wird, daß von heule ab die Fahrt Nr. 34 des Sommersahrplans wieder eingelegt wird: Ab Bahnhos 505 bezw. 506, an Grünberger- und Marburger-Straße 528. Dagegen fällt die Fahrt Nr. 37, 600 Uhr ab Marburger- und Grünbergerftraße, aus. Im Interesse eines ordnungsmäßigen Betriebes werden die Fahrgäste gebeten, daö Fahrgeld möglichst abgezählt bereit zu halten, damit die Wagenführer nicht durch Geldwechseln ausgehalten werden und ihre Aufmerksamkeit mehr auf die im Winter doppelt notwendige sichere Führung der Pferde richten können.
** Groben Unfug verübten am Sonntag in der Frühe eine größere Anzahl junger Leute, obgleich sie scheinbar die Flegeljahre bereits überschritten hatten. Vom Kirchenplatz kommend, stürmten sie gegen 5 ernhälb Uhr in die sonst so stille Brandgasse, schlugen hier, Einlaß fordernd, vor einer Wirtschaft einen Höllenlärm. Sie trieben diesen fürchterlichen Spektakel, da der betreffende Wirt auf den Besuch solch ungemütlicher Gäste zur aller- frühesten Morgenstunde wohlweislich verzichtete und seine Thüre verschlossen hielt, länger als eine Viertelstunde. Dann sonderte sich der größere Teil der Radaumacher ab; unter fürchterlichem Gebrüll als Ziel seiner Wanderung die Bahnhofsrestauration bezeichnend, während der Rest vor der Wirtschaft noch eine geraunte Zeit Halt machte, ohne sich indes hierbei noch weitere gröbere Ausschreitungen zu schulden kommen zu lassen. Erst als ca. eine Stunde später ein Fuhrwerk über den Kirchenplatz« rollte, verließen auch die Zurückgebliebenen unter fürchterlichem Gejohle ihren Standort. Von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen.
** Volksschulen. Im Großherzogtum Hessen bestanden im Frühjahr 1900 im ganzen 984 einfache Volksschulen, von denen 891 konfessionell gemischt, 46 evangelisch und 47 katholisch sind. In 900 ist die Trennung nach Ge schlechtern durchgesührt, 681 sind ohne Schulgeld. An sämtlichen Volksschulen sind 2668 Lehrkräfte thätig, davon find 208 Lehrerinnen. Sie werden im ganzen von 162,396 Kindern besucht (80,685 Knaben und 81,711 Mädchen.) Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich 150 Schüler und auf 61 Kinder eine Lehrstelle. In der Stadt Darmstadt kommt schon auf 49,3 Schüler ein Lehrer, während im Kreis Offenbach erst auf 65,9 Schüler ein Lehrer kommt. — In den 746 Fortbildungsschulen werden im ganzen 23,287 Schüler unterrichtet. In 52 Privatschulen unterrichten 224 Lehrer und Lehrerinnen 1107 Schüler und 2864 Schülerinnen. Die Zahl der höheren Bürgerschulen ist 28, unterrichtet werden darin 712 Schüler; in den 6 anderen erweiterten Volksschulen (Mittelschulen) werden 1589 Knaben und 1722 Mädchen von 96 Lehrern unterrichtet.
** Der allgemeine deutsche Sprachverein findet für seine Bestrebungen immer mehr Mitarbeiter in allen Schichten unseres Volkes. Unter der großen Anzahl höchster Reichsund Landesbeamten, die ihren Beitritt erklärt haben, befindet sich auch StaatSminifter Rothe. Unser jetziger Reichskanzler Graf v. Bülow hat dem Vorstände ein längeres Schreiben zugehen lassen, in dem u. a. die bedeutsamen Worte stehen: „Ich erachte es als wichtige Aufgabe gerade derjenigen Reichsbehörde, der die Wahrnehmung der
deutschen Jntereffen im Auslande, und die Fürsorge für die Erhaltung des Deutschtums unter den in der Fremde lebenden Deutschen obliegt, der Pflege eines der gewaltigsten Bindemittel, der Muttersprache, erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Als Leiter dieser Behörde berufen, werde ich es mir jederzeit ganz besonders angelegen sein lassen, alle dahin zielende Bestrebungen nach Kräften zu fördern." — Nennen wir nun noch als ebenfalls beigetreten die Minister von Miquel, von PosadowSky, von PodbielSki, von Thielen, Nieberding, von Hammerstein, Brefeld, von Rheinbaben, Studt, Schönstedt, von Thielmann, von Seydewitz zu Dresden, von Otto zu Braunschweig, Reichsbankpräsident Dr. Koch, so ist man zu der Erwartung berechtigt, daß die Sprache unserer Behörden bald in weit größerem Maße als jetzt durch Reinheit und Schönheit vorbildlich sein wird.
