stück des Parteitages angekündigte Rede Liebknechts über die Weltpolitik ausfallen und einer inhaltslosen Philippika Singers über die China-Politik Deutschlands Platz machen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. September 1900.
** Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgerichts pro 3. Quartal 1900:
1. Montag den 24. September, vormittags 9y3 Uhr, Anklage gegen Eduard Stöpler von Lauterbauch wegen Sittlichkeitsverbrechen. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Jung.
2. Dienstag den 25. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Andreas Dinkel von Gießen wegen Sittlichkeilsverbrechen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung führt Rechtsanwalt W e i d i g.
3. Mittwoch den 26. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Josef Aulbach Ehefrau von Vilbel wegen Totschlagversuchs. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Verteidigung führt Rechtsanwalt HooS.
4. Donnerstag den 27. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Georg Thomas von Ober-Ohmen wegen Sittlichkeitsverbrechen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung führt Rechtsanwalt E u gif ch.
5. Freitag den 28. und Samstag den 29. September, jedesmal vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Julius Friedrich Theodor Reo von Bleichenbach wegen Meineid. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Katz.
** Personalnachrichten. Der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen Georg Schlörb wurde zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Nieder-Olm, und der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Vilbel Friedrich Supp es zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lorsch ernannt.
•* Zum Ladenschluß. Für den Antrag der Versammlung des Detaillisten-VereinS, betreffend Regelung der Geschäftszeit vom 1. Oktober an durch die Verwaltungsbehörde liegen bereits 225 Unterschriften vor. Man hofft in den beteiligten Kreisen, wie man uns schreibt, eine Zweidrittel Mehrheit der betreffenden Ladeninhaber zu erhalten.
— Bingenheim, 20. September. Gestern feierten wir in unserer Gemeinde das jährliche Missionsfest des Dekanats Nidda. Der Tag wurde für die Gemeinde zu einem Feiertag, an dem alle Feldarbeit ruhte. Daß ein Fest gefeiert werde, zeigten die am Eingang und Ausgang des Ortes angebrachten Willkommen-Grüße, das Tannen- grün, welches die Straßen, und die Kränze, Guirlanden und Fahnen, welche die Häuser schmückten. Nicht weniger schön war das Gotteshaus geschmückt. Den Altardienst hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Wiegel, während desselben sang der hiesige Gesangverein ein geistliches Lied. Die Predigt hielt über 2. Cor. 4,1 Pfarrer Freundlieb von Ulrichstein, und beantwortete drei Fragen: Wer darf, wer kann, wer will Mission treiben? Antwort: Wer den Beruf hat, wer nicht müde wird, und wer nicht seinen Vorteil sucht, sondern den der Sache des Herrn. Missionar Flad sprach vormittags über die Mission in China im Allgemeinen, nachmittags über die Ursachen der gegenwärtigen Wirren in China. Dekan Hofmeyer dankte zum Schluß dem Kirchen- und Ortsvorstand, dem Gesangverein und seinem Dirigenten, und der ganzen Gemeinde für die schöne Ge- staltuug des Festes. Die Kollekte betrug 40 Mk. In
einer freien Versammlung erzählte Missionar Flad noch sehr Interessantes über das Leben der Chinesen, ihren Ackerbau, daß derselbe nicht so geführt wird, wie anderwärts, liegt in der absoluten Unsicherheit des Eigentums; da stiehlt Alles, Hoch und Niedrig, dann muß eine Menge Zeit zum Lasttragen verwendet werden, weil man keine Straßen wie bei uns, und darum noch kein Lastfuhrwerk hat. Die ungemein starke Vermehrung der Chinesen ersetzt den Abgang der Tausende, die jährlich Hungers sterben. Den alten Li- Hung-Tschavg zeichnete Flad als einen durchtriebenen Jntri- guanten.
—mm■»BBS
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
FraiklBrter Börse vorn 81. September.
Wechsel auf New-York zu 0.00-00.
Prämie* auf Kredit per ult Sept. 1.20% do. per ult Okt. 2.50% Diskonto-Kommandit per ult. Sept 1.00 % do. per ult. Okt. 2.40 % Lombarden per ult. Sept. 0.40%, do. per ult. Okt. 0.85 %, Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.
