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23.1.1900 Zweites Blatt
 
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1900

Dienstag den 23. Januar

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Nr. 1« Zweites Blatt

kommt die ' große Entfernung, das andere Klima des nriegsschuuchuchs zi. zC., kurz eine Menge von gingen, die es völlig ausschließen, daß der einzelne sich unter an- aenebmen Verhältnissen auch mal den Krieg anseh n will, die vielmehr eine Reihe persönlicher Opfer von ledern Teilnehmer erfordern. Wo es sich aber um freiwillige Opfer handelt, da will man nicht bureaukratisch von Be­hörden bevormundet werden. ,, ., < w

Wir wollen über den politischen Standpunkt Mit dem Roten Kreuz nicht rechten, staatliche Behörden und vom Staat abhängende Organisationen haben m dieser Be^ ztehnng andere Rücksichten zu nehmen, al» Privatleute wir glauben aber, daft sich bei beidersettigem guten Wckl-n und Takt eine Vereinbarung der in Streit geratenen Par­teien hätte finden lassen, und daß eine solche Vereinbarung der von beiden vertretenen Sache zugute gekommen wäre Der Artikel desRoten Kreuzes" mit seinen gelinde gesagt starken bureaukratischen Ungeschicklichkeiten wäre jedenfalls besser ungeschrieben geblieben.____...

zskiätt und KrooinMkv.

(«nonttme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, den 22. Januar 1900.

* «eschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor17 Jshrm, em 23. Januar 1883, starb zu Darmstadt der beliebte Opern- nnnift ^rhhrtA £Crhr v. Flotow. DieOperrttenAlessandro Stradella" und die beliebteste seiner Schöpfungen,Martha" be­zeichnen die Gipfel feiner Höhe. Seine Musik ist 'prüdes leicht und durchaus verständlich. Er wurde am 27. April 1812 auf Rentendorf in Mecklenburg geboren.

* Das Rote Kreuz und Transvaal.

BeiderFürsorgefürdieOpferdesKrie g e s ist es sehr bedauerlicherweise zu höchst unerfreulichen Dif­ferenzen zwischen dem deutschen Roten Kreuze und den gleiche Ziele anstrebenden privaten, Vereinigungeni gekom­men. Die Frage, ob die deutsche Hilfe lediglich den Buren oder beiden Teilen zu Gute kommen sollte, konnte praktisch keine Bedeutung haben, nachdem die Engländer: sich diee Hilfe verbeten hatten. Hatte sich anfänglich das Rote Kreuz etwas reserviert verhalten, so trat es aus dieser Zuruck­haltung heraus, als durch Private bedeutende Summen zusammengebracht worden waren. Die größten Posten waren ^folgend^^^.^ <ßerbanb" sammelte etwa 130 000

Mark, dieDeutsche Zeitung" 20 000, der Konsul von Transvaal, Winterfeldt an 40 000 Mark; etwa c0 000 Frcs. gingen aus Deutschland an den Gesandten Dvktvr Leyds, desgleichen wurden aus Deutschland und Oester­reich 30 000 Frcs. dem Antwerpener Hilfsausschuß un­mittelbar überwiesen

Das Rote Kreuz beanspruchte nun für sich die Dis­position über diese Gelder und versandte bald darauf nach­stehende Zuschrift an die Zeitungen, die auch in dem offi­ziellen VereinsblattDas Rote Kreuz" abgedruckt wurde.

