Ausgabe 
23.9.1900 Erstes Blatt
 
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Diegroße Aussprache", die auf dem sozialdemo­kratischen Parteitag vor sich, gegangen ist, ist auffallend zahm und ruhig verlaufen. Das könnte, nachdem der vorige Parteitag zu so stürmischen Auseinandersetzungen geführt hat und nachdem auch zu dem jetzigen Parteitag von verschiedenen Seiten scharfe Kriegsdrohungen laut ge­worden waren, Wunder nehmen, aber die Kunst der Diplomatie hat innerhalb der Sozialdemokratie offenbar zugenommen. Dazu kam, daß der Hauptvertreter der scharfen und unversöhnlichen Tonart, der alte Liebknecht, noch vor dem Parteitage vom politisch^en Kampfplatz ge­schieden war. Und der Tod Liebknechts wirkte noch weiter nach der Richtung der Versöhnlichkeit. Die Parteileitung mußte Sorge tragen, daß das Hinscheiden des nahezu allgemein anerkannten Führers die Bande des Partei­gefüges lockern könnte, und sie trug deshalb umsomehr Sorge, mit weiser Vorsicht alles aus dem Wege zu räumen, was'zu einem allzu scharfen Aufeinanderplatzen der Geister hätte Anlaß geben können. So machte der Parteitag, der keinerlei Ueberraschungen brachte, alles in allem einen philisterhaften Eindruck. Mußte doch auch! die als Haupt-

um das sich die übrige Welt gruppiert. Die Kultur der Weißen hat ihre Ueberlegenheit über alle Kulturen der Erde in so eminentem Maße erwiesen, daß sie rm Begriffe steht die Weltkultur zu werden. Die Geschichte derselben bezw. der Völker, die sie geschaffen, und weiterentwickelt haben, ist daher im wahren Sinne heute dre Welt­geschichte. Und um so mehr sollten wir gerade in unseren Tagen an dieser Form der Weltgeschichte, die rm Alter­tum schon ein Mann wie Polybius, allerdings für ern beschränktes Gebiet, die Randländer des Mittelmeers, ge­pflegt hat, sesthalten, weil sie heute infolge der groß­artigen Ausbreitung der Weißen über fast dre ganze Erde auch der gegnerischen Forderung gerecht wrrd, daß dre Welt der Schauplatz der Universalhrstorre fern sollte. Da­gegen die Helnroltsche Art der Betrachtung verschlerert von allem anderen abgesehen die Genesis und heutige Bedeutung der europäischen Kultur, indem sie nach Lan­dern ihre Entwickelungsgeschichte in bedauernswerter Weise auseinanderreißt und sre aus dem Mittelpunkt des Ganzen herausrückt. Man braucht noch lange nrcht der der alten Art die Geschichte aller nrcht-werßen Volker einfach zu unterdrücken, sondern man kann, ttne Schiller das nach alten guten Vorbildern thut, der Gelegenheit der jeweiligen ersten Berührung des betreffenden Volkes mit den vorderasiatisch^europäischen Kulturvölkern dessen seitherige Geschichte in Form eines rückblickenden Exkurses, wie die Alten, z. B. Polybius, das schon machten, skizzieren und so ^gewissermaßen ein Volk nach dem andern in die Weltgeschichte der weißen Völker einführen.

Wie in der Stoffauswahl und-Anordnung ist schiller auch in der allgemeinen Auffassung von Geschichte gegen­über imodernen Auswüchsen der Historiographie in gesunder Weise reaktionär. So bekämpft er das Streben der Mo­dernsten, die wie in den Naturwissenschaften auch ^u der Geschichte allgemeine Gesetze nachweisen mochten.Alles geschichtliche Leben beruht auf der Gegenwirkung der großen Gesetze und des menschlichen Willens." Ein Histo­riker, der diesen Satz vertritt, erkennt aber auch der Persönlichkeit noch eine große Bedeutung in der geschicht­lichen Entwickelung zu und hält sich ebenso fern von der beliebten Afterweisheit anderer Moderner, die nur nop Massenentwicklung sehen, die sich spgar rühmen, Welt­

