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Nr. 45 Drittes Blatt.
Freitag den 23. Februar
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* Die Kohlennot.
Dresden, 20. Februar.
In der sogenannten Zuchthausvorlage, die bekanntlich den Weg recht zahlreicher Unternehmungen des neuesten Kurses gegangen und frühzeitig in dem Papierkorb verschwunden ist, befand sich ein Paragraph, der mit besonders schwerer Strafe den bedrohte, der in kriegerischen Zeitläuften die Wehrhaftigkeit des Staates bedrohte durch Verhinderung der Kohlenproduktion mit Hilfe eines Streiks. Es bedarf keiner übertrieben fruchtbaren Phantasie, um sich jetzt, unter den Wirkungen des von den böhmischen Bergarbeitern ausgehenden, längst über die Grenzen verbreiteten Ausstandes, die beklemmende Lage auszumalen, in die ein kriegführender Staat geraten muß, wenn ihm daS Brod des wirtschaftlichen Lebens, wenn ihm die Kohle vorenthalten wird. Wem ,c8 aber an solcher Vorstellungskraft gebricht, der braucht nur die einzelnen Berichte mit einiger Aufmerksamkeit zu verfolgen, die uns die stetig wachsenden Gefahren des Ausstandes schon jetzt, in Friedenszeiten, vor Augen führen.
Da müssen große Papierfabriken ihre Arbeit ganz oder zum Teil einstellen, nicht nur weil ihnen die Kohlen, sondern auch die zur Fabrikation notwendigen Rohstoffe fehlen, seitdem die Holzstofffabriken gezwungen sind, zu feiern. Jeder ruhende Betrieb zieht andere Betriebe in sein Schicksal hinein. Da müssen Ofenfabriken in Meißen und Kammgarnspinnereien in Crimmitschau ihre Arbeiter entlassen, da müssen Eisenhütten ihre Produktion auf das Aeußerste beschränken, und selbst ein so gewaltiger Arbeitgeber, ein so souveräner Herrscher über finanzielle Machtmittel, wie der Staat, sieht sich gezwungen, sich dem Notstand zu beugen «nd den öffentlichen Verkehr in engere Schranken zu bannen, kommunale Verwaltungen sehen sich genötigt, den Umfang der Straßenbeleuchtung einzuschrünken, Schulen werden ge- schlossen, weil es an Heizmaterialien gebricht, und sogar die öffentlichen Bäder müssen ihre Pforten sperren, weil der starke Arm der hadernden Parteien, der Bergarbeiter und ihrer Arbeitgeber, es so will. Wollabfälle und Sägespähne bilden die Kohlen des armen Mannes.
Ist es ein Wunder, daß jetzt, wo jeder Einzelne am eigenen Leibe erfährt, welche Niederschläge eine große soziale Bewegung nach sich zieht, auch eifrig darüber gegrübelt wird, wo die letzten Gründe und Ursachen der so überaus bedenklichen Erscheinung zu suchen, wo die Mittel zu finden find, Wiederholungen für alle Zukunft auszuschließen? Man braucht ja nur sich vorzustellen, daß ebenso wie in Böhmen und Sachsen jetzt auch die Grubenarbeiter an der Ruhr und an der Saar und in Oberschlesien sich ent schließen, in den Ausstand einzutreten, daß etwa die eifrig bietriebene Propaganda es ihnen klar macht, wie leicht es le-tzt sei, der „Gesellschaft" den Daumen aufs Auge zu dirücken, um eine Vorstellung der drohenden Möglichkeiten zur gewinnen. Und man braucht andererseits nur sich vorzustellen, wie schon jetzt mit den freiwillig streikenden Arbeitern ungezählte Tausende ihrer Klassengeriosscn leiden, die von ihren Betrieben entlassen werden, weil die Bedingungen zur Fortführung der Arbeit fehlen, um eine Einsicht m das ungeheure Räderwerk der wirtschaftlichen Maschine
zu erhalten, in der demnach das Versagen einer einzelnen Feder schon den vollen Stillstand des ganzen Werkes herbeizuführen vermag. Im letzten Grunde allerdings ist der jetzige Zustand keineswegs lediglich eine Folge des Streiks, der jüngst auf den böhmischen Arbeitsstätten aufloderte. Der Streik hat die Not nicht geschaffen, sondern nur gesteigert.
