Freitag den 21. Dezember
150. Jahrgang
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12.
öthftien, Expedition und Druckerei:
Fchulstrntze Nr. 7.
Troß dieser Neueinführung bezw. weiteren AusffätL ung einzelner Reälfächer soll eine Einschränkuna ''Va,^tf^en// Bildungsfächer nicht angängig sein, vielmehr toTiaitneafltemre I^ung Set Un^nichtsstunden in AUSficyt gestellt. Wie das in der Praxis burdßaefiifirf ^nr&hnaKas?e iS "*?* verständlich und toir fürch! n, fraß die Reform der Gymnasien in diesem Piinkte scheitert. Wir sind auf &ie folgenden Ministerialerlasse gespannt bte in den Stundenplan der humanistischen or.L Ä °^ne mit Berstarkunq der KLn Facher, dem modernen Bildungsstchf eine breitere Grund! vtSL 9roßeren Raum verschaffen. Das Gespenst der .ängstlichen Gemütern schon auf. Auch daß zwischen den einzelnen Unterrichtsstiinden Sitr/k ÄtwsmsSS SlÄfe flen>or6en. Ein'
Hessischer Zandtag.
IwtiLe Kammer der Stände.
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>»i»gm" von Anzeigen zu der nachmittag- für den Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abend- vorher.
Crsioofuiillerricht des Griechischen eingeführt werden und suri die oberen Klassen an die Stelle des Franzö fisch, nn tneten, das dann nur als fakultativer Gegenstand bei Mitten wird. Gemäß der Mahnung: Multum, non »inLb ist mehr als früher darauf Bedacht zu nehmen, mn di e wichtig st en Unterrichtsfächer in de iikvr der gründ gerückt und vertieft werden. In dere griechischen Sprache soll es weniger auf „unnütze AOVMliiL'Tt" ankommen, als besonders auf die „ästhc- tifiv-e Auffassung", wie auf den „Zusammenhang
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Willigen Mej
Mm Jreunbe Md t ” »roeSmerfteifei k,
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wahren und sich selbständig weiter entwickeln, durch die einzelnen Ausführungen aber fließt immer mehr „wichtiger" Realstoff in die Gymnasien hinein, was ohne Einschränkung der klassischen Fächer und Beeinträchtigung des „Charakteristikums" kaum möglich erscheint. Die kommende Zeit wird 'in dieser Beziehung uns gewiß 'bald Aufklärung verschaffen. Am Ende der Erlasse und der Reform sind w-ir noch lange nicht ängelangt.
"Darum 'ist's für uns in Hessen gut, wenn wir zunächst die in PreuHen angebahnte Entwickelung der höheren Bildungsanstalten a b w a r t e n, ob für unsere Verhältnisse etwas Ersprießliches dabei herauskommt. Das, was wir praktisch mitzumachen hätten, wäre die Gleichstellung der verschiedenen An st alten bezüglich 'der Wahl der Berufe. Sobald Preußen darin vorangegangen sein wird, werden wir nicht mehr zurücksteherr können. Im übrigen heißt's: Abwarten. Dieser neueste Erlaß zeigt uns, wie sehr die im Jahre 1892 Recht hatten, die der angeregten Reform weniger angeregt gegenüber standen. Wir sehen schon jetzt, nach acht Jahren, manches Eingeführte ausdrücklich widerrufen, anderes Verworfene in sein altes Recht wieder eingestellt. Die Zeck der Stabilität ist in dieser Angelegenheit noch nicht gekommen.
-M.2SS Zweites Blatt
£ »e Reform der höheren Bildungsnnstalte« in Preußen.
Dunch einen vom preußischen Kultusminister gegen- yeg’iMiirten Erlaß vom "26. November hat bekanntlich der
der Durchführung dieses Gedankens wird von verschiedenen Seiten seit längerer Zeit gearbeitet, jedoch wollen die eingefleischten Humanisten für die Gymnasien allein die Berechtigung zur Ergreifung aller Studien in Anspruch nehmen und den anderen Anstalten nur die mehr realistischen Studien zugestehen. Jetzt aber wird's in Preußen anders werden, das klar gesprochene königliche Wort ist gefallen und der Kultusminister, der die Gedanken sich zu eigen gemacht Hut, wird für die Durchführung Sorge zu tragen haben. Das bedeutet für die anderenStaaten nichts anderes, als den in Preußen gecharterten Sck)ritt n ächz um ach en. Als ein Unglück künnen wir das nicht ansehen. Denn es ist doch so, daß die Abiturienten einer realistischen Anstalt für manche Studien eine viel größere und umfassendere Vorbildung mit auf die Universität bringen, als die der Gymnasien, und trotzdem haben nur diese die Berechtigung dazu. Wir nennen nur die Medizin und können nack) wie vor nicht einsehen, warum dieses Studium den Realabiturienten bis jetzt verschlossen geblieben ist. Das wird für die Folge sich ändern. Die realistischen Bildungsfächer haben ihren Wert und ihre Bedeutung und ersetzen nach unserer Ansicht das auf den Gymnasien mehr gepflegte und göübte Latein und Griechisch. Auch sie dienen dazu, den Jüngling zu einem höheren Bildungsgang geeignet vorzubereiten.
