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22.11.1900 Zweites Blatt
 
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Nr. 274 Zweites Blatt. Donnerstag den 22. November 150. Jahrgang lt>OO

Siebener Anzeiger

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Amtlicher Teil.

Gießen, den 21. November 1900. Vetr.: Haftpflichtversicherung der Gemeinden.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen Ai« die Großh. Bürgermeistereien der Gemeinden Ullendorf a. d. Lahn, Ullendorf a. d. Lda u. f. w.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom lO.d.M. (Gießener Anzeiger Nr. 267) benachrichtigen wir Sie, daß der Kreiskasserechner angewiesen ist, die Prämienbeträge von den einzelnen Gemeinden durch Anforderungszettel Äirzufordern. Die Beträge erhöhen sich infolge von Weg« füll deS für jährliche Zahlung vorgesehenen Sprozentigen Rabatts um eine Kleinigkeit, was bei der Berechnung vom 10. d. MtS. außer Betracht gelassen war. Sie wollen darnach mit der Anweisung an den Gemeinderechner solange warten. Die Anforderungszettel werden in einigen Tagen iv Ihrem Besitz sein.

v. Bechtold.

Der Krieg in China.

Nach einer Reutermeldung aus Peking über New- Hork gewinnt die Vermutung an Boden, daß die Note der Mächte a n d i e chinesischen Friedens­unterhändler durch die Ergebnisse der letzten nicht­amtlichen Besprechungen der Gesandten bald vervoll- sländigt sein wird. Der Gesandte Conger erklärte in eener Unterredung, die Lage sei offenbar sehr günstig für ebne sofortige Inangriffnahme der Unterhandlungen. Er gllaube, daß nach der nächsten Versammlung der Ge­sandten die Verhandlungen mit den Chinesen ohne Auf­schub fortschreiten würden, da die chinesischen Friedens­unterhändler mit dem Hofe in telegraphischer Verbm- dmng ständen.

Aus Hongkong wird dem Reuterschen Büreau unter dem 17. November gemeldet, daß die Konsuln den Vizekönig drängen, den verlangten Schadenersatz für die zerstörten Missionen auszuzahlen. Dem amerikanischen Konsul ist amtlich gemeldet worden, daß 10000 Dollar als erste Abschlagszahlung auf die ameri­kanischen Ersatzforderungen angewiesen sind. Ein beson­derer Beamter ist für jeden Distrikt ernannt worden, um die angerichteten Schäden zu besichtigen und die Schaden­ersatzforderungen zu prüfen. Die Chinesen scheinen jetzt einzusehen, daß dies die einzige Möglichkeit ist, die fremden Kriegsschiffe, die vor Kanton liegen, loszuwerden.

Der Berichterstatter derDaily Mail" in Hongkong telegraphiert, daß von London aus nachgefragt worden sei, ob ein fliegendes Geschwader, das nach China gesandt werden solle, dort anlaufen könne. Die Verstärkung der britische n Flotte in den chinesischen Gewässern hänge mit der neuerlichen Verstärkung der französischen und russischen Flotten im fernen Osten zusammen.

Die Gesandten haben nach einer Meldung derTimes" aus Peking die Mitteilung Li-Hung-Tschangs, daß der Thron nicht die Todesstrafe, aber verschiedene schwere Z-reiheitsstrafen und Rangerniedrigungen über die schul­digen Prinzen und Würdenträger verhängt habe, nicht jur Kenntnis genommen, sondern bestehen nunmehr auf der Verhängung der Todes st rafe. Zahlreiche schuldige seien nach dem Süden entflohen.

Nach einem kleinen Marsch von etwas über 20 Kilo­meter ist nach einer Meldung des Grafen Waldersee die Kolonne Graf York am 15. November in Hwailai eimgetroffen. Bisher hatte nur die österreichisch-ungarische Natrosenkompagnie der Kolonne ejn kleines Gefecht mit Boxern in der Nähe von Peking. Seitdem rücken die chinesischen Banden mit etwa 20 Stunden Vorsprung regel­mäßig vor den anmarschierenden Verbündeten zurück.

Französische Truppen haben zu einem recht weiten Zuge ausgeholt und ihn glücklich durchgeführt. Sn Tschen'gtingfu in der Provinz Tschili, (nicht zu wechseln mit Tschengtufu, dem Hauptort der Provinz ELetschuan) von Paotingfu südwestlich noch gegen 140 Kilo­meter entfernt, sind durch diese Truppen französische Missionare aus gesährlicher Lage befreit worden Die Generäle, die an den Grenzen von tschili stehen, fmb fang mit 8000 Mann, Ma mit 10000 Mann und Yu mit 5000 Mann. Aus London wird berichtet: Nach offiziellen rbüiiesischen Berichten haben die verbündeten Trup­pen zwei aus Tschili nach Shanfi führende Passe b e- se tz t. Nach einer Meldung erklärte Graf Waldersee offiziell, da ß er den Frieden inTschili wieder herge - fkellt und dem Plündern Einhalt gethan habe.

