Ausgabe 
23.3.1900 Sechstes Blatt
 
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Rr. 69 Zweites Blatt

Freitag dm 23. März

1900

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* Immer wieder England.

Gießen, den 22. März 1900.

So sind wir denn am Ende dahin gelangt, daß die europäische Politik heute in Petersburg, in London, in faris, in Wien, kurz überall, nur nicht mehr in Berlin gemacht wird. Mit seinen zwei Millionen Soldaten kann - deutsche Reich freilich nicht ganz als unbeachtliche Größe behandelt werden. Aber wir sind längst nicht mehr Subjekt, sondern nur noch Objekt für die Spekulationen uud Kombinationen europäischer Diplomatie geworden". So schrieb Otto Mittelstäot im Jahre 1897, und die Er­eignisse der letzten Woche haben die bittere Wahrheit dieser I3o cte wieder von neuem bewiesen. Der Schwerpunkt der gesamten europäischen Politik liegt heute in der Downing Street in London, in dem Hause, wo der allmächtige Cham­berlain trotz des müden, alten Premierministers Ihrer Majestät der Königin herrscht und regiert. Daß sich das Interesse der zivilisierten Welt auf einen europäischen Staat, der Krieg führt, konzentrieren muß, ist eine so selbstverständliche Erscheinung, daß mau diese Binsenwahr- bcit gar nicht erst auszusprechen brauchte. Aber daß sämt­liche Völker Europas in schweigender Thatenlosigkeit dem Kriege zuschauen, ohne auch nur daran zu denken, bic dadurch geschaffene günstige Situation für f icf) auszunutzen, wirkt so überraschend und be­ste, ndend, daß man es versteht, daß England jetzt trotz feiner offenkundigen militärischen Schwäche sein früheres Selbstbewußtsein wiedergewonnen hat. Daß augenblicklich -klein von London aus eine aktive oder sogar aggressive Politik betrieben wird, darüber besteht wohl kein Zweifel.

Durch die Verhandlungen des famosen Jameson-Pro- zesses und die damit zusammenhängenden Veröffentlich­ungen und Indiskretionen haben wir erfahren, ein wie großer Faktor gewisse englische Zeitungen für die aus­wärtige Politik der Londoner Regierung sind. Es ist eine thatsache, daß die LondonerTimes" über den Plan des Jamesonputsches auf Johannesburg vorher ebensogut wie der Kolonialminister Chamberlain unterrichtet waren. Times" undStandard" halten sich vollkommen zur Ver­fügung der Regierrrng, und ihre Korrespondenten im Aus­lande werden nur mit gebundener Marschroute ausgesandt, und sie haben über die Ereignisse so zu berichten, wie man ei in London wünscht und braucht. Deshalb kann keine larstellung dieser Blätter als völlig objektiv gelten. Zum Leweise dafür, braucht nur an den berüchtigten Armenier­stiwindel erinnert zu werden. Wie man nun diesen di­plomatischen Apparat zweiter Ordnung in London syste­matisch zu gebrauchen versteht, dafür hat die letzte Woche sprechende Beispiele geliefert. Der größte Wunsch der eng­lischen Regierung ist natürlich augenblicklich, die Aufmerk­samkeit Europas von Südafrika abzulenken, damit es dort bie Burenrepubliken in aller Stille möglichst gründlich tbthun kann. Zu gleicher Zeit wünscht man aber Rußland möglichst kalt zu stellen, denn Rußland ist der ein­ige Staat, der heute England mit Aussicht ui i einen durchschlagenden Erfolg zu Lande iitgr elfen kann, ohne zugleich einen großen handel den englischen Kreuzern ausliefern in müssen der Verlust der wenigen russischen Ozean- ; Dampfer fst jedenfalls leicht zu verschmerzen. Die engli- j

scheu Alarmmeldungeu über die russischen Truppender»- | schiebungen nach der afghanischen Grenze, wobei die Zahl I der Soldaten von Tag zu Tag von wenigen Tausend auf Zweihunderttausend stieg, sind noch zu frisch im Gedächt­nis, pKs daß man noch einmal ausführlich darauf zurück­kommen müßte. Vielleicht hat man in England diese Nach­richten wirklich geglaubt, jedenfalls sprach aus ihnen die Todesangst um den Besitz Indiens, und man hörte nicht auf, mit Fingern auf den bösen Friedensstörer Rußland zu weisen, der das arme, unschuldige England zu über­fallen drohte. Das Alarmquartier für diese Falschmeld­ungen war in Odessa, wo derStandard"-Karrespondent auf Wachtposten steht. Schließlich machte ein Petersburger offiziöses Dementi dem ganzen Unfug ein Ende und stellte fest, daß es sich nur um die Entsendung eines Schützen- Regiments nach Kuscht gehandelt habe. Seitdem schwieg auch derStandard"-Mann.

