Ausgabe 
22.6.1900 Zweites Blatt
 
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UV. 143 Zweites Matt

Freitag den 22. Juni

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Kießener Anzeiger

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Atnts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren

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All« Lnzrigen-vermittlungSstellen beB Irr- und Autl«d«O uchmen Anzeigm für dm Gießener ilnzetger entgefte, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

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Expedition und Druckerei:

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*le*l*e »* «n,eigen zu der nachmittags für de» ßcheadm te| erscheinender. Nummer bis Dorrn. 10 Uhr. «Gestellungen spLletzenS abends vorher.

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ftanbeS der Armee aufMrieaSftarte gevracyn und der Transport nach China wird vorbereitet. Außer­dem soll, wie dasWolffsche Bureau" aus Berlin meldet, das Personal für 6 bespannte Geschütze von Kiautschou stellt werden und eine vollständige Batterie 8,8 Zentimeter-Geschütze mit Personal, aber ohne Pferde, aus den Beständen der Armee abgegeben werden.

Gratisbeilage»: Gießener FamilienbiAter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.

Kaiser Wilhelm hat, wie wir bereits mitteilten, die Mobilmachung der deutschen Marineinfan­terie verfügt. Auf Befehl des Kaisers werden beide See^ bataillone durch Freiwillige des aktiven Die n st - st an des der Armee aufKrieas stärke gebracht!

mit dem Chef des Kreuzergeschwaders wegen Errichtung einer Schiffspost Taku-Tfchifu in Verbindung zu treten.

Vierteljahr!. Mk. 2M monatlich 76 Pfg. mit Bringerlohnr durch die AbholesteLe» Vierteljahr!. Mk. 1,9t monatlich 66 Psg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viecteljich^. mit Bestellgeld.

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einigten Staaten, den junge nKaiseraufdenThron zu berufen mit Ministern, auf deren vernünftige Hal­tung die Mächte bauen könnten. Zur Sicherung und Auf­rechterhaltung der Ordnung sollen internationale Truppen in China verbleiben.

In Shanghai ist man neuerdings der Meinung, daß zwischen dort und Peking nach wie vor telegraphische Ver­bindung bestehe, wenigstens soweit die eingeborenen Be­hörden in Betracht kommen. Was der Berichterstatter des Daily Telegraph" über die in Peking eingetretene Reue zu melden weiß, wird mit der Bemerkung eingeleitet, er glaube, die chinesische Regierung erhalte telegraphische Depeschen, und von anderer Seite wird von längeren Ver­handlungen der Kabelgesellschasten mit der Verwaltung der chinesischen Landlinien berichtet, deren Zweck der An­schluß war, die aber schließlich zu keinem Ergebnis führten. Wenn die chinesische Telegraphenverwaltung nicht den An­schluß Herstellen könnte, hätten aber solche Verhandlungen überhaupt keinen Sinn und Zweck.

Die Rüstungen Deutschlands.

Ferner hören wir folgendes:

Eine Brigade des schleswig-hotsteinischen Armeekorps ist mobil gemacht worden und es soll eine weitere Brigade gebildet werden aus Freiwilligen sämtlicher Regimenter der preußischen Armee. Von dem 116. Jnf.-Regt. in Gießen sollen sich über 100 Mann zum Anschluß an diese! Brigade bereit erklärt haben. Die ärztliche Untersuchung bei unserem Regiment hat heute früh stattgefunden, die! Vorstellung der Freiwilligen vor dem Regimentskomman­deur heute mittag.