Notierungen: Kreditaktien 204.40-30-50.000, Diskonto- Kommandit 171.20-170.90-171.20, Staatsbahn 141-142, Lombarden 25.60-60, Italiener 93.70, Spanier 71.90.00, 8proz, Mexikaner 25.35, Bochumer 174.30-178.50-174.40 bz., Laura 191.50-190 bz., Harpener 175.60-90-80-90-175 bz., Gelsenkirchen 187.80-40.0 bz., Privat-Diskont 4%% G.
1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 204.60-80-000-000.00 bz., Dis- konto-Kommandit 171.10-20-00.00.0 bz., Staatsbahn 141.70-142 bz., Lombarden 25.40-00.00 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz.
Märkte.
Amtlicher Marktbericht. Bei dem am 18. und 19. September zu Gießen stattgehabten Markt waren aufgetrieben 1290 Stück Rindvieh, 751 Stück Schweine. Der nächste Markt findet statt am 23. und 24. Oktober, am zweiten Tage auch Krümermarkt.
Getreide.
Bei anhaltend steigenden Forderungen der Exportländer blieb die Stimmung sehr fest, aiwfy die Mühlen greifen nunmehr ein, sodaß wir von einem recht lebhaften Verkauf des Getreidegeschäftes in dieser Woche berichten können. Weizen speziell liegt sehr fe stund steigend. Roggen fest, Hafer unverändert, Gerste preishaltend, Mais ziemlich unverändert. Die heutigen Notierungen sind: Kansas 2 142 bis 143, Redwinter 2, 142,50, südruss. Weizen 138 bis 153, Rumän. Weizen 139 bis 153, russ. Roggen 109 bis 115, russ. Futtergerste 105, amerikan. Hafer 106, russ. Hafer 101, Mixed Mais 98 per Tonne cif Rotterdam.
Hopfen.
Der Verkehr am Nürnberger Markte nimmt stetig zu, aber auch die Umsätze werden täglich belangreicher. Die Zufuhren waren in der Berichtswoche seh? groß. Nach wie vor ist die Tendenz des Marktes eine sehr ruhige und liegt das Hauptaugenmerk auf prima Ware, während auch gute Mittel sich regerer Beachtung erfreuen. Die Preise hierfür haben eine kleine Differenz gegen jene der Vorwoche aufzuweisen. Der Export beteiligte sich an den Käufen ebenfalls sehr lebhaft und legte.für seine Zwecke M. 50—70 an. Marktware kostet M. 55—100, Hallerdauer M. 70—110, Siegelgut 105—125. Baden ist ziemlich ausverkauft; man kann behaupten, daß neun Zehntel der Ernte abgenominen sind. Das Geschäft entfaltet sich! jetzt sehr ruhig. Die Preise haben gegen den Beginn des Einkaufs um ca. 10—15 Prozent nachgegeben, man zahlte M. 70—100 pro Zentner. Allmählich entwickelt sich auch der Handel in Württemberg etwas besser, obwohl noch sehr weniger Käufer dorten vertreten sind. Die Preise bewegen sich zwischen M. 80—105. Im Elsaß ist es noch sehr" ruhig und wurden bis jetzt nur ganz minimale Par- thien in der Preislage von M. 70—100 pro Zentner gekauft.
Tabak.
