1900
Dienstag den 24. April
Erstes Blatt.
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Giefzen
Der Krieg in Südafrika
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auf englische Patrouillen gestoßen. — „Daily Telegraph" meldet aus Ladysmith vom Freitag, an maßgebender Stelle verlaute, die Buren seien mit ihrem schweren Geschütz auf dem Rückzüge und der Weg werde anfangs nächster Woche für den Vormarsch der Engländer frei sein. (Wenn diese „maßgebende Stelle" sich nur nicht gründlich irrt!) Am Samstag früh sollen die Buren von neuem ein heftiges Feuer auf die englische Stellung bei Elandslaagte eröffnet
in die englischen Stellungen geschleudert worden. Unsere Offiziere und Mannschaften halten standhaft auf ihren Posten in den Laufgräben au<8. Seit Donnerstag fällt ein heftiger Regen und erschwert unsere. Lage. Gestern bemerkten wir in der Ferne eine große Anzahl feindlicher Kommandos vorüberziehen, die sich augenscheinlich auf dem Wege nach Rouxville befanden, um sich den Truppen Brabants in den Weg zu stellen.
London, 23. April. In einer Unterredung, welche Charles White im Schlosse zu Windsor mit dem Prinzen Christian von Schleswig-Holstein hatte, bemerkte dieser dem General, der Krieg werde wohl noch ein Jahr dauern. Dieser erwiderte, seiner Ansicht nach werde Lord Roberts in den ersten Tagen des August mit den Buren abrechnen, da dieselben vollständig erschöpft und ohne jegliche Vorräte seien. (?)
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Aus Kapstadt wird gemeldet, daß zwei von den fünf I katholischen Bischöfen gegen die Annexion Transvaals seien.
In Lourenzo Marques ist am Samstag das I Transpottschiff „Portugal" mit einer Truppenabteilung von I 800 Mann an Bord aus Lissabon eingetroffen. Die Por- I tugiesen haben also doch Angst, daß die Buren ihnen wegen ihres Neutralitätsbruchs etwas am Zeug flicken werden.
Die Burengesandtschaft hatte am Samstag im | Haag wiederholte Beratungen mit dem holländischen Staats- I rat Dr. Asser, den Beratungen wohnten Dr. Leyds und Dr. Müller bei. Der Führer der BuremMission Dr. Fischer erklärte einem Potsdamer Journalisten, Transvaal könne zwar besiegt, aber niemals unterjocht werden.
Zu der Kritik Roberts' an den unfähigen Generalen in Natal sich eine beachtenswerte Stimme aus dem englischen Kabinett vernehmen taffen. Der Landwirts chaftsminister Long hielt am Freitag in Hüll eine Rede, in der er sagte, die Frage der Auseinandersetzung mit den Generalen im Felde sei Roberts Sache. Das Kabinett würde nicht von seiner Politik abgehen, die Angelegenheit dem Ermeffen Roberts' zu überlassen, da | es volles Vertrauen zu ihm habe.
In Petersburg ist eine Anzahl englischer Pf erde- hLndler eingetroffen, um Pferde für Transvaal einzukaufen. Viele russische Pferdebesitzer haben beschlossen, den englischen Agenten keine Pferde zu verkaufen.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Paris, 23. April. Man glaubt hier nicht, daß die von der südafrikanischen Republik nach Europa entsandte Mission hierher kommen werde. In diplomatischen Kreisen wird vermutet, daß die Mission keine festen In- i struktionen mitgenommen habe, sondern daß es ihrem eigenen I Ermeffen überlasten bleibe, je nach den Umständen die ihr am besten dünkenden Schritte zu unternehmen. Es verlautet, daß die Buren-Mission aus gewisten Zeitungsnachrichten in der Sprache mancher russischer Blätter die Hoffnung auf einen Beistand Rußlands schöpft. Nach den Auslastungen der erwähnten Kreise sei dies sicher eine Täuschung, da angesichts der zweifellos unerschütterlichen Weigerung Englands, in feinem Konflikt mit den südafrikanischen Freistaaten die Vermittelung eines Dritten zuzulasten dessen ungeachtet eine Intervention zu versuchen die Geneigtheit hierzu bei keiner Macht vorausgesetzt werden könne.
