Ausgabe 
24.3.1900 Zweites Blatt
 
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itiütfinbet, den angekündigten Dortrag zu hatten. Das Präsidium des Vereins hat, um die Lücke auszufüllen, eine Vage auf die Tagesordnung gesetzt, die für die Landwirte ülmählich brennend wird:Wie hoch muhen, unter B^uck- ckchtigung der heutigen Verhältnisse, die landwirtschaft- ichen Zölle in den neuen Handelsverträgen angesetzt und iestgelegt werden?"

ten ersten Vorsitzenden des Festausschusses, Herrn Stadt- Mordneten Ring, die Geschäfte leitete, sprach noch namens btf Ausschusses den Herren Oberbürgermeister Dr. Gaßner, .Eutler und Nohascheck verdienten Dank aus für ihre bis- ijertge, aufopfernde Thätigkeit in der Sache. Der Herr Lherbürgermeister dankte und brachte nochmals die Rede Ms den Zug, der als Zeichen des Gemeinsinns der Bürger- -schaft aus dieser selbst hervorgehen müsse. Der Anfang ,-sei in vielversprechender Weise gemacht, und die glanzvolle

0 Vom Lande, 22. März. Obgleich noch zu Beginn dieser Woche Feld und Flur im winterlichen Schneegewande prangten hat die Frühlingssonne im Verein mi der iciiarsen Märzlust das Land wieder gut abgetrocknet, sodaß iIlerorts' die F r ü h l i n g s a r b e i t e n bereits in Angriff 0 nommen weid-n. Allenthalben ist man mit dem Räumen der Wiesen beschäftigt; in den Garten und auf trocken gele­gnen Aeckern hat man sogar schon mit der Aussaat be­gonnen Täglich sieht man Scharen von Wildgansen ihrer nördlichen Heimat zueilen, und auch bei uns stellt ein gefiederter Sänger nach dem andern ein. Hoffent­lich ist NUN des Winters Macht endgiltig gebrochen, und eine lange Reihe sonniger Tatze entschädigt uns für die . überaus trüben und düsteren Wintertage.

? Grünberg, 22. März. Einem hiesigen Wirt und Mtzgermeister wurde in verwichener Nacht eine unlieb­ste Ueberraschung bereitet. Derselbe hatte ver- jiiiimt, abends vorher die Ladenkasse zu entleeren. Nächt­licherweile wurde dies dann von unberufener Hand be- orqt, und dürften dem Langfinger etwa 30 bis 40 Mark in die Hände gefallen sein. Der Metzgerlehrling hatte gegen 4 Uhr morgens das Haus verlassen, um in einem benachbarten Dorf ein Stück Vieh zu holen und hatte die rhüre nicht wieder verschlossen. Hierdurch wurde dem lieb die Ausführung seines Vorhabens wesentlich er­leichtert. Zur Ermittelung des Thäters fehlt bis jetzt jeg­licher Anhaltspunkt. ,

WormS a. Rh., 20. März. Die ehrwürdige Luther- Mt Worms wird Montag, den 26. d. MtS., ein interessantes Fest begehen, nämlich die Einweihung und Eröffnung der neu erbauten Straßenbrücke über den Rhein. Nach zweijährigen Arbeiten ist dieser Prachtbau jetzt vollendet, und der hessische Staat wie auch die Stadt Worms können stolz sein auf dieses neue Denkmal hessischen Fleißes und hessischer Thatkraft. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten werden der Großherzog, das grsßherzogliche Ministerium, sowie Vertreter der beiden Slündekammern anwesend sein. Die Brücke wird den NamenErnst Ludwig-Brücke" erhalten. Nach Beendigung der Einweihungsfeierlichkeiten am Rhein wird sich der Großherzog nach der Stadt begeben und bei Freiherrn v. Hehl zu Herrnsheim absteigen. Um 3 Uhr findet im Stadthaussaal Festmahl statt und um 5 Uhr Festvorstellung, wobei der Großherzog ebenfalls zugegen sein wird. Nach der Vorstellung wird der Landesherr in der Wohnung des Henn Bürgermeisters Köhler den Thee einnehmen und dann die Rückreise nach der Residenz antreten.

