Ausgabe 
23.8.1900 Zweites Blatt
 
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Oesterreich, König von Ungarn (Schleswig Holstein.) Nr. 16, v. Heusinger im 2. Großti. H ss Drag.-Regt. (Leib' Drag.'Regt.) Nr. 24, dieser mit Potent vom 30. Januar b. IS. unter Versetzung in das Kür.-Regt. Gras Geßler (Rhein.) Nr. 8, Riedesel Frhr. zu Eisenbach im 1. Großh. Feldart. Regt. Nr. 25 (Großh. Art.-KorpS); Mösch? e, Unteroffizier im 3. Großh. Hess. Ins. Regt. (Leib-Regt.) Nr. 117, zum Fähnrich befördert; v. Renz, Oberst und Kommandeur deS 2. Großh. Hess. Feldart.. RegtS. Nr. 61, mit Pension und der Regts. Uniform der Abschied bewilligt.

-r- Klein Linden, 22. August. Mit Ende dieses Monats ist die Zeit der Kirchweihfeste herbeigerückt. Die hie« figen Gastwirte haben nun beschlossen, die Kirmes ziemlich am Ende der Erntezeit abzuhalten, und so wird sie nächsten Sonntag und Montag gefeiert werden. Da in unserer Gemeinde in diesem Jahre schon zwei Sängerfeste waren, ond da außerdem der Hagelschlag Schaden in der Gemar­kung angerichtet hatte, so beschloß der Gemeinderat ein. stimmig, in diesem Jahre von einem Kirchweihfeste abzusehen. Trotzdem gelang es den Bemühungen der hiesigen Wirte, daß die Kirmes nun doch gehalten wird.

-b Friedberg, 22. August. Unserm gestrigen Berichte über das Gravelotte- und Fahnenweihfest sei noch zugefügt, daß die nunmehrige neue Fahne des Veteranen- uno Militärvereins in der Gothaer Fahnenfabrik hergcstcllt wurde. Dieselbe ist ein wahres Kunstwerk, und sämtliche Stickereien, Sprüche und Wappen usw. sind Handarbeiten. Die Fahne zeigt auf weißem Grunde einerseits die Gestalt der Germania, während auf der andern Seite das Großh. Hess Wappen sich befindet. Das schwarz-weiß rote Fahnen band von dem Kaiser sticht prächtig ab von dem weißen Grunde.

z. Hungen, 20. August. Heute tagte hier die 40. Wanderversammlung des Oberhes-fisch en B i e n e n-Z üch te r v e r e i n s, verbunden mit einer Ausstellung von lebenden Bienenvölkern, Bienenhonig und Gegenständen, die zur Bienenzucht ge­hören. Die Ausstellung wurde tags vorher mit einem zahlreich besuchten Konzert im Garten des GasthausesZur Traube" eröffnet. Versammlungslokal und Festgarten hatten, (mit Ouirlanden, Reisig, Fähnchen und Sinnsprüchcn prächtig geschmückt, ein Festgewand angelegt. Die Aus­stellung war im Gegensatz zur vorjährigen mit Bienen­völkern nur wenig beschickt und konnte darum jeder Aus­steller für seine Mühe u,nd sein Risiko, entweder durch Verkauf seiner Völker oder durch Gewährung einer Geld­prämie entschädigt werden. An Honig war nur wenig vorhanden. Es ist dies der beste Beweis für die geringe Honigernte. Um so reichhaltiger hatte sich diesmal die Ausstellung an Geräten gestaltet. Die Generalversamm­lung, durch das Erscheinen des Provinzialdirektors und Geheimrats von Bechtold sowie der Ehrenmitglieder und Gründer des Vereins, Justizrat Krug von Marburg und Orgelbauers Förster von Lich beehrt, nahm einen schönen Verlauf. Die beiden Redner ernteten reichen Bei­fall, und die Debatte bewies, daß bei zu vielen Eingriffen in die Bienenvölker auch recht viele Mißgriffe gethan werden. Als nächster Versammlungsort ist Reichels­heim i. d. Wetterau erwählt. Zur späteren Her­stellung eines Vereinsbienenhauses in Orten­berg ist einstweilen ein Geldbetrag bewilligt worden. Küche und Keller des Gastwirtes thaten ihre Schuldigkeit, die Kapelle spielte lustige Weisen und so öffneten sich denn bald die Schleusen der Beredtsamkeit. Toast folgte auf Toast, bis Gott Pluvius den Wein zu viel mit Wasser versetzte. Ein Gewitter trennte die Gäste, und die Bahn führte sie bald der Heimat zu.