Wer aber glaubt, durch den Erlaß sei das Problem der Gymnasien gelöst, der irrt sich. Die Schwierigkeiten bleiben zunächst und werden noch andere Erlasse Hervorrufen. Es ist daran zu erinnern, daß inder Ausbildung der beiden alten Sprachen die Gym- nasien läng st n'icht mechr in ihrer alten Leist- ungsfähigkeit da steh en. Mit der Zeit ist „unerläßlicher" moderner Bitdungsstoff eingedrungen und die „klassischen" Unterrichtsfächer Hatzen n-icht unerhebliche Ein büße dadurch erlitten. Das ist an sich keineswegs zu beklagen. Die gewaltigen Errungenschaften auf dem Gebiete der Naturwissenschaft und der Technik konnten den Gymnasiasten wenigstens in ihren Hauptteilen nicht vorenthalten werden. Auch sie mußten sich eine Stätte in den Gymnasien verschaffen. Außerdem ist nicht zu vergessen und das wird u. E. keineswegs genug gewürdigt — daß unsere deutsche Sprache durch unsere Geisteskoryphäen Herdes Klopstock, Lessing, Goethe und Schiller dann Gustav Freytag, Will). Jordan rc. mit Fug und Recht den alten Sprachen an die Seite gestellt werden kann, und das, was das Studium dieser erreichen sollte, zum Teil wenigstens durch das Verständnis unserer deutschen Dichter ersetzt wird. Auch aus diesem Grunde 'ist der Drill int 7^inischen und Griechischen nicht mehr so nötig, wie früher. Zu Gunsten der Reälfächer auf den Gymnasien hat der König von Preußen durch seinen jüngsten Erlaß elngegnffen. Wegen seiner großen Bedeutung soll das Englijche als obligatorischer Lehrstoff eingeführt iverden, । wodurch es gestattet wird, in den oberen Klassen das Fran- zostsche in die fakultativen Unterrichtsgegenstände einzu- reihen. Die naturwissenschaftlichen Fächer sollen durch Experimente und Exkursionen mehr gepflegt, die Phyfik und Chemie mehr nach der „angewandten und technischen Seite" unterrichtet werden. Auch der Geschichtsunterricht wird eine Erweiterung erfahren. Welches die vernachlässigten „wichtigen Abschnitte der alten Geschichte" sind, läßt sich nur vermuten. Wahrscheinlich wird mehr die kaiserliche Zeit zur Darstellung zu kommen haben, die in der That .gegenüber der sehr ausführlich behandelten repu- os»anischen Periode etwas stiefmütterlich wegkommt. Daß die Geschichte der allerneuesten Zeit mit ihren Idealen uud gewaltigen nationalen Errungenschaften meist nicht gebührend berücksichtigt wird, weiß jeder, der ein Gym- I früheren Jahrzehnten absolviert hat. In dem I l anCn "^Z^rzehnt ist das allerdings anders geworden. Aus I Voia= Zeit" kam man früher selten über das Jahr 1815 hinaus. Daß hier Remedur bereits geschaffen wurde I '^urg reulich. Jetzt aber scheint uns^ein noch Mehr nicht wünschenswert. y ’ I
~ . M"G- Darmstadt, 19. Dezember.
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noch ‘ ^ Stiftungen, die den Schullehrern
Einarisf glommen, solle der Staat einziehen. 'Den Eingriff in gewisse Eigentumsverhältnisse wieae nirftf- ®»rStaa EZ- gutL «XÄ
tofffpa h Recht, einmal ein qe
Uolitische Tagesschau.
