Ausgabe 
24.4.1900 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 24. April

Montags.

Amts- und Zlnzeigeblntt für den Kreis Gieren

Bekanntmachung.

Ül. I, i.

All, Anzeigen-Bermittlungsstellen deS In« und SuSlande« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg.

fl*aftion, Expedition und Druckerei:

Kchukstraße Ar. 7.

Iinahme von Anzeigen zu der nachmittags für den log erscheinender. Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen fpäretzenS abends vorher.

hod Marktplatz.

Zugleich weisen wir nochmals auf die nachstehenden

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Mze neue Flottenvorlage für's Reich bezahlen Lönntte. Sie fühlten sich frei und glücklich im Genüsse I Cjugenb Und der Ferien. Niemand ahnte, was ihnen, vimiittelbar bevorstand, niemand machte sich die mindeste

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger chietzea.

Fernsprecher Nr. 51.

Bett.: Die Biehmärkte zu Gießen.

Die für DtevStag den 24. und Mittwoch den ' 85. April I. IS. bestimmten Biehmärkte nehmen an beiden iMtn vormittags 7 Uhr ihren Anfang.

Bor 7 Uhr darf Vieh nicht ans den Stallungen ge- dnacht, und innerhalb der Stadt auf den Straßen nicht oifgtjteDt werden. u . .

Der Austrieb muß um 9 Uhr vormittags beendet fern; ii dieser Stunde beginnt dann erst der Abtrieb des Viehes

Politische Wochenschau.

Gießen, 23. April.

Bekanntmachung.

Mit Zustimmung des Kreisausschusses Gießen und im t Kivernehmen mit den zuständigen Behörden des Kreises Mseld haben wir gemäß § 20 der Kreisfeuerlöschordnung lsÄ den Kreis Gießen das Ausscheiden der Gemeinde Kadenbach aus dem Brandhilfsverband mit Weitershain im) umgekehrt genehmigt.

Gießen, den 20. April 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

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Akczugsprcis DicnciiälivL Mk. 2,20 nionathd) 75 Pjg. mit Bringcrlobn; durch die Abholestellen merteljährl. Mk. 1,90 moimtlid) 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährl. mit Bestellgeld.

eneralveM,

Politische Tagesschau.

2er ehrwürdige König Albert von <5achsen, ber letzte jener erlauchten Feldherren, die 1870=71 die deutschen Truppen in Frankreich zu Sieg und Ruhm gea führt haben, feiert heute am 23. April, seinen 72. Geburts- tag, und das ganze deutsche Heer vereinigt sich an diesems Tage mit dem Sachsenvolke in den innigsten Glück- und Segenswünschen für den allverehrten Monarchen. Der Armee, den alten und jungen Soldaten, galt sein Lebens- werk, und bei seiner goldenen Militärdienstjubelfeier nannte er die Armee selbst seine erste Jugendliebe, der er immer treu geblieben sei. Sie ist es denn auch gewesen, durch die er sich in der Kriegsgeschichte einen hohen Ehrenplatz er- stritten und behauptet hat bis auf den heutigen Tag. Nicht minder ist er bekannt als fürsorglicher Soldatenvater und Erzieher dies Heeres, dessen Leistungsfähigkeit er nach jeder Richtung hin förderte und hob. Seine seltenen Verdienste in militärischen Dingen sind von allen Kriegsherren der Welt anerkannt, teils durch Verleihung hoher Kriegsorden, teils durch Anweisung von militärischen Ehrenstellungenj in den betreffenden Heeren. König Albert bekleidet inj der deutschen, österreichischen und russischen Armee die höchsten militärischen Würden und trägt ihre hervor- ragendsten Orden und Ehrenzeichen. In seiner eigenen Armee ist König Albert Chef des 1. (Leib-) Grenadier- Regiments Nr. 100, des Garde-Reiter-Regiments und deA 1. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 12 seit seiner Thron-Be­steigung, sowie des 1. (Königs-) Husaren-Regiments Nr. 18 seit der am 1. Juli 1891 gefeierten 100 jährigen Jubel­feier des 2. sächsischen Husarenregiments Nr. 19. In der russischen Armee führt seinen Namen das Kopor'sche In­fanterie-Regiment Nr. 4, Pas ihm verliehen wurde gelegent­lich seines Besuches am Hose des Zaren Nikolaus I. im August 1852. Der preußischen Armee gehört der König an als Chef des ostpreußischen Dragoner-Regiments Nr 10, verliehen vom König Wilhelm I. am 17. September 1869, sowie des 2. Garde - Ulanen - Regiments, verliehen am 22. Oktober 1893 durch Kaiser Wilhelm II., der österreichi­schen Armee als Chef des 3. Dragoner-Regiments, mr- liehen bei seiner Thronbesteigung am 29. Oktober: w» durch Kaiser Franz Joses L, der baier.schen Armee als, Chef des 15. Jnfanterie-Regiments V'L^iStroiberai-