Mainz, 21. März. Zum Gutenbergfest. Die Vorarbeiten werden jetzt immer intensiver betrieben. Gestern abend war der Festausschuß wieder zu einer -Sitzung in das Foyer der Stadthalle berufen, um über den Stand der Dinge informiert zu werden. Herr Ober­bürgermeister Dr. Gaßner ließ nochmals das Programm bei Festtage Revue passieren, und skizzierte die Gesichts­punkte, nach welchen zunächst zu handeln sei. Die Herren Lutter und Nohascheck referierten über den Festzug, An­meldungen sind bis jetzt erfolgt durch folgende Vereine, Korporationen und Gemeinden: Liedertafel, Kaufmänni­scher Verein, Katholisch kaufmännischer Verein, Schützen- qesellschaft, Bildhauer-Verein, Verein Edelweiß, Kufer- ^ntiung, Schmieoe-Jnnung, Fechtklub, Jung-Moguntia, Laugerrunde, Sängerbuiid, Tüncher, Schuhmacher, Backer, Zuckerbäcker (Göbel), Vereinigte Bierbrauereien, Rupp- scher Männerchor, Meistersinger-Innung, Stadt Bingen, Stabt Eltville, Liederzweig, Liederkranz, Turn- und Fecht- Klub, Turnverein, Kohinor, Kunstgewerbeschule, Fidelitas, Padfahrerverein 95, Vel.-KlubMoguntia" Gesangverein Binigfeit, Ruderverein Kasino zum Gutenberg, Verein Mainzer Buchdruckerei-Besitzer und Radfahrerverband Union. Es stehen noch Anmeldungen verschiedener Vereine .ms. Weiter sind angemeldet an Einzelpersonen 60 Herren mib 150 Damen; auch stehen noch weitere Anmeldungen solcher in sicherer Aussicht. Die Beteiligung ist eine so 'zahlreiche, daß das anfängliche Programm noch erweitert werben kann. Insgesamt werden am Festzug ca. 3000 Personen beteiligt sein. An bekannteren Festzügen der Mieren Jahre waren beteiligt: Wiener Makart-Zug 1200, Heidelberger Zug 900, Historischer Schützenfestzug Mainz 1200 umd Karlsruher Zug 1400 Personen. Die General- imfoftcn, welche durch Musik, Statisten, Wagenbau ^einzelne Gruppen bestreiten aus eigenen Mitteln ihre Sagen), Kostüme, Pferde re. entstehen, sind auf mindestens MOOO Mark veranschlagt. Einzelne Posten sind: Musik ,4000 Mk., Personalbezahlung (300 Kavalleristen, 250Fuß­gänger, 200 Mann bei den Bespannpferden und 100 Pferde­sichrer) 2550 Mk. Pferdetransport und Verpflegung (ein großer Teil der Pferde muß von auswärts beschafft werden, k zur Festzeit verschiedene berittene Truppenteile der Gar­nison außerhalb sind) 1000 Mk., Kostümkosten für .1150 -Personen 16 000 Mk., für Bespannung und Pferdeaus- iüftung 7000 Mk., für Wagenbau 15 000 Mk., re. re. Unter Jen Mitwirkenden sind mindestens 1700 Personen, die als Solisten für sich die Kosten selbst tragen. Es sollen zu-

6rn, unb bat ü taRom-' unbDer« rttttt Dichter unb & l'e tnShfc eben werben st, Aipp Hubertus A oom Polizeiamt fc ersdors wegen fc t I zu Mainz; wegen Unterjfc. i? Köthen ti'egt- Irisch aus Sfc mt Mainz; bt und ZigarM.ch: >e wegen BeW w -rg; SpenM unb Jr. lksurt a. Ä! unb iw orte*/ iwgen täwwltiiiiil @iep; /i^unbTttotaW- aus Aichendch ui btt HckMwMn- Wein ansMinheir ßh. Staatsanwaltschai nridi Üud^aupt au fjb, polijeiMit Sarir, Idenheim wegen Be

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Mst'im'Festausschuß Kommissionen gebildet werden für iirth Main-d^°, -j)ii fpulbigung am Denkmal, für Ausschmückung der Sn Staatsva^ Glta^en unb die allgemeine Illumination, für den Kom- Mecklenbu.S Eners, das Kostümfest unb das Festmahl, für den Festzug - äerkehr unb den Tribüneubau und für die Rheinfahrt. Der Vor- inl hpn tCe| Itanb des Festausschusses wurde ermächtigt, diesbezüg- ^jLhrkarten naZ lid)e Vorschläge zu machen. Herr Stadtverordneter Röm-

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Durchführung gesichert, ohne daß die Stadt als solche allzusehr belastet werde. Die formelle Zustimmung des Festausschusses, daß nunmehr der Zug stattfinde, erfolgte ohne Widerspruch. Nach dieser Sitzung fand noch eine solche von Herren des Fest- und Finanzausschusses statt, betreffend Aufbringung der benötigten Mittel zum Zug.

