Ausgabe 
22.12.1900 Erstes Blatt
 
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L5tt. Jahrgang

Samstag den 21 Dezember

1900

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Keneral-An^eiger

Zlints- und Auzergebtutt für den lircis Gieren

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All? Anzeigen-BrrmittlungSstellen de- In« und ÄuZisndeO nehmen ?lnzcigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

wen Anzeigen zu der nachmittags für de« ! chirdeen leg erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Lddeftellungen spätestens abend- vorher.

erdgtbfkOIen stattfinden kann.

Darmstadt, am 4. Dezember 1900.

'Großherzogliches Ministerium der Finanzen.

Gnauth.

Gratisbeilage«: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Klätter für Kessksrhe DoiKsKundi'.

erscheint hier als veritabler Affe, wirbelt in den blödsinnigsten Kapriolen herum und treibt Ulk von einer Sorte, die ein besserer CirkuS verpönen würde. Man hat den Pickelhäring gerufen und damit ein Possengenre der deutschen Bühne zugeführt, dem sie hoffentlich nur als ftemdem Gaste Freund­schaft entgegenbringt. CharleyS Tante Lucia sollte aus Brasilien sein,wo die Affen Herkommen". In dem Stück, das wir am Donnerstag sahen, ist, statt der Tante, wirk­lich der Affe hergekommen, unb der schafft ein wahnwitziges Durcheinander, einen Wirrwarr, gegen Den die Ereignisse in China die lautere Klarheit eines Diamanten besitzen. Schließlich löst sich das ganze sinnlose Kuddelmuddel in dem glücklichen Zusammenfinden dreier Liebespaare auf. Alle Figuren gruppieren sich um Jocko den Affen, den Herr Johnson darstellte. Man war wirklich im Zweifel, ob dieser rauhbeinige Unhold, den man da auf der Bühne herum­huppen sah, der ^Gattung homo sapiens angehörte oder einer jener Halbmenschenwesen war, nach deren Gebeinen Prof. Häckel z. Zt. im indischen Archipel Nachforschungen anstellt. Der populäre Ausdruckaffenartige Geschwindigkeit" hatte hier einmal vollste Berechtigung. Herr Johnson, der, wenn er um 'ein paar Jahrzehnte früher zur

Adceffe für Deprschen: Anzeiger Kietz«. fr<mfpred)er Nr. 51.

Werter Stadttheater. Englands moderne Bühnen- littürWr war vor etwa 10 Jahren auf dem deutschen

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

M.G. Darmstadt, 20. Dezember.

Das Haus setzt die Debatte über den Antrag Ulrich die Volksschule betr., fort.

Welt gekommen wäre, seinen großen Landsmann Darwin zu besonderen Forschungen über das Zwischenglied von Mensch und Tier hätte veranlaffen können, entfesielte beunruhigende Lachsalven mit seiner burlesken Pantominik. Lebhaft und beweglich, wie es die ganze Hanswursterei ver­langte, war auch das gesamte Bühnenbild. Alle, nament­lich die Herren Lieb scher, Kirchner und di Balthyni, waren in übermütigster Laune. Jeder schien an dem Ganzen seinen Spaß zu haben und that darum an Blödsinn daS Seine. Die allen sich mitteilende Konfusion erreichte ihren Höhepunkt in der unvorschriftsmäßigen Vertauschung der Thierköpfe, wodurch eine Szene um ihre ganze Pointe ge­bracht wurde. Doch eitel Jubel herrschte von der Loge bis zur Scheuerfrau. Ein witziger Kopf und Anhänger des Realismus auf der Bühne machte gestern abend die Be­merkung, der naturgetreuen Affendarstellung habe selbst- der zugehörigeDuft" nicht gefehlt. Dieser Affenduft im ganzen Theatersaal war offenbar verursacht dadurch, daß eine Gas­röhre undicht war. Damit ging man in der Realistik ent- schieden zu weit! P. W.

