cn der Regel nur alle zwei bis vier Jahre stattfindet. Ob der Betreffende bereits den Zivilversorgungsschein hat oder -nicht, ob er drei oder zwölf Jahre gedient hat, ist für die Zulaffung zur Prüfung ohne Bedeutung. Dagegen an- stellungsberechtigt sind nur Militäranwärter; nach diesen lolgen die Militärpersonen über acht Jahre Dienstzeit und Leute, die eine Stelle innehaben, die Militäranwärtcrn Vorbehalten ist, und dann erst kommen die Zivilanwärter. Zu Vikaren von Stellen werden in der Regel nur die letzteren verwendet. — Das Einkommen beträgt: a) bei Steueraufsehern 1. bei Kommandierung zur Probedienstleistung unb bei Vikaren: 1260 Mk. fix und Gebühren (100 bis 300 Mk.), 2. bei fester Anstellung: 1300 bis 1800 Mk. fix, 100 bis 150 Mk. Stationszulage, 100 bis 400 Mk. Gebühren und Dienstkleidung, im Durchschnitt 1825 Mk.; 1)) bei Brückengelderhebern 2100 bis 2800 Mk.; c) bei Pfandmeistern 1800 bis 4000 Mk. - Nachdem nun die Städte über 3000 Einwohnern zur Erlangung von vielen Stellen, welche nicht die Absolvierung der Finanzprüfung 1. Kategorie voraussetzen, das Bestehen der obigen Prüfung bereits gefordert haben oder noch fordern, bieten sich auch hier, wie beim Staate, aber mit noch etwas besierem Gehalte, für strebsame und tüchtige Leute recht gute Aussichten. Bei der Ueberfüllung in den Berufen können wir nur raten, raschen Entschluß zu fassen und die günstige Gelegenheit Nicht vorübergchen zu lassen, wenn auch in allernächster Zeit nicht sofort Stellen für alle Bewerber offen sein sollten. — An Kenntnissen in obiger Prüfung werden verlangt : Gute saubere Handschrift, frei von orthographischen Fehlern, gute Ausdrucksweise, Dezimal- und gemeine Brüche, Regeldetrie, Zinsrechnung, Teilungsaufgaben, Flächen- und Körperberechnungen mit besonderer Berücksichtigung von Kreis, Bottichen und Fässern, das Allerwichtigste von der Verwaltung des Landes, der Kreise und der Gemeinden, sowie von der Festsetzung und Erhebung der Staats- und Gemeindesteuern, dann ausführlicher: Zölle und Reichs» steuern und das gesamte Beitreibungsversahren. Voraussetzung der Zulaffung zur Prüfung ist: guter Leumund und gesunder Körperbau, Alter nicht unter 20 Jahren.
-i- Bieber (bei Rodheim), 20. August. Schulbau. Wegen der großen Schülerzahl ist es schon längst ein Bedürfnis geworden, hier eine zweite Schule zu errichten. Auf Einladung der Gesamtgemeindevertretung von Bieber, Rodheim und Fellingshausen fand heute morgen unter dem Vorsitz des Kreisschulinspektors Pfarrers Vömel- Rodheim im Schulsaale zu Bieber eine Versammlung statt. Die Berufenen sollten den von der KreiSbauinipektion zu Biedenkopf entworfenen Voranschlag und Zeichnung in Augenschein nehmen. Nach wenigen kleinen Abänderungen wurden diese Vorlagen genehmigt und der Regierung zu Wiesbaden zur weiteren Prüfung vorgelegt. Der Bau der Schule wird im nächsten Frühjahr in Angriff genommen. Die Leitung des Baues soll einem Architekten aus Gießen übertragen werden.
+ Lich, 19. August. Wie alljährlich, bewegte sich auch heute unter den Klängen eines Trauermarsches der Kriegerverein durch die Straßen unserer Stadt nach dem Friedhöfe, um das dort stehende Kriegerdenkmal mit einem frischen Kranze zu schmücken. Am Nachmittag sand auf dem Teichdamm an der Gießener Straße ein Preisschießen statt. Wie vorzüglich geschossen wurde, beweist der Umstand, daß von 12 Preisen der erste mit 39, her letzte mit 30 Ringen erlangt wurde. — Der Verein „Kampfgenossen" beging seine Gravelottefeier durch ein gemeinsames Essen im Gasthaus „zum Adler".
