! Samstag bett 24. März
1900
unver-
0
Amts- und Anzeigeblatt rur den Areis Gietzen
)enen:
2283
ein-
Tochter,
1. Vortrag des Herrn Professors Pfeiffer über die
Tierseuchenbekämpfung unter Bezugnahme auf
die
W.
Feuilleton
Mme. de Staöl 5
Frauenlebens.
Was thun wir denn?" — Die wackere
.Schrecklich!'
Alle Anzeigen-Bermittlung-stellen de- In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: total 12 Pfg., auswärts 20 Pfg
, „j ^l»i kurzem noch in strahlendes Licht getauchten Saal ver- Ehlen, giebt es ein kurzes Gedränge in den Garderobe-
Dezugsprcls Viertcljährl. Mk. SM monatlich 75 Pfg.
mit Bringerlohnr durch die Abholestelle» Vierteljahr!. Mk. IM monatlich 65 Pfg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.
Gratisbeilage«: Gießener Fantitienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische UolKsKunde.
vertrügen angesetzt und festgelegt werden.?" Referent: der Unterzeichnete.
Hardt-Hof, den 20. März 1900.
Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen.
I. V.: Schlenke.
Lisi weiß Rat. Ter Hausmeister wird aus den Federn getrommelt und muß in einem Einspänner nach dem Balllokal zurück, den „vergessenen" Papa und Gatten zu suchen. — Ter arme Ballvater! Die fünfte Nacht ist es, seit er von Ballsaal zu Ballsaal geschleppt wird, wo er nichts weiter zu thun hat, als die Vorstellungen junger Herren entgegenzunehmen, sich gründlich zu langweilen und schließlich die Zeche zu bezahlen. Am Morgen muß er dann mit wüstem Kopf ins Büreau, während sich die Damen des Hauses in den Federn dehnen und in einem förmlichen Murmeltierschlaf Kräfte sammeln für den nächsten Ball. So hatte er sich denn in der fünften Ballnacht, als es scharf gegen morgen ging, ein verlassenes Plätzchen zwischen einem Kvedenzkasten und dem' Ofen ausgesucht, sich dort Deckung durch einen vorgeschobenen Ofenschirm verschafft und war dort glückselig eingenickt. Auch die aufräumenden Kellner harten ihn übersehen, und so schlief der Gute weiter, bis ihn ein Gefühl der Kälte weckte. Man hielt ihn, als er den Ausweg aus dem finsteren Saal suchte, erst für einen Einbrecher, und nur die rechtzeitige Ankunft des Hausmeisters konnte ihn vor allen erdenklichen Widerwärtigkeiten bewahren. „Na", sagte der Hausmeister bei der Heimfahrt, „san S' nöt bös, gnä' Herr: daß m'r an Muff oder a Paar Handschuach wo liegen laßt, kummt oft gnua vor, aber daß m'r a leibhaftig ausg'wachs'n's Men-
frMfbd 1LgN4 : v luHu^me de-
Statte#!.
Gießener
wcloi ke Anzeiger H .Hess.
tekBkt* x. »Hättet N VI. •oltttunbe- MtL 4 ml kigelegt
in Aussicht genommenen wissenschaftlichen Arbeiten im Veterinärinftitut zu Gießen.
2t Wahl des Pt äsidenten und Vizepräsidenten für die Periode 1900/1906.
Hardt-Hof, den 13. März 1900.
Der Präsident
des landwirtschaftl. Vereins für die Provinz Oberhessen.
I. B.: Schlenke.
6. VII., auf einem bestimmten Formulrr (G.) uns eine Ueberficht der in Ihrem Bezirke vorhandenen Fabriken, in denen Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, einzureichen.j
Die in dem seither benutzten Formular G. angewendete Einteilung der Gewerbe ist durch Bundesratsbeschluß vom 23. März 1896 wesentlich erweitert und verbessert worden. Sie wollen sich künftighin bei Ihren Berichten dieser geänderten Formulare, die in der Hofbuchdruckerei E. Lgngnes, Darmstadt, Grafenstraße 34, erhältlich sind, bedienen.
v. Bechtold.
