Ausgabe 
23.12.1900 Zweites Blatt
 
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1900

150. Jahrgang

Sonntag den 23. Dezember

Zweites Blatt

Amts- unb Anzeigeblatt für den Ttveis Gieren

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Telegramme deS Gietzever Anzeigers.

London, 23. Dezember. Das Kriegsministerinm macht bekannt, 800 Mann berittene Truppen werden nächsten Monat nach Südafrika geschickt. Zwei Kavallerie-Regi­menter haben Befehl, dahin abzugehen. Die Rekrutierung von 10 000 Mann Kolouial-Polizeitruppen wird beschleu­nigt. Weitere Abteilungen für die Kavallerie-Regimenter sollen folgen. Australien und Neu-Seeland wurden um weitere berittene Truppen ersucht. Lord Kitchener wurde davon in Kenntnis gesetzt.

London, 22. Dezember. Die Morgenblätter heben her­vor, daß die Afrikander-Bewegung täglich einen ernsteren Charakter annehme. Eine große Anzahl Abgeordneter der Kap-Kolonie mußte in letzter Zeit ihre Demission einreichen, weil ihre Wählerschaft ihre Haltung während der Beratung der Ausnahmegesetze mißbilligend aufnahm und sie zum Rücktritt veranlaßte.

London, 22. Dezember. Die Blätter geben sich über die Lage in der Kap kolonie keinerlei Illusionen mehr hin. Die meisten Blätter besprechen bei Erörterung des Auf­standes in der Kapkolonie die Maßregeln, welche vom KriegSrat ergriffen werden müßten, um neuen Schwierigkeiten zu begegnen. Daily Mail weiß zu berichten, daß viele Holländer mit den Buren gemeinsame Sache machen und der ganze Norden der Kapkolonie sich in offenem Aufstande befinde. Die ganze Gegend, welche vom Oranje-Fluß begrenzt wird, befindet sich im Besitz der Buren. Der Plan derselben soll darin bestehen, so weit als möglich in die Kolonie einzudringen und die Bevölkerung zum Aufstande aufzufordern.

Chicago, 22. Dezember. Die amerikanische Transvaal- Liga, deren Sitz sich in Chicago befindet, hat den Präsi­denten Krüger eingeladen, nach den Bereinigten Staaten zu kommen, um vor dem amerikanischen Volke die Sache der Buren-Republiken zu verfechten.

Zohauuerburg, 22. Dezember. General French liegt augenblicklich im Kampf mit den Buren, die kürzlich die Truppen des Generals Clemens besiegt haben. Der General vertrieb die Buren aus ihren Stellungen bei Thoruedal nordwestlich von Krügersdorp. Die Buren ver­loren 5, die Engländer 16 Tote.

Meßmer Anzeiger

Hmeral-Htnzeiger

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Gestern holte der deutsche DampferAndatusia" die Schiffbrüchigen nach Deutschland ab.

In K ö l n ist ein Komitee angesehener Bürger, dar­unter Oberbürgermeister Becker, zusammengetreten, das sich zur Veranstaltung einer großartigen Feier zum Besten der Hinterbliebenen der mit derGnei- senau" Verunglückten bereits die Unterstützung der ersten Vereine gesichert hat. Die Feier findet am 30. Dezember im großen Gürzenich-Saale statt. Inzwischen werden Geld­sammlungen eröffnet, die an die Witwen und Waisew der Umgekommenen abgeführt werden.

Zu den ausländischen Kundgebungen der Teilnahme an dem Verlust des SchulschiffesGneisenau" verzeichnet dieNordd.' Allg. Ztg." noch folgendes: Der König von Rumänien bekundete in herzlichen Worten sein inniges Beileid. Der König von Griechenland sprach durch die hiesige griechische Gesandtschaft seine tiefe Teilnahme aus. Dasselbe thaten auf diplomatischem Wege die Re- gierungen.Belgiens, Brasiliens, Japans, der Niederlande, von Portugal und Uruguay. Der Lord-MavorvonLondon und der Gouverneur von Malta drückten ebenfalls durch diplomatische Ver­mittelung zugleich im Namen der Londoner Bürgerschaft und der Garnison von Malta dem Kaiser ihre Sym­pathie aus.

