Ausgabe 
23.5.1900 Zweites Blatt
 
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Möge dieses Haus Jahrhunderte stehen, und wenn dereinst die Kapsel geöffnet wird, noch im Besitze der Burschenschaft fein!*

Seine Magnificenz der Rektor:

»Die alma mater Ludoviciana der Burschenschaft Germania Glück und Heil!"

Herr Oberstleutnant Petzel:

Möge das Germanenhaus allezeit seinen Mitgliedern sein und bleiben eine Pflanzstätte der Gesinnung, die die Burschenschaft gepflegt von alter Zeit, der Gesinnung: Alle Zeit, treu bereit für des Reiches Herrlichkeit!"

Herr Dr. Dikorö:

»Möge unser Wahlspruch Gott, Ehre, Frecheit, Vaterland in diesem Hause stets hochgehalten werden!"

Der Sprecher der Burschenschaft:

Es wachse, blühe uud gedeihe die Burschmschaft Germania, wie aus diesen schlichten Mauern das schöne Burschenhaus stolz und herrlich erstehen wird!"

Baurat Neuling:

Fest wie dieser Stein sei dieser Bund!"

Der Vertreter derVereinigung alter Burschenschafter" zu Gießen:

Die Bereinigung alter Burschenschafter begleitet diese Feier mit ihren herzlichsten Glückwünschen. Sehen wir doch in dem zu errichten­den Baue ein Zeugnis für die Stärke und die gefestigte Kraft und die Blüte der Gießener Burschenschaft Germania, aber auch für die Treue, die die alten Herren mit der jungen Burschenschaft verbindet. Diese giebt ein schönes Zeugnis und eine gute Bürgschaft dafür, daß dieses Haus allezeit ein Heim eines echten burschenschaftlichen und nationalen Geistes sein und bleiben wird. In dieser Zuversicht wünschen wir. daß der Burschenschaft eine ungezählte Reihe von Jahren sonnigsten Glückes beschieden sei. Als Leitstern möge ihr gelten: Das Vaterland über alles!"

Der Vertreter derVereinigung alter Burschenschafter" zu Wetzlar, Rektor Lürsen:

Im Namen der Vereinigung alter Burschenschafter zu Wetzlar überbringe ich der Burschenschaft Germania die herzlichsten Glückwünsche. Möge dieses Haus bald seiner Vollendung entgegengehen, und aus ihm deutsche Männer erwachsen, die stets bemüht sind, dem deutschen Volke seine Güter zu erhalten.

Der Vertreter der Burschenschaft Alemannia zu Gießen:

Germania vivat, cresoat, floreat in aeternum.

Der Vertreter der BurschenschaftArminia" zu Marburg:

Möge der Gedanke! der deutschen Burschenschaft blühen, wachsen und gedeihen. Möge der Gründungsgedanke hoch stehen bei allen Semestern, die künftig hier leben: Dem Biederen Ehre und Achtung."

Der Vertreter der Firma Stein u. Meier, Architekt Meier:

Entstehe und wachse zur Vollendung dich aus. Werde fröhlichen Burschen ein heimatlich Haus! Damit in dir walte in freundlicher Weise Die Bruderliebe in trautem Kreise;

Der Brudergeist wirke für das einende Band:

Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland."

Die Feier wurde beschlossen durch den Gesang des Burschenschafter-Liedes. Nachdem Photograph Uhl einige Aufnahmen der Festversammlung gemacht hatte, zog man wieder zumAndres" zurück. Während der Feier wurden an alle Teilnehmer Bilder des zukünstigen Hauses verteilt. Eine Festkneipe schloß den herrlich verlaufenen Tag. W. K.

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* Tagesordnung für die Sitzung Versammlung Mittwoch, den 23. mittags 4i/, Uhr: 1. Baugesuch Brandgasse; hier: Abweichung von

straße 24.