SiiWtt, Expedition und Druckerei:
Fchatßratze Nr. 7.
beehre ich mich die Vereinsmitglieder hierdurch auf Montag den 26. März ds. Js., nachmittags 8 Uhr,
auf Lonys Bierkeller in Gießen ergebenst zuladen.
Gegenstände der Verhandlung werden sein:
btt - Der vergessene Papa. Ein Wiener Blatt erzählt v (öbnenber W' f folgende Geschichte: Wie alles auf Erden, nimmt auch der lfT' . ■ l längste Ball ein Ende. Während die Kellner bereits die
Herwauvt^ ('^lammen abdrehen und allmählich Finsternis über den
Kt. 70 Kweites Matt
Eine Aenderung der Geschäftsordnung? des Reichstags
sollte der Abgeordnete Paasche beantragt haben. Die „Nationalliberale Korrespondenz" ist in der Lage, diese Ausstreuung als jeder Begründung entbehrend zurückzuweisen. Die „Köln. Volksztg." will ihrerseits von einer solchen Abänderung nichts wissen, die auch einmal gegen das Zentrum dienen könnte. Sie schreibt dann weiter:
„Die chronische Beschlußunfähigkeit wird nicht eher aufhören, als bis die verbündeten Regierungen sich zur Bewilligung von Diäten an die in Berlin anwesenden Mitglieder des Reichstages entschließen. Vielleicht wird die gegenwärtige Obstruktion das eine Gute haben, daß sie den Bundesrat der Erkenntnis dieser Notwendigkeit etwas näher bringt."
Obgleich die Gewährung von Diäten eine alte liberale Forderung ist, so können wir doch nicht zugeben, daß sie in diesem Zusammenhänge gerechtfertigt wäre. Die Majorität, welche die lex Heinze verpfuscht hat, gebärdet sich recht possierlich, wenn sie der Minderheit aus der Obstruktion einen Vorwurf macht, weil sie selbst zu bequem war, um ihrer Schuldigkeit nachzukommen. Namentlich die Herren vom bayerischen Zentrum hatten es gar eilig, nach Hause zu fahren, und nun wird getobt und gewütet, weil die Gegner nicht so liebenswürdig waren, die Geschäfte der arbeitsunlustigen Herrschaften zu besorgen.
Kann die „Köln. Vztg." eine Garantie dafür übernehmen, daß diese selbst bei wichtigen Anlässen ihre Pflicht so liederlich erfüllenden Reichstagsabgeordneten durch Gewährung von Diäten pflichteifriger werden würden? Das ist die Frage. Und wir fürchten sehr, daß die Herren, denen jetzt die Diätenlosigkeit als Vorwand für ihr Wegbleiben dient, später ohne Vorwand ruhig weiter schwänzen werden. Es ist bezeichnend, daß am Samstag nicht weniger als fünfundsiebenzig von den Herren fehlten, die die Kompromißanträge unterzeichnet hatten, und daß von diesen 75 abwesenden Mitgliedern nur sechs krank waren, darunter der Centrumsführer Dr. Lieber und der freikonservative Abg. v. Tiedemann-Bromberg. Beurlaubt hatten sich zehn, darunter der reichsparteiliche Abg. Dr. Stockmann, der unter dem Kompromißantrag neben den Abgg. Graf v. Bernstorff-Lauenburg, Himburg, Dr. Oertel-
Hauptmsaiumlung des landw. Vereins für die Pronin; Obrrheffeu.
Zur diesjährigen außerordentlichen Hauptversammlung
Bekanntmachung.