-j- Grünberg, 20. August. Wie in vielen Orten, so wurde auch hier seitens des Kriegervereins eine Gravelotte- seier veranstaltet. Nachdem der Verein gestern dem Vor- mittagSgotteSdienst angewohnt hatte, begaben sich die Mitglieder im Zug nach dem Denkmalsplatz und nahmen an dem mit Eichenlaub sinnig geschmückten Kriegerdenkmal Aufstellung, vor dem Kamerad Pfarrer Koch eine von patriotischem Geist getragene, eindrucksvolle Gedächtnisrede hielt. — Nachmittags um 3 Uhr wurde das schon an den zwei vorauSgcgangencn Sonntagen angefangene Preis schießen fortgesetzt, woraus dann abends im Vereinslokal „Zum Englischen Hof" die Preisverteilung vorgenommen wurde. Den 1. Preis errang Schlossermeister H. Schmidt, den 2. Chr. Kreuder und die Ehrenscheibe Molkereibesitzer H. K. Zimmer. — Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Krieger- verein, im kommenden Herbst sein 25jähriges Jubiläum unter entsprechender größerer Feier, zu der auch Nachbarvereine eingeladen werden sollen, zu begehen. Als Tag des Festes ist der 4. November in Aussicht genommen. — Eine hier veranstaltete Sammlung von Beiträgen für die Pflege Verwundeter in Ostasien ergab den recht anseh- lichen Betrag von 206 Mk.
Butzbach, 20. August. Heute früh mit dem Zuge 5.08 Ahr verließen wieder neun Angehörige des hiesigen Bataillons, die sich freiwillig für das ostasiatische ExpeditionS- KorpS gemeldet hatten, unsere Stadt. Die Betreffenden wurden mit allen militärischen Ehren an die Bahn geleitet, wozu eine aus den 4 Kompagnieen zusammengesetzte Kompagnie und die RegimentS-Kapelle befohlen waren. Auf dem Perron des Bahnhofes nahmen die Freiwilligen vor der Front der Kompagnie Ausstellung und der derzeitige Führer des Bataillons, Hauptmann v. Grundherr hielt eine kernige Ansprache an die Scheidenden. Die Rede schloß mit einem Hurra auf Kaiser und Großherzog, worauf die Musik die Nationalhymne spielte. In dem einlaufenden Zuge befanden sich auch die Freiwilligen des Gießener Regiments. Nachdem die hiesigen „Chinesen" eingestiegen, ertönte zum Abschiede nochmals ein dreimaliges begeistertes Hurra und die Musik setzte zu der Weise ein: „Muß i denn, muß i denn." Die Leute, die der 9. Kompagnie des ostasiatischen Jns.-Regts. zugeteilt sind, begeben sich vorerst auf den Truppenübungsplatz bei Darmstadt, wo sie mit den . anderen süddeutschen Freiwilligen Zusammentreffen.
Wünschen wir ihnen Allen, baß sie gesund und wohl wieder j urückkehren.
-ö- Ober-Seemen, 20. August. Gestern fand hier ein Krieger fest, verbunden mit Fahnen wer he des hiesigen zfriegeroereins, statt. Das Dorf war großartig geschmückt: kein Haus oder Häuschen war zu sehen, das nicht mit Fahnen, Fähnchen, Kränzen und Willkommgrüßen geziert war. Fünfzehn Vereine waren erschienen und von nah und fern war eine große Menschenmenge bei herrlichem Wetter herbcigeströmt. Um 2 Uhr wurde der Festzug aufgestellt, und mit 2 Kapellen wurde der end lose Zug 'durch das Dorf nach dem Festplatze gleitet. Lehrer Keller begrüßte mit kernigen Worten die erschienene.it Vereine und Festgenossen, worauf der hiesige Gesang-Ber- einj unter der bewährten Leitung des Lehrers Sittel ein patriotisches Lied zum Vortrag brachte. Pfarrer Fritsch ergriff alsdann das Wort zu seiner Festrede. Mit begeisterten Worten wies er auf die Bedeutung der Kriegervereine und der Fahne hin, anknppfend an die Inschrift der neuen Fahne: „Hoch die Fahne, die Wehr zur Hand!" Seine allen Anwesenden zu Herzen gehende Rede schloß er mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und den Großherzog. Regierungsrat Schönfeld aus Schotten richtete warme Worte an die Versammelten und schloß mit einem Hoch auf den hiesigen Kriegerverem. Ein endloser Beifallssturm zeigte deutlich, welchen gewaltigen Eindruck seine Rede hinterlassen hatte. Verschieden^ Gesangsvorträge des hiesigen Gesangvereins und des Gesangvereins „Liederkranz" aus Gedern trugen sehr zur Verherrlichung des Festes bei. Letztgenannter Gesangverein ließ es sich nicht nehmen, nebenbei dem Geheimen Regierungsrat Schönfeld eine Ovation darzubringen> der -seinen Dank und seine Bewunderung über den schönen Gesang und die gute Schulung unter der bewährten Leitung des Dirigenten Lehrer Schaad in Gedern aussprach und in lobender Anerkennung dem Dirigenten die Haich drückte. Die Feststimmung war eine außerordentlich gute und allzuschwer schien die Trennung zu werden; So z. B. konnte man sehen, daß von einem Vereine nur der Präsident und Fahnenträger und von einem anderen nur der Präsident allein den Rückweg antraten; denn alle anderen Mitglieder hatten schier noch keine Lust, ins stille Heim zurückzukehren. Möge der Kriegerverein, der das schöne Fest veranstaltete, blühen und gedeihen!