Um nun aber Rußland endgültig die Lust an Erobe­rungszügen auf Indien zu verderben, mußte Rußland auch im Westn beschäftigt werden. Diese Komödie ist in der letzten Woche in Szene gegangen, ohne allerdings auch nur den gewünschten Achtungserfolg zu erzielen. Ein reisender anonymer türkischer Staatsbeamter mußte zu­nächst durch Vermittelung eines Ausfragers in Budapest einem deutschen Blatte allerhand thörrchte Geständnisse übermitteln und unter anderem auch, daß England das deutsche Syndikat bei Erwerbung der Konzession für die Bagdadbahn unterstützt habe. Leider ist nun dieser Unsinn, der Deutschland auch neue Gebietserwerbungen in China in Aussicht stellte, von einem Teil der deutschen Presse nicht mit der gebührenden Lächerlichkeit behandelt worden. Vielleicht hat der von England bestellte Türke aber doch versehentlich die Wahrheit gesagt, und die Lüge mag ihm noch nicht so geläufig sein wie Herrn Chamberlain. Es ist thatsächlich möglich, daß England das deutsche Syndikat unterstützte, oder vielmehr ruhig gewähren ließ, allerdings nicht aus uneigennütziger Freundschaft, solche Begriffe kennt die englische Politik nick)t sondern, um Deutschland und Rußland aneinander zu Hetzen. Das wirklich schwere Geschütz fuhr aber erst derStandard" auf, diesmal in Konstantinopel. Er meldete, die Türkei habe vier Geschütze nach Trapezunt geschickt, und infolge dessen habe Rußland seine, gesamten Streitkräfte zu Wasser uud zu Lande mobi­lisiert, um einen Druck auf die Pforte auszuüben, damit es Rußland die Konzession der Eisenbahnen im nördlichen Kleinasien bewillige. Diese unsäglich plumpe Erfindung ist nicht einmal von Petersburg aus eines Dementis ge­würdigt worden; denn am nächsten Tage haben sich Ruß­land und die Türkei in allem Frieden darüber geeinigt, daß die betreffenden Bahnlinien einem russischen Syndi­kate übertragen werden sollen. Hinter demStandard" konnten natürlich dieTimes" nicht zurückbleiben. Mit wichtiger Miene erzählten sie, Rußland wolle im ägäischen Meere eine Kohlenstation erwerben. Leider haben nur alle solche tendenziösen englischen Zeitungslügen dasselbe Schicksal, man glaubt ihnen nicht mehr; sie gleichen in ihren Erfolgen nur noch den berühmten Lyditegeschossen, die allerdings viel Lärm machen, aber außer etwas Gestank keinen Schaden verursachen.

Als dieMagd Englands und Rothschilds" hat der russischeGrashdauin" vor einigen Tagen verächtlich

Frankreich bezeichnet, und das Blatt hat damit nicht un­zutreffend auf einen Umschwung in der politischen Stim­mung in Frankreich hingewiesen, der sich förmlich über Nacht vollzogen hat. Vor vier Wochen wurde noch dec Zeichner einer die Queen verhöhnenden Karrikatur mit dem Orden der Ehrenlegion bedacht, und vor zwei Wochen wurde noch ganz ernsthaft von einem Kriege mit England, gesprochen. Aber man ist vielleicht zu ernsthaft dabei ge­worden, sodaß man vergaß, daß alle nationalen Forde­rungen und Revanchegelüste heute hinter den internatio­nalen Interessen am Geschäft der bevorstehenden Welt­ausstellung rurückstehen müssen. Infolge dessen muß na­türlich ein Krieg auf jeden Fall vermieden werden, und es aalt, sich schleunigst mit dem verstimmten englischen Nachbar zu versöhnen. Der erste, der dem Sieger von Faschöda eine höfliche Verbeugung machte, war Herr Des- chanel, der Allerweltsredner. Dann, als einige hinter bent neuesten Kurs noch zurückgebliebene Franzosen dem eng­lischen Konsul in Bordeaux die Fenster einwarfen, folgte Herr Delcassee und drückte dem englischen Botschafter Monson, der seinerzeit vor der bekannten Karrikatur aen Süden uusriß, sein höchstes Bedauern über den Vorfall aus, und die Verzeihung wurde gnädigst gewährt. So ist denn nun wieder gut Wetter im Kanal, und wenn sich auf englischer Seite das papierne Kriegsgewitter nur lang­sam fernabdonnernd verzieht, so geschieht das nur, um die Franzosen berechnenoerweise die ganze Größe ihres hochherzigen Verzichtes auf einen Angriff auf England genießen zu lassen. Winkt ihnen doch auch eine kostbare Belohnung dafür; denn England schickt jetzt zum 1. Mai als wertvollstes Ausstellungsobjekt den Prinzen von Wales nach Paris, der dadurch allerdings seiner einzigen poli­tischen Beschäftigung jäh entrissen wird, nämlich die ab­ziehenden Freiwilligen mit seinem königlichen Händedruck, der freilich, seitdem er auch dem Buschräuber Jameson öffentlich zuteil geworden ist, bedeutend an Wert verloren hat, zu entlassen.