Aus Kiel wird gemeldet: Außer den Ablösungs­mannschaften für unsere deutschen Kreuzer in Ostasien, die mit dem Lloyddampfer Köln am 16. Juni in Tsingtau eintrafen und jetzt Taku erreicht haben, be­findet sich noch eine ansehnliche deutsche Truppen­macht auf der Fahrt nach China, die gleichfalls zum Ersatz der Mannschaften des Kreuzergeschwaders bestimmt ist. Dieser Ablösungstransport hat an Bord des Lloyd- dampfers Stuttgart am 15. Juni Colombo passiert und tft jetzt auf der Weiterfahrt nach Penang-Singapore begriffen. Zu den annähernd 1000 Mann, deren Einschiffung bezw. Landung in diesen Tagen vor Taku vorgenommen wird, tritt noch vor Ablauf des Juni ein so bedeutendes Detache­ment, daß der Geschwaderchef über eine Verstärkung von rund 1500 Mann verfügt. Gleichzeitig liegen dann im Aufstandsgebiet zwei für Truppentransporte vorzüglich ge­eignete Dampfer verwendungsbereit. Köln und Stuttgart können bei ihrem bedeutenden Raumgehalt und ihrer großen Fahrgeschwindigkeit ansehnliche Truppenmaffen in kürzester Frist von Tsingtau nach Taku befördern. Der Lloyddampfer Köln ist der erste, der einen vollständigen AblösungStranS- port zur Ausschiffung bezw. zur Landung nach der Peiho- Müudung bringt. Gegenüber den Meldungen verschiedener Blätter über die Entsendung weiterer Kriegsschiffe nach Ostasien heben wir hervor, daß von einer derartigen Ver­stärkung unserer Seestreitkräfte bisher nur insofern die Rede ist, als die Ausreise des gefechtsstärksten und stärkst bemannten Kreuzers, des neuen Flaggschiffs des Geschwader­chefs,Fürst Bismarck", beschleunigt wird. Der Kaiser beabsichtigt, den Neubau während der Kieler Woche einer eingehenden Besichtigung zu unterwerfen. Die von der Reichsregierung geplante Stationierung mehrerer Linienschiffe im Hafen von Tsingtau ist angesichts der Wirren in China und deren Folgen eine unabweisbare Notwendigkeit. Wenngleich dieser Plan vorläufig kaum durchführbar erscheint, wird doch die Zukunft eine solche Vermehrung des schwimmenden Materials bringen. Weiter wird aus Kiel gemeldet: Sowohl die Mannschaften der heimischen Schiffe wie diejenigen des ostasiatischen Ge- schwaders, deren Dienstzeit abgelaufen ist, gelangen biS auf weiteres nicht zur Entlassung. Nach einer Meldung aus Wilhelmshaven sollen 2100 Manu Marineinfanterie in 8 Tagen mit den Lloyddampfern Frankfurt" undWittekind" nach China abgehen. Der deutsche Konsul in Tschifu ist angewiesen worden, schleunigst

Äbrtffe für Depeschen: Anzeiger chisst«, Fernsprecher Nr. 51.

ttlcheiut täglich Btt Ausnahme des

Montag».

Die Gießener 3«*iru«6rÄUtt » den dem Anzeiger A Wechsel mitHess, tnbmtrt" ».Blätter M h«S. Bolttkunde" Hirt. 4 mal deigelegt.

Wen ©onntas *

Mausen.

n, Kredit W®

uni 1900.

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Die Wirren in China.

lieber das Schicksal der diplomatischen Ver­tretungen in Peking und der sonstigen Europäer' herrscht immer noch Ungewißheit, und es eröffnet sich t>ie ziemlich bestimmte Aussicht^ daß russische Trup- jjen demnächst die chinesische Hauptstadt besetzen rntb wohl sobald nicht wieder räumen werden. In Yoko- tynia scheint man sich über die letztere Möglichkeit aufzu- legeit, und redet von einem angeblich seitens der Mächte en Japan ergangenen Auftrage, in China mit 20 000 Mann Lrdnang zu schaffen. Die japanische Presse fordert die Negierung in Yokohama auf, 25 000 bis 30 000 Mann in jedem Falle nach China zu entsenden.

DieTimes" meldet aus Shanghai vom 20.:Ein Lurch den Kurierdienst des Telegraphendirektors Schieng Aberirrachtes Telegramm bestätigt die Nachricht, daß Ad- mirall Seymour und die ausländische Truppe am 17. ds. INP.eking eintrafen. Es fehlen jedoch Einzelheiten über «etivaige Verluste oders den Stand der Dinge in Peking, und Laniber herrscht noch immer große Sorge". Nach einer M.mghaier Meldung aus amtlicher chinesischer Quelle be- ^anbrn sich am 17. ds. die Gesandtschaften in Pe- 4in p in voller Sicherheit. Am 16. aber war be­reits die Meldung von der Zerstörung der Gesandtschaften Lei eingetroffen. Daraus ersieht man, wie weit jener Mrininachricht zu glauben ist. Die Liste der Namen der bei tahi gefallenen und verwundeten deutschen Matrosen ist, Wir weder im Auswärtigen Amt noch im Reichs- Macineamt zu Berlin eingetroffen.