In der französischen Kammer wurde die Minadebatte, ebenso wie im deutschen Reichstag, sorrtgesetzt. Der Konservative Denis Cochin bemerkte, daß

er anerkenne, Frankreich habe sich bisher über den Ober­befehl Waldersees nicht zu beklagen gehabt. Er nahm die Missionen in Schutz. Dann sprach der Minister Delcasse: Keinen Augenblick sind wir von dem Grundsatz abgegangen, daß wirkeinen Krieg mit China, sondern nur Schutz unserer Landsleute und Interessen wollen. Wiederholt haben die chinesischen Viee- könige erst unsere Interventionen nachgesucht." Was über die Haltung der fremden Truppen und die angeblichen Grausamkeiten erzählt worden sei, berühre nur die betreffenden Regierungen. Die Einigkeit unter den Großmächten beruhe auf der Voraussetzung, daß keine besonderen Interessen hervorgehen und der Kaiser von Rußland habe als erster diesem Grundsatz zugestimmt. Auf Frankreichs Initiative erließen die Mächte das Einfuhr­verbot von Waffen in China. Frankreichs Friedensvor­schläge vom 30. September geben den zukünftigen Ver­handlungen mit China eine zuverlässige Unterlage. Wir stehen erst auf der Schwelle dieser Verhandlungen, ^hr Ziel wird die Ausdehnung des Handels mit China fein, unter gleichzeitiger Wahrung seiner territorialen In­tegrität. Die französische Regierung sehnt das Ende der Opfer herbei, aber nicht bevor die verlangte Genug­tuung gegeben ist.

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Telegramme deS Gießener Anzeigers

Berlin, 21. November. Ein Telegramm des deut­schen Flotten-Vereins aus Peking besagt: Graf Wal­dersee wird am nächsten Dienstag den Besuch des Vieekönigs erwidern. Vom Nordkorps unter dem Befehl des Obersten Grafen Nork traf gestern die Meldung ein, daß die Bevölkerung von Hanf Lai die Stadt ohne Widerstand üb ergeben haü Weiter wird berichtet, das York'sche Korps werde zunächst auf keinen Widerstand stoßen. Dagegen sei ernstlicher Widerstand von Ge­neral H o zu erwarten, der mit 10 000 Mann regulären chinesischen Truppen und zahlreicher Artillerie bei Kalgan steht. Graf Aork ist genötigt, Verstärkungen abzu­warten.

Washington, 21. November. (Kabelmeldung der Paris-Nouvelles".) Das amerikanische Kabinett hat ein­stimmig die vom Staatssekretär Hay dem Gesandten Conger erteilten Instruktionen gebilligt, durch die letz­terer angewiesen worden ist, seinen ganzen Einfluß aus­zubieten, um alle Maßregeln zu verhindern, die den Kaiser Kwangsü in die Notwendigkeit versetzen würden, Selbstmord zu begehen. Alle Mitglieder des ameri­kanischen Kabinetts sind der Ansicht, daß alle zu schroffen Maßregeln vermieden werden müssen. Man hofft, daß infolge dieser Haltung der amerikanischen Regierung Ruß­land Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten gehen wird, um die übrigen Mächte zu verhindern, ihre Habgier zu befriedigen.

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Buren und Engländer.

Vom südafrikanischen Kriegsschauplätze liegt nichts Neues vor. Lord Roberts wird in Johannesburg noch durch die Krankheit seiner Tochter feftgehalten, und Lord Kitchener, der ihn im Oberbefehl ablösen soll, hat neuer« dings einen Besuch in Natal gemacht, ist aber auf der Rückkehr schon wieder durch Standerton passiert. Allmäh­lich laufen wieder starke Nachs chubsendungen von Pferden an den verschiedenen militärischen Mittelpunkten ein, die alsbald heraugezogen werden, um die Kavallerie- Regimenter, die schon seit ein paar Monaten aus vor­wiegend unberittenen Mannschaften bestanden, wieder ihrer Bestimmung gemäß aktionSfähig zu machen. Es sollen im Ganzen 8000 frische Pferde zum Teil schon eingetroffen, zum Teil noch unterwegs sein. Auch wird über Neu« bildung von Korps berittener Infanterie be­richtet. Eine Reihe Bataillone giebt je 100 Mann für solche Neubildungen ab, und da von Aufstellung einer neuen Brigade dieser Waffe die Rede ist, so darf man wohl schließen, daß es sich um 16 Kompagnien handelt, denn die berittene Infanterie wird in vier Kompagnien ein­geteilt. Man nennt eine solche Abteilung auch meist Bataillon. In Pretoria sind diese neuen Truppenteile an der Arbeit, um ihre bisher des Reitens ganz un­kundigen Leute in dieser Kunst zur Not auszubDen. Auch werden dort regelrechte Schießübungen abgehalten, wozu für jeden Mann 25 Patronen ausgeworfen find. Hierbei sei erwähnt, daß daS 8. Husarenregiment die Kara­biner abgelegt und sich ganz mit Jnfanteriegewehren ausgerüstet hat. Ob das ein von oben herab angeordueter Versuch oder durch eine von den Komman­dierenden gebilligte Privatliebhaberei deS Regiments« Kommandeurs veranlaßt wurde, wird nicht mitgeteilt. Neuerdings find auch infolge der Beweglich­