Frankfurt a. M., 21. März. Sp a n i s ch e Schatz­gräber überschwemmen seit einiger Zeit Deutschland mit schwindelhaften Offerten. Während früher ein ge­fangener Bankier den Adressaten anbot, gegen Einsendung eines Vorschusses vergrabene Depots mit einander zu teilen, bittet jetzt ein angeblich kubanischer Kriegsgefangener, ihm zur Hebung von 900 000 Fres. behilflich zu fein. Trotz aller Warnungen fallen dieser Gaunerbande, die von Bar­celona und Madrid aus operiert, immer wieder Leicht­gläubige zum Opfer. Eine Dame aus Frankfurt a. M. sandte 5000 Mark Vorschuß ein. Sie begab sich selbst nach Madrid, wo sie durch die Behörden über den Betrug auf­geklärt wurde. Ein Bremer Bürger hatte ein gleiches Schicksal. Jeder Pfennig, der an diese Sache gewandt wird, ist verloren, da von dem Augenblicke ab, wo die verlangten Vorschüsse sich in den Händen der Betrüger befinden, diese nichts mehr von sich hören lassen.

th Hann. Münden, 22. März. Ein Familien- Drama trauriger Art hat sich in dem benachbarten Dorfe S i ch e l n st e i n zugetragen. Am Samstag, dem 13. d. M., mar unerwartet die Ehefrau des dortigen Lickermanns B. am Herzschlag gestorben. Sie saß mit den Familiengliedern beisammen am Fenster, und zwar mit einer Näharbeit beschäftigt, als sie plötzlich vom Stuhle sank unb der hinter ihr stehende Ehemann sie nur noch als Leiche in den Armen hielt. Die Woche verging in tiefer Trauer, trübe schlich der Familienvater umher und meinte oft über den Verlust der Gattin, die ihn mit sieben Kindern nun allein auf der Welt zurückgelassen hatte. Auch am letzten Sonntag mar B. mieder recht tiefsinnig. Um 1 Uhr ging er mit dem Bemerken, sich ankleiden zu mollen, in den Oberstock des Hauses. Eine Stunde verging, ohne daß er zurück­kehrte. Plötzlich hörten die Kinder einen dumpfen Knall. Angsterfüllt und voll .trüber Ahnung liefen sie zu den Nachbarn, und gemeinsam begab man sich zur Erforschung des Unfalls auf den Boden des Hauses. Da bot sich nun ein Anblick, der allen das Blut in den Adern erstarren lief?. An einem Balken erhängt, findet man den Vater, eine Schußmaffe in der erstarrten Hand und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Nase fehlte ganz. Die Backen hingen als Fleischlappen herunter, ein schrecklicher Anblick. Zweifellos hatte B. die Schußmaffe mit Wasser geladen gehabt, um so sicher den gesuchten Tod zu finden. Der Verstorbene mar ca. 60 Jahre alt Das Vorkommnis erregt allgemeinste Teilnahme.

Kunst und Wissenschaft.

-Zur Gründung eines Vereins zur Wahrung der Interessen der Kunst und Wissenschaft beabsichtigt Hermann Sudermann in Gemeinschaft mit noch mehreren hervorragenden Vertretern der Kunst und Wissenschaft Schritte zu thun. Er will zu diesem Behufs in Berlin eine Versammlung nach dem Rathause einbe- rusen. Sudermann wandte sich an den Herrn Oberbürgermeister Kirschner, ihm zu dieser Versammlung den Festsaal des Rathauses zum Sonntag, 25. d. Mts., mittags 12 Uhr, herzugeben. Herr Oberbürger­meister Kirschner berief heute zu diesem Zwecke die im Rathause an­wesenden Stadträte, welche beschlossen, dem Gesuche nachzugeben, und hierzu die Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung nach­zusuchen.

Ehrung Sieg fried Wagners in Paris. Wie aus Paris gemeldet wird, ist seit einiger Zeit dem Publikum wegen Reparaturen das Verweilen in der Ankunftshalle des Pariser Nordbahn­hofes untersagt. Gestern wurde nun zu Gunsten einer größeren Anzahl französischer und deutscher Enthusiasten,' welche gekommen waren, den Sohn Richard Wagners zu begrüßen, eine Ausnahme gemacht. Der Stationschef, ein enragierter Wagnerianer, geleitete die Anwesenden zu Siegfrieds Waggon. Für die Hochrufe dankte der junge Wagner fran­zösisch und deutsch. Morgen wird der Komponist desBärenhäuter", sowie Lili Lehmann vom Unterrichtsminister Leygues empfangen. Am Sonntag dirigiert Wagner das Orchester des Colonne-Konzerts und be- giebt sich dann nach Florenz.