Klein Altenstädten, 20. August. Ein trauriges Ereignis hat sich heute morgen in der Familie des Arbeiters Peter von hier zugetragen. Der Vater war auf der Arbeit und die Mutter ging am frühen Morgen ins Feld Bohnen brechen, ihre drei Kinder noch schlafend zurücklassend. Als sie wieder heimkomml, ruft ihr das älteste 4jährige Söhnchen aus dem Bett zu: Ach Mama, was habe ich gemacht! Die erschreckte Mutter hebt die Decke ab und erstarrt fast vor Schrecken, als sie ihren Liebling mit halbverkohltem Körper da liegen sieht. Der Junge war während der Abwesenheit der Mutter erwacht, aus seinem Bettchen gestiegen und hatte irgendwo ein Streichholz erwischt. Mit dem ange- zündeicn Streichholz kam er seinem Hemdchen zu nahe und das Unglück war geschehen. Das Kind hat aber noch die Kraft gehabt, in das Bett zurückzukriechen. Die sofortige Uebersührung nach Gießen nützte nichts mehr, denn der Junge unterlag unterwegs seinen gräßlichen Wunden. Während der ganzen Zeit ist nicht ein Laut des Schmerzes über seine Lippen gekommen. (H. L.)

Darmstadt, 21. August. Die hessische Sozial­demokratie ist gegenwärtig eifrig am Werke, ihre Bor bereitungen zu der am 2. September in Neu-Isenburg siattfindenden Landeskonferenz und zum Mainzer Parteitage zu treffen. Die Kreiskonferenzen sind bereits zum größten Teil abgehalten und haben zu den wichtigsten Fragen, die den Parteitag beschäftigen werden, Stellung genommen. Der Veränderung des Organisationsstatuts, welche die -Zugehörigkeit zur Partei von einer dauernden Geldunter­stützung abhängig machen will, wurde durchweg zugestimmt. .In der Frage der Beteiligung an den Landtagswahlen ist die hessische Sozialdemokratie, durch jahrelange Erfahrungen belehrt, einhellig der Ansicht, daß man sich überhaupt an allen Wahlen, die ein öffentliches Interesse haben, beteiligen müffe. Auch Wahlkompromisse mit anderen Parteien sind statthaft, sobald eS sich um die Velhinderung einer reak­tionären Wahl handelt. (Franks. Ztg.)

Darmstadt, 22. August. (Tel.-Meld. d.Gieß. Anz.-) Heute vormittag kurz nach 7 Uhr wurden bei dem Kanalbau in der Lichtenbergftraße durch Erdrutschungen 4 Arbeiter verschüttet, von denen zwei durch rasche Hilfe gerettet werden konnten, während der verheiratete Heinrich Greim anb der ledige LouiS Ruhl trotz angestrengter l1/* stün-

>iger Thätigkeit aus dem ca. 4 Meter tiefen Kanal tot -erausgegraben wurden Der starke Regenfall der letzten Tage wird wahrscheinlich Ursache dieses Unglücksfalles fein. Gericht und Polizei waren zur Stelle.

Darmstadt, 21. August. Mit der Regelung deS Submissionswesens wird sich nach dem Vorgänge der layerischen Handwerkerkammern auch die hessische tn einer ihrer nächsten Tagung zu beschäftigen haben. Nach einem Bericht derDarmst. Z'g." hat auf eine Anregung deSLandlagsabg. Schubert hin der Gewerbeoerein Beer eiben zwei dahinzielende Anträge an die Handwerks­kammer gelangen lasten Sie bezwecken, dem Klein- gewerbe die Mitwirkung an den in Aussicht genommenen Bauten und gewerblichen Unternehmungen zu ermöglichen, und lauten:

1 Dtc Handwerkskammer wird dringend gebetm, dahin zu wirken, daß die SubmifstonSformulare und das ganze Submissions- Verfahren tn Zukunft so gestaltet -werden, daß das Kleingewerbe mehr Berückstchligung finde'. Die Voranschläge sollen sp-zifiztrrt ausgearbeitet und dtc Einsichtnahme den Handwerkern ermöglicht werben, damit diese frübzetttg genug die detaillierten Voranschläge, Bedingungen rc lernen lernen, ihre DubmissionSrtngaben dement­sprechend gehalten können und das (Sennaluntemebmettum nicht auf Kosten deS Kletndandwnk» gefördert wird. 2. Die Handwerker- kammer möge anstreben, daß die Steinindustrie im Odenwald und hessischen Neckarkhal durch die hessischen Baubehörden mehr berück stchltgt wird. Die Pfälzer Industrie, die wenn auch unabsichtlich von helsischest Baubehörden begünstigt wird, müßte von her Konkurrenz bd h.ssischen Bruten ausgeschlossen werden."