Es wurden gekauft Württemberger Tabake, und die Gegend von Bretten zu M. 22—25, Heidelsheint und Helmsheim zu M. 28—30. In der Haardt würde Büchenau zu M. 31, in Graben zu M. 30—32, die Orte Spöck Blanken
loch und Friedrichsthal zu M. 34—37; Weingarten M. 26 bis 28, Untergrombach und Obergrombach zu M. 30 gekauft. Die Tabake der Orte Winden, Kandel, Herxheim- weier, Minderslachen, Scheidt, Hördt und Frankenfels, wurden von Mannheimer Firmen und Oberländer Fabrikanten zum Preise von M. 30—31 genommen. In den Orten Rheinzabern, Hatzenbühl und Erlenbach wurde M. 30 bis 32 geboten, die Eigner verhalten sich jedoch sehr reserviert. Dieselben sind teilweise noch mit dem Einheimsen der neuen Ernte beschäftigt und werden seitens der Einkäufer schon derart bestürmt, daß sie mit vollem Rechte hohe Forderungen zu stellen in der Lage sind. Es war dies auch nicht anders zu erwarten, denn die Käufer legen ein Gebühren an den Tag, woraus man schließen könnte, daß nicht ein Pfund Tabak mehr zu haben sei, doch ist natürliche das Gegenteil der Fall. Hoffenheim, stark verhagelt, wurde von 17—25 M., Zuzenhausen und! Umgegend bis zu M. 30, Hagebach (Pfalz) ausverkauft zu M. 30. In Urrloffen wurde bis zu M. 30, Ling bis zu M. 34 flott gekauft. Ueberall herrscht sehr rege Kauflust) und dürfte bis Ende kommender Woche der Einkauf der gesamten Ernte bei den Produzenten beendet sein. In Haynau wurde von einem Mannheimer Händler Sandblatt zu M. 30 gekauft. Im bad. Unterl. sind zum Teil sehr viel verhagelte Tabake und ist nur zu bewundern, daß trotzdem die Händler so enorm hohe Preise dafür anlegen. Pfälzer Rippen flau, lose feine M. 9, gebündelte M. 11.
Nachträglich erfahren wir, daß im Neckarthal, die Orte Neckarelz, Diedesheim, bis M. 32, Haßmersheim zu M. 31, Erlenbach (Pfalz) zu M. 34 gekauft wurden. In Friedrichsthal wurde sogar noch zu M. 38 von Händlern am Freitag gekauft.
Biehmärtte.
Die süddeutschen Viehmärkte waren während der Berichtswoche fast durchgehend sehr stark frequentiert, auch das Geschäft entwickelt sich allenthalben äußerst befriedigend. Im Vordergründe des Handels stand wieder prima Großvieh; hauptsächlich war fettes Schlachtvieh sehr begehrt und rasch abgesetzt. Besonderes Interesse zeigte sich für Milchkühe und Schlachtkühe. Jungvieh fand ebenfalls lebhaftes Interesse, doch blieb hier ziemlich! Ueber- stand. Kälber waren überall rasch abgesetzt, ebenso Schweine, wovon vollfleischige Ware rasch ausverkauft wurde. Die Schafmärkte waren stark betrieben und durch-- gehends konnte man gute Qualitäten bemerken. Der Handel konnte sich nicht flott entwickeln, da sich die Käufer auf verschiedene Märkte verteilten. Es wurden größere Par- thien für Norddeutschland erworben. Prima Ware war besonders gefragt und gut bezahlt.
Kohktn.
ES notieren: Ruhr Fettnutz Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nutzschmtedekob'en Mk. 250 bi« Mk. 260, Deutsche Anthrictt-Nußkohlen Mk. 360 btS 370, englische Anthracit Nußkohlen Mk. 430 bis Mk- 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Ruhr - Flammnußkohlen Körnung III Mk. 250 biS Mk. 260, Fettschrot Mk. 225 bis Mk. 235. Rubr-BruchcokS Mk. 360 bi« Mk. 380, AuSstebgrieS Mk. 170 bis Mk. 180. Alle« per 10 To. ab Mannheim. Fallendes Wasser und Nebel gestalten die Zufuhren immer schwieriger, dabei beginnt sich starker Wagenmangel ziemlich fühlbar zu machen.
Familien Nachrichten.
Gestorben r Jakob Graf, Privatier, in Darmstadt. — Marie Vonderheit, geb. Vonderheit, in Zeilhard. — Johannette Anton in Darmstadt. — Adolf Ewald, Leutnant a. D., in Darmstadt. — Kätchen Hörr, geb. Schwinn, in Groß-Umstadt. — Regina Jung, geb. Jamin, in Mainz.
HsL^ir machen die verehrt. Leser des Gießener Anzeigers an- läßlich des Quartalschlufses darauf aufmerksam, daß die Abhole- und Zweigstellenverwalter gleich den Zeituugs- trägern im Interesse eines geordneten Geschäftsganges gehalten find, die Haltegebühr im voraus zu erheben.
