Ausgabe 
21.12.1900 Erstes Blatt
 
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Umlegen der in Betracht kommenden Plätze Aenderung ge­schaffen werden kann.

Von der gestrigen Aufführung dürfen wir ohne Be­denken bekennen, daß sie zu den schönsten gehört, die ter akademische Gesangverein und die verstärkte Re­gimentsmusik geboten haben, seit sie unter Traut­manns belebender Leitung stehen. Wir haben schon wieder­holt die großen Verdienste betont, die sich unser geschätzter Universitätsmusikdirektor um die Hebung des akademischen Gesangvereins erworben hat, und berichten auch heute wieder gern, daß seine großen Bemühungen um die gute Sache schönen Lohn gefunden haben um so mehr, als die geradezu glänzenden akustischen Verhältnisse unserer Stadt­kirche alles in einer Weise zur Geltung kommen ließen, wie wir sie leider seit Jahren nicht mehr gewöhnt waren. Es dürfte thatsächlich nicht viele Kirchen geben, deren Akustik sich für d:e Aufführung geistlicher Oratorien in so hervor­ragendem Maße eignet, wie unsere Stadtkirche, und wir sprechen die Hoffnung aus, daß die Schwierigkeiten, welche sich derartigen Aufführungen hindernd in den Weg gestellt hatten, nunmehr für alle Zeiten beseitigt sein mögen!

Mit den vorzüglichen Leistungen des Chors und des Orchesters, standen die Darbietungen der Solisten rm Allgemeinen auf gleicher Höhe. Die Damen Staege- mauu (Sopran) und Stapelfeldt (Alt) erwiesen sich als Sängerinnen von hoher künstlerischer Begabung, die den Ansprüchen, welche ihre Partieen an sie stellten, mit großem Eifer gerecht zu werden sich bemühten. Fräulein Stapelfeldt dürfte gestern diejenige gewesen sein, deren Leistung die größte Anerkennung von den beiden Damen gefunden hat, denn Tonbildung, Textaussprache und Auf- faffung zeigten sich bei ihr aus einer Höhe der Vollendung

die kaum einen Wunsch offen ließ. Auch Fräulein Staege- mann leistete technisch Vorzügliches, vermochte aber in der Auffassung unseres Erachtens nicht immer das zu erreichen, was einer völlig einwandfreien Wiedergabe der Partie nicht fehlen dürfte. Die Herren Di er ich und Leime r, welche die Soli für Tenor und Baß übernommen hatten, zeigten sich in jeder Beziehung als würdige Vertreter ihrer Partieen. Herr Dierich war in Gießen bisher nicht be­kannt, doch ging ihm ein so vorzüglicher Ruf voraus, daß man nur eine hervorragende Leistung von ihm erwarten durfte. Daß er diese Erwartung nicht getäuscht hat, hat das gestrige Konzert in schönster Weise bewiesen, denn er zeigte sich stets auf einer Höhe der Vollkommenheit, die seinen jüngeren Kollegen nur als leuchtendes Beispiel gelten kann. Ihm stand würdig zur Seite Herr August Leimer, ter in Gießen kein Fremdling mehr ist und in der gestrigen Wiedergabe der Baßpartie den Beweis erbracht hat, daß sein Streben nach Vollendung in jeder Beziehung von Er­folg gekrönt ist. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle tee Durchführung der Orgelpartie bleiben, die Herr Otto Görlach mit gewohnter Meisterschaft ausführte und mit der er ein wesentliches Verdienst am guten Gelingen des Ganzen erworben hat. Wenn die gestrige Aufführung in Folge des großen Umfanges des Werkes auch nicht frei von Streichungen blieb, so kann das keinen Vorwand zu Aus­stellungen geben, denn alles, was geboten wurde, war so vorzüglich, daß es den höchsten Anforderungen gerecht wurde. Wir möchten daher den heutigen Bericht nicht ohne die Bemerkung schließen, daß das gestrige Konzert eine wirk­liche musikalische Großthat war, die sämtlichen Beteiligten zur Ehre gereicht.

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Erstes Blatt Neitag den 2l. Dezember 150. Jahrgang-OG

Gießener Anzeiger

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7. I DlStter Mr hessische NaiKsKunde. ! ^.m.

Amtlicher EeU.

Gießen, den 18. Dezember 1900.

B 8etr.: Die Einrichtung der Arbeitsbücher.

DiS Großherzogliche Kreisamt Gießen »»«Aroßh. Polizeiamt Gieße» und die Großh. WkiirgermeistereieuderLaudgemeiudeud^SKreiseS.