Die letzten Ursachen liegen vielmehr in jener Reihe von politischen Ereignissen, die mit dem spanisch-amerikanischen Kriege einsetzten, die im Burenkriege den Abbau des Goldes hemmten, die den Weltmarkt einengten, während gleichzeitig die Anforderungen an den Kohlenbergbau und die gesamte Industrie in ungeahntem Maße sich steigerten. Denn der Krieg lähmt wohl dort die Arbeit, wo er sich den Schauplatz erkoren hat, aber er spannt zu fieberhafter Thät'gkeit überall dort an, wo man für ihn die Werkzeuge herstellt, wo der Schtffstransport und die Eisenbahn verstärkte Forderungen stellen, wo für die Kämpfenden die Ausrüstung, die Ernährung sichergestellt werden muß. Eng- land aber, das heute zahllose Schiffe, angefüllt mit Sol daten, über Hunderte von Meilen fortsendet in die Ferne der Tropen, ist genötigt und bereit, jeden Preis zu zahlen; denn selbst für dieses Volk der HarpagonS giebt es Schicksalszeiten, in denen es den Daumen vom Geldbeutel zu nehmen gezwungen ist.
Auch in den Hallen des Reichstages erklang bereits ein leises Echo der immer weiter sich dehnenden Gefahr. Man hat vor allem die Forderung gestellt, die geltenden Kohlenausfuhrtarife zu beseitigen, jene widerwärtigen Ge bilde, die es dem Auslande ermöglichen, auf deutsche Staatskosten unsere heimische Kohle billiger zu beziehen, als das Inland. Gewiß ist es billig, daß in Zeiten, in denen unsere Produktion den inneren Bedarf Übersteigt, Maßregeln getroffen werden müssen, die den Absatz im Auslande sichern; man kann von den Gruben füglich nicht verlangen, daß sie ihre Produkte aufhäufen, ihre sämtlichen Arbeiter beschäftigen und bezahlen, ohne daß sie entsprechenden Absatz finden. Aber die Zeiten stehen nicht still, sondern sie schreiten fort, und sie gleichen sich nicht, sondern sie wandeln sich. Wenn wir selbst unter der Kohlennot leiden, wenn unsere Preise fortdauernd steigen, und wenn die Gewißheit besteht, daß es sich hier nicht um eine vorübergehende Erscheinung handelt, die sich austoben wird, so müssen die Konsuln rechtzeitig zusehen, daß der Staat keinen Schaden erleidet, sie dürfen aber nicht, wie es im Reichstage durch die Regierungsvertreter geschah, mit allerlei bureaukratischen Erwägungen sich den Notwendigkeiten des öffentlichen Interesses entgegenzustemmen versuchen. Noch heute zahlt unsere Industrie für die deutsche Kohle höhere Preise, als das Ausland; aber vom „Schutz der nationalen Arbeit" und von dem Festhalten an Bismarck'schen Traditionen hört man singen und sagen, wenn immer ein Minister das Wort ergreift. Und die Kinder, sie hören es gerne. Unserer Ansicht nach sollte, wenn die Initiative von oben her auS- bletbt, von der Volksvertretung aus eine gründliche Revision aller die Ausfuhr von Kohlen begünstigenden Ausnahmetarife schleunigst ins Werk gesetzt werden; wenn die Re gierung einen Willen sieht, wird sie auch einen Weg
finden. Gewiß wäre ein sofortiges, allgemeines Kohlen- auSfuhrverbot eine Maßregel, die nicht ohne äußersten Zwang ergriffen werden darf; wohl aber läßt sich ohne Schwierigkeit die Einrichtung aus der Welt schaffen, daß unsere Bahnen die für das Ausland bestimmten Kohlen billiger transportieren, als den Bedarf der eigenen Staatsangehörigen.