Die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers.
heitliche Auffassung, die Auffassung eines wahrhaft historisch geschulten Mannes, vielleicht das Beste an dem Ganzen, was aber die modernsten Weltgeschichten mit ihrem großen Stab von Mitarbeitern aus den Reihen der Spe- zialrsten längst daran gegeben haben. Die Zweifler aber, die das Gebiet für zu groß hielten, um von eineim Manne übersehen zu werden, hat Schiller glänzend geschlagen. Allerdings bedurfte es zu der Arbeit einer sowh' phänomenalen Schaffenskraft, wie er sie besitzt, einer solchen Belesenheit und vor allem einer solchen Gabe, schnell und sicher das Wichtige von dem Unwichtigen zu scheiden und das andere knapp und doch durchsichtig zusammenzu- fafsen. Das Buch, welches so entstanden ist, ist natürlich rein geschichtliches Lesebuch gewöhnlichen Schlages, sondern es ist nach des Verfassers eigner Angabe auf dem Titelblatt ,,ern Handbuch" d. h. ein Nachschlage^- und Lernbuch. Durch diesen Charakter als Handbuch sind neben der eben betonten prazrfen Zusammenfassung der bedeutendsten Ergebnisse der modernen Historiographie bedingt die knappen Erörter- <wn£en^Ubeük c Hellen der verschiedenen Zeiten nebst Andeutung der allerwichtigsten Quellen-Probleme, umfangreiche Uebersrchten über die moderne Litteratur, durch die jeder von dem rn dem Handbuch Gegebenen ausgehend auf einem Spezialgebiet sich, weiter unterrichten kann, weiter die Beigabe von Uebersetzungen bedeutender Quellenstellen aus den fremdsprachigen Literaturen die es auch hem sprachenunkundigen Leser ermöglichen 'aus den wichtigsten litterarischen Erzeugnissen der dargestellten Perioden „der Zeiten Geist" selbst kennen zu lernen, endlich die Zugabe von Karten für alle dargestellten Epochen, lauter Dinge, die man in keiner bisherigen Weltgeschichte findet. Ein solches Handbuch, das sich eine derartig hohe Aufgabe gestellt hat, ist auch kein Biloerbuch, wie so manche sogenannte moderne Weltgeschichte: nur ein paar der bedeutendsten Köpfe ^und Statuen von Männern , des Altertums (abgesehen von Nero S. 524 5) begleiten den Leser, fo daß man, was von dem ganzen Buch gilt, auch von der Illustrierung sagen kann: vornehm und knapp.
Der bis jetzt allein vorliegende erste Band umfaßt die Geschichte des Altertums von den ältesten morgen» ländischen Völkern und Reichen bis hin zu der letzten bedeutenderen Erscheinung auf dem Throne Ostroms, Justi- ntttn- ja für den Westen noch darüber hinaus bis zur
Longobardenherrschaft in Italien. Mit dem weiten Hinausrücken des Endtermins der sogenannten alten Geschichte bin ich sehr einverstanden: alle die ephemeren germanischen Reichsbildungen Mf römischem Boden, der Vandalen, Goten, Longobarden usw., gehöven noch in die römische Geschichte. Eine neue Zeit besinnt erst mit dem Frankenreiche und bei diesem auch erst mit dem Emporkommen der Karolinger, zumal als diese Könige wurden, sofort im Bunde mit oem Papste, dem Erben der römischen Kaisermacht des Westens. Mit der Geschichte des Frankenreichs wird daher der zweite Band einsetzen, dessen Erscheinen unmittelbar bevorsteht. So einverstanden wie mit dieser Abgrenzung des Stoffes am Schlüsse bin ich im allgemeinen auch mit des Verfassers Darstellung der alten Geschichte überhaupt. Nur hätte ich eine etwas größere Ausführlichkeit bei der Geschichte der hellenistischen Zeit gewünscht, nicht der politischen, sondern der Kultur-Ge- schichte dieser Zeit, zugleich mit einem orientierenden Blick auf den jüngsten Sproß am gewaltigen Baum der Alter- tumswissensckMft, die Papyrusgewinnung