Ausgabe 
22.4.1900 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1900

Sonntag den 22 April

Drittes Blatt

Himer,

Amts- ttitfc Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

* Kleine Mitteilungen aus Heffeu und den Nachbarstaaten.

geschwAste.

[ Für die Nestor

ibenst faulte, ustandS'Le-eer,

rb*eleihuig

WtiwJttoo, und Druckerei:

Nr. 7.

jede Bewegung mit einer Aufmerksamkeit verfolgen, die einer besseren Sache würdig wäre! Und dann die spontanen Ausbrüche des Beifalls, der Bewunderung und Ver­ehrung für diese Kraftmeyer, die wahrscheinlich alle ganz gute Menschen und nette Kerle sind, aber durch ine Bank keine irgendwie hervorragende Intelligenzen. Dabei em­pört sich dieses liebe deutsche Publikum über die Spanier und ihre Freude an den Stierkämpfen! Der Weg von diesen Wettkämpfen, wo es mitunter auch schon verrenkte Hüften und zerbrochene Hüsten gegeben hat, bis zur Arena der Toreros, Picadors, Banderilleros, Espidas und Matadores ist gar nicht so weit. , . .

Da wird es draußen auf demTivoli" ber einem anderen heißen Wettkampfe dock) friedlicher und gemütlicher zugehn, trotzdem man dort statt lumpigen 3000 Mark gleich eine ganze Billa mit Garten und Equipage erringen kann, ein Preis, der des Schweißes der Edlen wohl wert sein dürfte. Kraft und Geschicklichkeit muß man auch hier be­sitzen ; aber als drittes im Rezept für den Hauptpreis steht eine ziemliche DosisSchwein", wie der fachmännische Aus­druck lautet: denn diese Villa und noch manche anderen schönen Dinge sollen in einem großen 100 tägigen Wett­kampfe ausgekegelt werden. Hier ist das Glück wirk­lich einmal wieder kugelrund, und dabei kann mans in der Hand halten, was so viele Menschen ihr Leben lang ver­geblich erstreben! Jedenfalls wird auch hier der Andrang ganz enorm, und die Berliner Kegelbrüder werden mit manchem Konkurrenten der näheren und weiteren Um­gebung um den Sieg zu streiten haben; denn zwei Reichs­mark genügen für eine Teilnehmerkarte. Wer riskiert die nicht, wenn er zufällig in Berlin ist, und daheim eine Neune nach der anderen geschoben hat? Kann man sich einen größern Triumph denken, als den, aus Kyritz oder Treuen- brietzen zu sein, und Kegelkönig von Berlin zu werden, der an dem entscheidenden Tage stolz in seine eigene Equi-

ihrer Handelskammer aufs sck)ärfste üerurtcilt, und des­halb glaube ich, werden alle, die meiner Ansicht smd, sich zusammenthun müssen, um in einer näher zu bestimmenden Versammlung das weitere zu beraten und zu beschließen."

berliner Arief.

(Plaudereien aus der Kaiserstadt.)

(Nachdruck verboten.)

Dr. Enderlen.i-------- ,

Blasenplastik und Professor OlSHausen (Berlw) über konservative chirurgische Behandlung gewisser Nnterleibs-

^Machen) die Ergebnisse mehrjähriger Untersuchungen über Sleiverg,Einfluß des Phosphors auf den wachsenden Knochen > nach PstngL- lBit _ wber: die Wandlungen in der chirurgischen ^attuü» Schuir der Gelenk-Operationen sprach Professor Lönig. Eine wichtige Vorschrift ist eS, da, wo operative , ßilje möglich ist, nicht die Zeit mit orthopädischen Maß- mhmen, Bandagierungen rc. zu verlieren. Bei der Operation f in erster Linie Keimfreiheit zu erstreben; besteht bereits i Renting, so muß das Gelenk mit breiten Schmtten eröffnet mbeit. Gerade dadurch kann häufig noch das ganze Glied

durch Großherzogliche Bauinspektion Friedberg zu erfolgen. In Friedberg gingen von dem an der Ringstraße gelegenen Baugelände der verw. Chr. Ulrich II. ca. 6000

lds-Ach

Winten Herren

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Matter für hessische DslKsKnnde.

Llle 4ln--ig«n.8ermittkmgSßrS« bei In- und Ausland»« vchmkn Anzeige» für dm Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: total 12 Pfg., an-würtS 20 Pfg.

Aezugspreis vierteljährl. Mk, 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Adholestcllea »ierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mt. 2,40 vierleyährl. mit Bestellgeld.

einem der städtischen Bauplätze an der Turnhalle nach dem Projekt des Direktors Jäger, ausgearbeitet von Baurat Schnitzel, zu bauen. Die Baukosten sollen nicht höher als

Adresse für Depeschen: Anzeiger chieße».

