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walsame Weise Trackert überliefert. Zur Zeit der Ernte ritten Landdragoner, vier bis sechs an der Zahl, im Felde herum, um die Trackerschen Arbeiter, die mit Abernten und Einheimsen der Feldfrüchte beschäftigt waren zu beschützen. Als endlich Napoleon aus Deutschland vertrieben war, erhielt der Kurfürst von Hessen sein Land wieder, jedoch nicht das Amt Ortenberg. Die Bewohner hiesiger Gemeinde lebten in der festen Hoffnung, ihren alten Kurfürsten und somit ihr Pachtgut wieder zu erhalten, allein dies geschah nicht und sie wurden deshalb unruhig, sodaß selbst die im Großherzoglichen Militärdienste stehenden jungen Soldaten desertierten. Der damalige Amtmann in Ortenberg machte der Militärbehörde hiervon Anzeige und dieselbe schickte am 24. Dezember 1812 ein Kommando Großh. Hessisches Militär, bestehend aus 150 Mann Infanterie und 150 Kavallerie hierher. Mehrere Hitzkopfe der Bewohner Bleichenbachs rotteten sich in einem Haufen zusammen, bewaffnet mit Heugabeln, Prügeln, Dreschflegeln, schossen, schimpften, läuteten Sturm mit den Kirchenglocken, warfen, in den Straßen umherziehend, mit Steinen auf das Militär, das sich bis dahin ruhig verhielt und ganz in der Stille des Abends wieder abzog. Mit Anbruch des folgenden Tages war aber Bleichenbach mit Soldaten umstellt. Alle 20 bis 30 Schritte hielt ein Reiter und stand ein Infanterist; die übrigen zogen in die Straßen des Ortes, welcher in den Kriegszustand versetzt wurde. Bei einer Patrouille, die ständig die Vorposten revidierte, wurde dem Ortsbürger Weigand Emrich VI., der sich widerspenstig gegen die Vorposten benahm und nicht stille gestanden halte, sondern fortlief, trotzdem er mehrmals zum Stehenbleiben angerufen worden war, in den Hals geschossen, sodaß er zu Boden stürzte. Obgleich die Wunde wieder geheilt war, so mußte er doch nach einigen Jahren an den Folgen derselben sterben. Die Ortsbewohner, die abends vorher Aufruhr und Lärm gemacht hatten, wurden ermittelt, gefesselt und als Rebellen abgeführt. Das Militär wurde größtenteils in deren Häusern einquartiert und das Verhör auf dem Rathause begann, wobei nicht selten diejenigen, die sich aufs Leugnen legten, mit Prügeln zum Geständnis gebracht wurden. Nach Ablauf von einem Vierteljahr zog das Militär wieder ab. Durch verschiedene Vorstellungen an Se. Königl. Hoheit den Großherzog wurde Begnadigung erteilt, weil es sich herausgestellt hatte, daß die Leute wegen Anhänglichkeit an ihren früheren Landesfürsten dieses Hebel begangen hatten. Nach dieser Zeit fügten sich die Leute und kauften dem Domänenhändler Trackert das Gut und den Zehnten ab für 56,000 Gulden. Nun war Ruhe!
Bingen, 22. Januar. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern früh in der Waschküche eines hiesigen Hauses gefunden. Näheres über den geheimnisvollen Vorgang wird die eingeleitete Untersuchung ergeben.
Lorsch, 22. Januar. Unter der Anschuldigung, ihr neugeborenes Kind ermordet zu haben, wurde die 25 Jahre alte' Katharina Knüstler aus Kirschhausen, Kreis Heppenheim hier eingeliefert. Das Kind wurde auf dem Speicher der elterlichen Wohnung tot aufgefunden. Die Knüstler behauptet, das Kind sei erfroren.
♦* Kassel, 22. Januar. Eine schwere Sachbe- schädig n n g wurde gestern abend gegen einhalbzehn Uhr in der Hohenzollernstraße verübt. Ein Fremder betrat, wie uns mitgeteilt wird, ein Wein-Restaurant im stark angeheiterten Zustande, belästigte die Gäste und mußte das Lokal verlassen. Aus Aerger hierüber soll er im Weggehen eine drohende Aeußerung gemacht haben. Kurze Zeit darauf flog ein dicker Backstein durch die Spiegelscheibe des Schaufensters dem Geschäftsinhaber direkt vor die Füße. Derselbe sprang sofort hinaus und bemerkte
noch, wie der Attentäter fortlief. Mit Hilfe eines Sergeanten vom 167. Infanterie-Regiment, sowie anderer Personen, gelang es schließlich, den Flüchtling, einen hier sich vorübergehend aufhaltenden Ausländer, festzunehmen und der Polizei zu übergeben. Tie zertrümmerte Spiegelscheibe hat einen Wert von ca. 600 Mk. Wenn auch der Schaden in der Hauptsache durch Versicherung gedeckt ist, so erleidet der Geschäftsinhaber in Anbetracht der demolierten Goldinschrift der Firma rc. einen Verlust von ca. 200 Mk.
Arbeiterbewegung.
Breslau, 22 Januar. Zu dem Strike auf der „Hohenzollern- grube" erfährt der „Brest Gen Anz.", daß die ausständigen Bergleute am Samstag Abend im Zechenhause einen Exzeß verübten. Die &en- darmerie mußte mit der blanken Wasfe einschreiten und zur Abschreckung der lärmenden Menge die Karabiner laden. Es gelang erst nach scharfem Einhauen die Tumultuanten von der Grubenanlage zu vertreiben. Heute morgen fuhren auf der „Hohenzollerngrube" 520 Mann der ausständigen Belegschaft wieder ein. Der Strike ist daher fast beendet. Dagegen hat auf der Florentinergrube eine Belegschaft von 40 Mann am Samstag die Arbeit eingestellt. ,
Wien, 22 Januar. Auf Antrag des Abgeordneten Becher beschloß die deutsche Fortschrittspartei, die Negierung auszufordern, in der Angelegenheit des K o h l e n a r b e i t e r st r i k e s schleunigst zu intervenieren, da die Situation h o ch e r n st sei.