Holländische Kolouialgreuel teilt der „Vorwärts", dem wir die volle Verantwortung für seine Mitteilungen überlasten wüsten, mit. Er schreibt u. a.:
In Deli (Nord Ost-Sumatra) befinden sich die Tabakfeld er des holländischen Kolonial-Ministers. Die Arbeiter sind zum Teil Javanen, vornehmlich aber chinesische Kulis, die aus Süd-China etwa wie Kisten mit Kaffee oder Zucker auf einander gepackt nach Indien versandt werden. So erreichte im Juli dieses Jahres der unter deutscher Flagge fahrende Dampfer Decima den Hafen Belawan (Deli); er hatte | Ee Ladung von 671 Chinesen, ausgemergelte und räudige Gerippe, und eine Anzahl Kinder, nicht älter als acht oder zehn Jahre, die unter der Hand mitgepreßt waren. Sie weigerten sich an Land zu gehen, weil sie sich für Sinqa- pore (Engl. Indien) verpflichtet hätten. Der Schiffskapitän hatte aber die Ordre, sie nach Deli zu bringen. Es stellte sich heraus, daß sie auf Spekulation nach Deli geschickt waren. Der Negierungsvertreter suchte sie auf, und versuchte sie zu bewegen, auf den Tabakfeldern an die Arbeit zu gehen. Sie weigerten sich aber, und das Schiff fuhr Auf einem der internationalen Kongresse für Medizin, die diesen Sommer in Paris abgehalten >°urd-n, 'eilte der Russe Dr. I. A. I. Tschudnvwrky. der als Militärarzt in der holländischen Kolonialarmee gedient hat, u. a. das Folgende mit:
.. "Am Januar 1896 kamen drei chinesische Schiffe mt (in Sein f2iffpn°mri4rOrUnb Schiffskapitän verbot, sie auszu-
Ä verkauft wären. Die Cholera war an
®otb, und bis 8. Februar 1896 waren 51 gestorben/ 27 erkrankt und ^8ef,eat Das grüßte Elend' herrsch.- y ® 0 n n e o e t f e n g t e bic Kulis und sie hatten nichts zu essen. Die Kulik aufleute verboten ihnen Die dret Kapitäne wurden arretiert, die Regierung ließ Sveil^chbune ^r die Unglücklichen bauen und gab ihnen Waffe? mW ' "Oft verweigern Kults die Arbeit, weil sie sich krank J P§°vzer schicken sie dann in ein Krankenhaus, wo man
£nnr SiPeMmi9$- A,a9e? rurückschtckt unter dem Vorwande, daß sie nicht ^ank seien. Sie werden dann unmittelbar von den Plantagen ins ® J ^schickt, wo man ihnen eine körperliche Züchti- 8 u n 8 erteilt, wegen „Verweigerung der Arbeit"." °
Arzt». Matton erklärte auf demselben Kongresse: "34 habe zahlreiche schnelle Todesfälle qesehen der körperlichen Bestrafung von Kuli- in Borneo und tn Sumatra."
nblH" .zsachÄin 'einen größeren Raum in den höheren Lehr- ** zu verschaffen bestrebt sind, ist der Erlaß schon
... HfllfJ ™ - ,Tugli kirn Grunde aufs freudigste begrüßt worden, weil -kl * ? iS. ^der Anstalt ihre Eigenart bewahrt bleiben soll.
gelb- T* Wher aufgetauchte Gedanke einer „Einheitsschule" r x 93 falten gelassen, und die strengen Humanisten nic^ Zu fürchten, daß den Gymnasien das genommen werde. Weniger Anklang wird viel- '■ gewissen Kreisen' die, in'Äussicht«gestellte Gleich- ue ^t'/gung der Gymnasien mit den Real- .uisüllsien und Oberrealschulen finden. An
, Koi tski in die Entwickelung der höheren Bildungsan- iiau ten i n Preußen, der Gymnasien, Realgymnasien und
11 lÄLireci! schulen, eingegriffen, dieses Mal tiefer und be- ftilfcpiter, als im Jahre 1892. Die beiden ersten Sätze deÄ Lrlasses enthalten die allgemeinen Gesichtspunkte, biej jür die Reform maßgebend sein sollen, während die an^ eren die -Linzelforderungen zum Ausdruck hringen. drei höheren Lehranstalten sind „in der Erzieh-
S ä® die tn Preußen seit 1892 besteht, soll gänzlich M (l li JIHgfan kommen, da sie den damals gehegten (£-rtoart= eitag dm 2l< -"n» fingjU nicht entspricht. Die sog. Reformgymnasien, wie ti,s «vö lthtkS > id Jt Zeit in Frankfurt a. M. und Altona bestehen, u” 3. W -uerftn als in der Praxis bewährt erwähnt und da,
“ ♦Li ll>o yte Voraussetzungen zutreffen", deren weiteren Ein- tdi«cn wegen des „nicht zu unterschätzenden [Ji mUW»* oaim(.en Vorteils" empfahlen. Der Erlaß hat den WodraMlN' Zw-«Ä „die^Gegensätze zwischen den Vertre- eflittlett humanistischen und realistischen
haben® 11 n9 zumildern und einem 661:^^611» )eun/iusgleich entgegen zu führen".