Darmstadt, 20. August. Nach dem am Samstag ab. gehaltenen Regiments-Exerzieren, das an die Leistungsfähigkeit unseres Garde-Regiments die höchsten Anforderungen stellte, sammelte Oberst Rüdt v. Collenberg die Truppen im Viereck um sich und hielt eine den rühmlichen Anteil des Regiments an der Schlacht bei Gravelotte schil- derndc Ansprache, die in ein Hurra auf Kaiser und Groß Herzog ausklang. Alsdann traten die 17 Mann, die sich neuerdings freiwillig nach China gemeldet haben, vor und wurden mit berzlichen Worten vom Oberst im Namen des Re- giments verabschiedet. Mit einem Handschlag entließ er sie aus dem Regiment, das sie jederzeit nach ihrer Rückkehr freudig willkommen heißen würde. Heute gehen dieselben nach Frankfurt zur Einkleidung, um sodann auf dem Griesheimer UebungSplatz formiert zu werden. Die Ausreise der neuen Formationen soll in etwa 4 Wochen stattfinden.
Darmstadt, 20. August. In der gestrigen Generalversammlung des mit über 500 Mitgliedern über ganz Hessen verbreiteten Lose-Vereins „Fortuna 3-, wobei es ziemlich lebhaft herging, wurde infolge der innerhalb des Vorstandes ausgebrochenen Zwistigkeiten mit großer Majorität beschlossen, nach Beendigung der 5. Ziehung der hessischen LandeS- Lotterie außer den Gewinnanteilen auch das angesammelte Stammkapital auszuzahlen. Ein großer Teil der Anwesenden, darunter auch die seitherigen Vorsitzenden, h ben ihren Austritt erklärt, und es steht die Gründung eines neuen Vereins in Aussicht.
Darmstadt, 20 August. Nach einer Meldung des „D. Tgbl." wurden am SamStag früh zwei Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 115 bei der Rückkehr von einer Hebung auf der Straße ohnmächtig. Sie sollen sich indeffen bald völlig erholt haben. — Nach einer weiteren Meldung werden auf dem Griesheimer UebungSplatz zu den neuen Truppcnformationen für Ostasien nur ein Bataillon und die 9. Kompagnie des 4. bayerischen Infanterie-Regiments formiert. Sie werden vom 22. August bis 1. September dort bleiben.
Offenbach, 20. August. Am vergangenen Dienstag gab gelegentlich der Fertigstellung eines Hausbaues im benachbarten Hausen der Bauherr das übliche Freibier, und daran thaten sich denn, wie gewöhnlich, die beteiligten Handwerksleute gütlich. Ein Teil derselben bezechte sich hierbei gehörig, und einzelne sollen fast besinnungslos gewesen sein. Der Maurer Karl Ott besonders, der nach Angabe der sjßitün außer einer gehörigen Portton Branntwein auch zirka 30—40 Gläschen Bier getrunken haben soll, konnte gegen das Ende der Kneiperei kaum mehr stehen, suchte verschiedentlich Händel und fiel endlich, seiner Sinne nicht mehr mächtig, mehrere Mal gegen Tische und Stühle und auf die Erde, sodaß er an mehreren Stellen blutete. Zum Schluß brach er bann im Hof zusammen und wurde von mehreren der noch Anwesenden nach seiner Behausung, die in der Nähe lag, gebracht. Wie die Zeugen angeben, wurde Ott, und zwar auf seinen Wunsch, nicht in die Wohnung, wo sein Sohn krank lag, sondern in die Scheune gebracht und auf Stroh gebettet. Am anderen morgen fand man ihn als Leiche. Obwohl nun der Arzt, welcher den Totenschein aus stellte, konstatierte, daß der Tod durch Herzlähmung infolge übermäßigen Alkoholgenusses eingetreten sei, entstanden in dem Orte vcrschiedentliche Gerüchte, infolge dessen der Sohn des Verstorbenen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattete. Vergangenen Freitag, als die Beerdigung ftatt- fiuden sollte, fand auf Veranlassung des hiesigen Amtsgerichts eine Leichenschau statt, und gleichzeitig ordnete der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Voruntersuchung an. Dabei wurde indeffen die Grundlosigkeit der Gerüchte festgestellt und nachgewiesen, daß Ott eines natürlichen Todes infolge übermäßigen starken AlkoholgenuffeS gestorben war.