lieber den Kampf bei Taku liegen weitere Mel- ijmien aus London vor. Darnach hat der russische fteinzerKorejez" am schwersten gelitten, tie Granaten verursachten eine heftige Explosion, Sie 4 Offiziere und 13 Mann tötete und 50 v e r w u n - üetr. Die meisten schliefen. Trotzdem ging derKorejez" Ichneirdia zum Gefecht über und bombardierte die For^. "lie cg r o ß e n Kriegsschiffe konnten am Gefeckfi Nicht Muhmen, p.a viele kleine Kanonenboote in der ^chuß- Äinie nahe am Ufer lagen. Tas ch i n es i scheTorpedo- «ejchwader mad)te einen entschlossenen Versuch, aus- Mlamfen, wurde aber von den Booten der kombinierten Alori e gefangen genommen. Die Chinesen v e r l o r e n TN) Mann in den Forts und weitere 100 Mann bei

Jm^englischen Unterhause verlas. Bwdrick die über Mich eingegangene Meldung des britischen Konsuls in 5.-1 uff in, die wahrscheinlich vom 18 datiert ist, und worin «heißt, die Boxer beschädigten gestern Abend die Üise'nbahnlinie nördlich von Tientsin sehr Brannten die römisch-katholische Kirche die ^js s io ns ka pellen und zahlreiche chinesische Lius e r n i e d e r. Tie chinesischen T r upPe n machten 50 m e merkliche Anstrengung, den Angriff auf die Frem- denniederlassungen zu hinde r n. Die fremden Schutz- nadh e n töteten etwa 100 Boxer.

Die Sensationsnachrichten Horen natürlich nicht auf. Mln Expreß" meldet aus Shanghai: Hier verlautet, L -der Kaiser von China nicht mehr am Leben fa? Weitere Unruhen werden aus verschiedenen Pro­ben gemeldet, wo die Bizekönige die Teilnahme an Ä^Krieae gegen die Fremden verweigerten. - Dasselbe Matt das stets mit großer Vorsichft zu genießen ist, meldet iriitcr- Aus Tschifu, von wo bis jetzt zuverlässige Infor- Dionen gekommen sind, wird gemeldet daß die chme- Men Truppen und der Mob, wütend über die Nachricht Ä- Zerstörung Tatüs, sämtliche Fremden mit ^rem Personal in Peking ermordet hatten De Gesandtschaften sollen verzweifelt gekämpft und >"n erst ergeben haben, als die Munttionc* W1* Rft 2 Me chinesischen Verluste sollen entsetzlich da der Sieg nur durch rücksickftslose Ausopfe^ing des U^ns möglich war. Aus Sczechnan kommen Nachrichten tirmA. alle chinesischen Christen ermordet und ^Fremden bedroht sein sollen. Aus Hankau kommen Nachrichten. In Wuhu hat das revolutionäre Ele- Se Äanb und macht gemeinsam- Sack)- mit den

einer Anzahl provinzieller Ossiziere an

LrdVesangen genommen. Letztere erklärten sie hatten MI® erhalten einen Ausrottungskrieg Legen Ausländer

L ®n Meinungs-Austausch darüber stattgefunden welche einer zeitweiligen Regierung in Peking r de r Aufsicht der Mächte gewählt werden Beifällige Aufnahme sand der Vorschlag der Ver-

Nach dem ^Neuen Wiener Tageblatt" erhielt die erste österreichische Kreuzer-Division, bestehend aus drei großen Schiffen, den Befehl, sich zur Abfahrt nach China bereit zu halten.

Der ftanzösische Konsul in Mongtse erhielt vom französischen Konsul in Yuennan, Francois, folgende Depesche aus Mnannfu, datiert vom 15. Tum: Wir wurden am 10. Juni, als wir Yünannfu verlaffen wollten, angegriffen und gezwungen, in die Stadt zurückzukehren. Unser ganzes Gepäck wurde geplündert, die Missionsanstalten und Eisen- bahnen wurden in Brand gesteckt. Nur mein HauS blieb unverletzt, wo ich meine Landsleute versammelt hatte, und wo wir uns mit unseren Gewehren hielten. Nach 48 Stunden ergriffen die Mandarinen endlich Maß­regeln. Ich forderte sie dringend auf, uns an die Grenze zu führen, und erwartete von ihnen, daß sie sich für die Wege verbürgen. Es ist dringend notwendig, daß die fran­zösische Regierung gebieterisch fordert, daß man uns ziehen lasse, da wir geradezu gefangen find. Augenblicklich sind alle Franzosen wohlbehalten. Der Vizekonsul in Mongtse fügt hinzu, daß die Lage in Mongtse noch immer bedenklich sei. Es kämen häufig Beunruhigungen vor, doch ereignete sich bisher kein erster Zwischenfall. Die Antwortdepesche des Vizekönigs von Aünnan auf das Ultimatum des Mini­sters Delcasss ist inzwischen in Paris eingetroffen. Die Antwort soll die Erfüllung der französischen $ori- derungen zusagen.