. 'uc König von Preußen will ein nickst leichtes Problem ■— ' w,e n. Zju beachten ist, daß die Vorschläge nur in der tj in t WN Wünschen vorgetragen sind, und es wird an IPII II V*' ?eiLt «tzulbehorden und Direktionen liegen, die köniq- ! ich«M Mdankeu in die Praxis umzusetzen. Das aber ,AttJ ivirst» nicht leicht sein. Neue Schwierigkeiten werden er- V"| aie süh der Ausführung hemmend in den Weg c 8 steten. Diese sind offenbar als nicht zu schwierig an- gesS'Hen worden, denn die Gegenzeichnung des verant-
~/ k . Mdcheit im Sprechen wird als das Ergebnis des lyttilddilW 'luugemästs in den neuen Sprachen erstrebt, und im > z;, ssüüchtsun ter richt sollen wichtigere Abschnitte der ir verehMen MM' sttcmi beschichte und die Geschichte des 19. Jahrhunderts nuikta^ Süim MM gröM Berücksichtigung finden. Die Erdkunde und r autzttordtirUt«w erns Ze iche n u n ter richt sollen ausschließlich in die sarnmlturg nn « -aiifcoon Fach lehrern gelegt werden und dieser von ,ariv«auf , >enWig<en SckMlern mehr besucht werden, die sich- den Samstag deo *** wiitui^iffenschaften, der Mathematik und der Medizin abkvds W " widMn, daß sie „das Angeschaute in rascher Skizze dar- ;usti«llm" vermögen. Im naturwissenschaftlichen jaarforbnunfl:,, ckuttaiicht haben neben die Experimente häufigere Ex- ifii,ihnadii9feieT wtt kur-Hneu als belebendes Element zu treten. Eine wesent- / 'ÜY>'Äwstärkung der zu kurz bemessenen Pausen wird $trder:«tzcsundheit der Schüler förderlich sein. Tie Abschluß- __—TT'uvC. utlt Nil, d. i. die Prüfung am Schlüsse der Unter-
UBwaigj' 1 ' 9 1 T allgemeinen Geistesbildung" als gl eichwertig anzusehen bezüglich der Berechtigung TAU Ja,., i11 *| Mil der Berufe, unter dem Vorbehalte der Er- (yfi ) #mö|n gäiirmg der Fächer, deren Vorkeuntnisse für manche _ utLDieii und Berufszweige unerläßlich sind. Dement- ine qrößmAuiwabl sp^eiitn soll aus eine Verallgemeinerung des me größere »utoaDI r e Est i schen Wissens hingewirkt werden, ttttltxiii Ä- 1 v der grundsätzlichen Anerkennung der Gleich- ' 1 ('rtigfeiir ist für jede der Anstalten die Möglichkeit ge-
gctl«n, sich, in ihrer besonderen Eigenart zuent- M 2.20 / w »-'«Iclin. Darum wird den Gymnasien und Realgym-
'' 1 naMkndas Lateinische, den ersteren das Griechische,
Bll fiv? blCJ beibi* seit 1892 bedroht erschienen, als das Wesen der bei .'.instalten ausmachend, in dem alten Umfange örstchnr, wi»k.^r z ugesprochen und in Berücksichtigung „der großen -rrnmnä--'eMutumg, welck)e die Kenntnis des Englischen ge- MMgt 'O.nneir-, soll diese Sprache bis zur Unte?-Sekuuda als
uwytlidjcn Ministers soll die Bürgschaft dafür abgeben, iifl baM die Wünsche nicht nur auf dem Papier stehen bleiben' N Äon allen Seiten, sowohl von den Vertretern der IV huininiMschen Bildung, als auch von den, die den Real-


