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Die Wirren in China.
Die Mvbilmachungdeutscher militärischer Kräfte [unb ihre bevorstehende Entsendung nach China entspricht den Aufgaben, bte Deutschland angesichts des Boxer-Aufstandes in der Provinz Tschili zu erfüllen hat. Die deutschen Truppen werden nicht ausgesandt, um Deutschland bei diesem Anlasse besondere Gebietsvorteile'
za verschaffen; sie sollen ausschließlich Deutschland in die Lage versetzen, eine genügende Macht an Ort und Stelle zu besitzen, um einerseits gemeinsam mit den anderen Mächten die alle europäischen Interessen in China beeinträchtigende Störung von Ruhe und Ordnung im Lande nachdrücklich zu beseitigen, und andererseits diejenigen Rechtsverletzungen, welche etwa deutschen Unterthanen, geschweige dem deutschen Gesandten, zugefügt worden sind, in einer Weise zu ahnden, die eine Wiederholung für lange Zett ausschließen dürfte. Die Mobilmachung selbst bedeutet aber durchaus nicht, daß man in unfern amtlichen Berliner Kreisen die leichtfertige Ausstreuung des Laffan- schen Bureaus über die Ermordung des Gesandten Frei- herrn v. Ketteler für glaubwürdig gehalten hat. Nach dem Urteile militärischer Kreise, die mit den. Orrsverhältnissen in Peking bekannt sind, hält man nach der „Köln. Ztg." die erfolgreiche Verteidigung dec sog. Gesandtschafts st raße und des sie umgebenden Viertels durch die europäische Schutzbesatzung von 60® Mann selbst gegen eine sehr große ch in e, s i jd) e Ueb ermacht für sehr wo hl ausführbar, zmmal alle in Frage kommenden Gebäude massiv und mit hohen Mauern umgeben sind, auch ausreichende Brunnes zur Bekämpfung von Schadenfeuer vorhanden sind, und schließlich auch hinreichender Proviant zur Hand sein wird, zumal der Hauptladen der deutschen Gesandtschaft gegenüber liegt und reichlich mit Vorräten ausgestattet sein dürste. Auch wird darauf hingewiesen, daß im Gesandt- sclmstsviertel mindestens 100 Pferde vorhanden sind, die jd)! immstenfalls geschlachtet werden könnten. Den in Peking stehenden Truppen wird kein militärischer Wert ber- at liegt, die Aufständischen aber sind vollständig undiszi- plinnert lumb sicherlich nicht im Besitze moderner Geschütze. Än/nmehmen ist allerdings, daß die e u r o pä i s che n Gesa ad tschaft en vollständig von der Außen- weltabaeschlossenseinwerden, da nach den bis- brriqen Erfahrungen bei allen solchen Aufständen samt- Uche chinesischen Diener sofort zu verschwinden Pflegen, um nicht in den für sie gefährlichen Verdacht der Freund- schnft mit den Fremden zu gelangen. Da zudem feststeht, dan »die englische Nachricht von der Rü ck ke h r d es V i zeit t> m i r a l s Seymour nach Tientsin der Begrün- totnq entbehrt, so darf mit Sicherheit angenommen werden, daß die Mitteilung richtig ist, der Admiral sei ui; t den europäischen Entsatztruppen bereits! am 17. Juni in Peking eingetrvffen. Das entspricht durchaus der militärischen Leistungsfähigkeit der Truppen selbst für den Fall, !d aß sie unterwegs einzelne..Gefechte mit den Boxern zu führen gehabt hätten Der japanische Konsul in Shanghai meldet bereits, daß der in Peking ein getroffene Admiral Seymour das diplomatische, »sorps unversehrt gefunden hat.