geschichte schreiben zu können, ohne einen Namen zu nennen. Auch die Träumereien von Kosmopolitismus sind dem welterfahrenen Verfasser fremd; er betont vielmehr neben der Persönlichkeit die Bedeutung der Nationalität mehr­fach:Loslösung der Weltgeschichte von der Nationalität ist ein Unding, geradeso wie ein geschichtlicher Held oder ein großer Schriftsteller, der nicht national wäre", oder an anderer Stelle,der Reichtum des Menschengeschlechts ist ohne die Einseitigkeit der Nationen gar nicht denkbar, und jede Nation, die sich als solche fühlt, wird es als ihre Höchste Aufgabe erkennen, ihresStellung in der Volker- gesellschaft zu behaupten und an ihrem Teil zu der großen allgemeinen Kulturaufgabe der Menschen beizu­tragen. Das Ideal auf politischem Gebiet ist also nicht der Menschheitsstaat als eine einzige Organisation, sondern ein durch internationale Verträge w manchen Fragen gebundener Staatenverein." Hier spricht zu uns etwas zu deutlich der Sohn des 19. Jahrhunderts. Im allgemeinen aber tritt uns ein gesunder konservativer Sinn in den einleitenden Kapiteln entgegen, der einen nüchternen, durch keine noch so blendenden neueren Theo- rieen bethörten, selbständigen, historisch vorzüglich ge­schulten Denker verrät.

Dies alles rechtfertigt aber noch nicht das Erscheinen einer neuen Weltgeschichte. Es fragt sich wodurch un - scheidet sich das Schiller'sche Werk von den vieler, sG°n vorhandenen Weltgeschichten. Nun, -s ist eme Arbeit, die zugleich populär gehalten ist und doch auf hohen wissen- schaftlicheu Wert Anspruch machen darf. Sie. gteöt JW nur die Erzählung ter geschichtlichen Thatsachen dre den Verfasser sich zurecht gemacht hat, sondern ste gE auch einen Einblick in die von der modernen kritischen Ge (Stsforfdntiia besonders int lichten Jahrhundert ge-

Die wichtigsten Ergebnisse ter w ien^mitlichen Forschung, die m einer Unzahl von Spe- italsckristen SchriftckMi und Aussätzen verzettelt vvr- Ä nur zugänglich und beherrschbar von einer Nein n An M Stachen, sollen hier dem gebildeten Vublikum übermittelt werden. Daß diese Riesenarbeit am Ende unseres papierenen Jahrhunderts noch einmal ein Unreiner Mann zu leisten unternommen hat, ist ganz b». sonteÄ wertv-N So geht durch d°6 Danze em- -i«-

1. Preis, 100 Mk.: L. Jäckel Ill.^irünberg, 2. Preis, 75 Mk.: K. Fischer-Hos Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk., Ehrenpreis des Kreisausschusses Gießen: Ww. Eyr. Winter-Herchenhain; Anerkennung, 10 Mk.: K. Fischer- Hof Zwiefalten, Th. Repp-Mick-elbach, H. H>aas III.-Stem- bach, W. Vierheller-Breungeshain, Ludw. Kramer II.-Stein- bach, K. Keil-Grünberg, G. Spamer XI.-Schotten; in Saane 17 (Kühe) 1. Preis, 100 M.: I. Zimmer, Bingmuhle; Ehrenpreis von Oberamtmann Hoffmann-Hof-Gull, für die beste Vogelsberger Kuh: Ehr. P^A^br; 2. Preis, 75 Mk.: K. Fischer-Hof Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk.. I. Appel- III.-Herchenhain; 3. Preis, 50 Mk., ^reupreis des Kreisausschusses Gießen: Wilhelm Kinckel-Eschenrod; Anerkennung, 10 Mk.: K. Fllchn-Hof Zwiefalten, Th. Cellarius-Schotten, I. Zimmer-Bmgmuhle bei Lauter, L. Krämer II.-Steinbach Johannes Stein II.-Weickertsham, Ehr Winter Witwe-Herchenhain, Karl Schäfer II.-Michel­bach; in Klasse 18 (Kühe) 1. Preis, 100 Mk., Ehrenpreis des Provinzialausschusses für Oberhessen: Joh. Phil. Kröck- Öeuchelheim; 2. Preis, 75 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk.: I. Zimmer-Bingmühle bei Lauter; 3. Preis, 50 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; Anerkennung, 10 Mk.: Wilhelm Kiuckel-Esch^nrod, L. Wagner-Allendorf, Christoph Haas-Grünberg; i» Klasse 19 (Familien) 1. Preis, 200 Mk., Ehrenpreis des Herrn Buderus-Hirzenhain: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 1. Preis, 150 Mk.: Karl Winter II.- Herchenhain; 2. Preis, 100 Mk.: I. Zimmer-Bmgmühle bei Lauter; Anerkennung, 10 Mk.: Wilh. Knickel-Eschenrod; in Klasse 20 (Kleine Sammlungen) 1. Preis, 250 Mk.: Wilh. Kunkel-Eschenrod; 2. Preis, 150 Mk.: I. Zimmer- Bingmühle bei Lauter; in Klasse 21 (Große Sammlungen) 1. Preis 500 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 2. Preis, 250 Mk.: Zuchtvereine Grünberg-Umgegend, Lauter und Weickertshain; 3. Preis, 150 Mk.: Ortszuchtverein Heuchel- Heim-Steinbachi-Allendorf; Anerkennung, 10 Mk.: Tier­zuchtverein Herchenhain.