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung,

die Außerkurssetzung der VereinSthaler öster­reichische« Gepräges.

Bom 4. Dezember 1900.

*81 f Grund des § 1 des Gesetzes, betreffend die Ver- eiMhaLer österreichische« Gepräges, vom 28. Februar M Meichs-Gesetzbl. S. 315) hat der Bundesrat Jbie ncL»Mg,enden Bestimmungen getroffen.

§ 1.

Diic in Oesterreich bis zum Schluffe des Jahres 1867 geWchtsm VereinSthaler und Bereinsdoppelthaler gelten twm 1. Januar 1901 ab nicht mehr als gesetzliches Z -rhlu ngSmittel. Es ist von diesem Zeitpunkt ab außer de W mit der Einlösung beauftragten Kaffen niemand ver- psticheb diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

Erstes Blatt»

auij|jiitr Umwechselung angenommen.

§ 3.

Di« Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche (§ findet auf durchlöcherte und anders als durch den gemchlichen Umlauf im Gewichte verringerte, sowie auf .-?rffMle Münzstücke keine Anwendung.

Berlin, den 8. November 1900.

Der Reichskanzler.

I. B.: Freiherr von Thielmann.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß nächsten Sonntag den 23. und Dienstag den 25. l. MtS., vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, im Weihnachtsverkehr eintreffende Auslandssendungeu in unseren Geschäftsräumen zollamtlich abgefertigt werden können.

Gießen, den 20. Dezember 1900.

Großherzogliches Hauptsteueramt.

Weissenbruch.

Expedition und Druckerei:

-<tz,rßr«tz« Nr. 7.

Unter Bezugnahme auf die nachstehende Bekanntmach- U iNg'vind zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Ein- lclOng ,und Umwechslung der mit Wirkung vom 1. Januar 1'1801 außer Kurs gesetzten VereinSthaler österreichische« fipWüdor Ui MMSgeS bis zum 31. März 1901 bei der Großh. Haupl- vüuluuül JIM den Großh. DistriktSeinnehmereien und Unter-

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für eine ganze Reihe von Ausgaberubriken zu und zwar, für alle diejenigen, deren Kredite als überschreitbare zn bezeichnen sind, du für diese Nachtragsbewilligungen nicht: statthatten. Die für das Vorjahr eingetragenen Zahlen sind demnach als vergleichbare Zahlen nicht ganz einwand­frei, immerhin können sie abe^ doch einigermaßen zum Vergleich herangezogen werden und es ergiebt fick) dann bei Gegenüberstellung dieser Einnahmen und Ausgaben des Vorjahres das bereits erwähnte Resultat. An dem­selben wären nur noch die bezüglichen Beträge wegen der Lotterie ab- oder vielmehr zuzusetzen, da diese als eine durch die.Steuerreform neu erschlossene Ersatz-Einnahme­quelle bei der fraglichen Vergleichung streng genommen auszuscheiden Hut. Die voranschlägige Differenz _ der Ausgaben und Einnahmen für das Jahr 1900/01 stellt sich dann auf 2 932 000 Mk. In Wirklichkeit trat nun allerdings diese Differenz nicht in die Erscheinung bezw. sie wird dies nicht thun, weil einmal die Lotterie, die Erhöhung der Stempelsteuer, der Hundesteuer und der Erbschaftssteuer schon vor Wegfall der Ertragssteuern eingeführt wurden, der Staatskasse hierdurch also gewissermaßen eine außerordentliche doppelte laufende Einnahme zugeführt wurde und weil zweitens auch die übrigen Einnahmequellen fast durchgängig sehr reichliche Mehrerträge lieferten. Auf diese nur- einmaligen, außerordentlichen günstigen Verhältnisse ist: bereits mehrfach aufmerksam gemacht worden, so in der Denkschrift über die Finanzlage des Großherzog­tums vom Dezember 1899, in der Aufpralls meines Vor­gänger-- frei Gelegenheit, der Ueberreichung des Gesetz­entwurfs, die Verlängerung des Finanzgesetzes vom 21. Mai 1898 betr., in Ihrer Sitzung vom 21. Dezember 1899 und in seiner Aeußerung über die Finanzlage bei Gelegenheit der Beratung der Vorlage, betr. die Gehalte, der Volksschullehrer in Ihrer Sitzung vom 31. Mai d. I. Für 1901/02 fallen nun die Ertragssteuern weg, deren Ausfall nach dem Steuerreformplan bekanntlich mit Zu­hilfenahme von 670000 Mk. aus den laufenden Eisenbahn­erträgnisfen gedeckt werden sollte. Wenn trotzdem der voranschlägige Unterschied zwischen Ausgaben und Ein­nahmen für dieses Jahr um rund eine Million geringer ist als für das Vorjahr, so ist dies hauptsächlich darin begründet, daß, wie früher schon betont, die neue Ein­kommensteuer mit einem alle Erwartungen übersteigenden Betrag in Einnahme vorgesehen werden konnte. Für 1897/1900 war der Ertrag der alten Einkommensteuer mit rund 5 660000 Mk. veranschlagt, für 1901/02 ist ein Ertrag der neuen Einkommensteuer von 7 950 000 Mk. vorgesehen, d. s. 2 290 000 Mk. mehr und 1560 000 Mk. mehr als bei Einbringung der Steuerreformvorlage unter­stellt wurde allerdings einschließlich des naturgemäßen Zuwachses in der Zwischenzeit. Weiter ist die Besserung begründet in einer ganz ähnlichen Steigerung der Ein­nahme aus Stempel, die für 1897/1900 mit 1480 000 Mk. angesetzt war und für 1901/02 voraussichtlich 1240000 Mk. mehr bringen wird oder 650000 Mk. mehr als die Reform­vorlage annahm, und in einer Steigerung der Einnahmen aus der Lotterie um 219 000 Mk. i