* Herdbuchschau. Wie erinnerlich, fand vor nunmehr 2 Jahren hier eine Ausstellung des Verbands der Herdbuch­gesellschaften für das Vogelsberger Rindvieh statt. Der Verband umfaßt das ganze Zuchtgebiet deS Vogelsberger Rinds, d. i. die preußischen Kreise Wetzlar, Dillenburg, Marburg, Biedenkopf, Kirchhain, Frankenberg und die hessi­schen Kreise Gießen uud Schotten. Auch gehört noch dazu das kleine Gebiet des Waldecker und Egerländer Schlages. Eine große Verbandsschau soll alle 2 Jahre stattfinden. In diesem Jahre wird sie am 14. und 15. Juli in Mar­burg abgehalten. Aus dem Kreise Gießen werden 30 Tiere ausgestellt, die von einer Kommission, die demnächst die betr. Orte bereisen wird, ausgewählt werden. Die Ver­bandsschauen sind ganz besonders geeignet, den Züchtern die Fortschritte der Rassezucht zu zeigen und zu lehren, wie das gesteckte Zuchtziel zu erstreben ist. Mit Preisen ist die Schau reich ausgestattet.

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Näheres in der Expedition d. BlatteS.

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Baubescheides. 2. und 3. desgl. des Ehr. Wallenfels und des H. Hettler für den Marktplatz, bezw. die Frankfurter­straße: DiSpens. 4. Die Unterhaltung der Anlagen vor dem Universitätsgebäude. 5. Antrag auf Feldbereinigung des links der Lahn gelegenen Teiles der Gemarkung Gießen. 6. bis 10. Gesuche des Heinrich Nau um Erlaubnis zum zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Steinstraße 76, deS Friedr. Köhler im Hause Hammstraße 16, des Heinrich Aff im Hause Wolfffraße 21, des Wilhelm Wagner im £aufc Steinstraße 23 und der Albert Köchlin Wittwe um Er­laubnis zum Ausschank von Branntwein über die Straße im Hause Bergstraße 22. 11 bis 14 Gesuche des H. Bier- mann um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Garten bei seinem Hause Bleichstraße 5, der Karoline Zipp Wittwe im Vorgarten bei ihrem Hause Ostanlage 9, des H. Schäfer in dem Garten bei dem Hanse Nordanlage 1 und des Martin Steinmeyer in dem Garten bei seinem Hause Grünberger-

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Dar am 16. und 21. l. Mts. in rubrizierter Angelegenheit zu- Äammengetretene Preisgericht hat entschieden, daß die für die beiden besten Projekte zur Verfügung stehende Summe von 800 Mk. zu gleichen Tellen ben Entwürfen mit dem KennworteSparsam" und dem Kennzeichen .2 Pfennigmarke" zuzuerkennen sei. Als Verfasser beider Entwürfe ergab sich beim Eröffnen der Briefumschläge die Firma Stein St Meyer dahier.

Das Preisgericht hat ferner dem Ausschuß der Spar- und Leihkasse den Entwurf mit dem KennwortBienenkönigin" zum Ankauf empfohlen, da ein dritter Preis nicht zur Verfügung stand.

Die eingelaufenen 12 Entwürfe nebst motiviertem Gutachten der Preisgerichts liegen am Touutag dem 587. nnd Montag dem 28. 1, Mts. von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr im Sitzungssaal der Bürgermeisterei, Gartenstraße 2, zu jedermanns Einsicht offen.

Gießen, den 21. Mai 1900.

Direktion des Spar- und Leihkassevereins Gießen.

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Freunden, aber lege ich ans Herz, das für euch zu erbauende Haus in dem Sinne zu benützen, in dem wjr es euch gegeben. Ihr habt es heute leicht, Burschenschafter zu sein. Gedenket eurer Lor» ganger, die unter erschwerenden Verhältnissen unsere Germania gegründtt und für ihre Ideale gekämpft haben. Haltet fest zu Kaiser und Mrch und zu unserem Wahlspruche-. Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland, bildet euch zu überzeugungstreuen, deutschen Männern. So werdet ihr unserm teueren deutschen Vaterland die besten Dienste leisten. Ich glaube vresen unseren Wünschen keinen besseren Ausdruck verleihen zu können, als indem ich die Festversammlung bitte, in ein Hoch auf die deutsche Burschenschaft und unsere Germania einzustimmen. Die deutsche Buschen» schäft und die Burschenschaft Germania, sie leben: Hoch, hoch, hoch!