Darmstadt, 20. August. Auf dem landwirtschaft­lichen Genossensck)aftstag zu Halle a. S. wurde der Geh. Regierungsrat Haas in Offenbach zum Be­russan walt der deutschen land lv irisch ast- lichen Genossenschaften gewählt, und er gab bei Annahme der Wahl die Zusicherung, den Rest seines Lebens ganz der genossenschaftlichen Arbeit zu widmen und seine anderweiten beruflichen Pflichten zu lösen. Infolgedessen steht in.H essen ein großes Avancement auf den verschiedensten Gebieten bevor. Denn selten hat wohl ein Mann soviel Aemter und Posten in der Hand gehalten und mit erstaunlicher Arbeitskraft bewältigt, wie der jetzt über sechzigjährige Geheimrat Haas. Er ist Mit­glied des Reichstags, Mitglied und Präsident der Zweiten hessischen Kammer, Präsident des hessischen Landwirt­schaftsrats, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Pro­vinzialvereins für Starkenburg, dazu Kreisrat in Offen­bach a. M. mit allen an diese schwierigste und umfänglichste hessische Kreisverwaltung geknüpften Funktionen. Auch auf genossenschaftlichem Gebiete ist er vielseitig in Anspruch genommen: als Anwalt und Vorsitzender des Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossen­schaften, Direktor des Verbandes der hessischen landwirt- schaftlichen Genossenschaften, geschäftsführender Vorsitzen­der der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, Prä­sident der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbanl in Darmstadt, Vorsitzender der Versicherungskasse der land­wirtschaftlichen Genossenschaftsbeamten, Mitglied des Ver­waltungsrats der Preußenkasse, Vorsitzender der Deutschen Kornhaus-Kommission rc. Er wird also auch in Zukunft nicht zu feiern haben, und wie man sieht, hat er bisher eine Aufgabe weit über eines Menschen Kräfte auf den Schultern gehabt. Wenn er auch wegen mancher Handlung und noch mehr wegen mancher Unterlassung Angriffe von verschiedenen Seiten erfahren mußte, so ist es doch gewiß ein Beweis ungewöhnlichen Wollens und Könnens, daß er in jeder Thätigkeit zahlreiche Verehrer und Freunde erworben hat. Erfreulich ist jedenfalls, daß er, als es eine Auswahl in seiner Thätigkeit zu treffen galt, sich schließlich doch dem Gebiet zugewandt hat, auf dem er sich am unbestrittensten Anerkennung und Verdienste erworben hat. Sagte ihm doch vor zwei Jahren in der Festrede auf einem genossenschaftlichen Jubiläum der hessische Ministerpräsi­dent mit etwas Ironie und etwas Begeisterung, daß seine Thätigkeitauf diesem Gebiete" allgemeinsten Beifalles sicher sei.

Worms, 20. August. Der Arlilleristen-Verein WormS hat, wie der WormserGen.-Anz " meldet, einen sehr zeit- gemäßen Beschluß gefaßt, der auch von anderer Seite Nachahmung verdient. Ein Kamerad brachte nämlich bei Besprechung der Beteiligung am Sedan-Fest den Antrag ein: In Anbetrackt des Umstandes, daß gegenwärtig deutsche und französische Soldaten im fernen Ostasien Schulter an Schulter kämpfen, und daß somit der Eine wie der Andere auf dem Schlachtfelde auf gegenseitige Freundschafts- und Liebesdienste angewiesen sei, sehe der Artilleristen Verein von einer Beteiligung am Deutschen Fest in diesem Jahre ab, da es geradezu als ein Hohn auf die Menschlichkeit betrachtet werden müsse, wollte man die Niederlage eines Volkes, dessen Söhne jetzt auf fernen Schlachtfeldern unter dem Oberbefehl eines deutschen Generals kämpften, und mit dem man sonach auf freundschaftlichstem Fuße zu verkehren gezwungen fei, auch im gegenwärtigen Augenblick noch ver­herrlichen. Der Antrag wurde seitens der Versammlung lebhaft begrüßt und mit Einstimmigkeit zum Beschluß erhoben.