Der Doktor von drei Fakultäten. Ein Leser schreibt der Fft. Zig.".Im gestrigen Abendblatt derFranks. Ztg." erwähnen Sie eines Doktorsdreier Fakultäten", Professor v. Sigwart. Der Gelehrte hat, wie fast alle solche Doktoren mehrerer Fakultäten, nur einen der Doktorgrade durch das entsprechende Examen erworben, die anderen sind chm honoris causa verliehen worden. So ist z. B. auch Haeckel Doctor philosophiae, medicinae, Jaris und scientiaram (freilich nicht Doktor der Theologie). Gar mancher Frankfurter wird sich aber eines Gelehrten erinnern, der drei Doktorate durch die entsprechen­den Studien und die dazu gehörigen Examina erlangt hatte. Er war erst Referendar und Doctor Jaris, studierte dann Chemie und wurde Doctor philosophiae, um endlich noch Medizin zu studieren, prattischer Arzt und Doctor medicinae zu werden. Auch damit war er noch nicht zufrieden. Er gab dieMedizinerei" auf und warf sich aus das Studium der Theologie. Freilich ist es ausgeschlossen, daß er in dieser Wissenschaft den Doktorgrad erwirbt, denn sein theologisches Studium bestebt in der Beschäftigung mit dem Talmud."

Dritte deutsche Lehrersahrt nach Ita­lien. Tie während der Osterferien der Jahre 1898 und 1899 ausgeführten Spezial-Reisen deutscher Lehrer nach Rom.und Neapel hatten einen so wohlgelpngenen Erfolg, daß auch in den Osterferien dieses Jahres eine gleiche Reise, unb, wie vorweg bemerkt wirb, mit ganz dem gleichen Programm ausgeführt werden wird. Insbesondere sind es diesmal süddeutsche Herren, zum Teil mit Familie, welche sich an der Fahrt beteiligen werden. Dieselbe beginnt am Sonntag, dem 8. April, in Luzern, geht sodann über die Gotthardbahn nach Mailand, weiter über Genua bis Rom, woselbst bis Ostersonntag verblieben wird. Tann geht es weiter nach Neapel, von wo gemeinschaftliche Ausflüge nach Capri mit der blauen Grotte, auf den Vesuv, nach Svrrento, Pompeji 2C. unternommen werden. Endlich führt die Reise nach Paestum, dem alten Poseidonia, und wieder zurück. Die gemeinschaftliche Reise endet in Neapel am Freitag, dem 20. April, von wo jeder Teilnehmer beliebig einzeln innerhalb weiterer 14 Tage zurückreisen kann. Der Preis, alles inbegriffen, auch Hotel, Verpflegung mit Wein, Trinkgelder re. stellt sich ab Luzern und wieder zurück auf 350 Mark. Nicht-Lehrer können unter gewissen Be­dingungen an der Reise teilnehmen. Wer sich für die Sache interessiert, kann den ausführlichen Prospekt (gratis und franko) von der..Neuen Badischen Schulzeitung in Mannheim erfordern.

Jagd und Spart.

