Kunst und Wissenschaft
Mid en.
*f* Heuchelheim, 21. Juni. Das gestrige Unwetter hil in unserem Ort die Ziegeldächer und Fensterscheiben hM mitgenommen; besonders aber unseren Obstbäumen
FiSckhte wurden abgeschlagen und die Getreide- und Kartoffel- liegen wie gewalzt am Boden. Auf den Straßen legen die mächtigen Hagelkörner wie eine Eisdecke aus- I (breitet.
•» Kleine Mitteilungen aus Heften uud den Nachbarstaaten. Dos starke Gewitter in der Nacht von Sonntag auf Mon- I«g zerstörte in Friedberg und Ockstadt fast sämtliche Tckpchonleitrmgen; in letzterem Orte, sowie in Steinfurth • |cjlu$ der Blitz verschiedenemale ein, ohne indeß nennens- i miem Schaden anzurichten. Im Felde zwischen Ockstädter :Qmienwald und Ockstadt wurde ein starker Baum mitten
der bei dem Bingüner Bootsunfall ums Leben gekommenen Frau Badior auS^> Frankfurt a. M. geländet. — Dem bisherigen Kommandeur der 21. Jnfant.«Division, General« leutnant Perthes, der in Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt worden ist, soll dem „Mainz. Anz." zufolge der Kaiser den erblichen Adel verliehen haben.
j schallten. Aus allen Teilen des Landes laufen Nachrichten m, Idaß das Gewitter überall beträchtlichen Schaden an*
— Sensationelles von der Chemiker.Dersammlung in Hannover, lieber ein neues Verfahren zur Erzeugung hoher Temperaturen durch Aluminium, worüber Dr. Hans Goldschmidt-Essen bei der Hauptversammlung der deutschen Chemiker in Hannover einen Vortrag hielt, wird berichtet: Das Verfahren beruht auf der Erfindung des Dr. Goldschmidt, mittels einer Mischung von Metalloxyden und Aluminium, „Thermit" genannt, einfach und schnell eine feurig-flüssige Maffe von besonders hoher Temperatur herzustellen. Das Verfahren wird in erster Linie angewendet zur Darstellung chemisch reiner kohlenstofffreier Metalle — Chrom, Mangan, Vanadin, Ferrobor — und ist bei Eisenlegierungen von großer Bedeutung. Zweitens wird es angewendet, um Rohre und Schienen ohne Werkstatt an jedem Orte und jederzeit mit einfachem Tiegel bei erheblich billigeren Kosten zu schweißen. Die Schweißung ist vorzüglich und kann 4U0 Atmosphären Druck im Rohre aubhaften. Die Rohre zerplatzen eher in der Längsrichtung an der Schweißstelle. Feurig-flüssiges Thermit auf einen Eisenblock gegossen, schmilzt ihn wie heißes Waffer einen Schneehaufen. Diebs- und feuersichere Kassen widerstehen nicht mehr, Panzerplatten werden durchlöchert. In Effen und Braunschweig werden bie Straßenbahnschienen nach diesem Verfahren geschweißt. Die Schweißung wird ausgesührt, indem ein Tiegel mit einigen Löffeln Thermit gefüllt, etwas Entzündungsgemisch darauf gestreut und mit einem Sturmstreichholz angezündet wird. Es ist vollkommen ungefährlich. Dr. Goldschmidt demonstrierte das Verfahren auf dem hölzernen Experimentiertisch der technffchen Hochschule in Hannover. Temperaturen von mehr als 3000 Grad nehmen Operationen von 2 bis 3 Minuten in Anspruch. Die Operation verlaust so rasch, daß der Tiegel kalt bleibt und in die Hand genommen werden kann. Die feurig flüssige
■ -r . _ Ä oC r - . n । Maffe im Tiegel besteht aus geschmolzenem Eisen, es ist alumino-
zfEllchitet hat. — Bel St. Goarshausen wurde die Lerche I thermisches Eisen. Obenauf schwimmt Korund, das ist Aluminiumoxyd.
M Saatfeldern hat es großen Schaden zugefügt. Viele
Vermischter.