London, 23. April. Die heutigen Morgenblätler veröffentlichen nur wenige Telegramme vom Kriegsschauplätze, sie beschäftigen sich aber desto mehr mit der politischen Seite des Krieges und stellen fest, daß die Buren sehr standhaft find, um den englischen gegen sie operierenden Truppen das Vorgehen zu erschweren. „Daily Telegraphberichtet, daß das Vorgehen der englischen Truppen nur sehr langsam von Statten gehe. „Daily Mail" stellt fest, daß die Buren alle ihre Stellungen halten.
I Dasselbe Blatt stellt fest, daß die öffentliche Meinung I sehr erregt sei infolge der amtlichen Veröffentlichung Ides Protestes seitens des Transvaal-Staatssekretärs I Reitz, in dem dieser Einspruch dagegen erhebt, daß die I englischen Truppen das portugiesische Gebiet von Mozam- I bique durchziehen.
London, 23. April. Aus Ladysmith wird von gestern I berichtet, die Buren legen seit einiger Zeit eine außer« I ordentliche Thätigkeit an den Tag. Heute wurde eine unserer Kavallerie-Patrouillen in ein Gefecht mit dem Feinde in der Gegend von Lombardkopje verwickelt. Wir verloren aber nur ein Pferd.
London, 23. April. AuS Jamersberg wird ge- I meldet: Ueber 2000 Geschosse find von den Buren
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* ijnbm dem Anzeiger »Wechsel mit „Hess !|abn>irtw 8. „Blätter •|r deff. Volkskunde" Btytl. 4 mal beigelegt.
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'hn Londoner Kriegsamte schwebt man in großer Soree um die nächste Zukunft. Man sicht in London em) -aß'die Dinge auf dem Kriegsschauplätze viel schlechten stehen, als bisher bekannt »Dar und man auch nur geahnt Dlte. Es heißt in London, Lord Roberts habe in einem | gjs' hundert Mann nach Süden aufgebrochen und eing eisenden Bericht die Sachlage klargelegt und Thatsachen I - ger bem Freistaate zugekehrten Seite der Biggarsberge gikhÄllt, die seinen ganzen Feldzugsplan überhaupt ge- I ö ----- —- —
Md en, inindestens aber ihn in seinem nächsten Stadium I hemrien und nun den Abschluß des Krieges von neuem w weite Ferne gerückt erscheinen lassen. Aus alledem get# I hervivr, daß der ganze englische Feldzugsplan auf der. I gonzsn Linie als gescheitert zu betrachten ist. I
Das Mausergewehr der Bnren ist wieder in eifriger I ßtftigfeit; von allen Punkten der englischen Front werden I tzksechte gemeldet, die sich nur durch Angrisssoperationen I kr ySuren erklären lassen. Bei Boshos, also in der I liiifem Flanke Lord Roberts', ist es ihnen gelungen, eine! rng lische Abteilung unter großen Verlusten zum! I $üiffgug zu nötigen; bei Dewetsdorp, südöstlich von Aoamfontein, ist der Kamps zwischen General Rundle und kn in großer Zahl dort stehenden Orangestaatsburen miniE-r noch unentschieden, und die englische Garnison in Vepener wird ohne Hoffnung auf Entsatz von dem Gegner euf3 äußerste bedrängt. Lord Roberts kann froh sein, wenn tr umter Diesen Umständen feine Truppenmacht, die von verhörenden Krankheiten, wie Typhus und Ruhr, heim- aesucht wird, überhaupt verteidigungsfähig erhält; von km ost angeküudigten Siegesmarsch nach Pretoria kann auf lange Zeit hinaus keine Rede fein.