** Dasneue Kriegsgerichtsverfahren. Seit dem 1. Oktober ist für das 18. Armeekorps das durch das neue Militär-Reichsgesetz vorgesehene Kriegsgerichts-Verfahren ins Leben getreten. Eine Anzahl Rechtsanwälte, von denen die meisten Landwehroffiziere sind, ist vom Kriegsministerium bei diesem Gerichtshof zugelassen. Sie dürfen als Verteidiger in den vorkommenden Straffüllen fungieren. Der erste Fall wird kommenden Samstag, 20. Oktober, verhandelt werden und betrifft eine Selbstverstümmelung; die erste Verteidigung führt Generalkonsul Rechtsauwalt Dr. Thebesius. Der geräumige Sitzungssaal befindet sich in dem von der Genossen schaftsbank Soergel Parrisius u. Co. neuerbauten Hause, Ecke der Gallusan läge und Neckarstraße Frankfurt a. M., in dem der Militärfiskus den zweiten und dritten Stock gemietet hat. Die Sitzungen sind öffentlich
§ Grebenhain, 20. Oktober. Die Gewerbeschule von Crainfeld ist infolge geeigneten Raumes nach hier verlegt worden. Der hiesige Gastwirt Karl Fritz stellt 5 Jahre lang der Gewerbeschule die nötigen Räume unentgeltlich.
§ Maibach, 21. Oktober. Bekanntlich hat unsere Kirchweihfestlichkeit vor zwei Wochen mit einer blutigen Schlägerei zwischen hiesigen und Wernborner Burschen geendet, wobei einer der letzteren einen Stich in den Unterleib erhielt. Diese Mißhandlung nahm später einen sehr gesundheitsgesährdenden Charakter an, weshalb nach dem in verfloffener Woche hier stattgehabten Untersuchungsverfahren zwei Burschen im Alter von 18 bezw. 21 Jahren als der Körperverletzung verdächtig auf Anordnung des Untersuchungsrichters verhaftet und in das Butzbacher Amtsgefängnis verbracht wurden.
Darmstadt, 20. Oktober. Der Großfürst Kyrill und die Großfürstin Helene von Rußland trafen gestern zum Besuch im Jagdschloß Wolfsgarten ein.
-nn. Darmstadt, 20. Oktober. Ein interessanter R e ch t s st r e i t wird demnächst vor dem hiesigen Landgericht ausgefochten werden. Ein bekannter Händler in Oberramstadt hat nämlich den Loseanteil, auf dessen Nummer das große Los fiel, an einen Lehrer verkauft, der in seiner Großmut und Freude ein anständiges Trinkgeld geben wollte, und dem fraglichen Handelsmann durch Verwechslung statt eines Hundertmarkscheins, wie er beabsichtigt hatte, einen Tausendmarkschein gab, den jener auch dankend annahm. Der freigebige Spender hat nun gegen den Händler, der von einer Verwechslung nichts
wissen will, Klage eingereicht und will den Nachweis erbringen, daß er keineswegs beabsichtigt habe, ein so großes Trinkgeld zu geben. Man darf auf den Ausgang gespannt sein, da der erforderliche Nachweis sehr schwer zu erbringen sein dürfte.
Frankfurt a. M., 20. Oktober. Ostern 1901 wird hier die unterste fünfte Klasse der G y m n a s i a l k u r s e für M ä d ch e n eröffnet werden. Laut ministerieller Verfügung baut sich der Unterricht auf die vollendete Schulbildung der höheren Mädchenschule auf, so daß Mädchen, die ins Gymnasium eintreten wollen, im Alter von 15 oder 16 Jahren stehen und somit eine gewisse geistige Reife erlangt haben. Man erwartet, daß nur begabte Mädchen mit ausgesprochener Neigung zur Ausbildung sich melden werden. Der Fortschritt im Lern-Pensum wird deshalb ein rascher sein. Der Lehrplan ist auf fünf Jahre verteilt und so eingerichtet, daß nicht mehr als 4 bis 5 Stunden auf den Tag entfallen und eine Ueber- bürdung der Schülerinnen ausgeschlossen ist. Der neuen Anstalt werden die. vorzüglichsten Lehrkräfte und Lehrmittel zu Gebote stehen. Eltern begabter und lernbegieriger Mädchen werden zu bedeuken haben, daß eine tüchtige zeitgemäße Ausbildung die beste Mitgift fürs Leben ist. Das Gymnasium vermittelt 1) die Zulassung zu einem Universitätsstudium, 2) eilte gediegene allgemeine Bildung. Organisiert wird das neue Unternehmen von der Abteilung Frankfurt a. M. des Vereins „Frauenbildung- Frau eustti diu m".