Mainz, 19. August. Unter bem Vorsitz des Landtags* abgeordneten Molthan, des Präsidenten des Vereins Mainzer Kaufleute, hatten gestern die Vorstände der Kaufmännischen Vereine eine Versammlung, die eine Resolution faßte, wonach vom 1. Oktober ab um acht Uhr abends allgemeinerLadenfchluß eingeführt werden oll. Der Verein Mainzer Kaufleute wurde ersucht, Listen zirkulieren zu lassen, um die Zustimmung der Kaufleute zu diesem Beschluffc zu erlangen. Abgeordneter Molthan brachte hierauf die Errichtung einer Handelshochschule in Hessen zur Sprache. Die Versammlung sprach sich in einem Beschluß dahin aus, daß, nachdem einmal die Gründung einer Handelshochschule in Hcffen bestimmt erfolgen werde, die Stadt Mainz als bedeutendste Stadt in Heffen und als die bedeutendste Handelsstadt des Landes, das erste Anrecht auf die Errichtung einer Handelshochschule habe. In diesem Sinne soll bei den Landständen und bei der Handelskammer gewirkt werden. Stadtverordneter Heerdt gedachte nunmehr in einer längeren Ausführung der von der Firma H. A. Disch eingeführten Erhöhung der Trajekt- gebühren zwischen Mainz und Kastel. Die Versammlung mißbilligte die Erhöhung und richtete das Ersuchen an die Abgeordneten, diese Angelegenheit in der Zweiten Kammer zur Sprache zu bringen.
•* Kleine Mitteilungen au8 Heffen und den Nachbarstaaten. In Gambach wurde durch den Polizeidiener Petry ein Arbeiter verhaftet. Der Mann, etwa 36 Jahre alt, wurde wegen Lohndifferenzen von seinem Arbeitgeber entlaßen. Er hat nun aus Rache gegen denselben die Reifen dessen erst vor wenigen Wochen neu gekauften Fahrrades mit einem Messer durchschnitten. — In Lütersheim hat sich in der Wohnung des Oekonomen Billerdeck ein schrecklicher Unglücksfall zugetragen. Zwei zu Besuch anwesende Knaben von 6 und 9 Jahren hatten dort unter dem Bette ein Gewehr entdeckt, mit dem sich der ältere zu schaffen machte. Plötzlich entlud sich ein Schuß und traf den kleinen Knaben tötlich in den Unterleib; leblos brach der Ge- troffene zusammen.___ ________
Universität und Hochschule.
— In der philosophischen Fakultät der Universität Halle hat sich Dr. C. Steinbrück mit einer Untersuchung „Ein Beitrag zur Frage der Rentabilität der Milchviehhaltung" sür das Fach der Landwirtschaft habilitiert und wird im nächsten Wintersemester über „Die Statistik deS Landbaues" und „Grundzügc der Agrarpolitik" lesen. — Der Direktor der Fachschule für Holzindustrie in Villach, Dr.Pltwa, wurde interimistisch mit dem Lehramt für mechanische Technologie und des forstlichen Bau- und Maschinen-Jngenierwesens an der Wiener Hochschule für Bodenkultur betraut. — An der gleichen Hochschule wurde der Konstrukteur Hermann D au b als Privatdozent für land-und forstwirtschaftliche Hochbauten bestätigt. — Der Entdecker des Gelben Fieber-Bazillu», Prof. Dr. Domingo Fraire, ist in Rio de Janeiro im Alter von 50 Jahren gestorben. Prof. Fraire war der bedeutendste Vorkämpfer der Feuerbestattung in Südamerika.
Landwirtschaft.