Aber noch nach einer anderen Seite hin muß sich die Aufmerksamkeit richten. So unerquicklich auch das sogenannte Zuchlhausgesetz in seinen Einzelheiten war, so gesund war der ihm zu Grunde liegende Gedanke, so gesund war auch die Absicht, Einschränkungen zu schaffen für die Ausdehnung von Ausständen gerade auf Gebieten, auf denen die größten, allgemeinen Interessen sich erheben. Jetzt leidet nicht nur der Verkehr, nicht nur das gelammte öffentliche Leben unter den Verschärfungen, die der Streik noch in die vorhandene Notlage getragen hat, sondern auch große Kategorien von Arbeitern, die unfreiwillig feiern, die darben müssen, weil andere verkürzte Arbeitszeit und erhöhten Lohn fordern. Es liegt uns fern, alle schuld oder auch nur den größeren Teil auf die streikenden Arbeiter zu wälzen. Sie sind die wirtschaftlich Schwächeren und können zum Ziele nur gelangen, wenn sie günstige Zufalls-Situationen ausnutzen. Und wir haben es neulich schon ausgeführt, daß namentlich in einzelnen großen Kohlenrevieren Böhmens die Lage der Arbeiter kaum als menschenwürdig bezeichnet werden darf. Ab'er wenn man auch einverstanden sein kann mit der Forderung einer Lohnerhöhung selbst bis zu einem Betrage, der unter anderen Konjunkturen nicht aufrecht erhalten werden kann, wenn man sich selbst befreundet mit dem Gedanken einer gleitenden Lohnskala, die je nach der Höhe der Preise Zuschläge gewährt, so muß doch die geforderte Verkürzung der Arbeitszeit um so stärkere Bedenken erregen, als sie gleichbedeutend wäre mit einer Verringerung der Arbeitsleistung, als sie demnach zu einer Einschränkung der Produktion und folgerichtig zu einer Steigerung der Kohlennot führen mußte. Und haben wir denn einen solchen Ueberschuß an freien Arbeitskräften, daß wir die entstehende Lücke ohne Schwierigkeiten ausfüllen könnten? Für die Einführung farbiger Arbeiter und Kulis danken wir er- gebenst, danken wohl auch trotz ihrer Lehre von der internationalen Menschengleichheit die Gefolgsleute Bebels und Singers. Woher aber nehmen, wenn nicht stehlen? Und wenn endlich die Welt Helle Entrüstung fühlt über die großen Herren in Böhmen, die jedes Eingehen auf die Wünsche ihrer Arbeiter mit kühler Miene ablehnten, sicher, bei der herrschenden Not mit Hilfe der vorhandenen Vorräte doch noch sihr Schäfchen in'S trockene zu bringen, so sollte diesen Herren doch einmal ein nachdrückliches Kolleg über Sozialpolitik gelesen werden und über die Bedeutung des Satzes, daß Adel verpflichtet. Noch braucht der Gedanke, alle Bergwerksbetriebe zu verstaatlichen, nicht greifbare Gestalt anzunehmen, wohl aber drängt sich immer mehr und immer stärker die Notwendigkeit obligatorischer Schieds- und Friedensgerichte auf, die dort, wo der gute Wille fehlt, mit einem mehr oder weniger leisen Zwang nachzuhelfen verstehen.