Der hessische Budgeteutwurf für 1901/8* v.

Aus meinem Vortrage werden Sie entnommen haben, und Sie werden dies bei eingehenderem Studium des Budgets bestätigt finden, daß unsere laufenden Einnahmen fast ausnahmslos einen erfreulichen Ertragsauffchwung zeigen; die neue Einkommensteuer konnte mit einem, wohl alle Erwartungen übertreffenden Betrag für das kommende Etatsjahr eingestellt werden und ivenn auch die Ver­mögenssteuer das erhoffte Ergebnis liefern wird, so bringen diese beiden Steuern zusammen schon im ersten Jahre fast den gleichen Betrag ein, der für 1897/1900 als Erträgnis der alten Einkommensteuer und sämt­licher früheren Ertragssteuern vorgesehen war. Auf der anderen Seite hat man sich, zwar bei Anforderung der Ausgaben möglichster Sparsamkeit befleißigt und es mußte manche an sich nützlich,e und wünschenswerte, vielleicht auch von Ihnen schon empfohlene Ausgabe. hnrprft noch zurückgestellt bezw mit einem verhältnismäßig niedrigen Bei rag vorgesehen werden. Trotz alledem ist der Ausgabe­bedarf so gewaltig angewachsen, daß die Summe der veranschlagten laufenden Einnahmen um ein Beträchtliches hinter der Summe der veranschlagten laufenden Ausgaben zurückbleibt. Die Differenz beträgt 1979114 Mk. 68 Pf. Dies bestätigt zu finden, darf Ihnen keine Ueberraschung sein, lagen dock) die Verhältnisse, wie Ihnen ja bekannt, für das laufende Jahr ganz ähnlich. Wie Sie aus der dem Budget vorgebundenen und Ihnen heute zugegangenen Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben ersehen wollen, blieb die Summe der voranschlägigen laufenden Einnahmen schon in diesem Jahr (1900/01) hinter der Summe der voranschlägigen laufenden Ausgaben in der­selben Zeit um 2 432 210 Mk. zurück. Für dieses Jahr, 1900/01, ist ja ein vollständiges Budget nicht aufgestellt worden, es ist vielmehr nur für eine Reihe von Ausgabe­rubriken der Mehraufwand in den sogenanntenNachtrags­forderungen zu dem auf das Jahr 1900/01 erstreckten Hauptvoranschlag 1897/1900" veranschlagt worden und konnten deshalb als Vergleichszahlen des Vorjahres bei den Einnahmen nur die Budgetansätze 1897/1900 ein­gestellt werden und bei den Ausgaben ebenfalls diese Budgetansätze 1897/1900 plus den Nachtragsbewilligungen nur bei den Gehaltsausgaben für vorhandene Stellen, bei deren Veranschlagung für das kommende Jahr 1901/02 nach den in der Drucksache Nr. 132 abgedruckten Grundsätzen der Stand der Gehaltsverleihungen am 1. April 1900 zu Grunde gelegt wurde, sind der Einfach­heit der Berechnung halber die gleick)en Beträge auch als Vergleichszahlen des Vorjahres eingestellt. Bei den Ein­nahmen ist also die naturgemäße Steigerung, die das Wachsen der Bevölkerung, das Wachsen des Wohlstandes derselben rc. bedingt, von 1897/1900 auf 1900/01 nicht zum Ausdruck gekommen, das Gleiche trifft aber auch