Man kann daher mit leidlicher Zuversicht annehmen, daß feit dem 17. Juni die Lage der Europäer in Peking nicht mehr zu schwerer Besorgnis An- la ft geben kann. Das schließt freilich nicht aus, daß trotzdem hier und da an einzelnen Europäern ein Verbrechen begangen sein kann. Doch ist jetzt, wo immer mehr Truppen in Taku gelandet worden sind, zu erwarten, daß in den nächsten Tagen ein zuverlässiger '/och richtendienst mit Peking und Tientsin bieder herqestellt sein wird, wodurch, dann die jetzige un- I'ibliche Ungewißheit aufhören wird. Alsdannwerden auch ftxitell alle die politischen Ausstreuungen em Ende nehmen, die sich jetzt an das Eingreifen der Machte zur Nieder- iMaaung des Aufstandes anhängen, ^hon hort man einen vollständigen Zerfall des chinesischen Reiches und eme unmittelbare Aufteilung desselben unter die Machte ankun- digeu Das ist aber eine völlige Verkennung politischen kaae. Die Frage spitzt sich im wesentlichen dahm zu, ob im Ernste bei dieser Gelegenheit Rußland und a p a u to Erwe rb ung »in es ische n G - bi e te Sanftreben, Lj ob England bereit und nn stände ist. diesem Berben erfolgrekti Widerstan d zu leisten, ober feiner- S „J für fidj eine Gebietserweiterung zu erzielen. Leres Erbens kann die so gestellte Frage schon jetzt mi« leidlicher Sicherheit beantwortet werden. Wollte Ruß- L in der Mat die jetzige Gelegenheit zu einem neuen ni Kästchen Lorstoße nach China hin benutzen und sich. Inders in Peking scstsetzen, so würde es dazu den den bar mgeechrwtsten Augenblick abgepaßi haben,
faaen müssen/ daß sein jetziges Vorgehen sofort von uivern Mächten, namentlich von Japan, mit gleichen ^stritten beantwortet werden würde, und daß namentlich -sa pan dabei aus eine mehr oder weniger offene Unter Atzung Englands zu rechnen haben wurde. Au»
der Niederschlagung des Boxer-Aufstandes könnte dann die Gefahr eines großen internationalen Krieges entstehen, und daß einen solchen der Zar Nikolaus nicht heraufzubeschwören beabsichtigt, daß er vielmehr alles aufbieten wird, ihn zu vermeiden, das hat das ganze bisherige Verhalten des Zaren seit seinem Regier-, ungsantritt und insbesondere auch die Haltung des Petersburger Kabinetts während der Transvaalwirren bewiesen.
In der That hat auch bisher Rußland durch seine diplomatischen Erklärungen bei den Mächten den Eindruck zu befestigen gesucht, daß es bei der Entsendung starker Truppenkräfte nach China lediglich die gemeinsamen Interessen der durch den Aufstand in Mitleidenschaft gezogenen Staaten zu schützen beabsichtigt. Was Japan betrifft, so glauben wir nicht, daß es sich genügend stark fühlt, um auf eigene Faust eine Sonderpolitik zu betreiben, die es in den schärfsten Gegensatz zu Rußland bringen müßte und deren Wirkungen sich über die chinesischen Grenzen weit hinaus erstrecken würden. England hat aber zur Zeit derartig die Schultern mit anderweitigen schweren Sorgen belastet, daß es zur Ergreifung einer kraftvollen Initiative in Ostasien grade jetzt am wenigsten bereit sein dürfte, wenn es auch die Hände frei hat, dort kräftige Abwehrmaßregeln zu treffen, falls ein Eingriff in seine Interessensphäre ,in Frage kommen sollte. Ebenso hat Frankreich im Süden Chinas, wo der Boxer-Aufstand gleichfalls einen recht bedenklichen Umfang genommen zu haben scheint, alle Hände voll zu thun. Auch, diese Macht wird nicht bereit sein, jetzt einen Schritt zu unterstützen, der auf eine Verteilung Chinas unter den gegenwärtigen Verhältnissen hinzielen würde. Ueber die friedliche Haltung des Dreibundes aber ist kein Wort zu verlieren. Hiernach können wir die jetzige politische Lage dahin zusammenfassen, daß nach unserer Ueberzeugung das Bestreben der europäischen Mächte, ihre gemeinsamen Interessen in China zu wahren und dort mit vollem Nachf- drucke Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, gelingen wird. 1
In der Wiener Polit. Korr. warnt ein russischer Diplomat vor der Auffassung, daß nunmehr eine kriegerische Abrechnung mit der chinesischen Regierung und eine Umwälzung der obersten Staatsgewalt zu erzielen sei. Wolle man die chinesische Frage nicht zu einer europäischen Frage aufrollen, so dürften die Mächte bei der Forderung von Genugthuungen und Bürgschaft nicht über das Losungswort hinausgehen: Erzielung eines besser begründeten status quo in China.