keit der Buren Aenderungen vorgeschlagen worden, um die Kavalleriepferde zu erleichtern, die hier im Vergleiche zu denen des flüchtigen Gegners unverhält­nismäßig belastet find. Der in Durban kommandierend- Oberst Morris empfiehlt in allen Fällen für den Transport Maultiere statt der Ochsen. Zum Teil hat man diese bei den reitenden Truppen bereits eingeführt. Außerdem möchte aber der Oberst im Burenkrieg jedem Reiter ein zweites Pferd stellen, welches das Gepäck tragen soll, mit dem das Kavalleriepferd heute noch außerdem belastet wird- Bei den fliegenden Abteilungen der Buren ist diese Ein­richtung heute schon allgemein. Außer einer Anzahl von Generälen, die unter der neuen Ordnung der Dinge ent­behrlich geworden waren und nach England zurückgekehrt oder auf der Heimreise find, haben auch verschiedene höhere Offiziere, die Lord Kitchener vom ägyptischen Heere zeit­weilig herangezogen hatte, ihre Verwendung auf dem Schau­platze des BurenkriegeS abgeschloffen und sind nach Aegypten zu ihren früheren Kommandos zurückgekehrt.

Die Buren sollen in letzter Zeit mehrere Stützpunkte für ihre Scharen eingerichtet haben, reichlich mit Geld ver* sehen sein und ihre Leute mit 5 Schilling den Tag löhnen. Mehrfach wird englischerseits über die bei den Buren grundsätzliche Verwendung von Geschossen mit gespaltenen Weichbleispitzen geklagt, doch ist der Krieg nachgrade in das Stadium getreten, wo man dergleichen sozusagen als unvermeidlich betrachten muß.

Die Marseiller Sektion des Buren-KomiteeS er» läßt einen Ausruf an die dortige Bevölkerung, worin diese aufgefordert wird, dem Präsidenten Krüger einen be­geisterten Empfang zu bereiten, sich aber jeder UebeUreibung und übermäßigen Kundgebung zu enthalten. Die Buren- Delegierten Fischer und Wessels, der General Konsul im Oranje-Freistaat und Holland, Müller, der Postminister von Transvaal, der Staatsminister des Auswärtigen von Transvaal und mehrere französische Politiker sind in Mar­seille eingetroffen, ebenso der Enkel Krügers, Elofs.

Telegramme *deS Gießener Anzeigers.

Marseille, 21. November. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung hat der Bürgermeister von Marseille, Flais sieres, beschlossen, dem Präsidenten Krüger alsbald nach dessen Ankunft im Hotel einen Besuch abzustatten und ihm den Ausdruck der Sym­pathien des Stadtrates und der Marseiller Bevölkerung zu überbringen. Der Präfekt wird int Namen der Negierung den gleichen Schritt tbun. Krüger wird daher zwar nicht offiziell empfangen, aoer er empfängt offizielle Besuche.

Marseille, 21. November. Präsident Krüger, der heute hier eintrifst, wird iin Hotel de Noailles ab­steigen. In den Straßen, die Krüger passieren wird, isü wenig Festschmuck zu sehen. Krüger wird morgen nach Paris abreisen, wo er acht Tage zu verbleiben gedenkt. Von Paris begiebt er sich nach dem H.a a g und wird von dort aus die Chamberlain betreffenden Dokumente veröffentlichen.

Marseille, 21. November. Präsident Krüger ließ durch seinen Enkel Eloff mitteilen, er wolle, unt die Engländer nicht von der Riviera zu vertreiben, den Winter keineswegs in Nizza zubringen. Eher würde ihm Corsica passen. Dr. Leyds soll dort auch bereits eine Villa suchen.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. November. Die diesjährigen Hofjagde» in der Letzlinger Heide wird der Kaiser am 30. No­vember und 1. Dezember abhalten. 15,000 Mark hat der Kaiser aus seinem Dispositionsfonds der katholischen Gemeinde zu Gultowy, Kreis Schroda, zur Ausführung eines neuen Schulbaues überweisen lassen. Zum Ge­burtstage der Kaiserin Friedrich schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Die Bangigkeit, mit der das deutsche Volk noch vor einigen Wochen nach dem Krankenlager der hohen Fran zu Schloß Cronberg blickte, hat jetzt zur allgemeinen Freude und Genugthuung einer beruhigteren Stimmung Platz ge­macht. Wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß das Leben der zweiten deutschen Kaiserin, der erhabenen Mutter unseres Kaisers, nicht ferner durch das so hartnäckig in die Erscheinung getretene Leiden in Gefahr gesetzt werde. Da­her schließt sich an den Wunsch einer recht baldigen voll- tommenen Genesung für die hohe Rekonvaleszentin der weitere an, daß Ihrer Majestät noch viele frohe Lebensjahre ver­gönnt sein möchten.

Der Wirkliche Geheimrat Krupp Exz. hat, wie