wählen in Bewegung gesetzt habe, so müsse auch die Be­teiligung an den Landtagswahlen möglich sein. Man dürfe politisch die Arbeiter nicht zu gering einschätzen. Sie seien oft nach dieser Richtung hin gebildeter als die Wähler anderer Kreise. Den Wählern des Zentrums könne man über das Treiben ihrer Fraktion die Augen öffnen. Der Antrag Berlin (die Beteiligung bei den Landtagswahlen den einzelnen Wahlkreisen zu überlassen) bedeute, die Ver­handlungen auf einen toten Punkt bringen. Die Sajche, über die bereits seit drei Jahren diskutiert werde, ginge dann aus wie das Hornberger Schießen. Redner hofft, daß kein Genosse hinter seinen! kämpfenden Genossen zurück- bleiben werde, wenn es gelte, in den Wahlkampf einzu- treten.

Hierauf folgten mehrere Abstimmungen, darunter zwei namentliche. Ein Amendement von Elm-Hamburg, die Entscheidung über die Beteiligung an den Ländtagswahlen den einzelnen Kreisen zu überlassen, wird gegen eine große Mehrheit abgelehnt. Nachdem das Amendement Hoffmann- Berlin (Wahlbündnisse mit bürgerlichen Parteien und Auf­stellung gemeinsamer Kandidaten bei den Landtagswahlen) in namentlicher Abstimmung mit 137 gegen 93 Stimmen verworfen war, wurde die Resolution Bebel in gleicher Abstimmung mit 163 gegen 66 Stimmen in folgender Fassung angenommen:

In denjenigen deutschen! Staaten, in denen das Dreiklassenwahl-System besteht, sind die Partei­genossen verpflichtet, bei den nächsten Wahlen mit eigenen Wahlmännern in die Agitation einzutreten. Für die Landtagswahlen in Preußen bildet der Partei-Vorstand das Zentral-Wahl-Komite. Ohne dessen Zustimmung dürfen! die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen keinerlei Abmachlungen mit bür­gerlichen Parteien treffen".

An Stelle Liebknechts wurde Auer zum Delegierten beim internationalen Sozialisten-Kongreß in Paris, der am nächsten Sonntag beginnt, gewählt.

Bruhns dankte dem Bureau für die Führung der Geschäfte. >

Singer sprach den Mainzern den Dank aus. Wenn es nach ihm gegangen, wäre, würde der Parteitag wieder hier abgehalten werden. Ebenso dankte er dem Kompo­nisten Weißheimer und den Sängern für ihre Mühe. Die Geschäfte seien ohne Ueberftürzung erledigt worden. Wenn von der bürgerlichien Presse die gegenwärtige Tagung nicht temperamentvoll genug genannt werde, so wissen wir ja, daß wir es den Gegnern nie reicht machen können. Lob oder Tadel von dieser Seite lasse die Sozialdemokratie kalt.

Nach einem Hoch auf die internationale Sozialdemo­kratie und dem Gesang der Arbeiter-Marseillaise trenntet sich der Parteitag. Derselbe wurde am Nachmittag 2 Uhr mit einer Rheinfahrt zum Abschluß gebracht.

