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22.2.1900 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 22. Februar

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Zweites Blatt

Aints- und Zlnzeiseblatt für den Kreis Gieren

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RtHftWn, Expedition und Druckerei:

F4»kstratze Nr. 7.

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ungen einen anderen Modus bezüglich dieser Inspektionen zu schaffen. Die Prüfungen gruppenweise vorzunehmen, enipfehle sich keinesfalls. Der Grund, warum er diese Frage- tamfwerfe, sei der, daß der Kreisschulinspektor bei dec Prüfung unthätig sein müsse, während der Verwal­tungsbeamte dieselbe leite. Er habe allen Respekt vor den Le-rwaltungsbeamten, aber hier müsse er doch sagen, daß ebne Aendcrung erwünscht sei. Zum Schluß weist er noch- nmls auf den schlechten Zustand des Bahnhofs Griesheim

hin und wünscht Abhilfe.

Abg. Jöckel betont, der Rückzug der Herren vom Zentrum beweise, daß man den Angriff auf Seine Exzellenz den Herrn Staatsminister als abgeschlagen betrachte.

Abg. Ulrich bedauert, daß dem Abg. Schmitt bei seinem Husarenritt auf das Portefeuille des Herrn Staats- iilünisters das Pulver ausgegangen sei, und seine Ansicht, das; man in der Generaldebatte alle möglichen Schmerzen vorbringen könne, habe sich bestätigt. Denn das sei sicher, daß man dem Herrn Staatsminister nur deshalb grolle.

hier nicht vorzugehen.

Die Abg. Bähr und Köhler versichern dem Herrn Staatsminister nochmals ihre Sympathieen und sprechen dabei den Wunsch aus, daß er noch recht lange an der Spitze der Staatsgeschäfte stehenumöge. Dem Herrn Justizminister können sie nur beipflichten, daß er die Anstellung jüdischer Richter möglichst weit hinausschiebe. .

Abg. Bähr bespricht noch die Mangel in der Land­wirtschaft und wünscht hier Abhilfe.

Wegen vorgerückter Stunde wird die Sitzung um 1 Uhr- abgebrochen. Nächste Sitzung morgen vormittag 9 Uhr.

Sühne zu fordern. Denn wenn s , vergessen konnten, nicht etwa sachlich zu besprechen, sondern den Justizniinister zul verunglimpfen, so wäre es seinerseits eine Pflichtvergessenheit gewesen,

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Datkskunde.

Ldreff« für Depeschen: Anzeiger Hieß««.

Fernsprecher Nr. 51,

Mehener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Lokales und UrsvityieUes.

(Akronyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte«, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, den 21. Februar 1900.

** GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) 93dt 112 Jahren, am 22. Februar 1788, wurde der berühmte deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer zu Danzig geboren. Sein Hauptwerk istDie Welt als Wille und Vorstellung". Dieser Tuet brürf. treff­lich den Grundgedanken der Schopenhauer'schen Philosophie aus. Er verteidigte seine pesstmistische Weltanschauung mit glänzender Beredsamkeit und Darstellungsgabe. Sch. starb am 21. S ptember 1860 zu Frankfurt a- M. ____________

** Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 22. Januar dem früheren Bürgermeister Georg Reitz in Södel die Krone zum Silbernen Kreuze des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.

* Saalbau Verein. Es wird besonders darauf auf­merksam gemacht, daß das Kammermusik-Konzert in der Aula der Universität um 7 Uhr beginnt.

* Ständchen Der unter der bewährten Leitung des Herrn Paul Polster stehendeBäuerische Gesangverein" erfreute gestern abend Herrn Kaufmann Heinrich Belloff II. und dessen Ehefrau zur Feier ihrer silbernen Hoch­zeit durch ein in bekannt mustergültiger Weise zu Gehör gebrachtes Ständchen.