Mteratur.
— Viel Neues und Jniereffantes über das Leben und Treiben de- Bibers und des Fischotters, die die größten und zugleich hervorragendsten Vertreter unserer an Wassersäugetieren nur schwach vertretenen mitteleuropäischen Fauna sind, erfahren wir aus den uns soeben zugegangenen zwei neuesten Lieferungen 8 und 9 des „Tierlebens der Erde" von W Haacke und W. Kuhnert, 40 Lieferungen L 1 Mk. mit 120 Bogen Text, 620 Textbildern und 120 Farben- tafeln (Verlag von Martin Oldenbourg in Berlin). Nicht nur den Laien dürften diese beiden prächtigen Tierbiographien im höchsten Grad interessieren, sondern auch der Fachmann und Jäger wird manchen wertvollen Hinweis darin finden. Die in großer Mannigfaltigkeit den Text schmückenden Abbildungen erfreuen das Auge nicht minder, als die herrlichen farbigen Tafelbilder uns immer wieder zu vollster Bewunderung hinreißen.
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Opernhaus.
Dienstag, 23. Oktober.*) „Postillon von Lonjumeau". Mittwoch 24. Oktober. „G e i s h a". Donnerstag 25. Oktober. „Templer und Jüdin." Freitag, 26. Oktober, Vz7 Uhr. „Wil- helm Teil". Samstag 27. Oktober, r27 Uhr. Der Ring des Nibelungen „S i e g f r i e d". Sonntag, 29. Oktober, SVa Uhr. „Geisha," abends: „Templer und Jüdin". Montag, 29. Oktober. Geschloffen.
Schauspielhaus.
Dienstag, 23.Oktober. „Die Weber". Mittwoch, 24.Oktober. „Gläubiger" hierauf „Die Neuvermählten"- Donnerstag, 25. Oktober. „Die strengen Herren". Freitag, 26. Oktober. Geschlossen. Samstag, 27. Oktober. „Gläubiger " hierauf „Die „Neuvermählten". Sonntag, 28. Oktober, 3Va Uhr. „D i e strengen Herren", abends „Nora". Montag, 29. Oktober. „Volksfeind". Dienstag, 30. Oktober. „Die strengen L> erre n".
*) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr.
Konkursverfahren.
Heber den Nachlaß der verstorbenen Frau Marie von Oven geb. Schäfer, Ehefrau des Gutspächters Victor von Oven zu Hungen, wird, da Ueberfchuldung vorliegt, heute am 19. Oktober 1900, vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann Julins Ferrdt in Hungen wird zum Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen sind bis zum 12. November 1900 bei dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beschlußfaffung über die Wahl eines anderen, bezw. Beibehaltung des gegenwärtigen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschuffes und eintretendenfalls über die tu § 132 der Konkursordpung bezeichneten Geoen- stände auf Msettag den 5. November 1900, vormittags •y, Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Montag deu 19. November 1900, vormittags 9‘/2 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht Termin anberaumt.
Allen Personen, welche eine zur Konkursmaffe gehörige Sache in Besitz haben, oder zur Konkursmaffe etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Nachlaß zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auserlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. November 1900 Anzeige zu machen.
Großh. Amtsgericht zu Hungen.
Veröffentlicht: 6913
Koch, Gerichtsschreiber.
Bekanntmachung.
Das 4. Ziel Gemeindesteuer, sowie die fälligen Holz- und HengraSgelder können bis zum 1. November noch ohne Kosten anher entrichtet werden.
Zahltage: Dienstaa, Donnerstag und Samstag.
Gießen, den 20. Oktober 1900.
Stadtkaffe Gießen: Doepfer.
Dienstag den 23. Oktober 1900, nachmittags 2Vs Uhr, sollen die Grundstücke der Carl Sack L Eheleute Erben, wie solche im „Gießener Anzeiger" vom 13. und 14. Oktober näher bezeichnet sind, auf hiesigem Ortsgericht nochmals öffentlich meistbietend freiwillig erbverteilungshalber versteigert werden. Der Zuschlag wird sofort erteilt.
Gießen, den 18. Oktober 1900.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Gros. 6909
2.
Born, Gerichtsvollzieher.
6920
Versteigerung.
Dienstag -en 23. Oktober Js. versteigere ich im Auftrag der Konkursverwaltung des I. Conrad dahier gegen Barzahlung:
1. Vormittags tO Uhr Müttsburg 15 eine Baveeinrichtnng, bestehend m 3 Badewannen, Leitung, Wasser- reservoire und Zelleneiurichtung, mit einer Partie Bade- und Handtüchern, 1 doppelten Glassch rank,
Die Versteigerungen finden be stimmt statt.
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