Hierauf dankte der derzeitige Sprecher der Burschen­schaft, cand. math. Angelberger, den Alten Herren mit folgenden Worten:

Wir feiern heute einen Tag, der in der Geschichte unserer lieben Burschenschaft einer der unvergleichlich herrlichsten sein wird, der sicher einen unauSlöschbaren Eindruck hinterläßt. Er wird uns werden zu einem Gedenk- und Ehrentag, zu einem Tage der Freude und deS DankeS. Erinnern wollen wir uns heute derer, die, erfüllt von dem Streben echt burfchenschaftltcher Gesinnung, keine Mühe und Gefahr scheumd, vor fast 50 Jahren unsere liebeGermania ins Leben riefen. Gedenken wollen wir derer, die der langen Saat »u frischem und kräftigem Emporblühen verhalfen, die dazu bei­trugen, unserer lieben Burschenschaft diesen Tag zu einem Ehrmtage zu gestalten. Ein Akt der Pietät und eine Pflicht der Dankbarkeit ist es, wenn wir uns vor Augen führen, wie unfere lieben Alten Herren, in Anhänglichkeit mit unS vereint, stets in väterlicher Sorge und Opferwilltgkett für ihr« alten Farben eintraten. Wohl find ihrer manche schon zur ewigen Ruhe gebettet, aber in dankbarer Treue wird ihr Andenken nie verblassen. M't dankerfülltem Herzen wollen wir unS heute denen nähern, die ihrer fortwährenden Güte, ihrer tbatkrästigen Unterstützung, ihrem freundlichen Entgegenkommen den glänzendsten und erhabendsten Ausdruck gaben durch daS schöne und sichtbare Zeichen bi6 im Entstehen begriffenen BurschenhauseS. Was seit einigen Jahren daS Sehnen und der Wunsch der jungen Aktiven war, da« wird jetzt in Angriff genommen, daS wird das kommende Semester uns bringen. Ein herrliches Denkmal soll von nun an Zeugnis fleben von der errungenen Größe, deren wir uns heute freuen, von den Früchten und den idealen Gütern, in deren Genuß wir jungen heute leben können, uns allen zur Erinnerung und zum Ansporn. Der gegenwärtige, festliche Augenblick ist wohl am meisten dazu geeignet, dem Ehrenmitgliederverein, der Bau- kommtsfion, der allerdings zu unserem großen Leidwesen durch das Geschick eS nicht vergönnt ist, vollständig hier zu erscheinen, vor allem aber dem rührigen Vorsitzenden unsere besondere Verbindlich­keit zu bezeugen. Mit unseren verehrten Gästen, die ich im Namen der Burschmschaft aufS herzlichste w'llkommen heiße, habm wir uns 'fier, et füllt und beseelt von tiefer Dankbarkeit, versammelt, euch Heben Alten Herrn diese unsere Gefühle zu offenbaren und zugleich in dieser feierlichen Stunde als Ausdruck unseres Dankes denn wodurch könnten wir es wohl besser thon daS Gelübde darzu- Lringen, unS stetig der bezeigten Wohlthatm würdig zu erweisen. So können wir der Zukunft getrost entgegensehen, denn für das Wachsen, Blühen und Gedeihen der Germania wird ein mächtiges Unterpfand geschaffen, in einem einmütigen Zusammenwirken der Stehen Alten Herren und der Aktiven, stets alö Richtschnur fest im Auge behaltend: Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland!"

Rechtsanwalt Kraft verlas darauf die von dem Kunst­maler Fritz in geschmackvoller Weise angefertigte Urkunde. Unter den Klängen der Musik wurde sie in den Grundstein versenkt. Die üblichen drei Hammerschläge wurden von den nachstehenden Worten begleitet. Rechtsanwalt Kraft:

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Landaufenthalt

wird gesucht für zwei Knaben im Alter von 13 Jahren, während der Sommer­ferien im Juli, in waldreicher, gebirgiger Gegend. Unterricht nicht verlangt. Off. unter L. H. 87 an die Annoncen-Expe- dition des Herrn I. C. Heß in Darm- stadt erbeten. 02181

Aus Stadt und Sand.

(«ttonyme Gittsendungett, gleichviel welchen Inhalte», werden grundsätzlich nicht aufgenomwen.)

Gießen, 22. Mai 1900.

** GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 96 Jahren, am 22. Mai 1804, starb zu Berlin der ausgezeichnete Theologe und Kanzelredner Johann Joachim Spalding, einer der mildesten und aufgeklärtesten Geistlichen deS 18. Jahrhunderts. Seine Ge­danken über den Wert der Gefühle",Vertraute Briefe, die Religion betreffend", seine Predigten, vor allem sein Buchlieber Bestimmung deS Menschen" wurden ihrerzeit viel gelesen. Spalding wurde am 1. November 1714 zu Tribsees in Pommern geboren.

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