'S »«SF* bes Monarchen durch König Wilhelm II.

Sorge. Da trat jenes fürchterliche Unglück ein, das wir I unfern Lesern in den letzten Tagen in umfänglichen Artikeln I schildern mußten und zu dem sich in unserer heutigen I Nummer die Großh. Bürgermeisterei zu Bingen äußert. I In die Klagen über das Unglück mischt sich der sehr gerecht- | fertigte scharfe Tadel über die ganz unhaltbaren Trajekt- I Verhältnisse zwischen Bingen und Rüdesheim. Die Be- I schwerden der städtischen Verhaltung von Bingen sowohl, 1 wie die bevorstehende Interpellation im Landtage unseres I Großherzogtums werden nun hoffentlich den sehr er- I wünschten Ausgang haben.

Auf allen politischen Gebieten ist es in der vergangenen I Woche recht still gewesen. Diese Stille aber wird binnen I kurzem ihr Ende nehmen. Denn der Reichstag tritt I am Dienstag wieder zur Fortsetzung feiner Beratungen I zusammen, und der politische Kampf nimmt nach der kurzen I aber wohlthätigen Osterpause wieder seinen Fortgang. Das I Hauptstück des politischen Kampfes wird zunächst die I .Flottenvorlage bilden, die sich der Entscheidung mit Riesenschritten nähert. Am Mittwoch bereits tritt die Bud- 1 getkommission zusammen, und es wird sich bald zeigen, welche Gestalt das Kompromiß hat, das allem Anschein nach vom Zentrum vorbereitet worden ist, und durch da-! eine Verständigsung über die Deckungsfrage herbeigeführt werden soll. Daß das Zentrum seine hilfreiche Hand zur Durchbringung der Flottenvorlage bieten wird, darüber kann angesichts der radikal veränderten Haltung der Presse dieser Partei kaum noch ein Zweifel sein. Wie die Partei­verhältnisse im Reichstag liegen, ist die Regierung auf die Mithilfe bei der Flottenverstärkung angewiesen und | das Zentrum zögert nicht, diese günstige Lage für die Stärkung feiner Stellung und für die Verfolgung ander­weitiger Pläne auszunutzen, auf die es mehr Wert legt, als auf die Neigung für oder die Abneigung gegen die Flottenverstärkung. Freilich, wenn das Zentrum die Ab­sicht haben sollte, seinen Wechsel für die Mitwirkung bei dieser Vorlage schon bei dem Entscheidungskampf um die lex Heinze zu präsentieren, so könnte es leicht ge­wärtigen, daß ihm dieser Wechsel präsentiert wird.

Im bayrischen Landtage allerdings ist in Bezug auf die Lex Heinze sehr Sonderbares zutage gefördert wor­den. So meinte, durchaus unrichtig, der Kultusminister von Landmann, die Aufregung über § 184a der Lex Heinze fei in Künstlerkreisen nicht so groß, wie die Gegner be­haupten. Er sei durch nochmalige Prüfung zur Ueber- zeugung gekommen, daß die Besorgnisse übertrieben seien.