rufci HhchÄn noch vollständig fremd. Barnay wagte es damals r J im fcdltner Theater mit einem Versuch, dieArbeit", - crhÖn^ einem Duram a, halb Sensation, halb sentimentales Geschluchze.

V 8U .. Eim: Komödie von Pinero verwandelte Oskar Blumenthal JiV zu \m SchauspielFalsche Heilige" um, und dann kam, " es ' cor wohl im Jahre 1893, Adolf Ernst in Berlin mit derrMdtoner BurleskeCharleys Tante". Jetzt reift Herr F. .Ch ilson in deutschen Landen herum mit einem Stücke, baw eoiotc man es litterarisch einschätzen, noch tief unter jenem Th^^umpitz rangieren würde, der einst in des deutschen Karrsivr Augen unerwartete Gnade fand. Damals schon sahL mnn, wie dürftig der (Seift des englischen Theaters ist, abemtß giebt, wie man ausJockoS Abenteuer" ficht, ungMhMe. Tiefen geistiger Dürftigkeit, zu denen durchzu« kowMii heroische Selbstentäußerung erforderlich ist. Das den tiuzigen Vorzug, daß es von vorn herein keine r diS ?alf WSDertvorsteüungen weckt. Der altenglische gelenke Clvwn

Sld Großherzoglichk Knisamt Gilben in* fonöt vii am die Rechner der KreiSkafse, der Gemeinde«, ?\ M Kirche« und Stiftungen im Kreise.

). Jm Hitler Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung

beauchagen wir Sie, darnach zu verfahren: Vom 1. Januar ' lE'lab wollen Sie, womöglich keine Thaler der obigen

ttejM sWk Artt a Zahlung nehmen, die vorhandenen rechtzeitig vor

Vuw\u MM )em 31. März 1901 bei den Reichskaffen oder der Großh.

Plv* yaMstaatSkaffe, den Großh. Bezirkskassen (Distrikts« VlJ« t einin^Dtitretcn) oder der Untererhebstellen zur Einlösung MW, odeSr: Umwechselung vorlegen.

Sießen, den 17. Dezember 1900.

ti. Bechtold.

Diie Thaler der im § 1 dieser Bekanntmachung be° MW zeiMcm Gattung werden bis zum 31. März 1901 HWita deni dii, Reichs- und Landeskaffen zu dem Wertverhältnisse ' -o oomreii Mark gleich einem Thaler sowohl in Zahlung als

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gegen Bar«1

9 io Proz-bch

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W vicrtcljährl. Mk. 2,8«

Greßmer Anzeigers