Die Bestürzung über die Ereignisse in China hat Die Betrachtungen über deren Ursprung und Bedeu­tung neuerdings in den Hintergrund gedrängt. Sie sind indessen zum Verständnis der jetzigen Vorgänge sehr we­sentlich, aber es ist nötig, zwischen der vielen Spreu und dem spärlichen Weizen, die dabei zu Tage treten, eine sorgfältige Auslese zu machen. Wenn schon die einander widersprechenden Nachrichten über die Ereignisse selbst in den letzten Tagen ein Bild davon gegeben haben, wie üppig im fernen Osten das Gerücht, und sei es auch noch so wild, in die Halme schießt, so bringen auch die Schilderungen von Zuständen und Personen in China einen solchen Wirrwarr von falsch oder halb verstandenem, daß eine allgemeine Warnung am Platze ist. Die genauesten Sachkenner aber schrecken in derselben Empfindung wie Sir Robert Hart, der langjährige Leiter des Seezolldienstes, der einmal er­klärte, nach zweijährigem Aufenthalt im Lande habe er ein Buch über China schreiben wollen, 18 Jahre später aber habe er dazu nicht mehr den Mut gehabt, oft vor bem Wagnis, über chinesische Dinge zu schreiben, zurück. Um so willkommener ist es, wenn sie sich trotzdem zum Wort melden. Ein genauer Sachkenner, Pritchar d-Moir- gan, erklärt, daß der Kaiser durch schlechte Ratgeber irre geführt worden sei. Pritchard-Vtorgan erinnert daran, datz der erste Anlaß zu dem Staatsstreich im Jahre 1898, d. h. der Rückkehr der Kaiserin an die Regierung, zwei Erlasse Kuangsus waren, worin er die Hinrichtung Yunglus, des Vizekönigs von Tschihli, und die Verbannung der Kaiserin in einen der Sommerpaläste anbefahl. General 9)uart der Auftrag hatte, den Befehl an Yunglu auszuführen, machte diesem davon Mitteilung und gab ihm zwei Tage- Zeit, um feine Geschäfte zu ordnen. Yunglu eilte nach Peking und gab der Kaiserin von Kuangsus Absichten Kenntnis. An demselben Tage aber noch wurde Kaiser Kuangsu auf der Insel eines Sees in den kaiserliche-i Gärten eingesperrt. , , .

Ein Mitglied der chinesischen Gesandtschaft in Berlin, Li Teschun, hat sich dahin geäußert, daß die Bewe­gung d e r B o x e r sich nicht aus politischen, sondern aus. sozialen und sozialistischen Beweggründen erkläre.

Die Gesellschaft der großen Faust, die Tachuan", so sagt dieser chinesische Beurteiler,sind ursprünglich Leute, die ihre von Jugend auf durch stetige Hebung erworbene Körperkraft und Geschicklichkeit zum Broterwerb machen. . Nicht wie in Europa, indem sie sich als Athleten produ­zieren, sondern in praktischerer Weise, indem sie sich als Beschützer und Wächter an Reisende und Privatpersonen, manchmal sogar auch an den Staat verdingen. Sobald sich jemand einen Boxer als Begleiter oder Wächter ge­mietet hat, ist er nicht nur vor allem übrigen Gesindel und vor Räubern geschützt, sondern auch vor etwa augen­blicklich stellungslosen Tack)uan, die ihre Korperkraft nicht anders zu verwerten vermögen, als indem sie s«h zu^denen gesellen, gegen die sie im Fall eines Engagements fthutzen sollen und würden. Diese PrivLtpolizrsten wenn man so sagen will, bilden also die G-sellschast der Boger

Durch den Bau der Eisenbahnen und die suhere Be­förderung von Personen und Gütern aber feien die Boxei;

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