Fernsprecher Nr. 51.

29. Chirurgeu-Kongretz.

B-rli». 18. April.

. p. [5ohM51)

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

asiaslÄf

Aus Wunsch lieber laben, eöent m Philologen. 1 iflt die Sxpeblllon^

page steigen und nach jener hübschen Villa hinausfahren kann, wo er fortan residieren wird? Schon der bloße Traum ist die zwei Mark wert!Aus in den Kampf, Torero!" ....

Das Berliner Wirtshausleben, das von den alten so­liden Weißbierstuben seine Wanderung über die Münchener Bierpaläste zu den Wiener Cafes gemacht hat, nistet sich, zu einem Teile wenigstens, in den sogenanntenBar's" fest. Das sind Kneipen nach amerikanischem Muster, ge­wöhnlich lange, schmale Lokale, mit einem hohen, laden­tischartigen Buffet, an dem mehr oder minder hübsche Evatöchter als die Spenderinnen von Speise und Trani thronen. Die Getränke sind natürlich auch vondrüben" importiert; es sind die berüchtigtenCocktails". Man hat sich darunter ein Gemisch von schweren Weinen und Schnäpsen mit allerhand Zufätzen von Gewürzen, Kohlen­säure 2C. zu denken, das in allen möglichen Variationen hergestellt wird und größtenteils ausgezeichnet schmeckt. Nur darf man sich nicht um das Erwachen am andern Morgen kümmern. Das Durchschnittspublikum dieser hauptsächlich nach Mitternacht frequentierten engen und schlechtgelüs­teten Lokale kümmert sich auch nicht darum, sondern läßt sich von den schlanken, mit Brillantringen echter und wahr­scheinlich auch anderer Sorte geschmückten Händen der be­zaubernd lächelnden Buffetdamen einen Cocktail nact) oem anderen mischen, bis das Portemonnaie und manchmal auch die Portokasse leer ist. Denn neben blasierten Stutzern und vornehmen Nichtsthuern dominiert hier der O^ng Kaufmann mit der leisen Neigung E^lh f m QU| thun. Wie die Schulbuben vor ch^m Meist h Hei­den rittlings genommenen Stühlen vor ocm n tisch und schmachten die geschminkten und abenteuer Heben an. Wie mancher Sohn geyr j R.

I verloren! . .

«mirttkt werden. _

Berlin, 19. April. Die heutige Vormittagssitzung war , i ^schließlich dem wichtigen Kapitel der Ni er en-Chirurgie > i cwibmet: sie wurde mit einem Vortrage des Profeffor jfclracl überOperationen bei Nierensteinen- er- )>t. Man schrickt nicht mehr davor zurück die sonst . ulunbe Niere aufzuschneiden, um dann befindliche Steme in entfernen. Leider ist es für den Arzt nicht immer leicht, ' Vte Vorhandensein eines Nierensteines mit Sicherheit fest- inftetten. Zum Schlüsse des mit gespannter Aufmerksamkeit v-kiiollgten Vortrages gab der Redner eingehende Vorschriften iiba die Technik der Operation. Professor Israel Mt unter allen Umständen eine Spaltung der Niere der Wssiiung des Nierenbeckens vor; er hat in einzelnen Fällen bij? Niere soweit ausgeschnitten, daß er die beiden Hälften

i tüchtiger p Pächter H ^Hoswallllftrch

Äs ll>«iri<n6(6ttcr eiKlit dem Anzeiger äinikdifd mit .Hess 1 . » . S iu -irf u. .Blätter .1 stii sis. BolMunde- briflcltgt.

von «-ieiflen zu der nachmrttr^ für dn, Vo;v ntl^ Numm« t*8 v«m. » «hr.

1 tobtfcikwgfw UmHknl -dmds vorher.

& f h' SRVhf'ot it der RölUaen' I i^vror ifnmtncr aufd^fcbäiffte Verurteilt, und des-

Srönlein (Zürich) wies auf die Wichtigkeit der Röntgen- I ? Durchleuchtung zur Sicherung deS Krankheitsbefundes hin. I Dr. Kümmel (Hamburg) zeigte die Notwendigkeit, vor I einem operativen Eingriff die Funktionsthätigkeit der Niere I sestzustellen. DeS weiteren hob Dr. Barth (Danzig) in I .

einem kurzen Dortrage hervor, daß die von Professor Israel I In Butzbach halten im Sommerhalbjahr die beiden so warm empfohlene Nieren,paltung l-m ganz ungefährlicher Schnellzüge, die bisher nur ^uch^weise dort HM-N regel^ Eingriff sei. Profeffor Krönlein (Zürich) zeigte eine I mäßig. - T\r ^"bert tft mit -oeamn des

mächtige blasenartige Geschwulst, die er c"f *** Wege aus der Niere einer 37jährigen Frau entfernt hatte.