I Die Gestattung eines gewissen Spielraumes, eine gewisse Kautschukartigkeit finde sich vielfach im Strafgesetz und sei

I sogar gut. Die Bewegung gegen die Lex Heinze sei nur aus I politischen Gründen erfolgt. Lerno (Zentrum) protestierte I als Richter schärfstens gegen Die bekannten Aeußerungen I des Professors Lipps, die schwere Beleidigungen desRich- I terstandes seien. Er bekämpfte die Agitation gegen die Lex I Heinze und erwähnte dabei, Boecklins wundervolles Bild IDas Spiel der Wellen" müsse aus den Schaufenstern ent- I feint werden, es wäre vielleicht nicht schade, wenn es auch I aus der Pinakothek verbannt würde, da diese doch auch I von jugendlichen Personen besucht werde!!! Justizminister I von Leonrod erwiderte ihm, die Entfernung dieses Bildes I aus Schaufenstern und aus der Pinakothek würde nicht der I Auffassung der Regierung entsprechen. Die bayerische Re- I gierung habe nicht für den § 184b gestimmt. Wir haben I trotz allem immer noch die Hoffnung, daß der Bundesrat I diesem von der Reichstagsmehrheit zurechtgestutzten Ge- I setzentwurf seine Genehmigung nicht geben wird. Im I Gegensatz zur Lex Heinze haben sich bei der Fleisch- I beschauvorlage die Aussichten eines Kompromisses I zwischen Regierung und Reichstagsmehrheit verstärkt, I mährend diese Kompromisverhandlungen andererseits be- I kcmntlich zu einer scharfen Fehde zwischen der konservativen I Partei und der des Bundes der Landwirte geführt haben.

Ganz überraschend kam die Fahrt des Kaisers nach I Altona heran, um dem Prinzen von Wales auf I seiner Rückkehr von Dänemark nach England persönlich I Glückwünsche zur glücklich überstandenen Attentatsgefahr I darzubringen.

Sonst steht der angekündigte Besuch des Kaisers I Franz Joseph nach wie vor im Vordergründe des I politischen Interesses, wenn auch bemerkenswerter Weise I die Debatte über diese Reise vorwiegend von der auslän- I dischen Presse geführt wird, die sich darüber weit mehr Iunfern Kopf" zerbricht, als wir selber. Wir in Deutsch- I land haben keinen Anlaß, in diesem Besuch etwas anderes I zu sehen, als eine Bekundung, daß das Dreibundverhältnis I in derselben Weise fortbesteht wie bisher, wobei wir uns I stets vor Augen halten müssen, daß bei allen Vorteilen, I die der Dreibund für unsere internationale Stellung be- I deutet, diese Vorteile für die beiden anderen beteiligten I Länder jedenfalls eher größer als geringer sind. Deshalb I kann uns der Unwille, den die tschechische Presse über die I Reise zur Schau trägt, kalt lassen, denn wir können es den I verantwortlichen Männern in Oesterreich-Ungarn über- | lassen, den wahren Wert dieses Unwillens ebenso wie den

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lon-Kakao i lon-Cakes ( Ion-Speise, i Zugleich weifen rott norymms aus Dir nuu^ncytHucn, lOn-Llkore X 1W Großh. Kreisamt festgesetzten Beschränkungen, die für rt mit feinen i i Me bniden Biehmärkte maßgebend sind, mit dem Anfügen ipin, daß dieselben strengstens durchgeführt und Zuwider- - ! 11 anblingen zur Anzeige gebracht werden.

Gießen, den 21. April 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

des Dreibunds richtig einzuschätzen. Mit demselben Gleich­mut können wir die Kundgebungen des franzofenfreund­lichen Teils der italienischen Presse registrieren, die diesen Anlaß zu der alten Klage benutzt hat, daß der Dreibund Italien nicht gebracht habe, was.die italienischen Optimisten sich davon versprochen haben. Die Mehrzahl der Italiener hat es zum Schluß doch noch stets vorgezogeu, gleichberech­tigtes Mitglied des Dreibunds als der Vasall Frankreichs zu sein. t

Die Franzosen stehen ganz unter dem Eindruck der eben eröffneten Welta usstellung, und wenn man bedenkt, wie viel in finanzieller Hinsicht bei dem Gelingen derselben auf dem Spiele steht, so ist es leicht begreiflich, daß gegenwärtig an der Seine alle anderen Rücksichten im Hintertreffen stehen. Ob es mit dem angeblich entdeckten Plane eines Attentats gegen den Präsidenten Loubet etwas auf sich hatte, bleibt dahingestellt, jeden­falls haben die maßgebenden französischen Kreise wohl daran gethan, von der Sache nicht allzuviel Aufhebens zu machen. . ,, . . ,,