Telegramm deS Gießener Anzeiger-.

Berlin, 22. Dezember. Nach einem Telegramm aus Kiel findet am Sonntag vormittag in der dortigen Gar­nisonkirche eine Gedächtnisfeier für die Verunglückten des Schulschiffes Gneisenau statt. Wie demBerliner Tage­blatt" aus Wilhelmshaven gemeldet wird, ist der Korvetten- Kapitän Mandt von der dortigen Werft nach Malaga be­ordert.

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Die Strandung derGneisenau".

Laut einem in Kiel eingetroffenen Telegramm des Kapitän - Leutnants Werner können sämtliche Ver­letzte derGneisenau" mit einem Transport-Dampfer in die Heimat befördert werden. Dagegen müssen bereits vor der Katastrophe in Malaga gelandete Er­krankte dort bleiben.

Wie man aus Madrid meldet, zeigten die gestern am Donnerstag begonnenen Taucherarbeiten, daß die Gneisenau" auf dem Felsen fests-itzt und verloren ist. Bisher konnte nur die Tokumentenkasse geborgen werden. Ein den Taucherarbeiten zuschauender Matrose derGneisenau" stürzte von dem felsigen Gestade ab# und wurde schwer verletzt ins Hospital geschafft.

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Politische Tagesschau.

Die zweite hessische Kammer hat, wie wir an anderer Stelle ausführlich berichten, den Antrag Köhler-Langs­dorf, der sich auf die Einberufung eines Schiedsgerichtes zu Gunsten der Buren richtete, mit 22 gegen 22 Stimmen abge­lehnt; der Präsident mit seiner ablehnenden Stimme gab dabei den Ausschlag. Der Antrag hatte zweifellos die vollen Sympathieen weitester Kreise unseres Landes, und wird auch im Reiche und im Ausland vielfach mit Beifall und Zustimmung aufgenommen worden sein. Wir stehen nicht an, unser lebhaftes Bedauern zum Ausdruck zu bringen, daß die Verhandlung in unserm Landtag diesen Ausgang genommen hat, hat nehmen müffen. Denn es steht leider außer allem Zweifel, daß, wenn auch der Ausschuß für auswärtige An­gelegenheiten einberufen worden wäre, dieser die Einsetzung eines Schiedsgerichts doch nimmermehr beschlossen haben würde. Demnach wäre also die Einberufung des Ausschusses zwecklos gewesen. Mit Genugthuung aber stellen wir fest, daß in dem Landesparlament eines der deutschen Bundes­staaten, und gerade in dem unsrigen, das Unglück der trotz aller ihrer dauernd in der Weltgeschichte glänzenden patrio­tischen und kriegerischen Großthaten dem Untergange ge­weihten Transvaalhelden in Form eines Antrages zu ihren Gunsten zur Sprache gebracht worden ist.

Durch die Veröffentlichung eines deutschen Briefes in einem französischen Blatte sehen wir heute ein wenig hinter die Kulissen des ablehnenden Verhaltens unserer Reichsregierung und unseres Kaisers. Das Schreiben, das der PariserMatin" der Oeffentlichkeit übergeben hat, soll von einem deutschen Diplomaten, angeblich einer hoch- gestellten Persönlichkeit, stammen. Der Kaiser habe, so heißt es darin, viermal seit dem Ausbruch des süd­afrikanischen Krieges, sei es persönlich, sei es durch die Vermittlung seiner Vertreter im Auslande, zu erfahren versucht, ob ein Schritt oder ein Angebot seinerseits dem blutigen und ungleichen Konflikt in Südafrika ein Ziel setzen könne. Jedesmal erhielt er den unwider­leglichen Beweis, daß der eine der beiden Kriegführenden keine Einmischung dulden werde, woher sie auch kommen möge, und daß für diesen Kriegführenden das einzige Ende des Konflikts in der Annexron der Länder- gebiete des andern bestehe. Noch vor wenigen Wochen habe ein deutscher Diplomat an den Marquis v. Salisbury selber eine direkte bezügliche Frage gestellt und eine ab­schlägige Antwort erhalten. Nicht einmal, sondern mehr als zehnmal habe die englische Regierung in dieser Weise zu verstehen gegeben, daß sie weder Angebote, noch Bitte« annehme. Keine Kanzlei in Europa sei darüber in Zweifel, woran man sich zu halten habe. Die rauhe Wahrheit sei die: wenn die Mächte einzeln oder gemeinschaftliche Eng­land ihre Dienste anbieten würden, würde dieses sie ebenso freundschaftlich ablehnen; würden sie dringlicher werden, so tvürde England seine Flotte mobil machen. Niemand wisse das besser als der Kaiser, und als Herr v. Bülow mit