Wien, 22. Januar. Das Ackerbouministerium hat beschlossen, den Arbeitern der ärarischen Schächte des Bruxer Reviers in nächster Zeit wöchentliche Lohnauszahlung und den Achtstundentag vom 1. Januar 1905 ob zu bewilligen. .
Prag, 22. Januar. Im westlichen bohmr>chen Kohlenrevier ist heute der G e n e r a l st r i k e ausgebrochen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind Truppen dorthin beordert worden.
Klagenfurt, 22. Januar. Die Differenzen zwischen den Arbeitern und Weikbesitzern des Kärnthener Kohlenreviers sind b e, - gelegt. Die Hauptforderungen der Arbeiter wurden bewilligt.
Dandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Stetzen, 23. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.70-0.85 Hühnereier ver St. 8—9 4, 2 St. 00—00 H, Enteneier 1 St. 0—0 H, Ganfe« eier per St. 0-00 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 6-6 A, Erbsen per Liter 20 Linsen .per Liter 30 Tauben per Paar
X 0.00—1.(0, Hühner per St. JL 1.00-1.20, Hahnen per Stück X 1 20—2.00, Enten per St. X 2.00—2.40, Gänse per Pfund X 0.50—0.70, Ochsensieisch per Pfd. 68-74 * Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 82—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60-72 4 SchAim- SM aefahen, per Psd. 76 -ä, Kalbfleisch per W>. «-»• A !öamme!ste>,ch per Psd. 50-60 X Sar offeln per 100 «U° "S bi- 4 50 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 6.60-6.00, Milch per Liter 16 H.
Grünberg, 20. Januar. Fruchtmorkt. Weizen 14,70—15,00 Mark Korn 15,00—00Mk-, Gerste 14.62—14,75Mk-, Hafer 13,36-13.40 Mark, Erbsen 00.00—00.00 Mk., Linsen 00 Mk.
Neueste Meldungm.
Depeschen deS Bureau „ Herold'.
Berlin, 23. Januar. Die „Deutsche TageS-Zeitung" kann positiv versichern, daß der Kaiser bei der Audienz der Präsidien des Abgeordnetenhauses keinerlei politische Gegenstände berührt hat. Es ist selbstverständlich, daß, wenn der Kaiser dem Präsidium des Herrenhauses gegenüber solche Aeußerungen gethan haben sollte, diese nicht so indiskret sein würden, sie der Presse zu übergeben.
Berlin, 23. Januar. . Wie den „Berl. Reuest. Nachr." aus Petersburg gemeldet wird, sind bei Niutschwang große Goldlager entdeckt worden. Die russische Regierung rüstet eine Expedition aus, um Maßnahmen zur Ausbeutung zu treffen. ,
Berlin, 23. Januar. Die Telephon-Verbindung Berlin-Paris wird vermutlich Ende Februar dem Betriebe übergeben werden können. Der Postdirektor von Nancy hat sich im Auftrage der französischen Regierung nach Metz begeben, um mit dem dortigen Post
direktor die nötigen Anordnungen für die Eröffnung zu treffen.
Posen, 23. Januar. Einer Blättermeldung zufolge ist den höheren Verwaltungsbeamten in der Provinz Posen ein Rundschreiben ihrer vorgesetzten Behörde zugegangen, in welchem eine strenge Ueberwachung der polnischen Vereine angeordnet wird.
Wien, 23. Januar. Uebereinstimmende Nachrichten aus Dux-Brüx und Teplitz melden, daß mit dem gestrigen Tage im ganzen Braun kohlen - Revier 33,000 Mann in den Ausstand getreten sind. Auch die Porzellanfabriken und Glashütten haben die Arbeit eingestellt. Im ganzen Aussee'r Bezirk liegt die Arbeit still. Ruhestörungen sind bisher nicht vorgekommen. Militär hält die Oidnung in den Ausstandsgebieten aufrecht.
Prag, 23. Januar. Der Verwaltungsrat der elektrischen Straßenbahn zeigte dem Stadtrat an, daß er wegen Kohlenmangel den Betrieb ein stellen müsse. Der Stadtrat beschloß, den Straßenbahnbetrieb vorläufig mit Pferden aufrecht zu erhalten.
Nancy, 23. Januar. Gestern wurde hier ein Meeting zugunsten der Buren abgehalten. Zahlreiche Redner drückten ihre Bewunderung über die Haltung der Buren aus und beglückwünschten den französischen Oberst Villeboi, den französischen Generalstabs-Chef der Buren zu seinem Erfolge.
London, 23. Januar. „Morning Leader" meldet aus New-York, daß mehrere Offiziere, welche sich im kubanischen Kriege ausgezeichnet haben, zwei Kompagnieen bildeten, die binnen Kurzem zu den Buren nach Transvaal gehen. _________
Darmstadt, 23. Januar, 1 Uhr 45 Min. nachmittags. (Telephon-Meldung.) Die heute mittag 12 Uhr zusammen- gptretene konstituierende Versammlung der evangelischen Landessynode wählte zum 1. Präsidenten den Geheimen Justizrat Weber-Offenbach, zum 2. Präsidenten Professor Stamm- Gießen. Zu Schriftführern wurden Rechtsanwalt Brandt-Mainz und Dekan Puhl mann-Alsfeld ernannt. Morgen vormittag finden die Wahlen zu den Ausschüssen statt.
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