Die Kolonne Lord Methuens, des durch die Schlacht bei Magersfontein und manche andere Ereignisse dieses | diecses so unrühmlich bekannt gewordenen Generals, tvar । k, ber die Buren auch jenes Gefecht bei Boshof ge--. liefent haben. Die englische Meldung betont, die glückliche Rettung der Streitmacht, und giebt damit zu, daß es sich nur um die Abweisung eines vernichtenden Schlages gehandelt hat, daß also der strategische Erfolg hier durchs aii3 auf feiten der Buren ist. Als Methuens Korps am Ä. d. Mts. auf erhaltene Ordre von Swartkopjesonteiy nach Boshof zurückwich, wurde der sechs /Meilen lange ioimoi von zweitausend Buren mit drei Geschützen energisch angegriffen und entkam mit knapper Rot, dank dem Umstand, daß englische Kavallerie eine Stellung auf einige^ feen drei Meilen von der Straße eingenommen hatte :inbi den Feind so lange in Schach hielt, bis der Convoi iüÄcherljeit war, worauf sich die Kavallerie zurückzog, doch -udir ohne Verluste. Die Buren hatten mit der größten iipjjerfeit gekämpft und waren bis auf dreihundert Meten itn Me Stellung der englischen Kavallerie herangekommen.,
Der Kampf bei Dewetsdorp wird in enemTele- tiianim des Feldmarschalls Lord Roberts aus Bloemfontein tjoirt Samstag wie folgt geschildert: Die Streitmacht Rund- des Kommaiideurs der 8. Division, kam gestern mit üeni Feinde vier Meilen südwestlich von Detwetsdorp in 'MMng. Der Feind nahm eine starke Stellung ein, welche Ilie Stadt beherrschte. Die Yeomanry und die berittene ^nfainterie besetzten eine andere Stellung, die ermöglichte, Icf; Rundle den Feind vertrieb und die Hochfläche nahm, littlcfje früher von demselben gehalten war. Rundle ging tyute am frühen Morgen vor unb wird jetzt ein neues Hsecht mit dem Feinde beginnen. Unsere Verluste von gifte cn waren: zwei Mann schwer und ein Offizier unb Hieben Mann leicht verwundet.
Auch bei Karree-SidingStation, nördlich von »kemsontein, wird weitergefochten, jedoch hat sich der Kampf bisher nicht über Geplänkel hinaus erstreckt.
Zufolge der Wolkenbrüche der letzten Zeit sind sowohl Är Caledon, »vie der Modder- und Ri et-Fluß
von Anzeigen zu der nachmiNag» für »en (»taeakn Lag erscheinenden Nummer dir vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
sein sollte. Beide Forderungen wurden abgelehnt und beide Teile beobachten sich gegenseitig mit Argwohn.
Die Nachrichten aus dLatal, mit denen die englische Presse austoartet, sind zumeist einander widersprechend. „Daily Mail" berichtet aus Ladysmith vom Freitag, die Buren in Natal versuchten bereits den Guerillakrieg. Kürzlich seien mehrere kleine Trupps in Stärke von
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. April. Der Kaiser reifte gestern vormittag 8 Uhr 30 Min. mittelst Sonderzuges vom Potsdamer Bahnhöfe nach der Wartburg ab. Während dev Fahrt hörte oer Kaiser den Vortrag des Chefs des Ma-i rine-Kabinetts und arbeitete dann mit dem Vertreter des Auswärtigen Amtes. Kurz vor 1 Uhr traf er in SB e i m a r ein und iwurde vom Großherzog von Sachsen-Weimar empfangen. Um 1 Uhr 5 Min. fuhr der Kaiser in Begleitung des Großherzogs nach Eisenach .Dort traf er um halb 3 Uhr ein. Zum Empfange waren auf dem Bahnhosv der Erbgroßherzog mit seinem Bruder, dem Prinzen Bernhard Hernrich, erschienen. Nach kurzer Begrüßung begaben sich der Kaiser und der Großherzog nach der Wartburg mit einem Biarerzug mit Spitzenreitern. Der Kaiser trug Jagduniform und sah sehr wohl aus.
— Die Uebersiedelung des Kaiserlichen^ H o f l a g e r s nach dem Neuen Palais wird voraussichtlich erst nach Beendigung des Besuches Kaiser Franz Josefs am hiesigen Hose stattfinden.
— Der Hofstaat für den Kronprinzen wird allmählich gebildet. Zum Hofmarschall wurde der Oberst v. Pritzelwitz vom zweiten Garde-Regiment ernannt.