Eine amtliche Mitteilung der Zentral­stelle des Roten Kreuzes versuchte kürzlich dar- zuleqen, wie wünschenswert es sei, die Mittel, welche in Deutschland für die Verwundeten- und Krankenpflege im südafrikanischen Kriege gespendet werden, ledig­lich dem Zentralkomite der deutschen Ver- e i n e v o m R o t e n K r e u z i n B e r l i n zur Verfügung zu stellen. Seitdem hat die Beschlagnahme deutscher Schiffe die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt, das; engliscyerfeits durch derartige Vergewaltigungen jeher Möglichkeit der Verletzung der Neutralitatspflichten vor- qebeugt werden soll. Zeitungsnachrichten zufolge soll auch der englische Generalkonsul in Neapel einer Sani­tätsabordnung, welche ein zweites russisch-holländisches Komite nach Transvaal absendet, angezeigt haben, das; ihre Ausschiffung in Lourenco Marques verhindert wer­den würde. Es mag dahingestellt bleiben, ob dwseNach- richt sich bestätigt; man könnte a b e r v o m s a ch l i ch e n Standpunkt eine derartige Maßregel nur mit Freuden begrüßen. Alle von privaten Kv- mites, mit Umgehung der staatlich anerkannten Organisa­tionen vom Roten Kreuz getroffenen Maßnahmen dienen nur dazu, die von den allein berechtigten und befähigten Faktoren organisierten Hilfsleistun­gen in ihrer Thätigkeit zu hemmen und zu diskreditieren. So besteht auch kein Zweifel darüber, daß die gleichzeitige

Anwesenheit einer von einem gewissen Antwerpener Pri- auöfafceS rc rc

»attomite gcbilbeten, fta g tu u t:>. 9 |

Sanitatsabordnung auf dem DampferHerzog zu sammen mit der zweiten in Hamburg gebildeten Trans­vaal - Expedition des deutschen Roten Kreuzes das Schick­sal der letzteren in hohem Grade gefährdet. E» kann hier der Fall eintreten oder bereits eingetreten sein, daß durch die vollkommen ungenügende Legitimation einer solchen Abordnung die unbeanstandete Reise dev betref­fenden Schiffes in Frage gestellt, somit durch, dieses private Vorgehen eines nicht berechtigten Komites die w i r k l i ch e", b e r e ch t i g t e u n d a l l e i n w i r k s a m e Hilfeleistung eine Abordnung des organisier­ten Roten Kreuzes verhindern wird. Bei einem Kriege zwischen zwei europäisch organisierten Staaten wurde die Zulassung solcher Privatunternehmungen im all­gemeinen ausgeschlossen sein. Es kann nicht Wunder nehmen, wenn englischerseits nach Transvaal entsandte Abordnungen, die sichvom Roten Kreuz .nennen, em wenig näher auf ihren Ursprung untersucht werden

^Dieser der Vereinszeitschrift des Roten Kreuzes ent­nommene Artikel geht entschieden zu weit. Wir wis en die Leistungen des Roten Kreuzes aus unserenletzten Kriegen zu würdigen. Es ist auch bekannt, daß wahrend des französischen Krieges die freiwillige, nicht zentralistisch organisierte Liebesthätigkeit zu mannigfachen Unzutrag- lichkeiten geführt hat. Als Liebesgaben-Ueberbrmger und I Zugehörige von SanitätSkolonnen erschienen eine große Menge von ganz überflüssigenSchlachtenbummlern aus dem französischen Kriegsschauplatz deren Anwesenheit der Aufrechterhaltung der nötigen Ordnung keineswegs zugute kam. Nicht selten wünschten sie ihre thätigkeit lediglich oder vornehmlich ihren engeren Landsleuten zu widmen, die deren vielleicht zur Zeit gerade nicht bedurften wahrend sie an anderen Stellen sehr viel nötiger war. Alle diese Dmge führten zu der Erkenntnis, daß die sogenannte Liebes- thätiqkeit, d. h. die Summe aller humanen Bestrebungen, einer Zentralisation durchaus bedürfe; diese Zen­tralisation und ihre Einfügung in die Heeres - Organisation hat eben das Rote Kreuz angestrebt. 9hm ist aber doch ein wesentlicher Unterschied da, ob em Krieg von u n s ge­führt wird, oder ob es sich um einen Krieg handelt, rn dem Deutschland neutral ist. Im ersteren.Falle haben unsere Behörden ganz zweifellos das Recht wie die Pflicht, auch die Krankenpflege zu regeln, und wir hegen das Ver­trauen, daß sie auf Grund früherer Erfahrungeni und gut beraten zweckmäßig alles thun werden, um den Opfern des Krieges ihre Leiden zu erleichtern. Warum man aber die selbständige freiwillige Hilfe bei Kriegen anderer Machte untereinander nicht zulassen will, ist nicht ersichtlich, -azu