Wetzlar, 21. August. Den Gemeindevorstehern Cor­nel' US in Stockhausen und Schäfer in Daubhausen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.

Kermischter.

t Sine« Spatzenkrieg führt seit einiger Zeit der Eisen- i bahnfiskuS auf dem Schlesischen Bahnhofe in Berlin i Die Sperlinge haben sich nämlich, wie dieFreis. Ztg." t erzählt, über dem Bahnsteig A. unter der GlaSdecke zu ) Hunderten eingenistet, wodurch sie aber weder dem Bahn- - personal noch dem Publikum einen besonderen Gefallen er­wiesen haben, denn den Herren Spatzen ist es natürlich ) sehrschnuppe", ob sie die Zeichen ihrer irdischen Bergäng- i lichkeit aus luftiger Höhe auf eine karmoifinrote Dienstmütze c ober auf einen gerade stolz vorüberschaukelnden Cylinderhut t herniedersausen lassen. Auch das einem solchen Attentat ti voraufgehende und folgende Triumphgezwitscher bet ge- - fieberten Gesellen wollte die undankbare Welt durchaus zu

widerlichem Gepiepse und Gekreische stempeln. Die Ster­linge sollten also fort. Aber wie? Hier konnte lern Kammerjäger helfen! Endlich griff man zu einem ver­zweifelten Mittel: man räucherte die Eindringlinge aus und half gleichzeitig mit dem armdicken Strahl einer großen Feuerspritze noch energisch nach. Dem vereinten Wirken von Feuer und Wasser vermochte schließlich selbst die Pomadigkeit der Sperlinge nicht Stand zu halten, und sie zogen ein HauS tvcitzr, zu den Bahnsteigen B., C. und D. Das war natürlich noch schlimmer. Nach kurzer Zeit mußte die Feuerspritze wieder in Thätigkeit treten, die Sperlinge wurden zum zwcitenmale exmittiert und zogen hohnpiepsend" wieder in ihr altes Domizil, den Bahn- leig A.

lieber einen Dauermarsch von Königsberg i. Pr. nach Paris und zurück berichtet dieKönigsb. Hart Ztg " fol­gendes: Herr Otto Ribbe, der an einer vom Internatio­nalen Sportverein veranstalteten Konkurrenz teilgenommen hat, hat sich auf unserer Redaktion von seinemSpazier­gang" nach Paris zurückgemeldet. Herr Ribbe, dem man die Strapazen der langen Wanderung kaum anmerkte, ist am 15. Februar ansgcbrochen, und am 7. August nach Zu rücklegung einer Strecke von 4500 Kilometer glücklich wieder hier eingetroffen. Dieser Dauermarsch Herr Ribbe hat in Paris nur so lange Station gemacht, als zur Erledr düng feiner Geschäfte erforderlich war ist der längste seiner Art. An der Konkurrenz haben sich zehn Angehörige verschiedener Nationen beteiligt, Herr Ribbe war der einzige deutsche Teilnehmer. Sechs Bewerber haben den Kampf unterwegs aufgeben müssen. Herr Ribbe glaubt begründete Aussicht zu haben, den ersten Preis, eine Summe von 20 000 Fr., zu erhalten.

Hamburg. 17. August. Die Blfterfchwäne ver­giftet. Ein ruchloser Frevel ist gestern abend verübt worden, indem ein leider unerkannt gebliebene« Subjekt die Schwäne in der Binnenalster mit vergiftetem Brot fütterte. Nicht weniger als 16 Schwäne fraßen von dem wahr­scheinlich mit Strychnin vergifteten Futter. Die Böge! starben bereits in zwei Minuten. Die toten Tiere trieben nachher auf der Alster umher. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den ruchlosen Burschen zu fassen. Die vergifteten Alsterschwäne wurden heute zum Zwecke einer gerichtS- ärztlichen Untersuchung auf dem Schlachthof eingeliefert.

Arbettrrbewrgun-.