Betr.: Hauptversammlung des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 13. d. M. bringe ich hiermit zur Kenntnis der Vereinsmitglieder, daß Herr Professor Dr. Pfeiffer in Gießen verhindert ist, den angekündigten Vortrag über Seuchenbekämpfung u. s. w. zu halten. Ich habe daher an die Stelle dieses Vortrags den folgenden Tagesordnungsgegenstand gesetzt: „Wie hoch müßten unter Berücksichtigung der heutigen Verhältnisse die landw. Zölle in den neuen Handels-
Wchener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger
schenkind vergißt, dös ..." — „Tas kommt", unterbrach ihn der „Vergessene" seufzend, „nur bei Ballvätern vor".
Ernst Haeckel und seine Gegner. Man schreibt der „Frft. Ztg.": Ernst Haeckels letztes Werk: „Die Welträtsel", das in ein paar Monaten in 9000 Exemplaren verkauft worden ist, erregt noch immer die weitesten Kreise und hat dem Jenaer Gelehrten scharfe Anfeindungen zugezogen. So heftig wird Haeckel allerdings nicht angegriffen wie in den sechziger Jahren, als seine Schriften und Lehren böse Stürme gegen ihn entfachten. Aus jener Zeit erzählt Wilhelm Bölsche in seinem soeben veröffentlichten Lebensbild Haeckels eine hübsche Geschichte: Ein grimmer Theologe wurde persönlich vorstellig beim Großherzog von Weimar, es müsse „dieser Skandal mit Haeckels, des Erzketzers, Professorschaft" endlich aufhören. Ter Großherzog, aufgewachsen in den großen Traditionen Weimars, fragte gelassen: „Meinen Sie denn, daß der Mann das, was er vorträgt, wirklich glaubt?" Der andere: „Schlimm genug, — aber das wird er wohl." Darauf der Großherzog: „Ja, aber dann thut der Mann ja blos dasselbe, was Sie auch thun!" ....
Ein amerikanischer Lokomotivenrekord^ Einen neuen Rekord hat die Lokomotive Mogul der New- 9)orfer Zentralbahn geschaffen. Nach dem Volldampf hat diese Maschine den sogenannten Southwestern Limited gezogen, der aus 16 Waggons bestand. Das Gewicht dieses Zuges betrug 916 Tonnen, und seine Länge einschließlich der Lokomotive fast eine englische Viertelmeile. Ter stattliche Zug legte die Entfernung von New-York nach Albany, das sind 143 englische Meilen, in 3 Stunden und 15 Minuten! zurück, hatte also eine Schnelligkeit von durchschnittlich 44 Meilen pro Stunde, wenn man die beim Passieren von Städten sowie zwecks Einnahme von Wasser während der Fahrt erforderlichen. Verlangsamungen mit einrechnet. Diese hohe Schnelligkeit ist bisher von einem ebenso langen und ebenso schweren Personenzuge mit einer Lokomotive Vorspann auf eine gleich große Entfernung auch nicht annähernd erreicht.
und wie tanzneidig Fräulein C. fei; dann hält endlich der Wagen, der verschlafene Hausmeister kommt, das Haus- thor knarrt, man klettert die Stiegen empor. — endlich, zu Hause! Die treue Lisi kommt und hilft die Damen „ab- rüften". „Ich weiß nicht", sagt da plötzlich Frau K., „mir ist, als ob mir etwas fehlte!" — „Mir auch", entgegnet Emma, müde in einen Fauteuil sinkend. „Ich habe die Empfindung, als ob mir etwas abginge!" — „Wir müssen etwas vergessen haben", meint Therese. „Vergessen?" sagt die Lisi und ruft dann, einen Gedankenblitz erfassend, erschreckt aus: ,,n' gnä' Herrn harn' S vergessen! Der gnä’ Herr is ja nöt da." — „Um Gotteswill'n, der Papa!" — „Mein Mann, wir foaben meinen Mann vergessen!" —
Amtlicher Feil. Bekanntmachung. Betreffend: Schießübungen.