.u,; 9v.tilv vm.v , u.up.d. - Reallehrer Dr. Siebert ist mit Beginn des

auf operativem I neuen Schuljahres von Butzbach an das Gymnasium und

-re u.iuy.mcu die Realschule zu Offenbach versetzt worden - Mehrere

Marburg sprach über experimentelle I halbwüchsige Burschen benutzten an ber "/^erbauten Weg -

ä - r - - ' strecke Dillhausen-Löhnberg die dort befindlichen Roll­

wagen zum Fahren auf einer abschüssigen Strecke. Als zwei ins Rollen gebrachte Wagen unmittelbar hintereinander angesaust kamen, entgleiste der erstere. Die Insassen des zweiten sprangen heraus; der 12jährige Sohn des Pen- sionärS H. Stein sprang aber in der Verwirrung nach vorn ab und wurde Überfahren. Er ist seinen Ver­letzungen erlegen. Drei Knaben kauften sich eine Flo- bert-Pistole und schoffen auf dem Felde bei Höchst nach einem Eisenbahnzug. Dem Führer pfiff die Kugel dicht am Kopfe vorbei. Der Zug hielt an, und das Personal machte die drei Schützen, die wohl einen Burenangriff auf einen englischen Panzerzug markieren wollten, dingfest. In Kassel gingen auf das Ausschreiben des Vorstandes des Verschönerungsvereins zur Erlangung von Entwürfen für eine Brunnengruppe auf dem alten Kadettenplatz neunzehn Entwürfe ein. Das Preisgericht hat den ersten Preis im Betrage von 200 Mark dem Entwurf mit dem Nennwort Hessenland" (stud. arch. Wilh. Wellerdick) und den zweiten Preis im Betrage von 100 Mark dem Entwurf mit dem NennwortIm Stadtbilde- (Architekt H. Arnolt) zuerkannt und den Ankauf des Entwurfs, Nennwort L. 8., Mono- [ gramm im Wappenschilde (Architekt C. Prevot) dem Ver- schönerungsverein vorgeschlagen. In Mainz wurde dem verheirateten Hilfsbremser Schuch von Gonsenheim im Centralbahnhof der eine Fuß abgefahren. Nachdem dem Verunglückten ein Notverband angelegt worden war, wurde er in das Hospital verbracht. Der Mann war bei dem Überschreiten des Bahngeleises von einem Wagen er- I faßt und zu Boden geworfen worden. Der Gemeinderat

Aus Stadt und Fand.

Bingen, 20. April. Auf der letzten Versammlung des deutschen Handelstages stand bekanntlich auch eine Resolution zu Gunsten der F l o 11 e n v o r l a g e zur Verhandlung. Nur der Vertreter der Handelskammer Bingen ernpsahl, wie wir damals mitteilten, der Handels­tag möge es ablehnen, sich über eine derartige überwiegend politische Angelegenheit zu äußern. Diese Stellungnahme ' des Vertreters der hiesigen Handelskammer hat hier auch! in sr eis innigen Kreisen Verstimmung erregt. In einer öffentlichen Erklärung giebt AdolfSimon den Empfindungen weiter Kreise also Ausdruck:Gegen eine derartige Stellungnahme der Handelskammer des Bezirks Bingen erhebe ich hiermit laut und öffentlich Protest, weil ich der Ansicht bin, daß die Handelsinteressen des Bezirks Bingen von ihrer berufenen Vertreterin nichts weniger als vertreten worden sind; die Interessen find in enw nenter Weise geschädigt worden, weil gerade der Bezirk Bingen auf Grund seines großen Handels und speziell auf Grund seiner bedeutenden Ausfuhr nach allen über­seeischen Ländern, ebenso wie alle andern weinbautreiben­den Bezirke, sein Interesse für den von der Regierung beabsichtigten größeren Schutz deutschen Handels und deut­scher Produktion hätte bekunden müssen, zum mindesten jedoch nicht den Anschein einer Gegnerschaft erwecken dürfen. Eine starke Flotte bedeutet unter allen Umständen eine Stärkung und Ausbreitung des Deutschtums im Aus­lande, 'ünd es kann daher nicht bestritten werden, daß, die unmittelbare Folge hiervon der vermehrte Konfum »voll Butzbach beschloß, em neues Realschulgebäude auf deutscher Weine ist und sein wird; überall, wo Deutsche ' 1 <r- - -m

sich zusammenschließen, wo sie in gehobener Stimmung sich der Kraft und Stärke ihres oft fernen Vaterlandes freuen, 0 .... ,

vielleicht angesichts eines gerade an ihrer weltentlegenen, I go65 000 Mark kommen. Die Leitung des Baues hat Küste erschienenen prächtigen deutschen Kriegsschiffes, da I . - ~ ~ ?

wird in erster Linie mit dem edelsten Produkt deutschen Bodens, dem deutschen Weine, des Vaterlandes gedacht..