Main), 21. August. Am Montag war das Gerücht verbreitet, am Nachmittag fände in der Fabrik zwischen der Direktion der Leder» werke und der Lohnkommission der Sinkenden eine gemeinschaftliche Sitzung zur Beratung der Forderungen statt. Leider entsprach das Ge­rücht der Wahrheit nicht, denn es haben bis heute noch keine EinigungS- Verhandlungen stattgefunden, und hat bi- jetzt der Vorstand der Leder- werke, trotz seiner früheren gegenteiligen Versicherungen, wenig Geneigt­heit, mit der Lohnkommission vor dem Gewerbegericht zu erscheinen. Die Strikenden halten dagegen fest an dem Standpunkt, daß nur vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt oder vor Oberbürgermeister Dr. Gaßner gemeinschaftlich über die ausgestellten Forderungen beraten werden könne. Der Vorstand der Lederwerke hält den Strike für deshalb nicht gerecht­fertigt, weil ein großer Teil der Strikenden 30 Mk. und mehr verdient habe und weil zweitens die Aktiengesellschaft bis heute noch leine Divi­dende an ihre Aktionäre habe auszahleu können, das Geschäft also nicht prosperiere. Die Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden soll unter der Bedingung bewilligt werden, wenn in den 10 Stunden das gleiche Arbeitspensum wie in den 11 Stunden geleistet werde. In diesem Sinn wird von dem Vorstand der Lederwerke ein gedruckter Auf­ruf an jeden einzelnen Arbeiter ergehen mit der Aufforderung, die Arbeit wieder zu beginnen. Die zehnstündige Arbeitszeit soll dann auf einen Monat probeweise emgeführt werden, um festzustellen, ob in dieser Zeit dasselbe geleistet wird, wie bei der alten Arbeitszeit. Einen Verlust nach dieser Richtung glaubt das Geschäft nicht ertragen zu können. Eine Wiederbeschäftigung der vor dem Strike gekündigten ca. 20 Arbeiter, darunter die Vorstandsmitglieder des Verbandes nichtgewerblicher Arbeiter, könne unter keinen Umständen eintreten, dieselben seien wegen Arbeits- mangel entlassen worden Unter solchen Verhältnissen dürste der Strike uoch lange nicht beendet sein. Die Zahl der Strikenden hat sich in­zwischen noch vermehrt, es sind jetzt einschließlich der Arbeiterinnen 550 Personen im Ausstand. Am Sonntag wurden 6000 Mk. Strike- gelder ausgezahlt, weitere Gelder sind noch genügend vorhanden. Aon heute ab werden ca. 200 Sinkende bei Erdarbeiten beschäftigt. In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis sämlliche Forderungen bewilligt sind.

Paris, 21. August. In Marseille nimmt der Ausstand der Hafenarbeiter bedrohliche Formen an. Gestern schien es, als ob et dem Admiral Besson, der im Auftrag der Regierung die Bermitttung übernahm, gelingen würde, eine Verständigung herbeizuführen. Heute suchten die Etriker die Ausladung der neu angekommenen Schiffe zu ver- hmdern, wobei das Militär einschreiten mußte. Die englische Penmsular and Oriental-Company beabsichtigt infolgedeffen, ihre großen ostafiatischen Frachten in Genua auszuladen. Einer späteren Meldung zufolge ist durch Uebeinkunft der Schifffahrts-Gesellschaften mit den Hetzern, Kohlen- trägern und Matrosen der Ausstand beendigt. Die Arbeit wird morgen wieder ausgenommen werden.

Paris, 21. August. Die Zahl der strikenden Kutscher nimmt stetig ab; viele treten wieder bei den Unternehmern ein, welche ihre Be­dingungen angenommen haben. Eine weitere Anzahl, nämlich diejenigen, die regelmäßig blos zur Eommersaison nach Paris kommen, kehren in die Provinz zurück

Sport, Spiel, Jagd.

Cassel, 21. August. Au dem Tage, als Graf von Waldersee in Cassel vom Kaiser Abschied nahm, traf au[ Wilhelmshöhe ein viersitziger Automobilwagen ein, der, von einem Rittmeister vom Train und einem Wagen­führer geführt, die Fahrt von dem Schießplätze Loburg bei Magdeburg nach Wilhelmshöhe gefahren war. Das Ge­fährt, ein stattlicher Wagen, ist mit Hellem Stoff ausge­schlagen, während die Seitenteile in blauer Emaillefarbe gehalten find. Der Wagen, der auf dem Loburger Uebuuas- platze den Truppenführern zur Benutzung diente, lostet 32 000 Mark. Der Kaiser wird in diesen Tagen Ver­suchs-Fahrten mit dem Automobil unternehmen. Das Terrain ist ein durchaus schweres, da im Habichtswalde die Fahrstraßen zumeist steil sind. Es soll versucht werden, die höchsten Steigungen zu überwinden. Sollte sich das Gefährt bei diesen Versuchen bewähren, so dürften weitere Automobilfahrzeuge für militärische Zwecke in absehbarer Zeit zur Anschaffung gelangen.