Der Deutsche Tabakvereiu

hielt am Mittwoch in Berlin eine aus allen Gegenden Deutschlands besuchte Hauptversammlung ab. Hauptgegen­stand der Beratungen; war die Zollfrage, zu der Syndikus Schloßmacher (Frankfurt a. M.) und Fabrikant A. Schieck (Frankenberg i. S.) Bericht erstatteten. Es wurde einstimmig folgende Erklärung zum Beschluß erhoben:

1. Der deutsche Tabakverein billigt die Stellung­nahme seines Vorftandes zu den vorbereitenden Arbeiten in Bezug auf die neue Anordnung des deutschen Zoll­tarifs. Derselbe verleihe der Hoffnung Ausdruck, daß die maßgebenden Stellen der Reichsgesetz­gebung bei der Festsetzung des Zollsatzes für Rohtabake im Entwürfe einer neuen Anordnung des Zolltarifs in gerechter Abwägung der in Betracht kom­menden, angeblich entgegengesetzten, in der That aber zusammenfallenden Interessen des deutschen Tabak- baueß und der deutschen Tabakfabrikation sich von der Ueberzeugung leiten lassen, daß eine Aenderurig des jetzigen Verhältnisses zwischen Zoll- und Steuersätze nicht angezeigt erscheint. Durch eine solche Aenderung würde das deutsche Tabakgewerbe, welches sich zu einem sehr großen Teil in einer nicht günstigen Lage befindet, auf das Schwerste beeinträchtigt werden.

2. Die Umschließungen eingeführter Tabake und Tabakfabrikate beeinträchtigen keinesfalls den Wett-Be- werb inländischer Erzeugnisse. Tie Verzollung der bis­her zollfreien (größeren) Umschließungen nach ihrer Be­schaffenheit bedeutet thatsächlich eine Erhöhung des Ein­gangszolles auf die darin verpackten Tabake und Tabak­fabrikate. Die Zollerhöhung kann (z. B. bei schweren, Kisten und Fässern) sehr bedeutend werden und zumal, da sie auch die Kalkulation und Zollbehandlung wesent­liche erschwert, verkehrshemmend wirken. Wir bitten da­her, es bei der bisherigen Art der Verzollung zu belassen, zu deren Aenderung keine Veranlassung vorliegt.

Kerman Schillers Wettgeschichte.

Weltgeschichte" ist ein zwar allgemein angewandter, .aber trotzdem recht unglücklicher Ausdruck. Wie durchaus verschieden man den in dem Worte enthaltenen Begriff aufsassen kann, zeigen die beiden neuesten Weltgeschichten, mit denen wir eben an der Wende des Jahrhunderts beschenkt werden. Für Hans F. Helmolt ist Welt­geschichte die Geschichte der gesamten Menschheit; dagegen ein großer Irrtum ist es nacy. ihm, den Teil der Welt, den man mit seinem geistigen Horizont umspannt, für die gesamte Welt zu halten:Dem Cato galt das Römer- tum als die Erfüllung aller Geschichte, und der Chinese nennt sein Reich das Reich der Mitte." Helmolts nach ethno-geographischen Gesichtspunkten gruppierte, von den Anschauungen deS Leipziger Geographen Fr. Ratzel stark beeinflußteWeltgeschichte" beginnt mit Amerika und den Ländern des stillen Ozeans. Ihm gegenüber ist Her­man Schiller*) noch so rückständig, mit Berufung auf Ranke (Weltgeschichte l.Vorrede) den Satz auszu­sprechen:Die Weltgeschichte wird sich damit begnügen müssen, allein Geschichte zu sein, nicht Anthropologie oder Ethnographie, und sie wird sich auch noch auf un­absehbare Zeit fernerhin, wie bisher, auf die im eigent­lichen Sinne geschichtlichen Völker beschränken müssen." Abgesehen von Schillers Gründen für diesen unstreitig wichtigen Satz kann man gegenüber Helmolts Ausführungen noch sagen: Schreibt am Beginn des 20. Jahrhunderts ein Angehöriger der weißen Rasse eine Welt­geschichte, in der die Geschichte der weißen Völker im Mittelpunkt steht, so ist das keineswegs dasselbe, wie wenn eben ein Chinese etwa in einer Weltgeschichte das Gleiche mit den gelben Völkern thäte. Dem Chinesen heißt allerdings sein Landdas Reich der Mitte", aber es ist ein Zentrum ohne Peripherie. Im Gegensatz dazu sind Europa oder allgemeiner die Randländer des nördlichen atlantischen Ozeans heute ein wahres Reich der Mitte,

Weltgeschichte von den ältesten Zellen bis zum Anfang des 20 -iabrkundells. Lin Handbuch von Dr. Herman Schiller, Berlin und^ Stuttgart W. Spemann. Bd. 1: Geschichte des Altertums 1900.