Durch das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetz- juief urib durch die Novelle zur Gewerbeordnung vom 3GL fluni l. IS. haben die auf die Arbeitsbücher sich be- VeiSjtnbcrt Bestimmungen eine veränderte Fassung erhalten, »'Ltlche e inige formelle Aenderungen in der Einrichtung der AMitSkücher erforderlich machte. Einer weiteren Verwen- dmrig bre bereits an die Arbeiter ausgegebenen Exemplare stvtzkn Bedenken nicht entgegen, dagegen dürfen neue Ar- beiWvcher nur nach dem neuen Formular zur Ausgabe geij«angeir. Der Neudruck ist vom 1. Januar k. IS. an vom der Brill'schen Druckerei in Darmstadt zu beziehen.

von Bechtold.

Gießen, den 8. Dezember 1900.

B^rtr.: Die Regelung deS Lehrlingswesens, hier Ermitte­lung der Personen deS Handwerkerstandes, welchen die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind.

Ms Großherzogliche Kreisamt Gießen i,mdas Großh.Polizeiamt Gieße« und die Großher- - gliche» Bürgermeistereien der Landgemeinde« des Kreises.

Sie wollen ein Verzeichnis der Personen, welchen zur- ;a'hH bie bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind, nach dem : aiGchenden Muster aufstellen, und bis zum 5. Januar am ins einsenden.

v. Bechtold.

Verzeichnis der Personen, welchen die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind.

O

üfe Vor- und fc. Zuname

Ge­werbe

Wohn­ort

Strafe

Ende des

Ehr­verlustes

Bemerkungen

Bekanntmachung.

Am Sonntag, 30. Dezember, 3y2 Uhr nach­mittags wird der Großh. Direktor Herr Dr. v. Peter von Friedberg in der Wirtschaft von Stein am Bahnhof zu Lich einen Vortrag über Feldbe­reinigung halten. Ich lade dazu jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein und bitte die Herren Bürgermeister von Lich und den Nachbarorten um orts­übliche Bekanntmachung.

Gießen, den 18. Dezember 1900.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins, von Bechtold.

Die Strandung derGneisenau.

Kapitänleutnant Werner meldet aus Malaga: ES stellt sich heraus, daß außer den bisher als vermißt Ge­meldeten noch die Schiffsjungen Pramschiefer und Ludes vermißt werden. Schwer verletzt sind: der Matrose Pagel (Lungenentzündung), der Schiffsjunge Hoeck (Gehirnerschütterung) und der Schiffsjunge Gel ha ar (Kopfwunde). Ihr Zustand wird aber als nicht lebens­gefährlich bezeichnet.

Nach einer Meldung aus Madrid fand am Mitt­woch bie Beerdigung des Kapitäns Kretschmann mit allen militärischen Ehren statt, die vom Estremadura- Regiment erwiesen wurden. Die Behörden, alle dienstfreien Militärs, das Offizierkorps des englischen KreuzersBlack" und des von Malaga abgegangenen zweiten Kreuzers, so­wie die Besatzung aller Handelsschiffe wohnten der Be­erdigung bei.

Bis jetzt sind 200 Gegenstände an Land ge­spült, aber keine wetteren Leichen. DerRumpf der Gneisenau" ist infolge des furchtbaren Wellenschlages in Stücke geborsten. Der Madrider deutsche Militär-Attachs ist in Malaga, um den Beerdigungen der Verunglückten beizuwohnen. Das Befinden der Kranken im Hospital hat sich bedeutend gebessert. Von den beiden tätlich Verwundeten ist einer bereits außer Gefahr. Unter den heldenmütigen Rettern ist besonders zu erwähnen der Steuermann des Schiffes Amelina, der mit eigener Lebens­gefahr einen Maschinisten und einen Matrosen rettete, ferner verschiedene spanische Fischer und der Kapitän des ita­lienischen Schiffes Flavio Gioja, der in einem Boot gegen die Wogen kämpfend verschiedene Matrosen rettete, sowie ein in Malaga ansässiger Franzose, der sich ganz entkleidete, sich ins Waffer stürzte und mehrere Schiffbrüchige reitete. Dabei wurde er gegen den Felsen geschleudert und an Händen und Beinen verwundet.

Für die Hilfeleistung, die der britische Admiral in Malaga den Schiffbrüchigen derGneisenau" zu Teil werden ließ, hat der Kaiser in einer Depesche seinen besonderen Dank ausgesprochen. Kaiser Wilhelm depeschierte dem Admiral Fisher folgendes:

Mein Konsul telegraphiert, baß Sie freundlicherweise zwei Schiffe zum Beistand für unsere armen Leute in Malaga gesandt haben. Ich beeile mich, Ihnen aufrichtig zu danken. Ihre Handlvng zeigt wieder einmal, daß die Seeleute auf der ganzen Welt Kameraden sind und daß Blut dicker ist als Wasser.