* Eine Erklärung von ärztlicher Seite zum Fall des Dr. Strubell in Jena. Der Preßausschuß des ärztlichen Bezirksvereins in Chemnitz veröffentlicht zu dem Fal des Dr. Strubell in Jena folgende Erklärung:
„Die Preffe beschäftigt sich gegenwärtig in wahrheitsgetreuer und maßvoller Darstellung mit Ausschreitungen der ärztlichen Forschung, dre in neuerer Zeit an einer Universitätsklinik vorgekommen sind. Es liegt uns daran, keinen Augenblick einen Zweifel darüber entstehen zu lasten, welchen Standpunkt die Aerzteschaft des Bezirks Chemnitz in dieser tiefbedauerlichen Angelegenheit einnimmt. Wir verurteilen aufs Schärfste eine Denk- und Handlungsweise, die zu einer derartigen Verkennung der ärztlichen Aufgaben führen konnte. Denn sie steht in einem schroffen Gegensätze zu jenem Mitgefühl von Mensch zu Mensch, das in «rster und letzter Linie dem Kranken gegenüber das Thun und Laffen des Arztes bestimmen muß. Auch wir wün. schen aufrichtig, daß es den vereinten Bemühungen aller beteiligten Kreise gelingen möge, solche Verirrungen einzelner Mitglieder unseres Standes dauernd aus der Welt zu schaffen."
* Vom Bäckergesellen zum Dr. phil. In Wien ist dieser Tage ein ehemaliger Bäckcrgehilfe zum Doktor der Philosophie promoviert worden. Der neue Doktor heißt Konstantin Horna, sein Hauptfach wird die klassische Philologie bilden. Sein Lebenslauf weist interessante Einzelheiten auf. Horna wurde im Jahre 1869 in Saaz (Böhmen) als Sohn des gleichnamigen Bäckermeisters geboren, der ihn nach Vollendung des Volksschulunterrichts dem Bäckergewerbe zuführte. Drei Jahre war er Lehrling und dann vier Jahre hindurch Gehilfe. Die letzterwähnten vier Jahre benutzte er zum Selbststudium in den Gegenständen der vier unteren Gymnasialklassen, und zwar ohne Lehrer, lediglich i als Autodidakt in der Weise, daß er die Gegenstände gleichzeitig mit einem die betreffenden Klassen besuchenden Gymnasiasten erlernte. Er bestand mit sehr gutem Erfolge die Aufnahmeprüfung des Gymnasiums, und dann nach weiteren vier Jahren die Abiturientenprüfnng mit Auszeichnung. In seinen Studienzeiten war er thatsächlich bei Nacht Bäcker und bei Tage bei den Büchern. Nach dem Abiturium bezvj er zunächst die deutsche Universität (philosophische Fakultät in Prag und dann dieselbe Fakultät der Wiener Universität. In den letzten zwei Jahren als Hilfslehrer am deutschen Staatsgymnasium für Latein, Griechisch und Deutsch thälig, legte er inzwischen in Wien das Rigorosum ab. Dieser Tage erhielt der ehemalige Bäckergehilfe aus Saaz den heißersehnten Dottorhut und hatte die große Freude, seine betagten, aber noch sehr rüstigen Eltern an seinem Ehrentage anwesend zu sehen.
e Zur Emanzipation der Chinefiuuen. Mit Spannung verfolgt gegenwärtig die gesamte civilisierte Welt die Berichte über die Vorgänge in China. Es dürfte daher auch von Jntereffe sein, von den Fortschritten zu hören, die gerade in neuester Zeit in Bezug auf die Emanzipation der chinesischen Frauen und Mädchen zu verzeichnen sind. Eine unternehmende Engländerin, die sich bereits seit Monaten auf einer Tour durch das ganze Reich befindet, um Propaganda für die „Tie,n-Tsu Hui" zu machen, versicherte vor kurzem in einem Briefe an eine englische Frauenzeitschrift, daß ihre Bemühungen vom besten Erfolge gekrönt seien. Die Tien-TsU'Hui.Gesellschaft ist eine Vereinigung, deren Hauptbestrebung darin besteht, den Chinesinnen die lieber« zeugung beizubringen, daß sie sich mit dem Befolgen der barbarischen Sitte des Fußeinbindens nur entstellen, und für'S Leben unglücklich machen. In vielen kleineren Städten sind zahlreiche Frauen „bekehrt" worden. Diese finden ihre winzigen Klumpfüße nun so häßlich, daß sie sich die größte Mühe geben, die verkrüppelten Gliedmaßen so umfangreich wie möglich erscheinen zu lassen, und sofort damit aufhörten, die Füße ihrer Kinder einzuschnüren. Welches unbegrenzte Vertrauen man zu der Vernunft predigenden Lady gefaßt hat, und welche Wunderkraft man ihr zutraut, beweist fol- bender Fall: Eine junge Frau in Kanton, die das Ein- binden ihrer Füße so energisch betrieben hatte, daß sie abstarben, uud amputiert werden mußten — ein durchaus nicht seltenes Vorkommnis, — begab sich mit ihren in Spiritus aufbewahrten Füßchen zu Mrs. Little und bat sie, ihr die Glieder wieder anzusetzen.