3. Die Tabakindustrie, von der Auffassung aus­gehend, daß Tabak-Zoll und -Steuer Konsumsteuern sind, deren Erhebungstermine nach jahrzehntelang unange­fochtener Anschauung möglichst nahe an den Zeitpunkt des Verbrauchs herangerückt werden müssen, halt zur Erreichung dieses Zweckes einen ausreichenden 3ollneöit für das geeignete Mittel. Sie betrachtet sich als Ver­legerin der Zoll- und Steuerbeträge, übernimmt als solche das ganze Risiko für deren Eingang und wird oeshalb bei Aufhebung des zinsfreien Zollkredits durch die ihr. erwachsende Zinsenlast ganz empfindlich be­schwert und namentlich in ihren kapitalschiwacheren Betrieben stark betroffen werden. Da eine Aufhebung zinsfreier Steuerkredite, wie sie für Zucker, Spiritus und inländische Tabake bestehen, nicht zur Anregung ge­kommen ist, so kann der Fortbestand der Zollkredite grundsätzlich ebenfalls nicht angefochten werden. Aus dem Tabakgewerbe heraus sind niemals Klagen über das Bestehen der Zollkredite laut geworden, vielmehr wurde nur geklagt, daß bei dem in demselben üblichen 6 monatlichen Ziel die 3 monatliche Kreditfrist eine zu kurze sei. Der deutsche Tabakverein bittet daher, es für die von ihm vertretene Industrie mindestens bei dem jetzt gewährten, wenn auch ungenügenden zinsfreien drei­monatlichen Zollkredit zu belassen, x

In Punkt 5 der Tagesordnung, betreffend die Be­schäftigung von Arbeiterinnen in Fabriken, wurde folgende von E. Mayer (Mannheim) begründete Erllärung zum Beschluß erhoben:

Die bestehenden gewerbepolizeilichen Vorschriften für die Beschäftigung von Frauen in Fabriken sind für die Fabriken des deutschen Tabakgewerbes als voll­ständig ausreichend zu erachten. Aus der Beschäftigung von Frauen in solchjen Fabriken haben sich keinerlei Mißstände ergeben, weder in sittlicher, noch gesundheit­licher, oder familiärer Beziehung. Der deutsche Tabak­verein richtet deshalb an das hohe Reichsamt des Innern die ganz ergebene Bitte, geneigtes! dahin wirken zu wollen, daß e^bei den jetzigen Bestimmungen der Gewerbe­ordnung, bezw. dier bundesrätlichen Vorschriften vom 18. Juli 1893 über die Beschäftigung von Arbeiterinnen, welche im deutschen Tabakgewerbe nicht entbehrt wer­den können, sein Bewenden hat. Sollte indes gegen seine Erwartung eine dahin gehende gesetzliche Maß­regel vorbereitet werden, so spricht der deutsche Tabak­verein die Hoffnung aus, daß ihm rechtzeitig Gelegen­heit zu einer Begutachtung der Grundzüge derselben ge­boten toirb".______________________

Vom sozialdemokratische« Parteitag.

v.

Mainz, 21. September. In der heutigen Vormit­tags-Sitzung wurde die Diskussion über die Beteiligung an den Landtagswahlen fortgesetzt. Stolle-Gesau befürwortet die Beteiligung an den Landtagswahlen, well er nach dem Ausspruch des verstorbenen Liebknecht stets die Offensive ergriffen haben will.

D r e s b a ch - Mannheim wendet sich gegen die gestri­gen Angriffe hinsichtlich! der badischen Landtagswahlen. Die Kompromisse seien notwendig gewesen, um den Na­tionalliberalismus zu brechen. Von Korruption sei gar keine Rede. , <

Scho lz-Berlin und Düwell sprechen sich gegen Die Beteiligung an den Landtagswahlen aus. Hierauf wird die Debatte geschlossen r _

Das Schlußwort erhält der Antragsteller Bebel. Der­selbe führt aus: In vielen Wahlkreisen lägen die Dinge viel günstiger als man glaube. Die Kompromisse sollten den 8weck haben, vor allem die Opposition im preußsichen Abgeordnetenhause zu stärken und Gesetze zu verhindern, die speziell gegen die Sozialdemokratie gerichtet seien. Auf einem früheren Parteitag sei schon der Wschluß von Kom­promissen gebilligt worden. Wenn man bereits früher mit Erfolg die Wähler für das Reinere Hebet bei Stich­