Ä^Minbau^b ÄÄÄ ' Cuabtatmetetfüt 35 000 Mk, vorbehaltlich ministerieller

$te^r .(i s

«kK

' Bk, rbegleitung J°h'

herein» Hk"

' Montag».

.1 ' ( Sießkuer

t 8^ ' &jeruH -eben«' ' Herrn W. " stimmt. Ka4°l)l ^enhandiw^, ▼orverkanften Karto°D 2?chiebun?Ä Die gestrige Nachmittagssitzung wurde mit einem Vor-

1,11 gewünsohtendeS Chirurgen Sanitätsrat Dr. Körte eröffnet, der QaUerie oder Von Erfahrungen über die operative Behandlung der Dick'

^^diam-Krebse mitteilte und einige Patienten vorstellte, welche ----- Jahren operiert worden sind und bis jetzt keinen Rück- gezeigt haben. Der nächste Vortrag behandelte ^^vlUM ü!l°stifche Operationen. Unter plastischen Operationen man gewisse Ersatzoperationeu, durch welche irgend werten NGM Defekt, eine Wunde gedeckt oder irgend ein mißgestalteteS üDrgaii korrigiert und wieder funktionsfähig gemacht werden ä k stMkn. Die moderne Operationstechnik hat gerade diese

* v Wj in bewundernswerter Weise vervollkommnet. Dr.

lbervommen bck. ^Mungoldt (Dresden) stellte zwei Kranke vor, bet y ' »vtlchm er eine Ueberttagung von Rippenknorpel in Kehl- metne Nase vorgenommen hatte. Einen anderen be»

Xts m UäL »nürswerten Fall stellteProfeffor v. Eifelsberg (Königs. WfautMamtt 1M) ®or- Er hatte einem jungen Mann an Stelle des

f ptim iwtioren gegangenen Zeigefingers die zweite Zehe angefügt, er die Sehnen fest mit einander vernähte. Die 1 Wochen heilten glatt an, und der falsche Finger zeigte eine ermann. Hiickeichende Beweglichkeit. Auch die Herren Dr. Bunge -1, tiScni^betg) und Hirsch (Köln) stellten bemerkenswerte

Tas Geld liegt auf der Straße. Die Bars und ihre Stammgäste.

Es M eine alte, leider nur zu wahre Geschichte, daß man sein Geld auf tausendfach schnellere Weise wieder los uh». rjHöen kann, als man es je zu verdienen irn stände ist.

3,(,icn Berlin leistet darin Außerordentliches und wer «d eilbtrsach"»-ein diarr sein Leben lang" bleiben will und sich das jiiöne Dreigestirn der Freuden leuchten läßt, wird alsbald ,, sowie lUPmw Mentlicherleichtert" heimkehren können, wie das in biitjen Festtagen penn auch manchem biederen Veranügungs- vwivben gegangen sein soll. Andererseits läßt sich in Vrlin auch spielend Geld verdienen: 3000 Mark zum ersten, UM zum zweiten, 1000 zum dritten und 500 zum vierten fieife hat die Direktion des Wintergartens für die Sieger in großen Ringkamps ausgesetzt, der allabendlich ein blcchend volles Haus macht. Jeder kann mitthun und sich öie -5000 Mark verdienen, er muß nur über eine ordentliche Prtion Körperkräfte und die hübschen und gewandten verfügen, mit denen die nus aller Herren Lander Sitommengctrommelten Herkulesse Öre gespanntenZuschauer «iqö den. Man kann da sein blaues Wunder an echten Mus- tin sehn und den gewöhnlichen Normalmenschen über, fchencht ein Gefühl der Beschämung, wenn er dwse strotzen­de. Arme, diese kolossalen Brustkästen betrachtet . ^.atz dee,e ünführungen übrigens aus das große Publrlum einen BirSetttben Einfluß ausüben, 'kann niemand behaupten, itr sich einmal mit seinen Blicken von der Buhne wendet Md die Gesichter im Zuschauerraum studiert. Eine Auf- legikng ganz fabelhafter Art lagert in allen diesen Mienen, ein tolles Feuer lodert in diesen Augen, die jeben Griff,