fiwit a. M. find zahlreiche Nachfragen nach Obst ein- ggtlmfen; u. a. werden verlangt: alle Arten Kirschen und Paumen, Aprikosen, Pfirsiche, Mirabellen, Erdbeer-Rohsaft, .^ibelbeeren, Ecd-, Hirn-, Stachel«, Johannis- und Brom- faen, Reineclauden, alle Sorten Tafelobst usw. Im ganzen Qgem heute 47 Adressen von Reflektanten vor, die Jnter- chaiten von der Zentralstelle gratis und franko zugesandt
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Schwurgericht.
Gießen, 21. Juni.
Gestern ist in der Sache gegen den 19 Jahre alten, unbestraften Arbeiter Wilhelm Eckert von Chmielinko, Prov. Posen, zuletzt in Lich wohnhaft, wegen Verbrechens g'gen § 177 des Str.-G. verhandelt worden. Der Gerichtshof wird gebildet von Landgerichtsrat Holzapfel, Vorsitzender, und den Landgerichtsräten Dr. Sandmann uud PrätoriuS, Beisitzer. Als Geschworene werden auS- gelost: 1. Weinhändler Vollmüller-Lauterbach, 2. fieber« Händler Baer-Gießen. 3. Landwirt Konrad Philippi IX.« Fauerbach, 4. Landwirt Philipp Mengel-Groß-Karben, 5. Landwirt Heinrich Velten-Großen-Linden, 6. Fabrikant Heinrich Emmelius-Gießen, 7. Landwirt Eduard Lutz- Elpenrod, 8. Professor Dr. Eichbaum-Gießen, Professor Dr. Fromme-Gießen, 10. Drechsler Jakob Neidel-Wieseck, 11. Kaufmann Friedrich Heimer-Gießen, 12. Landwirt Heinrich Winter I.-Glauberg.
Nach dem Anklagebeschluß handelt es sich um ein vollendetes Sittlichkeitsverbrechen, begangen am 21. Mai int Walde zwischen Steinbach und Lich in der Nähe des Hvfgutes Albach. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Werdig. Es sind acht Zeugen und als medizinischer Sachverständiger Medizinalrat Dr. Haber körn zu vernehmen. Wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit Met die Verhandlung hinter verschlossenen Thüren statt. - Die Geschworenen sprachen den Angeklagten Eckert schuldig und verneinten das Vorliegen mildernder Umstände. Der Gerichtshof verurteilte darauf den Angeklagten zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von Jahren. Die Anklagebehörde hatte 5 Jahre Zuchthaus beantragt.
Aus Stadt und Kand.
* Bei dem gestrigen Gewitter schlug ein Blitz ungefähr zeln Schritte hinter dem Hausburschen der „Apotheke zum Hirsch", der auf seinem Kartoffelfeld an der Lahn stand, in einen Rain und riß eine etwa 5 Ctm. breite Furche bis zu einem Heuhaufen. Der Mann fühlte einen kräftigen Schlag auf den Kopf und ein brennendes Gefühl im Nacken, da-< den ganzen Tag anhielt. — Das Unwetter hat in der Stobt unb im weiteren Umkreis berfelbtn erheblichen Schaden ailgerichtet. Die Hagelkörner, die durchschnittlich bie Größe so* Haselnüssen hatten, würben noch am Abenb Haufen- u>ei.se gefunben. Besonders mitgenommen würben die Beerensträucher, die Hackfrüchte, sowie die Gemüsepflanzungen, von der en bie gute Erbe weggeschwemmt würbe. Im nörblichen Tei l der Gemarkung wurden sogar Bäume geknickt und entwurzelt.
•* Turnerisches. Zu den Wettübungen auf dem Feld- berg fest am Sonntag traten 301 Turner an, etwa 150 weniger als im Vorjahr. Die neue Hebung des Kugel- sho'ckenS, die noch wenig geübt wurde, soll die Ursache bet geringen Beteiligung gewesen sein. Die Leistungen waren trotz beS ungünstigen Wetters im Ganzen ausgezeichnet, 10$ Turner konnten mit Preisen bebacht werben. In ben einzelnen Hebungen: Stabhochspringen, Weithochspringen, Ste-instoßen, Kugelschocken würben vielfach 10, zum Teit sogar 12 Punkte erreicht. Das Fest war biesmal auch aus weiterer Ferne besucht. Vom Gießener Turnverein errang Heimrich Geitz ben 16. Preis. Zwei Preise fielen nach Lutzbach. Außer ben turnerischen Hebungen gelangten auch noch Wett-Spiele unb Turnspiele zur Ausführung.