»"-Während der Winter bei uns einen Verlauf nimmt, der den Schlittschuhläufern wenig behagt und ver- aessen macht, daß wir uns mitten im Januar befinden, erhält er sich mit um so größerer Hartnäckigkeit an eimaen unserer deutschen Küstenteile. Auch bei un eren nordischen Nachbarländern schafft er, sehr zum Nachteil der ^^flahrt, schwierige Eisverhältnisse. So hat sich auf dem nördlichen Teil des Sundes an der dänischen Seite erne solche Eis­decke gelegt, daß Segelschiffe nicht mehr aus Helsingor aus­laufen können, und da sich das Eis auch auf der schwe­dischen Seite bei Helsingborg und Landevkrona zu legen beginnt, ist es bei anhaltendem Frost leicht möglich, daß sich die Dänen und Schweden über dem Eise ö.egenseitig Besuche abstatten können. Auch im Kattegat herrschen schon solche Eisverhältnisse, daß Schiffe, die sich auf der Reise von England nach Kopenhagen bejanden, das Kattegat nicht passieren konnten, und die schwedische Küste anlausen mußten Als ein äußerst seltenes Vorkommnis ist zu verzeichnen, daß im Ehristianiafjord bedeutende Eisschwie-

Gießener Anzeiger

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fügenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. VvV V-lLV V V 41 ) V V-V

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Amt»- und Anzeigeblatt für den Nreis Gießen

halten. Es erweist sich, daß dank der Nachlässigkeit und dank den Unterschlagungen daselbst,,6'$roäen^ber : unschuldigen Kleinen, die em böses Schicksal als Kontte- bande aus die Welt kommen läßt, dem Tode anheimfallen. Es ergiebt sich, daß eine Amme häufig drei bis vier Kinder ernähren muß, daß die Lebensmittel schlecht und ungenieß­bar sind, die ärztlichen Vorschristen schlecht erfüllt werden kur; und gut eine ganze Serie von Mißbrauchen, die zu beschreiben^ sich die Feder sträubt, ja eine große Madrider Leitung geht sogar so weit, zu behaupten, daß die Wärte­rinnen^ än unglücklichen Kleinen am Abend Morphinm- chr w einzugeben pflegen, damit sie in der Nacht nicht 'durch allzuviel Schreien in ihrer Ruhe gestört werden. Ein sehr kurioses Beispiel für den Ernst und dw Gründ­lichkeit der oberen Behörden, namentlich des statistischen Amtes von Madrid, giebt uns auch der kürzlich publizierte Zensus für die Hauptstadt. Demnach giebt es unter den 512 000 Bewohnern nur eineneinzigen Kapitalisten, nur drei oder vier Börsenagenten, nur sechs Privatlehrer

s w hingegen aber 20000 Studenten und eine unend­liche Zahl vvn^Cesantes (Stellenlosen). Die Erklärung ist leicht zu finden, niemand wünscht die schuldigen Steuern zu raMeu und da die Studenten und Stellenlosen dem Staate so aut wie nichts entrichten, so haben es denn die schlaueren Rentiers und Kapitalisten für klüger befunden, sich als solche in das Register einschreiben zu lassen, und der Trik ist ihnen gelungen. Cosas de Espana. Ja es kommen hier im romantischen Lande ganz merkwürdige Drnge vor, die im übrigen Europa Aufsehen erregen mußten; unter anderem scheinen auch wieder die Entführungen modern zu werden. Die jungen Leute, die em ihrer Meinung nach tyrannischer Vater voneinander trennt, ver­einigen sich in früher Morgenstunde und kineen vor dem Altäre des Priesters, während letzterer den Segen m der Messe spricht, nieder, sich ewige Liebe und Treue schwörend. Das spanische Kirchengesetz verlangt dem Wortlaute nach, um der Ehe Giltigkeit zu verleihen, nur die ^ntention seitens der beiden Kontrahenten und die Gegenwart des Gemeindepfarrers, ohne irgend welche anderen Einschrän­kungen zu machen, und so ist es denn wirklich vielen ge-

Feuilleton

Was Blumen unfern Gärten sind, Sind Künste unferm Leben.