S8 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß IW Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 26. und Ist. Mts., morgens von 7 Uhr bis nachmittags 6 Uhr »Schießübungen mit scharfer Munition in dem Gelände zwischen Mtw-Buseck, Großen-Buseck, Beuern Climbach, Treis a. d. Lda., dßimzlar und Daubringen abhalteu, und dasselbe zu diesem : mit Posten absperreu wird.
Die Schußrichtung läuft von der Straße Altenbuseck- 'Onbriugen in östlicher Richtung.
Die Straßen Treis a. d. Lda., Mainzlar, Daubringen, Mea-Bvseck, Großen-Buseck, Beuern und Allertshausen find uu- 'jAhrdet.
An den betrefiendeu Tagen dürfen fich keine Holzarbeiter imb H olzsammler oder sonstige Arbeitet in den gefährdeten LMungeu aufhalten.
Gießen, den 21. März 1900.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Iaae>*e >♦* Anzeigen zu der nachmittag- für We |njrti>ea Saf erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. OtahBungm spätesten- abend- vorher.
Gießen, 21. März 1900.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ■n däe Großh. Bürgermeistereien Altev-Buseck, Allertshausen, Beuern, Climbach, Daubringen, lAroßeu Bufeck, Mainzlar und Treis a. d. Lda.
Die vorstehende-.Bekanntmachung wollen Sie alsbald itiBf ortsübliche Weise veröffentlichen lassen.
v. Bechtold.
Gießen, am 21. März 1900.
betr.: Vorschriften des Arbeiterschutzgesetzes vom vom 1. Juni 1891 über Arbeitsbücher und Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen.
Tas Großherzogliche Kreisamt Gießen
,iD Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh.
Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Alljährlich haben Sie narb der Anweisung für die OrtS- z Wizeibehörden und Bürgermeistereien vom 26. März 1892,
.TiMW
W ssas?
6 Die Liehe ist nur eine Episode im Leben i I | des Mannes; sie ist die ganze Geschichte des -1
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hletze«, Fernsprecher Nr. 51.
ftivtU sek' r-(hinten, während draußen die heiseren Stimmen der Mm* 23 (genrufer das dumpfe Rollen der abfahrenden Wagen iben«fi Ml 85 tzÄmönen. Bald wird es stille und öde sein in den Räumen, ittp q «..zollst rOtltfjen so reges, fröhliches Leben und Treiben geherrscht «A.lusE Zu den letzten Gästen, welche den Heimweg antraten, •St ßldtörten Frau K. und ihre anmutigen Töchterchen Emma
U°H!> Therese. Tie Mädchen hatten zu den begehrtesten und u^mvo ebensten Tänzerinnen des Balles gezählt, und auch flitzt noch sah das entzückte Mutterauge die lieblichen Kinder blofl einer Anzahl Anbeter umringt, welche eifrigst be- Mft» waren, die Hüllen in Empfang zu nehmen und . friie ivarmen, pelzgefütterten Capes um die schönen Schul-
Umber reizenden Mädchen zu legen. Bis zur Wagenthür flaw flitzt sich das befrackte Gefolge fort, um noch einen letzten tot—ein letztes Tankeswort, um Verheißung freudigen ^Ersehens auf dem Tanzparkett zu erhäschen. Dann 1 WM sich der Wagenschlag, die Pferde ziehen an, und * gjirl' dtLDnmen drücken sich behaglich in die Ecken des Wagens, «ms lilbr: dm rasselnd durch die Straßen rollt. Die Mädchen plaudern
Ldfc ra^ber die Ereignisse des Abends, wie lieb Herr X. war, . wLe iamos Herr Y. tanzte, wie galant Herr Z. sich gezeigt
*101* HP, wie abscheulich Fräulein A. ausgesehen habe, wie eMtzllich tief Fräulein B. „ausgeschnitten" gewesen sei