*• Kindestötung. Die der Kindestötung verdächtige Kalharina Hämmerle aus Staufenberg, die, wie wir gestern berichteten, krankheitshalber nicht verhaftet worden toar, konnte gestern abend in ihrer elterlichen Wohnung festgenommen und in die hiesige Klinik verbracht werden, wo je munmehr unter Aufsicht steht. Die Verhaftung hatte (inen ungeheuren Menschenauflauf verursacht.
** Militärische Radfahrer-Uebung. Von unserem Regimen« gingen in dieser Woche 3 Unteroffiziere, 27 Mann, -stattlich Radfahrer, auf 4 Wochen nach Mainz, um mit .gleich starken Kommandos von allen Infanterie-Regimentern ilii 18. Armeekorps unter Führung eines Hauptmanns zu Mer Radfahrer* Kompagnie zusammengestellt zu werden und rin herein mit Kavallerie Aufklärungsdienst zu üben.
*• Bei der Zentralstelle für Obstverwertung in Frank-
Mit diesem Verfahren ist ein neuer Wissenszweig entstanden, die Alu-- minothermie.
— Ein Denkmal des Dichters Emil RittershauS, geschaffen von seinem Schwiegersöhne Prof- Schaper in Berlin, ist am 20 b. M. in Barmen in Gegenwart des Regierungspräsidenten von Düffeldorf feierlich enthüllt worden.___________________________________________________
Arbeiterbewegung.
Mainz, 21. Juni. Eine Deputation der streikenden städtischen Gasarbeiter, die vorgestern abend in Ausstand traten, hatte gestern mittag aus dem Stadthause mit der Bürgermeisterei eine Besprechung. Die letztere verlangte von den Streikenden die sofortige Aufnahme der Arbeit. Sie versprach dafür die Forderungen der Arbeiter der nächsten Stadtverordnetenversammlung im wohlwollenden Sinne zu unterbreiten. Die Deputation erklärte, nur dann die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn sie die volle Garantie erhalte, daß ihre Forderungen so bewilligt würden. — Gestern abend fand nochmals ein Einigungsversuch statt. Die Bürgermeisterei erklärte den Ausstand anläßlich der bevorstehenden Gutenbergfeier für eine Gewaltmahregel, machte aber den Vorschlag, den Arbeitern vorläufig bis zur nächsten Stadtverordneten- Versammlung eine Lohnerhöhung von 20 Pfg. pro Tag zu gewähren. In einer abends abgehaltenen Versammlung des Verbandes der städtischen Gasarbeiter wurde dieser Vorschlag der Bürgermeisterei einstimmig abgelehnt. Heute soll die hiesige Bevölkerung durch ein Flugblatt Aufklärung über die Forderungen erhalten. — Die Stadt hat sich berxits um andere Hilfskräfte für die im Ausstande befindlichen Gasarbeiter umgesehen, sodaß eine Störung in dem Betrieb nicht eintritt.
Gerichtssaai.
Llegnitz, 20. Juni. Vom Schwurgericht wurde der Stadt- und Polizeisekretär Johann Frey aus Naumburg am Queis wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 2«/t Jahren Gefängnis verurteUt.
— Wegen Vergehens im Amt ift am 4. April vom Land, gericht Mainz der Postschaffner Sauer zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seit 1878 für den Postdienst verpflichtet, war er 189$ unkündbar auf Lebenszett angefiellt worden und wurde in der Packet- annahme beschäftigt. Zum Frankieren unfrankierter Packete bekomme« die Beamten jeden Morgen für 30 Mk. Freimarken zu 50 und 25 Pfg. Packete über 5 Kgr. und solche nach dem Ausland sollen nicht in der Packetannahme ftankiert werden, sondern vom Schalterbeamten. Dennoch klebten die Packetbeamten oft auch in solchen Fällen die Marken auf. Eines Tages war ein Packet nach Birkenfeld abgegangen. Dort wurde bemerkt, daß die auf der Packetadreffe befindliche 50 Pfg.-Marke aus drei Teilen zusammengeklebt war. Die Arbeit war sehr geschickt ausgeführt, denn es war kaum zu erkennen, daß die Marke nicht aus einem Stück bestand. Aber da sich die einzelnen Teilen etwas losgelöst hatten, wurde die Aufmerksamkeit eines Beamten erregt. Man sah nun die Packetadreffen, die durch die Hände des Angeklagten während 4 Monate gegangen waren, durch und entdeckte eine ganze Reihe von Fällen, in denen Marken in der Weise zusammengesetzt waren, daß auS den abgestempelten Marken die freigebliebenen Teile entnommen worden waren. Die Kunstmarken waren stets sehr sorgfältig abgeftempelt, meist so, daß der breite Stempelrand auf eine Stelle kam, wo zwei Markenteile aneinanderstießen. Die Beträge, welche die Auflieferer der Packete bezahlten, behielt der Angeklagte für sich. — Gegen das Urteil hatte Sauer Revision eingelegt; da aber keinerlei Rechtsirrtum in dem Urteil zu finden war, erkannte das Reichsgericht auf Verwerfung des Rechtsmittels.