aus dem Boden Aegyptens. Die hellenistische Zeit hat doch erst ausgebaut und vollendet, was Alexanders Genie in dem kurzen, ihm beschjedenen Erdendasein nur begonnen, ja manchmal nur angedeutet hatte. Sie hat große Teile des griechischen Volkes freigemacht von einer elenden Kleinstaaterei und Krähwinkelei, hat aus ihm ein Weltvolk, aus seiner Kultur eine Weltkultur (im antiken Sinne) gemacht, die zunächst die weiten Räume des Orientes sich erobert hat- um späterhin auch den gewaltigen römischen Sieger des Westens in seine Bande zu schlagen. In dieser Entwicklung spielt vor allem Alexandreia, das Paris der hellenistischen Zeit, eine weltgeschichtlich hochbedeutende Rolle, die noch etwas schärfer hätte beleuchtet werden können. Vieles, was Alexander nur begonnen hat, das hat vor allem infolge der Politik der bedeutenden drei ersten Ptolemäer seine erste und größte Alexanderstadt, eben Alexaw- dreia in Aegypten, vollendet. Sie bildet die Brücke von Griechenland zum Orient und später wiederum vom hellenistischen Orient zum römischen Occident. Die griechische Kultur ist eine rein städtische, in ihrer späteren Entwicklung als Weltkultur eine großstädtische: wie mit dem Namen Athen der Höhe- und Endpunkt ihrer kleinstädtischen heimischen Entwicklung auf ewig verknüpft ist, so bedeuten
Alexandreia — Rom — Byzanz drei Steppen ihres Siegeslaufs durch die größere Welt des Mittelmeers.
Das Gesagte wird wohl genügen, um zu erweisen, daß Schillers Werk eine Brücke ausfüllt. Hoffen wir, daß es ihm gelingt, die hohe Aufgabe, die es sich gestellt hat, zu verwirklichen, eine Aufgabe, die keine geringere ist als die, wahre historische Biloung hinauszutragen aus dem engen Kreise weniger Spezialisten in die breite Masse der nach echtem Wissen auf diesem Gebiete Lechzenden, dadurch die Kluft zu überbrücken zwischen dem kleinen Kreis wissenschaftlich geschulter und arbeitender Männer und dem großen gebildeten Publikum. Möge das Buch Leser finden, die, wie der Verfasser selbst, gelernt haben im Dienste ihrer eigenen Bildung unablässig weiterzuarbeiten, die den ernsten Willen haben, nicht die oberflächliche, billige Halbbildung für das alltägliche Leben sich anzueignen, sondern die nach tieferem Verständnis streben, mögen sich durch den kundigen Führer rocht viele alte und junge Deutsche an die großartige Werkstätte historisch-kritischer Arbeit, die namentlich deutscher Geist im 19. Jahrhundert geleistet hat, führen lassen und möge durch das Buch das Verständnis für die Geschichte u n s e r e s V o l k e s auf der breiten Basis der allgemeinen Weltgeschichte gehoben werden, damit wir Germanen, denen in der Geschichte noch eine bedeutende Rolle zu spielen beichieden zu sein scheint, gerade in sturmbewegter Zeit, wie die heutige ist und voraussich- lich das kommende Jahrhundert erst recht sein wird, immer deutlicher erkennen, was unser Volk neu in die Weltgeschichte eingeführt hat, was sein Ureigenstes ist, aber auch was es von anderen Völkern entlehnt und nur weiter entwickelt hat. Mese Erkenntnis sollten alle denkenden Glieder eines aufstrebenden Volkes sich zu erwerben be- muht sein. Tüchtige historische Bildung in den breiten Massen kann einem Volke bei seinem Auftreten nach außen hin wie bei seiner Weiterentwicklung im Inneren nur von hohem Nutzen sein. Wird dieses Ziel nur in etwa durch das vorliegende Buch erreicht, so hat der Verfasser ern gutes Stück sozialer Arbeit geleistet, dann ist der bedeutende Schulpädagoge etwas Größeres, nämlich Volkspädagoge, praeceptor Germaniae, geworden. E. K.