Der Zar lebt in feiner Krönungsstadt recht friedlich, er hat bisher alle Gerüchte, die ihm kriegerische Neigungen zu Gunsten Transvaals zuschieben, Lügen gestraft. Vor­läufig kann England als seineneinzigen Freund" Portu­gal bezeichnen, das ihm durch die Erlaubnis des Durch­zugs britischer Truppen durch Mozambique wirksam zu .Hilfe gekommen ist. Aber auch in Portugal macht sich eine mächtige Bewegung gegen die Politik der Regierung geltend, die den Engländern gegenüber den Buren kurz­sichtiger Weise Handlangerdienste leistet. Die Nachgiebig­keit den potugiesischen Regierung ist in letzter Zeit die i einzige Freude gewesen, welche die Engländer auf dem | südafrikanischen Kriegsschauplatz erlebt haben. Denn int übrigen haben sie nichts qls Mißerfolge erlebt, und Mit der Abberufung unfähiger Heerführer sind keme Erfolge zu erzielen, so lange man nicht bessere an ihre Stelle zuj setzen hat. Es ist auch wenig geeignet, die melancholisch? Stimmung der Engländer zu verbessern, daß der Emir von Afghanistan neuerdings rebellisch wird, und den Engländern die ohnehin zweifelhafte Freundschaft aufzu­kündigen droht. Allgemach verstärkt sich in England die Furcht, daß man, was man in Afrika vielleicht gewinnt, in Asien weit über den Preis wird bezahlen müssen.

I. V.: Roth.

§ 3-

Vieh, welches an den Markttagen und an den vier vorhergehenden Tagen in den Bezirk der Gemarkungen Sießem, Wiefeck und Heuchelheim eingebracht und daselbst eingestellt wird, muß an dem ersten Standort mindestens 'l'Dag e lang verbleiben, und darf ihn innerhalb der nächsten

14 tage nach Ablauf der siebentägigen Quarantäne nur i > dafifen, wenn es nach dem Zeugnis des Großh. Kreis- i»etermärarztes keine seucheverdächtigen Erscheinungen ge* ,|»dgt lhat. Bon dieser Quarantänepflicht ist das Bieh nur 1s,m befreit, wenn es auf den Markt gebracht und der i lirrärztlichen Untersuchung daselbst unterworfen wird. Alle * Cure, die vom 4. Tage vor dem Markt bis zum letzten Markttag eingestellt werden, sind sofort vom Eigentümer nita Begleiter der Tiere der Ortspolizeibehörde und von hrtiftr dem Großh. Kreisveterinäramt anzumelden; in gleicher s®n{e ist der Besitzer des Stalles zur Anmeldung verpflichtet 1 imb D erantwortlich.

§ 4.

DaS Handeln auf Straßen und Plätzen der Stadt , Sicht n, der Orte Wieseck und Heuchelheim ist verboten.

§ 5.

Bieh aus Gemarkungen, in welchen die Seuche herrscht, ; nicht aufgetrieben werden und wird nicht zugelassen.

§ 6.

Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 328 des ' Whsstrafgesetzbuchs und § 66, Abs. 4, des Reichs-Bieh- * Me ngesetzes bestraft.

Gießen, den 11. April 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Wiederum waren in der vergangenen Woche unsere Äfft, von der garstigen Politik abgelenkt Sie richteten

M diesmal dem Rheine zu, auf dem sich, wie wenige uqe darauf auf der Weser bei Bremen eine dem wdächtnisse nicht so bald verlöschbare Katastrophe zu- Trug. Mitglieder der Binger Philisterzirkels, einer aka- i»Aißchen Korporation, hatten nach fröhlichem Kommers nfllll i»iekLrze Rheinfahrt nach Rüdesheim angetreten. Es war f lllllSlI bimste Wetter und es herrschte volles Behagen. Da lllllUlll die Insassen Wasser in den Rachen bnnoen Aber I / IJUV ' I.och wich nicht die gute Laune. Vielleicht scherzten sie I w loogar- über der neuen Nibelunge Not und über den Schatz,

'^da unten im Binger Loch liegen soll und die w.L,t gort VMI - - - -

' M der . au,flebaut; 'hrsalzei!

; Oer höhere ff«

on iss) r^chinkoDZeB^/ r daher allen Ehrgt n.

Pfennig an > haften.

t». 91 Zweites Blatt

s Gießener Anzeiger General-Anzeiger