Seitdem die englische Regierung von Frankreich nichts mehr zu fürchten hat, meint sie, es sich erlauben zu dürfen, ihr Mütchen oder vielmehr ihr Uebermütchen an Deutsch­land zu kühlen.

Alle englischen Machenschaften, gepaart mit der tra­ditionellen, widerlichen Heuchelei der englischen Politik, die den Gegner in Unrecht zu setzen sucht, haben bis jetzt noch nicht zu dem gewünschten Ziele geführt, die Völker Europas unter einander zu verhetzen. Wohl aber bilden sie eine stete Gefahr für den Frieden, wenn auch die MarkeMade in England" jedes Vertrauen verloren hat. Das eine ist aber klar, England fühlt sich jetzt wieder fest im Sattel, tauchen doch bereits Gerüchte auf, daß es seine Truppen nach Afghanistan einmarschieren läßt. Das wäre allerdings ein politischer Selbstmord; denn Englands sämt­liche Streitkräfte in Indien würden nicht eine Woche den Russen standhalten können. Damit wäre die zentralasiatisch­indische Frage nicht allein angeschnitten, sondern bereits erledigt.

Wie sicher England bereits wieder seiner Sache ist, hat sich in den letzten Tagen auch in der Ablehnung des Friedensgesuches der Burenrepubliken und in der ebenso, höflichen wie bestimmten Zurückweisung des amerikanischen Vermittelungsangebotes gezeigt. England wird keine In-

Feuilleton

Mephisto:

Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht, Mir soll darob nicht bangen, Auf leisen Sohlen, über Nacht, Kommt Lenz und Glück gegangen!

Vorschläge zur Verbesserung desFaust" im Sinne 1tt lex Heinze. Von Willy Widmann.

Schülerszene.

So nimmt ein Kind die Soxhlet-Flaschen Nicht gleich im Anfang willig an, Doch bald sieht man e8 darnach Haschen; So werdet an der Weisheit Flaschen Mit jedem Tag Ihr lieber naschen.

Besonders lernt die Damen führen. Es ist ihr ewig Weh und Ach, So tausmdfach

Zumeist durch Reisen zu kurieren.

Forscht, welches Bad sie interessiert; Entsprechend Ihr dann ordiniert St. Moritz oder Zell am See, Ostmde oder Baden-Baden, Mentone, Heringsdorf, Vevey, 5ml, Ischl oder Berchtesgaden. . . .

*

Amrbach'ö K.ll:r.

Siedel:

Frosch (singt):

Schwing' dich auf, Frau Nachtigall, Grüß' meine Tante tausendmall

Frosch:

(Singt):

Der Tante keinen Gruß! Ich will davon nichts HLrev!

Der Grbtant' Gruß und Segen! Du wirst mir's nicht verwehren!

Tante, wenn in stiller Nacht Du Dein Testament gemacht, Hast Du mich auch gut bedacht?

Mephisto:

Es war eine Rat!' im Kellernest, gebt nur von Margarine, Halt' sich ein Ränzlein angemästlt, Als wie eia alter Bramine. Die Köchin h«tt' ihr Gift gestellt, Da ward so eng ihr in der Welt. Als hätte Lyddit sie im Leibe!

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Insekt,

Das liebt er gar nicht wenig, Als wie feinen eigenen Sohn. Da rief er seinen Kleidermacher, Der Kleidermacher kam heran: Da, messen Sie dem jungen Manne Kleider, Und meffen Sie ihm auch Beinkleider an!

ES war einmal ein Kaufmann, Der hatte ein großes springendes und blutsaugendes

In Sammet und in Seide War er nun angethan, Hatte Bänder aus dem Kleide Auch eine PreiSmedaille daran. Und war sogleich erster Buchhalter Und haft' einen großen Gehalt, Da wurden seine Geschwister Im Geschäft auch große Herren bald.

Und Herr'n und Frau'n im Hause, Die waren sehr geplagt, Die Frau Prinzipaltn und die Zofe Gestochen und genagt.

Und durften sie nicht knicken, Auch sonstwie entfernen nicht. Wir knicken und ersticken Doch gleich, wenn einer un8 oder unsere Hausgenossen inkommodiert.

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*

Auf der Straße.

Faust (Margarete züchtig nachblickend, in gemessenem Tone achtungs­voller Anerkennung):

Beim Aegir! Dieses Kind ist klug Und fromm und sitt- und tugendreich! Wie sie die Augen niederschlug, Erfüllte mich mit Respekt sogleich.

* * * Gretchens Zimmer.

Margarete singt:

Es war ein Kaiser in China, Gar treu bis in das Grab, Dem sterbend seine Schwester Lina (Sinen goldenen Becher gab. . . .