Berlin, 20. August. Saatenstand in Preußen um Mitte August: Winterweizen 2,6, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,1 Winter - roggen 3,1, Sommergerste 2,6, Hafer 2,5, Kartoffeln 2,4, Klee 8,4, Luzerne 2,9, Wiesenheu 3,0. Gegenüber den Jultberichten lauten die Nachrichten für August weniger erfreulich. In den Provinzen Ostpreußen, Brandenburg und Sachsen konnten bei hinreichenden Niederschlägen die Erntearbeiten gleichwohl ohne wesentliche Störung fort; geführt werden; aus dem westlichen Teile deS Staatsgebiets aber kommen Klagen, daß durch den unaufhörlichen Regen und die häufigen Gewitter das Einbringen des Getreides unmöglich gemacht würde. Für die Futterpflanzen waren die Niederschläge von wesentlichem Nutzen.
Meratur.
— Im 14. Jahrgang erscheint jetzt die Zeitschrift „Hessenland*, welche, unter Mitwirkung einer großen Anzahl namhafter hessischer Gelehrten und Schriftsteller 1886 von F. Zwenger gegründet, nunmehr von Herrn Dr. Wilhelm Grotefend, Verlag von Friedrich Scheel in Caffel, herausgegeben wird. Das Blatt betrachtet es als seine Hauptaufgabe, den hessischen Sinn wachzuhalten, und die Anhänglichkeit an engere Heimat zu kräftigen, ohne jedoch in irgend einer Weise fich mit Politik abzugeben. So haben die Herausgeber deS „Heffenland" es mit sicherem Takt verstanden, schon länger als ein Dezennium den Lesern in Stadt und Land allmonatlich zweimal eine ebenso interessante, alS belehrende Leküre zu bieten, an welcher Alt und Jung sich zu erfreuen vermag. Die Zahl der Mitarbeiter vergrößert sich von Jahr zu Jahr, und für die scheidenden Kräfte treten frische ein, wie denn auch die ge» feierte Anna Ritter seit vorigem Jahre eine Anzahl bisher noch ungedruckter Gedichte im „Hessenland" veröffentlicht hat. Bemerkt sei noch, daß der Abonnementspreis für diese vaterländische Zeitschrift vierteljährlich nur 1 Mk. 50 Pfg. beträgt.
— Hohentwiel und Ekkehard in Geschichte, Sage und Dichtung von Dr. Karl Weiß, Wiser u. Frey, Verlagsimstatt Merkur, Leipzig, 8 Lieserungen zu 1 Mk. Die erste unS vorliegende Lieferung dtesis Werkes enthält eine Würdigung des berühmten Scheffel'jchen Romans und führt un6 in das heganer Land, dessm Eharakter, Geschichte, Land und Leute sie schlldert. Prachtvolle Illustrationen schmücken daS Buch, dessm roettenn Lieferungen man mit Spannung entgegensehen kann. Wenn letztere daS halten, was die erste Nummer verspricht, so wird das Werk zum Verständnis deS Schrffel'schen Romans und im weiteren Sinne auch des schönm Stückchens Erde, auf welchem derselbe sich abspielt, wesentlich beitragen.
Arbeiterbewegung.
Berlin, 20. August. Die schon seit langem fühlbare Kalamität der Teuerung der Kohlenpreise hat nun ihren Höhepunkt erreicht, da mit dem heutigen Tage fast sämtliche Kohlenarbeiter Berlins, etwa 20000 Mann, in den Strike eingetretm sind. Die Kohlenarbeiter verlangen zehnstündige Arbeitszeit und 40 Pfg. Stundenlohn. Der Verband der Kohlengroßhändler hat fürs erste jede Verhandlung mit bet* sozialistischen Transportarbeiter-Verband abgelehnt, aber der Lohn» kommission Zugeständnisse gemacht. Statt der geforderten 4 Mk. Tagelohn wurden 3,75 Mk. bewilligt; ebenso sollen die Löhne für die Akkord» arbeit um etwa 20 Prozent aufgebessert werden Die Arbeitszeit soll wie bisher 11 Stunden mit zweistündiger Pause betragen. Nur wenige ältere Leute bliebm bei der Arbeit. Schutzmannschaften standen heute bei den großen Kohlenlagern am Görlitzer und Schlesischen Bahnhof, um etwaige Ausschreitungm der Strikendm zu verhindern. Da die Kohlenhändler gegenüber den Strikenden sich solidarssch verhalten, aber nicht in der Lage sind, ohne genügmdes Arbeitspersonal dem Bedarf gerecht zu werden, so werden sie wahrscheinlich schon mit dem morgigen Tage ihre Plätze schließm. Auch alle Waggonsendungen die nach Berlin unterwegs waren, werden zurückgehalten, da das Standgeld auf den Bahw- Höfen erhebliche Kosten verursacht und kein Ausladepersonalvorhanden ist.