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In Sensationsmacherei fahren natürlich Londoner und Berliner Blätter vom Range des ,Berl. Lok.-Anz." fort. So meldet jetzt der „Serl. Lok.-Anz." üus London: Nach einem Telegramm aus Shanghai ist dort ein Brief eines hohen Beamten aus Peking eingetroffen des Inhalts, daß dort völlige Anarchie herrsche. Prinz Tuan soll den kaiserlichen Palast niederbrennen und den Kaiser haben ermorden lassen. Die Kaiserin sei verschwunden, man glaube, sie habe sich daS Leben genommen. Der Kampf um die kaiserlichen Schätze habe die Aufmerksamkeit von den Fremden abgelenkt. — „Daily Telegraph" meldet aus Shanghai: Nach Telegrammen aus Tientsin machten die Chinesen Freitagnacht einen Angriff auf die katholischeKathedrale und die Andachtsplätze. Der größte Teil der Eingeboren en-Stadt wurde von Boxern ein geäschert, die darauf den Bahnhof erstürmten. Sie kamen thatsächlich bis auf fünfzig Meter an die russischen Truppen, die 15 Salven aus schweren Geschützen feuerten und 300 Mann töteten.
Nach in Hongkong aus Kanton eingetroffenen Meldungen hat Lihungtschang auf die Vorstellungen der fremden Konsuln eingewilligt, in Kanton zu bleiben.
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Ueber die Eroberung des Taku-Forts meldet die „Daily Mail" noch folgendes: Das Blutbad innerhalb der Forts war furchtbar. Die Geschütze waren zerstört, und Leute und Tiere deckten den blutgetränkten Boden. DaS Nordfort wurde zuerst von den Japanern genommen, die unter Hurrarufen ihre Flagge hißten. Die Engländer folgten und hißten ihre Flagge auf dem äußeren Nordfort, Deutsche und Russen stürmten gemeinsam das Südfort. — Die bei dem Kampfe vor Taku verwundeten Offiziere und Mannschaften der internationalen Flotte, hundert an der Zahl, wurden auf einem japanischen Dampfer nach dem japanischen Marinedepot Sascho gebracht, wo sie von der japanischen Roten Kreuz-Gesellschaft gepflegt werden.
Ein nach Aokohama gelangtes Gerücht, Admiral Seymour, von dem thatsächlich sei«t einigen Tagen alle Nachrichten fehlen, sei tobt, verursacht dort große
Erregung, wird jedoch mit Mißtrauen ausgenommen. Zwischen den Führern der verschiedenen chinesischen Parteien soll ein Kampf um den Besitz der großen Schätze der Kaiserin im Gange sein. Man hofft, so heißt es in einer Melduug, die Chinesen und Maudschus werden so viel damit zu thun haben, sich gegenseitig zu ermorden, daß die Ausländer ihrer Aufmerksamkeit entgehen.
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Von dem deutschen Admiral Bendemann ist jetzt eine direkte Meldung eingetroffen, die uns gestern: abend telegraphisch übermittelt wurde. Sie besagt, daß es den Verwundeten besser geht. Ueber die Anteilnahme des „Iltis" an dem Kumpf bei Taku, sowie über die Verluste des Schiffes an Mannschaften ist aber bei dem Reichs-Marineamt bisher noch keinerlei Meldung eingelaufen, auch nicht über die Frage, ob der Kommandant des „Iltis", Kapitän La ns, wirklich gefallen oder verwundet ist, wie fortgesetzt Nachrichten von anderer sSeite "behaupten wollen. Es ist danach anzunehmen, daß eine ftühere Depesche des deuffchen Admirals in China an die Marinebehörde verloren gegangen ist.