»verband deutscher Radrennbahnen". In einer Versamm­lung von Radrennbahn- Interessenten, welche tagte, ist unter dem vor- stehenden Namen ein neuer Verband gegründet worden. Vertreten waren die Rennbahnen von Leipzig, Magdeburg, Gleiwitz, Friedenau, Darm­stadt, Köln, Frankfurt (Oder) und Charlottenburg (Kurfürstendamm); ihre schriftliche Erklärung zum Beitritt hatten die Rennbahnen in Ham­burg (Grindelberg), Hannover (Mühlenschenke), Hannover Sportplatz vor dem Pferdeturm), Mannheim und Breilau abgegeben Der Deutsche Rennfahrer-Verband hatte Heimann und Arend delegiert Die Ver­sammlung wurde durch den Emberufer Direktor Gärtner eröffnet, welcher auf die unhaltbaren Zustände, die jetzt im deutschen Radrennwesen herrschen, hinwies. Dann begannen unter der Leitung des Herrn Haase- Köln die Verhandlungen die mit der Gründung des neuen Ver­bandes endigten. Auch der Deutsche Rennfahrer-Verband schloß sich dieser Gründung an Die wichtigsten Konzessionen, die zur Erlangung dieses Zweckes gemacht werden mußten, sind folgende: Der Deutsche Rennfahrer Verband erhält Sitz und Stimme im Vorstand des Verbandes Deutscher Radrennbahnen. Ferner erhebt derV D. R." von ictoem Berufs-Fahrer, der keinem Verbände, also auch nicht demD. R V. angehört, eine Licenz.Gebühr von 25.00 Mk DerDeutsche Rennfahrer- Verband" dagegen wird jenen Passus in seinen Statuten, der seine Mtt- glieder verpflichtrt, nur gegen Mitglieder zu starten, streichen, anderer^ seits seine Mitglieder aber nunmehr verpflichten, nur auf Verbands­bahnen zu fahren. Die ferner zur Beratung und Annahme gekommenen Statuten sind ziemlich dieselben wie die des verflossenen sogenannten Langenscheidtschen Verbandes, nur sind alle diejenigen Punkte, an welchen dieser Verband seiner Zeit scheiterte, fortgelassen worden. Hierzu gehörte vor allen die Bestimmung, an die Rennfahrer keine Garantiesumme oder ein Fixum zahlen zu dürfen. Die Vorstandswahl hatte folgendes Er­gebnis: Carl Pochardt Berlin I. Vorsitzender, Werner-Leipzig 2. Vor­sitzender, Direktor Gärtner-Berlin Schriftführer und Direktor Hölscher» Berlin Kassierer. Zu Beisitzern wurden gewählt: Lyncker-Darmstadt, Schaaf-Köln und Heimann als Vertreter des D. R -B. Die Aus- arbeitung einer Wettfahrbestimmung wurde dem Vorstande überlassen.

Decr und Marine.

Militärisches Telegraphieren mit Leuchtspiegeln. Sehr interessante Hebungen wurden dieser Tage tn Berlin von der Militär-Telegraphen-Abteilung vom National - Denkmale auf dem Kreuzberge aus abgehalten. Kürzlich hatten wir berichtet, daß an derselbm Stelle militärische Uedunoen mit Spiegeln angestellt worden sind, tn denen das Sonnenlicht refl.ktterte, und durch seinen weithin leuchtenden Schein, der tn Intervallen aufblttzte, einer aus dem Tempelhofer Felde, unmittelbar an der Ringbahn, stehenden Metten Abordnung von Mannschaften der Telegraphen - Abteilung Zeichen gab. Da diese Versuche natürlich nur bet Sonnenschein statlsindeo können, so ist jetzt ein Sptegelapparat konstruiert worden, mit dem auch bei bedecktem Himmel telegraphiert werden kann. Das Sonnm- ltcht whb nämlich durch eine Flamme ersetzt, die hinter dem auf einem Drriaestell ruhenden starken Hohlspiegel durch eine ßatn^t erzeugt wird, unb durch eine Vorrichtung bald zum Aufleuchten, bald zum Verschwinden gebracht werden kann. Auf dem Nattonaldenkmal wurden diese Spiegel von einem Unteroffizier, einem Gefreiten und einem Gemeinen bedient, während eine gl-iche Abteilung auf der Ostseite des Tempelhofer Feldes, aber diesmal jmfeits der Ringbahn, stand. Der intensive Schein der Flamme war trotz der großen Ent­fernung sehr deutlich zu sehen.