Wieland

Aller lei Skandälchen ans Madrid. Alle Blätter der spanischen Hauptstadt besprechen, tote von dort geschrieben wird, einen geräuschvollen Prozeß, der unter einigen Gliedern der Königlichen Familie der Bour­bonen geführt wird. Es handelt sich um die schone Maria Luisa von Bourbon, augenblicklich 5)erzogin von Sevilla, und deren Mutter, eine leibliche Nichte oes Königs Don Francisco de Asis, Prinzgemahl der Königin lsabel 11. von Spanien. Die Mutter versucht, ihrer Tochter Donna Maria den Herzogstitel von Sevilla, verbunden mit Gran­dezza 1 Klasse von Spanien, abzusprechen und ihn ihrer jüngeren Tochter zuzusprechen. (In Spanien werden be­kanntlich die Adelstitel nur auf den ältesten Erben über» trauen und sind vom gemeinsamen Familiennamen ganz unabhängig.) Ja, die Mutter scheut sich nicht, um ihren Willen beim höchsten Gerichtshof des Landes durchzioetzen, einfach vor den Richtern zu erklären, daß Donna Maria keineswegs die Tochter ihres verstorbenen Gemahls ge­wesen, sondern ehe sie ihn noch kannte, m aekommen sei, später sei sie legitimiert und falsche Doku­mente mit der Erlaubnis des Kardinal-Erz^schosi, unter» .. ^schoben worden. Der Skandal wird dadurch noch erhöht, daß die erste Gemahlin Alphons XII. die ^me Herzogin unter ihren besonderen Schutz genommen,. und ihrdie Liebe der unnatürlichen Mutter zu ersetzen gesucht hatte - Der Gerichtshof hat nach langen Beratungen den Prozeß als unbegründet zurückgewiesen und damit den Beifall der öffentlichen Meinung geerntet.

die Madrider Verwaltung geradezu beschämend sind aber die Nachrichten, die wir aus der Jnclusa (Fuidelhaus) er

. lungen, ihrer so aus dem Stegreife geschlossenen Ehe staat­liche Anerkennung zu verschasfen; die allmächtige katho­lische Kirche ist selbst für sie eingetreten, und hat dav hier allerdings obligatorische, aber verhaßte und von der kirch­lichen Trauung abhänaige Standesamt nachträglich» zur Ausstellung der gesetzlichen Dokumente gezwungen. Darauf fußend hatte nun in der letzten Nacht em junger Mann eine noch sehr junge Dame aus einer ber vornehmsten Familien Madrids entführt, sie im Hotel emgenuetet, und am andern Morgen sanken sie sich wahrend des Hochamtes in die Arme, sich die Ehe vor dem Priester verlprechend. Aber welche Enttäuschung! Der amtierende Pfarrer war nicht der Gemerndepsarrer, und folalich war die Ehe dem Wortlaute deS Gesetzes nach ungiltig, weder die Kirche noch der Standesbeamte wollen sie anerkennen. Der Vater hat die junge Dame bis auf weiteres m em Kloster gesperrt, den Galan aber wegen Entführung emer Mmderjahrigen vor die Gerichte gezogen. Dort wird ihm vielleicht klar werden, daß es in unserem rationellen Jahrhundert doch nicht so ganz ungefährlich ist, einen modernen Don ^uan zu spielen.

Humoristisches.

Sonderbare Lektüre. Freundin:Hast Du den Roman Ä'-9«n»> Ich h°b° b-6 End. gelefen und -m Ra,,it5?=unbrinT%, da muß. Du nach d-n An!°n- -°!°n. d-r ist interessant."

Ä63,l%ü:o«'6ir^ Auen nach

Herr nfe#* h#t| Burenkrieg. Dieser Tage warf eine

hochstehende Persönlichkeit bei einer Festlichkeit Knem namhaften Te^ gegenüber die Frage auf, wie die

das Telearavbieren ohne Draht bewerkstelligten. Der-reqnuer « S-h° einfach sagt daran, di- dache P-r,dniich'-.t. st- 6°ten M 16« Siegesnachrichten aus der Luft."