Die englische Botschaft in Berlin hat im Namen der Königin Viktoria dem Kaiser und der deutschen Regierung deren tiefstes Beileid ausgesprochen anläßlich des Verlustes, den die deutsche Marine durch den Untergang des Schul­schiffesGneisenau" betroffen hat.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Sultan, schickte einen Abgesandten zur deutschen Botschaft, ter den Ausdruck seiner Teilnahme übermittelte. Unter dem Patro­nat des Sultans hat sich ein Komitee gebildet, dem auch mehrere Mitglieder der deutschen Botschaft angehören, um nach dem Begram Fest zugunsten der Familien der Verunglückten derGneisenau" ein Konzert zu ver­anstalten.

Das Centralkomitee der deutschen Vereine vomNoten Kreuz trat auf Anregung des Kaisers zu einer Sitzung zusammen und beschloß die Bewilligung eines Kredits von zunächst 10 000 Mit. für Zwecke der Pflege der verwundeten und kranken Matrosen derGneisenau" in Malaga. Die Geldanweisung wird dem deutschen Konsul zugehen. Gleich­zeitig ließ das Centralkomitee die eventuelle Entsendung deutscher Aerzte und Pflegekräfte nach Malaga im Bedarfs­fälle anbieten.

Zur Heimsendung der Besatzung des Schul­schiffesGneisenau" hat der Norddeutsche Lloyd dem Reichs-Marineamte den auf der Rückreise von Ostasien be­griffenen DampferHannover" zur Verfügung gestellt. Die Hannover" soll, falls es nicht gelingt, die ihr vorauf­fahrende HamburgerAndalusia" in Gibraltar anzuhaltev, durch Schleppdampfer in der Straße von Gibraltar Ordre erhalten, nach Malaga zu dampfen.

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Telegramme deS Gießener Anzeiger-.

Kiel, 20. Dezember. Auf eine von der hiesigen Handelskammer anläßlich des Unterganges der Gneisenau" au den Kaiser gesandte BeileidSdepcsche ging folgende vom Chef des Marine-Kabinels, Frhrn. v. Sendcn- Bibran, unterzeichnete Drahtantwort ein:Seine Majestät der Kaiser laffen der Handelskammer zu Kiel für die zum Ausdruck gebrachte warme Anteilnahme an dem Verluste Sr. Majestät SchiffGneisenau" und so vieler hoffnungs-

Konzertverein.

Pr Gießen, 20. Dezember 1900.

fln gehobener weihevoller Stimmung versammelten sich gesijsmii die Mitglieder und Freunde des Konzertvereins in bett Stadtkirche, um an heiliger Stätte der Aufführung eirös Chorwerkes beizuwohnen, für deffen Wiedergabe es wc.H nirgends eine geeignetere, würdigere Stelle geben düiich als das Gotteshaus. HändelsMessias" ist als das bedeutendste Werk des genialen Tondichters aaicrfan.nt und hat unter den Erscheinungen der Oratorien- littimtur bis auf den heutigen Tag einen ehrenvollen Platz teMwiptet. Die vielen Aufführungen, welche das Werk noch henli evlebt, legen beredtes Zeugnis dafür ab, daß noch uichb daran veraltet ist und daß es sich trotz der erheblichen Schnelligkeiten, welche die Aufführenden dabei zu über- wimh haben, bei den Leitern von Oratorienvereinen noch grmlir Beliebtheit erfreut. Daß für geistliche Musik- awHhriiingen in Gießen die Stadtkirche dem Konzertverein Wi iia zur Verfügung gestellt worden ist, wird mit wahrer HeirMfreude jeder begrüßt haben, der der gestrigen Auf- füliimngi beiwohnen konnte, und wenn wegen der Platzfrage hi,/: md. da auch einige Befürchtungen ausgesprochen wurden, ein Teil des Publikums benachteilig werden, so

3 jtfat wohl diese Bedenken zerstreut, und wer die Auf- .'Muag mit abgewandtem Gesicht anhören mußte, hat sich horffmi-ljch überzeugt, daß dieser Umstand gar nichts N'-cqMges im Gefolge hat; das ist übrigens das Schicksal teifla Etaufcnbe, denn eine Ueberbanung des AltarplatzeS füA iit Mitwirkenden ist in anderen Städten nirgends Sitte, «Mvdirr wenigsten Kirchen find so eingerichtet, daß durch