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Ein Spezialkorrespondent des Reuter'schen Bureaus beschreibt in einem Telegramm aus Thabanchu vom 16. ds. den Rückzug De Wets. De Wet durchbrach die Thabanchu-Linie, als er sah, daß sein Versuch, in die Kap­kolonie einzudringen, hoffnungslos war. Der Korrespon­dent sagt: Es war ein prächtiges Schauspiel, als die Buren­armee, ungefähr 2500 Mann, durch Springhaannek in offener Ordnung zu galoppieren anfing. Es war ein be­wundernswertes Wagstück, wie Präsident Steijn und Piet Fourie, unter unaufhörlichem Feuern der britischen Ge­schütze und Gewehre, den Angriff leiteten. Der Erfolg war vollständig, obgleich die Buren zwei Kanonen und 25 Gefangene verloren.

Nachdem De Wet die Linie Thabanchu-Ladybrand passiert hatte, marschierte er nach Ficksburg. Seine Ge­samt-Verluste während seines Vorstoßes gegen die Grenze der Kapkolonie und des dann folgenden Rückzuges betragen nahezu 50 Tote und 100 Gefangene, außerdem hat er drei Kanonen und viel Munition verloren.

Aus London wird von angeblich bestunterrichteter Seite gemeldet, die Regierungen der Dreibund­mächte hätten übereinstimmend dem Präsidenten Krüger den Rat erteilt, sich direkt mit der eng­lischen Regierung in Verbindung zu setzen. Auch soll Kaiser Wilhelm in London freund­schaftliche Vorstellungen erhoben haben, dahin­gehend, Lord Salisbury möge den Präsidenten Krüger persönlich empfangen. Soweit Deutschland bei dieser Meldung in Frage kommt, entbehrt dieselbe, derPost" zufolge, jederBegründung. Zwischen den Dreibund­mächten hätten überhaupt keine nach dieser Richtung sich bewegenden Verhandlungen stattgefunden.

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roniuin) stark bedrängt und eine wichtige Bezirksstadt PkDppstown) in Besitz g> ivirbauS der Gegend von Li