Reserve-Entlassung unb Rekr utierung 1900. Nach den im Armee-Verordnungsblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Be» stimmungen über die Rekrutierung des Heeres im Jabre 1900 ist als spätester Entlaffungstag für die zur Reserve übertretenden Mannschaften der 29. September bestimmt. Bei denjenigen Truppenteilen, welche an den Herbstübungen teilnehmen, findet jedoch die Entlassung derselben unter Einhaltung des 29. September als spätester Enllassungstermin in der Regel am zweiten, ausnahmsweise am ersten oder dritten Tage nach deren Beendigung oder nach dem Eintreffen in den Standorten statt. Oekonomie-Handwerker und Mlitär-Krankenwärter sind grundsätzlich am 29. September zu entlassen. An Rekruten werden zum Dienst mit der Waffe eingestellt: bei den Infanterie-Bataillonen, den Jägerbataillonev, den fahrenden Batterien, den Fußartillerie«, Pionier-, Eisenbahn- und Trainbataillonen, den Telegraphen- und Luftschiffer-Truppen die Hälfte der etatsmäßigen Zahl an Obergefreiten, Gefreiten, Gemeinen und Sanitätsgefreiten nach Abzug der Kapitulanten, bei jedem Kavallerie­regiment mit hohem Etat mindestens 160, mit mittlerem und niedrige« Etat mindestens 150 Rekruten, bei jeder Eskadron Jäger zu Pferd mindestens ein Drittel der etatsmäßigen Gefreiten und Gemeinen, bei jeder reitenden Batterie mit hohem mindestens 32 Rekruten, mit niedrigem Etat mindestens 24 Rekruten. Außerdem kommen die einjährig dienenden Trainsoldaten in voller Anzahl, sowie die Ergänz­ungen der FeldartUerie-Schießschule, der Fußartillerie-Schiehschule, der Versuchskompagnie der Artillerie-Prüfungskommission, der Eisenbahn- Betriebsabteilungen und die Hälf.e der Etatsei Höhungen des TrainS für besondere Zwecke zur Einstellung. An Oekonomie-Handwerkern stellen sämtliche Truppenteile, Bekleidungsämter u. s. w. die Hälfte der etats- mäßigen Zahl ein, ebenso sind Militärkrankenwärter mit der Hälfte der für jedes Armeekorps etatsmäßigen Zahl zum Dienst zu berufen. Zur Deckung von Abgängen durch Tod, Unbrauchbarkeit u. s. w. von Mann­schaften aller Jahresklassen sind Überetatsmäßige Rekruten und zwar bei der Infanterie (ausschließlich Oekonomie-Handwerker) 8 Prozent (im Vorjahre 9 Prozent), im übrigen 9 Prozent des etatsmäßigen Rekruten­bedarfs einzustellen. Die Einstellung zum Dienst mit der Waffe erfolgt bei der Kavallerie und reitenden Artillerie nach Anordnung der General­kommandos möglichst bald nach dem 1. Oktober 1900, jedoch grundsätz­lich erst nach dem Wiedereintreffen von den Herbstübungen in den Standorten, für die Rekruten des Fußartillerie-Regiments Nr. 2, der Unteroffiziersschulen, der Oekonomie-Handwerker und Militärkranken- Wärter am 2. Oktober, für alle übrigen Truppenteile im Laufe des Monats Oktober an einem vom Kriegsministerium noch zu bestimmenden Termine.

Ernährungsversuche im Heere. Bel einzelnen Truppm- teilen beS 16 Armeekorps werben, wie bieDeutsche Lanbwlrtschaft- ltche Presse" mitteilt, jetzt ErnährungSversuche mit Eierzwieback unb gemischten Konserven gemacht. Die Truppm erhalten täg­lich an Stelle bes Kommißbrote- ein halbes Pfunb Eierzwieback, b. i. ein aus Zucker, Mehl unb Eiern hergestellteS Gebäck, und treten bann einen Marsch von 25 bis 30 Kilometer an. DaS Mittagessen bereiten fie sich aus einer Büchse Fleisch, gemischt mit Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, unb anberen Büchsen-Gemüfen; die HerstrllungSzeir soll 15 Minuten nicht übersteigen. Anbere RahrungS' mittel als bie geltefertm dürfen nicht genossen werben. Die Dauer der Hebung ist zunächst auf vier Tage vorgesehen, wirb aber voraus« stchUich verlängert werben. Die Sänge bet Märsche soll täglich ge- steigert werben.___________________________________________________________

Wetterbericht. Das barometrische Maximum be­steht immer noch über dem Nordosten des Erdteils fort. Das Depressionsgebiet, dessen vorderer Rand gestern von der iberischen Halbinsel nach Südfrankreich hereinreichte, hat über dem Mittelmeerbecken und namentlich über dem südwestlichen Teile des Kontinents an Raum gewonnen. Das Zentrum ist im allgemeinen in nördlicher Richtung weiter gewandert und befindet sich heute über Westfrank­reich. Heber Süddeutschland macht sich ein Teilminimum geltend. Insbesondere schreitet ein solches den Nordrand der Alpen entlang ostwärts und verursacht im Alpenvor- lande ausgesprochene Föhnlage, d. h. hohe Temperaturen mit teilweise bedecktem Himmel. Voraussichtliche Witte­rung : Vorwiegend trübes Wetter mit stellenweisen Nie­derschlägen. Im allgemeinen mild.