Lich, 19. Februar. Der hiesige Turnverein veranstaltet am Sonntag, dem 25. d. M. ein Tanzkränzchen, ver­bunden mit dem Stiftungsfeste der vor einem Jahr ge­gründeten Damenriege. Es soll ein genußreicher Abend bevorstehen, der schon garantiert wird durch die bekannte Kapelle Walk aus der Pfalz, welche der Turnverein enga­giert hat. Besondere Anziehungskraft werden die turnerischen Aufführungen der Damenriege ausüben, die abwechselnd mit Theateraufführung, komischen Vorträgen und Tänzen, dem Publikum vorgeführt werden. Nachmittags von */,4 Uhr ab findet in der Turnhalle Konzert statt.

O Burkhards, 19. Februar. Biele Personen sind hier an der Ohrspeicheldrüsenentzündung, auch Mumps, Ziegenpeter oder Bauerwetzel genannt, erkrankt.

§ SelterS, 20. Februar. In unserem Pfarrhause, einem der ältesten Gebäude des Dorfes, wohnte im Jahre 1662 der aus W. O. von Horns Erzählung:Die Schreckensjahre von Lindheim" bekannte gefürchtete Hexen« Verbrenner Amtmann Georg Ludwig Geiß. Im Jahre 1662 wurden elf Weiber aus verschiedenen Orten de- Amtes Ortenberg der Hexerei angeklagt, und auf der Haardt", eine halbe Stunde von unserem Dorfe entfernt, hingerichtet. Von den Weibern waren zwei aus Enzheim, zwei von Gelnhaar, vier aus Selters und drei aus Bleichen­bach. Die drei Weiber von Bleichenbach hießen: Maria Kröll, reformiert, Maria Konus, luth., und Eva Evaldis, Vei genannt. Die letztere war Hebamme. Ihr ward noch besonders zur Last gelegt, daß sie, vom Teufel angetrieben, viele Kindlein bei der Geburt ums Leben gebracht, und dabei teuflisch gelacht habe. Nachdem die anderen Weiber

»MC »" Anzeigen zu der nachmittags für de» UfaiBfcai »scheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. MtzefteSungen spätesten- abend- vorher.

Theater.

Satisfaktion.

Schauspiel in 4 Aufzügen von Alex. Baron von Roberts.

(Gastspiel von Hubert Dietzsch im Theaterverein, Freitag, den 23. Februar.)

Wenn man einen ausgereiften Künstler fragt, an ivelchen Orten er seine künstlerische Laufbahn begonnen habe, so wird man in den meisten Fällen die Antwort er­holten, daß er zuerst an kleinen oder an kleinsten Bühnen gewirkt habe, und vielfach wird er das Bekenntnis hinzu- riigen, daß gerade die kleinen Verhältnisse für seine Aus- biEbung von größtem Wert gewesen seien. Denn an einer tlemcn Bühne werden ihm am ehesten größere Aufgaben Mellt, er wird vor allem auch vielseitiger beschäftigt, und mideckt vielfach auf diese Weise, daß er für ein anderes flollenfach mehr talentiert ist, als das zuerst gewählte.

So ist es für den jungen Künstler kein Schaden, wenn er zuerst an kleineren Bühnen wirkt, und andererseits thun diese gut daran, vorzugsweise mit jüngeren Kräften zu arbeiten, da sie ältere Künstler von Bedeutung doch nicht zu Mein vermögen; für das Publikum aber liegt ein «enoisser Reiz darin, die Entwickelung eines jungen Talents zu beobachten, und ist diese eine fortschreitende auch in den joMeren Engagements gewesen, dann wird es einen ganz

Daß die Leistungen des Herrn Dietzsch auch über die Mauern diürnbergs hinaus Beachtung gesunden haben, beweist eine große Zahl ihm zugegangener Engagements­anträge. Vorläufig ist er freilich noch an Nürnberg ge­fesselt, bis Herbst 1901, aber schon jetzt hat er einen Kontrakt mit einer preußischen Hofbühne unterzeichnet, die ihn unter glänzenden Bedingungen auf eine längere Reihe von Jahren gewinnen will. An dieser Bühne wird er demnächst ein Probegastspiel absolvieren.