Kandwirtschaftiiches.
— Am Donnerstag dem 5. Juli d. I. wird in Ehringshausen eine Tierschau mit Prämiierung abgehalten werden. Es kommen dabei aus Mitteln deS landwirtsch. Lokalvereins Wetzlar zur Verteilung: Für Bullen bis 2 Jahre alt 5 Preise, für Bullen über 2 Jahre alt 5 Preise, für Kühe bis 2 Kälber 5 Preise, für Kühe mtt mehr als 2 Kälbern 5 Preise, für gedeckte Rinder 6 Preise. Es wird mit aller Strenge an dem Grundsatz festgehalten werden, daß nur wirklich gute Leistungen prämiiert werden können und daß, wo diese fehlen, die ausgesetzten Prämien an den Verein zurückfallen. Es wird nur zur Zucht benutztes Vieh der Vogelsberger Rasse zur Prämiierung zu- gelasien, und es müssen die Bullen mindestens 6 Monate, weibliches Vieh mindestens 1 Jahr im Besitz des Ausstellers sein. Gewerbsmäßig« Händler können nur, wenn sie gleichzettig Züchter sind, mit von ihnen selbst gezüchtetem Vieh konkurrieren. Alles zur Ausstellung kommende Vieh muß bis zum 25. Juni d. I. bei Bürgermeister Hoemann in Ehringshausen angemeldet werden.
Familien Nachrichten.
Geboren: Dem Herrn Karl Leßmann in Amsterdam eine Tochter.
Gestorben: Frau Agathe Waldschmidt Ww., geb. Klappert in Wetzlar. — Lenchen Hübner in Darmstadt. — Frau Marie Katharine Kirchmann Ww., geb. Leithner, in Darmstadt. — Frau Helene DeciuS, geb. Christ, in Darmstadt. — Fräulein Elise Freundlieb in Alsfeld. — Frau Elise Reiling, geb. Neugaß, m Bensheim.
Wetterbericht. Das nordwestliche Minimum hat sich etwas vertieft und ist durch eine über die Nordsee, Süd-Skandinavien und die Ostsee verlaufende Furche mit dem östlichen Depressionsgebiete in Verbindung getreten. Gleichzeitig breitet sich von den brttischen Inseln der niedere Druck in südöstlicher Richtung nach dem Kontinent herein aus. Dabei ist in Zenttal-Europa das Barometer in starkem Fallen begriffen. Die Witterung ttägt in Süddeutschland veränderlichen Charakter. Die Temperaturen liegen hoch. Die Neigung zu Gewittern hält an. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch fortdauernd warmes Wetter und Neigung zu Gewittern; dann Eintritt von unbeständigem Wetter und Abkühlung.
Schisssnachrichten.
Der Postdampfer „Westerland" der „Red Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 19. Juni wohlbehalten in New-Hork angekommen.
Temperatur der Lahn uud Luft
nach Reaumur gemessen am 21. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr mittag*: Wasser 16-, Luft 15«.
Rübfamen'sche Badeanstalt.
Markus Bauer
Spezial-Geschäft in feiner kserren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte.
Gießen,Mirchenplatz U- 718
Ärmste Meldungen.
München, 21. Juni. Aus Berchtesgaden wird gemeldet, daß die beiden seit dem 5. ds. Mts. vermißten Münchener Studenten Georg Klette und Otto Scheer aus München gestern nachmittag von mehreren Bergführern am Watzmann tot aufgefunden wurden.
Rom, 21. Juni. Die Bemühungen Saraccos, ein Kabinett zu bilden, sind bisher erfolglos geblieben. Visconti Benosta weigerte sich entschieden, an die Spitze >es Auswärtigen Amtes zu treten. Eine andere Persönlich-- keit findet sichi für diesen wichtigen Posten sehr schwer.