^(111^0 stehen. Tie zweite Kolonne, von der bisher ersten die Rede gewesen ist und die auf 700 bis Jlann geschätzt wird, drang bei Rhenosterhoek in die KopMnnie ein, das vermutlich zwischen Odendalstroom univ Mhulie zu suchen ist, marschierte zunächst auf Knap- -xuniEinnb rückte von da in den Bezirk Steijnsburg ein, wo i |ie sich jetzt aufhält und scheinbar auf den Zuur- ueri tn, die sich von Steijnsburg in ost-westlicher Richtung naaj) Aaauwpoort ziehen, einen brauchbaren Stützpunkt gefifiraben haben. Selbstverständlich ist die Besorgnis der Ln,Moder hroß. Das Schlimmste ist, daß das eng- Oberkommando sich dieser Einfälle gar ai«Ih! versehen hat. Die Garnisonen der Kapkolonie sintt nur ganz schwach und bestehen zudem aus min^ »e;r ve rügen Truppen; es müssen also erst größere Tettcchnrents herangezogen werden, und das geht nur untlv erheblichem Zeitverlust, der den Buren wieder zu- gitttetoirimt. Abgesehen von der moralischen Wirkung auf Mei.tap&uren und ihre eigenen Landsleute, werden die iDOti-iwintHigen Entblößungen an englischen Truppen in den dcc:ä Jrier ten Gebieten den in den Republiken kämpfenden '5uim Lust und größere Bewegungsfreiheit schaffen. Der McmgCl an ausgebildeten berittenen Truppen wird vom ben Engländern schwer empfunden. Die besten Kenner ?.Landes betonen die Notwendigkeit, alle verfügbaren veriwlenen Truppen nach Südafrika zu entsenden. Der ber: Slkgnerung nahestehendeDaily Telegraph" bemerkt, vbsc'^vn eine amtliche Bestätigung noch nicht zu erlangen sei, . so liege doch aller Grund zu der Annahme vor, außer den bereits kommandierten Abteilungen reiten­der :3nj(tnterte auch die aus drei Regimentern bestehende 'Ktb^oder Kavallerie-Brigade demnächst zur Ablösung Mafrika gehen werde. Es ist sicher, daß Neu- !dem Ansuchen Lord Kitcheners, ein 6. Kontingent MtiVciibafrifa ?u senden, entsprechen wird. Das Kabinett ver-WMe zur ^eit über die Angelegenheit.

» Telegramm aus Kapstadt ist in den Di-

r w . olich von Oranje eine erneute Rebellion aus- US8 Die eingefallenen Buren bringen rapide gegen WpS,Inior bie Kap-Kolonisten stoßen ihnen zu. Die

17 Ml^ikt ^^olonie erklärte das Kriegsrecht in

Amtlicher Heil. Bekanntmachung.

I» der Zeit vom 17. bis 22. Dezember 1900 sind in Piefiger Stadt:

gtfunden worden:

3 Taschentücher, 1 Frauenrock und 1 Pferdedecke, vr rloreu worden:

1 Trauring.

t)i»e Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände isLnbev ihre Ansprüche alsbald hier geltend zu machen.

Hi eßen, den 22. Dezember 1900.

Grvßherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Die Bure«.

Die Nachrichten über den Einfall von bnrischen Meinungen in die Kapkolonie erhalten durch fa.'jgmde Kundgebung der Kapreaierung vorn 20. d. abends eim e sichere Grundlage. Diese Kundgebung lautet:Die BrtM, die über Rhenosterhoek vorgedrungen sind, lue/eben jetzt aufgehalten, da Steijnsburg stark be­setze l ifi Die Eindringlinge können sich jetzt nur mit qr-Zher Schwierigkeit bewegen; sie wurden zuletzt auf den S ^lurtoer gen zwischen Steijnsburg und Venterstad be- obtebtct. Die Buren, die die Zanddrift überschritten ha.An, .zählen etwa 2000; sie schienen aufColesberg voTdrintflen zu wollen. Als ihnen aber Truppen entgegen^ ge»ciibt wurden, schwenkten sie in der Richtung auf P.':xilisppstown ab und besetzten es am 19. ds. Bisher Tain es nur zu Plänkeleien, da die Eindringlinge jedes- mcalvvi den britischen Truppen zurückgingen. In Ven- l e illKdcir p nahmen sie die aus 20 Mann bestehende G imin ison gefangen. In H a m e l f o n te in irn Be- zir'E Godesberg, wurde die Garnison zur Kapitulation auf- gcj^ibert; auf die Weigerung erfolgte ein mehrstün - i> i gtt Kampf. Die Angreifer wurden schließliche mit bei:Mt!ichen Verlusten vertrieben. In mehreren Bezirken ist fi das Standrecht proklamiert.

sind also tatsächlich zwei Kolonnen in die Kap- -ol:«oM eingefallen. Die größere von beiden, die auf 2000 Utciiun geschätzt wird, hat den Oranje 30 Kilometer west­lich) von Philjppolis durch die Zanddrift überschritten tmil sich bisher am thätigsten gezeigt, da sie schon eine Üaniiijoii (Ventersdorp) ansgehoben, eine andere (Hamel-

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