— Zum bevorstehenden Besuche des Kaisers Franz Josef in Berlin schreiben die „Berl. Neueste Nachr.": Daß einer Begegnung zwischen den Monarchen der beiden mächtigen mitteleuropäischen Reiche stets der Cha^ ratter eines politischen Ereignisses innewohnt, ist so selbst-, verftändlich, daß jede nähere Darlegung in dieser Hinsicht überflüssig ist. Alle Versuche, den bevorstehenden Besuch des Kaisers Franz Josef mit einem speziellen politischen Zweck in Verbindung zu bringen, würden jedoch an den Thatsachen scheitern. Das Schreiben, in dem unserem Kaiser von seinem hohen Verbündeten der Besuch angesagt wurde, enthielt keinerlei politische Andeutungen, beschränkte sich vielmehr darauf, dem innigen Wunsche das Kaisers Franz Josef Ausdruck zu geben, unser Herrscherpaar, sowie sein Patenkind, den Kr-onprinzen, in Berlin begrüßen zu können. In vollem Einklang damit ist von amtlicher österreichischer Seite immer von neuem betont worden, daß kein spezielles politisches Motiv der spontanen Entschließung des Monarchen zu gründe liege . Diese Thatsachen sind ausreichend, um die Verbreitung gegenteiliger Behauptung als haltlose Quertreiberei zu kennzeichnen.
— Das preußische Staatsministerium hielt! heute nachmittag eine Sitzung ab.
— Das neu errichtete 3. bayerische Armeekorps ist der 4. Armee-Inspektion zugeteilt worden. Prinz Levpold von Bayern, der Generalinspekteur dieser Armee- Inspektion, behält dadurch nach wie vor das Besichtigungsrecht über sämtliche bayerische Armeekorps.
— Die Torpedobootsdivision wird für die Rheinfahrt folgenden Weg nehmen: Kiel, Nordostsee-! Fanal, Nordsee, Anlaufen des holländischen Kriegskafens Neuiwe-Diep, bann über Hoek van Hollanb unb rheinauf- | wärts über Rotterbam, Emmerich nach Köln. Dort bleibt bas Divisionsboot vor Anker liegen, währenb bie übrigen Torpeboboote bis Rübesheim fahren sollen.
— Eine öffentliche Kunbgebung zur Schulreformist vom Vessein beutscher Ingenieure, vom Verein deutscher Realschulmänner, vom Vereine für lateinloses Schulwesen unb vom Vereine für Schulreform für ben 5. Mai in Berlin anberaumt worben. Die genannten Vereine, bie seit vielen Jahren mit verschiebenen Programmen bie Refvrmgebanken vertreten, haben sich auf svlgenbe zwei gemeinsame Forberungen geeinigt: 1. alle neunklassi- gen höheren Schulen müssen gleiche Berechtigungen zu ben wissenschaftlichen Stubien unb höheren Laufbahnen haben;
| 2. bie weitere Gestaltung aller höheren Lchulen i|t in ber Richtung zu bewirken, baß sie einen bie drei unteren I Klassen umfassenben gemeinsamen lateinlosen Unterbau er» batten. $ einer kaiserlichen Aiwrbnung sollen bie
I Feuerwerker mehr im Reiten ausgebildet werben.
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0rd) Hochwasser völlig unpassierbar. Bloemfontein Liegt in ber Mitte eines Dreiecks, bas bie genannten Ströme ölten, ist also gleichsam burch elementare Gewalt abge- ftnitten.
Eine Bloemfonteiner Melbimg ber „Daily News" 6e» jagt, bie Buren räumten mehrere Stellungen im Osten »'n Bloemfontein. Längs ber Straße nach Thabanchu bergen sich augenblicklich in ber Richtung auf Wepener Skenljecre, vermutlich um bie Kommanbos in ber Nähe Calebon-Flusses zu entsetzen.
Wie ferner aus Maseru telegraphiert wirb, bauert Einschließung von Wepener burch bie Buren >t. Der Feind scheint entschlossen, die Besatzung zu gingen, sich zu ergeben, bevor Entsatz eintrifft. Gestern Ml hörte man von Dewetsdorp her schießen. Ein Buren- Äommnando von Wepener begab sich eilig dahin.
Aus Betschuanaland wird dem „Bureau Reuter" toon Mmberley telegraphiert, bie Melbung, bie Eingebornen in Betschuanaland hätten sich erhoben, entbehre ber Be- Sätigung. Die Buren verlangten von dem Häuptling in 2mmgs bie Stellung von 500 Arbeitern für bie Minen unb fcon dem Häuptling von Honing Ballay bie Auslieferung im Wich, das angeblich Eigentum eines englischen Farmers
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