Die Begeisterung für die deutsche Expedition nach China ist unter den Gardetruppen ganz besonders groß. Sehr viele Soldaten wünschen sehnlichst, auf den ostasiatischen Kriegsschauplatz zu gelangen. So meldeten siel),, als beim Garde-Schützen-Bataillon in Groß-Lichter- felde bei Berlin angeftagt wurde, wer nach China gehen wolle, die Oberjäger und fast sämtliche Mannschaften der 4. Kompagnie als Freiwillige. — Aus Anlaß der Mobilmachung und der kriegsmäßigen Ausrüstung von Schiffen herrscht auch in den .Spandauer Militärwerkstätten eine vermehrte Thätigkeit. — Sämtliche Dispositionsurlauber des Seebataillons sind in Kiel eingetroffen. 500 Mann von der Landarmee treten fteiwillig beim Seebataillon ein. Der Kaiser besichtigte das Kanonenboot „Luchs" und hielt eine Ansprache an die Besatzung. — Als Tag der Ausreise für die beiden zum Transport der deutschen Truppen nach China gecharterten Dampfer Wittekind und Frankfurt ist der 3. Z u l i in Aussicht genommen. Der Kaiser hat befohlen, daß auch ein D e t a ch e- mentPioniere nach Maßgabe des verfügbaren Raumes in Stärke von etwa einer Kompagnie eingeschifft wird. — Wie man aus Oldenburg meldet, ist von dort eine Batterie in Stärke von 140 Mann nach Wilhelmshaven beordert.
Der deutsche Kreuzer Gefion traf am 21. d. M. in Tschifu ein und ging sofort nach Taku weiter.
Mainz, 22. Juni. Auf kaiserlichen Befehl wurde bei sämtlichen Mainzer Infanterie-Regimentern angefragt, wer sich freiwillig einem zu bildenden Expeditionskorps nach China anschließen will. Sehr zahlreiche Mannschaften haben sich gemeldet, indessen »verden nur drei Mann von jeder Kompagnie angenommen. — Ferner haben infolge der Wirren in China auch hiesige und benachbarte ehemalige Marinesoldaten die Ordre erhalten, unverzüglich nach ihrem Bestimmungsort abzureisen. Ein Marine-, soldat (Reservist) eines unserer Nachbarorte erhielt, auf dem Felde beschäftigt, vorgestern Nachmittag seine Zustellung. Er traf abends hier ein und fuhr sofort mit Schnellzug nach Wilhelmshaven.
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Folgende Proklamation haben die Admirale der Mächte beschlossen: Die dienstältesten Offiziere der, verbündeten Mächte veröffentlichen: „Wir machen allen Vizekönigen, den Küsten-, Fluß-, Stadt- und Provinzialbehörden Chinas bekannt, daß wir nur gegen div Boxer tumb die Leute, die uns auf dem Marsche nach Peking zur Befreiung unserer Landsleute entgegentreten, mit Waffengewalt vorgehen".
Der in Castellammare liegende englische Kreuzer Dido ist auf telegraphische Weisung nach China abgegangen.
Der amerikanische Admiral Kempff meldet die Landung von3000Amerikanern und von3000RusseninTaku. Der amerikanische Gesandte in Japan berichtet die Landung von 600 Japanern vor Taku, wo sich zur Zeit fünf japanische Kriegsschiffe befinden. Ferner meldet Kempff aus Tschifu unterm 20. d. M.: Tientsin werde bombardiert. Die ausländischen Konzessionen seien zerstört. Eine Enffatzkolonne sei unterwegs.
In der französischen Kammer am 20. b. erklärte ber Minister bes Auswärtigen Delcasse auf eine Interpellation bezüglich ber chinesischen Angelegenheit, die pessimistischen Gerüchte, die in den letzten Tagen in die Welt gesetzt und wonach die fremden Legationen zerstört und sämtliche EuropäerinPekingermordet worden seien, seien unzutreffend. Dem letzten Telegramm zufolge, das er, der Minister, soeben erhalten, sei auch das Leben ber Franzosen in Yünnan nicht bedroht. Was die Verstärkung anlange, die Frankreich nach China entsenden werde, so würden außer den bereits abgegangenen Mannschaften am 29. ds. M. zwei Transportschiffe mit zwei Batterien Artillerie unb