Für sein hiesiges Gastspiel hat Herr Dietzsch die schöne Rolle des Malers Werner Voltz in dem spannenden Schau­spielSatisfaktion" gewählt. Dasselbe behandelt die Frage, ob eine Herausforderung zum Duell unter gewissen Ver­hältnissen abgelehnt werden kann. Während der General v. Witterstedt für absolute Verneinung der Frage ist, meint der Maler, sie bejahen zu müssen; trotzdem glaubt auch er die Lösung eines Konflikts schließlich nicht anders herbeiführen zu können, als indem er selbst den Vetter seiner Frau zum Zweikampf herausfordert. Die große Rolle der Elly Voltz, Werners Frau, wird Frl. Hammer spielen.

Wir wollen auch an dieser Stelle darauf aufmerkfam nrachen, daß wegen des voraussichtlich starken Besuchs dieser Gastvorstellung aus allen Kreisen unserer Bevölkerung außer den bekannten Plätzen zu Mk. 4. 3,50. 2,25 und 0,60 (für Studenten und Schüler zu Mk. 1 und 0,40) auch Plätze zu Mk. 1,25 (nummerierte Sitzplatze auf der Mrttel- gallerie) verkauft werden.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Landstäude.

nn. Darmstadt, 20. Februar 1900.

Die Sitzung tvird'um|10 UHr! eröffnet. Am Ministertisch Staatsminister Rothe, Finanzminister K ü ch l e r, Justiz- Minister Dittmar sowie die Ministerialräte Braun, Breid ert, Ewald und Eis en Huth.

Die General-Debatte über das Finanzgesetz wird heute noch fortgesetzt.

Abg. v. Brentano weist den feiner Partei von der Mehrheit der Kammer gemachten Vornmrf, als beabsichtige sie den Sturz des Staatsministers Rothe, mit Entschieden- hc it zurück. Die Pflicht eines jeden Abgeordneten sei es, Mängel im Staatswesen zur Sprache zu bringen, und wenn al<' Grund der Unzufriedenheit die Mainzer Bischofswahl in 5 Treffen geführt worden sei, so sei die Rede des Abg. Schmitt nach dieser Seite hin falsch aufgefaßt worden. ine Partei wolle den konfessionellen Frieden, und durch Anerkennung der Gleichberechtigung aller christlichen Kon- sc,sionen gebe sich dieselbe im Interesse der Allgemeinheit Mühe, jeden hervortretenden Gegensatz zu mildern und möglichst wenig in die Erscheinung treten zu lassen. Wenn di«e Rede des Abg. Schinitt in anderem Sinne aufgefaßt werden sei, so müsse er dieses im Interesse seiner Partei richtig stellen. Dieses seien die Bemerkungen, welche er iilc Steuer der Wahrheit abzugeben habe.

Abg. Pennrich unterstützt die Worte des Vorredners umd weist ebenfalls die Absicht, als sei man mit der Per­sönlichkeit des Herrn Staatsministers nicht zufrieden, mit Entschiedenheit zurück. Er bespricht Mißstände im Bahnhof zu Bingen und hofft hier auf Abhilfe, insbesondere da bte Stadt Bingen für Hafenbauten bedeutende Mittel ver­ausgabt habe. Er sagt dem Finanzminister Dank für die rasche Einführung der Staatslotterie, welche sicher der Süaatskasse bedeutende Einnahmen ergeben werde. Der Ec ledigung der Wohnungsfrage im Sinne der bereits gestellten Anträge kann er nur zustimmen, ebenso bezüglich der Errichtung von neuen Gymnasien, insbesondere in

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besonderen Reiz gewähren, den Künstler von Zeit zu Zeit auf der heimischen Bühne wiederzusehen, und sich von dem Wachsen seines Könnens zu überzeugen.

In dieser angenehmen Lage befindet sich das Gietzener Publikum am kommenden Freitag: Herr Dietzsch, welcher im vergangenen Winter Heldendarsteller an unse­rem Theater war, wird an diesem Abend als Gast auf­treten. Bekanntlich wurde er von hier aus an das Stadt­theater in Nürnberg engagiert, und wie uns vorliegende Rezensionen Nürnberger Zeitungen beweisen, erfreut er sich dort derselben Beliebtheit wie in Gießen, lieber seinen Bolingbroke imGlas Wasser" schreibt z. B. die Kritik: Herr Dietzsch hat sich mit seinem Bolingbroke den unge­teilten Beifall aller errungen. Geistvoll und weltgewandt, als echten Diplomaten, als Gesellschafter mit köstlichem, geradezu bestrickendem Humor begabt, treu als Freund, und ehrlich als Feind, so haben wir, danß der trefflichen Darstellung des Herrn Dietzsch, den Lord Bolingbroke kennen gelernt". Und Dom einer Aufführung des Egmout heißt es:

Vor allem war der Egmont des Herrn Dietzsch eine prächtige Leistung. Seine schöne, stattliche Erscheinung erfüllte eine wichtige Vorbedingung. Seine vornehme Na­türlichkeit in Spiel und Vortrag kam dieser ritterlichen Gestalt nicht minder zugute. Ihr Wesen, die sonnige Lebensfreude, das starke von einer liebenswürdigen Eitel­keit nicht freie Selbstvertrauen, die unbekümmerte Zuver­sicht des Helden sand vollen Ausdruck."

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Abg. Backes fragt, ob es sich nicht empfehlen wurde, Stelle der regelmäßigen Kreisschul-Kommissions-Prüf-

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sind an der Kasse fit­en Vorsitzenden, Hem ?

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weil Derselbe einen derjenigen Kandidaten gestrichen, die der Abg. Schmitt nicht gestrichen haben wollte. Bedauer­lich sei es, daß ein Abgeordneter über nicht verliehene Ordensdekorationen und Eharaktererteilungen Klage führe, und für Dienerseelen, die am Knopflochfieber leiden, ein­trete. Mit der Arbeit des Herrn Staatsministers sei seine Partei zufrieden, weil ein frischer Zug durch das Ministe­rium gehe, und weil auf dem Gebiete der Sozial­politik und auf wirtschaftlichem Gebiete bedeutende Fort­schritte zu verzeichnen seien. Bei der Eisenbahn-Po­litik des Herrn Finanzministers sei es bedauerlich, daß derselbe den Privat-Gesellschasten zu viel Raum gebe. Augenblicklich bestehe ein Projekt, ganz Starkenburg mit elektrischen Bahnen zu überziehen, er hält dieses für sehr gefährlich, weil nach dem hessischen Eisenbahngesetz es den Städten nicht einmal möglich sei, zu verhindern, daß diese Bahnen durch die Straßen der Städte geführt werden. Damit aber würden alle Straßen der Stadt diesen Bahnen ausgeliefert werden. Der Finanzminister müsse diese Ge­fahr erkennen, und er müsse hier mit Rat und That eintreten, um dieses Vordringen der Privat-Gesellschaften zurückzuweisen. Der Herr Justizminister habe seine, des Redners, Anschuldigungen für nicht richtig hingestellt be­züglich des Gießener Falles und des Falles Wolff- Offenbach. Er stelle hier fest, daß er alles Gesagte aufrecht erhalte. Was die Anklage der Frankfurter Zeitung und der zwei Mainzer Blätter betreffe, so hätte die Regierung besser gethan, hier nicht einzugreifen. _ Im Volk habe man hierfür kein Verständnis gefunden, daß Zeitungen, weil sie Mißstände aufgedeckt, auch noch bestraft würden. Die Re­gierung hätte' hier sagen sollen:Alle heran oder gar keiner". Wegen des unparlamentarischen Ausdruckes Dienerseelen und ins Knopfloch spucken" wird der Abg. Ulrich zur Ordnung gerufen.

Justizminister Dittmar stellt fest, daß die Er­hebungen über einzelne Fälle noch nicht abgeschlossen; nach Schluß derselben werde er Auskunft geben. Bezüg­lich der Wolff-Köhlerschen Affaire habe die Staats­anwaltschaft aus dem Grund keine Anklage erhoben, weil der § 193 des Str. G. B. nicht erfüllt worden sei. Die Straf­verfolgung verschiedener Zeitungen beleuchtet er nochmals in eingehender Weise, um so vor dem ganzen Land zu beweisen, daß das Eingreifen der Staatsanwaltschaft wohl nötig gewesen sei. Dem in seinem juristischen Gefühl ge­kränkten hessischem Volk sei er es schuldig gewesen, eine * ~ sich diele Blätter so weit

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