London wurde der Bankier der Welt. Fremde Kapitalien halfen bei der Gründung immer neuer Gesellschaften; die Engländer konnten überall den Rahm abschöpfen; aber aus der anfänglich an ihnen bewunderten Courage entwickelte sich allmählich die Tollkühnheit des Spielers, und schließlich war man so weit gekommen, daß man sehnsüchtig auf einen Börsenmessias wartete, von dem die große Sanierung ausgehen sollte. Er kam in Cecil Rhodes; sein Feldgeschrei war geschickt gewählt: Imperialismus, nicht Kapitalismus. Die Monopolisierung der Goldminen von WilwaterSrand sollte Englands Vormachtstellung in der Welt auch weiterhin sichern.
Cecil Rhodes behauptet, er habe sich Anfang der 80er Jahre mit Paul Prüger vereinigen wollen zur Begründung eines großen südafrikanischen Reiches; er kannte damals, wenn seine Behauptung wahr ist, die tiefe Kluft noch nicht, die Buren und Engländer von einander trennt, besonders aber einen trotz aller sittlichen Defekte geistig so bedeutenden Menschen wie Rhodes von dem schlichten Bursmann. Darüber darf man sich nicht täuschen: wenn auch die Buren die Herrschenden in ihrem Lande sind, die Regierenden sind sie nicht. Paul Krüger giebt selbst zu, daß sich die TranS- vaaler für die Verwaltung von Regierungs- und Beamtenstellen nicht eignen. Aller Handel im Lande ist in den Händen
Feuilleton.
Aer Kampf ums Gold in Transvaal?)
. Unser ganzes Interesse für den Krieg, der nun schon cme Reihe von Monaten in Südafrika tobt, ist in Anspruch genommen durch die nationale Sympathie für die gerechte Lache und durch die tiefe Entrüstung über die Willkür und Üngerechiigkeit des brutalen englischen Angriffs. Es ist aber gut, auch inmitten dieser wesentlich idealen Erwägurigen den Blick für die praktischen, die wirtschaftlichen Seiten des erbitterten Kampfes klar zu behalten, und ihn silc die Erkenntnis der hohen Bedeutung, die dem blutigen Vvrgange nach dieser Seile hin beiwohnt, möglichst zu Würfen.
Dazu bietet die unten genau genannte, in der nächsten Lsoche erscheinende Schrift vortreffliche Anleitung. Sie hat öeilt fotzen Vorzug vor anderen, daß ihr Verfasser die von ihm besprochenen Verhältnisse genau aus eigener Anschauung imnt. Hören wir denn seine Ausführungen.
Jahre 1852 bildeten die Burenstaaten in den ums Gold in Transvaal. Handelspolitische (L fP.Ä1196? -Qu-f Grund eigener Beobachtungen von Heinrich 01 Jeebel. Leipzig 1900, Verlag von Walther Fiedler. (1 M.)
Erwägungen der europäischen Politiker kein wichtiges Moment; erst durch die Entdeckung ihrer Goldfelder gewannen sie mächtige Bedeutung für die Welipolilik. Wenn jetzt die Buren den Anspruch erheben, in ihrem Lande nach Belieben schalten und walten zu dürfen, und wenn die Engländer er- klären, daß ihr Krieg mit Transvaal eine britische Privatangelegenheit sei, so befinden sich Buren und Briten in gleichemJrnum. Die Goldfelder am WitwaterSrand bedeuten einen internationalen Wert, und die ökonomische Lage der civllisierten Welt kann nicht von der Willkür einer kleinen Burenrepublik abhängig gemacht werden. WaS in* der Hand der Buren em gefährliches Spielzeug war das würde in der Hand Englands furchtbare Waffe werden, daß die Großmächte sie ihm nicht gleichmütig anvertrauen tonnen.
Englands Ziele laufen gar nicht allein auf Land- besitz aus. der Besitz Transvaals bedeutet geradezu eine Existenzbedingung für greater Britain. Wie einst Spanien groß wurde durch den Mineralreichtum seiner Kolonien, so hat auch Großbritannien besonders solche Länder seiner Macht unterworfen, deren mineralische Schätze seinen Reichtum au starken versprachen: Indien, Australien, Süd- asrika. Gold wurde der Wertmesser im Weltverkehr;


