 56 Min. vormittags keine Fahrt von Rilts- heim nach Bingen und abends 8 Uhr 18 Min. die 11 Ueberfahrtsgelegenheit von Pingen nach Rüdesheim w- gesehen war, während von Bingerbrück aus noch -<r; weitere Fahrten (8 Uhr 55 Min. und 9 Uhr. 50 nach Rüdesheim direkt ausgeführt werden sollten. Wel« auch nach dieser Richtung hin eine Verbesserung der tW gelegenheit für die Zukunft nachträglich zugestanden wurc< so muß doch die jetzige Verkehrsverbindung immer als d urchaus ungenügend bezeichnet werden. 0 ist einleuchtend, daß niemand, besonders zur Nachtzeit. Fahrt über,den Rhein im schwankenden Kahne zurücklc^ würde, wenn eine bessere Fahrgelegenheit vorhano- wäre. Eine durchgreifende Verbesserung dieser uni^n baren Zustände kann nur dadurch herbeigeführt ioe' daß die Ausübung des Fährdienstes BingenRul>^ heim durch E i n z e l u n t e r n e h m e r s r e i g e g c b en< und so eine direkte Dampfer - V e r b r n 0 u.tu zwischen den beiden Stabten Rüdesheim und Binger »

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